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Leise Bande

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Leise Bande

Das Morgenlicht fiel weich durch die Vorhänge und legte sich wie ein warmer Schleier über das Bett. Hermine war die Erste, die die Augen öffnete. Einen Moment lang blieb sie einfach liegen und sah Minerva an, die noch schlief, das Gesicht entspannt, die Stirn ausnahmsweise frei von Sorgenfalten. Ein kleines Lächeln stahl sich auf Hermines Lippen.

Minerva regte sich kurz darauf, blinzelte und als sie Hermine neben sich bemerkte, wurde ihr Blick sofort weich.

„Guten Morgen“, murmelte sie leise und zog Hermine ein Stück näher zu sich.

„Guten Morgen“, antwortete Hermine und schmiegte sich an sie.

Sie blieben noch eine Weile so liegen, tauschten ein paar ruhige Küsse, genossen die Stille und dieses seltene Gefühl, keinen Augenblick lang etwas verbergen zu müssen. Schließlich seufzte Minerva leise und strich Hermine durchs Haar.

„Was ist los?“, fragte Hermine, sah Minerva an und legte ihren Arm um ihre Taille. „Bist du noch erschöpft von unserer Nacht?“

Minerva konnte das freche Lächeln förmlich hören. Auch sie lächelte.

„In meinem Alter braucht man nicht mehr so viel Schlaf“, meinte Minerva.

Hermine stützte ihren Kopf auf ihre Hand und sah Minerva grinsend an.

„Ist das so? Das ist wirklich interessant.“

Ihre andere Hand glitt sanft über Minervas Ausschnitt.

„Du kriegst wohl nie genug oder?“, lachte Minerva und küsste Hermine.

„Von dir werde ich nie genug bekommen mein Schatz.“

„Dann sollte ich mich dieser Situation schnellstmöglich entziehen.“

Hermine lachte und zog Minerva in ihre Arme.

„Noch nicht. Gib mir noch ein paar Minuten.“

Minerva seufzte und küsste Hermine auf die Stirn.

„Also schön. Allerdings schuldest du mir noch eine Antwort.“

„Welche denn?“, fragte Hermine und kuschelte sich an Minerva.

„Wie war deine Nachtschicht?“, fragte sie in möglichst beiläufigem Ton.

Hermine erstarrte einen Hauch zu lange. Minerva merkte es sofort und hob eine Augenbraue.

„Hermine.“

„Es war… ruhig“, begann sie und verzog dann leicht den Mund. „Also. Meistens.“

Minerva richtete sich ein wenig auf und sah sie genauer an.

„Meistens heißt in deinem Fall, dass irgendetwas passiert ist.“

Hermine atmete einmal tief durch.

„Ich wollte es dir eigentlich nicht gleich sagen, um den Morgen nicht… na ja… zu verderben.“

„Sag es mir trotzdem.“

Hermine nickte.

„Ich bin Featherstone begegnet. Im Ostflügel. Er war… wie immer. Herablassend, angriffslustig und er hat mich offen beschuldigt, die Schüler zu dem Streich angestiftet zu haben.“

Minervas Kiefer spannte sich sofort an.

„Und? Was hast du geantwortet?“

„Ich habe ihm widersprochen. Es war vielleicht ein bisschen zu deutlich. Ich habe ihm gesagt, dass er keine Beweise hat und dass er aufhören soll, mich einzuschüchtern.“

Sie zuckte mit den Schultern.

„Er hat natürlich so getan, als hätte er alles durchschaut.“

Minerva schloss kurz die Augen, als würde sie ihre Gedanken ordnen.

„Und er hat dich einfach gehen lassen?“

„Nicht ohne noch ein paar giftige Bemerkungen. Aber ja.“

Minerva sah sie einen Moment lang schweigend an, dann legte sie die Hand an Hermines Wange.

„Du solltest so etwas nicht allein mit dir ausmachen.“

Hermine lehnte sich in die Berührung.

„Ich weiß, aber ich wollte dir wenigstens diese Nacht und diesen Morgen nicht mit ihm verderben.“

Minervas Blick wurde weich, aber auch ernst.

„Das ehrt dich, aber Featherstone wird nicht aufhören und je mehr Kontra du ihm gibst, desto gefährlicher wird er.“

Hermine nickte langsam.

„Ich weiß, aber ich lasse mich von ihm auch nicht kleinmachen.“

Minerva zog sie in eine feste Umarmung.

„Und das sollst du auch nicht.“

Hermine schloss die Augen und hielt sie fest. Für diesen Moment, in diesem Bett, fühlte es sich an, als könnten sie allem standhalten.

Hermine zögerte einen Moment, dann seufzte sie leise.

„Er wird sich bei dir beschweren. Da bin ich mir ziemlich sicher.“

Minerva schnaubte leise, fast schon amüsiert.

„Er beschwert sich ständig. Das ist ja nun wirklich nichts Neues.“

„Diesmal vielleicht lauter als sonst“, murmelte Hermine. „Er hat es sehr… persönlich genommen.“

Minerva richtete sich ein wenig auf und sah sie fest an.

„Hermine, er kann sich beschweren, so oft er will. Es gibt keine Beweise und selbst wenn er wieder mit Andeutungen und Unterstellungen kommt – mehr hat er nicht.“

Hermine biss sich auf die Unterlippe.

„Ich habe nur Angst, dass du irgendwann zu weit gehst, wenn du mich verteidigst. Er wartet doch nur darauf, dass du dich angreifbar machst.“

Minervas Blick wurde ernst, aber auch ruhig. Sie strich Hermine sanft über den Arm.

„Ich weiß sehr genau, was ich tue und ich weiß auch, wo meine Grenzen sind.“

„Und wenn er dich provoziert?“

„Dann bleibe ich sachlich.“ Ein kleines, fast trotziges Lächeln huschte über Minervas Gesicht. „So enttäuschend das für ihn auch sein mag.“

Hermine musterte sie noch einen Moment, dann nickte sie langsam.

„Du glaubst wirklich, du hast das im Griff?“

„Ja“, sagte Minerva ohne Zögern. „Ich werde das klären. Auf meine Art und ohne ihm das zu geben, was er will.“

Hermine atmete ein wenig erleichtert auf und lehnte sich wieder an sie.

„Ich wollte nur nicht, dass du wegen mir in Schwierigkeiten gerätst.“

Minerva legte den Arm um sie und zog sie näher.

„Du bist keine ‚Schwierigkeit‘, Hermine. Und ich lasse mir von Edmund nicht vorschreiben, wie ich meine Arbeit zu machen habe.“

Für einen Moment lagen sie einfach nur still da, eng aneinandergeschmiegt, beide wissend, dass der Alltag und die Konflikte draußen auf sie warteten, aber auch, dass sie ihnen nicht allein gegenüberstanden.

Sie blieben noch einen Moment liegen, dann seufzte Minerva leise und setzte sich auf.

„So sehr ich das hier auch genießen würde … wir sollten uns fertig machen.“

Hermine verzog das Gesicht, nickte dann aber.

„Ich weiß, die Pflicht ruft. Leider.“

Sie standen auf, zogen sich an, jeder Handgriff vertraut, ruhig, fast ein wenig widerwillig. Minerva band ihr Haar zusammen, Hermine schlüpfte in ihre Stiefel und warf ihr dabei diesen vielsagenden Blick zu.

Minerva bemerkte ihn natürlich und lächelte schief.

„Ich muss sagen … diese gemeinsame Nacht war äußerst anregend.“

Hermine grinste breit.

„Da sind wir uns einig und ich finde, das schreit ganz eindeutig nach einer Wiederholung.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Professor Granger.“

„Professor McGonagall“, erwiderte Hermine unschuldig, aber mit einem verführerischen Lächeln und beide mussten lachen.

Sie traten noch einmal nah zueinander. Minerva legte Hermine kurz die Hand an die Wange, sah sie einen Moment ernst und warm an, dann küsste sie sie zum Abschied. Nicht hastig, nicht heimlich, einfach nur vertraut.

„Pass auf dich auf“, sagte Minerva leise.

„Du auch“, antwortete Hermine.

Dann trat Minerva zum Kamin, warf noch einen letzten Blick über die Schulter, lächelte und verschwand im grünen Flammenwirbel.

Hermine blieb noch einen Moment stehen, spürte das Echo des Kusses und dieses leise, glückliche Kribbeln in der Brust. Dann atmete sie tief durch, richtete sich auf und machte sich bereit, wieder in den Alltag zurückzukehren.

Minerva machte sich in ihrer Wohnung rasch frisch, strich noch einmal ihre Robe glatt und zog dann den Umhang über. Ein letzter Blick in den Spiegel, ein knappes Nicken zu sich selbst, dann verließ sie die Räume und machte sich auf den Weg zum Frühstück.

Im Flur hörte sie schon von Weitem die Schritte, die sie inzwischen nur zu gut kannte. Als Featherstone um die Ecke bog, verfinsterte sich ihr Blick unmerklich. Auf ihn hatte sie nun wirklich keine Lust.

„Minerva“, begann er ohne Umschweife und mit diesem leicht selbstzufriedenen Unterton, „Gut, dass wir uns treffen. Ich wollte mich ohnehin bei dir melden. Es geht um deine Referendarin.“

Minerva blieb stehen und wandte sich ihm ruhig zu.

„Ich habe so etwas in der Art erwartet. Was genau ist dein Anliegen, Edmund?“

Er legte sofort los, sprach von Verdächtigungen, von „auffälligem Verhalten“, davon, dass Hermine die Schüler gegen ihn aufgehetzt habe. Minerva hörte ihm mit unbewegter Miene zu, die Hände ruhig vor dem Körper gefaltet.

Als er geendet hatte, fragte sie kühl:

„Und welche Beweise hast du für diese Anschuldigungen?“

Er stockte.

„Nun ja … keine handfesten, aber ich weiß es einfach. Es ist offensichtlich.“

Minervas Blick wurde schärfer.

„Vermutungen und Gefühle reichen nicht aus, um jemandem ein Fehlverhalten zu unterstellen.“

Er wollte ansetzen, um weiterzureden, doch Minerva hob leicht die Hand.

„Edmund, ich habe im Moment weder Zeit noch Geduld für haltlose Anschuldigungen. Wenn du Beweise für ein tatsächliches Vergehen hast, kannst du gern wieder zu mir kommen.“

Sie machte eine kurze Pause und fügte dann ruhig, aber unmissverständlich hinzu:

„Bis dahin erwarte ich, dass du solche Unterstellungen für dich behältst.“

Ohne seine Antwort abzuwarten, wandte sie sich ab und setzte ihren Weg fort.

Featherstone blieb im Flur zurück, sichtlich verwirrt und mit offenem Mund und Minerva ging mit aufrechter Haltung weiter Richtung Große Halle, innerlich deutlich zufriedener, als sie es sich anmerken ließ.

Beim Frühstück herrschte eine merkwürdig gespannte Stimmung. Hermine saß an ihrem Platz und hatte kaum angefangen zu essen, da wanderte ihr Blick schon zu Minerva hinüber. Sie kannte sie gut genug, um die feinen Veränderungen zu bemerken:

Die etwas aufrechtere Haltung, der prüfende Blick, der öfter als sonst durch die Große Halle glitt. Minerva wirkte gesammelt, aber wachsam, als hätte sie bereits einen Kampf hinter sich, auch wenn niemand sonst ihn bemerkt hatte.

Hermine runzelte leicht die Stirn.

'Da ist etwas passiert', dachte sie sofort.

Ihr Blick wanderte weiter, fast automatisch, zu Featherstone. Der saß ungewöhnlich still an seinem Platz. Keine spitzen Bemerkungen, kein demonstratives Lachen, kein lautes Kommentieren des Schülerverhaltens. Er aß mechanisch, den Blick gesenkt und vermied es auffällig, in Minervas Richtung zu schauen. Das allein sagte Hermine schon alles.

Minerva griff zwischendurch nach ihrer Tasse, stellte sie wieder ab, ohne wirklich daraus zu trinken und ließ ihren Blick kurz über die Lehrertafel gleiten. Als ihre Augen Hermines trafen, hielt sie den Blick einen Herzschlag zu lange. Nicht genug, dass es jemandem aufgefallen wäre, aber genug, dass Hermine es verstand.

'Später', lag darin.

Hermine atmete unmerklich auf. Gleichzeitig spürte sie dieses vertraute Ziehen in der Brust. Diese Mischung aus Sorge und Bewunderung. Minerva hatte eingegriffen. Ruhig, bestimmt, ohne Aufsehen. Ganz sie selbst.

Featherstone hingegen wirkte kleiner als sonst, fast in sich zusammengesunken. Seine sonst so präsente Arroganz war wie weggeblasen, ersetzt durch vorsichtige Zurückhaltung. Es war offensichtlich, dass ihm Grenzen aufgezeigt worden waren. Hermine senkte den Blick wieder auf ihren Teller, ein kaum merkliches Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie nahm sich vor, Minerva später darauf anzusprechen – unter vier Augen, doch für den Moment genoss sie einfach diesen stillen Sieg, der sich wie eine unsichtbare Schutzmauer um sie legte, während Minerva, wachsam und souverän, die Große Halle überblickte.

Nach dem Frühstück erhob sich Minerva fast sofort. Kein Zögern, kein Blick zurück. Sie strich ihre Robe glatt, nickte Poppy und Pomona knapp zu und verließ die Große Halle mit langen, zielstrebigen Schritten. Hermine wollte ihr folgen, ließ es dann aber bleiben. Es hätte ohnehin keinen Sinn gehabt. Minerva war bereits verschwunden.

Sie seufzte leise, mehr in sich hinein als hörbar.

'Natürlich', dachte sie. 'Wenn sie so reagiert, dann steckt sie mitten in etwas.'

Minerva zog sich immer zurück, wenn sie Dinge ordnen, absichern oder vorbereiten musste. Hermine verstand das. Trotzdem ließ es ein unruhiges Gefühl in ihr zurück.

Sie stocherte noch einen Moment in ihrem Frühstück herum, aß ein wenig, während ihre Gedanken bereits kreisten. Featherstones Schweigen. Minervas Wachsamkeit. Das kurze, bedeutungsvolle Aufeinandertreffen ihrer Blicke.

'Ich rede später mit ihr', nahm sie sich fest vor. 'Unter vier Augen.'

Kurz darauf machte sie sich auf den Weg zu ihrem Unterricht. Der Gang wirkte heute fast beruhigend auf sie – kühl, vertraut, strukturiert. Genau das, was sie jetzt brauchte.

Im Klassenraum wartete Horace Slughorn bereits. Er strahlte sie an, wie immer, wenn sie gemeinsam unterrichteten und begann sofort, den Schülerinnen und Schülern die heutige Lektion anzukündigen. Fortgeschrittene Tränke, komplexe Abläufe, wenig Spielraum für Fehler – Stoff, der Respekt einflößte.

Hermine übernahm nahtlos. Ihre Erklärungen waren klar, präzise, ruhig. Sie bewegte sich sicher zwischen den Arbeitstischen, korrigierte hier eine Temperatur, dort eine Bewegung des Löffels, stellte gezielte Fragen und forderte die Siebtklässler genau dort heraus, wo sie es brauchten.

Slughorn beobachtete sie mit unverhohlenem Stolz. Er ergänzte, lobte, warf hin und wieder einen begeisterten Kommentar ein, doch es war deutlich, dass Hermine den Raum mühelos für sich eingenommen hatte.

Die Schüler arbeiteten konzentriert, die Tränke entwickelten sich genau wie vorgesehen und selbst schwierige Schritte meisterten sie mit erstaunlicher Sicherheit. Kein Zwischenfall, kein Chaos, kein erhobener Ton.

Als die Stunde zu Ende ging, war die Atmosphäre ruhig, produktiv – tadellos.

Hermine sammelte ihre Notizen ein, verabschiedete die Klasse und atmete erst dann bewusst aus. Der Unterricht hatte sie geerdet. Für diesen Moment waren Minerva, Featherstone und alle Fragen in den Hintergrund getreten, doch ganz verschwunden waren sie nicht.

Die nächsten Stunden verliefen ebenso reibungslos. Hermine blieb konzentriert, souverän, ganz bei sich. Selbst komplexere Fragen beantwortete sie ruhig und geduldig, und die Schülerinnen und Schüler zogen sichtbar mit. Als schließlich die Mittagspause näher rückte, klopfte Slughorn ihr anerkennend auf den Arm.

„Wirklich ausgezeichnet, meine Liebe“, sagte er mit warmer Stimme. „Man merkt, wie sehr du für das Fach brennst. Die jungen und vor allem die Abschlussklassen profitieren enorm davon.“

Hermine lächelte, ehrlich erfreut.

„Danke, Horace.“

Sie verabschiedeten sich und Hermine machte sich auf den Weg durch die Flure. Das Schloss war um diese Zeit belebt, Stimmen hallten von den Steinwänden wider, Gelächter mischte sich darunter. Gerade als sie um eine Ecke bog, hörte sie Gesprächsfetzen einer Gruppe älterer Schüler, die ein Stück weiter im Gang standen. Sie hatten sie noch nicht bemerkt.

„Also ehrlich“, sagte einer der Jungen, „bei Granger versteht man Zaubertränke plötzlich wirklich. Nicht so trocken wie früher.“

„Ja“, stimmte ein anderer zu, „sie erklärt das so, dass man wirklich mitkommt. Und sie hat halt auch eine… Ausstrahlung.“

Ein paar zustimmende Laute folgten, leicht überdreht, wie es bei Jugendlichen eben klang. Einer setzte noch einen drauf, offensichtlich bemüht, Eindruck zu schinden, woraufhin ein paar der Mädchen in der Gruppe demonstrativ die Augen verdrehten.

„Könnt ihr euch bitte mal zusammenreißen?“, murmelte eines der Mädchen genervt. „Es geht um Unterricht, nicht um dumme Kommentare.“

„Warum? Danny hat doch recht. Guck dir doch die anderen Lehrer an. Da ist sie mit Abstand die heißeste“, grinste einer der Jungen und klatschte mit seinen Freunden ab.

„Ihr seid echt bescheuert.“

Hermine blieb einen Moment stehen, hörte das Gemurmel, das Lachen, das peinlich-aufgesetzte Imponiergehabe. Sie schüttelte innerlich den Kopf – eine Mischung aus Amüsement und klarer Grenze. Dann trat sie bewusst einen Schritt nach vorne, ihre Schritte nun deutlich hörbar auf dem Steinboden.

Die Gruppe verstummte schlagartig, als sie sie sahen. Hermine hob nur eine Augenbraue, ihr Blick ruhig, aber eindeutig.

„Ich freue mich, wenn mein Unterricht als verständlich empfunden wird“, sagte sie sachlich. „Alles andere… nun, das ist überflüssig. Und jetzt – Mittagspause“, fügte sie leicht amüsiert hinzu.

Ein paar der Schüler nickten hastig, rot im Gesicht und zerstreuten sich. Die Mädchen warfen ihr im Vorbeigehen amüsierte Blicke zu. Hermine ging weiter, den Rücken gerade. Solche Situationen gehörten dazu, wusste sie. Entscheidend war, wie man damit umging.

Noch immer leicht amüsiert ließ sich Hermine am Tisch nieder. Das Gespräch im Flur hallte ihr nach, weniger wegen der Worte selbst als wegen der unbeholfenen Ernsthaftigkeit, mit der die Jugendlichen sie vorgetragen hatten. Sie griff nach einem Glas Wasser, als Poppy ihr einen prüfenden Blick zuwarf.

„Du wirkst ungewöhnlich heiter“, bemerkte sie trocken. „Darf man erfahren, warum?“

Hermine zog eine Augenbraue hoch, ein schelmisches Lächeln spielte um ihre Lippen.

„Ich wurde gerade zur heißesten Lehrerin erklärt“, sagte sie betont beiläufig.

Poppy verschluckte sich fast an ihrem Getränk.

„Ach wirklich? Nun“, meinte sie nach einem Moment und wischte sich den Mundwinkel ab, „das nenne ich mal ein Kompliment.“

In der Mitte des Tisches hob Minerva langsam den Kopf. Ihr Blick traf Hermines – erst fragend, dann mit einem kaum merklichen Funkeln. Hermine bemerkte es sofort. Zwischen ihnen waren noch zwei Plätze frei. Ohne lange zu überlegen, beugte sie sich leicht zu Minerva hinüber, ihre Stimme ein leises Flüstern, das nur für sie bestimmt war.

„Du könntest mir ruhig auch mal so ein Kompliment machen“, murmelte sie neckisch und konnte sich ein leises Kichern nicht verkneifen.

Minerva schüttelte schmunzelnd den Kopf, ein Ausdruck zwischen Amüsement und gespielter Strenge auf dem Gesicht.

„Unverschämtheit“, murmelte sie zurück, ohne dass es auch nur im Entferntesten so klang.

Hermine richtete sich wieder auf, eindeutig zufrieden. Für einen kurzen Moment lag etwas Leichtes, fast Verspieltes in der Luft – ein Kontrast zu all den Spannungen der letzten Tage und einer, den beide sehr genossen. Poppy, die das Wortgefecht natürlich nicht unbemerkt verfolgt hatte, legte den Kopf schief und fügte trocken hinzu:

„Zur Ehrenrettung der Geschichte: Dieser Titel gehörte einst Minerva.“

Sie grinste dabei unverhohlen. Minerva verzog den Mund zu einem seltenen, offenen Lächeln, das sie schnell hinter ihrem Glas versteckte.

Hermine legte den Kopf leicht schief, ihre Augen leuchteten neugierig.

„Moment“, sagte sie und sah erst Poppy, dann Minerva an. „Das klingt nach einer Geschichte, die man nicht einfach so stehen lassen kann.“

Poppy lachte leise.

„Oh, glaub mir, sie will gar nicht, dass man sie erzählt.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Poppy“, warnte sie ruhig, aber der Anflug eines Lächelns verriet, dass der Protest eher Formsache war.

„Ach, nun stell dich nicht so an“, entgegnete Poppy und lehnte sich zurück. „Es ist Jahrzehnte her. Als Minerva frisch in Hogwarts angefangen hat – kaum älter als manche der Siebtklässler damals wirkten – war sie… nun ja.“ Sie musterte Minerva offen. „Beeindruckend. Streng, klug, unnahbar. Eine Kombination, die erstaunlich viele Schüler für höchst faszinierend hielten.“

Hermine grinste sofort.

„Es gab regelrechte Schwärmereien“, fuhr Poppy fort. „Zettel, heimliche Blicke, übertriebene Aufmerksamkeit im Unterricht. Ein Ravenclaw hat es einmal geschafft, eine ganze Pergamentseite mit einem Gedicht über ihre Augen zu füllen.“

Minerva seufzte leise.

„Es waren zwei Strophen und sie waren schrecklich.“

„Du hast sie trotzdem behalten“, erwiderte Poppy trocken.

Hermine konnte sich nicht zurückhalten. Sie beugte sich wieder leicht zu Minerva und murmelte:

„Ich kann das durchaus verstehen.“

Minervas Blick glitt zu ihr, warm und warnend zugleich.

„Professor Granger“, sagte sie leise, „ich hoffe doch sehr, dass Ihre Bewunderung sich auf angemessenere Weise äußert.“

Hermine grinste nur breiter.

„Das tut sie“, flüsterte sie zurück. „Sehr angemessen.“

Poppy schüttelte den Kopf, sichtlich amüsiert.

„Wie auch immer“, schloss sie, „der Titel hat sich damals von selbst ergeben und Minerva hat ihn nie gewollt – was ihn vermutlich nur noch hartnäckiger machte.“

Minerva nahm einen Schluck Tee und murmelte:

„Ein weiterer Beweis dafür, dass man manche Dinge nicht kontrollieren kann.“

Hermine sah sie an, mit diesem weichen, bewundernden Blick, den sie in der Öffentlichkeit sonst so gut verbarg und dachte still, dass sich daran offenbar bis heute nichts geändert hatte.

„Ich glaube, ich sollte mich mal auf die Suche nach alten Jahrbüchern machen“, meinte Hermine beiläufig.

Minerva sah sie mahnend an. Hermine setzte ihr unschuldigstes Lächeln auf.

„Ich meine ja nur“, sagte sie scheinbar beiläufig, „rein aus historischem Interesse. Hogwarts hat schließlich eine lange Tradition.“

Poppy prustete beinahe los.

„Natürlich. Rein historisch.“

Pomona grinste breit und nickte.

„Wenn du möchtest, kannst du gern mal bei mir oder Poppy vorbeischauen. Es gibt noch so einige Fotos aus dieser Zeit. Abschlussfeiern, Empfänge, Ausflüge…“ Sie legte den Kopf schief. „Minerva war auf erstaunlich vielen davon sehr präsent.“

Minerva stöhnte leise und rieb sich die Schläfe.

„Ihr verratet hier gerade streng vertrauliches Archivmaterial.“

„Unsinn“, erwiderte Poppy trocken. „Es ist längst verjährt.“

Hermine lehnte sich leicht zu Minerva hinüber, ihre Stimme nur für sie hörbar.

„Ich verspreche, ich werde sie mit größtem Respekt betrachten.“

Minerva warf ihr einen strengen Blick zu, der kaum darüber hinwegtäuschen konnte, dass ihre Mundwinkel zuckten.

„Professor Granger, ich fürchte, Ihr Respekt äußert sich in einer Weise, die mir äußerst verdächtig vorkommt.“

„Ich nehme das als Kompliment“, flüsterte Hermine grinsend zurück.

Pomona schüttelte lachend den Kopf.

„Ihr zwei seid wirklich… etwas.“

Minerva richtete sich wieder auf, versuchte Haltung zu bewahren, doch ein leises Schmunzeln ließ sich nicht mehr unterdrücken.

„Ich habe das Gefühl“, sagte sie trocken, „dass mir diese Bilder noch große Schwierigkeiten bereiten werden.“

Hermine sah sie mit gespielter Ernsthaftigkeit an.

„Ich würde niemals etwas tun, das dich in Verlegenheit bringt.“

Poppy hob eine Augenbraue.

„Das sagt sie jetzt.“

Und Minerva wusste, während sie einen weiteren Schluck Tee nahm, dass sie diesen Kampf längst verloren hatte und insgeheim genoss sie es mehr, als sie je zugeben würde.

Langsam legte sich das leise Getuschel der Frauen, als die Große Halle sich weiter füllte. Stimmen wurden lauter, Stühle rückten, Teller klirrten. Die vertraute Geschäftigkeit des Alltags kehrte zurück und wie auf ein stilles Zeichen hin legten Minerva, Hermine, Poppy und Pomona wieder jene professionelle Maske an, die sie alle so gut beherrschten.

Ein Platz jedoch blieb auffällig leer.

Horace sah sich suchend um, die Stirn leicht gerunzelt.

„Hat jemand Edmund gesehen?“ fragte er schließlich und strich sich über den Schnurrbart. „Für gewöhnlich ist er doch… nun ja, überpünktlich.“

Ein paar Köpfe schüttelten sich. Poppy zuckte mit den Schultern, Pomona hob nur kurz die Augenbrauen. Minerva sagte nichts, bemerkte den leeren Stuhl aber sehr wohl.

„Ich glaube“, meldete sich Neville zögerlich zu Wort, „ich habe ihn vorhin gesehen. Auf dem Weg zur Eulerei.“

Mehrere Blicke richteten sich auf ihn.

„Zur Eulerei?“ wiederholte Horace überrascht.

Neville nickte.

„Ja. Er wirkte ziemlich… wütend und er hatte es sehr eilig.“

Für einen kurzen Moment lag eine eigentümliche Spannung in der Luft. Hermine hielt inne, das Besteck zwischen den Fingern, und warf Minerva einen flüchtigen Blick zu. Minervas Gesicht blieb ruhig, beinahe unbeweglich, doch in ihren Augen blitzte etwas auf – Aufmerksamkeit, vielleicht auch Berechnung.

„Nun“, sagte Minerva schließlich sachlich, „jeder hat das Recht, sich gelegentlich zurückzuziehen.“ Ihre Stimme war ruhig, kontrolliert. „Der Unterricht wird davon nicht beeinträchtigt.“

Horace nickte langsam, nicht ganz überzeugt, aber zufrieden genug.

„Natürlich. Natürlich.“

Das Gespräch verlagerte sich, Stimmen nahmen andere Themen auf, doch unter der Oberfläche arbeitete es. Hermine konnte das förmlich spüren. Featherstones Abwesenheit war kein Zufall, davon war sie überzeugt. Die Frage war nur:

Was genau plante er oder was hatte er bereits in Bewegung gesetzt?

Minerva nahm einen Schluck Tee, äußerlich gelassen, innerlich hellwach. Eine Eule. Ein wütender Mann. Und ein Ministerium, das bereits zu viele Fragen gestellt hatte.

Sie ahnte, dass dieser Tag noch lange nicht vorbei war.