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Ein schwerer Gang

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Ein schwerer Gang

Hallo meine Lieben,

schon geht's weiter ;) Ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel. Lasst mich gerne wissen, wie ihr es findet :D

LG

M.

Das Ministerium für Zauberei empfing Minerva McGonagall mit seinem gewohnten geschäftigen Summen. Kamine flackerten, Hexen und Zauberer eilten mit Akten unter dem Arm vorbei, Stimmen hallten von den hohen Wänden wider. Für einen kurzen Moment hatte Minerva das Gefühl, in eine frühere Version ihres Lebens einzutreten.

„Minerva McGonagall? Bei Merlin…“

Sie drehte sich um und sah sich einem ehemaligen Kollegen aus ihrer Zeit bei den Auroren gegenüber. Graue Schläfen nun, ein wenig mehr Linie im Gesicht, aber der gleiche wache Blick.

„Dawlish“, sagte sie knapp, aber nicht unfreundlich. „Sieht aus, als hätte sich hier wenig verändert.“

Er lachte leise.

„Manche Dinge nie. Schön, Sie wieder hier zu sehen. Auch wenn…“ Sein Blick glitt vielsagend auf ihre Mappe. „Der Anlass vermutlich weniger erfreulich ist.“

„Wie so oft“, erwiderte Minerva trocken.

Ein paar weitere bekannte Gesichter nickten ihr zu, einige mit ehrlicher Anerkennung, andere mit neugieriger Zurückhaltung. Minerva hielt sich nicht auf. Sie wusste, wohin sie musste.

Die Abteilung für magische Ausbildung und Dienstaufsicht lag etwas abseits, ruhiger als der Rest des Ministeriums. Die Schilder waren ordentlich, die Gänge sauber, fast steril. Minerva blieb kurz vor der Tür stehen, richtete ihre Robe, atmete einmal tief durch und dann trat sie ein.

Im Vorzimmer saß eine Hexe mittleren Alters mit strengem Dutt und aufmerksamem Blick. Sie sah auf, als Minerva eintrat und lächelte überrascht.

„Oh, Professor McGonagall. Sie sind wie immer mehr als pünktlich. Es ist eine Weile her.“

„In der Tat“, sagte Minerva ruhig. „Ich habe eine Vorladung erhalten.“

„Ja“, antwortete die Vorzimmerdame und blätterte in ihren Unterlagen. „Man erwartet Sie bereits. Der Minister ist heute selbst anwesend.“

Ein kaum merkliches Zucken ging durch Minervas Gesicht. Dann nickte sie.

„Möchten Sie noch einen Tee?“

„Nein, danke. Ich möchte die Angelegenheit schnellstmöglich hinter mich bringen.

Die Frau nickte, erhob sich, ging zur Tür des inneren Büros und klopfte kurz an. Nach einem gedämpften „Herein“ öffnete sie die Tür und trat hindurch.

Minerva wartete geduldig.

„Entschuldigen Sie, bitte setzen Sie sich noch einen Moment. Die Herrschaften brauchen noch einen Augenblick.

„Ich ziehe es vor zu stehen. Vielen Dank“, antwortete Minerva höflich.

Es war mal wieder typisch. Natürlich ließ man sie warten. Es wäre ein Wunder, wenn es anders gewesen wäre. Nach ein paar Minuten stand die Dame erneut und ging wieder zur Tür. Diesmal trat sie zur Seite.

„Man bittet Sie hinein, Professor.“

„Zu gütig. Ich danke Ihnen.“

Minerva richtete sich auf, hob das Kinn ein wenig und trat ein.

Sie schloss die Tür hinter sich und ließ den Blick kurz durch den Raum gleiten. Der Besprechungstisch war bereits besetzt: zwei Herren aus der Abteilung für magische Ausbildung, eine Hexe mit scharfem Blick und ordentlich gestapelten Akten und Kingsley Shacklebolt am Kopfende des Tisches.

„Minerva“, sagte er und erhob sich leicht. „Danke, dass du so kurzfristig kommen konntest.“

„Ich hatte ohnehin keine Wahl“, entgegnete sie trocken und setzte sich.

Ihre Haltung war aufrecht, gefasst, jede Bewegung kontrolliert. Ein paar Höflichkeiten wurden ausgetauscht. Man sprach kurz über Hogwarts, über die jüngsten Prüfungsleistungen, über Verwaltungsfragen, die Minerva routiniert beantwortete. Es war ein vertrautes Spiel, eines, das sie gut beherrschte, doch sie wusste, dass das nicht der eigentliche Grund war.

Nach wenigen Minuten legte sie die Hände ruhig auf den Tisch.

„Vielleicht“, sagte sie sachlich, „sollten wir zum Anlass dieser Vorladung kommen.“

Ein kurzer Blickwechsel ging durch die Runde. Kingsley räusperte sich, sichtlich unbehaglich. Er verschränkte die Hände vor sich und sah Minerva offen an.

„Ich hätte mir gewünscht, dass es nicht nötig ist“, begann er langsam. „Und ganz offen gesagt… ich kann mir kaum vorstellen, dass an den Gerüchten etwas Wahres dran ist.“

Minerva hob leicht eine Augenbraue.

„Gerüchte sind selten eine verlässliche Grundlage für offizielle Gespräche.“

Kingsley nickte.

„Da stimme ich dir vollkommen zu. Trotzdem… sie wurden an uns herangetragen.“ Er seufzte leise. „Und als Minister bin ich verpflichtet, ihnen nachzugehen.“

Die Hexe neben ihm schlug eine Akte auf.

„Es geht um eine mögliche persönliche Verbindung“, sagte sie sachlich, „zwischen Ihnen, Professor McGonagall und einer Referendarin in Hogwarts.“

Einen Moment lang war es still. Minervas Gesicht blieb ruhig, beinahe ausdruckslos. Nur in ihren Augen blitzte etwas auf – kein Schreck, sondern Wachsamkeit.

„Und“, fragte sie ruhig, „auf welche konkreten Anhaltspunkte stützen sich diese Vermutungen?“

Kingsley senkte kurz den Blick, dann sah er sie wieder an.

„Beobachtungen. Andeutungen. Auffälliges Engagement.“ Er schüttelte den Kopf. „Nichts davon überzeugt mich, aber… es reicht, um Fragen aufzuwerfen.“

Minerva lehnte sich minimal zurück.

„Dann solltest du sie stellen.“

Kingsley atmete tief durch. Man sah ihm an, wie unangenehm ihm diese Rolle war.

„Gibt es“, fragte er schließlich, langsam und deutlich, „eine persönliche oder private Beziehung zwischen dir und Miss Granger, die über eine rein berufliche Betreuung hinausgeht?“

Minerva ließ keinen Augenblick der Unsicherheit erkennen. Sie verschränkte ruhig die Hände vor sich auf dem Tisch und antwortete mit der Gelassenheit einer Frau, die gelernt hatte, unter Druck klar zu sprechen.

„Ich arbeite mit all meinen Kollegen auf Augenhöhe“, sagte sie ruhig. „Dazu zählen auch Referendare. Respekt, Förderung und Vertrauen sind Grundpfeiler meiner Arbeit als Schulleiterin.“

Sie ließ den Blick kurz durch die Runde gleiten.

„Wenn es ein Problem darstellen sollte, auf einer freundschaftlichen Ebene mit Kollegen zusammenzuarbeiten, dann wird es für jeden schwierig, der jemals ein Team richtig geführt hat.“

Die Hexe gegenüber legte den Kopf leicht schief.

„Das beantwortet die Frage jedoch nicht vollständig“, sagte sie kühl. „Wir sprechen nicht von Kollegialität im Allgemeinen, sondern von einer spezifischen Nähe.“

Minerva nickte knapp.

„Aufgrund unserer gemeinsamen Vergangenheit“, erwiderte sie ruhig, „des Krieges gegen Voldemort und des anschließenden Wiederaufbaus von Hogwarts, mag es für Außenstehende so wirken, als stünde ich Miss Granger näher als anderen.“

Sie hielt kurz inne, dann fuhr sie mit Nachdruck fort:

„Diese Nähe hat jedoch keinerlei Einfluss auf ihre Ausbildung, ihre Beurteilung oder den Schulalltag. Ihre Leistungen sprechen für sich und wurden von mehreren unabhängigen Kollegen bestätigt.“

Die Hexe wollte erneut ansetzen.

„Dennoch—“

„Ich denke, das genügt nun“, sagte Kingsley plötzlich und hob die Hand.

Der Ton war ruhig, aber eindeutig. Er sah die Hexe kurz an, dann wieder zu Minerva.

„Wir bewegen uns hier auf der Basis von Vermutungen“, sagte er bestimmt. „Es gibt keine Beweise für ein Fehlverhalten, keine formellen Beschwerden, keine Verletzung dienstlicher Pflichten.“

Er seufzte leise.

„Minerva, ich schätze deine Arbeit seit vielen Jahren und ich sehe keinen Anlass, dieses Gespräch weiter in diese Richtung zu treiben.“

Minerva nickte langsam.

„Das freut mich zu hören.“

Kingsley schloss die Akte vor sich.

„Wir werden die Angelegenheit beobachten“, sagte er formell, dann mit einem Hauch von Bedauern: „Mehr kann und will ich im Moment nicht tun.“

Minerva erhob sich ruhig.

„Dann hoffe ich, dass dieses Kapitel damit vorerst abgeschlossen ist.“

Kingsley erwiderte ihren Blick.

„Das hoffe ich ebenfalls.“

Minerva verließ den Raum mit erhobenem Haupt. Äußerlich gefasst, innerlich wachsam. Sie wusste, dass nichts entschieden war, aber fürs Erste hatte sie standgehalten.

Minerva kehrte am späten Vormittag nach Hogwarts zurück. Sie ließ sich kaum Zeit, den Mantel ordentlich abzulegen, ging zielstrebig durch die vertrauten Korridore, vorbei an Schülern, die ihr respektvoll auswichen und bog schließlich in Richtung der Gewächshäuser ab.

Pomona war gerade dabei, einige Notizen zu ordnen, als Minerva eintrat.

„Da bist du ja“, sagte sie sofort und musterte sie aufmerksam. „Ich habe schon auf dich gewartet.“

„Ich bin wieder da“, bestätigte Minerva ruhig. „Danke, dass du die Stellung gehalten hast.“

Pomona verzog leicht den Mund, als hätte sie mehr gehört, als Minerva aussprach.

„Setz dich“, sagte sie bestimmt. „Du siehst aus, als könntest du das gebrauchen.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte sie einen Stuhl heran und verschwand kurz darauf, um mit einer dampfenden Tasse Tee zurückzukehren. Sie stellte sie Minerva vor die Nase.

„Nun“, sagte Pomona und setzte sich ihr gegenüber. „Wie schlimm war es?“

Minerva nahm die Tasse, hielt sie einen Moment fest, als müsse sie sich an der Wärme vergewissern.

„Unangenehm“, antwortete sie ehrlich. „Aber nicht so schlimm, wie es hätte sein können.“

Pomona hob eine Augenbraue.

„Das klingt nicht beruhigend.“

Minerva nahm einen Schluck Tee, dann sah sie Pomona direkt an.

„Sie haben Gerüchte gehört. Über Hermine und mich.“

Pomona nickte langsam.

„Das überrascht mich nicht.“

„Kingsley war selbst dabei“, fuhr Minerva fort. „Er wollte es nicht tun, aber er musste fragen. Ob es eine… persönliche Verbindung gibt.“

Pomona schwieg, ließ sie reden.

„Ich denke, ich habe alles richtig formuliert“, sagte Minerva leise. „Ich habe erklärt, relativiert, argumentiert.“ Sie atmete tief durch. „Und am Ende habe ich gelogen.“

Pomonas Blick wurde ernst.

„Direkt?“

Minerva nickte.

„Direkt ins Gesicht des Ministers.“

Einen Moment lang war es still.

„Du hasst Lügen“, sagte Pomona schließlich ruhig.

„Ja“, erwiderte Minerva knapp. „Ich habe sie immer gehasst und doch…“ Sie schloss kurz die Augen. „Ich hatte keine Wahl.“

Pomona legte den Kopf schief, musterte sie lange, dann seufzte sie leise.

„Dann muss es dir sehr ernst sein.“

Minerva sah sie an.

„Das ist es.“

Pomona nickte langsam und schob ihr die Tasse ein wenig näher.

„Dann trinken wir jetzt erst einmal den Tee“, sagte sie sanft. „Und danach sehen wir weiter. Schritt für Schritt.“

Minerva ließ die Schultern ein kleines Stück sinken. Pomona versuchte Minerva ein wenig aufzumuntern, doch so recht gelang es ihr nicht. Minerva atmete noch einmal tief durch, stellte die leere Tasse vorsichtig ab und erhob sich.

„Danke, Pomona“, sagte sie leise. „Für den Tee und fürs Zuhören.“

Pomona lächelte sanft.

„Jederzeit. Und Minerva?“

Sie wartete, bis Minerva sie ansah.

„Du musst das nicht allein tragen.“

Minerva nickte knapp.

„Ich weiß.“

Dann wandte sie sich zum Gehen, verließ die Gewächshäuser und machte sich auf den Weg zurück zum Schloss. Die Korridore wirkten stiller als sonst oder vielleicht war es nur ihre eigene Erschöpfung, die alles gedämpft erscheinen ließ.

In ihrem Büro schloss sie die Tür hinter sich, legte ihre Mappe ab und ging ohne Umwege zum Schreibtisch. Sie setzte sich, die Schultern sanken, als würde das Gewicht des Morgens erst jetzt wirklich spürbar werden. Langsam hob sie die Hände und vergrub das Gesicht darin. Sie atmete tief ein, hielt die Luft kurz an, ließ sie wieder entweichen. Ihre Finger drückten sich gegen die Stirn, als könnten sie die Gedanken dort festhalten oder vertreiben. So saß sie eine Weile. Erschöpft, aber noch immer standhaft.

Minerva spürte plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter. Unwillkürlich zuckte sie zusammen und hob den Kopf, der Atem stockte für einen Herzschlag, doch im nächsten Moment wich die Anspannung aus ihrem Körper, als hätte jemand einen Zauber gelöst.

Hermine stand neben ihr.

Ihre Miene war offen, besorgt, voller unausgesprochener Fragen.

„Tut mir leid“, murmelte Hermine leise. „Ich wollte dich nicht erschrecken.“

Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Nein… ich war nur in Gedanken.“

Hermine ließ die Hand nicht von ihrer Schulter gleiten. Stattdessen ging sie langsam in die Knie und kniete neben Minervas Stuhl, sodass sie auf Augenhöhe waren. Ihre Nähe war still, selbstverständlich, vertraut — kein Drängen, kein Überschreiten einer Grenze.

„Wie ist es gelaufen?“, fragte sie leise.

Minerva sah sie einen Moment lang an, musterte dieses Gesicht, das ihr gleichzeitig Halt und Sorge war. Dann atmete sie tief aus.

„Anstrengend“, sagte sie ehrlich. „Unangenehm. Sie haben Fragen gestellt, die sie nicht stellen wollten und ich nicht beantworten.“

Hermine zog leicht die Stirn in Falten, sagte aber nichts. Sie wartete.

„Kingsley war dabei“, fuhr Minerva fort. „Er hat versucht, es fair zu halten, aber…“ Sie schloss kurz die Augen. „Ich habe gelogen, Hermine.“

Hermine schluckte, ihr Blick wurde weich.

„Um uns zu schützen.“

Minerva nickte langsam.

„Ja.“

Einen Moment lang herrschte Stille. Dann hob Hermine die andere Hand und legte sie sanft auf Minervas Knie.

„Dann war es die richtige Lüge“, sagte sie ruhig.

Minerva atmete zittrig aus. Nicht vor Angst, sondern vor Erleichterung.

„Ich wollte dir das nicht aufbürden.“

„Du bürdest mir nichts auf“, erwiderte Hermine sofort. „Wir tragen das gemeinsam. Das hast du mir selbst beigebracht.“

Minervas Mundwinkel hoben sich schwach.

„Habe ich das?“

„Jeden einzelnen Tag.“

Minerva ließ die Hand sinken, legte sie über Hermines.

„Ich bin froh, dass du hier bist.“

Hermine lächelte sanft.

„Ich bin genau da, wo ich sein will.“

Minerva sah Hermine einen Moment lang forschend an, dann hob sie leicht eine Augenbraue.

„Woher wusstest du eigentlich“, fragte sie ruhig, „dass ich schon wieder zurück bin? Ich habe dir nichts geschickt.“

Hermine grinste — dieses schelmische, fast junge Grinsen, das Minerva viel zu gut kannte.

„Die Hauselfen“, sagte sie schlicht. „Die wissen mehr als manch andere im Schloss. Und sie reden gern, zumindest mit mir.“

Minerva schnaubte leise.

„Natürlich. Ich hätte es mir denken können.“

Hermine zuckte unschuldig mit den Schultern.

„Sie meinten nur, du sähst müde aus und wärst direkt in dein Büro gegangen. Das klang… nach einem Moment, in dem du nicht allein sein solltest.“

Minervas Blick wurde weich.

„Das hatten sie richtig erkannt.“

Einen Augenblick schwiegen sie, dann lehnte Minerva sich ein wenig zurück und fragte:

„Und dein Unterricht?“

Hermine verzog leicht den Mund.

„Wunderbar. Horace ist zufrieden. Er hat mich so oft gelobt und dabei waren es nur 4 Stunden.“

Minerva lächelte.

„Das überrascht mich nicht. Du gehörst zu seiner Sammlung.“

„Oh hör bloß auf. Das war mir als Schülerin schon unangenehm genug.“

Minerva sah Hermine genau an.

„Da ist noch was. Das sehe ich.“

„Naja“, fügte Hermine hinzu und senkte kurz den Blick, „meine Gedanken waren… nicht ganz bei den Schülern.“

Minerva sah sie aufmerksam an.

„Sie waren bei dir“, sagte Hermine leise. „Bei dem Termin. Bei all dem, was sie dir unterstellen könnten. Ich habe wirklich versucht, mich zu konzentrieren, aber jedes Mal, wenn jemand einen Kessel umrührte, habe ich an dich gedacht.“

Minerva schluckte.

„Es tut mir leid“, murmelte sie. „Dass du das mittragen musst.“

Hermine schüttelte den Kopf und sah wieder zu ihr auf, fest, ruhig.

„Nein. Es tut mir leid, dass du dachtest, du müsstest es allein tragen.“

Minerva atmete tief ein. Dann legte sie eine Hand an Hermines Wange, nur einen kurzen Moment — flüchtig genug, um unschuldig zu wirken, ehrlich genug, um alles zu sagen.

„Ich bin froh, dass wir diesen Moment haben“, sagte sie leise.

Hermine lächelte.

„Ich auch.“

Und für einen kleinen, kostbaren Augenblick fühlte es sich an, als hätte die Welt draußen keine Macht über sie.

Minerva ließ die Hand wieder sinken, fast widerwillig und lehnte sich im Stuhl zurück. Die Erschöpfung stand ihr ins Gesicht geschrieben, doch in ihrem Blick lag nun etwas Ruhigeres.

„Es war… unangenehm“, begann sie schließlich. „Nicht, weil ich Angst gehabt hätte, sondern weil ich gezwungen war, Dinge unausgesprochen zu lassen. Wahrheiten zu verbiegen, ohne sie wirklich zu verleugnen.“

Hermine blieb neben ihr knien, stützte sich mit einer Hand auf Minervas Knie.

„Kingsley?“, fragte sie vorsichtig.

Minerva nickte.

„Er wollte mir helfen. Das habe ich gespürt, aber er ist Minister und Minister stellen Fragen, selbst wenn sie die Antworten nicht hören wollen.“

„Und die andere Hexe?“, hakte Hermine nach.

Ein schiefes Lächeln huschte über Minervas Lippen.

„Hartnäckig. Neugierig. Und sehr daran interessiert, zwischen den Zeilen zu lesen.“

Hermine verzog das Gesicht.

„Ich bin mir ganz sicher, dass es Featherstone war.“

Minerva seufzte.

„Ich habe seinen Namen nicht gehört, aber es wäre möglich.“

Hermine senkte kurz den Blick, dann sah sie Minerva entschlossen an.

„Er glaubt, er hätte etwas in der Hand, aber Gerüchte sind keine Beweise.“

„Noch nicht“, antwortete Minerva leise. „Und genau deshalb ist Vorsicht jetzt wichtiger denn je.“

Hermine nickte, auch wenn es ihr sichtlich schwerfiel.

„Dann also wieder Abstand“, meinte sie ruhig. „In der Öffentlichkeit. Keine unnötigen Blicke. Keine… Zettelchen.“

Minerva schmunzelte.

„Das wird dir schwerfallen.“

„Vielleicht“, gab Hermine zu. „Aber nicht unmöglich.“

Einen Moment lang betrachteten sie sich einfach nur — zwei Frauen, die schon zu viel erlebt hatten, um naiv zu sein und dennoch zu viel fühlten, um kalt zu werden.

Hermine erhob sich, setzte sich auf die Kante des Schreibtisches und lehnte sich leicht zu Minerva hin.

„Liebling, es ist Zeit fürs Mittagessen.“

Minerva schwieg einen Moment, dann strich sie sich mit der Hand über die Stirn und sah zu den Papieren auf ihrem Schreibtisch, als könnten sie ihr einen Ausweg bieten.

„Ich gehe nicht“, sagte sie schließlich ruhig. „Nicht jetzt.“

Hermine runzelte die Stirn.

„Minerva…“

„Hör mir kurz zu.“ Minerva hob beschwichtigend die Hand. „Pomona weiß, dass ich zurück bin. Du weißt es. Kein anderer Kollege weiß davon. Für die anderen bin ich noch im Ministerium. Wenn ich beim Mittagessen erscheine, kommen die Fragen und auf Fragen folgen Blicke.“

Hermine seufzte leise. Sie wusste, dass Minerva recht hatte und genau das gefiel ihr nicht.

„Und stattdessen verkriechst du dich hier und tust so, als wären Akten eine bessere Gesellschaft?“

Ein Lächeln huschte über Minervas Gesicht.

„Im Moment sind sie berechenbarer.“

Hermine schüttelte den Kopf, trat näher und legte Minerva beide Hände auf die Schultern.

„Dann bleibe ich hier“, sagte sie entschieden. „Ich lasse dich nicht allein.“

Minerva blickte zu ihr auf, weich, aber bestimmt.

„Nein. Genau das darfst du nicht.“

„Warum?“

„Weil es auffällt“, antwortete Minerva leise. „Weil Edmund nur darauf wartet, dass du etwas tust, das er deuten kann und weil ich nicht will, dass man dich mit mir in Verbindung bringt, während die Luft noch so dünn ist.“

Hermine presste die Lippen aufeinander.

„Ich hasse das.“

„Ich weiß.“

Minerva hob eine Hand und strich ihr sanft über die Wange — eine flüchtige, fast unscheinbare Geste, die jeder Außenstehende als Zufall hätte abtun können.

„Aber es ist nur für heute. Geh zum Essen. Zeig dich. Sei unauffällig.“

Hermine schloss kurz die Augen, sog tief die Luft ein und nickte schließlich.

„In Ordnung, aber nur unter Protest.“

Ein kleines, echtes Lächeln erschien auf Minervas Gesicht.

„Das hätte ich auch nicht anders erwartet.“

Hermine beugte sich vor, legte ihre Stirn für einen Atemzug gegen Minervas — so kurz, dass es kaum mehr als ein Schatten von Nähe war.

„Iss wenigstens etwas“, murmelte sie.

„Ich verspreche es“, log Minerva mit einem Augenzwinkern.

Hermine gab Minerva einen schnellen Kuss, richtete sich auf, strich ihren Rock glatt und ging zur Tür. An der Schwelle drehte sie sich noch einmal um.

„Ich komme später wieder“, sagte sie leise.

Minerva nickte.

„Ich werde hier sein.“

Die Tür schloss sich hinter Hermine und Minerva blieb allein zurück. Sie sah einen Moment lang zur Tür, dann senkte sie den Blick auf den Schreibtisch. Die Stille im Raum war schwer, aber nicht mehr ganz so erdrückend wie zuvor.

Hermine betrat die Große Halle mit ruhigen, kontrollierten Schritten. Äußerlich ließ sie sich nichts anmerken, doch innerlich spannte sich alles in ihr an. Minervas leerer Platz am Lehrertisch wirkte heute schwerer als sonst.

Sie setzte sich neben Horace, der ihr freundlich zunickte und sofort begann, von einem besonders gelungenen Trankversuch eines Fünftklässlers zu berichten. Hermine hörte zu, lächelte an den richtigen Stellen, nahm sich etwas Suppe. Alles wirkte normal. Beinahe. Fast.

„Nun“, erklang Featherstones Stimme, süßlich und viel zu laut für einen beiläufigen Kommentar, „man merkt doch gleich, wenn eine schützende Hand fehlt.“

Hermine hielt inne, hob langsam den Blick und sah ihn an. Featherstone lehnte sich entspannt zurück, die Hände locker gefaltet, der Blick selbstzufrieden.

„Ich hatte mich schon gefragt, ob Minerva zum Essen erscheint“, fuhr er fort. „Oder ob gewisse… Angelegenheiten sie länger in Anspruch nehmen.“

Ein leises Räuspern ging über den Tisch. Pomona starrte demonstrativ in ihren Teller. Horace zog die Augenbrauen zusammen.

Hermine legte ihren Löffel ruhig beiseite. Sie atmete einmal tief durch, doch bevor sie etwas sagen konnte, öffnete Irina den Mund.

„Minerva ist die Schulleiterin. Sie ist niemandem Rechenschaft schuldig. Schon gar nicht hier.“

Hermine warf ihr einen kurzen dankbaren Blick zu. Featherstones Lächeln wurde schmaler.

„Natürlich nicht. Ich dachte nur, es sei… bemerkenswert, dass ihre Abwesenheit mit gewissen Stundenplänen kollidieren.“

Jetzt sah Hermine ihn direkt an. Ihr Blick war ruhig, kühl — gefährlich ruhig.

„Wenn Sie Fragen zu meinem Stundenplan haben“, sagte sie, „können Sie diese gern über die offiziellen Wege klären. Andeutungen bei Tisch wirken eher… unprofessionell.“

Ein paar Köpfe hoben sich. Featherstones Augen blitzten kurz auf, doch er lachte leise.

„Ach, ich vergaß. Sie sind ja inzwischen sehr geübt darin, sich auf Augenhöhe zu bewegen. Jetzt, wo Sie persönlich von ihr betreut werden.“

„Wie jeder andere Kollege und Referendar auch“, erwiderte Hermine trocken.

Ein kurzer, spannungsgeladener Moment entstand, dann beugte sich Filius vor.

„Wir sollten das Mittagessen Mittagessen sein lassen“, sagte er gutmütig, aber bestimmt. „Man bekommt ja richtig Magendrücken bei so viel Bitterkeit.“

Ein paar vereinzelte Schmunzler gingen durch die Runde. Featherstone sagte nichts mehr, doch sein Blick folgte Hermine, während sie sich wieder ihrem Teller zuwandte. Sie spürte ihn im Nacken wie einen kalten Luftzug.

Innerlich kochte sie. Nicht aus Unsicherheit, sondern aus Wut. Er witterte Blut und er genoss es.

Hermine zwang sich weiterzuessen, ruhig zu bleiben und während sie dort saß, wusste sie mit bedrückender Klarheit:

Featherstone würde nicht aufhören. Nicht jetzt. Nicht, solange Minerva angreifbar schien.