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Verhängnisvolle Fotos

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Verhängnisvolle Fotos

Nach dem Essen machte sich Hermine mit ruhigen, entschlossenen Schritten auf den Weg zu den Kerkern. Die Luft im Korridor war kühl, doch in ihr brodelte es noch immer. Kaum hatte sie die Hälfte des Weges zurückgelegt, trat eine Gestalt aus einer Seitennische und stellte sich ihr in den Weg.

Featherstone.

Er lächelte schief, dieses selbstzufriedene, berechnende Lächeln, das Hermine inzwischen nur allzu gut kannte.

„Eine wirklich beeindruckende Vorstellung eben“, sagte er gedehnt. „Sehr wirkungsvoll. Man hätte fast glauben können, Sie meinen das alles ernst und natürlich direkt vor der Schulleiterin. Geschickt. Sehr geschickt. Sie wissen genau, wie man sich profiliert.“

Hermine blieb stehen. Ihr Blick war kühl, kontrolliert.

„Ich habe mich nicht profiliert“, erwiderte sie ruhig. „Ich habe etwas richtiggestellt. Es gibt einen Unterschied.“

Featherstone trat einen Schritt näher. Zu nah.

„Ach, kommen Sie“, sagte er leise. „Sie wissen genau, was Sie tun. Erst die Schüler anstiften, dann Schüler trösten und nun diese kleine Szene beim Mittagessen. Immer schön die moralisch Überlegene. Und Minerva McGonagall springt natürlich sofort darauf an.“

Hermines Hände ballten sich zu Fäusten, doch ihre Stimme blieb beherrscht.

„Zuerst stifte ich Schüler zu nichts an. Ich setze mich für Schüler ein, die unfair behandelt wurden. Wenn Sie darin ein Problem sehen, sagt das mehr über Sie aus als über mich.“

Featherstones Lächeln wurde schmal. Er beugte sich leicht vor.

„Passen Sie auf, Granger“, sagte er nun kaum hörbar. „Man kann sehr schnell vom strahlenden Vorbild zur Belastung werden. Besonders, wenn man glaubt, unantastbar zu sein.“

Da riss Hermines Geduld. Sie machte einen Schritt auf ihn zu, zwang ihn, ihr in die Augen zu sehen.

„Drohen Sie mir gerade?“, fragte sie leise und in einem gefährlich ruhigen Ton.

Featherstone hob abwehrend die Hände, das Lächeln kehrte zurück, diesmal falsch und glatt.

„Ich würde es eher… einen gut gemeinten Hinweis nennen. Hogwarts ist ein Ort mit langen Erinnerungen und das Ministerium hört sehr genau zu. Das sollten Sie doch am besten wissen oder Miss Granger?“

Einen Moment lang standen sie sich gegenüber, die Spannung greifbar. Dann richtete Hermine sich auf, ihre Stimme fest wie Stahl.

„Dann hören Sie gut zu“, sagte sie. „Ich lasse mich weder einschüchtern noch zum Schweigen bringen. Nicht von Ihnen. Und nicht von Andeutungen.“

Sie ging an ihm vorbei, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Featherstone blieb zurück, das Lächeln verschwunden, die Augen schmal. Er sah ihr nach und in seinem Blick lag nun etwas anderes als Spott. Etwas Berechnendes.

Hermine hingegen ging weiter Richtung Zaubertränke. Ihr Herz schlug schnell, ihre Gedanken kreisten, doch eines wusste sie sicher: Sie würde keinen Schritt zurückweichen. Nicht mehr.

Minerva hatte mehr mitbekommen, als Featherstone vermutlich ahnte. Nicht jedes Wort, nicht jede Nuance, aber genug. Der scharfe Unterton, die Haltung, dieses unausgesprochene Überschreiten einer Grenze. Als sie wenig später an ihrem Schreibtisch saß, war ihre Miene ruhig, doch in ihr kochte es.

Sie schickte einen kurzen, knappen Befehl mit einem Hauselfen.

'Edmund Featherstone. Sofort in mein Büro.'

Als es klopfte, ließ sie ihn eintreten, sagte jedoch kein Wort. Stattdessen erhob sie sich, wies auf den Platz vor ihrem Schreibtisch und starrte ihn nieder.

„Setz dich. Ich bin in einer Minute zurück.“

Sie verließ für einen Moment den Raum, angeblich um Unterlagen aus dem Nebenzimmer zu holen. In Wahrheit brauchte sie diesen Augenblick, um ihre Wut zu ordnen und ihre Stimme zu kontrollieren.

Featherstone blieb allein zurück. Er setzte sich nicht etwa unsicher, sondern ließ sich demonstrativ auf einen der Stühle sinken, verschränkte die Arme und wartete. Als Minerva zurückkehrte, lag ein selbstgefälliger Zug um seinen Mund.

Minerva sah ihn kühl an und nahm selbst hinter dem Schreibtisch Platz.

Er blickte zu ihr, als säße er bei einer lästigen, aber harmlosen Pflichtveranstaltung.

„Du wolltest mich sprechen, Minerva?“

„Ja“, erwiderte sie ruhig. „Ich wollte dich sprechen.“

Sie faltete die Hände vor sich.

„Mir sind heute mehrere Vorfälle zu Ohren gekommen. Dein Umgangston gegenüber Schülerinnen. Deine Wortwahl. Und deine Begegnung mit Hermine gerade.“

Featherstone hob leicht die Augenbrauen.

„Ach? Ich fürchte, da wird maßlos übertrieben. Miss Granger ist sehr… emotional und was die Schülerinnen betrifft, ein wenig Disziplin hat noch niemandem geschadet.“

Minervas Blick wurde hart.

„Disziplin ist nicht Demütigung und Herkunft ist kein Anlass für Herabsetzung. Das weißt du ganz genau.“

Einen Moment lang schwieg er, dann beugte er sich leicht vor.

„Weißt du, Minerva“, sagte er leise und zum ersten Mal ließ er ihren Vornamen mit einem abwertenden Ton fallen, „du verteidigst Miss Granger auffallend oft. Manche würden das… interessant finden.“

Da lag es. Endlich. Minerva spürte, wie sich ihre Wut scharf und klar bündelte. Ihre Stimme blieb jedoch ruhig, fast eisig.

„Wenn du glaubst, mir drohen zu können, irrst du dich gewaltig.“

Er lächelte dünn.

„Ich drohe nicht. Ich stelle nur fest, dass das Ministerium sehr sensibel auf bestimmte Konstellationen reagiert und Gerüchte… nun ja, Gerüchte entstehen selten aus dem Nichts.“

Minerva erhob sich langsam. Jeder ihrer Schritte hinter dem Schreibtisch hervor war kontrolliert.

„Hör mir jetzt sehr genau zu, Edmund“, sagte sie leise. „Du wirst meine Kolleginnen und Kollegen mit Respekt behandeln. Du wirst Schülerinnen unabhängig von ihrer Herkunft fair unterrichten und du wirst es unterlassen, Andeutungen oder Druckmittel einzusetzen – gegen wen auch immer.“

Sie beugte sich leicht vor, ihr Blick unnachgiebig.

„Sollte mir auch nur ein weiterer solcher Vorfall zugetragen werden, werde ich persönlich dafür sorgen, dass das Ministerium nicht nur Gerüchte hört, sondern überprüfbare Fakten und ich garantiere dir: Das wird dir nicht gefallen.“

Für einen Sekundenbruchteil wich das selbstgefällige Lächeln aus seinem Gesicht. Dann richtete er sich auf.

„Verstanden“, sagte er knapp.

„Gut“, erwiderte Minerva. „Dann geh jetzt zu deinem Unterricht. Du bist bereits zu spät.“

Featherstone stand auf, verbeugte sich minimal – zu minimal – und verließ das Büro.

Als die Tür sich hinter ihm schloss, ließ Minerva den Atem ausströmen, den sie die ganze Zeit angehalten hatte. Ihre Hände zitterten leicht. Nicht vor Angst. Vor Zorn.

Minerva setzte sich wieder an ihren Schreibtisch und zwang sich, die Gedanken an Featherstone beiseitezuschieben. Arbeit. Sie brauchte jetzt Arbeit. Etwas Strukturiertes, Sachliches, das keinen Raum ließ für Ärger, Sorgen oder dieses unangenehme Ziehen in der Brust.

Sie öffnete die Schublade, um neues Briefpapier hervorzuholen. Kaum hatte sie sie aufgezogen, rutschten mehrere Pergamente heraus. Die Briefe des Ministeriums, sichtbar oft in die Hand genommen und vorher noch sorgsam gestapelt, lagen nun auf dem Boden verstreut. Minerva beugte sich nach unten und sammelte die Pergamente ein. Dabei fiel ihr ein unbeschrifteter Briefumschlag ins Auge, der direkt unter ihrem Stuhl lag. Minerva runzelte die Stirn, beugte sich hinunter und hob ihn auf. Er war leer.

Einen Moment lang hielt sie inne. Dann erinnerte sie sich. Dieser Umschlag. Darin hatten die Fotos gelegen. Die beiden Bilder von diesem Wochenende. Von ihr und Hermine, Kerzenlicht, Nähe, Blicke, die mehr sagten als Worte. Erinnerungen, die sie nicht in diesem Büro aufbewahren wollte. Nicht hier.

'Natürlich', dachte sie. 'Ich habe sie sicher mit in meine Wohnung genommen.'

Der Gedanke beruhigte sie ein wenig. Sie legte den leeren Umschlag zurück in die Schublade, schob die Briefe des Ministeriums ordentlich darüber und schloss sie entschlossen. Sie wollte keinen dieser Briefe mehr sehen. Nicht jetzt.

Minerva nahm das frische Briefpapier, richtete es sauber vor sich aus und griff zur Feder. Zahlen, Termine, Berichte. Dinge, die sich ordnen ließen. Dinge, über die sie Kontrolle hatte.

Sie vertiefte sich in ihre Arbeit, Zeile um Zeile, ließ die Zeit vergehen, bis die Unruhe in ihr zumindest leiser wurde, doch ganz verschwanden die Gedanken nicht.

Denn irgendwo, ganz am Rand ihres Bewusstseins, blieb dieses kleine, nagende Gefühl zurück. Die leise Frage, warum sie der leere Umschlag einen Moment lang so sehr beunruhigt hatte.

Es war spät, als Minerva schließlich in ihre Wohnung ging. Zu spät. Das Abendessen hatte sie ausgelassen, der Hunger war ihr irgendwann schlicht vergangen. Das Feuer im Kamin brannte nur noch schwach, die Räume wirkten stiller als sonst, beinahe wachsam. Sie schwang ihren Zauberstab und ließ das Feuer erneut leuchten und die Wohnung wurde sogleich wärmer.

Kaum hatte sie ihre Robe abgelegt, meldete sich der Gedanke wieder. Die Fotos.

Sie blieb einen Moment stehen, die Hand noch auf der Türklinke zu ihrem Schlafzimmer, dann atmete sie tief durch und begann zu suchen. Zuerst ruhig, methodisch. Der kleine Beistelltisch neben dem Sofa. Die Schublade neben dem Kamin. Das Regal mit den Büchern, hinter denen sie manchmal Dinge verbarg, die nicht jeder sehen sollte.

Nichts.

Minerva öffnete den Schrank im Schlafzimmer, zog eine Schublade nach der anderen auf, kontrollierte selbst Stellen, an denen sie sonst nie etwas ablegte. Ihr Herzschlag beschleunigte sich unmerklich. Die Ruhe wich einer angespannten Konzentration.

„Ich habe sie doch hierher mitgenommen“, murmelte sie und war sich sicher. Absolut sicher.

Als sie sich gerade wieder aufrichtete, hörte sie Gemurmel vor ihrer Wohnung. Kurz darauf klickte das Türschloss und die schwere Eichentür schwang auf. Hermine trat ein.

„Hier steckst du“, sagte sie erleichtert. „Du hast das Abendessen ausgelassen“, sagte sie leise und musterte Minerva sofort aufmerksam. „Alles in Ordnung?“

Minerva zögerte nur einen Sekundenbruchteil. Dann fragte sie, ohne Umschweife, mit einer Schärfe in der Stimme, die sie selbst überraschte:

„Hermine… hast du die Fotos genommen?“

Hermine blinzelte. Einen Moment lang wirkte sie ehrlich verwirrt.

„Welche Fotos?“

„Unsere Fotos. Von unserem Wochenende.“

Hermine verstand und schüttelte sofort den Kopf.

„Was? Nein. Natürlich nicht.“

Sie trat näher.

„Du weißt doch, ich würde nie einfach an deine Sachen gehen.“

Die Antwort kam ohne Zögern. Zu klar, zu selbstverständlich, um gespielt zu sein und genau in diesem Moment lief es Minerva eiskalt den Rücken hinunter.

Sie spürte, wie der Boden unter ihren Füßen schwankte, ganz langsam, aber unaufhaltsam. Ihr Blick glitt an Hermine vorbei, ohne wirklich etwas zu sehen. Bilder schoben sich übereinander in ihrem Kopf.

Ihr Büro.

Die offene Schublade.

Der leere Umschlag.

Und Featherstone.

Allein. Wartend. Selbstgefällig.

Er hatte Zeit gehabt. Gelegenheit. Und einen Grund.

Minervas Gesicht verlor schlagartig an Farbe. Hermine bemerkte es sofort.

„Minerva?“ Ihre Stimme wurde angespannt. „Was ist los?“

Minerva schluckte.

„Er war allein in meinem Büro“, sagte sie schließlich leise. „Heute. Als ich kurz hinausmusste.“

Hermine brauchte keinen weiteren Satz. Ihr Blick verhärtete sich augenblicklich.

„Du meinst Featherstone.“

Minerva nickte kaum merklich.

„Wenn er die Fotos hat…“

Sie brach ab. Nicht, weil ihr die Worte fehlten, sondern weil sie wusste, wohin dieser Gedanke führte. Hermine trat näher, legte beide Hände an Minervas Arme, fest, erdend.

„Dann hat er eine Grenze überschritten“, sagte sie ruhig, aber mit gefährlicher Klarheit. „Und zwar endgültig.“

Minerva schloss kurz die Augen. In ihr mischten sich Wut, Angst und etwas, das fast wie Schuld schmeckte. Nicht die Angst um sich selbst, sondern um Hermine.

Als sie die Augen wieder öffnete, lag darin kein Zweifel mehr.

„Dann war das kein Zufall“, sagte sie leise. „Und es ist längst kein Spiel mehr.“

Es war eine Erkenntnis, die schwer wog und beiden war klar:

Ab diesem Moment war nichts mehr harmlos.

Minerva ballte die Hände zu Fäusten, ihr Blick funkelte vor unterdrückter Wut.

„Wie konnte ich nur so dumm sein?“, knurrte sie leise, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, das trotzdem den Raum erfüllte.

„Die Fotos… in meinem Büro liegen lassen. So unachtsam… und ich habe es ihm einfach in die Hände gespielt!“

Minerva strich ihr Kleid glatt und sah entschlossen zur Tür.

„Ich werde mich darum kümmern. Jetzt.“

Sie wollte an Hermine vorbeigehen, doch sie stellte sich ihr in den Weg, legte eine Hand auf Minervas Arm und hielt sie sanft zurück.

„Minerva, hör mir zu“, sagte sie ruhig, aber bestimmt. „Ich weiß, dass du wütend bist. Ich weiß, es ist schwer, dass er diese Grenze überschritten hat, aber jetzt loszurennen, ihn sofort zur Rede zu stellen… das bringt uns nichts. Du musst einen klaren Kopf behalten.“

Minerva schnaubte, die Wut kochte noch immer in ihr.

„Ein klarer Kopf…“, wiederholte sie. „Er hat mich bestohlen, Hermine! Er hat Fotos von uns. Ich kann nicht einfach… einfach so tun, als wäre nichts passiert!“

Hermine zog sie etwas näher an sich, sodass sich ihre Körper beinahe berührten.

„Ich weiß“, flüsterte sie. „Und glaub mir, er wird seine Strafe bekommen, aber jetzt… brauchen wir einen Plan. Wenn du ihm jetzt unüberlegt gegenübertrittst, gibst du ihm vielleicht noch mehr Munition. Wir dürfen ihm nicht zeigen, dass er uns einschüchtern kann.“

Minerva atmete tief ein, ihre Schultern sanken ein wenig. Hermine streichelte ihr sanft über den Arm, ihre Wärme wirkte beruhigend.

„Wir holen uns die Kontrolle zurück. Schritt für Schritt. Featherstone mag denken, er hat gewonnen… aber wir bestimmen, wie es weitergeht. Zusammen.“

Minerva sah Hermine an, ihre Wut mischte sich mit Erleichterung. Sie nickte langsam.

„Zusammen…“, murmelte sie, ihre Stimme fester als zuvor. „Ja, zusammen.“

Hermine lächelte, leicht schelmisch, aber ernst in ihren Augen.

„Und jetzt… lass uns erst mal einen Moment durchatmen, bevor wir unseren wütenden Freund zur Rede stellen.“

Minerva konnte nicht anders, als ein schwaches Schmunzeln über ihre Lippen huschen zu lassen, während die Zorneswelle noch immer in ihr pochte, aber nun gezähmt, zumindest ein wenig.

Minerva ließ sich schwer auf das Sofa sinken, als hätte die Anspannung der letzten Stunden plötzlich ihr ganzes Gewicht verloren. Für einen Moment starrte sie einfach nur ins Leere, dann fuhr sie sich mit einer Hand über das Gesicht. Hermine setzte sich sofort neben sie, so nah, dass sich ihre Schultern berührten.

„Er hat jetzt einen Beweis in den Händen“, sagte Minerva leise. Ihre Stimme klang müde, beinahe brüchig. „Wenn diese Fotos das Ministerium erreichen, dann…“

Sie brach ab, aber der Rest des Satzes hing unausgesprochen zwischen ihnen. Minerva atmete tief durch und griff nach Hermines Hand.

„Dann ist alles vorbei.“

Hermine schluckte und zwang sich, ruhig zu bleiben.

„Vielleicht… vielleicht behält er sie erst einmal“, sagte sie vorsichtig. „Featherstone ist nicht der Typ, der seine Karten sofort ausspielt. Er genießt es, Macht zu haben. Druck auszuüben. Wenn er die Fotos sofort losschickt, ist sein Druckmittel weg.“

Minerva sah sie an, Hoffnung und Angst zugleich in ihrem Blick.

„Das wäre… unsere einzige Chance“, murmelte sie. „Dass er sie benutzt, um uns zu erpressen, statt sie gleich weiterzugeben.“

„Genau“, sagte Hermine leise, aber bestimmt. „Und wenn das so ist, dann haben wir Zeit. Zeit, etwas zu unternehmen. Zeit, ihm zuvorzukommen.“

Minerva lehnte den Kopf gegen die Sofalehne und schloss kurz die Augen.

„Ich hasse das“, sagte sie. „Dieses Warten. Dieses Nichtwissen.“

Hermine legte einen Arm um sie und zog sie ein wenig näher.

„Ich auch, aber wir sind nicht hilflos. Noch nicht.“

Minerva atmete tief durch, dann sah sie Hermine wieder an.

„Und wenn er sie doch schon abgeschickt hat?“

Hermine zögerte einen Moment, dann antwortete sie ehrlich:

„Dann stellen wir uns dem. Gemeinsam. Aber bis wir das wissen, dürfen wir nicht so tun, als wäre es schon verloren.“

Minerva nickte langsam. Sie legte drückte Hermines Hand ein wenig fester.

„Danke“, sagte sie leise. „Dass du da bist. Dass du nicht in Panik gerätst, wenn ich es tue.“

Hermine lächelte schwach.

„Eine von uns muss ja einen kühlen Kopf bewahren und meistens bist du das. Also… heute bin ich mal dran.“

Minerva musste trotz allem kurz schmunzeln. Dann wurde sie wieder ernst.

„Was, wenn er morgen schon etwas unternimmt?“

Hermine sah sie fest an.

„Dann reagieren wir, aber heute Abend sitzen wir hier, atmen durch und überlegen in Ruhe, wie wir ihm den Wind aus den Segeln nehmen. Wir lassen uns von ihm nicht hetzen.“

Minerva lehnte sich ein wenig mehr an sie.

„Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und diese verdammten Fotos einfach gleich zu verbrennen.“

Hermine hob eine Augenbraue und versuchte, die Stimmung ein kleines bisschen aufzulockern.

„Hey, ich mag diese Fotos.“

Minerva schnaubte leise.

„Ich auch, aber im Moment würde ich sie am liebsten eigenhändig ins Feuer werfen.“

Hermine lächelte schief, zog Minerva noch ein Stück näher an sich und flüsterte:

„Egal, was kommt. Wir gehen da zusammen durch. Versprochen.“

Minerva schloss die Augen und nickte.

„Zusammen.“

Hermine zog Minerva sanft, aber bestimmt zu sich, bis Minervas Kopf an ihrer Schulter lag. Sie hielt sie fest, als könnte sie all die Sorgen einfach aus ihr herausdrücken. Minerva schloss die Augen und ließ es zu, ließ sich halten, ließ sich für einen Moment einfach nur fallen.

„Komm her“, murmelte Hermine und küsste sie erst auf die Schläfe, dann auf die Stirn und schließlich auf den Mund. Der Kuss war ruhig, nicht fordernd, sondern voller Wärme und Zuspruch. Minerva erwiderte ihn und spürte, wie sich ein Teil der Anspannung tatsächlich ein kleines bisschen löste.

„Wir schaffen das“, sagte Hermine leise, als sie die Stirn an Minervas lehnte. „Du bist nicht allein. Und er… er ist nicht so mächtig, wie er glaubt.“

Minerva atmete tief durch.

„Im Moment fühlt es sich aber genau so an.“

„Gefühle sind nicht immer gute Ratgeber“, erwiderte Hermine sanft und strich ihr mit dem Daumen über die Wange.

„Fakten schon. Und die sind: Er ist ein Feigling. Er arbeitet mit Andeutungen, mit Gerüchten, mit Druck. Nicht mit offenen Karten.“

Minerva sah sie an, suchte in ihrem Gesicht Halt und fand ihn.

„Du klingst, als hättest du das alles schon sehr genau analysiert.“

Hermine lächelte nur ein kleines, beinahe zu harmloses Lächeln.

„Sagen wir, ich bin eine sehr logische Frau.“

Sie zog Minerva noch ein Stück näher zu sich, legte die Arme um sie und hielt sie einfach. Für einen Moment sagten beide nichts, hörten nur das leise Knistern des Feuers.

In Hermines Kopf jedoch arbeitete es unaufhörlich. Featherstone hatte sich zu sicher gefühlt. Zu offen. Zu gierig nach Kontrolle. Und er hatte einen Fehler gemacht:

Er glaubte, er hätte gewonnen.

Hermine wusste, dass sie etwas unternehmen musste. Nicht überstürzt. Nicht unklug. Aber entschlossen. Es musste einen Weg geben, ihn aus der Reserve zu locken, ihn dazu zu bringen, sich zu verraten oder zumindest seine Karten zu zeigen, doch das war nichts, was sie Minerva jetzt sagen konnte.

Jetzt brauchte Minerva Ruhe. Sicherheit. Das Gefühl, nicht allein zu sein.

„Bleib heute Nacht einfach in meinen Armen“, sagte Hermine leise. „Denk nicht an Briefe, nicht an das Ministerium, nicht an Featherstone. Nur… an uns.“

Minerva lächelte schwach.

„Du verlangst viel.“

„Ich weiß“, sagte Hermine und küsste sie noch einmal. „Aber das wäre nicht das erste Mal.“

Minerva schnaubte leise und schloss die Augen.

„Danke“, flüsterte sie.

Hermine hielt sie weiter fest, streichelte ihr beruhigend über den Rücken und während Minerva sich langsam entspannte, nahm in Hermines Kopf ein Plan immer klarere Formen an.