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Neuanfang

Still, You Stayed — www.fanfiktion.de · All chapters

Neuanfang

Am nächsten Morgen erwachte Hermine glücklicher, als sie noch am Vorabend dachte. Sie hatte in ihrer neuen Wohnung so gut geschlafen, wie schon lange nicht mehr, obwohl es nur ein paar Stunden waren. Als sie aufstand, trat sie sofort an das große Fenster und ließ den Blick über das Gelände schweifen. Leichter Nebel bedeckte die Landschaft. Es fühlte sich sofort nach zu Hause an. Nach einer Weile wandte sie sich ab und ging in ihr Bad, um ausgiebig zu duschen. Als sie fertig war, legte sie ein dezentes Make-up auf und zog sich an. In ihrer weißen Bluse und einem dunkelroten Rock, der bis zu ihren Knien reichte, trat sie vor den großen Spiegel. Sie richtete ihren schwarzen Gürtel und zog schwarze Schuhe mit leichtem Absatz an. Ihr Haar wurde von einem dunkelroten Haarband zurückgehalten. Als Hermine auf die Uhr sah, war es kurz vor 8 Uhr.

„Zeit fürs Frühstück“, sagte sie zu ihrem Spiegelbild und verließ ihre Wohnung.

Lächelnd ging sie durch die Flure. Der Zauber von Hogwarts war nicht vergangen. Hermine fühlte sich, als würde sie zum ersten Mal durch die Korridore gehen. Kurz vor der großen Halle traf sie auf Professor Sprout.

„Guten Morgen Hermine“, sagte sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

„Guten Morgen Professor“, antwortete Hermine freundlich.

„Meine Liebe, du bist keine Schülerin mehr. Wie wäre es, wenn wir das Professor weglassen und uns beim Vornamen nennen? Ich bin Pomona.“

„Sehr gerne Prof… Ich meine Pomona.“

„Schön. Komm, lass uns frühstücken.“

Gemeinsam gingen sie in Richtung der großen Halle.

„Ich hoffe, ich bin nicht allzu spät dran“, meinte Hermine. „Ich wusste nicht so recht, wann ich hier sein sollte.“

„Noch sind Ferien. Da sitzt niemand um halb 7 beim Frühstück. Außer vielleicht unsere Schulleiterin.“

„Wirklich?“

„Oh ja. Sie ist selbst in den Ferien spätestens um 7 Uhr hier.“

„Ausschlafen kennt sie wohl nicht.“

„Du wirst dich wundern. Minerva ist außerhalb des Unterrichts natürlich anders, doch ihr Pflichtbewusstsein und ihre Prinzipien legt sie nie ab.“

Hermine wusste, was die Professorin für Kräuterkunde damit ausdrücken wollte. Gemeinsam betraten sie die große Halle. Tatsächlich saß Minerva noch auf ihrem Platz. Das Frühstück schien sie bereits beendet zu haben, doch sie blätterte interessiert im Tagespropheten und nippte an ihrer Tasse. Ebenfalls am Tisch saßen Madam Pomfrey, Professor Trelawney und Professor Flitwick.

„Guten Morgen“, sagte Hermine freundlich.

Alle Anwesenden sahen auf und wünschten ihrer neuen Kollegin ebenfalls einen guten Morgen. Hermine kam es vor, als würde sie von Professor McGonagall prüfend angesehen, doch als sie ihren Blick suchte, war diese schon wieder in den Tagespropheten vertieft. Pomona nahm zwischen Poppy Pomfrey und Professor Flitwick Platz. Also blieben Hermine noch zwei Optionen. Entweder sie würde sich neben die Wahrsagerin setzen oder zwischen Professor McGonagall und die Heilerin Madam Pomfrey. Minerva schien ihr Unbehagen bemerkt zu haben. Wie beiläufig zog sie den Stuhl neben sich zurück. Mit einer eleganten Handbewegung forderte sie Hermine auf, sich zu setzen. Erleichtert folgte sie der stillen Aufforderung und warf Minerva einen dankbaren Blick zu.

„Danke“, flüsterte Hermine erleichtert.

Minerva lächelte ihr warm zu und widmete sich wieder der Zeitung, während Hermine sich ein wenig Porridge und eine Tasse Kaffee nahm. Sie warf einen kurzen Blick auf die Zeitung in Minervas Hand und erkannte, dass sie in einen Artikel über neu entdeckte Verwandlungstechniken vertieft war. Hermine schmunzelte in sich hinein.

„Und, wie hast du in deiner ersten Nacht hier geschlafen?“, wollte die Heilerin wissen.

„Oh sehr gut, vielen Dank. Es ist wirklich unglaublich schön wieder hier zu sein.“

„Man sagt, was man in der ersten Nacht in einer neuen Umgebung träumt, geht in Erfüllung. Ich hoffe doch, dass du etwas Schönes geträumt hast.“

Hermine überlegte kurz und erinnerte sich an ihren Traum. Sie lächelte verlegen und nickte.

„Ja, ich habe etwas wirklich Schönes geträumt“, antwortete sie lächelnd und ließ ihren Blick über die Anwesenden schweifen. „Ich habe von meinen neuen Aufgaben und… Herausforderungen geträumt. Zaubertränke, Verteidigung und Verwandlung sind faszinierende Fächer und wirklich nicht leicht zu lehren.“

Professor Flitwick, der ihr Gespräch mitangehört hatte, hob seinen Kopf und sah sie neugierig an.

„Oh, das klingt aus deinem Mund sehr faszinierend. Wenn wir deine schulischen Leistungen bedenken, wirst du deinen Unterricht wunderbar gestalten“, sagte er lächelnd.

„Das hoffe ich sehr“, erwiderte Hermine und fühlte sich immer wohler in der Gesellschaft ihrer Kollegen.

„Ich bin mir sicher, du wirst großartige Arbeit leisten“, sagte Madam Pomfrey aufmunternd.

„Ich freue mich schon auf meinen ersten Unterricht. Hoffentlich wird Professor Slughorn zufrieden mit mir sein.“

Minerva legte die Zeitung beiseite und sah Hermine mit einem wohlwollenden Blick an.

„Wir sind alle froh, dich hier zu haben, Hermine. Hogwarts kann nur von deiner Anwesenheit profitieren. Sei einfach du selbst, Hermine. Die Schüler werden von deinem Wissen und deiner Begeisterung profitieren. Und vergiss nicht, dass du hier immer auf Unterstützung zählen kannst.“

Hermines Herz wurde warm bei diesen Worten und ein strahlendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Danke, das bedeutet mir sehr viel.“

Sie nahm einen Bissen von ihrem Porridge und beschloss, diesen neuen Abschnitt ihres Lebens mit offenen Armen zu begrüßen. Professor Trelawney und auch Professor Flitwick erhoben sich, entschuldigten sich und verließen getrennt voneinander die Halle. Der kleine Professor wollte noch einiges für das neue Jahr vorbereiten und die Wahrsagerin schien auf ihrem eigenen Planeten zu sein.

„Ich werde mich nun auch verabschieden“, sagte Minerva. „Würdest du in mein Büro kommen, sobald du das Frühstück beendet hast?“, fragte sie an Hermine gewandt.

„Ja natürlich“, antwortete die junge Frau rasch.

„Wir sollten den versprochenen Rundgang nachholen und über deine Aufgaben sprechen.“

„Sehr gerne, aber hast du denn Zeit dafür? Ich meine, sicher könnte mich auch jemand anderes herumführen und…“

„Ich sehe das als meine Pflicht als Schulleiterin und auch als deine Mentorin.“

Hermine spürte, wie ihre Wangen rot wurden, als sie Minervas sanftes Lächeln sah. Die Schulleiterin stand auf.

„Lass dir Zeit mit dem Frühstück. Wir sehen uns nachher.“

Hermine nickte. Minerva wünschte ihren Kolleginnen noch einen schönen Tag und verschwand dann durch die Seitentür. Hermine sah ihr noch einen Moment nach, griff dann jedoch schnell nach ihrer Tasse, als sie ihr Starren bemerkte. Pomona und Poppy hatten es jedoch gesehen und tauschten einen vielsagenden Blick, sagten aber nichts weiter dazu.

Später stand Hermine vor dem prächtigen Wasserspeier, der die Treppe zum Schulleiterbüro bewachte. Pomona hatte ihr noch schnell das Passwort verraten.

„Löwenherz“, sagte Hermine mit fester Stimme.

Sogleich gab die Statue den Weg zur Wendeltreppe frei. Als Hermine oben ankam, klopfte sie an der Tür und einen Moment später schwang die Tür auch schon auf. Nervös trat Hermine ein. Minerva saß hinter ihrem Schreibtisch und sah auf. Lächelnd nahm sie ihre Brille ab und legte ihre Feder zur Seite.

„Störe ich?“

„Natürlich nicht. Allerdings warst du schneller, als ich erwartet hatte.“

„Frühstück war noch nie so mein Ding“, meinte Hermine lächelnd.

„Sobald du dich eingewöhnt hast, kommt auch der Appetit wieder“, sagte Minerva und stand auf.

Sie ging auf die Sessel und das Sofa zu, die in ihrem Büro standen. Sie wies Hermine einen Platz zu.

„Setz dich Hermine. Lass uns zunächst mit deiner Aufgabenverteilung beginnen.“

Sie setzte sich in einen Sessel und wartete, bis Hermine auf dem Sofa neben ihr platzgenommen hatte.

„Du wirst feststellen, dass der Alltag als Lehrkraft sehr abwechslungsreich ist. Es gibt schöne und einfache Tage, doch auch oft schwere Tage. Ich nehme an, du hast dir schon Gedanken gemacht, welches dein zweites Fach sein soll?“

„Ich schwanke zwischen Verteidigung und Verwandlung. Bevor ich eine Entscheidung treffe, wollte ich deine Meinung dazu hören.“

„Das sind zwei anspruchsvolle Fächer, was du ja bereits selbst festgestellt hast. Ich habe keine Zweifel, dass du beides schaffen würdest. Da du das Fach Verwandlung einbringst, bin ich natürlich ein wenig voreingenommen“, meinte Minerva und lächelte leicht.

„Das kann ich mir vorstellen“, antwortete Hermine ebenfalls lächelnd. „Trotzdem würde ich gerne deine Meinung hören.“

„In Verteidigung hast du mehr Erfahrung als viele andere.“

Minervas Stimme veränderte sich. Sie wirkte traurig. Natürlich. Sie selbst hatte nicht nur einen Krieg mitgemacht. Hermine zögerte, doch dann legte sie ihre Hand auf Minervas.

„Denkst du auch noch daran?“

„Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht daran denke. Die vielen Opfer, das Leid…“

„Ich weiß, dass du dir Vorwürfe machst, aber das brauchst du nicht. Du hast alles getan, um die Schüler und Hogwarts zu schützen.“

Hermine sah in Minervas Augen und erkannte so vieles darin. Trauer, Schmerz, aber auch Zuneigung.

„Du bist eine mächtige Hexe und eine unglaublich starke Frau.“

„Und trotzdem haben sich drei Teenager Monatelang auf den Weg gemacht, um die Zaubererwelt zu retten.“

„Ohne euch alle, hätten wir es nicht geschafft. Ohne dich hätten wir es nicht geschafft.“

Sie fixierten sich mit ihren Blicken. Sanft streichelte Hermine über Minervas Hand. Zwei Herzen begannen zu rasen, als sich die beiden Bewusst wurden, wie nahe sie einander gerade waren. Minerva räusperte sich und Hermine zog schnell ihre Hand zurück.

„Nun… wo waren wir? Ach ja, also für Verteidigung wärst du durch deine Erfahrung natürlich bestens geeignet. Verwandlung hingegen war eines deiner stärksten Fächer, als du selbst noch Schülerin warst.“

„Du siehst mich also eher in Verwandlung?“

Ich sehe so viel mehr in dir, dachte Minerva, nickte aber nur.

„Tja dann ist es geklärt. Zaubertränke und Verwandlung.“

„Gut, im ersten Halbjahr wirst du Horace begleiten. Er ist schon sehr aufgeregt, dich wiederzusehen und freut sich, mit dir zu arbeiten. Im zweiten Halbjahr wirst du dann Professor Featherstone unterstützen. Ihn wirst du in ein paar Tagen kennenlernen.“

„Wie lange unterrichtet er schon hier?“

„Dies wird sein zweites Jahr sein. Er ist zwar nicht sehr beliebt unter den Schülern, doch bisher gab es keine ernsthaften Beschwerden über ihn.“

„Ich werde mich sicher mit ihm arrangieren, allerdings ist es sicher nicht einfach, dein Nachfolger zu sein.“

„Danke für das Kompliment. Ich bin mir sicher, dass du die ideale Besetzung sowohl in Zaubertränke als auch in Verwandlung bist.“

Hermine fühlte sich geehrt, dass Minerva so von ihr dachte. Ihre Augen leuchteten voller Begeisterung.

„Ich freue mich sehr auf diese Aufgaben. Ich werde mein Bestes geben Minerva. Das verspreche ich dir.“

Minerva lächelte zufrieden.

„Es ist gut, dich wieder hier zu haben, Hermine. Und nun, lass uns über deine konkreten Pflichten und Zeitpläne sprechen.“

Minerva zog einige Pergamente hervor und begann, die nächsten Schritte mit Hermine zu besprechen.

„Hast du noch Fragen?“

„Im Moment nicht.“

„Gut. Dann werden wir uns nun das Schloss gemeinsam ansehen. Du wirst Hogwarts von einer ganz anderen Seite kennenlernen.“

Minerva stand gleichzeitig mit Hermine auf.

„Nun, vielleicht kennst auch du noch Ecken, in denen ich noch nie war“, sagte die Schulleiterin mit einem sanften Lächeln.

„Das werden wir wohl bald herausfinden“, meinte Hermine und folgte Minerva aus dem Büro.

Gemeinsam gingen sie die Treppe nach unten. Plötzlich griff Minerva nach Hermines Arm, um sie am Weitergehen zu hindern. Sofort stoppte die junge Frau und sah Minerva fragend an.

„Hast du die Trickstufe vergessen?“, fragte Minerva grinsend.

„Oh, die gibt es hier auch?“

„Natürlich. Mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger mehrere Stufen auf einmal zu nehmen.“

Elegant übersprang Minerva zwei Stufen und ging weiter. Hermine folgte ihr und sah sie an, als sie unten ankamen.

„So wie du gesprungen bist, hast du dieses Alter noch nicht erreicht. Noch dazu in diesen Schuhen.“

„Ein weiteres Kompliment. Vielen Dank. Dann lass uns nun erst einmal in einen für dich wichtigen Raum gehen“, sagte Minerva.

Hermine folgte Minerva, die wie immer zügig voranschritt. Es dauerte nicht lange, bis sie wieder stehen blieb. Vor einer Tür hob Minerva ihren Zauberstab, schwang ihn und einen Moment später öffnete sich die Tür.

„Nach dir“, sagte Minerva.

Hermine trat ein.

„Willkommen in deinem Büro. Du kannst es nach deinen Wünschen und Vorstellungen einrichten. Außerdem hast du von hier aus auch Zugang zu deinen privaten Räumen“, erklärte die Schulleiterin und wies auf die Wand.

Hermine sah sie wieder fragend an und ging dann auf die Wand zu. Sie wandte sich kurz zu Minerva um.

„Du musst dein Passwort sprechen. Der Zutritt wird nur dir mit Passwort gewährt. Das heißt, eigentlich nicht nur dir.“

„Oh ja natürlich. Die Hauselfen können überall hin apparieren.“

„Das ist richtig. Allerdings habe ich als Schulleiterin ebenfalls die Möglichkeit, jeden Raum in Hogwarts zu betreten. Natürlich nutze ich dies nicht aus. Ich respektiere die Privatsphäre meiner Kollegen. Es geht dabei nur um eine Sicherheitsmaßnahme.“

„Für den Fall, dass einer Lehrkraft etwas passiert ist?“

Minerva nickte.

„Das ist wirklich sinnvoll.“

„Korrekt. Also, wollen wir weiter?“

„Ja sehr gerne.“

Als nächstes zeigte Minerva ihrer neuen Kollegin den Klassenraum für Zaubertränke.

„Seit wann findet hier Zaubertränke statt?“

„Ich hielt es für besser den Unterricht an einen etwas freundlicheren Ort zu verlegen. Zu meiner eigenen Schulzeit fand ich es auch nicht angenehm dort unten.“

„Wirklich? Ich hatte dasselbe Gefühl.“

Hermine sah sich ein wenig in ihrem Klassenzimmer um. Minerva beobachtete die junge Frau, wie sie fasziniert durch das Zimmer wanderte, sanft über die Tische strich und kurz innehielt, als sie auf dem Pult ein Buch liegen sah. Sie nahm es in die Hand und sah zu Minerva.

„Höchst potente Zaubertränke?“

„Ich dachte nur für den Fall der Fälle, damit du nicht wieder in die verbotene Abteilung gehen musst“, meinte Minerva und lehnte sich gegen einen der Tische.

„Du wusstest es?“

„Natürlich wusste ich es.“

Hermine kicherte verlegen.

„Wir waren sicher nicht einfach.“

„Das würde ich eine Untertreibung nennen“, sagte Minerva lächelnd.

Hermine stellte das Buch behutsam zurück und ließ ihren Blick weiter durch den Raum schweifen. Die Wände waren mit alten Pergamentrollen behangen, und auf einem Regal standen Flaschen mit seltsam schimmernden Flüssigkeiten. Alles erinnerte sie an vergangene Zeiten, an ihre Abenteuer und an die unzähligen Stunden, die sie mit ihren Freunden in der Bibliothek verbracht hatte.

„Es fühlt sich fast so an, als wäre ich wieder eine Schülerin“, sagte Hermine und setzte sich auf einen der Stühle. Minerva nickte zustimmend.

„Das ist kein schlechter Gedanke. Manchmal ist es wichtig, die Perspektive zu wechseln. Es hilft, die Dinge klarer zu sehen.“

Hermine lächelte und fühlte sich für einen Moment wieder wie die junge, neugierige Hexe, die sie einst war. Sie hob ihren Blick und sah Minerva an. Ein seltsames Gefühl durchfuhr ihren Körper. Die Nähe zu ihrer ehemaligen Lehrerin ließ es ihr warm werden. Schnell wurde Hermine klar, dass sie ihre Gefühle für Minerva geheim halten musste. Hermine legte das Buch zurück auf das Pult.

„Wir sollten weitergehen. Ich möchte dir nicht allzu viel deiner kostbaren Zeit rauben“, sagte Hermine plötzlich und erhob sich hastig. Minerva sah sie überrascht an, doch sie nickte verstehend.

„Kein Sorge, vor Beginn des Schuljahres habe ich noch Zeit. Das wird sich nach dem 01. September ändern. Trotzdem gibt es immer noch so viel für dich zu entdecken, sogar jetzt.“

Hermine lächelte dankbar und machte sich auf den Weg zur Tür. Sie drehte sich um und wartete, dass Minerva ihr folgte. Für einen kurzen Moment sah sie, dass die Schulleiterin sanft über das Buch strich, das Hermine eben noch in ihren Händen gehalten hatte. Wieder durchfuhr Hermine ein kribbelndes Gefühl. Schnell wandte sie sich wieder der Tür zu und öffnete sie. Minerva folgte ihr auf den Korridor hinaus.

„Wohin geht’s jetzt?“, fragte Hermine lächelnd.

„Ich würde vorschlagen, dass du nun das Lehrerzimmer von innen begutachten solltest“, sagte Minerva lächelnd. „Ich nehme an, dass du diesen Raum noch nicht gesehen hast.“

„Nein, wirklich nicht. Ich bin gespannt.“

Gemeinsam gingen sie den Korridor entlang, bis sie vor dem Lehrerzimmer standen. Mit einem Zauber öffnete Minerva die Tür und ließ Hermine eintreten.

Das Lehrerzimmer war ein beeindruckender Raum, erfüllt mit weichen Sesseln, hohen Bücherregalen und großen Fenstern. Die hereinstrahlende Sonne ließ den Raum noch freundlicher erscheinen. Hermine betrachtete die vielen Porträts früherer Lehrerinnen und Lehrer, die die Wände schmückten und fühlte sich von der Geschichte des Raums umgeben.

„Hier wirst du viele Stunden verbringen, um Unterrichtspläne zu besprechen und schulische Angelegenheiten zu regeln. Natürlich werden hier auch unsere Lehrerkonferenzen abhalten,“ erklärte Minerva, während Hermine langsam durch den Raum schritt. „Es ist ein Rückzugsort, aber auch ein Ort der Zusammenarbeit.“

Hermine konnte sich vorstellen, wie die Lehrer hier gesessen und über die Schüler gesprochen hatten. Ganz bestimmt waren sie und ihre Freunde des Öfteren das Thema des Tages. Hermines Blick fiel plötzlich auf ein ganz bestimmtes Bild an der Wand. Dort hing sie. In all ihrer Größe, Eleganz und Schönheit. Minerva McGonagall. Jetzt zwar ein paar Jahre älter, doch nicht weniger schön. Minerva sah Hermines Blick und begann sanft zu lächeln.

„Was ein paar Jahre mit einer Hexe anstellen können, ist schon erstaunlich“, sagte sie.

Hermine zuckte zusammen und drehte sich zu Minerva um.

„Du hast dich kaum verändert“, sagte Hermine, errötete jedoch sogleich, als ihr bewusst wurde, was sie da eben gesagt hatte.

Minerva lachte leise. „Ach, Hermine. Das ist sehr lieb von dir. Aber die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, auch bei mir.“

Hermine trat näher an das Porträt heran und studierte die fein ausgearbeiteten Details. Es war nicht nur ein Bild von Minerva, sondern vielmehr eine Momentaufnahme ihrer Hingabe und Stärke. Der Raum schien im Stillen die Geschichten derer zu erzählen, die hier gearbeitet und gelehrt hatten.

„Ich frage mich, was die anderen Lehrerinnen und Lehrer wohl von mir denken werden,“ bemerkte Hermine nachdenklich.

„Weißt du, Hermine, du hast dich in all den Jahren sehr verändert, aber deine Neugier und dein Wille zu lernen sind gleichgeblieben.“

Minerva trat an Hermines Seite und legte sanft ihre Hand auf Hermines Schulter.

„Du wirst dich hier einfügen, Hermine. Du bist eine außergewöhnliche Hexe. Dein Wissen und deine Leidenschaft werden die Schule bereichern, da bin ich mir sicher.“

Hermines Herz schlug schneller, und sie musste tief durchatmen, um ihre aufsteigenden Emotionen unter Kontrolle zu halten.

„Danke, Minerva. Deine Worte bedeuten mir viel.“

Minerva zog ihre Hand zurück und wandte sich um. Sie winkte Hermine mit sich.

„Dies wird dein Platz sein“, sagte sie und blieb hinter einem Stuhl hinter dem großen Tisch stehen.

Hermine ahnte, wem der Platz rechts von ihr gehören würde und sie hatte recht.

„Ich habe meine Referendare gerne in meiner Nähe. So kann ich besser erkennen, ob noch etwas unklar ist und die Hemmschwelle, eine Frage über den Tisch zu stellen ist doch größer, als sich direkt an seine Nebensitzerin zu wenden. Ich hoffe doch, dass dich das nicht stört.“

„Nein, nein. Bestimmt nicht.“

Der Raum, der anfangs so fremd und imposant gewirkt hatte, begann sich langsam vertraut und beruhigend anzufühlen. Sie wusste, dass sie hier ihren Platz finden würde, um die nächste Generation von Hexen und Zauberern zu formen und zu inspirieren.

„Nun, das waren die offiziellen Räume. Wie du weißt, gibt es in Hogwarts noch so einiges zu entdecken. Das wirst du aber nach und nach alles selbst herausfinden“, sagte Minerva schmunzelnd.

„Da bin ich ganz sicher. Ich glaube, dass ich mich hier schnell wieder heimisch fühlen werde.“

Minerva nickte und legte eine Hand auf Hermines Schulter.

„Hogwarts war und wird immer dein Zuhause sein.“

Hermine fühlte sich bereit, ihre neue Rolle in Hogwarts anzutreten, mit all den Erinnerungen und der Magie, die diesen Ort ausmachten. Sie sah ihre Vorgesetzte an, deren Augen freudig glänzten. Ohne etwas zu sagen, winkte sie Hermine mit sich und verließ mit ihr das Lehrerzimmer. Als sie den Flur entlanggingen, trafen Hermines Augen auf bekannte Gesichter und neue, neugierige Blicke. Einige Portraits beobachteten sie wohlwollend, andere sahen sie skeptisch an. Während sie weitergingen, hallten Minervas Worte in ihrem Kopf wider. Hogwarts war und würde immer ihr Zuhause sein. Sie fühlte sich geehrt, nun ein Teil der Geschichte dieses Ortes zu sein und freute sich darauf, das Abenteuer als Lehrerin zu beginnen.

„Minerva? Wohin gehen wir?“, fragte Hermine, als Minerva mit ihr durch eine Tür hinter einem unauffälligen Wandteppich ging.

„Es gibt wohl doch noch einen Ort, den meine drei nervenaufreibendsten Schüler nicht gefunden haben?“

„Ich gebe zu, dass wir wirklich viele Orte hier erkundet haben. Es waren sicher auch welche darunter, die wir nicht ganz legal betreten haben. Hier war ich allerdings noch nie.“

Sie gingen weiter durch einen hell erleuchteten Korridor, bis Minerva vor einer großen Eichentür stehenblieb.

„Es gibt noch einen Raum, den ich dir zeigen möchte“, sagte Minerva mit einem geheimnisvollen Lächeln.

Sie öffnete die Tür, hinter der sich ein gemütlicher und doch eindrucksvoller Raum verbarg. Hermine hielt ein wenig überrascht inne. Bücherregale, gefüllt mit alten und neuen Werken, bedeckten die Wände und ein großer Kamin spendete Wärme.

„Hier kannst du dich zurückziehen, wenn du Ruhe brauchst oder einfach nur lesen möchtest“, erklärte Minerva. „Manchmal braucht jeder einen geheimen Rückzugsort, den einem weder die eigene Wohnung noch das Büro geben kann.“

Hermine war überwältigt von der Großzügigkeit und Freundlichkeit, die ihr entgegengebracht wurde.

„Danke, Minerva“, sagte Hermine mit einem ehrlichen Lächeln.

Minerva schüttelte den Kopf. „Willkommen zuhause, Hermine.“

„Danke“, sagte Hermine gerührt.

„Sieh dich in Ruhe um Hermine. Du weißt, wo du mich findest, solltest du noch etwas benötigen.“

Hermine nickte lächelnd.

„Das werde ich, allerdings wollte ich noch Hagrid besuchen“, sagte Hermine und sah Minerva unsicher an.

„Du brauchst meine Erlaubnis nicht“, meinte Minerva, die Hermines Blick richtig gedeutet hatte.

Hermine lief ein wenig rot an.

„Du wirst dich schon noch in deine Rolle einfinden. Wir haben alle eine Weile gebraucht.“

Minerva brachte Hermine wieder zurück in ihre bekannte Umgebung.

„Vielen Dank, dass du dir die Zeit für mich genommen hast.“

„Das habe ich gern getan. Du weißt, wo du mich findest, falls du noch etwas brauchst. Ansonsten überlasse ich dich wieder deiner freien Zeit.“

Hermine nickte. Minerva schenkte ihr noch ein Lächeln und machte sich dann auf den Weg zurück in den Schulleiterturm, um die ersten Vorbereitungen für das neue Schuljahr zu treffen. Hermine konnte nicht anders und sah ihr nach, bis sie um die Ecke gebogen war. Hinter sich hörte sie einen anzüglichen Pfiff. Sie wandte sich um. Vor ihr schwebte Peeves und hatte ein freches Grinsen im Gesicht.

„Peeves, hast du nichts Besseres zu tun?“ fragte Hermine streng, obwohl sie insgeheim über seinen Unfug schmunzeln musste.

„Oh, Miss Granger, immer so ernst!“, kicherte Peeves und machte einen Salto in der Luft. „Welche Blicke sehe ich denn da? Liegt da etwas in der Luft?“

„Sei nicht albern, Peeves,“ erwiderte Hermine, die versuchte, ihre amüsierte Miene zu verbergen. Peeves flog um sie herum und machte dabei ein lautes, trötendes Geräusch.

„Ach, Miss Granger, ich werde nie albern sein!“ Er lachte schelmisch. „Ich sehe nur manchmal Dinge, die anderen verborgen bleiben. Den geheimen Ort zeigt Madam McGonagall nicht jedem.“

Hermine warf dem Poltergeist einen schrägen Blick zu.

„Der geheime Ort?“ Hermine hob eine Augenbraue. „Was redest du da, Peeves?“

„Oh, nichts, nichts“, pfiff Peeves unschuldig und machte eine Pirouette in der Luft. „Nur ein kleiner Ort, den Madam McGonagall für ihre ruhigen Momente nutzt. Aber ich habe sicherlich zu viel gesagt, nicht wahr?“

Hermine seufzte und schüttelte den Kopf. „Du bist wirklich unmöglich, Peeves.“

„Das ist mein Job, Miss Granger!“ Peeves lachte erneut und verschwand blitzschnell durch die Wand, wobei er ein paar Bücher aus einem Regal stieß.

Hermine sah ihm kopfschüttelnd nach und machte sich dann auf den Weg zum Ausgang des Schlosses, um zu Hagrid zu gelangen. Doch die Worte von Peeves hallten noch in ihren Gedanken nach. Ein geheimer Ort, den Minerva nur selten zeigte und was meinte er mit den Blicken? Hermine wusste, wie es um ihre eigenen Gefühle gegenüber der Schulleiterin bestimmt war, doch wie fühlte Minerva? Hermine schob ihre Gedanken schnell beiseite, um sich nicht wieder in ihren Gefühlen zu verlieren. Endlich erreichte sie den Ausgang und trat an die frische Luft. Ein kleiner Spaziergang machte ihren Kopf wieder frei und so konnte sie sich auf einen Besuch bei ihrem alten Freund Hagrid freuen.