Alles wird gut
Alles wird gut
Hallo ihr Lieben,
ich schon wieder... Bevor wir so richtig in den Unterricht starten, braucht unsere Hermine ein wenig Zuspruch und mir war nach ein wenig Romantik. Deswegen gibt es noch ein Zwischenkapitel für euch, bevor Hermine ihren großen Auftritt hat :) Ich hoffe es gefällt euch :D Lasst es mich gerne wissen.
LG
M.
Das Abendessen in der Großen Halle verlief ungewohnt gedämpft.
Der Lärmpegel der Schülertische schwankte wie immer zwischen Gelächter, klirrenden Bechern und dem gelegentlichen Kichern über flüsternde Gerüchte, doch am Lehrertisch lag etwas in der Luft, das selbst die ganz sensiblen Erstklässler spüren konnten.
Featherstone sah aus, als hätte man ihm ein besonders bitteres Gegengift eingeflößt.
Sein Mund war zu einem schmalen Strich gepresst, die Lippen so fest geschlossen, als hielte er sonst unbedacht einen Fluch zurück. Er stocherte in seinen Erbsen herum, als würde er überlegen, ob er sie wegen mangelnder Disziplin ermahnen sollte.
Minerva registrierte jede Nuance seiner Verstimmung, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
Es gefiel ihm nicht und das wusste sie. Es gefiel ihm überhaupt nicht, dass ihre Entscheidung endgültig war.
Nicht nur Hermine unterstand nun offiziell ihrer besonderen Betreuung, sondern auch Neville. Damit hatte sie ihm mit einem einzigen, klar formulierten Satz vollständig den Wind aus den Segeln genommen.
Featherstone räusperte sich auffällig laut, vermutlich in der Hoffnung, irgendeine Form der Aufmerksamkeit zu erzwingen, doch niemand reagierte.
Pomona unterhielt sich leise mit Neville, der noch immer etwas nervös zwischen seinen Händen nestelte. Irina reichte Hermine unauffällig ein weiteres Stück Kartoffelgratin, weil diese im Gespräch mit Minerva fast vergessen hatte zu essen. Selbst Filius, der selten irgendeinen Konflikt bemerkte, war heute so offensichtlich um Harmonie bemüht, dass er gleich zwei Mal das Thema gewechselt hatte, bevor jemand überhaupt geantwortet hatte.
Nur Featherstone verharrte in seinem wütenden Schweigen. Sein Blick glitt mehrfach zu Minerva. Suchend, drängend, wie eine unausgesprochene Herausforderung, doch jedes Mal traf er nur ihre perfekt kontrollierte Ruhe und jedes Mal sank seine Miene ein wenig tiefer, denn er konnte nichts sagen. Er durfte nichts sagen.
Minervas Entscheidung war nicht nur professionell korrekt. Sie war unangreifbar. Die Kombination aus Hermine und Neville, zwei Referendare unterschiedlicher Fachgebiete, machte seine übliche Argumentationslinie zu einem Kartenhaus, das schon beim bloßen Ansehen auseinanderfiel.
Minerva schnitt sich ein Stück Kürbispastete ab, setzte das Messer ab und meinte beiläufig, so ruhig, als spräche sie über das Wetter:
„Einige Entscheidungen trifft man, weil sie notwendig sind. Andere, weil sie überfällig waren.“
Featherstone erstarrte. Hermine unterdrückte ein kleines Grinsen, das sie fast hinter ihrem Wasserglas versteckte. Neville blickte erschrocken zwischen den Kollegen hin und her, als hätte er Angst, gleich im Zentrum eines Duells zu stehen.
Featherstone versuchte die Kiefer zu entspannen. Es gelang ihm nicht.
„Selbstverständlich“, brachte er schließlich hervor, die Stimme dünn wie Pergament. „Wenn es dein Urteil ist.“
„Es ist mein Urteil“, bestätigte Minerva, ohne aufzusehen und damit war alles gesagt.
Featherstone wandte sich wieder seinem Teller zu, besiegt, aber zu stolz, um es zuzugeben. Seine Erbsen rollten still auf dem Porzellanteller, als seien sie da einzige Zeugnis seines innerlichen Aufruhrs.
Minerva jedoch spürte den Blick eines anderen auf sich.
Hermines.
Warm, dankbar und voller etwas, das sich in der Tiefe anbahnte, leise, vorsichtig, aber unübersehbar. Minerva atmete langsam durch.
Der Abend würde noch lange nicht enden.
Mitten im Gespräch mit Filius, der etwas über die Schwierigkeiten der Erstklässler in seinem Unterricht erzählte, stoppte Minerva abrupt.
Ein kaum merklicher Lufthauch entwich ihr, so leise, dass niemand am Tisch ihn bemerken konnte.
Unter dem Tisch hatte etwas ihre Hand gestreift. Nicht zufällig. Nicht unbeabsichtigt. Und niemand außer einer Person hätte sich das auch nur ansatzweise getraut.
Minerva blieb vollkommen still, geradezu statuenhaft. Ihr Rücken war aufrechter als zuvor, ihre Schultern angespannt und für einen Sekundenbruchteil verriet nur der feine Schimmer in ihren Augen, dass sie innerlich alles andere als ruhig war.
Dann fühlte sie es erneut. Diesmal etwas entschlossener. Eine Hand, warm und vertraut, legte sich auf ihre, blieb jedoch nicht lange dort, sondern rutschte unbemerkt auf ihren Oberschenkel. Der Druck war sanft, aber eindeutig. Skrupellos eindeutig.
Minerva wagte den Kopf leicht zu drehen. Hermine saß neben ihr, völlig unschuldig wirkend, als lausche sie aufmerksam Irinas Erzählung über einen besonders skurrilen Irrwicht eines Schülers.
Kein verräterischer Zug in ihrem Gesicht. Kein Lächeln. Kein blinzelndes Geständnis. Ihre Finger bewegten sich weiter – kleine, feine Kreise entlang Minervas Oberschenkel, langsam, sicher, als hätten sie jedes Recht der Welt dazu. Minerva schluckte. Ein winziger Muskel zuckte in ihrer Wange, verborgen unter der strengen Maske der Schulleiterin. Unbemerkt legte Minerva ihre Hand auf Hermines.
Hermine lehnte sich einen Hauch näher vor, als würde sie etwas auf dem Tisch betrachten. Die Bewegung war unscheinbar, genau getimt und unter dem Tisch verschränkte sie einen Moment lang ihre Finger mit Minervas.
Featherstone sprach gerade irgendeinen überkorrekten Kommentar zu den Lehrplänen der nächsten Woche aus, doch Minerva hörte nur Rauschen. Ihre Aufmerksamkeit schrumpfte auf den warmen Druck Hermines. Auf die heimliche, aber unmissverständliche Zärtlichkeit, die niemand sonst sehen durfte.
Ein Zucken entglitt Minervas Atem, kaum wahrnehmbar, aber Hermine spürte es. Ihre Finger glitten wieder über Minervas Schenkel und drückten ein klein wenig fester.
Hermine senkte schließlich den Blick zu ihrem eigenen Teller und nur ganz kurz, kaum länger als ein Wimpernschlag, huschte ein freches, gefährliches Lächeln über ihre Lippen, als sie ganz langsam ihre Hand zurückzog. Minerva fühlte es bis in die Brust. Es war mehr als ein Spiel. Es war ein Versprechen, dass der Abend noch lange nicht vorbei war.
Niemand sah das leichte Schmunzeln von Irina, die unfreiwillig Hermines Gedanken gehört hatte. Der Abend würde definitiv noch eine Überraschung für die Schulleiterin bereithalten.
Nach dem Essen entschuldigte sich Hermine. Sie wollte noch etwas für den morgigen Tag vorbereiten. Schließlich würde sie das erste Mal aktiv den Unterricht mitgestalten dürfen. Sie wusste aber, dass sie sicher nicht lange allein bleiben würde.
Hermine hatte kaum die Kerze entzündet, als es an der Tür klopfte. Ein einziges, bestimmtes Klopfen. Sie lächelte.
„Herein“, rief sie und setzte sich scheinbar harmlos an ihren Schreibtisch, als hätte sie wirklich Unterrichtsmaterial sortiert.
Die Tür öffnete sich und Minerva trat ein. Schnell, entschlossen, beinahe lautlos. Ihre Miene war streng, doch Hermine erkannte den Funken dahinter sofort. Diesen schmalen Grat zwischen Disziplin und etwas völlig anderem.
„Hermine“, begann Minerva, die Tür hinter sich schließend, „wir müssen über dein Verhalten beim Abendessen sprechen.“
„Welches Verhalten?“ Hermine hob eine Augenbraue, vollkommen unschuldig.
Minerva schritt näher, ihre Robe glitt lautlos über den Boden.
„Du weißt genau, was ich meine.“
„Nein“, sagte Hermine mit einem leichten Schulterzucken, „ich fürchte, ich bin ganz im Dunkeln. Vielleicht könntest du… etwas konkreter werden.“
Minervas Atem stockte für einen winzigen Moment, doch ihre Stimme blieb kühl.
„Deine… Berührung war völlig unangemessen.“
Hermine lehnte sich zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und musterte Minerva mit einem gefährlich sanften Funkeln.
„Ach? Ich erinnere mich gar nicht, dich berührt zu haben.“
Minerva öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch genau in diesem Moment stand Hermine auf. Ohne Vorwarnung. Schnell. Zielgerichtet.
Sie packte Minervas Handgelenk und zog sie mit einer entschlossenen Kraft zu sich, die Minerva vollkommen aus dem Gleichgewicht brachte.
Ein überraschter Laut entfloh Minerva, bevor sie sich fing, doch da berührte sie bereits den Schreibtisch. Hermine nutzte die Bewegung, schob sie mit einem einzigen, fließenden Impuls hinauf, sodass Minerva nun halbsitzend, halb stehend auf der Tischkante saß.
Ihre Augen weiteten sich vor Überraschung und etwas viel Tieferem.
„Hermine—“
Doch der Name war kaum gesprochen, da legte sich Hermines Hand an Minervas Wange, und sie beugte sich vor. Der Kuss stoppte jede weitere Silbe.
Er war weder zaghaft noch stürmisch, sondern eine perfekte, konzentrierte Mischung aus Mut und Verlangen, aus dem, was Hermine ausdrücken wollte und dem, was Minerva sich kaum zu denken wagte. Minerva erwiderte ihn, erst vorsichtig, dann mit wachsender Sicherheit, einer längst überfälligen Klarheit.
Hermine brach erst nach einem langen Moment den Kuss, hielt Minervas Gesicht aber weiterhin zwischen ihren Händen.
„Meinst du… diesen Kontakt?“, flüsterte Hermine, ihre Lippen fast wieder an Minervas.
Minerva war außer Atem, doch ihr Blick war fest.
„Du… bist unmöglich“, murmelte sie, aber die Worte hatten keinerlei Schärfe. Nur Wärme. Und Gefallen.
Hermine lächelte, beugte sich erneut vor.
„Dann solltest du mich vielleicht aufhalten.“
Minerva tat es nicht.
Hermine hätte Minerva am liebsten wieder zu sich hergezogen, so unmittelbar, so stark war der Sog zwischen ihnen, doch Minerva legte eine Hand auf Hermines Arm. Nicht ablehnend, eher wie ein stiller Widerstand, der es beiden schwer machte, wieder Luft zu holen.
Langsam, mit einem hörbaren Atemzug, löste Minerva sich. Sie rutschte von der Tischkante herunter, die Robe glitt über ihre Beine und Hermine machte instinktiv einen Schritt zurück. Enttäuschung flackerte in Hermines Augen, kaum verborgen.
„Also doch ein Fehler“, murmelte Hermine und obwohl ihre Stimme ruhig klang, schwang etwas darin mit, das Minerva sofort traf.
„Nein“, sagte Minerva fester als beabsichtigt. Sie berührte Hermines Hand. „Nein, Hermine. Daran zweifle ich keinen Moment.“
Hermine sah auf ihre ineinander verhakten Finger, dann wieder zu Minerva hoch.
„Dann warum—?“
Minerva seufzte, fast frustriert über sich selbst. Sie strich eine ihrer eigenen grauen Haarsträhnen hinter das Ohr, ein verräterisch nervöser Reflex.
„Weil wir uns sonst in… etwas verlieren könnten, das wir nicht mehr kontrollieren können mein Schatz.“
Ein winziges, scheues Lächeln.
„Und weil ein Schreibtisch in deinem Büro nun wirklich kein würdiger Ort dafür ist.“
Hermines Mund verzog sich zu einem vertrauten Grinsen.
„Ich finde den Ort eigentlich gar nicht so schlecht.“
Sie strich sanft über Minervas Wange. Minerva schnaubte leise.
„Natürlich tust du das. Du vergisst allerdings manchmal, wie alt ich bin.“
Hermine kniff ihre Augen zusammen und sah Minerva scharf an.
„Hm… Ich habe absolut keine Ahnung, was du meinst. Ich sehe eine wunderschöne, attraktive Frau im besten Alter vor mir.“
Minerva verdrehte die Augen. Sie rückte näher, so nah, dass Hermines Atem ihren Hals streifte.
„Aber wenn wir uns darauf einlassen…“
Ihre Stimme wurde tiefer.
„…dann nicht halb versteckt zwischen Pergamentrollen.“
Hermine hob eine Braue.
„Das heißt also…?“
Minerva sah sich kurz im Raum um und wandte sich dann wieder Hermine zu.
„Wenn ich mich richtig erinnere, liegt deine Wohnung direkt nebenan?“
Hermines Herz schien einen Schlag auszusetzen. Minerva bot ihr eine Hand an. Hermine nahm sie und zog Minerva an sich.
„Na wenn das so ist“, sagte sie grinsend und küsste Minerva zärtlich.
Dann zog sie ihre Liebste mit sich. Gemeinsam traten sie durch die Verbindungstür, die in Hermines private Räume führte. Minerva ließ Hermines Hand erst los, als die Tür leise ins Schloss gefallen war und selbst dann nur, um sie an der Taille zu berühren, als würde sie sich vergewissern wollen, dass Hermine wirklich da war.
„Also mein Schatz, dann fangen wir jetzt noch einmal an“, meinte Hermine mit einem unmissverständlichen Feuer in den Augen und zog Minerva mit sich in ihr Schlafzimmer.
Der Morgen kam leise. Ein goldener Streifen Sonnenlicht tastete sich über den Boden von Hermines Schlafzimmer, kroch langsam die Bettkante hinauf und fand schließlich die beiden Frauen, die eng aneinandergeschmiegt unter der weichen Decke lagen. Hermine erwachte zuerst. Nicht abrupt, sondern mit diesem langsamen, warmen Bewusstsein, das nur nach Nächten kam, die sich richtig anfühlten. Sie blinzelte, sah Minervas Profil – entspannt, friedlich, beinahe jung im sanften Licht – und lächelte unwillkürlich. Sie hob eine Hand, strich vorsichtig eine widerspenstige Lockensträhne aus Minervas Gesicht. Minerva murmelte etwas Unverständliches, die Stirn glättete sich und sie rückte im Halbschlaf näher, bis ihre Stirn Hermines Schulter berührte. Hermine lachte leise in sich hinein.
„Guten Morgen“, flüsterte sie und streichelte sanft Minervas Rücken auf und ab.
Minerva öffnete die Augen. Ein Anblick, der Hermine sofort das Herz wärmer machte als jede Decke.
„Guten Morgen“, murmelte Minerva, ihre Stimme noch rau und tief von der Nacht. „Es ist… erstaunlich angenehm, so geweckt zu werden.“
Hermine beugte sich vor und platzierte einen sanften Kuss auf Minervas Stirn.
„Ich kann das gerne zur Gewohnheit machen.“
Minerva schloss die Augen, aber ein leichtes Schmunzeln verriet sie.
„Unvernünftig.“
„Sehr.“ Hermine küsste Minervas Wange. „Aber schön.“
„Hm.“
Minerva rutschte ein Stück höher, brachte ihre beiden Gesichter auf gleiche Höhe. Ihre Hand fand Hermines Taille, ruhend, warm.
„Ich sollte dich tadeln.“
„Schon wieder?“ Hermine grinste.
„Für diese Ablenkung.“
Minerva strich mit dem Daumen sachte über Hermines Hüfte.
„Ich versuche, einen klaren Kopf zu behalten.“
„Und scheiterst kläglich.“
„Offensichtlich.“
Hermine legte ihre Stirn an Minervas. Sie blieben so, ein ruhiger Moment, der alles ausfüllte: Zuneigung, Wärme, ein neues Gleichgewicht zwischen ihnen.
Minerva öffnete die Augen ganz. Hermine erwiderte den Blick lange, ohne ein Wort zu verlieren. Dann schob sie die Hand an Minervas Nacken und gab ihr einen liebevollen Kuss. Die Zeit stand einen Herzschlag lang still. Dann legte Minerva den Kopf an Hermines Brust, entspannt, zufrieden und Hermine strich langsam durch ihr Haar, im Rhythmus des Atems, der nun zwischen ihnen ganz synchron geworden war. Nach einer Weile löste Hermine sich aus der warmen Ruhe des Morgens und setzte sich langsam im Bett auf. Die Decke rutschte an ihren Armen hinunter und sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, die sich in der Nacht gelöst hatte.
Minerva beobachtete sie aufmerksam. Zuerst sah Hermine einfach nur gedankenverloren aus. Doch dann begann sie mit den Fingern eine Falte in der Decke zu zupfen. Wieder und wieder, wie ein kleines, rastloses Muster. Minerva kannte diese Geste.
„Was beschäftigt dich?“, fragte sie ruhig und richtete sich ebenfalls auf.
Hermine seufzte. „Der Unterricht.“
Minerva blinzelte.
„Der Unterricht?“
Ihre Stimme klang fast amüsiert.
„Hermine, du hast Prüfungen in einem Zustand bestanden, in dem andere Menschen nicht einmal geradeaus hätten denken können und du fürchtest dich vor dem Unterricht?“
„Darum geht es nicht.“
Hermine schloss kurz die Augen.
„Es ist… heute ist das erste Mal, dass ich offiziell in Featherstones Unterricht mitarbeiten darf. Nicht nur daneben sitzen und beobachten.“
Minerva streckte eine Hand aus und legte sie auf Hermines Rücken, eine sanfte, nachdrückliche Geste.
„Das ist doch gut. Genau das wolltest du.“
„Ja“, flüsterte Hermine. „Aber ich mache mir keine Illusionen, Minerva. Er wird mir das nicht leicht machen. Er wird jede Gelegenheit nutzen, mich zu korrigieren, mich zu untergraben. Und ich—“
Sie stockte. Minerva ließ ihre Finger in kleinen Kreisen über ihren Rücken wandern.
„Und du hast Angst, Fehler zu machen“, beendete sie den Gedanken leise.
Hermine nickte kaum merklich. Minerva rückte näher. Ihre Stirn berührte Hermines Schläfe, so sanft, dass es eher wie eine Berührung aus Licht wirkte.
„Hör mir gut zu“, sagte sie in diesem Tonfall, der immer gleichzeitig Wärme und unerschütterliche Entschlossenheit trug. „Du wirst Fehler machen. Jeder macht Fehler. Ich, du, selbst Albus damals—wohl mehr, als er zugeben mochte.“
Hermine atmete aus, ein wenig erleichtert.
„Aber“, fuhr Minerva fort und ihre Hand legte sich nun an Hermines Arm, „du wirst nicht wegen Featherstone scheitern. Und er wird dich nicht brechen. Denn ich habe dich gesehen. In jeder Unterrichtsstunde, jeder Diskussion, jedem Zauber, den du perfektioniert hast.“
Ihre Stimme wurde weicher, wenn auch nicht weniger bestimmt.
„Du bist brillant, Hermine. Und stark. Viel stärker, als du denkst.“
Hermine senkte den Blick, aber Minerva hob behutsam ihr Kinn an, sodass sich ihre Augen wieder trafen.
„Und du bist nicht allein. Ich werde da sein. Mich interessiert nicht, wie sehr es ihm widerstrebt. Ich werde zuschauen, ich werde eingreifen, wenn es nötig wird und ich werde keinen Moment zögern, sollte er versuchen, dich herabzusetzen.“
Ein Hauch Erleichterung, Dankbarkeit und Liebe huschte über Hermines Gesicht.
„Minerva…“ flüsterte sie.
Minerva streichelte über Hermines Wange, sanft, wie ein stilles Versprechen.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Nicht heute. Nicht mehr.“
Hermine setzte sich näher, legte die Stirn an Minervas Schulter.
„Danke“, sagte sie leise.
Minervas Arm schloss sich fest und warm um sie.
„Du wirst großartig sein“, murmelte Minerva. „Und ich werde stolz auf dich sein. Ganz gleich, was Edmund versucht.“
Hermine lächelte ein wenig gegen ihren Hals.
„Ich glaube, das hilft mehr als alles andere.“
Langsam lösten sie sich voneinander und Hermine atmete tief durch, als hätte Minervas Zuspruch sie wirklich bis in die Knochen beruhigt.
„Wir sollten aufstehen“, sagte Minerva schließlich mit einem leisen Seufzen, das nicht nur Vernunft verriet, sondern auch ein Bedauern darüber, dass der Morgen enden musste.
Hermine grinste. „Du klingst, als würdest du lieber hierbleiben.“
„Vielleicht würde ich das ja auch gerne.“
„Was? Und das von der strengen, eisernen Schulleiterin?“
Minerva hob eine Augenbraue – der altbekannte Ausdruck, der immer ein Hauch von Humor und Herausforderung in sich trug.
„Ich habe nie behauptet, dass ich vollkommen vernünftig bin.“
Hermine lachte leise und warf die Decke zurück. Das Licht fing sich in ihrem Haar und Minerva beobachtete sie einen Augenblick zu lange, bevor sie sich ebenfalls aufrichtete.
Hermine zog ihren Morgenmantel an, band ihn locker um die Taille, während Minerva ihre Robe ordnete, die auf dem Stuhl abgelegt war. Der Stoff glitt elegant über ihre Schultern.
Als Minerva den Verschluss schloss, trat Hermine hinter sie und legte ihre Hände sachte auf Minervas Hüften.
„Du siehst wunderschön aus“, murmelte sie, warm gegen Minervas Nacken und setzte ein paar zarte Küsse auf ihren Hals.
Minerva schloss für einen Moment die Augen.
„Das ist unangebracht, Miss Granger.“
„Und trotzdem habe ich recht.“
Minerva drehte sich zu ihr um, nahm Hermines Gesicht zwischen beide Hände und küsste sie. Hermine seufzte zufrieden in den Kuss hinein und schlang kurz die Arme um Minervas Taille, bevor sie sich löste.
„Ich sollte jetzt gehen“, sagte Minerva schließlich, auch wenn sie selbst nicht begeistert wirkte.
Hermine nickte, auch wenn ihre Finger noch zögerten, Minervas Robe loszulassen. Minerva berührte kurz Hermines Wange mit dem Daumen.
„Ich weiß“, murmelte Hermine.
„Kopf hoch mein Schatz. Wir sehen uns gleich beim Frühstück.“
Wieder nickte Hermine. Minerva wollte sich abwenden, doch da griff Hermine noch einmal nach ihrer Hand.
„Warte.“
Minerva sah sie fragend an.
„Danke. Für alles.“
Minerva lächelte.
„Immer. Ich liebe dich.“
„Ich dich auch.“
Ein letzter, kurzer Kuss – weich, warm, eine leise Mutmachung – und dann trat Minerva zurück, setzte ihre Brille auf und gewann wieder die Haltung der Schulleiterin. Hermine sah ihr nach, während Minerva sich zur Tür wandte. Die Verbindungstür fiel leise ins Schloss und der Raum schien noch einen Moment lang von Minervas Wärme erfüllt zu sein. Hermine atmete tief durch, strich ihr Haar glatt und versuchte, sich auf den Tag zu fokussieren.
„Alles wird gut“, murmelte sie und zum ersten Mal glaubte sie es wirklich.