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Spannungen im Lehrerzimmer

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Spannungen im Lehrerzimmer

Die Nacht war ein einziges Wälzen. Hermine hatte kaum die Augen geschlossen, da rasten ihre Gedanken schon wieder los – zu Minervas Blick, zu dem Gewicht von Featherstones Schweigen, zu den unausgesprochenen Worten, die zwischen ihr und der Schulleiterin wie Gespenster in der Dunkelheit schwebten.

Als sie schließlich doch einschlief, war es ein unruhiger Schlaf, durchzogen von wirren Bildern: sie sah Minerva, wie sie sich von ihr abwandte, hörte Featherstones kalte Stimme, fühlte die Schwere einer unsichtbaren Erwartung, die auf ihren Schultern lastete.

Als der Morgen graute, war Hermine müde, unausgeschlafen und mit einem Kopf voller Nebel. Sie saß auf der Bettkante, den Blick auf Fenster gerichtet und atmete tief durch.

Heute beginnt es, dachte sie. Heute kehrt das Leben zurück nach Hogwarts. Der erste Tag des Schuljahres.

Am Abend würden die Schüler eintreffen, die große Halle würde voller Stimmen, Lachen und Neugier sein. Es war ein Gedanke, der ihr Herz erwärmte und gleichzeitig beschwerte. Denn noch bevor sie diesen jungen Menschen begegnete, stand sie selbst zwischen Erwartungen – der eigenen, Minervas und der unausgesprochenen Feindseligkeit Featherstones.

Sie strich sich eine widerspenstige Strähne aus der Stirn, griff nach ihren bereits hergerichteten Klamotten und während sie sich im Bad frisch machte und sich ankleidete, kamen die Worte zurück, die Minerva am Vorabend gesagt hatte:

„Wenn ich bleibe… verliere ich mehr, als du ahnst.“

Das hatte sie nicht vergessen, kein einziges Wort. Sie hatte es im Traum gehört, in den Pausen ihres Schlafs und es hallte noch immer in ihr nach. Minerva hatte damit mehr verraten, als sie wohl beabsichtigt hatte. Hermine schloss die Augen, ließ die Finger über den Stoff ihres Rocks gleiten. Was meinte Minerva? Verlust von Autorität? Von Ansehen? Oder etwas Tieferes, Persönlicheres – etwas, das sie beide betraf?

Sie schüttelte den Kopf und betrachtete sich im Spiegel. Pflicht zuerst, mahnte sie sich. Heute Abend beginnt alles – ich darf mir keine Schwäche erlauben.

Sie strich noch einmal ihren schwarzen Rock glatt, ordnete den Kragen ihrer dunkelroten Bluse und zog einen eng geschnittenen schwarzen Blazer über. Das Make-up war wie immer dezent und die Haare mit einem Haarband gebändigt. Einigermaßen zufrieden verließ sie ihre Wohnung. Während sie den Korridor entlangging, die noch stillen Flure von Hogwarts durchquerte, blieb ein Gedanke unweigerlich haften:

Pflicht und Verlangen ließen sich nicht ewig voneinander trennen und irgendwann würde Minerva McGonagall ihr nicht mehr ausweichen können.

Sanftes Sonnenlicht erhellte die große Halle. Der Lehrertisch war nur spärlich besetzt. Die meisten Lehrkräfte saßen verstreut, leise Gespräche, das Klirren von Besteck – es war die Ruhe vor dem Sturm, bevor am Abend das Schloss von Schülerstimmen erfüllt würde.

Hermine trat ein, den Geruch von Kaffee und Toast in der Nase und spürte sofort die Müdigkeit, die sich in jede ihrer Bewegungen legte. Sie zwang sich zu einem Lächeln, als sie Neville am Lehrertisch erblickte.

„Hermine!“

Er winkte ihr zu, seine Stimme klang frisch und warm wie immer. „Komm, setz dich.“

Sie ließ sich neben ihm nieder und sofort legte sich ein Stück der Schwere von ihren Schultern. Neville füllte ihre Tasse, während er mit der anderen Hand nach einem noch dampfenden Brötchen griff.

„Schlechte Nacht?“ fragte er, als er sie musterte.

„Das sieht man mir wohl an.“ Hermine zwang sich zu einem kleinen Schmunzeln. „Zu viele Gedanken.“

„Das kenne ich,“ murmelte Neville. „Mein erster Tag als Lehrer war genauso. Man will alles richtig machen und je mehr man daran denkt, desto weniger Schlaf bekommt man.“

Bevor Hermine etwas erwidern konnte, erklang ein helles Räuspern. Professor Slughorn hatte sich herübergebeugt, die Augen leuchteten erwartungsvoll.

„Miss Granger! Verzeihung – Professor Granger nun, nicht wahr?“

Er lachte dröhnend.

„Wie herrlich, Sie wieder unter uns zu wissen! Wir werden ein glänzendes Jahr haben, ganz sicher.“

„Danke, Professor Slughorn,“ antwortete Hermine und diesmal war ihr Lächeln aufrichtig. „Ich freue mich ebenso.“

Während Slughorn weiter begeistert schwärmte, spürte Hermine jedoch den kühlen Luftzug am anderen Ende des Tisches. Sie hob unwillkürlich den Blick und da saß er: Edmund Featherstone. Eine Zeitung in der Hand, die Tasse neben sich unberührt, die Haltung aufrecht und makellos. Er hatte kein Wort gesagt, seit sie eingetreten war, aber als ihre Blicke sich kurz trafen, genügte ein kaum merkliches Anheben seiner Braue, um ihr den Appetit zu verderben.

Minerva saß einige Plätze daneben, den Tagespropheten aufgefaltet vor sich. Äußerlich ganz die Schulleiterin. Aufrecht und unerschütterlich, doch Hermine bemerkte, wie ihre Augen sich einen Herzschlag zu lange auf ihr hielten, bevor sie sich wieder dem Artikel zuwandten.

Das Frühstück zog sich weiter. Neville erzählte ihr von seinen Sommermonaten im Kräutergarten, Slughorn ließ Anekdoten über alte Schüler vom Stapel und die Teller füllten und leerten sich fast wie von selbst. Doch über allem lag die Schwere zweier unausgesprochener Spannungen: Featherstones stille, kalte Ablehnung und Minervas kontrollierte, gefährlich vertraute Zurückhaltung.

Hermine nahm einen Schluck Kaffee, heiß und bitter und beschloss, sich heute nicht von beidem zerreiben zu lassen, aber der Tag hatte kaum begonnen und sie wusste, dass es nicht bei stillen Blicken bleiben würde.

Nach dem Frühstück zerstreuten sich die Lehrkräfte. Einige verschwanden Richtung Lehrerzimmer, andere in ihre Klassenzimmer, um letzte Vorbereitungen für das Schuljahr zu treffen.

Hermine blieb einen Moment im Eingangsbereich der Großen Halle stehen, sah durch die hohen Türen hinaus in den Schlosshof. Nebel hing noch über den Wiesen, die Luft war frisch, und doch fühlte sie die Schwere der Nacht wie einen Schatten im Rücken.

„Miss Granger.“

Die Stimme war ruhig, fast höflich, doch der Unterton war unüberhörbar. Hermine drehte sich um und sah Edmund Featherstone, der die Hände auf dem Rücken verschränkt hatte. Er musterte sie mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen wohlgesetzter Höflichkeit und kühler Abweisung lag.

„Professor Featherstone,“ erwiderte sie, bemüht neutral.

„Sie scheinen einen anstrengenden Morgen gehabt zu haben,“ sagte er, als sei es eine Feststellung und kein Kommentar.

Seine Augen glitten über ihr Gesicht, verweilten einen Moment, als würden sie prüfen, wie viel Müdigkeit sich darin zeigte.

„Ich habe noch gearbeitet,“ antwortete Hermine knapp. „Wie jeder von uns.“

Ein kaum sichtbares Lächeln spielte um seine Lippen.

„Natürlich. Aber manche Arbeit… kostet mehr Kraft als andere.“

Bevor Hermine eine scharfe Antwort geben konnte, rauschte ein Umhang heran – Minerva trat aus der Halle. Sie wirkte wie immer tadellos und doch spürte Hermine sofort die Spannung, die sich zwischen den dreien aufbaute.

„Edmund, Hermine,“ grüßte Minerva, streng und sachlich, ohne den leisesten Anflug persönlicher Regung, doch Hermine bemerkte, dass sie hauptsächlich Professor Featherstone ansah.

„Die letzte Besprechung für den heutigen Abend beginnt in einer halben Stunde im Lehrerzimmer. Ich erwarte euch beide dort.“

„Selbstverständlich,“ sagte Featherstone, mit einem Hauch von Respekt, der fast zu betont klang. „Bis später, Minerva.“

Er verbeugte sich knapp und verschwand den Korridor hinunter, der Schritt gleichmäßig und lautlos. Hermines Herz zog sich zusammen. Die Art, wie er Minerva ansah, ihren Namen sagte… Es klang nicht, als würde er nur mit der Schulleiterin sprechen. Es klang vertrauter. Schnell schüttelte sie diesen Gedanken fort. Minerva wandte sich zu Hermine. Ihre Miene blieb neutral, doch ihr Blick war zu intensiv, zu direkt, um wirklich unverbindlich zu sein.

„Hermine.“

„Minerva.“

Hermines Hand kribbelte, fast, als könnte sie den Abdruck von gestern Abend noch immer fühlen. Einen Moment standen sie schweigend gegenüber, die Worte vom Vorabend unausgesprochen zwischen ihnen. Dann straffte Minerva die Schultern.

„Du siehst müde aus. Es wird ein langer Tag. Ruh dich aus, solange du kannst.“

Hermine nickte, aber innerlich bäumte sich etwas in ihr auf.

Ruhen? Nach dieser Nacht? Nach deinen Worten, schoss es durch ihren Kopf.

Minerva schien ihre Gedanken zu ahnen, denn ihr Blick verhärtete sich und doch lag darin ein flüchtiger, gefährlicher Schatten von Wärme, bevor sie sich abwandte.

Der Korridor war still, als Minerva fort schritt und Hermine wusste, dass der Abend, an dem die Schüler zurückkehren würden, nur ein weiterer Prüfstein sein würde – für ihre neue Rolle, für ihre Stärke und für das, was sie und Minerva beide verschwiegen. Allerdings musste sie zuerst die bevorstehende Besprechung hinter sich bringen.

Das Lehrerzimmer war erfüllt vom Kratzen von Federn, dem Rascheln von Pergament und dem gelegentlichen Knistern des Kaminfeuers. Bücher, Listen und große Rollen mit Schülerdaten stapelten sich auf dem zentralen Tisch. Die meisten Professoren hatten bereits Platz genommen, als Hermine eintrat.

Neville winkte ihr lächelnd zu, Slughorn nickte wohlwollend und auch die anderen Lehrkräfte schienen sie freundlich aufzunehmen. Doch kaum hatte sie sich gesetzt, spürte sie das kalte Gewicht eines Blicks: Edmund Featherstone, schräg gegenüber. Seine Haltung war wie aus Stein gemeißelt, die Hände gefaltet, die Lippen schmal.

Hermine setzte sich auf ihren Platz. Rechts von ihr saß Pomona Sprout, die linke Seite war noch leer. Hermines Herz begann schneller zu schlagen, als sie das grüne Gewand aus dem Augenwinkel sah und sich Minerva neben sie setzte. Einerseits wollte sie in ihrer Nähe sein, doch andererseits wäre ihr ein Platz weit entfernt von ihr im Moment lieber.

„Also gut,“ begann Minerva, ihre Stimme schnitt klar durch das Murmeln. „Heute Abend treffen die Schüler ein. Der Zug wird wie gewohnt eintreffen. Die Erstklässler werden von Hagrid abgeholt und von Neville hier im Schloss in Empfang genommen. Ich erwarte, dass jeder von Ihnen bereitsteht, um die Ankunft zu unterstützen. Die Einteilung in die jeweiligen Häuser werde ich selbst übernehmen.“

„Was ist mit den Sicherheitsvorkehrungen?“ fragte Professor Sinistra.

„Sie sind verstärkt,“ antwortete Minerva knapp. „Die Schutzzauber um das Schloss sind erneuert und ich erwarte, dass alle Lehrer ihre Klassenräume in den kommenden Tagen kontrollieren. Unangemeldete Besuche von außen dulden wir nicht.“

Sie wandte sich Filius zu.

„Filius, du wirst wie immer die Ankunft der anderen Schüler überwachen. Mr. Filch wird dich unterstützen.“

Der kleine Mann stimmte zu.

Featherstone hob leicht die Hand, so formell wie immer.

„Und was ist mit der… 'Unterstützung' im Bereich Zaubertränke?“

Er ließ den Blick langsam zu Hermine gleiten.

„Ich hörte, dass Horace Verstärkung erhält.“

Seine Stimme war glatt, höflich und doch lag darin ein feines Sticheln, das nur für sie bestimmt war.

„Professor Granger wird mich unterstützen, ja,“ erwiderte Slughorn voller Stolz, ehe Hermine etwas sagen konnte.

„Eine unschätzbare Bereicherung.“

Featherstone nickte, ein Lächeln, das keins war, huschte über sein Gesicht.

„Wie beruhigend, dass wir in so… fähigen Händen sind.“

Ein paar Köpfe drehten sich, aber niemand schien das Untere in seinen Worten so klar zu hören wie Hermine. Sie spürte, wie ihre Wangen heiß wurden und biss sich auf die Zunge.

Minervas Stimme unterbrach das Schweigen.

„Edmund, Hermines Qualifikationen stehen außer Frage. Ich möchte, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren.“

Ein feines Knistern lag in der Luft. Featherstone senkte den Blick auf seine Unterlagen, doch das leichte Zucken in seinen Mundwinkeln verriet, dass er erreicht hatte, was er wollte. Minerva atmete tief durch.

„Die meisten von euch wissen es bereits, doch ich möchte nun Hermine noch einmal offiziell willkommen heißen. Sie absolviert ihr Referendariat in den Fächern Zaubertränke und Verwandlung.“

Ihr Blick wanderte zu Edmund, der jedoch keine Miene verzog, während Horace Slughorn breit lächelte. Die Kollegen applaudierten freudig und widmeten sich dann wieder der Schulleiterin.

Die Besprechung zog sich fort - Stundenpläne, Pflichten, die Aufteilung der ersten Woche. Hermine machte sich akribische Notizen, versuchte, sich auf den Inhalt zu konzentrieren, doch immer wieder schweifte ihr Blick unwillkürlich zu Minerva, die jedes Thema mit strenger Präzision leitete und gleichzeitig zu Featherstone, dessen schweigende Präsenz wie ein stiller Gegenpol im Raum hing. Als Minerva die Sitzung schließlich schloss, waren Hermines Finger steif vom Schreiben und ihre Gedanken wirbelten mehr denn je. Der Abend würde all dies nur verstärken – die Schüler, das Fest, die Blicke am Lehrertisch.

Die meisten Lehrkräfte hatten den Raum verlassen. Nur Hermine, Neville und Featherstone blieben zurück. Die Stühle standen noch leicht schief, Pergamente lagen verstreut und der Kamin knisterte leise. Eine Stille, die irgendwie schwer auf Hermines Schultern lastete.

Featherstone sah auf, als sie sich erhob.

„Miss Granger… bevor Sie gehen, noch eine kleine Erinnerung.“

Seine Stimme war glatt, sachlich, aber sie konnte die Schärfe darin spüren.

„Achten Sie darauf, dass Ihre Aufgaben perfekt laufen. Jede Nachlässigkeit wird bemerkt.“

Hermine hob die Augenbrauen, ließ sich nicht provozieren.

„Ich bin vorbereitet“, sagte Hermine scharf.

Er musterte sie noch einen Moment, dann nickte er knapp. Es war weder Anerkennung noch Lächeln – eher ein stummes Testen.

Hermine wollte sich gerade abwenden, da trat Minerva, die gerade den Raum verlassen wollte, noch einmal zurück und schloss die Tür hinter sich. Sie ließ die Augen einmal kurz über beide schweifen. Ein Blick, der mehr sagte als Worte:

Ich weiß, was gerade passiert.

„Alles in Ordnung?“ Ihre Stimme war sachlich, doch Hermine bemerkte die winzige Spannung in der Tonhöhe, die nur ihr galt.

„Alles im Rahmen“, sagte Featherstone und sammelte seine Unterlagen ein.

Minerva sah Hermine fragend an. Ein kurzer Blick, viel länger als nötig. Hermine nickte, um zu bestätigen, dass auch sie in Ordnung sei. Sie spürte den schnellen Herzschlag, als Minerva einen Schritt zurücktrat. Ihre Blicke waren immer noch aufeinander gerichtet und plötzlich wandte sich Hermine ab und verließ beinahe fluchtartig den Raum. Minerva hatte den Schmerz in ihren Augen gesehen und es brach ihr das Herz. Trotzdem musste sie standhaft bleiben. Sie durfte nicht nachgeben, doch sie wollte auch Hermine nicht leiden sehen. Sie musste ein klärendes Gespräch mit ihr führen. Die unausgesprochenen Dinge lagen so schwer zwischen ihnen. Für ein solches Gespräch musste sie sich allerdings selbst vorbereiten. Nun stand erst einmal die anstehende Willkommensfeier im Vordergrund. Zügig ging sie in ihr Büro zurück, um noch einmal die Listen zu überprüfen.