Leise Siege
Leise Siege
Hallo ihr Lieben,
heute gibt es mal wieder ein längeres Kapitel, das euch hoffentlich zum Schmunzeln bringt ;) Ich hab ein wenig Humor und Zucker und ein bisschen Chili eingestreut. Lasst mich gerne wissen, ob euch das neue Kapitel gefällt :D
LG und viel Spaß
Hermine stand neben Horace Slughorn, den Zauberstab locker in der Hand und ließ den Blick über die Siebtklässler schweifen. Die Klasse war aufmerksam, ungewöhnlich ruhig sogar. Es war eine dieser seltenen Stunden, in denen man spürte, dass alle begriffen hatten, wie nah die Prüfungen waren.
„Heute“, begann Slughorn mit seiner warmen, wohlklingenden Stimme, „werden wir uns einem Trank widmen, der Präzision und Geduld erfordert. Nichts für Hast oder Übermut.“
Er warf Hermine einen kurzen, bedeutungsvollen Blick zu. Es war nicht Misstrauen, eher Fürsorge. Horace hatte keinen Zweifel daran, dass Hermine die Siebtklässler problemlos allein führen konnte. Das hatte sie längst bewiesen, doch der heutige Trank war anspruchsvoll, fehleranfällig und vor allem gefährlich, wenn jemand unaufmerksam wurde.
„Professor Granger wird die Anleitung übernehmen“, fuhr er fort. „Ich bleibe heute an ihrer Seite.“
Ein leises Murmeln ging durch die Reihen, neugierig, aber respektvoll.
Hermine nickte und trat einen Schritt vor. „Wir brauen heute den Calmantia-Extrakt“, erklärte sie ruhig. „Er wirkt stark auf das Nervensystem und wird häufig unterschätzt. Ein zu langes Erhitzen und er wird wirkungslos. Ein zu kurzes und er kann… unangenehme Nebenwirkungen haben.“
Ein paar Schüler verzogen das Gesicht. Hermine ließ sich davon nicht beirren.
„Ich möchte, dass ihr euch exakt an die Zeiten haltet“, fuhr sie fort. „Keine Abkürzungen. Keine Experimente.“
Slughorn schmunzelte leise.
„Sehr gut gesagt.“
Während die Schüler begannen, ihre Kessel vorzubereiten, bewegte sich Hermine ruhig durch den Raum, beantwortete Fragen, korrigierte Handgriffe, sprach leise und konzentriert. Sie war ganz bei der Sache und doch glitten ihre Gedanken immer wieder für einen Sekundenbruchteil ab.
'Minerva', dachte sie unwillkürlich.
Sie schob den Gedanken beiseite, atmete einmal tief durch und zwang sich, präsent zu bleiben. Horace bemerkte ihre kurze Abwesenheit nicht oder tat zumindest so. Er beobachtete sie aufmerksam, wohlwollend, griff nur dann ein, wenn es nötig war.
„Sehr sauber gearbeitet“, murmelte er einmal, als Hermine einem Schüler die richtige Schnitttechnik für die Asphodelwurzel zeigte.
Hermine lächelte knapp. Solche Momente gaben ihr Halt. Hier, im Unterricht, wusste sie, wer sie war und was sie konnte. Und auch wenn ein Teil von ihr bei Minerva, bei dem Brief und den unausgesprochenen Sorgen war, so blieb sie doch standhaft.
Als der Raum sich allmählich mit dem gleichmäßigen Blubbern der Kessel füllte, wusste Hermine: Diese Stunde würde gelingen. Und vielleicht, nur vielleicht, würde dieser Tag weniger schwer werden, als sie befürchtet hatte.
Die Stunde neigte sich dem Ende zu und der Duft des fertig gebrauten Tranks lag schwer, aber sauber in der Luft. Hermine ließ den Blick noch einmal durch den Raum gleiten, prüfte die Kessel, die Farben, die Konsistenz. Die meisten Ansätze waren gelungen – einige sogar erstaunlich gut.
„Gut“, sagte sie schließlich und klatschte einmal leise in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Schüler wieder auf sich zu ziehen. Gespräche verebbten, Zauberstäbe wurden gesenkt.
„Das war insgesamt eine sehr saubere Arbeit“, begann sie. „Gerade bei einem Trank wie diesem ist Sorgfalt entscheidend und die haben die meisten von euch heute gezeigt.“
Ein paar Schultern strafften sich, hier und da huschte ein stolzes Lächeln über Gesichter.
„Besonders möchte ich hervorheben“, fuhr Hermine fort und nannte zwei Namen, „dass ihr die Temperatur konstant gehalten habt. Das ist schwieriger, als es aussieht. Dafür erhalten Sie, Miss Walters, 10 Punkte für Ravenclaw und Sie, Mr. Adams, 10 Punkte für Gryffindor.“
Slughorn nickte zustimmend neben ihr.
„Für alle gilt“, ergänzte Hermine, „analysiert noch einmal die Vorgehensweise des Brauens anhand der Kriterien aus Kapitel zwölf. Schreibt mir bis zur nächsten Stunde eine Einschätzung: Was ist gut gelungen, wo hättet ihr präziser sein können.“
Ein leises, kollektives Seufzen ging durch den Raum. Natürlich hasste jeder Hausaufgaben.
Hermine lächelte leicht.
„Ich weiß, aber genau diese Reflexion macht den Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem exzellenten Zaubertrank und ist eine gute Übung für Ihre Abschlussprüfung.“
Sie schloss ihr Notizbuch.
„Sie können nun gehen. Und – gute Arbeit heute.“
Die Stühle rückten, Taschen wurden gepackt, die Schüler verließen nach und nach den Raum. Einige warfen Hermine im Vorbeigehen noch respektvolle Blicke zu. Als der Klassenraum sich leerte, blieb für einen Moment nur noch das leise Knistern der abkühlenden Kessel zurück. Slughorn trat neben Hermine.
„Ausgezeichnet geführt“, sagte er leise. „Sehr klar, sehr ruhig.“
Hermine atmete aus.
„Danke.“
Für einen kurzen Moment erlaubte sie sich, stolz zu sein – auf diese Stunde, auf sich selbst. Dann sammelte sie ihre Unterlagen ein, bereit für das, was der restliche Tag noch bringen würde.
Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten, als Hermine mit einem Stapel Pergamente unter dem Arm den Korridor in Richtung Bibliothek entlangging. Der Gang war ungewöhnlich belebt, vereinzelte Schüler hasteten lachend an ihr vorbei, manche mit gesenkten Köpfen, andere mit kaum verhohlener Schadenfreude im Gesicht. Dann hörte sie es. Eine laute, schneidende Stimme, unverkennbar.
„Das ist eine Unverschämtheit! Eine bodenlose Frechheit!“
Featherstone.
„Wenn ich herausfinde, wer das war… Dann gnade Ihnen Merlin!“
Hermine verlangsamte unwillkürlich ihre Schritte. Aus der entgegengesetzten Richtung kamen Irina und Pomona zügig näher, beide mit ernstem, aber auch merklich neugierigem Ausdruck.
„Habt ihr das auch gehört?“, murmelte Hermine.
Irina sah sie mit einem leichten funkeln in den Augen an.
„Und wie.“
„Wir sollten besser nachsehen, was da los ist“, sagte Pomona und setzte ihren Weg fort.
Am Ende des Flurs brach schallendes Gelächter aus. Mehrere Schüler standen dort, einige versuchten erfolglos, ernst zu bleiben. In ihrer Mitte: Edmund Featherstone.
Oder besser gesagt – das, was von seiner Würde übrig war.
Sein Gesicht war voller Tinte, seine Robe war übersät mit grell violetten, sich langsam bewegenden Mustern, die aussahen, als würden sie sich gegenseitig jagen. Bei jeder Bewegung änderten sie ihre Form, pulsierten, wucherten weiter. Seine Ärmel klebten leicht aneinander und bei jedem Versuch, sie auseinanderzuziehen, gab die Robe ein leises Geräusch von sich.
„Runter von mir!“, fauchte er einen Schüler an, der zu nah stand. „Alle! Verschwindet hier!“
Doch das Gelächter ließ sich kaum bändigen. Pomona presste sich eine Hand vor den Mund.
„Oh… oh mein.“
Irinas Blick wurde scharf, analytisch.
„Interessant. Sehr sauber gearbeitet.“
Hermine sagte nichts. Sie trat neben die beiden, verschränkte die Arme locker vor der Brust und beobachtete die Szene. Innerlich regte sich etwas, das sie nur schwer einordnen konnte – Genugtuung vielleicht oder Erleichterung. Featherstone fuchtelte mit dem Zauberstab.
„Finite!“, rief er wütend.
Nichts geschah.
„Finite Incantatem!“
Die Muster leuchteten nur heller auf, jetzt begleitet von einem leisen Summen. Ein Schüler wagte es, zu kichern. Featherstones Kopf ruckte herum.
„Fünfzig Punkte Abzug für—“
„Ich würde das lassen.“
Irinas Stimme war ruhig, aber durchdringend. Featherstone erstarrte, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.
„Dieser Zauber ist komplex“, fuhr sie fort und trat näher. „Und offensichtlich nicht spontan entstanden. Je mehr du dich dagegen wehrst, desto instabiler wird er.“
Pomona nickte bestätigend.
„Wir sollten Minerva holen.“
Featherstones Gesicht lief dunkelrot an. Hermine war sich nicht sicher, ob der Grund dafür Wut oder Scham war.
„Das kommt gar nicht in Frage!“, zischte er.
„Doch“, sagte Pomona sanft, aber bestimmt.
Hermine bemerkte, wie Featherstones Blick kurz über sie glitt. Für den Bruchteil einer Sekunde meinte sie, etwas zu sehen – Wut, Misstrauen… und etwas anderes. Berechnung.
„Ich kümmere mich selbst darum“, presste er hervor. „Gehen Sie alle zurück in Ihre Klassen.“
Widerwillig begannen die Schüler sich zu zerstreuen, doch das Kichern hallte noch lange nach.
Als der Flur sich leerte, blieb ein Moment gespannter Stille zurück. Pomona seufzte.
„Nun. Offenbar hat jemand sehr genaue Kenntnisse über textile Zauber.“
Irina warf Hermine einen kurzen Seitenblick zu.
„Und ein gutes Timing.“
Hermine senkte den Blick einen Moment.
„Ich habe nichts gesehen.“
Irinas Mundwinkel zuckten.
„Ich auch nicht.“
Pomona klopfte Hermine leicht auf den Arm. „Kommt schon, wenn er keine Hilfe möchte, sollten wir unserer Arbeit nachgehen.“
Hermine nickte und folgte ihnen, doch als sie sich noch einmal umdrehte, sah sie Featherstone allein im Flur stehen, die violetten Muster noch immer lebendig auf seiner Robe.
Und zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass er die Kontrolle verloren hatte und nicht sie.
Die Große Halle vibrierte an diesem Abend vor ungewohnt ausgelassener Stimmung. Kaum hatten die Schüler Platz genommen, ging das Geflüster los. Ein Kichern hier, ein unterdrücktes Prusten dort. Namen fielen, Andeutungen wurden gemacht und immer wieder sah man Hände, die über imaginäre Roben strichen, als würden sie etwas Unsichtbares abschütteln.
Hermine setzte sich an den Lehrertisch und brauchte einen Moment, um zu begreifen, wie schnell sich die Geschichte verbreitet hatte. Offenbar hatte jeder Zweite den Vorfall gesehen oder zumindest davon gehört. Die Portraits und Geister hatten in dieser Hinsicht gute Arbeit geleistet. Die Siebtklässler tuschelten offen, jüngere Schüler versuchten, ernst zu bleiben, scheiterten aber kläglich.
„Hast du gesehen, wie sich das bewegt hat?“
„Ich dachte erst, das wäre Absicht!“
„Meine Mutter würde sagen, das ist Mode aus der Hölle.“
Hermine senkte den Blick auf ihren Teller und zwang sich zur Neutralität, auch wenn es ihr schwerfiel, das kleine, sehr menschliche Gefühl der Schadenfreude völlig zu unterdrücken.
Ein Platz am Lehrertisch blieb auffällig leer. Featherstone war nicht erschienen.
Als Minerva die Große Halle betrat, wurde es für den Bruchteil einer Sekunde ruhiger – nicht aus Respekt, sondern aus gespannter Erwartung. Jeder wusste, dass auch die Schulleiterin von dem Vorfall gehört haben musste und so wartete jeder auf einen gewaltigen Tadel der strengen Lehrerin. Sie ging mit gewohnt aufrechter Haltung den Mittelgang entlang, den Blick geradeaus gerichtet, den Ausdruck vollkommen beherrscht.
Nur wer sie gut kannte, hätte bemerkt, wie sehr sie sich zusammenriss. Innerlich kämpfte sie gegen das unpassendste aller Gefühle an: ein fast überwältigendes Lachen. Das Bild von Featherstone, verschmiert mit Tinte, die sich nicht so leicht abwaschen ließ und umgeben von violetten, pulsierenden Mustern, drängte sich ihr immer wieder auf, so lebhaft, dass sie kurz den Atem anhielt, um nicht zu schmunzeln.
'Reiß dich zusammen Minerva', ermahnte sie sich streng.
Sie nahm Platz, faltete ihre Serviette und begann ruhig zu essen, als wäre nichts geschehen. Neben ihr beugte sich Pomona leicht herüber.
„Er ist nicht da“, murmelte sie.
Minerva nickte nur knapp.
„Offensichtlich und das wundert mich nicht.“
Pomonas Augen funkelten.
„Ich muss gestehen… es war beeindruckend.“
Minerva räusperte sich leise und nahm einen Schluck Wasser.
„Unangemessene Magie bleibt unangemessen – unabhängig von der Zielperson.“
Pomona lächelte unschuldig.
„Natürlich.“
Hermine wagte einen kurzen Blick zu Minerva hinüber. Für einen flüchtigen Moment trafen sich ihre Augen und da war es, kaum wahrnehmbar: ein winziges Zucken in Minervas Mundwinkel, schnell unterdrückt, aber für Hermine eindeutig. Hermine senkte den Blick, um nicht selbst zu lachen.
Die Schüler würden sich noch Tage über diesen Abend unterhalten, das wusste sie und auch wenn niemand es laut sagte, hing über der Halle ein unausgesprochener Gedanke:
Zum ersten Mal seit Langem war Edmund Featherstone nicht derjenige gewesen, der andere bloßstellte.
Minerva legte das Besteck beiseite und atmete einmal tief durch. So sehr sie die ausgelassene Stimmung auch verstand und insgeheim genoss, sie wusste, dass sie jetzt handeln musste. Jede weitere Minute des ungezügelten Gelächters untergrub etwas, das sie als Schulleiterin zu schützen hatte. Also erhob sie sich.
Das Geräusch ihres Stuhls auf dem Steinboden reichte aus. Gespräche verebbten, Gelächter verstummte, Köpfe drehten sich. Innerhalb weniger Sekunden lag die Aufmerksamkeit der gesamten Halle auf ihr.
„Genug.“
Ihre Stimme war ruhig, klar und trug mühelos bis in die letzten Reihen.
„Was sich heute im Schloss ereignet hat, ist mir zu Ohren gekommen“, fuhr sie fort. „Ich werde nicht dulden, dass Schüler oder Lehrkräfte, unabhängig davon, wie beliebt oder unbeliebt sie sein mögen, Zielscheibe von Streichen oder öffentlicher Bloßstellung werden.“
Einige Schüler senkten schuldbewusst den Blick. Andere wirkten plötzlich sehr interessiert an ihren Tellern.
„Hogwarts ist ein Ort des Lernens und des Respekts“, sagte Minerva weiter. „Magie einzusetzen, um jemanden der Lächerlichkeit preiszugeben, ist kein harmloser Spaß. Es ist ein Vertrauensbruch.“
Sie machte eine kurze Pause. Hermine bemerkte, wie Minervas Finger sich leicht an der Tischkante verkrampften. Ein stiller Hinweis darauf, wie viel Selbstbeherrschung sie gerade aufbringen musste.
„Ich erwarte, dass die Verantwortlichen sich freiwillig bei mir melden“, schloss Minerva. „Bis dahin gilt: Jeder weitere Kommentar, jedes weitere Gelächter zu diesem Vorfall wird Konsequenzen haben.“
Ihre Augen wanderten ein letztes Mal prüfend durch die Halle.
„Ist das verstanden?“
Ein vielstimmiges, gedämpftes „Ja, Professor McGonagall“ folgte.
Minerva nickte knapp und setzte sich wieder. Erst als sie den Blick senkte, erlaubte sie sich einen winzigen Atemzug der Erleichterung. Die Halle nahm langsam wieder Fahrt auf – leiser, aber ihr war klar, dass die Schüler definitiv nicht aufhören würden, darüber zu sprechen.
Neben ihr beugte sich Pomona erneut herüber.
„Sehr souverän. Du hast dich wirklich gut unter Kontrolle.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Das ist meine Pflicht.“
Pomona lächelte.
„Und trotzdem bewundernswert.“
Hermine beobachtete Minerva aus dem Augenwinkel. Trotz allem – trotz der Anspannung, der politischen Fallstricke, der ständigen Vorsicht – hatte sie gerade gezeigt, warum sie diese Schule führte.
Und warum Hermine ihr mehr vertraute als je zuvor.
Irina beugte sich ein wenig vor, stützte den Ellbogen locker auf den Tisch und senkte die Stimme, gerade so, dass nur Minerva sie hören konnte.
„Glaubst du ernsthaft“, begann sie trocken, „dass sich die Schuldigen freiwillig bei dir melden?“
Minerva ließ den Blick noch einen Moment auf ihrem Teller ruhen. Dann zuckte ein kaum wahrnehmbares Schmunzeln über ihre Lippen, flüchtig, aber eindeutig.
„Nein“, antwortete sie leise. „Natürlich nicht.“
Irinas Mundwinkel hoben sich.
„Dachte ich mir.“
Minerva nahm ihr Besteck wieder auf, als wäre nichts gewesen, und fügte ebenso ruhig hinzu: „Aber sie wissen jetzt, dass ich weiß, dass es ein Schüler oder mehrere mit Absicht getan haben. Und das reicht fürs Erste.“
Irina musterte sie einen Moment lang, dann nickte sie anerkennend.
„Abschreckung durch Autorität. Altbewährt.“
„Und erstaunlich effektiv“, erwiderte Minerva. Ihr Ton blieb sachlich, doch in ihren Augen lag ein leiser, fast amüsierter Glanz.
Am anderen Ende des Tisches fing Hermine Minervas Blick auf. Nur für einen Herzschlag trafen sich ihre Augen. Keine Geste, kein Lächeln, aber in diesem kurzen Moment lag ein unausgesprochenes Verständnis. Hermine senkte den Blick wieder, ein kaum merkliches Lächeln auf den Lippen. Minerva hingegen richtete ihre Aufmerksamkeit erneut auf das Essen vor sich, wohl wissend, dass der heutige Vorfall damit nicht abgeschlossen war. Irgendjemand würde reden. Früher oder später und wenn es so weit war, würde sie die Konsequenzen daraus ziehen müssen. So leid es ihr auch tat.
Später, auf dem Weg zurück zu ihrem Büro, vernahm Hermine gedämpftes, aufgeregtes Geflüster aus einem der Seitenflure. Sie verlangsamte sofort ihre Schritte.
„… ich sag doch, das war genial …“
„Hast du sein Gesicht gesehen?“
„Die Tinte überall und wie er erschrocken ist…“
„Meinst du, McGonagall merkt, wer das war?“
„Quatsch. Woher soll sie das denn wissen?“
„Wenn doch, sind wir geliefert …“
„Mach dir nicht ins Hemd. Die kriegt das schon nicht raus.“
Hermine blieb einen Moment stehen, halb verborgen hinter einer Säule. Ein leises Schmunzeln huschte über ihr Gesicht. Sie konnte die Stimmen den Schülern zuordnen, die gestern in der Bibliothek darüber gesprochen hatten. Einen Herzschlag lang ließ sie die Szene auf sich wirken. Die Mischung aus Triumph und Nervosität war fast schon rührend.
Dann setzte sie ihre Schritte bewusst etwas fester auf den Steinboden. Absichtlich. Als kleine Warnung.
Das Geflüster brach abrupt ab. Hastige Bewegungen, ein scharfes Einziehen von Atem. Als Hermine um die Ecke bog, standen dort drei ältere Schüler, die sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrten, als hätte sie sie auf frischer Tat ertappt.
„Professor Granger“, platzte es aus einem von ihnen heraus.
Hermine blieb stehen, legte den Kopf leicht schief und musterte sie mit einem Ausdruck höflicher Neugier. Keine Strenge. Kein Tadel.
„So so“, sagte sie ruhig. „So viel Aufregung im Flur nach dem Abendessen ist ungewöhnlich.“
Die Schüler wechselten nervöse Blicke. Einer schluckte hörbar. Hermine verschränkte die Hände locker hinter dem Rücken und fügte scheinbar nachdenklich hinzu:
„Es ist wirklich schade, nicht wahr…“ Sie ließ eine kurze Pause. „Dass man manchmal nie erfährt, wer für gewisse Vorfälle verantwortlich war.“
Ein leises, vielsagendes Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Fast so, als hätte sich alles von selbst erledigt.“
Die Schüler sahen sie an, unsicher, ob sie erleichtert oder noch nervöser sein sollten. Hermine hielt ihren Blick einen Moment, dann nickte sie knapp.
„Einen schönen Abend noch“, sagte sie freundlich und ging weiter, als wäre nichts gewesen.
Hinter ihr blieb betretenes Schweigen zurück und drei Schüler, die sehr genau darüber nachdachten, wie viel Professor Granger tatsächlich gehört hatte.
Hermine bog um die Ecke und verlangsamte ihre Schritte erneut. Sie zögerte nur einen Augenblick, dann änderte sie ihre Richtung. Statt weiter zu ihrem Büro zu gehen, wandte sie sich dem Schulleiterturm zu. Die Wendeltreppe kam ihr heute kürzer vor als sonst.
Sie klopfte.
„Herein“, erklang Minervas Stimme.
Hermine trat ein. Minerva saß an ihrem Schreibtisch, mehrere Pergamente ordentlich gestapelt vor sich, die Brille tief auf der Nase. Als sie aufsah, hellte sich ihr Gesicht sofort auf.
„Hermine“, sagte sie überrascht und unverkennbar erleichtert. „Das ist eine angenehme Überraschung.“
Ihr Blick ruhte einen Moment länger auf ihr, als nötig gewesen wäre. Dann runzelte sie leicht die Stirn.
„Du wirkst… erstaunlich gut gelaunt.“
Hermine schloss die Tür hinter sich, ging ohne Hast auf den Schreibtisch zu und setzte sich kurzerhand darauf, die Beine locker baumelnd. Minerva hob eine Augenbraue, sagte aber nichts. Sie konnte nicht, denn Hermine beugte sich vor, legte eine Hand an Minervas Schulter und küsste sie sanft. Nicht lange, nicht auffällig, aber voller Wärme.
„Nach diesem Nachmittag“, sagte Hermine leise, kaum dass sie sich zurückgezogen hatte, „wäre wohl jeder gut gelaunt.“
Minerva schnaubte leise, ein unterdrücktes Lachen und nahm die Brille ab.
„Ich ahne, dass ich mir einiges zusammenreimen kann“, meinte sie trocken. „Die Stimmung im Schloss war… ungewöhnlich ausgelassen.“
Hermine grinste.
„Sagen wir, Gerechtigkeit kann manchmal sehr kreativ sein.“
Minerva betrachtete sie einen Moment, dann schüttelte sie langsam den Kopf.
„Ich sollte vermutlich strenger sein“, sagte sie, doch ihre Mundwinkel verrieten etwas anderes.
„Vermutlich“, stimmte Hermine zu und rutschte ein kleines Stück näher an sie heran.
Hermine lehnte sich ein wenig zurück und musterte Minervas Gesicht mit gespielter Ernsthaftigkeit.
„Ich habe ganz genau gesehen, wie sehr du dich zusammenreißen musstest“, sagte sie.
„Deine Mundwinkel haben sehr verräterisch gezuckt.“
Minerva schmunzelte nun offen, wenn auch leise.
„Ich fürchte, meine Selbstbeherrschung hat im Laufe der Jahre gelitten“, erwiderte sie trocken. Dann wurde ihr Blick wieder nachdenklicher. „Allerdings würde mich schon interessieren, wer dafür verantwortlich ist. So etwas fällt ja nicht vom Himmel.“
Hermine grinste breiter. Minerva seufzte kaum hörbar.
„Oh nein“, sagte sie langsam. „Du weißt es.“
„Ja“, gab Hermine ohne jede Reue zu.
„Und?“
Hermine schüttelte den Kopf, immer noch lächelnd.
„Es tut mir wirklich leid mein Schatz, aber nein. Ich werde es nicht sagen.“
Minerva musterte sie streng. Zumindest versuchte sie es.
„Miss Granger…“
„Oh, wir sprechen uns nun also förmlicher an, Professor McGonagall?“
„Hermine, wirklich. Das geht zu…“
Weiter kam sie nicht. Hermine beugte sich vor und küsste sie erneut, sanft, aber bestimmt, als wolle sie jede weitere Nachfrage im Keim ersticken. Minerva gab nach einem Herzschlag nach, erwiderte den Kuss und legte eine Hand an Hermines Arm.
Als sie sich wieder lösten, atmete Minerva leise aus.
„Du bist unmöglich“, murmelte sie.
„Das sagst du nicht zum ersten Mal“, antwortete Hermine zufrieden.
Minerva sah sie einen Moment lang an, denn die junge Frau schob die Pergamente beiseite.
„Was genau tust du da? Ich habe noch etwas zu tun Hermine.“
„Willst du denn, dass ich gehe?“
„Liebes, natürlich nicht, aber wir müssen vorsichtig sein. Wenn dich jemand hier sieht…“
„Dann haben wir eben gerade eine Besprechung oder so.“
„Ja natürlich. Das würde jeder glauben, wenn man dich so sieht.“
Hermine rutschte grinsend näher, ohne zu zögern. Minerva schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Wärst du so nett“, sagte sie mit gespielter Strenge, „und würdest von meinem Schreibtisch heruntergehen? Ich fürchte, er ist nicht für… spontane Sitzgelegenheiten gedacht.“
Hermine lachte leise.
„Natürlich“, sagte sie unschuldig.
Sie rutschte vom Schreibtisch, allerdings nur, um im nächsten Moment ohne jedes Zögern auf Minervas Schoß Platz zu nehmen. Ganz selbstverständlich, als wäre es der logischste Ort der Welt. Minerva sog scharf die Luft ein.
„Hermine“, begann sie, mahnend, warnend und liebevoll zugleich.
„Du hast nicht gesagt, wohin ich gehen soll“, erwiderte Hermine grinsend und legte die Arme locker um Minervas Schultern. „Und hier sitzt es sich eindeutig bequemer.“
Für einen Moment sah Minerva sie nur an. Dann gab sie einen leisen, ergebenen Laut von sich und legte schließlich doch die Hände an Hermines Taille.
„Du bist eine Herausforderung“, murmelte sie.
„Ich weiß“, sagte Hermine sanft. „Und du wirst mich nicht mehr los.“
Minerva senkte den Kopf ein wenig, ihre Stirn berührte Hermines. Für einen kostbaren Augenblick existierten weder Ministerium noch Gerüchte noch Featherstone – nur sie beide, im warmen Licht des Büros.
„Danke“, sagte Minerva leise.
Hermine antwortete nicht sofort. Sie zog Minerva nur ein wenig näher an sich und hielt sie fest. Dann beugte sie sich vor und küsste Minervas Wange, erst flüchtig, dann langsamer, bewusster. Ihre Lippen wanderten zu ihrem Hals, hinterließen dort warme, sanfte Spuren. Minerva schloss unwillkürlich die Augen. Ein leises Seufzen entwich ihr, verriet mehr, als sie wollte.
„Hermine…“, sagte sie schließlich, bemüht, einen festen Ton zu finden. „Ich wollte eigentlich noch arbeiten.“
„Mhm“, murmelte Hermine, ohne sich wirklich zurückzuziehen. „Das dachte ich mir.“
Sie hob den Kopf, sah Minerva aus nächster Nähe an, mit diesem Blick, der immer zu viel wusste.
„Aber ich habe eine viel bessere Idee für den Abend.“
Minervas Mundwinkel zuckten. Sie öffnete die Augen wieder, musterte Hermines Gesicht, das so vertraut war und doch jedes Mal aufs Neue wirkte wie eine Versuchung.
„Ich fürchte“, sagte sie trocken, „ich kann mir sehr gut vorstellen, worauf du hinauswillst.“
„Dann spare ich mir die lange Erklärung“, antwortete Hermine leise und strich mit dem Daumen über Minervas Wange. „Du hast heute genug getragen. Verantwortung, Haltung, Kontrolle. Lass mich den Rest übernehmen.“
Minerva atmete tief ein. Für einen Moment kämpften Pflicht und Verlangen sichtbar miteinander. Dann löste sich etwas in ihr. Sie lehnte die Stirn an Hermines und ließ ein leises, ehrliches Lachen hören.
„Du bist unverbesserlich“, sagte sie.
„Und genau deshalb“, erwiderte Hermine sanft, „liebst du mich.“
Minerva antwortete nicht mit Worten. Sie zog Hermine näher zu sich und ließ die Arbeit für diesen Abend endgültig Arbeit sein.
Hermine legte den Kopf schief, ein schelmisches Lächeln auf den Lippen.
„Weißt du“, sagte sie unschuldig, während ihre Finger langsam über Minervas Kragen glitten, „man sagt ja, ein langer Tag im Schloss verlangt nach… angemessener Entspannung.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Ist das so?“
Ihr Ton war trocken, doch der Blick verriet, dass sie längst verstanden hatte, worauf Hermine hinauswollte.
„Absolut“, erwiderte Hermine und beugte sich näher. „Und zufällig kenne ich jemanden mit einer sehr gemütlichen Wohnung. Kamin, Sofa, keine störenden Kollegen, keine Briefe aus dem Ministerium.“ Sie ließ eine kurze Pause. „Nur du und ich und vielleicht ein weiches Bett.“
Minerva schloss für einen Moment die Augen, als würde sie innerlich bis drei zählen. Als sie sie wieder öffnete, war der Widerstand nur noch Formsache.
„Du bist heute besonders unerträglich“, murmelte sie und stand dennoch auf.
Hermine grinste triumphierend, griff nach Minervas Hand und zog sie vom Schreibtisch weg.
„Du meinst überzeugend.“
„Ich meine gefährlich“, korrigierte Minerva, doch ihre Finger verschränkten sich ganz von selbst mit Hermines. Ein letzter Blick auf die liegengebliebenen Pergamente, dann seufzte sie leise.
„Gut. Für heute… haben andere Dinge Vorrang.“
Hermine sagte nichts mehr. Sie lächelte nur, führte Minerva zum Kamin und wenige Augenblicke später verschwanden beide in den grünen Flammen. Kurz darauf stolperten sie in Hermines Wohnung aus dem Kamin, wo sie für ein paar Stunden einfach sie selbst sein durften.
Hermine ließ Minerva kaum Zeit, den Raum wirklich wahrzunehmen, kaum dass der Kamin hinter ihnen erloschen war.
„Weißt du“, begann sie scheinbar nachdenklich, während sie Minervas Umhang langsam von ihren Schultern schob, „ich habe den Eindruck, du unterschätzt völlig, wie sehr ich dich den ganzen Tag über vermisst habe.“
Minerva schnaubte leise, doch ihre Hände fanden ganz von selbst Hermines Taille.
„Als hätten wir uns den ganzen Tag nicht gesehen“, entgegnete sie ruhig.
„Und doch“, hauchte Hermine näherkommend, „war das eindeutig nicht genug.“
Ihre Lippen streiften Minervas Mund nur flüchtig, ein Kuss, der mehr versprach als er einlöste.
„Außerdem hast du mich gerade einfach aus deinem Büro entführt. Ich nehme an, das verpflichtet zu… Konsequenzen.“
Minervas Mundwinkel zuckten.
„Du legst es wirklich darauf an“, stellte sie fest, doch ihre Stimme war weicher geworden.
Sie zog Hermine näher an sich, legte die Stirn an ihre.
„Du weißt genau, dass ich dir kaum widerstehen kann.“
„Gut“, murmelte Hermine zufrieden und küsste sie erneut, diesmal länger, langsamer.
Ihre Finger zeichneten gedankenverloren kleine Kreise auf Minervas Rücken.
„Dann lass uns den Abend doch genau so verbringen, wie er begonnen hat. Ohne Eile. Ohne Pflichten.“
Minerva erwiderte den Kuss, ließ sich darauf ein, ganz und gar.
„Dann wird es sicher spät werden“, sagte sie schließlich leise, beinahe warnend.
Hermines Lächeln war warm, vielsagend.
„Das war der Plan.“
Und während sie sich weiter küssten, vertraut und innig, lag bereits in der Luft, dass diese Nacht ihnen gehören würde – ruhig, intensiv, und voller Nähe, die keine Worte mehr brauchte.
Hermine kicherte leise und streifte Minervas Hand, während sie sich ein Stück vom Kamin entfernte.
„Wir sollten uns beeilen“, flüsterte sie und ihr Grinsen verriet schon, dass sie kein ernstes Zeitproblem meinte.
Minerva hob eine Augenbraue, skeptisch.
„Oh? Und warum sollte das so dringend sein?“
Hermine trat ein Stück näher, legte ihre Hände auf Minervas Schultern und neigte den Kopf, um ihr ins Ohr zu flüstern.
„Weil meine Chefin mich zur Nachtschicht eingeteilt hat… und glaub mir, sie kann sehr streng werden.“
Sie lachte leise, ihre Finger spielten mit dem Kragen von Minervas Kleid.
„Aber keine Sorge, ich weiß genau, wie man mit ihr umgeht… und wie man sie zufriedenstellt.“
Minerva spürte, wie ein Schauer über ihren Rücken lief. Ihr Blick fiel auf Hermines Augen, die funkelten und voller Versprechen waren. Ein leises Schmunzeln huschte über ihr Gesicht.
„Du bist unmöglich“, murmelte sie, doch ihre Stimme zitterte leicht vor Verlangen und Vorfreude.
Hermine lachte erneut, zog Minerva sanft an sich und flüsterte:
„Unmöglich… vielleicht, aber genau das ist doch aufregend und sei ehrlich, ich habe den Dreh raus, wie man dich wirklich zufriedenstellt.“
Minerva hob ihre Hand und strich sanft über Hermines Wange, berührte mit dem Daumen sanft ihre Lippen und ließ ihre Finger zu ihrer Schulter gleiten.
„Ich muss zugeben, du bist in vielerlei Hinsicht sehr geschickt.“
Mit einem letzten schelmischen Blick auf Minerva führte Hermine sie Richtung Schlafzimmer, jeder Schritt voller Vorfreude, jede Bewegung ein stilles Versprechen auf die Nacht, die ihnen gehörte…
Es war kurz vor 10 Uhr und Hermine seufzte tief, fast jammernd.
„Warum hast du mich nochmal eingeteilt?“, fragte Hermine, während sie über Minervas nackten Rücken streichelte.
„Weil auch meine Referendare diese Pflicht erfüllen müssen“, flüsterte Minerva gegen Hermines Halsbeuge und setzte einen sanften Kuss auf ihren Hals.
„Du hast ja recht, aber es passt mir gerade überhaupt nicht. Ich habe hier eigentlich alle Hände voll zu tun“, sagte sie, packte Minervas Handgelenk und im nächsten Moment war sie über Minerva.
„Ich schulde dir noch eine Revanche mein Schatz“, hauchte sie gegen Minervas Lippen und küsste sie.
Minerva ließ es für einen Moment zu, doch dann lachte sie.
„Du darfst einer alten Frau auch eine Verschnaufpause gönnen und du kannst sicher sein, dass ich noch hier bin, wenn du zurück bist.“
Hermine ließ ihren Blick über Minerva wandern. Sie seufzte erneut und ließ langsam Minervas Handgelenke los.
„Wehe wenn nicht.“
Minerva lachte und griff nach dem Morgenmantel neben dem Bett und zog ihn über.
„Und vorbei ist die schöne Aussicht“, meinte Hermine und stand widerwillig auf.
Sie begann sich anzuziehen. Jeder Handgriff fühlte sich schwer an, jeder Blick zu Minerva ein innerer Kampf. Minerva lehnte sich zurück, verschmitzt und ließ ihren Blick über Hermine gleiten, während sie ein wenig mehr Haut zeigte, als unbedingt nötig.
„Du bist grausam“, murmelte Hermine, kaum in der Lage, die Worte ernst zu meinen und gleichzeitig von einem kaum zu bändigenden Verlangen durchzogen, denn Minerva hatte den Mantel nicht völlig geschlossen.
Minerva schmunzelte, erhob sich langsam und trat einen Schritt näher.
„Ich muss dir einen Grund zur Vorfreude geben“, sagte sie, ihre Stimme sanft, aber mit diesem unmissverständlichen Glitzern in den Augen, „damit du auch wirklich wiederkommst.“
Hermine biss sich auf die Lippe, ein Schaudern durchlief sie.
„Du weißt genau, wie man jemanden quält…“
„Und genauso weiß ich, wie man jemanden wieder verführt“, erwiderte Minerva.
Hermine trat näher zu ihr. Sie beugte sich nah zu Minerva und strich am Kragen von Minervas Morgenmantel entlang, berührte dabei auch die samtweiche Haut und sah genau, dass Minerva in diesem Moment ihr Spiel bereute.
„Du bist eine grausame Frau“, sagte sie und platzierte ein paar sanfte Küsse auf ihrem Hals und ließ ihre Hand über Minervas Brust gleiten, nur getrennt durch den dünnen Stoff.
„Das höre ich nicht zum ersten Mal mein Schatz“, sagte Minerva mit einem verschmitzten Lächeln.
Sanft strich sie über Hermines Wange und küsste sie zärtlich.
„Ich werde versuchen, es wieder gutzumachen, wenn du zurück bist.“
„Ich nehme dich beim Wort.“
Hermine raubte sich noch einen leidenschaftlichen Kuss und löste sich dann.
Mit einem letzten Blick und einem sanften Lächeln brach Hermine zur Nachtschicht auf. Jede Sekunde, die sie voneinander getrennt waren, schürte nur die Vorfreude auf das, was sie in ein paar Stunden erwarten würde.