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Verbündete

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Verbündete

Hallo meine Lieben,

es geht schon wieder weiter ;) Ich wünsche euch viel Spaß und freue mich auf eure Meinung zum neuen Kapitel :D

LG M.

Das erste Licht des Morgens kroch bereits durch die Vorhänge, als Hermine sich leicht auf einen Ellenbogen stützte und Minerva betrachtete. Für einen Moment blieb sie einfach so, sah ihr ruhiges Gesicht, die entspannten Züge, die sie tagsüber so selten zu sehen bekam. Dann beugte sie sich langsam vor und berührte Minervas Stirn mit einem sanften Kuss. Noch einen, etwas tiefer, an der Schläfe. Schließlich ganz vorsichtig an den Lippen.

Minerva regte sich leise, murmelte kaum hörbar etwas Unverständliches und verzog minimal den Mund, als wolle sie sich über die Störung beschweren, ohne wirklich aufzuwachen. Hermine lächelte und küsste sie noch einmal, diesmal ein wenig bestimmter.

„Guten Morgen“, flüsterte sie.

Minerva öffnete die Augen, noch ganz verschlafen und blinzelte Hermine an. Einen Herzschlag lang wirkte sie überrascht, dann wich der Ausdruck einem warmen, weichen Lächeln.

„Ist es schon Morgen?“, fragte sie mit rauer Stimme.

„Leider ja“, antwortete Hermine leise. „Aber es gibt einen Lichtblick. Es ist Freitag.“

Minerva seufzte gespielt dramatisch und zog Hermine näher zu sich.

„Du hättest mich ruhig noch schlafen lassen können.“

„Ich weiß“, gab Hermine zu und kuschelte sich an sie. „Aber ich wollte dich so aufwecken.“

Minerva legte einen Arm um sie, schloss noch einmal kurz die Augen und drückte einen Kuss auf Hermines Haar.

„So kann man den Tag beginnen“, murmelte sie.

Für ein paar kostbare Minuten blieben sie einfach liegen, eng aneinander, während draußen der Tag langsam erwachte. Trotz allem, was noch vor ihnen lag, fühlte sich dieser Moment ruhig an – fast normal.

Nach einer Weile merkte Minerva, dass sich Hermines Arm fester um ihre Taille schloss, als wollte sie sie festhalten oder vielleicht einfach nur sicher sein, dass dieser Moment nicht gleich wieder verschwand. Minerva beugte sich ein wenig vor und küsste Hermine sanft auf die Stirn.

„Was geht dir durch den Kopf?“, fragte sie leise.

Hermine zögerte einen Moment, dann seufzte sie leise.

„Ich dachte gerade …“ Sie hob den Blick zu Minerva. „… dass ich am liebsten einfach mit dir fortgehen würde. Irgendwohin, wo uns niemand kennt. Wo wir einfach nur wir sein können. Zusammen. Ohne Gerüchte, ohne Ministerium, ohne Featherstone. Einfach glücklich.“

Minerva sah sie einen Moment lang an und in ihrem Blick lag sowohl Wärme als auch ein Hauch Wehmut. Dann lächelte sie sanft und strich Hermine über die Wange.

„Es ist eine wundervolle Vorstellung“, sagte sie ruhig. „Und glaub mir, ein Teil von mir würde sofort die Koffer packen.“ Sie lehnte ihre Stirn an Hermines. „Aber wir haben hier noch eine Aufgabe. Eine ziemlich wichtige sogar.“

Hermine verzog leicht den Mund.

„Die Kinder.“

Minerva nickte.

„Die Kinder. Sie brauchen uns. Und sie verdienen Lehrerinnen, die für sie da sind, auch wenn es manchmal schwer ist.“

Hermine seufzte, aber sie lächelte dabei.

„Ich weiß. Du hast ja recht. Wie immer.“

Minerva schmunzelte leise.

„Das sagt man mir nach.“

Hermine drückte sich noch einmal enger an sie.

„Dann bleiben wir eben und kämpfen uns hier durch.“

„Gemeinsam“, sagte Minerva leise.

„Gemeinsam“, wiederholte Hermine und küsste sie sanft.

Später, auf dem Weg zu ihrem Unterricht, durchquerte Hermine einen der längeren Korridore im Erdgeschoss. Ihre Schritte waren ruhig, ihr Blick wachsam. Noch bevor sie ihn ganz sah, spürte sie seine Präsenz.

Featherstone kam ihr entgegen.

Wie zufällig und doch war nichts an ihm zufällig. Sein Blick glitt kurz über sie, dann fiel Hermines Aufmerksamkeit sofort auf die Aktentasche. Er trug sie dicht an der Seite, beinahe verkrampft, als hätte er Angst, sie könnte ihm jemand entreißen. Genau wie am Frühstückstisch. Also hatte sich ihr Verdacht bestätigt.

Hermine ließ sich nichts anmerken. Sie hob nicht einmal die Augenbraue, ging weiter, als wäre er nicht mehr als ein störendes Möbelstück im Korridor. Featherstone hingegen blieb stehen.

„Nun“, sagte er mit süffisantem Unterton, „Miss Granger. Schon wieder auf dem Weg, um den armen Schülern Ihre moralischen Vorträge zu halten? Oder üben Sie inzwischen nur noch, wie man sich möglichst wirkungsvoll in Szene setzt?“

Hermine hielt inne und drehte sich langsam zu ihm um. Ihr Gesicht war ruhig, fast gelassen, doch ihre Augen waren kühl.

„Interessant“, erwiderte sie ruhig, „dass Sie von Inszenierung sprechen.“

Sie sah ihm direkt in die Augen.

„Manche Menschen tragen ihre Unsicherheiten eben sichtbarer mit sich herum als andere.“

Featherstones Grinsen gefror für einen Sekundenbruchteil. Hermine trat einen Schritt näher, nicht bedrohlich, sondern selbstsicher.

„Ich jedenfalls ziehe es vor, meine Energie in meinen Unterricht zu stecken. Sie wissen schon – Kompetenz, Respekt, fachliche Leistung.“ Ein kurzes, spitzes Lächeln. „Dinge, die man nicht irgendwo verstecken kann.“

Einen Moment lang schien Featherstone nach Worten zu suchen. Seine Lippen öffneten sich, schlossen sich wieder. Kein Kommentar kam. Hermine wandte sich ab, noch bevor er sich gefangen hatte und setzte ihren Weg fort. Ihre Schritte hallten ruhig über den Steinboden.

Hinter ihr blieb Featherstone stehen, die Tasche nun noch fester an sich gepresst und zum ersten Mal seit Langem ohne ein letztes spöttisches Wort.

Hermine ging gestärkt in ihren Klassenraum und widmete sich den aufmerksam dasitzenden Schülern.

Währenddessen saß Minerva an ihrem Schreibtisch, die Haltung aufrecht, die Bewegungen routiniert. Ein Stapel Post lag vor ihr – Anfragen, Berichte, interne Schreiben. Nichts, was sie nicht schon hundertfach bearbeitet hätte.

Sie begann, die Briefe zu öffnen.

Der erste. Harmlos.

Der zweite. Ebenfalls.

Der dritte—

Minerva hielt inne.

Das Pergament war schwerer als die anderen, der Umschlag formeller. Ihr Blick blieb an dem vertrauten Siegel hängen. Das prägnante M des Ministeriums schien ihr förmlich entgegenzuspringen.

„Nicht schon wieder“, murmelte sie leise vor sich hin und hielt für einen Moment in ihrer Bewegung inne.

Dann schob sie alle anderen Briefe beiseite, legte sie ordentlich auf einen zweiten Stapel und nahm diesen einen Umschlag in beide Hände. Sie atmete langsam ein, dann aus. Ein Reflex, den sie sich über Jahre antrainiert hatte. Mit einer präzisen Bewegung brach sie das Siegel. Ihre Augen flogen über die Zeilen, erst schnell, dann langsamer.

'Sehr geehrte Professor McGonagall,

wir bestätigen hiermit den Erhalt Ihrer schriftlichen Stellungnahme.

Ihre Ausführungen wurden zur Kenntnis genommen und werden derzeit weiter geprüft.

Im Zuge der laufenden Untersuchung ist davon auszugehen, dass es zu einem weiteren Termin kommen wird.

Dieser wird voraussichtlich vor Ort in Hogwarts stattfinden.

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass im Rahmen dieses Termins auch weitere Lehrkräfte befragt werden könnten.

Weitere Informationen werden wir Ihnen zu gegebener Zeit zukommen lassen.

Hochachtungsvoll

Olive Lockwood

Leitende Referentin

Abteilung für Magische Ausbildung und Dienstaufsicht

Ministerium für Zauberei

Minervas Finger spannten sich leicht um das Pergament. Also doch. Kein Freispruch. Keine Entwarnung. Nur dieses nüchterne, sachliche Weitermachen und Hinhalten. Außerdem war nun nicht mehr nur sie im Fokus, sondern auch die Kollegen.

Ein leises, bitteres Ausatmen entwich ihr, obwohl sie es nicht beabsichtigt hatte.

Sie legte den Brief langsam auf den Schreibtisch, glättete ihn, als ließe sich damit der Inhalt ordnen. Ihr Blick blieb darauf ruhen, während ihre Gedanken sich überschlugen. Featherstone hatte also weiter Druck gemacht oder das Ministerium war ohnehin entschlossen, tiefer zu graben.

Minerva richtete sich ein wenig gerader auf. Wenn sie glaubten, Hogwarts ließe sich einschüchtern oder gegeneinander ausspielen, dann unterschätzten sie sie gewaltig, doch tief in ihr zog sich etwas zusammen. Denn diesmal stand nicht nur ihre Position auf dem Spiel. Diesmal zogen sie Kreise. Und Kreise berührten zwangsläufig auch die Menschen, die sie schützen wollte.

Minerva blieb noch einen Moment reglos sitzen, die Hände flach auf der Tischplatte, der Blick auf den Brief geheftet. Die Worte verschwammen nicht, sie brannten sich im Gegenteil mit unangenehmer Klarheit ein. Weitere Lehrkräfte könnten befragt werden. Eine höfliche Formulierung für etwas sehr viel Unangenehmeres. Sie faltete das Pergament sorgfältig, legte es zu den anderen Schreiben des Ministeriums und schob den Stapel in die unterste Schublade. Mit einem leisen Klick schloss sie sie. Weg war es damit nicht, aber außer Sicht.

Minerva stand auf und trat ans Fenster. Der Novembertag lag grau über dem Gelände, die kahlen Bäume bewegten sich leicht im Wind. Schüler überquerten den Hof, lachten, stritten, lebten. Hogwarts funktionierte. Immer. Unabhängig davon, welche Stürme sich über den Köpfen der Erwachsenen zusammenbrauten.

'Reiß dich zusammen', ermahnte sie sich selbst.

Ein Klopfen riss sie aus ihren Gedanken.

„Herein“, sagte sie ruhig.

Die Tür öffnete sich und Pomona steckte den Kopf herein.

„Minerva? Ich wollte nur kurz fragen, ob du später einen Moment Zeit hast. Es geht um Neville.“

Minerva zwang sich zu einem kleinen Lächeln.

„Natürlich. Nach dem Mittagessen?“

Pomona nickte, musterte sie einen Herzschlag zu lange.

„Alles in Ordnung?“

„Selbstverständlich“, antwortete Minerva glatt.

Pomona beließ es dabei, doch als sie die Tür wieder schloss, blieb ein ungutes Gefühl zurück. Minerva kannte diesen Blick. Ihre Freundin kannte sie zu gut.

Sie setzte sich wieder an den Schreibtisch, nahm eine Feder zur Hand, legte ein frisches Pergament bereit. Arbeit. Struktur. Kontrolle. Das war immer ihr Anker gewesen, doch kaum hatte sie den ersten Satz eines Berichts angesetzt, schlich sich ein anderes Gesicht in ihre Gedanken. Lockiges Haar, wachsame Augen, dieser unerschütterliche Sinn für Gerechtigkeit. Hermine.

'Sie dürfen sie nicht hineinziehen', dachte Minerva entschlossen. 'Nicht so.'

Fast als hätte sie diesen Gedanken heraufbeschworen, öffnete sich die Tür erneut. Dieses Mal ohne Ankündigung.

Hermine trat ein, schloss die Tür hinter sich und blieb kurz stehen. Ihr Blick fiel sofort auf Minervas Gesicht.

„Es ist etwas gekommen“, sagte Hermine leise.

Es war keine Frage.

„Ich habe eben Pomona getroffen…“

Minerva zögerte nur einen Sekundenbruchteil. Dann nickte sie.

„Ein weiterer Brief vom Ministerium.“

Hermine kam näher, stellte sich an den Schreibtisch.

„Und?“

„Sie haben meine Stellungnahme zur Kenntnis genommen“, antwortete Minerva trocken. „Und sie planen, nach Hogwarts zu kommen. Möglicherweise, um Kollegen zu befragen.“

Hermine atmete langsam aus. Ihre Schultern spannten sich.

„Das war zu erwarten“, sagte sie schließlich. „Aber es macht die Sache nicht einfacher.“

Minerva sah sie an, wirklich an, und für einen Moment fiel jede Maske.

„Ich wollte dich da nicht hineinziehen.“

Hermine schnaubte leise.

„Minerva, ich stecke längst mittendrin. Ob wir es wollen oder nicht.“

Ein flüchtiges, fast gefährlich zärtliches Lächeln huschte über Minervas Gesicht.

„Das stimmt wohl.“

Hermine beugte sich etwas vor.

„Irina hat mir vorhin noch etwas gesagt“, fügte sie hinzu. „Featherstone ist nervös. Sehr. Er weiß, dass etwas in Bewegung ist.“

Minervas Augen verengten sich.

„Gut.“

Sie richtete sich auf. Die Unsicherheit wich, zumindest nach außen, der altbekannten Autorität.

„Dann warten wir nicht ab“, sagte sie ruhig. „Dann bereiten wir uns vor.“

Hermine nickte langsam und in ihrem Blick lag derselbe entschlossene Funken.

Hermine verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich leicht gegen den Schreibtisch.

„Was genau heißt vorbereiten für dich?“, fragte sie ruhig, aber aufmerksam.

Minerva stand auf, trat neben sie und senkte kurz ihren Blick, als müsse sie ihre Gedanken ordnen. Dann sah sie wieder auf.

„Es heißt, dass wir nichts dem Zufall überlassen. Dass wir transparent sind, aber nicht naiv und dass Featherstone keinen weiteren Schritt Vorsprung bekommt.“

Hermine zog eine Augenbraue hoch.

„Du meinst, wir sammeln selbst.“

Minerva nickte.

„Aussagen. Beobachtungen. Alles, was sein Verhalten betrifft. Seine Kommentare. Seine Grenzüberschreitungen. Nicht nur dir gegenüber. Vor allem gegenüber Schülern.“

Hermines Kiefer spannte sich an.

„Dann sind die Mädchen wichtig.“

„Sehr“, bestätigte Minerva. „Und ich werde mit ihnen sprechen. Behutsam und offiziell.“

Hermine zögerte einen Moment.

„Er wird toben.“

„Das darf er“, sagte Minerva kühl. „Solange er nichts mehr in der Hand hat.“

Ein kurzer, bedeutungsvoller Blickwechsel folgte. Beide dachten an die Fotos.

„Irina versucht heute Abend noch einmal, etwas herauszufinden“, sagte Hermine leise.

„Sie will kein Risiko eingehen, aber… sie glaubt, dass er nervös genug ist, um Fehler zu machen.“

Minerva atmete tief ein.

„Dann hoffen wir, dass es reicht.“

Für einen Moment herrschte Stille. Keine unangenehme, eher eine dieser stillen Pausen, in denen sich Nähe und Sorge mischten. Hermine griff schließlich nach Minervas Hand.

„Egal, was kommt“, sagte sie ruhig, „du bist nicht allein.“

Minerva drückte ihre Finger fester, ein seltener, sehr menschlicher Moment.

„Das weiß ich und genau das macht ihn so gefährlich.“

„Und uns so stark.“

Minerva nickte langsam.

„Dann ist heute der Tag, an dem wir herausfinden, wie weit er wirklich zu gehen bereit ist“, meinte Hermine nachdenklich.

Und irgendwo tief in Hogwarts begann sich das Blatt zu wenden.

„Woran denkst du?“

Hermine seufzte.

„Wir müssen an diese Aktentasche kommen. Erst wenn wir die Fotos zurück haben, können wir gegen ihn ausholen.“

Minerva ließ sich langsam wieder auf ihren Stuhl sinken, die Fingerspitzen aneinandergelegt.

„An die Aktentasche“, wiederholte sie nachdenklich. „Das ist leichter gesagt als getan. Edmund lässt sie kaum aus den Augen.“

Hermine nickte.

„Genau deshalb. Wenn er sie ständig bei sich trägt, dann nicht aus Bequemlichkeit.“

Sie trat näher an den Schreibtisch, beugte sich leicht vor.

„Er fühlt sich nur sicher, solange er sie kontrolliert.“

Minerva sah sie prüfend an.

„Und du hast eine Idee.“

Es war keine Frage. Hermine verzog leicht den Mund.

„Eine Vermutung. Er ist eitel und überzeugt davon, dass er die Oberhand hat. Wenn er glaubt, jemanden einschüchtern zu können, wird er unvorsichtig.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Du willst ihn provozieren.“

„Nicht offen“, erwiderte Hermine ruhig. „Aber genug, dass er reagieren muss. Vielleicht sucht er das Gespräch. Vielleicht will er mir zeigen, dass er am längeren Hebel sitzt.“

Sie sah Minerva fest an.

„Und genau dann brauchen wir jemanden, der ein Auge auf die Tasche hat.“

Minerva schwieg einen Moment. Man sah ihr an, wie sie jedes Risiko abwog.

„Du denkst an Irina“, sagte sie schließlich. „Und eventuell Pomona. Unauffällig. Niemand handelt allein.“

Hermine lächelte schief.

„Ich wusste, dass du nicht nein sagen würdest.“

„Ich sage nicht ja“, entgegnete Minerva streng. „Ich sage: kontrolliert. Und nur, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Keine Alleingänge, Hermine.“

Hermine hob beschwichtigend die Hände.

„Versprochen.“

Dann wurde sie wieder ernst.

„Aber wenn wir die Fotos haben, Minerva… dann ist es vorbei. Dann kann er drohen, wie er will.“

Minerva stand auf und trat vor Hermine. Sie legte ihr eine Hand an die Wange, eine Geste, die nur in diesem Raum möglich war.

„Dann“, sagte sie leise, „dreht sich das Machtverhältnis. Endgültig.“

Hermine lehnte sich unwillkürlich in die Berührung.

„Und bis dahin“, murmelte sie, „spielen wir nach seinen Regeln, nur besser.“

Hermine sah Minerva ernst an.

„Wenn er davon wüsste, dann würde er heute Nacht nicht ruhig schlafen.“

Und während draußen der Nachmittag über Hogwarts hereinbrach, wussten beide: Der nächste Zug würde entscheidend sein.

Hermine beugte sich vor, gab Minerva einen schnellen, entschlossenen Kuss und wollte sich schon abwenden.

„Gut“, sagte sie leise, „dann spreche ich mit Irina, Pomona und Poppy. Wir—“

„Moment.“

Minervas Hand schloss sich um Hermines Handgelenk, nicht hart, aber bestimmt genug, um sie aufzuhalten. Ihr Blick war ruhig, doch darin lag dieser unverkennbare Funke Autorität.

„So läuft das nicht.“

Hermine hob amüsiert eine Augenbraue.

„Ach nein?“

„Nein“, erwiderte Minerva trocken. „Wenn hier ein Plan geschmiedet wird, dann nicht hinter meinem Rücken. Ich bin nicht nur… beteiligt.“ Ein kurzes Zögern. „Ich bin verantwortlich.“

Hermine musterte sie einen Augenblick lang, dann breitete sich ein zufriedenes Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

„Ich hatte gehofft, dass du das sagen würdest.“

Minerva schnaubte leise, wandte sich ihrem Schreibtisch zu und zog drei kleine Pergamentstreifen hervor. Mit wenigen, knappen Worten schrieb sie Notizen, jede präzise, sachlich – ganz Minerva.

'Nach dem Abendessen. Mein Büro. Vertraulich.'

Sie versiegelte jede Nachricht rasch und rief leise nach einer Hauselfe, die die Zettel entgegennahm und mit einem leisen Plopp verschwand.

Minerva legte die Feder beiseite und atmete einmal tief durch.

„So. Jetzt sind wir nicht mehr allein.“

Hermine trat wieder näher, legte die Hände an Minervas Taille.

„Das gefällt mir“, murmelte sie. „Gemeinsame Sache. Verbündete. Struktur.“

„Und Vorsicht“, ergänzte Minerva ernst. „Featherstone ist gefährlich, weil er glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben.“

Hermine nickte. Für einen Moment wich das spielerische Funkeln aus ihrem Blick.

„Ich weiß. Deshalb dürfen wir uns keinen Fehler erlauben.“

Minerva sah sie an, länger als nötig, als wolle sie sich diesen Moment einprägen – das stille Einvernehmen, das Wissen, nicht allein zu sein. Dann lockerte sich ihre Haltung minimal.

„Wir planen“, sagte sie ruhig. „Wir sichern uns ab und wir handeln erst, wenn wir sicher sind.“

„Einverstanden“, antwortete Hermine leise.

Sie beugte sich vor und küsste Minerva erneut, diesmal langsamer, fester, voller unausgesprochener Versprechen. Minerva erwiderte den Kuss, ließ für einen Herzschlag alle Sorgen los.

Als sie sich schließlich voneinander lösten, lag zwischen ihnen keine Leichtigkeit mehr, aber etwas anderes, ebenso Starkes.

Zusammenhalt.

Beide wussten: Der Abend würde keine einfachen Antworten bringen, aber vielleicht den Anfang vom Ende für Featherstone.