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Kein Raum für Fehler

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Kein Raum für Fehler

Hallo ihr Lieben,

habe ich euch mit meinen Kapiteln erschlagen oder seid ihr noch da? Ich hoffe ihr begleitet mich noch ein bisschen ;)

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel :D

LG

M.

Minerva saß noch immer an ihrem Schreibtisch, als die Tür sich leise hinter Hermine geschlossen hatte. Für einen Moment hatte sie gehofft, sie würde bleiben, sich widersetzen, doch zugleich war sie dankbar für die Stille, die nun wieder in ihr Büro sickerte. Sie atmete tief durch und richtete sich langsam auf. Der Stapel Pergamente vor ihr war unangetastet, die Tinte im Fass unberührt. Arbeit. Etwas Greifbares. Etwas, das sie kontrollieren konnte.

Minerva nahm eine Feder zur Hand, legte sie wieder beiseite.

Ihre Gedanken wanderten unweigerlich zurück ins Ministerium. Zu Kingsleys zögerlichem Blick und der Frau, deren Stimme so ruhig gewesen war, während sie bohrte, prüfte, suchte.

Gerüchte, Andeutungen, halbe Wahrheiten, die gefährlicher waren als offene Anschuldigungen.

'Ich habe gelogen', dachte Minerva erneut.

Der Gedanke schmeckte bitter. Nicht aus Reue, sondern aus Notwendigkeit. Sie wusste, warum sie es getan hatte. Für Hogwarts, für ihre Position, für Hermine und doch lastete es schwer.

Sie erhob sich schließlich, trat ans Fenster und sah hinaus auf die Ländereien. Schüler bewegten sich zwischen den Gebäuden, lachten, stritten, lebten. All das, was sie zu schützen versuchte manchmal um einen Preis, den niemand sah. Unwillkürlich glitten ihre Gedanken zu Featherstone.

Sie wusste, dass er etwas plante. Sie hatte es seit Wochen gespürt, diese kaum greifbare Verschiebung in seinem Verhalten. Zu ruhig. Zu selbstzufrieden. Und hatten die Gerüchte offenbar ihren Weg gefunden. Minerva schloss kurz die Augen.

'Ich darf mir keinen Fehler erlauben.'

Ein Klopfen an der Tür ließ sie zusammenzucken.

„Herein“, sagte sie ruhig.

Es war nur ein Hauself, der lautlos ein Tablett mit frischem Tee auf den kleinen Beistelltisch stellte, einen tiefen Knicks machte und wieder verschwand.

Minerva schenkte sich eine Tasse ein, setzte sich erneut und umschloss das warme Porzellan mit beiden Händen. Die Wärme tat gut, aber sie reichte nicht bis dorthin, wo die Anspannung saß. Sie wusste, dass Hermine jetzt in der Großen Halle war, sie wusste, dass Featherstone diese Gelegenheit nutzen würde und das nagte an ihr mehr, als sie zugeben wollte.

Minerva richtete sich ein wenig auf, der vertraute, strenge Ausdruck kehrte langsam in ihr Gesicht zurück. Was auch immer Featherstone plante, sie würde vorbereitet sein.

Der Nachmittag zog sich, doch Hermine hielt sich aufrecht. Der Klassenraum für Zaubertränke war erfüllt vom vertrauten Duft erhitzter Kessel, fein gemahlener Zutaten und einem Hauch Nervosität. Slughorn hatte sich zurückgenommen, saß auf seinem Stuhl am Rand und beobachtete mit sichtlichem Wohlwollen, wie Hermine die Stunde leitete.

„Achtet auf die Farbe“, sagte sie ruhig und ging zwischen den Tischen hindurch. „Wenn der Sud zu früh ins Violette kippt, war die Temperatur zu hoch.“

Ein Schüler hob die Hand, sie blieb stehen, beantwortete die Frage geduldig, präzise, ganz in ihrem Element. Ihre Stimme war fest, ihre Bewegungen sicher. Von außen wirkte sie vollkommen konzentriert, doch immer wieder glitten ihre Gedanken fort.

Zu Minerva. Zu ihrem Gesicht, als sie im Büro gesessen hatte, erschöpft, müde, aber bemüht, Haltung zu bewahren. Zu der Art, wie ihre Schultern sich einen winzigen Moment entspannt hatten, als Hermine bei ihr gewesen war.

Hermine zwang sich, den Blick wieder auf den Kessel vor sich zu richten.

'Jetzt nicht', mahnte sie sich. 'Konzentrier dich.'

„Sehr gut“, sagte sie einem Gryffindor-Schüler, dessen Trank exakt die geforderte Konsistenz erreicht hatte. „Genau so.“

Slughorn nickte zustimmend.

„Ausgezeichnet erklärt, Professor Granger“, murmelte er stolz.

Hermine lächelte kurz, professionell, doch innerlich zog sich etwas zusammen. Sie fragte sich, ob Minerva inzwischen gegessen hatte. Ob sie allein in ihrem Büro saß, über Pergamente gebeugt, um nicht an das Ministerium oder Gerüchte denken zu müssen.

Als die Stunde sich dem Ende zuneigte und die Schüler begannen aufzuräumen, traf Hermine eine stille Entscheidung.

'Nach dem Unterricht gehe ich zu ihr.'

Nicht später. Nicht nach dem Abendessen. Direkt.

Sie sammelte die letzten Notizen ein, verabschiedete die Klasse und wartete noch, bis Slughorn zufrieden den Raum verlassen hatte. Erst dann ließ sie selbst die Schultern sinken. Für einen Moment blieb sie stehen, legte die Hand an den Rand eines leeren Tisches und atmete tief durch. Dann richtete sie sich auf.

Minerva wartete vielleicht nicht bewusst auf sie, aber Hermine wusste, dass sie jetzt dort sein musste und dieses Mal würde sie sich nicht wegschicken lassen.

Hermine verließ den Klassenraum mit festem Schritt. Die Korridore lagen ruhig da, nur vereinzelt hallten Schritte über den Steinboden. Sie war fast an der Treppe, die zu Minervas Büro führte, als sie eine Stimme hörte, die ihr augenblicklich die Nackenhaare aufstellte.

„Miss Granger.“

Sie schloss für den Bruchteil einer Sekunde die Augen.

'Natürlich.'

Edmund Featherstone trat aus einer Seitennische, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt, das selbstzufriedene Lächeln sorgfältig platziert. Er musterte sie, als wäre sie ein schlecht ausgeführter Zauber.

„Schon wieder allein unterwegs?“, fragte er süffisant. „Oder suchen Sie jemanden, der Ihnen erklärt, wie man sich anständig im Unterricht verhält?“

Hermine blieb stehen. Sie drehte sich langsam zu ihm um, den Blick ruhig, die Schultern gerade.

„Wenn Sie etwas zu sagen haben, Professor Featherstone, dann sagen Sie es. Ich habe noch zu tun.“

Sein Lächeln vertiefte sich.

„Oh, das glaube ich Ihnen sofort. Sie wirken in letzter Zeit ja ausgesprochen… beschäftigt.“ Sein Blick glitt über sie, kalkulierend. „Interessant, wie schnell sich gewisse Türen öffnen, wenn man zur richtigen Person das passende Verhältnis pflegt.“

Hermine spürte, wie ihr Puls schneller wurde, doch sie ließ es sich nicht anmerken.

„Sie überschreiten eine Grenze“, sagte sie ruhig. „Und das wissen Sie.“

Featherstones Augen verengten sich minimal.

„Ach? Ich stelle nur fest, dass Ihr angebliches Talent bemerkenswert oft von wohlwollender Aufsicht begleitet wird.“ Er machte einen Schritt näher. „Aber glauben Sie mir, Miss Granger, solche Dinge bleiben nie verborgen. Und wenn sie ans Licht kommen, dann fällt der Schatten selten nur auf eine Person.“

Hermine hob das Kinn.

„Was genau versuchen Sie mir zu sagen?“

Jetzt fiel die Maske für einen Moment. Seine Stimme wurde leiser, schärfer.

„Dass Schutz vergänglich ist. Dass das Ministerium ein ausgesprochen gutes Gedächtnis hat. Und dass man sehr tief fallen kann, wenn man zu hoch hinaus will.“

Das war keine Andeutung mehr. Das war eine Drohung.

Hermine hielt seinem Blick stand. Ihre Stimme war fest, auch wenn in ihr alles bebte.

„Sie können mich einschüchtern wollen, so viel Sie möchten, aber ich habe nichts getan, wofür ich mich schämen müsste.“ Sie trat einen Schritt näher, nicht aggressiv, aber entschlossen. „Und wenn Sie glauben, dass Sie mich damit brechen, dann unterschätzen Sie mich gewaltig.“

Featherstone lachte leise, ohne jede Wärme.

„Wir werden sehen“, sagte er. „Die Zeit arbeitet selten zugunsten der Referendare.“

Hermine ließ ihm keine weitere Antwort. Sie wandte sich ab und ging weiter, ohne sich umzusehen. Jeder Schritt kostete sie Kraft, doch sie verlangsamte ihr Tempo nicht. Erst als sie den nächsten Korridor erreichte, atmete sie tief ein. Ihre Hände zitterten leicht.

Sie musste zu Minerva und jetzt ging es nicht mehr nur um Nähe oder Trost. Es ging darum, dass Featherstones Spiel gefährlicher wurde.

Hermine machte noch ein paar Schritte, dann verlangsamte sie unwillkürlich ihr Tempo.

Der Korridor vor ihr war leer, ruhig, beinahe harmlos und doch spürte sie deutlich dieses unangenehme Kribbeln im Nacken, als hätte Featherstones Blick sich in ihre Gedanken eingebrannt. Seine Worte hallten noch nach.

'Schutz ist vergänglich.'

Hermine blieb stehen. Ihr erster Impuls war gewesen, zu Minerva zu gehen. Zu ihr, die Sicherheit bedeutete, Halt, aber nun, mit etwas Abstand, schob sich die Vernunft dazwischen, hart und unerbittlich.

'Jetzt ist nicht klug.'

Featherstone war aufmerksam. Zu aufmerksam. Wenn sie jetzt direkt zu Minerva ging, nach diesem Wortgefecht, dann wäre es genau das: ein Zeichen. Ein Mosaikstein, der sich viel zu leicht einfügen ließ.

Hermine ballte die Hände zu Fäusten, ließ sie wieder locker.

„Zu riskant“, flüsterte sie und meinte damit nicht nur für sich, sondern auch für Minerva.

Sie atmete tief ein und zwang sich, den Korridor noch einmal bewusst wahrzunehmen. Keine Schritte, keine Stimmen. Trotzdem drehte sie sich um, als würde sie einem spontanen Gedanken folgen, und schlug einen anderen Weg ein. Langsam. Unauffällig. Mit jedem Schritt, den sie sich von Minervas Büro entfernte, zog sich etwas in ihrer Brust zusammen. Sie hätte jetzt so gern Minervas Stimme gehört, ihren ruhigen Blick gesehen, das stille Verständnis in ihren Augen.

'Später', sagte sie sich.

Sie würde bis zum Abend warten oder bis ein Moment kam, der sicher war. Bis keine Schatten in den Ecken lauerten und keine Gerüchte Nahrung fanden.

Hermine richtete die Schultern und setzte ihren Weg fort, äußerlich gefasst, innerlich angespannt. Featherstone mochte glauben, er hätte sie verunsichert, doch in Wahrheit hatte er ihr etwas anderes gegeben.

Entschlossenheit und die Gewissheit, dass sie vorsichtiger sein musste als je zuvor.

Minerva hatte von alldem keine Ahnung.

Sie saß noch immer an ihrem Schreibtisch, der Rücken gerade, die Feder ordentlich zwischen den Fingern, Pergamente sauber ausgerichtet. Alles wirkte so, wie es wirken sollte. Geschäftig. Kontrolliert. Unerschütterlich.

Doch die Worte auf dem Pergament verschwammen immer wieder vor ihren Augen. Sie legte die Feder ab und schloss für einen Moment die Augen.

Gerüchte. Dieses Wort hatte sich im Ministerium wie ein kalter Hauch durch das Gespräch gezogen. Unscheinbar ausgesprochen, beinahe entschuldigend und doch mit einem Gewicht, das sie bis jetzt nicht losließ. Minerva öffnete die Augen wieder und starrte auf die Holzmaserung ihres Schreibtisches.

'War es wirklich Featherstone?'

Ihr erster Gedanke ging unweigerlich zu ihm. Zu seinem selbstzufriedenen Lächeln, zu den kleinen, gezielten Sticheleien, bei denen er sich längst nicht mehr die Mühe machte sie zu verbergen. Er hatte immer zu genau hingesehen. Immer zu aufmerksam reagiert, wenn sie Hermine verteidigt hatte. Und er hatte etwas davon — davon, Zweifel zu säen. Unruhe zu stiften. Autorität zu untergraben.

Aber sofort meldete sich der nüchterne Teil in ihr.

"Woher hätte er es wissen sollen?", flüsterte Minerva zu sich.

Edmund Featherstone war scharfsinnig, ja. Beobachtend, aber er war kein Allwissender. Er hatte keine Beweise, keine Zeugen, nur Vermutungen und dennoch hatte es gereicht, um das Ministerium aufmerksam zu machen.

Minervas Blick glitt zur geschlossenen Schublade. Zu diesem Brief.

Sie atmete tief ein und wieder aus, langsam, kontrolliert.

'Oder ist es jemand anderes?'

Ein unbedachtes Wort. Ein Blick zu viel. Ein Moment, in dem sie weniger vorsichtig gewesen war, als sie geglaubt hatte. Pomona wusste es. Poppy wusste es. Irina vermutlich auch. Keine von ihnen würde sie verraten, davon war Minerva überzeugt, aber Gerüchte brauchten keinen Verrat. Sie brauchten nur Muster. Nähe. Wiederholungen. Sie rieb sich über die Stirn.

Der Gedanke, dass Hermine ins Zentrum dieser Aufmerksamkeit geraten war, ließ etwas Unangenehmes in ihr aufsteigen. Nicht Angst, eher Zorn. Still, kontrolliert, aber gefährlich.

„Ich hätte vorsichtiger sein müssen. Hermine hat diesen Druck nicht verdient.“

Minerva griff erneut zur Feder, zwang sich, weiterzuschreiben. Verwaltungsanweisungen. Stundenpläne. Formalitäten. Dinge, die sie beherrschte. Dinge, die keine Gefühle verlangten, doch selbst während die Feder wieder über das Pergament glitt, blieb ein Gedanke hartnäckig bestehen:

Wenn jemand begonnen hatte, Fragen zu stellen, dann würde es nicht dabei bleiben und egal, wer den ersten Stein geworfen hatte, Featherstone würde ihn ganz sicher aufheben und weiterwerfen, sobald sich die Gelegenheit bot.

Minerva richtete sich ein wenig auf. Sie würde vorbereitet sein. Für Fragen. Für Blicke. Für das, was noch kommen mochte und vor allem: für Hermine.

Ein weiterer Gedanke kam leise. So leise, dass Minerva ihn im ersten Moment beinahe überhörte und doch traf er sie härter als alles, was im Ministerium gesagt worden war.

Was, wenn der einzige Weg, Hermine zu schützen, Abstand ist?

Minerva hielt inne. Die Feder glitt ihr aus den Fingern und rollte über den Schreibtisch. Sie starrte ihr nach, ohne sie wirklich zu sehen.

„Abstand.“

Nicht das vorsichtige Ausweichen auf den Fluren. Nicht die kontrollierte Förmlichkeit im Kollegium. Sondern wirklicher Abstand. Dauerhaft. Endgültig.

Keine gestohlenen Blicke mehr. Keine Berührungen hinter verschlossenen Türen. Keine Nächte, in denen sie sich aneinander festhielten, als wäre die Welt draußen ein fernes Gerücht.

Minervas Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

„Nein“, murmelte sie leise, kaum mehr als ein Atemzug.

Der Gedanke allein fühlte sich falsch an. Unmöglich. Grausam. Sie sah Hermines Gesicht vor sich — die Entschlossenheit, die Wärme, dieses unbeirrbare Vertrauen, das sie ihr schenkte. Hermine würde diesen Abstand nicht verstehen, selbst wenn Minerva ihn mit noch so viel Vernunft erklärte. Und sie selbst?

Sie würde daran zerbrechen.

Minerva presste die Lippen zusammen und schloss erneut ihre Augen. Das ist keine Lösung.

Es wäre ein Opfer, ja. Vielleicht sogar eines, das andere von ihr erwarteten. Disziplin. Pflichtbewusstsein. Das große Ganze über das Persönliche stellen. Sie kannte diese Argumente. Sie hatte sie ihr Leben lang gehört und oft genug selbst vertreten, aber nicht hier. Nicht jetzt. Nicht bei Hermine.

Sie öffnete die Augen wieder, und in ihnen lag etwas Neues. Kein Zweifel. Kein Zögern.

Entschlossenheit.

Wenn Abstand keine Option war, dann musste es einen anderen Weg geben.

Einen, der Featherstone keine Angriffsfläche bot. Einen, der dem Ministerium nichts lieferte, was sie greifen konnten. Und einen, der Hermine nicht schwächte, sondern stärkte.

Vielleicht bedeutete es, Strukturen zu verändern. Zuständigkeiten klarer zu trennen. Sichtbare Transparenz dort zu schaffen, wo andere Heimlichkeit vermuteten. Vielleicht bedeutete es, Hermine noch konsequenter auf eigenen Beinen stehen zu lassen — nicht aus Distanz, sondern aus Vertrauen.

Und vielleicht bedeutete es auch, Featherstone genau dort zu stellen, wo er glaubte, unsichtbar zu sein.

Minerva atmete tief durch. Sie würde nicht zulassen, dass Liebe zu etwas wurde, das man verstecken, opfern oder verleugnen musste.

Es musste einen anderen Weg geben und sie würde ihn finden.