Ein aufkeimender Plan
Ein aufkeimender Plan
Der Nachmittag senkte sich ruhig über Hogwarts, doch in Hermines Büro herrschte alles andere als Ruhe.
Sie saß an ihrem Schreibtisch, ein leeres Pergament vor sich, die Feder ungenutzt in der Hand. Eigentlich wollte sie den Unterricht für die nächsten Tage planen, doch daraus wurde nichts. Statt Worte zu Papier zu bringen, starrte sie gedankenverloren auf einen Punkt an der Wand. Featherstones Gesicht tauchte immer wieder vor ihrem inneren Auge auf – dieses selbstgefällige Grinsen, die kontrollierte Ruhe, mit der er glaubte, alles in der Hand zu haben.
'Fotos', dachte sie. 'Er würde sie nicht offen herumliegen lassen.'
Hermine zwang sich, systematisch zu denken. Panik half niemandem, am aller wenigsten Minerva.
Ihre Gedanken kreisten. Featherstone war vorsichtig. Er würde etwas so Wertvolles nicht in seinem Büro aufbewahren. Das wäre zu leicht zugänglich, zu viele Möglichkeiten, dass jemand etwas fand.
Er liebte Kontrolle. Wenn er die Fotos als Druckmittel benutzen wollte, musste er jederzeit Zugriff darauf haben.
Er misstraute anderen. Also keine Hauselfen, keine Kollegen, keine fremden Räume.
„Also… hat er sie bei sich“, murmelte Hermine leise.
Sie stand auf und begann im Raum auf und ab zu gehen. Seine Kleidung? Unwahrscheinlich. Vielleicht ein verzauberter Gegenstand, ein unscheinbarer Umschlag mit Schutzzaubern, geschrumpft, verborgen. Oder aber die Aktentasche, die er immer bei sich trug.
Hermines Mundwinkel zuckten. Er hält sich für schlau. Das ist seine Schwäche.
Sie blieb stehen, stützte sich mit den Händen auf den Schreibtisch und atmete tief durch.
„Ich brauche Informationen“, flüsterte sie.
Schüler waren ausgeschlossen – sie würde sie niemals in so etwas hineinziehen. Kollegen? Pomona wäre zu ehrlich, Poppy zu direkt. Also blieb nur noch Irina. Irina wusste bereits viel. Vielleicht konnte sie noch einmal vorsichtig in Featherstones Gedanken spähen, wenn der richtige Moment kam.
Oder…
Hermine hob den Kopf.
„Er unterschätzt mich“, sagte sie leise und nun mit einem entschlossenen Funkeln in den Augen. „Und genau das werde ich nutzen.“
Sie griff nach ihrer Tasche, steckte ein paar Pergamente ein und richtete ihre Robe. Noch hatte sie keinen fertigen Plan, aber die Umrisse begannen sich zu formen. Geduld, Beobachtung, ein kleiner Anstoß zur richtigen Zeit und wenn Featherstone glaubte, das Spiel zu kontrollieren, dann würde er sehr bald feststellen, dass Hermine Granger nicht ohne Grund einen Ruf hatte.
Sie lächelte schmal, löschte das Licht in ihrem Büro und trat hinaus in den Korridor – wachsam, konzentriert, bereit.
Hermine ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen und blieb einen Moment im Korridor stehen. Stimmen hallten irgendwo, Schritte entfernten sich, Hogwarts atmete wie immer seinen ruhigen, alten Rhythmus. Sie zwang sich, äußerlich gelassen zu wirken, doch innerlich arbeitete ihr Verstand ununterbrochen weiter.
Sie schlug den Weg Richtung Kerker ein, nicht weil sie dort Unterricht hatte, sondern weil Featherstone diesen Flur häufig nutzte. Ein Zufallstreffen konnte nützlich sein oder zumindest aufschlussreich. Während sie ging, achtete sie auf jedes Detail: auf Schüler, die sich tuschelnd an ihr vorbeischoben, auf Porträts, die sich neugierig vorbeugten, auf jede Bewegung am Rand ihres Blickfelds. Featherstone war nirgends zu sehen. Stattdessen begegnete sie einer Gruppe Ravenclaws, die hastig ihre Bücher zusammenrafften. Einer der Jungen nickte ihr ehrfürchtig zu, ein Mädchen lächelte offen. Hermine erwiderte das Lächeln automatisch, doch ihre Gedanken waren woanders. Er hält die Fotos bei sich, aber wo genau?
Ein Gedanke ließ sie langsamer werden.
Featherstone hatte in letzter Zeit anscheinend auffällig viel Zeit in der Nähe der Eulerei verbracht.
Hermine blieb stehen.
„Natürlich“, murmelte sie.
Kein direkter Versand – noch nicht, aber vielleicht ein vorbereiteter Umschlag. Ein Entwurf. Etwas, das bereitlag, falls er den nächsten Schritt gehen wollte.
Sie änderte unauffällig die Richtung und schlug den Weg nach oben ein. Nicht zur Eulerei selbst – das wäre zu offensichtlich –, sondern zu einem der angrenzenden Korridore, von denen aus man einen guten Überblick hatte. Dort lehnte sie sich scheinbar entspannt an ein Fenster, sah hinaus auf den grauen Himmel und wartete.
Geduld war nie ihr Problem gewesen.
Nach einigen Minuten hörte sie Schritte. Bestimmt, gleichmäßig. Featherstones Schritte. Er kam allein den Flur entlang, eine schmale Ledertasche unter dem Arm. Er wirkte angespannt, der Blick wachsam, als rechne er jederzeit damit, beobachtet zu werden. Hermine senkte den Blick, tat so, als würde sie in Gedanken versunken aus dem Fenster sehen.
Als er an ihr vorbeiging, spürte sie es beinahe körperlich: die Nervosität, die er hinter seiner Arroganz verbarg.
Sie wartete, bis er außer Hörweite war, dann stieß sie sich vom Fenster ab. Ihr Herz schlug schneller, aber nicht vor Panik – vor Klarheit. Die Tasche. Er trug sie heute wieder bei sich und er ließ sie keinen Moment aus den Augen.
„Das muss es sein“, flüsterte Hermine.
Sie wusste, dass sie vorsichtig sein musste. Noch war nichts bewiesen, noch durfte sie Minerva nicht zusätzlich gefährden, aber sie hatte eine Spur und mit Irinas Hilfe konnte daraus mehr werden.
Hermine wandte sich schließlich ab und ging zurück. Nach außen hin war sie wieder die souveräne, ruhige Professorin Granger, doch innerlich hatte sie eine Entscheidung getroffen:
Featherstone hatte den ersten Fehler gemacht, indem er glaubte, Zeit spiele nur für ihn und Hermine Granger hatte nie ein Spiel verloren, das auf Intelligenz, Geduld und Mut beruhte.
Hermine änderte ihren Weg ein weiteres Mal und steuerte auf das Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu. Die Tür stand einen Spalt offen, gedämpfte Stimmen waren keine mehr zu hören – der Unterricht war längst vorbei.
Irina stand am Pult, ordnete ihre Unterlagen, den Zauberstab locker zwischen den Fingern. Sie blickte auf, als Hermine hereinkam.
„Hermine, schön dich zu sehen.“
„Hallo Irina. Hast du einen Moment?“
Sie zog fragend eine Augenbraue hoch.
„Lass mich raten. Es geht um unseren Freund Edmund. Du siehst aus, als hättest du etwas Wichtiges herausgefunden.“, sagte sie ruhig.
Hermine verschwendete keine Zeit.
„Ich glaube, er trägt die Fotos bei sich. In dieser Ledertasche, die er ständig mit sich herumträgt.“
Irina hielt inne, die Bewegung ihrer Hände erstarrte. Einen Moment lang sagte sie nichts, dann legte sie den Zauberstab beiseite und lehnte sich leicht an den Tisch.
„Das ist… möglich“, meinte sie langsam. „Aber auch verdammt riskant.“
„Ich weiß“, antwortete Hermine sofort. „Wenn er merkt, dass wir ihm zu nahe kommen, schickt er sie ab oder versteckt sie so gut, dass wir nie wieder drankommen.“
Irinas Blick wurde ernst.
„Genau. Ein einziger falscher Schritt und er handelt. Dann ist es vorbei.“
Sie musterte Hermine aufmerksam, fast prüfend.
„Hat Minerva davon Kenntnis?“
Hermine zögerte einen Herzschlag zu lange.
„Nein.“
Irina seufzte leise, nicht genervt, sondern besorgt.
„Hermine, das hier betrifft sie direkt. Du kannst sie nicht außen vor lassen, auch wenn du sie schützen willst.“
„Ich wollte sie nicht noch mehr beunruhigen“, sagte Hermine leise. „Sie steht ohnehin schon unter Druck.“
„Und gerade deshalb muss sie wissen, was läuft“, entgegnete Irina ruhig, aber bestimmt. „Edmund spielt ein gefährliches Spiel und Minerva ist keine Figur, die man vom Brett nehmen sollte. Sie ist Teil davon.“
Hermine atmete tief durch, dann nickte sie.
„Du hast recht. Ich sage es ihr. Heute.“
Ein kaum merkliches Lächeln huschte über Irinas Gesicht.
„Gut. Ehrlichkeit ist ein wichtiger Punkt in einer Beziehung.“
„Ja. Es gab schon zu viele Geheimnisse. Irina, ich brauche deine Hilfe. Wenn es eine Gelegenheit gibt… würdest du noch einmal versuchen, in seine Gedanken zu kommen?“
Irina richtete sich auf, die Haltung wieder konzentriert, professionell.
„Es ist riskant Hermine, aber ich helfe dir. Es wird schwer werden und du musst dich zurückhalten. Keine direkten Konfrontationen, keine Alleingänge.“
„Versprochen“, sagte Hermine.
Irina sah sie einen Moment lang an, dann fügte sie leise hinzu:
„Und Hermine… was auch immer du tust, vergiss nicht, dass Featherstone glaubt, er hätte die Kontrolle. Das macht ihn unachtsam.“
Hermine erwiderte den Blick, ihre Augen entschlossen.
„Dann nutzen wir genau das.“
Mit diesem stillen Einverständnis verließ Hermine das Klassenzimmer. Ihr Herz klopfte schneller als zuvor. Der nächste Schritt würde heikel werden und Minerva musste davon erfahren.
Nach dem Abendessen verließ Hermine die Große Halle früher als sonst. Sie hielt niemanden auf, nickte nur kurz hier und da und ging mit schnellen, zielstrebigen Schritten in Richtung ihrer Wohnung. Kaum war sie angekommen, setzte sie sich an den kleinen Tisch, zog ein Stück Pergament heran und schrieb nur wenige Zeilen – knapp, aber eindeutig. Dann faltete sie den Zettel und rief leise nach einer Hauselfe.
„Bitte bring diese Nachricht zu Professor McGonagall“, sagte sie freundlich, aber bestimmt.
Mit einem leisen Plopp war die Elfe verschwunden.
Hermine hatte kaum Zeit, unruhig durch den Raum zu gehen, da flackerte auch schon das Kaminfeuer. Grüne Flammen loderten auf und einen Augenblick später stolperte Minerva daraus hervor, fing sich schnell und strich sich mit einem leisen Schnauben die Robe glatt.
„Also ehrlich“, sagte sie mit hochgezogener Augenbraue, in der ein amüsiertes Funkeln lag, „geht das jetzt so weiter, dass wir über Zettel miteinander kommunizieren wie zwei verschwörerische Schülerinnen?“
Hermine lachte auf, ein befreites, warmes Lachen und ging ohne zu zögern auf Minerva zu.
„Wenn es nötig ist, um nach meiner wunderschönen Freundin zu schicken auf jeden Fall“, meinte sie grinsend, dann zog sie Minerva an sich und küsste sie.
Lang. Innig. All das Ungesagte der letzten Stunden lag in diesem Kuss. Minerva erwiderte ihn sofort, legte die Hände an Hermines Taille und ließ für einen Moment alles andere los.
Als sie sich schließlich lösten, blieb Minerva noch dicht bei ihr stehen.
„Deine Nachricht klang dringend“, sagte sie leiser.
Hermine nickte, ihre Stirn lehnte kurz gegen Minervas.
„Es ist auch dringend, aber zuerst wollte ich dich einfach hier haben.“
Minerva lächelte sanft.
„Dann ist es ja gut, dass ich sofort gekommen bin.“
Sie setzten sich nebeneinander auf das Sofa. Minerva lehnte sich zurück, faltete die Hände locker im Schoß und sah Hermine aufmerksam an. Der amüsierte Ausdruck von eben wich rasch der konzentrierten Ruhe, die sie annahm, wenn es ernst wurde.
„Also“, sagte sie ruhig, „was ist so dringend, dass du mich herbeizitieren musstest?“
Hermine zog ein Bein an, spielte einen Moment mit dem Saum ihres Pullovers. Man sah ihr an, dass sie überlegte, wie sie anfangen sollte.
„Ich… wollte es dir eigentlich erst sagen, wenn ich mir ganz sicher bin“, begann sie zögernd. „Aber ich glaube, es ist besser, wenn du es jetzt weißt.“
Minerva nickte nur. Sie drängte nicht.
„Ich glaube“, fuhr Hermine fort, „dass Featherstone die Fotos nicht irgendwo versteckt hat. Ich glaube, er trägt sie bei sich.“
Minervas Blick wurde schärfer.
„Bei sich“, wiederholte sie langsam.
„Ja.“ Hermine holte tief Luft.
„Irina hat heute Morgen in seine Gedanken gesehen. Nicht viel. Featherstone ist vorsichtig, aber es war fürs erste genug. Er denkt immer wieder an die Fotos. Nicht an ein Versteck. Nicht an das Ministerium. Sondern an etwas, das er bei sich hat. Etwas, das er kontrollieren kann.“
Minerva lehnte sich etwas nach vorne.
„Seine Aktentasche“, sagte sie leise.
Hermine nickte.
„Daran hatte ich auch gedacht. Er lässt sie nie unbeaufsichtigt. Selbst beim Essen hat er sie bei sich, zumindest in Reichweite und heute Morgen wirkte er nervös – nicht siegessicher. Eher… lauernd.“
Minerva schloss für einen Moment die Augen. Der Gedanke setzte sich, fügte sich erschreckend gut ein.
„Das würde erklären“, murmelte sie, „warum er noch nichts unternommen hat. Die Fotos sind sein Druckmittel. Solange er sie hat, fühlt er sich überlegen.“
„Genau das“, sagte Hermine leise. „Und solange er sie bei sich behält, ist noch nichts verloren.“
Minerva öffnete die Augen wieder und sah Hermine an.
„Warum hast du mir das nicht sofort gesagt?“
Hermine senkte kurz den Blick.
„Weil ich nicht wollte, dass du unüberlegt handelst. Und weil ich… ehrlich gesagt Angst hatte, dich noch mehr zu belasten.“
Minerva hob die Hand und legte sie sanft an Hermines Wange.
„Hermine“, sagte sie ruhig, aber bestimmt, „wir tragen das gemeinsam. Alles andere wäre ein Fehler.“
Hermine lächelte schwach, sichtlich erleichtert.
„Ich weiß. Deshalb sage ich es dir jetzt.“
Ein Moment lang saßen sie schweigend da, das Feuer knisterte leise. Dann atmete Minerva langsam aus.
„Gut“, sagte sie schließlich. „Dann wissen wir wenigstens, womit wir es zu tun haben und Edmund begeht gerade den größten Fehler von allen.“
Hermine sah sie fragend an.
„Welchen?“
Ein kühles, entschlossenes Funkeln trat in Minervas Augen.
„Er glaubt, Kontrolle zu haben.“
Hermine zögerte einen Moment, dann fügte sie hinzu:
„Ich habe Irina bereits um Hilfe gebeten.“
Minerva hob sofort den Blick.
„Hermine…“
„Ich weiß“, kam es prompt zurück, begleitet von diesem leicht schiefen, entschlossenen Grinsen, das Minerva nur zu gut kannte. „Und bevor du es sagst: Ja, sie hält es auch für riskant.“
Minerva seufzte leise und fuhr sich mit zwei Fingern über die Stirn.
„Legilimentik ist kein Spiel“, sagte sie ruhig, aber mit Nachdruck. „Featherstone ist wachsam. Wenn er auch nur den leisesten Verdacht schöpft—“
„—dann würde er sofort handeln“, vollendete Hermine den Satz. „Genau das hat Irina auch gesagt.“
Minerva sah sie an, erst streng, dann resigniert amüsiert.
„Ihr zwei seid euch in manchen Dingen erschreckend ähnlich“, meinte Hermine.
„Wir sind beide aus dem Alter raus, in dem man mit jugendlichen Leichtsinn handelt.
Hermine grinste noch breiter.
„Ich nehme das als Kompliment.“
Minerva schüttelte den Kopf, konnte sich ein kleines Lächeln aber nicht verkneifen.
„Und was genau habt ihr beschlossen?“
„Dass Irina es nur versucht, wenn sich eine absolut sichere Gelegenheit ergibt“, erklärte Hermine ernsthafter. „Kein Drängen. Kein Risiko um jeden Preis. Nur ein vorsichtiges Tasten, so wie sie es heute Morgen gemacht hat. Vielleicht reicht ein einziger klarer Gedanke. Ein Bild. Mehr brauchen wir nicht.“
Minerva lehnte sich zurück und dachte nach. Man sah, wie sie innerlich abwog, jede Möglichkeit, jede Konsequenz. Schließlich sagte sie leise:
„Ich mag es nicht, dich oder Irina in Gefahr zu wissen.“
Hermine rückte näher, legte ihre Hand über Minervas.
„Ich weiß, aber wir können nicht einfach abwarten, bis Featherstone zuschlägt. Wenn wir wissen, wo die Fotos sind, haben wir eine Chance, ihm den Boden unter den Füßen wegzuziehen.“
Minerva sah sie lange an, dann nickte sie langsam.
„Gut, aber unter einer Bedingung.“
Hermine hob erwartungsvoll die Augenbrauen.
„Sobald auch nur der kleinste Hinweis darauf auftaucht, dass Featherstone etwas bemerkt, wird abgebrochen“, sagte Minerva bestimmt. „Ohne Diskussion.“
Hermine nickte ernst.
„Abgemacht.“
Einen Moment herrschte Stille. Dann atmete Minerva tief durch.
„Dann“, sagte sie schließlich, „spielen wir dieses Spiel sehr vorsichtig. Featherstone glaubt, er sei der Jäger.“
Hermine lächelte ruhig.
„Dann wird er überrascht sein, wenn er merkt, dass er der Gejagte ist.“
Hermine beugte sich langsam vor, ihr Blick war plötzlich spielerisch und zugleich intensiv, als würde sie Minerva mustern wie etwas Kostbares oder wie eine Beute, die sie ganz sicher nicht entwischen lassen wollte.
„Weißt du eigentlich“, murmelte sie leise, „wie schwer du es mir manchmal machst, ernst zu bleiben?“
Minerva hob eine Augenbraue, wollte etwas erwidern, doch Hermine war schneller. Sie legte zwei Finger unter Minervas Kinn, hob ihren Kopf ein kleines Stück an und küsste sie sanft, fast neckisch. Kein fordernder Kuss, eher ein Spiel. Dann noch einer, ein wenig länger, ein wenig näher.
„Hermine“, sagte Minerva leise, mehr tadelnd als wirklich streng, aber in ihren Augen lag dieses warme Leuchten, das sie nie ganz verbergen konnte.
Hermine lächelte zufrieden und lehnte ihre Stirn kurz an Minervas.
„Ich weiß, wir sollten bei der Sache sein, aber…“ Sie strich mit dem Daumen über Minervas Handrücken. „Ein bisschen Ablenkung darf doch erlaubt sein, oder?“
Minerva seufzte leise, schloss für einen Moment die Augen und ließ den Kopf gegen Hermines Schulter sinken.
„Du bist unmöglich“, murmelte sie.
„Und du liebst mich trotzdem. Das hast du vorhin selbst gesagt“, kam die prompte, leise Antwort.
Minerva schnaubte, musste aber lächeln.
„Vielleicht“, gab sie zu und legte einen Arm um Hermines Taille. „Aber wir sollten nicht vergessen, warum wir das hier tun. Featherstone ist nicht irgendein harmloser Störenfried.“
Hermine wurde sofort wieder ernster, nickte aber.
„Ich weiß. Ich wollte dir nur kurz zeigen, wofür wir das alles durchstehen.“
Sie gab Minerva noch einen weiteren, zärtlichen Kuss, dann löste sie sich ein Stück von ihr.
„Wir schaffen das. Zusammen.“
Minerva sah sie an, lange und ruhig, dann nickte sie.
„Ja. Zusammen.“
Hermine zog Minerva ohne weiteres Zögern in ihre Arme, ganz fest, als wolle sie sich vergewissern, dass sie wirklich da war. Ihr Kinn ruhte einen Moment auf Minervas Schulter, bevor sie leise fragte:
„Bleibst du heute Nacht bei mir?“
Minerva lachte leise auf, dieses warme, seltene Lachen, das nur Hermine bei ihr hervorrief. Sie löste sich ein kleines Stück, sah Hermine an und schmunzelte.
„Ich wusste es“, sagte sie amüsiert. „Diese Notiz hatte natürlich einen Haken.“
Hermine grinste unschuldig.
„Ich nenne das eher… eine wohlüberlegte Ergänzung.“
Minerva schüttelte den Kopf, zog Hermine aber wieder näher zu sich.
„Du bist wirklich unmöglich“, murmelte sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. „Aber ja. Ich bleibe.“
Die Erleichterung in Hermines Gesicht war unverkennbar. Sie ließ Minerva nicht sofort los, sondern hielt sie einfach fest, als würde allein diese Nähe die Unruhe der letzten Tage dämpfen.
„Gut“, sagte Hermine leise. „Dann lassen wir Featherstone heute einfach draußen. Keine Pläne, keine Strategien. Nur wir.“
Minerva strich ihr über den Rücken, langsam, beruhigend.
„Nur für heute Nacht“, antwortete sie, ebenso leise. „Morgen denken wir weiter.“
„Abgemacht.“
Sie blieben noch einen Moment so sitzen, eng umschlungen, während das Feuer im Kamin leise knisterte. Für diese Nacht zumindest war Hogwarts weit weg und alles, was zählte, war die Wärme der anderen.