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Kein Schritt zurück

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Kein Schritt zurück

Hallo meine Lieben,

ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel :D

LG

M.

Das Abendessen verlief äußerlich ruhig, beinahe gewöhnlich.

Hermine saß neben Irina und beugte sich leicht zu ihr hinüber, ihre Stimmen gedämpft. Sie sprachen über den Unterricht, über eine misslungene Zauberstabbewegung eines Schülers, über Belanglosigkeiten, doch Hermine war nur halb bei der Sache. Immer wieder wanderte ihr Blick unwillkürlich ein paar Plätze weiter.

Zu Minerva.

Minerva hingegen stand im Gespräch mit Poppy, die ihr mit ernster Miene von einer besonders hartnäckigen Erkältungswelle in Ravenclaw berichtete. Minerva nickte aufmerksam, stellte Fragen, wirkte präsent und doch entging ihr nichts.

Sie spürte Hermines Blick.

Nicht aufdringlich. Nicht fordernd.

Wartend.

Es war dieses leise Ziehen zwischen den Schulterblättern, dieses kaum greifbare Bewusstsein, das ihr sagte, dass Hermine da war. Dass sie beobachtete. Dass sie hoffte, ohne es auszusprechen.

Minerva nahm einen Schluck Wasser, zwang sich, Poppys Ausführungen zu Ende zu verfolgen, lächelte höflich. Sie antwortete sachlich, wie es von ihr erwartet wurde und doch wanderten ihre Gedanken immer wieder ab — zurück zu dem ungeöffneten Brief auf ihrem Schreibtisch, zurück zu der Begegnung im Flur, zu dem kurzen Schreck, dem noch kürzeren Lächeln, das sie sich erlaubt hatten.

Als Poppy sich schließlich abwandte, um jemand anderen anzusprechen, blieb Minerva einen Moment ruhig sitzen. Sie richtete ihre Robe, atmete ruhig ein und aus. Dann hob sie den Blick. Ihre Augen trafen die von Hermine. Nur für einen Herzschlag. Kein Lächeln. Kein Nicken. Keine Geste, die jemand hätte deuten können, doch es reichte.

Minerva wusste es jetzt mit Sicherheit:

Hermine wartete nicht nur auf ein Wort. Sie wartete auf sie.

Und Minerva wusste ebenso sicher, dass sie diesem Warten nicht ewig würde ausweichen können.

Nach einer angemessenen Zeit erhob sich Minerva und verließ die große Halle durch eine Seitentür. Mit strengen Schritten marschierte sie zu ihrem Büro. Sie schwang ihren Zauberstab, um ein paar Kerzen zu entzünden. Langsam trat sie an ihren Schreibtisch und strich vorsichtig über das dunkle Holz.

„Es hilft ja doch nichts“, sagte sie leise und starrte auf den Brief.

Sie wusste, dass sie ihn öffnen musste. Also nahm sie Platz.

Minerva saß reglos an ihrem Schreibtisch. Der Brief lag vor ihr, exakt ausgerichtet, so wie sie alles ausrichtete, wenn sie versuchte, Kontrolle zu bewahren. Das schwere Pergament trug das Siegel des Ministeriums, das rote Wachs unversehrt, beinahe vorwurfsvoll. Ihre Finger ruhten gefaltet davor. Sie atmete langsam ein, langsam aus.

Sie wusste, worum es ging. Sie musste ihn nicht öffnen, um den Inhalt zu ahnen. Das Gespräch im Ministerium war zu glatt verlaufen, zu höflich, zu unvollständig. Man ließ Dinge selten ruhen, wenn Gerüchte einmal ausgesprochen waren.

Minerva nahm den Brief schließlich doch in die Hand, drehte ihn leicht zwischen den Fingern. Das Pergament raschelte leise. Für einen Moment schloss sie die Augen, sammelte sich und brach dann das Siegel.

Sie entfaltete den Brief sorgfältig und begann zu lesen.

Sehr geehrte Professor McGonagall,

bezugnehmend auf das Gespräch in der Abteilung für magische Ausbildung und Dienstaufsicht möchten wir Sie darüber informieren, dass die Angelegenheit hinsichtlich der vorgebrachten Hinweise und Gerüchte über eine mögliche persönliche Nähe zwischen Ihnen und der Referendarin Hermine Granger weiterhin geprüft wird.

Bis zum Abschluss dieser Prüfung bitten wir Sie, in allen dienstlichen Belangen äußerste Sorgfalt walten zu lassen und jede Handlung zu vermeiden, die als Befangenheit ausgelegt werden könnte.

Über weitere Schritte werden Sie zu gegebener Zeit informiert.

Hochachtungsvoll

Olive Lockwood

Abteilung für magische Ausbildung und Dienstaufsicht

Minerva ließ den Brief langsam sinken. Kein Vorwurf. Keine Entwarnung. Nur dieses schwebende noch nicht abgeschlossen.

Sie schloss kurz die Augen und presste die Lippen aufeinander. Es war genau die Art von Schreiben, die sie am meisten verabscheute:

vage genug, um alles offen zu lassen, bestimmt genug, um zu warnen.

Ihre Gedanken wanderten unweigerlich zu Hermine.

Zu ihrem Blick beim Abendessen. Zu der Geduld darin. Zu dem stillen Warten.

Minerva faltete den Brief wieder zusammen und legte ihn zurück auf den Schreibtisch. Diesmal nicht ordentlich, nicht ausgerichtet, sondern einfach dort.

„Also gut“, murmelte sie leise in den Raum.

Die Prüfung war nicht vorbei und sie würde vorsichtig sein müssen, aber eines wusste sie mit absoluter Klarheit:

Sie würde Hermine nicht aufgeben.

Minerva schob den Brief zurück in den Umschlag, als ließe sich damit auch der Inhalt wieder bannen. Einen Moment blieb sie reglos sitzen, die Hände flach auf dem Schreibtisch, den Blick ins Leere gerichtet. Dann erhob sie sich, schloss die Tür zu ihrem Büro hinter sich und ging in ihre angrenzende Wohnung.

Die Stille dort war anders als sonst. Schwerer.

Sie zog den Umhang aus, legte ihn über den Stuhl und trat an den kleinen Tisch beim Kamin. Einen Augenblick zögerte sie, dann nahm sie Pergament und Feder zur Hand. Keine langen Worte, keine Erklärungen. Nur das Nötigste.

Hermine,

komm bitte zu mir, sobald du kannst.

M.

Sie schickte die Nachricht mit einem leisen Zauber fort und atmete tief durch. Kaum hatte sie sich gesetzt, stand sie auch schon wieder auf, ging ein paar Schritte und blieb wieder stehen. Geduld war noch nie ihre größte Stärke gewesen, wenn es um Hermine ging. Es dauerte nicht lange. Ein vorsichtiges Klopfen an der Tür. Minerva hob den Kopf. Für einen Herzschlag lang zögerte sie, dann öffnete sie.

Hermine stand davor, den Mantel noch an, die Augen wachsam, suchend. Als sich ihre Blicke trafen, fiel ein Teil der Anspannung von beiden ab.

„Du wolltest mich sehen“, sagte Hermine leise.

„Ja“, antwortete Minerva ebenso ruhig und trat zur Seite. „Komm herein.“

Hermine schloss die Tür hinter sich. Erst als das Schloss leise einrastete, erlaubten sie sich, einander wirklich anzusehen. Keine Masken, keine Rollen. Minerva blieb stehen, die Hände locker an den Seiten.

„Danke, dass du sofort gekommen bist.“

Hermine lächelte schwach.

„Ich würde jederzeit zu dir kommen und ehrlich gesagt… Ich habe gewartet.“

Einen Moment standen sie sich einfach gegenüber – die Nähe spürbar, unausgesprochen, voller Fragen, die noch keinen Platz gefunden hatten.

Kaum hatte Hermine zu Ende gesprochen, legte Minerva jede Zurückhaltung ab.

Sie griff nach Hermines Handgelenk, zog sie einen Schritt näher an sich und schloss sie fest in die Arme. Es war keine vorsichtige, abwartende Umarmung, sondern eine, in der all die Spannung der letzten Stunden lag. Minervas Stirn sank gegen Hermines Schulter, ihr Atem war warm und ein wenig zu schnell.

„Du bist da“, murmelte sie, fast so, als müsse sie sich selbst davon überzeugen.

Hermine erwiderte die Umarmung sofort, überrascht von der Intensität, aber dankbar dafür.

„Natürlich bin ich da“, sagte sie leise.

Minerva löste sich nicht sofort. Stattdessen hob sie den Kopf, sah Hermine an, als wolle sie sich jedes Detail einprägen und küsste sie dann. Der Kuss war weich, vertraut und doch lag etwas Drängendes darin, etwas Ungesagtes. Hermine erwiderte ihn instinktiv, legte die Hände an Minervas Taille, spürte aber schon nach wenigen Sekunden, dass etwas nicht stimmte. Als Minerva sich schließlich löste, blieb sie dicht bei ihr, die Stirn an Hermines gelehnt.

„Minerva?“ Hermine lächelte zaghaft. „Das ist… sehr stürmisch für jemanden, der mich heute kaum ansehen konnte.“

Minerva atmete tief ein, dann aus. Ihre Hände lagen noch immer an Hermines Rücken, als hätte sie Angst, sie loszulassen.

„Ich wollte dich sehen“, sagte sie ehrlich. „Mehr noch, ich musste dich sehen.“

Hermine musterte sie nun genauer. Die leichte Anspannung um Minervas Augen, der zu kontrollierte Ausdruck, der nicht ganz zu ihr passte.

„Und jetzt sagst du mir bitte“, meinte Hermine sanft, aber bestimmt, „was dich so umtreibt.“

Minerva schloss kurz die Augen, als koste sie den Moment der Nähe noch aus, bevor sie sich der Realität stellen musste. Dann trat sie einen halben Schritt zurück – nicht weit, aber genug, um wieder Luft zu holen.

„Ich habe Post aus dem Ministerium bekommen“, sagte sie ruhig. Zu ruhig. „Nicht jetzt erst, sondern heute Morgen.“

Hermine spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.

„Und?“

Minerva wandte sich kurz ab, ging ein paar Schritte in den Raum hinein, dann drehte sie sich wieder um.

„Die Angelegenheit… ist noch nicht abgeschlossen.“

Hermine schwieg. Sie wusste, dass jetzt jedes überstürzte Wort fehl am Platz war. Minerva sah sie an und für einen Moment fiel die Schulleiterin von Hogwarts völlig von ihr ab. Da stand nur eine Frau, die müde war vom Kämpfen.

„Ich wollte dich eigentlich nicht mit einem Brief belasten“, sagte sie leise. „Nicht nach allem.“

Hermine trat wieder näher, legte ihre Hand um Minervas.

„Dann bin ich froh, dass du trotzdem ehrlich warst.“

Minerva sah sie an, ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Du bist erstaunlich ruhig.“

„Weil ich dich kenne“, antwortete Hermine. „Und weil ich weiß, dass du mir schlechte Nachrichten nie aus sicherer Entfernung mitteilen würdest.“

Minerva atmete hörbar auf, zog Hermine noch einmal an sich, diesmal ruhiger, bewusster.

„Möchtest du, dass ich bleibe?“

„Ja. Bitte bleib bei mir“, bat Minerva leise. „Ich… brauche dich.“

Hermine schlang die Arme um sie, ohne zu zögern.

„Ich gehe nirgendwohin.“

Und obwohl die Schatten des Ministeriums noch immer über ihnen lagen, war dieser Moment – dieses stille, feste Beisammensein – genau das, was beide brauchten, um nicht daran zu zerbrechen.

Sie saßen dicht nebeneinander auf dem Sofa, so nah, dass sich ihre Knie berührten. Hermine hielt Minervas Hand fest umschlossen, als könne sie sie allein durch diesen Kontakt hier behalten. Minervas Finger waren warm, aber angespannt, der Daumen bewegte sich unruhig über Hermines Handrücken. Eine Weile sagte keine von beiden etwas.

Das Feuer im Kamin war niedrig, das Zimmer lag im Halbdunkel. Minerva starrte auf die Flammen, als könnten sie ihr eine Antwort geben, die sie selbst nicht fand.

„Was passiert jetzt?“, fragte Hermine schließlich leise.

Minerva atmete tief ein. Wieder aus. Ihre Schultern hoben und senkten sich langsam.

„Ich weiß es nicht“, sagte sie ehrlich. „Und das ist das Beunruhigendste daran.“

Hermine schluckte. Sie hatte diese Antwort erwartet und sich doch etwas anderes erhofft. Ihre Finger zogen sich einen Hauch fester um Minervas Hand.

„Der Brief…“, begann sie vorsichtig.

Minerva nickte.

„Er sagt nichts Konkretes. Nur, dass die Angelegenheit nicht abgeschlossen ist. Dass man die Situation weiter beobachten wird.“

Sie lachte leise, ohne jede Heiterkeit.

„Als wären wir ein Experiment.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Das ist unfair.“

„Ja.“

Minerva wandte sich ihr zu, sah sie jetzt an. In ihrem Blick lag Müdigkeit, Sorge und etwas, das fast schmerzte vor Zuneigung.

„Und genau deshalb muss ich vorsichtig sein.“

Es entstand eine Pause. Eine schwere, zögernde Stille. Hermine spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Diese Frage hatte sich seit Tagen in ihr festgesetzt, hatte an ihr genagt, und nun saß sie zwischen ihnen wie ein unausgesprochener Zauber.

„Minerva…“, sagte sie leise.

Minerva hob den Kopf ein wenig.

„Hm?“

Hermine zögerte, nur einen Herzschlag lang. Dann zwang sie sich weiterzusprechen.

„Müssen wir jetzt… wieder zurück?“ Ihre Stimme war ruhig, aber sie verriet ihre Angst. „Zur Distanz. Zu Blicken aus der Ferne. Keine Treffen mehr. Kein—“ Sie brach ab, atmete tief durch. „Kein Wir?“

Minerva schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete, griff sie mit der freien Hand nach Hermines Wange, hielt ihr Gesicht sanft fest, sodass Hermine ihr nicht ausweichen konnte.

„Nein“, sagte sie sofort. Leise, aber entschieden. „Ich werde dich nicht zurück auf Anfang stoßen. Nicht nach allem.“

Hermine atmete hörbar aus.

„Aber“, fuhr Minerva fort und dieses Wort ließ Hermine erstarren, „wir müssen klüger sein, geduldiger, noch leiser nach außen.“ Sie lehnte die Stirn an Hermines. „Das bedeutet nicht, dass es weniger wahr ist. Nur besser geschützt.“

Hermine schloss die Augen, ließ die Worte einsinken.

„Ich könnte das nicht“, flüsterte sie. „So tun, als gäbe es dich nicht. Als gäbe es uns nicht.“

Minerva lächelte traurig.

„Das würde ich dir auch nie abverlangen.“

Sie blieben so, Stirn an Stirn, Hände ineinander verschränkt. Kein Kuss, keine Bewegung, nur Nähe, ehrlich und zerbrechlich zugleich.

„Was auch kommt“, sagte Minerva schließlich leise, „wir entscheiden das gemeinsam. Niemand sonst.“

Hermine öffnete die Augen und sah sie an.

„Versprochen?“

Minerva nickte und zog sie in eine feste Umarmung.

„Versprochen.“

Hermine zog Minerva ohne weitere Worte zu sich, als hätte sie Angst, dass zu viele Gedanken den Moment zerreißen könnten. Der Kuss war zunächst sanft, fast zögerlich, dann fester — getragen von all dem Ungesagten, der Sorge, der Nähe, die sie sich nicht nehmen lassen wollten.

Minerva erwiderte ihn sofort, eine Hand an Hermines Rücken, als wäre sie der einzige Halt in einem Raum voller Unsicherheiten. Erst nach einigen Herzschlägen löste sie sich ein wenig, die Stirn an Hermines gelehnt.

„Bleibst du heute Nacht hier?“, fragte sie leise.

Hermine blinzelte, dann breitete sich ein warmes, beinahe schelmisches Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

„Ich dachte schon, du fragst nie.“

Ein leises, überraschtes Lachen entwich Minerva, kurz, ehrlich, fast erleichtert.

„Offenbar denken wir sehr ähnlich.“

Hermine strich mit dem Daumen über Minervas Handrücken.

„Die letzte Nacht war grausam“, sagte sie ruhig, ohne Vorwurf, nur mit dieser stillen Wahrheit, die zwischen ihnen hing. „Das Bett war zu groß und zu leer.“

Minervas Blick wurde weich. Sie zog Hermine näher an sich, legte den Kopf leicht an ihre Schulter.

„Mir ging es nicht anders“, gestand sie leise. „Ich habe gearbeitet oder es zumindest versucht und trotzdem warst du überall.“

Sie saßen eine Weile einfach nur so da, Hand in Hand, eng aneinander, das Sofa viel zu klein für all das, was zwischen ihnen lag und doch genau richtig.

„Was auch immer kommt“, sagte Hermine schließlich, leise, aber bestimmt, „heute Nacht gehören wir uns.“

Minerva nickte, drückte ihre Hand ein wenig fester.

„Mehr brauche ich gerade nicht.“

Und für diesen einen Moment war das genug.

Schließlich stand Hermine auf und hielt Minerva ihre Hände entgegen. Die Schulleiterin lächelte und ließ sich aufhelfen.

„Was hältst du davon, wenn wir in dein Schlafzimmer gehen und…“, Hermine ließ den Satz unvollständig und strich grinsend an Minervas Kragen entlang.

„Und was?“, meinte Minerva ebenfalls grinsend.

„Ich würde da gerne etwas nachholen“, flüsterte Hermine nah an Minervas Lippen.

„Was das wohl sein könnte?“, flüsterte Minerva und schloss den geringen Abstand, um Hermine sanft zu küssen.

„Na dann, ab ins Schlafzimmer“, befahl Hermine.

Minerva lachte kurz und setzte sich in Bewegung. Nach ein paar Schritten grinste Hermine und gab Minerva einen Klaps auf den Hintern. Minerva schreckte hoch.

„Hermine!“

„Was denn? Ich konnte nicht widerstehen“, meinte sie unschuldig.

Minerva schüttelte lächelnd den Kopf und schob Hermine voraus.

Kaum war die Tür zum Schlafzimmer hinter Minerva ins Schloss gefallen, zog Hermine sie bereits in ihre Arme und küsste sie zärtlich, fordernd, als wären sie ewig voneinander getrennt gewesen. Minerva, zunächst überrumpelt von Hermines Leidenschaft, erwiderte die hastigen Küsse der jungen Frau. Gemeinsam stolperten sie durch den Raum, bis Minerva an ihrem Bett anstieß und das Gleichgewicht verlor. Mit einem überraschten Laut fiel sie auf das Bett und Hermine folgte ihr sofort. Ihre Lippen fanden sich wieder, zuerst zärtlich, dann fordernder, während ihre Hände sich suchend fanden. Minerva spürte, wie die Anspannung der letzten Tage von ihr abfiel, ersetzt durch eine Wärme, die nur Hermine hervorrufen konnte. Sie lachten leise zwischen den Küssen, immer wieder flüsternde Worte des Glücks und der Erleichterung. Jeder Moment fühlte sich unendlich an, als wollten sie die Zeit anhalten, nur für sich.

Die beiden ließen sich langsam zurück aufs Kissen sinken, noch eng umschlungen, Hermines Stirn an Minervas gelegt. Kein Wort musste gesprochen werden – allein die Nähe, die Wärme und das stille gegenseitige Verstehen reichten aus. Minerva strich Hermine über den Rücken, Hermine erwiderte mit einer sanften Berührung an Minervas Gesicht und für einen Augenblick schien die Welt um sie herum zu verschwinden. Die beiden lösten sich kaum voneinander, während ihre Hände suchend über den Körper der anderen glitten. Langsam, beinahe zögerlich, begannen sie, die Kleidung der anderen zu entfernen, als wollten sie jeden Moment verlängern. Mit jedem Stück, das fiel, stieg die Hitze zwischen ihnen, die Spannung, die sich aufgebaut hatte, entlud sich in leisen Seufzern und flüsternden Namen.

„Ich liebe dich“, hauchte Hermine gegen Minervas Lippen.

Minerva sah in ihre Augen und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.

„Und ich liebe dich.“

Ihre Körper verschmolzen, Berührung auf Berührung, Kuss auf Kuss, jede Bewegung war gleichzeitig zärtlich und verlangend. Minerva hielt Hermine fest, während Hermine sich an sie schmiegte, die Grenzen von Lust und Nähe verschwammen. Alles andere – der Alltag, die Sorgen, Featherstone, das Ministerium – schien weit entfernt. Nur sie beide existierten, vollkommen verloren in diesem Moment der Intimität, ein stummer Schwur, ein einziges Jetzt, das ihnen gehörte.

Sie bewegten sich im Einklang, jede Berührung schickte ein Kribbeln durch ihre Körper, jede Nähe verstärkte das Verlangen. Minerva spürte Hermines Wärme, ihr Herzschlag gegen ihren eigenen und es fühlte sich an, als würde die Welt um sie herum stillstehen.

Hermine hauchte Minerva leise Worte ins Ohr, ein Lächeln auf den Lippen, während ihre Hände zärtlich über Minervas Rücken und Schultern glitten. Minerva antwortete mit eigenen leisen Lauten, ihre Finger in Hermines Haar vergraben, als wollte sie diesen Moment festhalten, für immer.

Die Stunden schienen gleichzeitig endlos und zu kurz zu sein. Sie hielten sich fest, wechselten zwischen zärtlicher Nähe und leidenschaftlicher Intensität, ließen keinen Raum für Sorgen oder Außenstehende. Nur sie beide existierten in ihrem kleinen, privaten Universum aus Berührungen, Küssen und Liebe.

Schließlich, erschöpft, aber erfüllt, sanken sie nebeneinander ins Bett, noch immer eng umschlungen. Sie lagen da, lauschten dem Atem der anderen, fühlten die Wärme und die Zeit, die sie miteinander teilten. Kein Wort war nötig – ihr Schweigen sprach alles, was sie füreinander empfanden.

Der Morgen schlich sich leise in den Raum, noch zaghaft, als wolle er den Frieden nicht stören. Graues Licht fiel durch die Vorhänge und zeichnete weiche Konturen auf die Wände. Hermine war die Erste, die langsam zu sich kam. Einen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war, bis sie Minervas Atem spürte, warm und gleichmäßig an ihrer Schulter.

Sie blieb reglos liegen, lauschte diesem vertrauten Rhythmus und ließ die vergangene Nacht in sanften Bildern an sich vorbeiziehen. Da war keine Unruhe, kein Drängen, nur dieses tiefe, seltene Gefühl von Geborgenheit. Vorsichtig drehte sie den Kopf und sah Minerva an. Ihr Gesicht war im Schlaf entspannt, die Stirn glatt, die Lippen leicht geöffnet. So sah sie sie viel zu selten.

Hermine hob die Hand, strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und verharrte kurz, als wolle sie sich vergewissern, dass dieser Moment wirklich war. Minerva regte sich, murmelte etwas Unverständliches und rückte näher, ganz selbstverständlich, als gehöre sie genau dorthin.

„Guten Morgen“, flüsterte Hermine, mehr zu sich selbst als zu Minerva.

Minerva blinzelte, öffnete langsam die Augen und lächelte, noch ganz verschlafen. Dieses Lächeln traf Hermine jedes Mal unvorbereitet.

„Du bist noch da“, murmelte Minerva erleichtert.

„Ich hatte nicht vor zu verschwinden“, antwortete Hermine leise und beugte sich vor, um ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben.

Minerva zog sie näher an sich, legte den Arm um ihre Taille.

„Vielleicht bleiben wir einfach noch ein wenig so liegen“, sagte Hermine, halb Bitte, halb Feststellung.

Minerva nickte. Für diesen Augenblick gab es keinen Brief, kein Ministerium, keinen Alltag. Nur sie beide, das ruhige Licht des Morgens und die stille Hoffnung, dass sie diesen Frieden irgendwie würden bewahren können.

Nach einer Weile atmete Minerva tief ein und aus, als müsse sie sich selbst sammeln.

„So sehr ich das hier auch festhalten möchte“, sagte sie leise, „wir sollten aufstehen.“

Hermine machte ein unwilliges Geräusch, vergrub kurz das Gesicht an Minervas Schulter und blieb noch einen Herzschlag lang liegen, bevor sie sich seufzend löste.

„Du hast recht“, murmelte sie, auch wenn jede Bewegung ihr widerstrebte.

Sie stand auf, zog sich langsam an, während Minerva ihren Morgenmantel überzog und sie dabei beobachtete. Es lag etwas Zärtliches, aber auch etwas Wehmütiges in ihrem Blick.

Als Hermine fertig war, trat Minerva zu ihr, legte ihr beide Hände an die Wangen und sah sie ernst an.

„Egal, wie der Tag wird“, sagte sie ruhig, „du bist gut. Du bist klug. Und du lässt dich von niemandem kleinmachen. Hörst du?“

Hermine nickte, sichtbar gestärkt von diesen Worten.

„Ich denke an dich“, erwiderte sie leise.

„Das tue ich auch“, sagte Minerva und zog sie noch einmal in eine feste Umarmung, bevor sie ihr einen letzten, sanften Kuss gab.

Kurz darauf trat Hermine in den Kamin, warf Minerva einen letzten Blick zu und verschwand in den Flammen.

Als das Zimmer wieder still war, setzte sich Minerva langsam auf die Bettkante. Die Wärme von Hermine schien noch in der Luft zu liegen, doch ihre Gedanken wanderten unweigerlich zurück zu dem Brief. Sie dachte an ihren Schreibtisch, auf dem er lag.

Der Name darauf ließ sie nicht los.

'Olive Lockwood.'

Minerva runzelte die Stirn. Der Name war ihr nicht fremd, da war sie sich sicher. Irgendwo in den Windungen ihrer Erinnerung rührte sich etwas, doch sie konnte es noch nicht greifen, aber das Gefühl blieb.

Und sie wusste:

Dieser Name würde noch eine Rolle spielen.