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Keine Ruhe

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Keine Ruhe

Hallo meine Lieben,

ich will nicht viel sagen, außer - weiter geht's ;) Ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel.

LG

M.

Der Morgen schob sich leise in das Zimmer, noch zaghaft, noch grau. Hermine war bereits wach. Sie lag auf der Seite, den Kopf auf den Arm gestützt und betrachtete Minerva neben sich. Minerva schlief tief. Ihr Atem war ruhig, gleichmäßig, doch die feinen Linien der Erschöpfung lagen offen in ihrem Gesicht. Es waren Spuren einer Nacht, die intensiv gewesen war, fordernd und zugleich befreiend. Ihr Haar lag ungeordnet auf dem Kissen, eine Hand locker neben sich, die andere noch immer in Hermines Nähe, als hätte sie selbst im Schlaf nicht ganz losgelassen. Hermine lächelte zärtlich.

'Vielleicht war es zu viel', dachte sie unwillkürlich.

Nicht aus Reue, eher aus Sorge. Minerva trug so viel Verantwortung, so viele Lasten und diese Nacht… sie war leidenschaftlich gewesen, ungestüm, ein wenig unvernünftig. Genau das, was sie beide gebraucht hatten und wovor Hermine nun einen Moment lang zurückschreckte. Sie hob die Hand, strich Minerva eine Strähne aus dem Gesicht, ganz vorsichtig, um sie nicht zu wecken, doch Minerva regte sich trotzdem. Ein leises Einatmen, ein kaum merkliches Stirnrunzeln, dann öffneten sich ihre Augen.

„Guten Morgen“, murmelte sie schlaftrunken.

Hermine erstarrte kurz, dann lächelte sie weich.

„Guten Morgen.“

Minerva blinzelte, sah sie einen Moment lang an und dann erschien dieses ruhige, wissende Lächeln auf ihren Lippen. Sie zog Hermine näher zu sich, ohne Mühe, ohne Zögern.

„Du denkst nach“, stellte sie fest leise.

Hermine seufzte kaum hörbar.

„Ich wollte nur… sicher sein, dass es nicht zu viel war. Für dich.“

Minerva legte eine Hand an Hermines Wange, ihr Daumen strich sanft darüber.

„Hermine“, sagte sie ruhig, klar, ohne jeden Zweifel, „es war genau richtig.“

Sie beugte sich vor, küsste sie — nicht stürmisch wie in der Nacht zuvor, sondern warm, bestärkend, voller Gewissheit.

„Ich bin müde“, fuhr sie fort, „aber nicht erschöpft von dir. Sondern gestärkt.“

Hermine schloss kurz die Augen, ließ diese Worte in sich einsinken. Etwas löste sich in ihr, ein Rest Spannung, den sie gar nicht mehr bemerkt hatte.

„Dann bin ich beruhigt“, murmelte sie und schmiegte sich an Minerva.

Minerva zog sie an sich, legte die Stirn an ihre.

„Zweifel haben hier keinen Platz“, sagte sie leise. „Nicht zwischen uns.“

Noch einen Moment blieben sie so liegen, eingehüllt in die sanfte Stille des Morgens, bevor der Tag sie wieder rufen würde.

Hermine blieb noch einen Moment an Minerva geschmiegt liegen, dann hob sie leicht den Kopf.

„Was hast du heute vor?“, fragte sie leise.

Minerva atmete ein. Einen Tick zu bewusst, um Hermine zu entgehen. Ihr Blick glitt kurz zur Uhr auf dem Nachttisch, dann zurück zu Hermine.

„Ich… muss noch einmal ins Ministerium“, sagte sie schließlich.

Hermine runzelte kaum merklich die Stirn.

„Schon wieder?“

Minerva nickte.

„Ja.“

Ein kurzer Moment der Stille folgte. Hermine kannte Minerva gut genug, um zu spüren, dass da mehr war. Dieses winzige Zögern, diese sorgfältig gewählten Worte.

„Worum geht es?“, fragte sie ruhig, ohne Vorwurf, aber aufmerksam.

Minerva schwieg. Nur einen Augenblick, doch es reichte. Dann lächelte sie sanft, hob die Hand und strich Hermine über den Arm.

„Du musst dir keine Sorgen machen“, sagte sie ruhig. „Gestern sind ein paar Punkte offen geblieben. Der Minister möchte sie noch mit mir besprechen.“

Sie sprach sachlich, souverän. Es klang plausibel. Vernünftig. Und doch…

Hermine nickte langsam.

„Verstehe.“

Sie zwang sich, den Zweifel nicht weiter zu verfolgen. Minerva hatte keinen Grund, sie anzulügen und trotzdem blieb dieses leise Gefühl wie ein Schatten am Rand ihres Bewusstseins.

'Vielleicht sagt sie mir nicht alles', dachte Hermine.

'Nicht, um mich auszuschließen, sondern um mich zu schützen.'

Sie lehnte sich wieder an Minerva, legte den Kopf an ihre Schulter.

„Pass auf dich auf“, sagte sie leise.

Minerva küsste sie sanft auf den Scheitel.

„Das werde ich.“

Hermine schloss die Augen für einen Moment, nahm sich fest vor, Minervas Worten zu vertrauen, doch tief in ihr blieb eine leise Unruhe zurück. Schließlich löste Minerva sich aus der Umarmung und setzte sich auf.

„Ich muss los“, sagte sie leise. „Wenn ich noch vor dem Frühstück im Ministerium sein will.“

Hermine nickte, setzte sich ebenfalls auf und strich sich das Haar aus dem Gesicht. Die Müdigkeit der Nacht lag noch in ihren Gliedern, doch darunter war diese ruhige Wärme, die blieb. Sie standen auf, zogen sich schweigend an, halfen einander beiläufig — eine Hand, die kurz verweilte, ein Blick, der mehr sagte als Worte. Als Minerva schließlich nach ihrer Robe griff, drehte sie sich noch einmal zu Hermine um.

„Heute wird kein leichter Tag“, sagte sie ruhig. „Aber du kannst das.“

Hermine sah sie an, suchte in ihrem Gesicht nach Halt und fand ihn.

„Du bist klug“, fuhr Minerva fort. „Du bist standhaft. Und du lässt dich nicht einschüchtern. Ganz gleich, wie sehr jemand es versucht.“

Dann trat sie näher, legte beide Hände an Hermines Wangen und küsste sie. Der Kuss war fest, klar, voller Zuversicht. Er war kein Abschiedskuss, sondern ein Versprechen. Hermine schloss die Augen, ließ diese Nähe in sich einsinken. Als Minerva sich löste, atmete sie tief ein.

„Danke“, sagte sie leise. „Das… hilft.“

Minerva lächelte sanft.

„Das freut mich.“

Hermine erwiderte das Lächeln, auch wenn ein Rest Sorge blieb.

„Viel Glück im Ministerium.“

„Ich werde es brauchen“, antwortete Minerva mit einem Hauch von Humor, dann wandte sie sich zur Tür.

Hermine blieb stehen und sah ihr nach, bis sie gegangen war. Erst dann atmete sie noch einmal tief durch, straffte die Schultern und griff nach ihrer Tasche. Der Tag wartete nicht. Featherstone wartete nicht. Doch sie war nicht allein.

Mit diesem Gedanken machte Hermine sich auf den Weg zum Frühstück.

Der Tag verlief, als hätte jemand ihn aus den vorherigen kopiert, nur ein wenig schärfer an den Kanten.

Hermine stand wieder an Featherstones Seite, wieder aufmerksam, wieder vorbereitet. Und wieder ließ er sie unterrichten — gerade genug, um den Anschein von Kooperation zu wahren. Sie erklärte einen Ansatz, führte einen Zauber vor, stellte Fragen an die Klasse. Für kurze Momente fühlte es sich beinahe normal an.

Dann kam er.

„Präziser, Miss Granger“, warf Featherstone ein, noch bevor sie ihren Satz beenden konnte.

Oder: „Das ist eine sehr… optimistische Interpretation.“

Oder: „Vielleicht sollten wir uns auf Bewährtes verlassen, statt auf Spielereien.“

Seine Kommentare waren leise, kontrolliert und sauber formuliert. Nichts, das man ihm offen vorwerfen konnte und doch wirkten sie. Jeder einzelne davon entzog ihr ein Stück Autorität, verschob die Aufmerksamkeit der Schüler und ließ Zweifel keimen.

Hermine reagierte, wie sie es sich vorgenommen hatte: ruhig, sachlich, unbeirrt. Sie korrigierte sich nicht, wenn es nichts zu korrigieren gab. Sie ließ sich nicht provozieren. Sie hielt Blickkontakt, blieb höflich, aber es kostete Kraft.

Als sie eine Schülerin lobte, hob Featherstone nur eine Augenbraue.

Als sie eine Frage beantwortete, ergänzte er sie — unnötig, demonstrativ.

Als ein Zauber nicht sofort gelang, kommentierte er trocken: „Vielleicht wäre das unter klarerer Anleitung vermeidbar gewesen.“

Hermine spürte, wie sich ihre Schultern immer wieder anspannten. Sie löste es bewusst, atmete kontrolliert, konzentrierte sich auf das Wesentliche: den Unterricht, die Schüler, die Sache.

'Nur durchhalten', sagte sie sich. 'Nur noch ein paar Tage.'

Die Schüler bemerkten die Spannung. Manche sahen unsicher zwischen ihnen hin und her, andere mieden Hermines Blick, als fürchteten sie, Teil eines unausgesprochenen Konflikts zu werden.

In der Pause stand Hermine kurz am Fenster des Korridors, ließ die Stirn gegen das kühle Glas sinken. Kein Drama. Keine Szene. Nur diese stetige, zermürbende Untergrabung.

'Er will, dass ich reagiere. Das werde ich nicht.'

Als die nächste Stunde begann, nahm sie wieder ihren Platz ein, hob das Kinn und machte weiter. Jeder klare Satz, jede ruhige Antwort war ein stiller Akt des Widerstands und irgendwo, tief unter der Erschöpfung, hielt sie sich an Minervas Worte fest:

'Du lässt dich nicht einschüchtern.'

Also tat sie genau das nicht. Auch wenn der Preis dafür mit jeder Stunde spürbarer wurde.

Hermine bekam Minerva an diesem Tag kaum zu Gesicht.

Beim Mittagessen hatte sie ihren Platz in der Großen Halle vergeblich gesucht. Minervas Stuhl blieb leer, ein stummes Zeichen dafür, dass sie direkt aus dem Ministerium in den Tagesbetrieb übergegangen sein musste. Im Laufe des Vormittags hörte Hermine ihren Namen nur in Nebensätzen — „Minerva hat noch einen Termin“, „die Schulleiterin ist heute ausgelastet“ — mehr nicht.

Zwischen zwei Stunden begegneten sie sich kurz auf dem Flur. Minerva war im Gespräch mit Filius und Pomona, ein Stapel Pergamente unter dem Arm, der Blick konzentriert. Als sie Hermine sah, hielt sie einen Herzschlag lang inne, nickte ihr mit einem sanften Lächeln zu. Es war ein stilles 'Ich sehe dich.'

Mehr blieb ihnen nicht. Der Nachmittag zog sich endlos. Unterricht, Korrekturen, leere Korridore. Auch beim Abendessen hatte Hermine keine Chance, ein paar Worte mit Minerva zu wechseln. Sie saß an am Ende des Tisches und Minerva wie gewohnt in der Mitte. Hermine spürte Minervas Anwesenheit wie einen leisen Zug im Hintergrund, doch sie wagten keinen Blickkontakt. Featherstone saß ein paar Plätze weiter, scheinbar entspannt, fast zufrieden. Hermine zwang sich, langsam zu essen.

Später, als Hermine schließlich in ihre Wohnung zurückkehrte, war es draußen bereits dunkel. Sie legte ihre Tasche ab, zündete eine Lampe an und setzte sich an den Schreibtisch, ohne wirklich zu arbeiten. Die Stille lastete schwerer als sonst.

'Vielleicht ist sie noch im Büro', dachte Hermine. 'Vielleicht kommt sie später.'

Es klopfte, als sie gerade aufstand, um sich Tee zu machen. Nicht laut, eher vorsichtig.

Hermine hielt den Atem an, ging zur Tür und öffnete und dort stand sie.

Minerva.

Ihre Robe war ordentlich, aber sie wirkte müde, nicht erschöpft im körperlichen Sinn, sondern getragen von einem Tag voller Entscheidungen. Als ihr Blick auf Hermine fiel, veränderte sich etwas in ihrem Gesicht. Die Anspannung wich, als hätte jemand einen Zauber gelöst.

„Darf ich?“, fragte sie leise.

Hermine trat sofort zur Seite.

„Natürlich.“

Kaum war die Tür geschlossen, fiel jede Zurückhaltung. Minerva legte ihren Umhang ab, Hermine trat auf sie zu und im nächsten Moment hielten sie einander fest. Kein hastiger Kuss, sondern dieses tiefe, vertraute Aneinanderlehnen, als müssten sie sich erst vergewissern, dass die andere wirklich da war.

„Du bist spät“, murmelte Hermine an Minervas Schulter.

„Ein langer Tag“, antwortete Minerva ruhig und strich ihr durch das Haar. „Zu lang.“

Hermine löste sich ein wenig, sah sie prüfend an.

„Alles in Ordnung?“

Minerva nickte.

„Ja. Jetzt schon.“

Sie küsste sie sanft, langsam, ohne Drängen. Alles blieb von ihnen fern - die Welt, der Druck, Featherstone, das Ministerium. Für diesen Moment gab es nur sie beide und die Stille zwischen zwei Atemzügen.

Minerva lehnte die Stirn an Hermines.

„Es tut mir leid, dass ich heute kaum für dich da sein konnte.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Ich wusste, dass es so wird.“

Und doch war es eine Erleichterung, Minerva endlich hier zu haben.

Sie lösten sich schließlich voneinander und setzten sich nebeneinander auf das Sofa. Minerva legte die Hände locker in den Schoß und musterte Hermine aufmerksam. Nicht bohrend, aber mit dieser stillen Wachsamkeit, die ihr eigen war.

„Erzähl mir von deinem Tag“, sagte sie ruhig.

Hermine atmete aus, lehnte sich zurück und zuckte leicht mit den Schultern. „Anstrengend“, antwortete sie. „Wie die letzten auch.“

Minerva hob eine Augenbraue, sagte aber nichts.

„Featherstone lässt mich unterrichten“, fuhr Hermine fort, scheinbar nüchtern. „Oder besser: Er lässt mich anfangen. Dann übernimmt er wieder. Es ist… zäh, aber nichts, womit ich nicht umgehen könnte.“

Sie lächelte, ein wenig zu schnell.

„Ich muss mich eben bewähren. Das gehört dazu.“

Minerva sah sie einen Moment lang an, die Augen ruhig, aber scharf. Hermine hielt ihrem Blick stand, auch wenn sich etwas in ihrem Magen zusammenzog.

„Es sind ja nur noch ein paar Tage“, fügte sie hastig hinzu. „Dann ist Wochenende und danach wird es ohnehin leichter. Nur noch diese Woche bei ihm, dann wieder Zaubertränke. Das schaffe ich.“

Minerva nickte langsam.

„Ein paar Tage können kurz sein“, sagte sie. „Oder sehr lang.“

Hermine lachte leise.

„In diesem Fall entscheide ich mich für kurz.“

Minerva griff nach ihrer Hand, drückte sie sanft.

„Ich weiß, dass du stark bist.“

„Das muss ich auch sein“, erwiderte Hermine und verschränkte die Finger mit ihren. „Es ist alles gut. Wirklich.“

Minerva schwieg einen Moment, betrachtete ihre verbundenen Hände. Sie sagte nichts weiter, aber etwas in ihrem Blick verriet, dass sie Hermines Worte zwar akzeptierte, ihr jedoch nicht vollständig glaubte.

„Dann lassen wir den Tag hier“, sagte sie schließlich. „Er hat genug Raum bekommen.“

Hermine nickte dankbar.

„Das hat er.“

Sie lehnten sich aneinander, Schulter an Schulter. Für diesen Abend reichte das.