Zurück in Hogwarts
Zurück in Hogwarts
Gegen Mittag kehrten sie zur Pension zurück. Der Spaziergang hatte sie angenehm müde gemacht, die Wangen noch leicht gerötet von der frischen Luft. Kaum traten sie ein, blickte die Wirtin hinter dem Tresen auf und musterte sie mit einem vielsagenden Lächeln.
„Na, Sie sehen ja beide ausgesprochen erholt aus“, sagte sie gedehnt. „Frische Luft wirkt Wunder. Vor allem in guter Gesellschaft.“
Hermine lachte offen.
„Das tut sie wirklich.“
Minerva hingegen räusperte sich, spürte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg und nickte nur höflich.
„In der Tat.“
Die Wirtin stellte ihnen den Tisch bereit, warf ihnen noch einen amüsierten Blick zu und ließ sie dann in Ruhe. Kaum saßen sie, beugte sich Hermine leicht vor.
„Du bist entzückend, wenn du rot wirst.“
„Hermine“, murmelte Minerva warnend, konnte sich ein kleines Lächeln aber nicht verkneifen.
Das Mittagessen war schlicht, wohltuend. Sie aßen langsamer als sonst, redeten weniger als beim Dinner am Abend zuvor. Zwischen ihnen lag jetzt etwas Unausgesprochenes, ein leiser Schatten, der sich nicht vertreiben ließ.
Minerva legte das Besteck kurz beiseite.
„In ein paar Stunden…“, begann sie und ließ den Satz offen.
Hermine nickte.
„Zurück nach Hogwarts“, ergänzte sie leise. „Zurück zu Abstand und Blicken, die nichts verraten dürfen.“
Minerva sah sie an, ernst, aber weich.
„Ich wünschte, wir könnten dieses Gefühl konservieren.“
Hermine streckte die Hand aus, berührte Minervas Finger.
„Das können wir“, antwortete sie ruhig. „Genau hier“, sagte sie und tippte sich gegen die Brust.
Minerva atmete tief durch und drückte ihre Hand sanft.
„Dann lass uns die Zeit, die wir noch haben, nicht verlieren.“
Und so aßen sie weiter in dem Wissen, dass der Nachmittag sie zurück in die Wirklichkeit führen würde, aber entschlossen, diesen Moment bis zum letzten Augenblick auszukosten.
Der Nachmittag gehörte ihnen ganz. Sie zogen sich wieder in ihr Zimmer zurück, ließen die Tür geschlossen, als wäre sie eine Grenze zwischen zwei Welten. Kein Zeitplan, kein Ziel, nur dieses stille Einvernehmen, dass jede Minute kostbar war.
Sie lagen nebeneinander auf dem Bett, manchmal eng verschlungen, manchmal nur Schulter an Schulter. Hermine spielte gedankenverloren mit Minervas Fingern, folgte den Linien ihrer Hand, als wollte sie sich alles einprägen. Minerva wiederum strich ihr immer wieder über den Rücken, langsam, beruhigend, fast meditativ. Zwischendurch wurde gelacht. Über nichts Besonderes. Über Erinnerungen, über kleine Eigenheiten, über Dinge, die im Alltag keinen Platz hatten. Dann wieder verstummten sie, zufrieden mit der Stille. Hermine küsste Minerva zwischendurch einfach so auf die Schläfe, den Mundwinkel, den Hals. Minerva erwiderte es mit derselben Selbstverständlichkeit, zog Hermine näher, als gäbe es keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten. Es war keine Eile darin, kein Drängen. Nur Nähe, warm und ehrlich.
Später saßen sie am Fenster, die Beine ineinander verschränkt, beobachteten, wie das Licht langsam kippte und der Nachmittag sich neigte. Minerva lehnte den Kopf an Hermines Schulter.
„Ich werde das vermissen“, sagte sie leise.
Hermine antwortete nicht sofort. Sie legte nur den Arm um Minerva und drückte sie sanft an sich.
„Es ist nicht vorbei“, sagte sie schließlich. „Nur… unterbrochen.“
Minerva nickte. Sie wussten beide, dass Hogwarts sie wieder trennen würde, mit Regeln, Blicken und unausgesprochenen Grenzen, aber für diesen Nachmittag war all das weit weg. Sie kosteten jede Berührung, jedes Lächeln, jede ruhige Minute aus, als wollten sie sie tief genug in sich verankern, um später davon zu zehren.
Irgendwann ließ sich der Moment nicht länger aufschieben. Das Licht draußen wurde weicher, der Nachmittag neigte sich unaufhaltsam dem Ende zu. Erst waren es nur kleine Handgriffe. Hermine faltete ein Kleidungsstück, nur um es wieder auszubreiten. Minerva legte etwas in ihre Tasche und nahm es kurz darauf wieder heraus, als hätte sie es sich anders überlegt.
„Wir sind meisterhaft im Aufschieben“, stellte Hermine leise fest.
Minerva lächelte schief.
„Eine unterschätzte Fähigkeit.“
Doch schließlich war alles verstaut. Die Taschen standen bereit. Das Zimmer wirkte plötzlich fremd, leerer, als hätte es gemerkt, dass sie gleich gehen würden. Sie standen sich gegenüber, nur einen Schritt voneinander entfernt. Für einen Moment sagte keine von beiden etwas.
„Es war… wunderschön“, sagte Hermine schließlich, leise, fast ehrfürchtig. „Genau das, was ich gebraucht habe.“
Minerva nickte langsam. In ihrem Blick lag Wärme und etwas Wehmütiges.
„Ja. Das war es.“ Sie atmete tief ein. „Und genau deshalb müssen wir vorsichtig sein, wenn wir zurück sind.“
Hermine senkte den Blick kurz, sah dann wieder auf.
„Ich weiß.“
Minerva trat einen halben Schritt näher, hielt aber inne, als würde sie sich bewusst bremsen.
„In Hogwarts“, fuhr sie ruhig fort, „müssen wir wieder… normal sein. Abstand. Sachlichkeit. Keine Unachtsamkeit.“
Ein schwaches Lächeln.
„Es wird prüfende Blicke geben und Menschen, die nur darauf warten, etwas zu entdecken.“
Hermine schluckte, nickte erneut.
„Ich kann das. Für uns.“
Minerva hob die Hand, berührte Hermines Wange ganz kurz. Eine Berührung, die man fast übersehen konnte, aber alles bedeutete.
„Das hier“, sagte sie leise, „nimmt uns niemand. Egal, wie vorsichtig wir sein müssen.“
Hermine lächelte, ein wenig traurig, aber entschlossen.
„Dann tragen wir es eben mit zurück.“
Noch ein letzter Blick durch das Zimmer. Dann griffen sie nach ihren Taschen.
Die Tür fiel leise ins Schloss und mit ihr endete die Unbeschwertheit, doch das, was sie miteinander geteilt hatten, ging mit ihnen.
Unten im Gastraum roch es noch nach Tee und Holzfeuer. Hermine trat an den Tresen, Minerva einen Schritt hinter ihr, schon ein wenig kontrollierter, die Haltung wieder aufrechter, als hätte Hogwarts sie bereits eingeholt.
„Ich würde gern bezahlen“, sagte Hermine freundlich.
Die Wirtin lächelte breit.
„Aber natürlich. Und… hatten Sie einen schönen Aufenthalt?“
Hermine warf Minerva einen kurzen Blick zu.
„Ja“, sagte sie ehrlich. „Sehr schön. Und unglaublich erholsam.“
Minerva nickte.
„Das war es wirklich.“
Die Wirtin schien sich über diese Antwort beinahe mehr zu freuen als über das Geld. Sie griff unter den Tresen, zögerte einen Moment und schob dann zwei kleine Fotografien über das Holz. Hermine hielt inne. Minerva ebenfalls. Die Bilder zeigten sie beide an dem Tisch vom Vorabend. Kerzenlicht. Wein. Minervas Blick ruhig und weich, Hermine leicht zu ihr geneigt, ihre Nähe selbstverständlich, die Zärtlichkeit unübersehbar. Minerva sog scharf die Luft ein.
„Was—?“
Hermine nahm die Fotos vorsichtig in die Hand, als wären sie zerbrechlich.
„Ich habe sie darum gebeten“, sagte sie ruhig. „Als Erinnerung.“
Die Wirtin nickte zufrieden.
„Man sieht nicht oft zwei Menschen, die so… bei sich sind.“
Minerva sah Hermine an, überrascht, gerührt und ein wenig sprachlos.
„Du hast das geplant?“
Hermine lächelte sanft.
„Ich wusste, dass wir etwas brauchen würden. Für später.“
Minerva nahm eines der Fotos, betrachtete es lange. Dann hob sie den Blick.
„Danke“, sagte sie leise zur Wirtin.
Diese winkte ab.
„Kommen Sie gut nach Hause.“
Hermine steckte die Fotos sorgfältig weg. Dann traten sie hinaus ins Freie. Erst draußen, fern von fremden Ohren, sagte Minerva leise:
„Das war… wunderschön und gefährlich zugleich.“
Hermine nickte.
„Aber es gehört uns.“
Sie gingen nebeneinander her, zurück in eine Welt voller Regeln, doch in Hermines Tasche lagen zwei kleine Beweise dafür, dass es einmal anders gewesen war.
Sie gingen ein Stück den Weg hinunter, fort von der Pension, bis die Häuser hinter ihnen lagen und nur noch Feld und ein schmaler Pfad zu sehen waren. Hermine blieb stehen, sah sich kurz um. Niemand war in Sicht.
„Hier“, sagte sie leise. „Das ist gut.“
Minerva verstand sofort. Sie blieb ebenfalls stehen, drehte sich zu Hermine um. Für einen Moment sagten sie nichts. Es lag Abschied in der Luft, aber kein endgültiger, eher ein 'bis bald', schwer und zärtlich zugleich.
„Du solltest zuerst zurück“, meinte Hermine sanft. „Dann ist es unauffälliger. Ich komme später nach.“
Minerva nickte langsam.
„Vernünftig“, sagte sie und lächelte dabei fast wehmütig. „Wie immer.“
Hermine trat näher. Ihre Hände fanden Minervas Taille, ganz selbstverständlich. Sie küssten sich einmal, dann noch einmal, langsam, ruhig. Minerva legte die Stirn kurz an Hermines.
„Danke“, sagte sie leise. „Für all das.“
„Jederzeit“, erwiderte Hermine ebenso leise.
Minerva trat einen Schritt zurück, richtete sich auf, die vertraute Haltung kehrte zurück, die Schulleiterin, die Kontrolle. Doch in ihrem Blick lag noch immer Wärme. Mit einem letzten kleinen Lächeln appariert sie, das leise 'Plopp' verschwand im Wind.
Hermine blieb einen Moment stehen, atmete tief durch. Dann apparierte auch sie zurück. Allerdings nicht nach Hogwarts.
Hogsmeade empfing sie mit vertrauten Geräuschen. In einer Gasse neben einem Café sah sie Caleb stehen, als hätte er genau gewusst, wann sie auftauchen würde. Sie ging zu ihm und lächelte.
„Da bist du ja“, sagte er grinsend.
„Hi Caleb. Schön, dass du hier bist.“
Sie gingen um die Ecke und setzten sich in das Café. Sie bestellten Tee und rückten näher, damit es vertrauter wirkte.
„Und? Wie war euer Wochenende?“, fragte er leise.
Hermine legte ihre Hand um die Tasse und grinste.
„Es war sehr schön“, sagte sie ehrlich.
Caleb hob eine Augenbraue.
„Ich nehme an, der Plan ist aufgegangen?“
„Vollkommen“, erwiderte Hermine und nahm einen Schluck. Dann erzählte sie ihm von der Pension, vom Dinner, vom Lachen, von der Ruhe. Von Minerva. Nicht jedes Detail, aber genug, dass er verstand.
Caleb hörte aufmerksam zu und lehnte sich zurück.
„Freut mich für euch“, sagte er schließlich.
Hermine lächelte dankbar.
„Danke und danke fürs Mitspielen.“
„Für euch spiele ich jederzeit das Alibi“, meinte er locker.
Dann sah er auf die Uhr.
„Dann bringe ich dich jetzt brav zurück nach Hogwarts?“
Hermine nickte.
„Genau so war der Plan.“
Und während sie gemeinsam aufstanden, war der Schein perfekt:
Ein normales Paar nach einem gemeinsamen Wochenende.
Nur Hermine wusste, dass sie etwas viel Wertvolleres mit zurücknahm als ein Alibi.
Minerva stand an dem hohen Fenster ihres Büros, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt. Der Himmel über Hogwarts war grau, ruhig, fast zu ruhig. Unten auf den Ländereien bewegten sich zwei Gestalten.
Hermine und Caleb.
Für einen Herzschlag zog sich etwas in Minervas Brust zusammen. Ein scharfer, unerwarteter Stich — irrational, kurz, ehrlich. Sie beobachtete, wie sie nebeneinander gingen, wie Caleb etwas sagte, das Hermine zum Lächeln brachte. Wie vertraut es aussah. Wie harmlos. Dann atmete Minerva langsam aus.
„Natürlich. Das war der letzte Schritt“, sagte sie zu sich selbst.
Hermine hatte alles durchdacht. Das Alibi bis zum Ende sauber. Keine offenen Fragen. Keine losen Enden. Minerva spürte, wie die Eifersucht wich und etwas anderem Platz machte. Bewunderung und Dankbarkeit.
Unten blieben sie stehen. Caleb zog Hermine in eine Umarmung, herzlich, freundschaftlich. Nichts daran war falsch. Nichts daran war bedrohlich. Als sie sich lösten, ging er davon, zurück Richtung Hogsmeade.
Hermine blieb allein zurück. Sie stand einen Moment still im Innenhof, dann hob sie den Blick. Direkt nach oben. Direkt zum Fenster. Minerva trat unwillkürlich einen halben Schritt näher an die Scheibe.
Ihre Blicke trafen sich.
Kein Winken. Keine Geste. Nur dieser eine, stille Moment, in dem alles mitschwang:
Die Pension, das Kerzenlicht, das Lachen, die Nähe, die Unbeschwertheit. Ein ganzes Wochenende, zusammengedrängt in einen einzigen Blick. Dann senkte Hermine den Kopf und ging weiter.
Minerva blieb stehen.
Jetzt war es wirklich vorbei, zumindest so, wie es gewesen war. Was blieb, war die Erinnerung und das Wissen, dass sie etwas Echtes geteilt hatten. Etwas, das weder Regeln noch Mauern auslöschen konnten.
Langsam trat Minerva vom Fenster zurück, richtete ihre Robe, setzte die Maske der Schulleiterin wieder auf, aber tief in ihr wusste sie:
Diese Erinnerung würde bleiben.
Minerva wandte sich vom Fenster ab und kehrte an ihren Schreibtisch zurück. Die vertraute Ordnung des Raumes empfing sie wie ein Schutzschild. Sie setzte sich, zog den Stapel Briefe zu sich heran und begann, sie der Reihe nach zu öffnen. Anfragen, Berichte, formelle Mitteilungen. Alles Dinge, die sie beherrschte, die klar waren, berechenbar, doch ihre Gedanken glitten immer wieder ab.
Unwillkürlich wanderte ihr Blick zu der schmalen Schublade auf der rechten Seite des Schreibtisches. Minerva hielt inne. Ihre Finger ruhten auf einem Pergament, ohne es zu bewegen. Ein leises Seufzen entwich ihr.
Langsam öffnete sie die Schublade.
Obenauf lag ein einzelner Brief, ordentlich gefaltet, das Siegel des Ministeriums deutlich zu erkennen. Sie hatte ihn bereits am vergangenen Mittwoch erhalten, gelesen und dann ganz bewusst verdrängt.
Minerva nahm ihn heraus, ließ ihn einen Moment lang in der Hand ruhen, als würde allein das Pergament Gewicht haben. Ihre Lippen pressten sich schmal zusammen.
„Nein. Nicht jetzt“, flüsterte sie.
Mit einer schnellen, beinahe entschlossenen Bewegung schob sie den Brief zurück in die Schublade und schloss sie.
Genau in diesem Moment klopfte es.
Minerva richtete sich auf, die Schultern gerade, der Ausdruck wieder kontrolliert.
„Herein“, sagte sie ruhig.
Als die Tür sich öffnete, war von dem inneren Zögern nichts mehr zu sehen. Sie war ganz die Schulleiterin von Hogwarts, bereit für das, was als Nächstes kam.
Pomona Sprout trat ein, den Mantel noch über dem Arm, der Blick aufmerksam wie immer.
„Störe ich?“, fragte sie mit einem leichten Lächeln.
Minerva hob den Kopf.
„Natürlich nicht, Pomona. Bitte.“
Pomona setzte sich ohne Umstände auf den Stuhl gegenüber dem Schreibtisch, musterte Minerva einen Moment lang. Es war ein prüfender, allzu wissender Blick.
„Ich wollte nur kurz hören, wie dein Wochenende war“, begann sie harmlos. „Und natürlich wie es deiner… erkrankten Freundin geht.“
Minerva spürte, wie sich etwas in ihr anspannte, hielt ihre Miene jedoch ruhig.
„Es geht ihr besser“, antwortete sie sachlich. „Danke der Nachfrage.“
Pomona zog eine Augenbraue hoch. Dann grinste sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Weißt du, Minerva… du kannst vielen Menschen etwas vormachen, aber mir eher weniger.“
Minerva seufzte leise und lehnte sich zurück.
„Ach? Ist das so?“
„Ja“, sagte Pomona trocken. „Ich würde sogar sagen: ganz schön gerissen von dir und Hermine.“
Minervas Augen weiteten sich minimal. Einen Moment lang sagte sie nichts. Dann, zu ihrer eigenen Überraschung, wurde sie rot.
Pomona lachte leise, nicht spöttisch, sondern warm.
„Keine Sorge. Ich habe nichts gesehen, nichts gehört, aber ich kenne euch beide und ich weiß, wann jemand… aufatmet.“
Minerva senkte kurz den Blick, dann sah sie Pomona offen an.
„Es war… sehr schön“, gab sie leise zu. „Und genau das macht es kompliziert.“
Pomonas Lächeln wurde weicher.
„Das dachte ich mir. Nun, du solltest dich nicht mit komplizierten Dingen befassen. Du solltest dich lieber an den Erinnerungen festhalten. Ich nehme an, ihr habt die Zeit durchaus genutzt.“
Minerva senkte den Blick und hatte Mühe ein Lächeln zu unterdrücken.
„Das nehme ich als ja“, sagte Pomona und lachte herzlich.
„Pomona…“
„Du musst dich nicht rechtfertigen. Ich freue mich für euch. Ehrlich.“
Minerva nickte dankbar.
„Das bedeutet mir mehr, als du denkst.“
„Nun gut. Eigentlich wollte ich nur nach dir sehen und dir mitteilen, dass während deiner Abwesenheit alles ruhig war“, sagte Pomona und erhob sich.
„Danke Pomona.
Pomona ging zur Tür, drehte sich noch einmal um.
„Pass auf dich auf, Minerva und auf sie.“
Dann war sie wieder gegangen. Minerva blieb zurück, die Hände ruhig auf dem Schreibtisch gefaltet und mit dem Gefühl, dass nicht alles Unsichtbare wirklich ungesehen blieb.
Hermine ging den gewohnten Weg durch die Korridore, die Tasche locker über der Schulter, die Gedanken noch bei ihrem Gespräch mit Minerva am Morgen. Ein kleiner, zufriedener Schwung hatte sich in ihre Schritte gelegt — das Wochenende, die Erinnerungen, das kurze Gefühl von Freiheit… es war traumhaft gewesen, doch als sie um die Ecke bog, stand er plötzlich da. Wie aus dem Nichts. Professor Featherstone. Seine Haltung angespannt, die Augen spitz, fast suchend.
„Ah Miss Granger. Sie sind also zurück“, begann er sofort, sein Tonfall scharf wie ein Messer.
Hermine zwang sich zu einem ruhigen Atemzug. Sie konnte spüren, wie ihr Herz schneller schlug, wie die Hitze in ihr aufstieg, doch sie ließ es nicht nach außen dringen. Ruhig, kontrolliert, fast gelassen, antwortete sie:
„Guten Abend Professor.“
„Sie haben sich ja mächtig Zeit gelassen. Es war wohl ein entspanntes Wochenende.“
Hermine ging einen Schritt auf ihn zu.
„Das habe ich in der Tat und danke der Nachfrage. Mein Wochenende war wunderbar“, sagte sie gelassen und sah ihm direkt in die Augen.
„Vielleicht wäre es klüger, wenn Sie Ihre freie Zeit nutzen, um sich vorzubereiten.“
Hermine lächelte leicht, beinahe höflich.
„Danke für den Hinweis, Professor. Ich bin mir sicher, dass Horace zufrieden mit meinem Unterricht morgen sein wird und wenn nicht, wird er es mir sagen. Er ist ja bereits sehr lange als Lehrer tätig und besitzt die nötige Erfahrung und vor allem Reife, um konstruktive Kritik zu äußern.“
Dann ließ sie ihn stehen, drehte sich um und ging weiter, die Schritte bewusst ruhig, die Haltung aufrecht. Sie hörte, wie er hinter ihr ein leises Knurren ausstieß.
Featherstone blieb stehen, den Blick misstrauisch auf sie gerichtet, während sie weiterging. In seinem Kopf ratterten die Gedanken. Etwas an ihr passte ihm nicht. Etwas, das er nicht begreifen konnte und während Hermine verschwand, spürte er den leisen, unnachgiebigen Widerstand in ihr, der ihn so wütend machte.
Hermine hingegen spürte, wie sich der Ärger langsam legte. Sie wusste, dass sie ihn hinter sich gelassen hatte, äußerlich zumindest. Innerlich kochte sie, aber sie hatte gelernt, dass nicht jeder Kampf ausgefochten werden musste. Manchmal reichte es, standhaft zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen.