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Ein trügerischer Frieden

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Ein trügerischer Frieden

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr freut euch, dass es weiter geht :D Ich bin sehr gespannt, was ihr zu diesem Kapitel sagt. Lasst mir gern ein Review da.

Und jetzt - viel Spaß :D

LG

M.

Die nächsten Tage vergingen ungewöhnlich ruhig.

Hermine unterrichtete weiter so souverän wie immer. Die Schüler hörten ihr aufmerksam zu, Slughorn lobte sie mehr als einmal und nach außen hin wirkte alles, als hätte sich der Schulalltag wieder in seine gewohnten Bahnen gelegt. Minerva hingegen stürzte sich mit fast schon verbissener Konsequenz in ihre Arbeit. Sitzungen, Akten, Korrespondenz. Sie füllte jede freie Minute mit Pflichten, als könne sie damit die Gedanken an den Brief und den bevorstehenden Termin auf Abstand halten.

Und doch: Die Abende und Nächte gehörten ihnen.

So oft es ging, trafen sie sich in Minervas Wohnung. Manchmal mit Tee und Büchern, manchmal nur mit dem leisen Knistern des Feuers und der beruhigenden Nähe der anderen. Am Wochenende gelang es ihnen sogar, ungewöhnlich viel Zeit miteinander zu verbringen – unauffällig, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, als wären sie einfach zwei Kolleginnen, die zufällig denselben Weg nahmen und etwas länger im Lehrerzimmer blieben. Dann jedoch zogen sie sich in die Sicherheit von Minervas Wohnung zurück.

Diese Stunden waren kostbar und leicht, fast unbeschwert. Sie lachten, neckten sich, genossen die Ruhe, die Hogwarts in diesen Tagen ausstrahlte und doch lag etwas in der Luft.

Featherstone verhielt sich auffallend ruhig. Keine Sticheleien, keine Beschwerden, kein lautes Auftrumpfen in den Korridoren. Er grüßte knapp, fast förmlich und verschwand dann wieder. Für Hermine fühlte sich das falscher an als jeder offene Angriff. Für Minerva erst recht.

„Er wartet“, sagte sie eines Abends leise, mehr zu sich selbst als zu Hermine.

Hermine nickte. Sie hatte dasselbe Gefühl. Dieses Schweigen war kein Frieden. Es war das gespannte Innehalten vor dem nächsten Zug und so genossen sie jede ruhige Stunde, wohl wissend, dass diese Stille nicht von Dauer sein würde.

Der 15. November rückte unaufhaltsam näher. Hermine spürte es in den kleinen Dingen. In der Art, wie Minerva abends stiller wurde. Wie ihr Blick manchmal an einer Stelle hängen blieb, ohne wirklich hinzusehen. Wie sie nachts zwar den Arm um Hermine legte, der Schlaf sie aber nicht sofort fand. Minerva sprach kaum darüber, doch die Unruhe lag wie ein leiser Schatten über ihr.

An einem Abend mitten in der Woche saß Minerva schließlich an ihrem Schreibtisch. Ihr Büro war still. Das Feuer brannte niedrig, nur ein sanftes Knistern erfüllte den Raum. Vor ihr lagen ein leeres Stück Pergament, eine sorgfältig ausgerichtete Feder und etwas abseits der Brief des Ministeriums. Das Siegel war längst gebrochen, die Worte darin kannte sie inzwischen beinahe auswendig und doch wirkte das Pergament noch immer wie eine stumme Drohung. Minerva atmete tief durch. Sie richtete das Pergament vor sich aus, glättete es mit einer bedächtigen Bewegung und tauchte die Feder in das Tintenfass. Einen Moment lang verharrte sie, die Feder knapp über dem Papier, als müsse sie erst ihre Gedanken ordnen, bevor sie ihnen Form geben konnte. Dann begann sie zu schreiben.

Die Schrift war klar und kontrolliert, jede Linie präzise, so wie man es von ihr erwartete. Keine hastige Rechtfertigung, keine Spur von Unsicherheit. Sie wählte ihre Worte mit Bedacht, erklärte sachlich, ruhig, unmissverständlich. Sie verwies auf ihre Verantwortung als Schulleiterin, auf ihre Pflicht zur Wahrung von Professionalität, auf die Unhaltbarkeit unbelegter Anschuldigungen.

Zwischendurch legte sie die Feder ab, rieb sich kurz die Stirn, stand auf, ging ein paar Schritte durch den Raum. Jeder Satz musste sitzen. Jeder Tonfall stimmen. Sie durfte keine Angriffsfläche bieten – weder aus Trotz noch aus Angst.

Nach einer Weile setzte sie sich wieder, schrieb weiter, ruhiger nun, entschlossener. Als sie schließlich den letzten Satz beendete, blieb sie noch einen Moment reglos sitzen.

Es war getan, doch die Erleichterung blieb aus. Stattdessen spürte sie nur, wie sich der Knoten in ihrer Brust ein wenig enger zog.

Minerva nahm das Pergament noch einmal zur Hand. Langsam, Zeile für Zeile, las sie, was sie geschrieben hatte. Die Worte wirkten nüchtern, kontrolliert – genau so, wie sie es beabsichtigt hatte.

An das Zaubereiministerium

Abteilung für Magische Bildung und Aufsicht

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bestätige ich den Erhalt Ihres Schreibens bezüglich der erneut vorgebrachten Gerüchte und Anschuldigungen, die meine Person sowie meine berufliche Beziehung zu Professorin Granger betreffen.

Ich weise diese Anschuldigungen in aller Deutlichkeit zurück. Sämtliche Entscheidungen, die Professorin Granger betreffen, wurden und werden ausschließlich auf Grundlage ihrer fachlichen Qualifikation, ihrer pädagogischen Leistung und im Einklang mit den geltenden schulischen sowie ministeriellen Richtlinien getroffen.

Es liegen weder Verstöße gegen die Dienstordnung noch Hinweise auf ein unprofessionelles Verhalten vor. Sollten entsprechende Beweise existieren, fordere ich deren Vorlage ausdrücklich an. Unbelegte Vermutungen oder persönliche Interpretationen einzelner Beobachter stellen keine ausreichende Grundlage für weitere Maßnahmen dar.

Hogwarts ist und bleibt ein Ort der Bildung, der Fairness und der Verantwortung. Ich werde nicht zulassen, dass diese Prinzipien durch Gerüchte oder persönliche Animositäten untergraben werden.

Selbstverständlich stehe ich für ein weiteres Gespräch zur Verfügung und bin bereit, alle erforderlichen Auskünfte zu erteilen.

Hochachtungsvoll

Professor Minerva McGonagall

Minerva ließ das Pergament sinken. Der Brief war korrekt. Unangreifbar. So sachlich, dass niemand ihr emotionale Befangenheit würde vorwerfen können und doch wusste sie, dass Worte allein das Ministerium nicht zufriedenstellen würden. Sie suchten nach Rissen, nach Unsicherheiten, nach etwas, das man gegen verwenden konnte.

Sie faltete den Brief zusammen und legte ihn sorgfältig beiseite. Was auch kommen mochte, sie hatte ihre Position klar gemacht und sie würde keinen Schritt davon zurückweichen.

Minerva nahm den Brief ein letztes Mal in die Hand, strich das Pergament glatt und versiegelte es mit einem entschlossenen Druck ihres Siegels. Das Wachs kühlte rasch aus, das Zeichen saß sauber und eindeutig. Kein Zögern mehr, kein Zurück.

Mit einer kurzen Bewegung rief sie eine Hauselfe herbei und übergab ihr den Umschlag.

„Toby, bitte bring diesen Brief direkt ins Ministerium“, sagte sie ruhig.

Der kleine Hauself nahm den Brief vorsichtig entgegen.

„Natürlich Professor McGonagall, Ma‘am. Toby beeilt sich“, sagte er und verbeugte sich tief.

Als die Elfe verschwunden war, blieb Minerva einen Moment allein in ihrem Büro stehen. Erst jetzt, da der Brief fort war, spürte sie, wie die Anspannung langsam aus ihren Schultern wich. Nicht vollständig. Dafür war die Angelegenheit zu ernst, aber genug, um wieder frei atmen zu können.

Sie ging in ihre Wohnung zurück.

Das Feuer brannte nur noch schwach, tauchte den Raum in ein warmes, gedämpftes Licht. Minerva trat leise ins Schlafzimmer. Hermine lag auf ihrer Seite, das dunkle Haar leicht zerzaust, eine Hand unter dem Kissen, der Atem ruhig und gleichmäßig. In ihrem Schlaf wirkte sie noch jünger, unbeschwert, fast verletzlich. Minerva blieb einen Moment stehen und betrachtete sie.

All der Lärm des Tages, das Ministerium, Featherstone, die Gerüchte – für einen kostbaren Augenblick existierte nichts davon. Da war nur dieses Bild: Hermine, friedlich in ihrem Bett, vollkommen ahnungslos darüber, wie viel Kraft sie Minerva allein durch ihre Anwesenheit gab.

Ein sanftes Lächeln legte sich auf Minervas Gesicht. Vorsichtig setzte sie sich an den Bettrand, strich Hermine eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ließ ihre Finger einen Augenblick zu lange dort verweilen. Hermine rührte sich kaum, murmelte etwas Unverständliches und rückte ein wenig näher an die warme Stelle.

Minerva zog leise ihre Robe aus, legte sich neben sie und schlüpfte unter die Decke. Ganz behutsam legte sie einen Arm um Hermine und zog sie an sich. Hermine seufzte im Schlaf und schmiegte sich instinktiv näher an sie. Minerva schloss die Augen.

Für heute hatte sie genug gekämpft.

Am nächste Morgen erwachte Minerva früher als sonst. Die Vorhänge waren nur halb geschlossen. Sie drehte sich zum Fenster und sah den trüben Himmel, der Regen versprach. Sie seufzte leise und sah zu Hermine. Sie schien immer noch friedlich zu schlafen. Minerva bewegte sich vorsichtig, so leise, wie es ihr nur möglich war. Sie schob die Decke ein Stück zurück, setzte sich auf die Bettkante und wollte gerade aufstehen, als sich plötzlich eine warme Hand um ihr Handgelenk schloss.

„So einfach kommst du mir nicht davon, Professor McGonagall“, murmelte Hermine mit verschlafener Stimme.

Minerva erstarrte einen Moment, dann musste sie schmunzeln. Sie drehte sich halb zu ihr um.

„Ich wollte dich nicht wecken.“

Hermine blinzelte, zog Minerva jedoch entschlossen zurück.

„Zu spät. Außerdem… das grenzt an Fahnenflucht.“ Ein freches Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Mindestens ein Guten-Morgen-Kuss wäre angemessen.“

Minerva gab nach, ließ sich zurück aufs Bett ziehen und legte sich neben sie. Sie beugte sich vor, küsste Hermine sanft, erst flüchtig, dann ein wenig länger. Hermine schlang sofort einen Arm um sie, als hätte sie genau darauf gewartet, doch kaum hatte sich Minerva wieder neben sie gelegt, wurde Hermines Blick wacher. Sie musterte Minervas Gesicht, ihre Stirn legte sich leicht in Falten.

„Du bist… anders“, sagte sie leise. „Nicht schlecht anders, aber du wirkst abwesend.“

Minerva atmete langsam aus. Sie wusste, dass Hermine das nicht entgehen würde.

„Ich habe gestern Nacht auf den Brief geantwortet.“

Hermines Hand straffte sich um Minervas Arm.

„Oh.“

Sie sagte es ruhig, doch in ihrem Blick lag sofort Aufmerksamkeit, vielleicht auch Sorge.

„Und? Wie fühlst du dich damit?“

Minerva zögerte einen Moment, dann schüttelte sie leicht den Kopf.

„Erleichtert… und gleichzeitig angespannt. Es war notwendig, aber nun heißt es warten.“

Hermine rückte näher, legte ihre Stirn an Minervas Schulter.

„Warten ist manchmal schlimmer als handeln.“

„Das weiß ich“, murmelte Minerva und legte einen Arm um sie. „Aber ich wollte nichts überstürzen. Keine Rechtfertigung, keine Schwäche zeigen.“

Hermine hob den Kopf und sah sie ernst an.

„Du warst nie schwach und das Ministerium weiß das. Egal, wie sehr Featherstone oder irgendjemand sonst es versucht.“

Minerva sah sie an, einen langen Moment. Dann lächelte sie leise.

„Du klingst sehr überzeugt.“

„Bin ich auch“, sagte Hermine schlicht und küsste sie noch einmal, diesmal sanfter, beruhigender. „Und bis sie antworten, gehören diese Morgen uns.“

Minerva schloss für einen Augenblick die Augen und ließ den Kopf an Hermines Schulter sinken. Für diesen Moment war das genug. Hermine nutzte den Moment und ließ sich von nichts beirren. Sie stützte sich über Minerva ab, eine Hand neben ihrem Kopf, die andere an Minervas Schulter und beugte sich langsam zu ihr hinunter. Der Kuss war weich, vertraut, voller Liebe.

Minerva erwiderte ihn zunächst, schloss für einen Herzschlag die Augen und ließ sich fallen. Dann löste sie sich mit einem leisen Seufzen, legte zwei Finger unter Hermines Kinn und schob sie sanft, aber bestimmt ein Stück zurück.

„Nicht jetzt Liebling“, sagte sie ruhig, doch mit einem deutlichen Schmunzeln in den Augen. „Dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit.“

Hermine zog eine Augenbraue hoch.

„Für so etwas hat man immer Zeit.“

Sie beugte sich noch einmal hinunter, doch Minerva wich dem Kuss aus.

„Das sagt die Frau, die gleich unterrichten muss“, entgegnete Minerva trocken und strich mit dem Daumen über Hermines Wange. „Und ich als die strenge Schulleiterin habe dafür ebenfalls keine Zeit. Ich werde in wenigen Minuten erwartet.“

Hermine grinste breit.

„Also ein Aufschub, kein Verzicht.“

„Ganz genau.“

Minerva setzte sich ein wenig auf, küsste Hermine noch einmal kurz, fast neckisch.

„Wir können das… zu einem anderen Zeitpunkt sehr gründlich nachholen.“

Hermines Lächeln wurde langsamer, wärmer.

„Dann werde ich mich den ganzen Tag darauf freuen.“

Minerva schüttelte leicht den Kopf, amüsiert und ein wenig gerührt zugleich. „Unverbesserlich.“

„Und du liebst es“, murmelte Hermine.

Minerva antwortete nicht sofort. Sie stand auf, zog ihren Morgenmantel über und warf Hermine dabei einen Blick zu, der eindeutig versprach, dass dieses Thema noch lange nicht erledigt war.

„Komm“, sagte sie schließlich. „Bevor wir wirklich zu spät sind.“

Hermine lachte leise, setzte sich auf und sah ihr nach, als sie im Badezimmer verschwand.

„Worauf wartest du?“, sagte Minerva mit einem deutlich hörbaren Lächeln.

Hermine stand schnell auf, war mit ein paar Schritten im Bad und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen…

Der Tag konnte kommen

Der Vormittag verging wie im Flug. Die Stunden mit den Zweitklässlern forderten Hermines Nerven. Sie waren nicht recht bei der Sache, also musste Hermine einige Male ihre Stimme erheben, um sie wieder zur Ruhe zu bringen. Das gelang ihr jedoch sehr gut und so musste Horace nicht eingreifen.

Als es zur Pause klingelte, schlenderte Hermine den Korridor entlang in Richtung der Großen Halle. Einige Schüler rannten an ihr vorbei, um ja pünktlich beim Essen zu erscheinen. Eigentlich hätte sie das Rennen unterbinden müssen, doch sie ließ es diesmal bleiben. Als sie um die Ecke bog, fiel ihr Blick auf eine kleine, zusammengesunkene Gestalt. Am Boden saß eine Erstklässlerin, die leise schluchzte, während zwei ihrer Freundinnen sich bemühten, sie zu trösten. Hermine blieb stehen, das Herz zog sich bei dem Anblick zusammen und sie ging ein paar Schritte auf die Mädchen zu.

„Miss Lang? Was ist denn passiert?“, fragte sie sanft, kniete sich auf Augenhöhe der Kleinen. Ihre Stimme war ruhig, warm, ohne den Hauch von Vorwurf.

Die Mädchen zögerten, blickten scheu zu ihren Füßen.

„Sie können mir vertrauen. Sie alle drei.“

Das blonde Mädchen kämpfte weiter mit den Tränen. Sie konnte nichts sagen. Noch nicht. Also ergriff ihre Freundin Elena Neil das Wort.

„Wir hatten gerade Verwandlung…“

Hermines Blick verdunkelte sich.

„Professor Featherstone war gemein. Wir haben alles so gemacht, wie er gesagt hat, aber…“

„Aber es hat nicht auf Anhieb geklappt?“

„Nein“, antwortete Kelly Bryce. „Fast niemand hat es geschafft.“

„Ich glaube, in der Formel fehlt etwas“, meinte Elena vorsichtig und hielt Hermine ihr Heft entgegen.

Hermine nahm das Heft und betrachtete die Formel.

„Sie haben ganz recht Miss Neil. Hier fehlt tatsächlich ein Zwischenschritt.“

„Den setzt Featherstone voraus“, murmelte Kelly und sah zu ihrer immer noch schluchzenden Freundin.

„Er… er hat mich und ein paar andere im Unterricht angeschrien… und… und gesagt, von Muggelstämmigen könne man doch nichts anderes erwarten…“

Hermine zog die Schultern zurück, ihr Blick wurde ernst, aber nicht wütend, eher entschlossen. Sie legte eine Hand auf die Schulter der weinenden Schülerin.

„Hört zu, niemand darf euch so behandeln. Fehler macht jeder mal, egal, woher ihr kommt oder wer ihr seid. Ihr seid hier, um zu lernen und ihr könnt stolz auf euch sein, dass ihr euch traut, Fragen zu stellen und euch zu bemühen. Ich werde mich darum kümmern, dass ein solches Verhalten nicht noch einmal vorkommt.“

Ein leises Aufblitzen von Vertrauen und Erleichterung huschte über die Gesichter der Mädchen. Hermine lächelte sanft.

„Kommt, wir sollten nun besser zum Mittagessen gehen.“

Sie half den Mädchen auf, führte sie behutsam durch die Halle, bis sie sicher an ihrem Platz am Hufflepuff Tisch saßen. Erst als sie sich umdrehte, um weiter Richtung Lehrertisch zu gehen, fiel ihr Blick auf Featherstone. Seine Augen trafen die ihren, kühl und berechnend, als hätte er genau beobachtet, was passiert war. Hermine spürte kurz einen Stich von Abneigung, hielt sich jedoch aufrecht, ihre Miene unbewegt.

Sie ging weiter, die Schultern gerade, das Herz noch immer leicht beschützend zusammengezogen bei dem Gedanken an die kleinen Schüler, die auf sie vertraut hatten. Featherstone beobachtete sie weiter, aber Hermine ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Minerva beobachtete die Szene aus dem Augenwinkel und spürte sofort die Spannung, die von Hermine ausging. Ihr scharfer Blick haftete auf Featherstone, die kleinen Funken der aufgestauten Wut glitzerten darin und Minerva wusste genau, dass Hermine nur noch einen Moment vom Ausflippen entfernt war.

Featherstone, der die Reaktion förmlich herausforderte, lehnte sich ein wenig zurück und schenkte Hermine ein wissendes Grinsen, als wollte er ihr zeigen, dass er genau wusste, wie weit sie gegangen war und dass er darauf wartete, dass sie endlich die Beherrschung verlor.

Hermine blieb einen Herzschlag lang stehen, die Augen fest auf ihn gerichtet, ihr Atem leicht schneller als sonst, die Hand an ihren Zauberstab, der in der Tasche ihres Blazers steckte. Dann atmete sie tief ein, riss sich zusammen, ihre Schultern entspannten sich ein wenig und ohne ein Wort setzte sie sich auf ihren Platz am Lehrertisch.

Minerva sah sie noch kurz an. Sie wusste, dass Hermine innerlich brodelte, aber dass sie es meisterhaft unter Kontrolle hielt, zumindest für den Moment. Featherstone hingegen ließ das Grinsen nicht ganz verschwinden, doch die Situation hatte sich in seinen Augen bereits etwas verkrampft.

Neville beugte sich ein wenig vor. Ihm war Hermines Blick und ihre Haltung nicht entgangen.

„Hermine? Alles okay?“, fragte er besorgt.

Hermine richtete ihre Stimme so, dass der ganze Lehrertisch sie hören konnte, ohne unhöflich zu wirken und sagte:

„Es scheint, dass einige sehr aufgebrachte Schülerinnen heute ein wenig Zuspruch nötig hatten. Offenbar wurden sie von einer Lehrkraft gedemütigt und das auch noch mit Verweis auf ihre Herkunft als Muggelstämmige.“

Die Worte hingen kurz in der Luft. Die Lehrerinnen und Lehrer tauschten Blicke aus, einige leicht überrascht, andere ernst. Minervas Kopf hob sich sofort, ihre Augen verengten sich leicht, als sie Hermine prüfend ansah. Sie spürte das Gewicht von Hermines Worten, die klare und deutliche Botschaft, dass solches Verhalten in Hogwarts keinen Platz hatte.

Featherstone hingegen verharrte für einen Moment, sein Grinsen schwand ein wenig und er musterte Hermine nun mit einer Mischung aus Überraschung und Missfallen. Hermine jedoch blieb ruhig, ihre Haltung fest, ihre Stimme bestimmt.

„Ich hatte gehofft, dass allen klar ist, dass wir als Lehrkräfte ein Vorbild sein müssen.“

Minerva lehnte sich leicht vor. Sie wusste, dass Hermine genau den richtigen Ton getroffen hatte – laut genug, dass es Wirkung zeigte, aber ohne über die Stränge zu schlagen. In diesem Moment spürte sie eine leise, aber kraftvolle Bestätigung: Hermine stand aufrecht für das, was richtig war und Minerva konnte nur bewundernd zuschauen.

Minerva richtete sich nun vollkommen auf, die Schultern gerade, die Stimme klar und fest, sodass jeder am Tisch sie hören konnte.

„Ich möchte in aller Deutlichkeit sagen“, begann sie, „dass ein derartiges Verhalten inakzeptabel ist und von mir nicht geduldet wird. Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass diese Angelegenheit aufgeklärt wird.“

Ihr Blick wanderte kurz zu Featherstone, der sich nun merklich unwohl fühlte, das Grinsen längst verschwunden. Minerva ließ keinen Zweifel daran, dass er wusste, dass sie die Sache ernst nahm und dass er sich auf einiges gefasst machen musste.

Sie fuhr fort:

„Als Lehrkräfte tragen wir eine Verantwortung gegenüber allen Schülerinnen und Schülern. Niemand wird aufgrund seiner Herkunft oder irgendwelcher persönlichen Eigenschaften erniedrigt. Ich erwarte, dass dies verstanden wird und Konsequenzen folgen.“

Minerva lehnte sich leicht zurück, atmete einmal tief durch und spürte, wie sich die Spannung löste. Hermine saß neben ihr, nickte nur kurz, aber das Funkeln in ihren Augen sagte Minerva, dass sie stolz auf sie war.

Featherstone hingegen wich etwas zurück, offensichtlich beeindruckt, aber auch verärgert, während die übrigen Lehrkräfte sich still und respektvoll zurücklehnten. Die Botschaft war eindeutig angekommen und die richtige Person hatte sich angesprochen gefühlt.