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(Un)Ruhe

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(Un)Ruhe

Später am Abend war es ruhig in Minervas Wohnung. Das Feuer im Kamin knisterte leise, warf warmes, goldenes Licht über das Wohnzimmer und ließ die Schatten sanft an den Wänden tanzen. Draußen hatte sich der Wind gelegt. Nur gelegentlich strich ein kaum hörbares Rascheln durch die Bäume. Hermine saß dicht neben Minerva auf dem Sofa, ein Glas Wein locker in der Hand. Ihre Knie berührten sich, als wäre es das Natürlichste der Welt. Minerva drehte das Glas langsam zwischen den Fingern.

„Ich kann noch immer kaum glauben, dass wir sie zurückhaben.“

Auf dem kleinen Tisch lagen die Fotos, ordentlich nebeneinander. Keine von beiden musste hinschauen; allein ihr Wissen genügte.

Hermine stellte ihr Glas ab und wandte sich ihr zu. Eine Strähne von Minervas Haar hatte sich gelöst — fast gedankenverloren strich Hermine sie zurück, ließ die Finger einen Moment länger in den silbernen Locken verweilen.

„Ich habe heute mehrfach gedacht, gleich passiert etwas“, sagte sie leise. „Als würde Featherstone im letzten Moment noch einen Trumpf ausspielen.“

Minerva schnaubte leise.

„Das hätte er vermutlich auch getan, wenn Irina nicht so… entschlossen gewesen wäre.“

Ein warmes Lächeln huschte über Hermines Gesicht.

„Sie war beeindruckend.“

Minerva nickte, dann wurde ihr Blick weicher.

„Aber weißt du, was mich am meisten erleichtert? Nicht nur, dass er diese Fotos nicht mehr hat.“

Hermine legte ihre Hand über Minervas. Ihr Daumen begann, ruhige Kreise über deren Haut zu zeichnen.

„Sondern?“ fragte sie.

Minerva zögerte kurz, als suche sie nach den richtigen Worten.

„Dass ich mich nicht mehr fühle, als müsste ich mich verstecken.“

Hermine antwortete nicht sofort. Stattdessen beugte sie sich vor und küsste Minerva sanft, kein hastiger Kuss, sondern einer, der blieb, warm und vertraut. Als sie sich wieder lösten, ruhte ihre Stirn einen Moment an Minervas.

„Das musstest du nie“, flüsterte sie.

Minerva hob eine Hand und strich über Hermines Wange, langsam, beinahe ehrfürchtig.

„Vielleicht nicht. Aber Angst ist selten vernünftig.“

Hermine schmiegte ihre Hand fester in Minervas.

„Jetzt ist sie vorbei.“

Eine angenehme Stille breitete sich zwischen ihnen aus — keine leere, sondern eine, die von Nähe erfüllt war. Nach einer Weile griff Minerva nach den Fotos und betrachtete sie kurz. Ihr Ausdruck wurde überraschend jung.

„Weißt du noch, wie kühl es an diesem Tag war?“ fragte sie.

Hermine lachte leise.

„Du hast behauptet, es sei ‘nur eine frische Brise’. Naja, meine Schottin ist dieses Wetter ja auch gewöhnt.“

„Und trotzdem wolltest du noch einen Spaziergang machen.“

„Weil du dabei endlich aufgehört hast, über Schulangelegenheiten zu sprechen“, erwiderte Hermine trocken.

„Mir ist weniger unser Spaziergang im Gedächtnis geblieben mein Liebling. Ich erinnere mich viel lieber an das romantische Dinner.“

„Das Dinner? Natürlich. Rede dir das nur ein.“

„Na schön. Willst du wissen, woran ich mich noch sehr gut erinnere?“

Hermine nahm einen Schluck Wein.

„Wir hatten kurz nach unserer Ankunft den besten Sex seit langem“, sagte sie und legt ihre Hand auf Minervas Oberschenkel.

„Das klingt mehr nach deinen ungezogenen Gedanken.“

Hermine lachte und drückte Minerva einen sanften Kuss auf die Wange. Minerva schüttelte amüsiert den Kopf, dann stellte sie die Fotos wieder zurück.

„Es stimmt zwar, aber dieses Wochenende war viel mehr als Sex. Es war die schönste Zeit. Nur wir, ohne Versteckspiel und ich bin trotz der Schwierigkeiten froh, dass wir diese Fotos als Erinnerung haben.“

„Diese Bilder zeigen etwas sehr Kostbares“, sagte sie schließlich.

Hermine rückte näher, lehnte den Kopf an ihre Schulter. Minervas Finger glitten durch Hermines Haar, langsam und beruhigend, bis Hermine leise ausatmete.

„Freiheit?“ schlug Hermine vor.

Minerva dachte kurz nach.

„Nein… Wahrheit.“

Hermine hob den Blick. In ihren Augen lag ein ruhiges, tiefes Glück.

„Dann sollten wir dafür sorgen, dass es nie wieder jemand gegen uns verwenden kann.“

Minerva lächelte — nicht das strenge, kontrollierte Lächeln von Professor McGonagall, sondern eines, das nur Hermine zu sehen bekam. Sie stellte ihr Glas ab, zog Hermine etwas näher zu sich und küsste sie noch einmal, sanft und voller Wärme. Draußen wurde die Nacht dichter, doch im Wohnzimmer war es hell und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich alles leicht an.

Minervas Kuss verlor unmerklich an Wärme. Nicht viel, aber genug, dass Hermine es bemerkte. Sie zog sich ein Stück zurück und musterte Minervas Gesicht. Das entspannte Lächeln war noch da, aber dahinter lag etwas anderes, ein fernes, schweres Nachdenken.

„Hey“, sagte Hermine leise und legte zwei Finger unter Minervas Kinn, zwang sie sanft, sie anzusehen. „Was ist los?“

Minerva atmete langsam aus. Ihre Hand blieb in Hermines Haar liegen, doch der Griff war weniger sicher als zuvor.

„Es ist…“ Sie zögerte. „Es ist noch nicht vorbei.“

Hermine ließ die Hand sinken, blieb aber dicht bei ihr.

„Du meinst das Ministerium.“

Minerva nickte.

„Wir haben zwar die Fotos zurück, aber es ist noch nicht vorbei. Morgen stehen sie hier. Sie werden alles auseinandernehmen. Jedes Wort, jede Entscheidung, jede Kleinigkeit.“ Sie sah kurz zu den Fotos auf dem Tisch. „Und auch wenn Featherstone jetzt nichts mehr in der Hand hat, heißt es nicht, dass sie uns einfach glauben.“

Hermine rutschte näher.

„Aber wir haben nichts falsch gemacht.“

„Das weiß ich“, erwiderte Minerva ruhig. „Und du weißt es. Aber das Ministerium interessiert sich selten für das, was richtig ist.“ Ein bitterer Anflug huschte über ihr Gesicht. „Sie interessieren sich für Formulare, Vorschriften und Machtspiele.“

Hermine schwieg einen Moment, dann streckte sie die Hand aus und nahm Minervas.

„Du hast dich vorbereitet. Du hast Stellung genommen. Und du hast Kolleginnen, die hinter dir stehen.“

Minerva sah sie an.

„Ich weiß. Trotzdem…“ Sie seufzte leise. „Ich habe diese Schule so lange geschützt. Morgen wird sie zum Schauplatz einer Untersuchung.“

Hermine stand auf, stellte ihr Glas beiseite und kniete sich vor Minerva, ganz nah. Ihre Hände legten sich warm an Minervas Wangen.

„Hör mir zu“, sagte sie ruhig, aber bestimmt. „Was morgen passiert, entscheidet nicht darüber, wer du bist oder was wir sind.“

Minervas Blick wurde weicher.

„Du bist erstaunlich ruhig dafür.“

Hermine lächelte schief.

„Ich habe heute zugesehen, wie ruhig du einem Mann den Boden unter den Füßen weggezogen hast, ohne die Stimme zu heben.“

Sie beugte sich vor und berührte Minervas Stirn mit ihrer.

„Das Ministerium macht mir weniger Angst als dir.“

Minerva ließ ein leises, echtes Lachen hören.

„Das ist… beruhigend.“

Hermine zog sie wieder in eine Umarmung, langsam, ohne Eile.

„Wir gehen da gemeinsam durch“, murmelte sie. „So wie alles andere.“

Minerva schloss kurz die Augen, ließ den Kopf an Hermines Schulter sinken.

„Ja“, sagte sie leise. „Gemeinsam.“

Die Nacht rückte weiter vor und auch wenn der morgige Tag schwer werden würde — sie waren ihm nicht mehr allein ausgeliefert. Hermine stand so plötzlich auf, dass das Sofa leise knarrte. Im selben Moment zog sie Minerva mit sich hoch. Die Bewegung kam überraschend. Minerva verlor kurz das Gleichgewicht und stolperte direkt in Hermines Arme. Hermine grinste.

„Was wird das jetzt?“, fragte Minerva, ein amüsiertes Funkeln in den Augen, während sie sich automatisch an Hermines Schultern festhielt.

Als Antwort beugte Hermine sich vor und küsste sie. Erst sanft, dann mit wachsender Wärme. Noch ehe Minerva etwas erwidern konnte, glitten Hermines Lippen weiter zu ihrem Hals, hinterließen dort eine Spur zarter Küsse, während ihre Hand ruhig über Minervas Rücken strich.

„Ich habe beschlossen“, murmelte Hermine dicht an ihrer Haut, „dass es meine oberste Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass du dich heute Nacht entspannst.“

Minerva zog scharf die Luft ein. Eine wohlige Wärme breitete sich sofort in ihr aus, jagte die kühlen Gedanken an das Ministerium für einen Moment fort.

„Ist das so, Miss Granger?“, fragte sie leiser als beabsichtigt.

Hermine antwortete nicht gleich, stattdessen legte sie noch einen Kuss an die Stelle unterhalb von Minervas Ohr, wo sie genau wusste, dass Minerva empfindlich war. Minerva schloss kurz die Augen.

Oh, sie wusste sehr genau, worauf Hermine hinauswollte, doch statt sich einfach in den Strudel ziehen zu lassen, hob sie eine Hand und fuhr sanft durch Hermines Haar.

„Du bist ziemlich entschlossen.“

„Absolut“, sagte Hermine ohne zu zögern und sah sie wieder an. Ihr Blick war warm, verspielt, aber auch voller Zuneigung.

„Du trägst seit Tagen diese Anspannung mit dir herum. Heute nicht mehr.“

Minervas Gesicht wurde weich. Für einen Moment betrachtete sie Hermine einfach nur, als könnte sie kaum fassen, dass dieser Mensch wirklich hier bei ihr war.

„Was habe ich getan, um dich zu verdienen?“, fragte sie leise.

Hermine lächelte.

„Tja, du hast mich eben endlich nicht mehr weggeschickt.“

Ein stiller Moment entstand zwischen ihnen, dicht und ruhig. Dann lehnte Minerva ihre Stirn gegen Hermines.

„Nie wieder“, sagte sie.

Hermine nickte kaum merklich.

Sie führten einander ein paar Schritte vom Sofa fort, langsamer diesmal. Draußen rauschte der Wind gegen die Fensterscheiben, drinnen aber wurde es still und zum ersten Mal an diesem Abend löste sich die Spannung in Minervas Schultern ein wenig. Morgen würde kommen, mit all seinen Fragen, aber jetzt war nur Hermine da.

Hermine zog Minerva ohne ein weiteres Wort mit sich. Kaum hatten sie das Schlafzimmer erreicht, schloss sie die Tür mit einem leisen Klick und im nächsten Moment wurde Minerva sanft, aber bestimmt dagegen gedrückt. Dann küsste Hermine sie. Stürmisch. Drängend. Fast so, als wolle sie mit jedem einzelnen Kuss all die Sorgen, Ängste und Zweifel aus Minerva vertreiben. Minerva war für einen Moment völlig überrumpelt. Ein leiser Laut der Überraschung entwich ihr, doch er ging rasch in dem Kuss unter. Dann fand sie zurück, legte ihre Hände an Hermines Schultern, zog sie näher zu sich und erwiderte die Küsse mit wachsender Intensität. Hermines Finger glitten an Minervas Wange entlang, verharrten dort einen Moment, als wollten sie sich vergewissern, dass sie wirklich hier war. Dann wanderten sie weiter zu ihrem Hals, über ihren Rücken, hielten schließlich an ihrer Taille inne und zogen sie noch ein wenig dichter heran. Minerva tat es ihr gleich. Ihre Hand strich über Hermines Rücken, spürte die Wärme durch den Stoff hindurch, folgte der vertrauten Linie ihrer Wirbelsäule. Als Hermine sich erneut ihrem Hals zuwandte, langsam diesmal, sog Minerva scharf die Luft ein. Eine Gänsehaut breitete sich über ihre Haut aus.

„Zu viel?“, murmelte Hermine sofort, ihre Stimme nun weicher, achtsam.

Minerva schüttelte leicht den Kopf, noch immer dicht an sie gelehnt.

„Ganz und gar nicht.“

Für einen Moment blieben sie so stehen, Stirn an Stirn, ihre Atemzüge vermischten sich. Der Sturm, mit dem alles begonnen hatte, verwandelte sich in etwas Tieferes, Getrageneres. Keine Flucht mehr vor den Gedanken, sondern ein bewusstes Innehalten. Minerva ließ ihre Finger in Hermines Haar gleiten.

„Du hast eine bemerkenswerte Art, jemanden auf andere Gedanken zu bringen.“

Hermine lächelte gegen ihre Lippen.

„Es funktioniert also?“

„Gefährlich gut.“

Ein leises Lachen teilten sie sich, bevor Hermine sie noch einmal küsste, diesmal langsamer, mit einer Zärtlichkeit, die mehr versprach als jedes hastige Verlangen. Behutsam lösten sie sich schließlich voneinander, ohne wirklich Abstand zu gewinnen. Hermine strich mit ihrem Daumen über Minervas Wange.

„Heute Nacht“, sagte sie leise, „lassen wir alles andere draußen vor der Tür.“

Minerva betrachtete sie einen Moment lang und nickte dann.

„Heute Nacht“, wiederholte sie.

Und während die Welt jenseits des Zimmers langsam in die Stille glitt, erlaubte Minerva sich etwas, das sie viel zu selten tat:

Loszulassen.

Hermine ließ sich Zeit. Behutsam glitten ihre Finger zu den Verschlüssen von Minervas Robe. Stoff raschelte leise, als sie sie von ihren Schultern streifte und achtlos auf den Boden gleiten ließ, ohne den Blick von Minerva zu nehmen. Zwischen jedem Handgriff suchten ihre Lippen wieder die ihren — sanft, warm, vertraut.

Minerva spürte, wie mit jeder Schicht Stoff auch ein Stück Anspannung von ihr abfiel. Als Hermine begann, ihr Kleid zu öffnen, hielt Minerva kurz inne, nur um Hermines Gesicht zu betrachten. Da war nichts als Zuneigung in ihrem Blick. Dieses ruhige, sichere Wollen.

Minervas Sinne fühlten sich tatsächlich benebelt an, erfüllt von Wärme und einem angenehmen Schwindel, der sie alles andere vergessen ließ. Fast automatisch wanderten ihre Hände zu Hermines Bluse. Ihre Finger waren zunächst etwas ungeschickt, ein leises Lachen huschte über Hermines Lippen.

„Nervös, Professor?“, flüsterte sie.

Minerva hob eine Augenbraue.

„Kaum. Vielleicht genieße ich nur die Gelegenheit, mir Zeit zu lassen.“

Knopf für Knopf öffnete sie die Bluse, ihre Fingerspitzen strichen dabei immer wieder über Hermines Haut — nicht fordernd, sondern staunend, als wäre selbst diese Nähe noch etwas Kostbares, das Aufmerksamkeit verdiente. Hermine lehnte ihre Stirn gegen Minervas.

„Weißt du“, murmelte sie, „es gefällt mir sehr, dich so zu sehen, aber das dauert eindeutig zu lange.

Minerva lachte.

„Ist das so, Miss Granger?“, fragte sie und ließ ihre Finger an Hermines BH entlang gleiten.

Für einen Moment standen sie einfach nur da, nahe genug, um den Herzschlag der anderen zu spüren.

„Absolut Professor.“

Dann zog Hermine sie mit sich zum Bett. Nicht stürmisch diesmal, sondern mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit, als gäbe es keinen anderen Ort auf der Welt, an dem sie jetzt sein sollten. Sie sanken in die Kissen, ineinander verschränkt. Hände fanden Hände, Finger verhakten sich, während ihre Küsse ruhiger wurden, tiefer, getragen von Vertrauen statt von Dringlichkeit. Minerva schloss kurz die Augen, als Hermine ihr das letzte Stück Stoff vom Körper zog.

Das Ministerium, Featherstone, all die Fragen des Morgens rückten in eine ferne, unwichtige Welt. Hier gab es nur Hermine und das leise Versprechen dieser Nacht.

Minerva spürte die weichen Laken unter ihren Händen, als Hermine sich neben sie sinken ließ und sie zugleich näher zog. Für einen Moment verharrten sie einfach so — Stirn an Stirn, Atem vermischte sich, ihre Nasenspitzen berührten sich flüchtig. Hermines Finger zeichneten ruhige, beinahe gedankenverlorene Linien über Minervas Arm, wanderten weiter zu ihrer Schulter und wieder zurück, als wollten sie sich jede vertraute Kontur neu einprägen. Jede dieser kleinen Berührungen ließ eine wohlige Wärme durch Minervas Körper ziehen.

„Noch bei mir?“, flüsterte Hermine.

Minerva antwortete nicht sofort. Stattdessen hob sie die Hand und strich eine widerspenstige Haarsträhne aus Hermines Gesicht. Ihr Blick wurde weich.

„Mehr als je zuvor.“

Der folgende Kuss war langsamer als die vorherigen, nicht weniger leidenschaftlich, aber getragen von einer ruhigen Tiefe. Kein Drängen lag darin, sondern ein gegenseitiges Finden. Als Hermine sie näher an sich zog, passten sie sich mühelos aneinander an, als hätten sie Abstand nie gekannt.

Minerva ließ den Kopf in die Kissen sinken, während Hermine sich dicht an sie schmiegte. Ihre Beine verflochten sich beiläufig, vertraut und Minerva entfuhr ein leiser Atemzug, halb Lachen, halb Seufzen, als Hermines Hand langsam über Minervas Körper glitt und gefährlich nahe an ihrer intimsten Stelle anhielt.

„Du wolltest doch, dass ich mich entspanne“, murmelte sie.

Hermine lächelte gegen ihren Hals, den sie gerade küsste.

„Ich bin sehr zielstrebig, wenn es darauf ankommt.“

Minerva konnte nicht anders, als leise zu lachen — ein selten unbeschwertes Geräusch. Sie zog Hermine noch ein Stück näher, bis kein Raum mehr zwischen ihnen blieb. Die Zeit schien sich zu dehnen. Berührungen wurden langsamer, bedeutungsvoller. Worte wurden überflüssig; ein Blick, ein kaum merkliches Lächeln genügte. Alles, was sie in den vergangenen Wochen getragen hatten — Sorgen, Zweifel, unausgesprochene Ängste — löste sich in dieser Nähe auf.

Der Atem beider Frauen wurde schneller. Hermine ließ ihre Finger in einem stetigen Rhythmus in sie gleiten, Minerva tat es gleichzeitig bei Hermine, bis beide den Druck nicht mehr aushielten. Lustvolle Laute erfüllten den Raum und dann rollte die Welle der Erlösung über beide hinweg.

Schließlich vergrub Hermine ihr Gesicht an Minervas Hals und Minerva hielt sie fest, ihre Hand ruhig in Hermines Haar. So fanden sie einander wieder und wieder, nicht laut, nicht stürmisch, sondern mit einer Innigkeit, die tiefer ging als jedes Wort und irgendwann, lange später, als die Welt draußen vollkommen still geworden war, lagen sie eng umschlungen da. Minerva strich mit schläfriger Zärtlichkeit über Hermines Rücken.

„Ich nehme an, dass du hierbleibst?“, fragte sie leise.

Hermine hob den Kopf nur ein wenig, ihre Augen warm im dämmrigen Licht.

„Wenn du mich lässt.“

Minerva antwortete nicht mehr mit Worten. Sie zog sie nur näher zu sich und küsste sie auf die Schläfe.

Der kommende Morgen mochte schwierig werden, doch in dieser Nacht gab es nichts außer Ruhe, Wärme und dem sicheren Gefühl, nicht mehr allein zu sein.

Einige Türen weiter, getrennt durch kalte Steinwände und dunkle Flure, war von dieser Wärme nichts zu spüren. Featherstones Wohnung wirkte unruhig.

Er trat ein, legte Mantel und Handschuhe mit ungewöhnlicher Sorgfalt ab und rieb sich zufrieden die Hände. Nach der kurzen Untersuchung hatte er einen Spaziergang an der frischen Luft mit seinem Kontrollgang durch die Korridore verbunden. Nun schien er wieder ganz der alte zu sein. Ein schmales, selbstgefälliges Lächeln lag auf seinen Lippen.

„Morgen“, murmelte er leise vor sich hin, während er durch das Zimmer schritt, „morgen wird ein sehr aufschlussreicher Tag.“

Er stellte sich bereits vor, wie die Ministeriumsbeamten reagieren würden. Die überraschten Gesichter. Die betretene Stille. Vielleicht sogar ein strenger Verweis. Und mittendrin: Minerva und Hermine, ihrer Würde beraubt, gezwungen, sich zu erklären.

Allein der Gedanke daran erfüllte ihn mit prickelnder Genugtuung. Featherstone ging zu seinem Schreibtisch, zog die Aktentasche näher heran und ließ sich in den Stuhl sinken. Fast feierlich öffnete er die Schnallen. Das Leder knarrte leise.

„Man sollte vorbereitet sein“, sagte er zu sich selbst und griff hinein.

Er öffnete das Geheimfach. Dann hielt er inne. Es war leer. Seine Finger tasteten über Pergamentrollen, ein Tintenfass, einige ordentlich gebündelte Dokumente.

Er runzelte die Stirn und begann erneut zu suchen. Diesmal gründlicher. Er nahm alles heraus, legte es nebeneinander auf den Tisch. Seine Bewegungen wurden schneller. Ein Blatt nach dem anderen. Noch einmal. Und noch einmal. Das Lächeln verschwand. Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in seiner Magengegend aus.

„Nein…“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

Er griff tiefer in die Tasche, als könnten die Fotos sich einfach nur versteckt haben. Dann schüttelte er sie sogar leicht, als würde das helfen.

Nichts.

Die Erkenntnis traf ihn plötzlich und mit voller Wucht. Die Fotos waren weg und mit ihnen die Beweise. Featherstone erstarrte. Für einen Moment schien selbst die Luft im Raum stillzustehen. Dann schnellte er auf und warf seine Tasche mit voller Wucht und einem Schrei gegen die Wand.

„Unmöglich!“ Seine Stimme überschlug sich beinahe. „Ich hatte sie doch… ich habe sie selbst…“

Sein Atem ging flacher. Erinnerungen blitzten auf: der Krankenflügel, Poppys strenger Blick, sein Zögern, die Tasche abzustellen… Sein Gesicht verfärbte sich.

Er wusste genau, dass er die Tasche keinen Moment aus den Augen gelassen hatte. Nur zu dieser Untersuchung.

„Dieses Miststück… und diese Heilerin“, presste er hervor. „Sie stecken unter einer Decke.“

Er begann im Zimmer auf und ab zu gehen, die Hände fahrig durch sein Haar fahrend. Ohne Fotos stand er morgen mit leeren Händen da.

Keine Bloßstellung.

Kein Triumph.

Keine Genugtuung.

Nur eine Behauptung ohne Beleg und das Ministerium liebte nichts weniger als unbegründete Anschuldigungen. Featherstone blieb abrupt stehen. Langsam verengten sich seine Augen.

„Dann muss es anders gehen“, murmelte er schließlich und in seiner Stimme lag nun weniger Panik als etwas Kühleres. Berechnenderes.

„Ich werde dieses junge, vorlaute Gör schon los und mit ihr auch die ach so noble Minerva. Dann ist endlich der Weg frei.“

Wenn die Beweise verschwunden waren, musste er neue schaffen oder einen Weg finden, sie zum Vorschein zu bringen.

Das Spiel, so wurde ihm klar, war noch nicht vorbei.

Der Morgen schlich sich leise durch die hohen Fenster von Minervas Schlafzimmer. Blasses, kühles Licht legte sich über den Boden, wanderte langsam über verstreute Kleidungsstücke und blieb schließlich auf dem Bett liegen. Minerva war die Erste, die die Augen öffnete. Einen Moment lang wusste sie nicht, warum sich alles so ungewohnt ruhig anfühlte. Dann spürte sie die gleichmäßige Wärme neben sich und drehte leicht den Kopf. Hermine schlief noch, halb an sie geschmiegt, eine Hand locker auf Minervas Schulter gelegt. Eine widerspenstige Locke war ihr ins Gesicht gefallen. Unwillkürlich lächelte Minerva. Behutsam strich sie die Strähne zur Seite. Hermines Lider flatterten.

„Mmmh…“, murmelte sie verschlafen und blinzelte. „Wie spät ist es?“

„Zu früh“, antwortete Minerva leise.

Hermine zog die Decke ein Stück höher und rückte näher. Für einige Atemzüge sagte keine von beiden etwas. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen die Welt noch fern schien.

„Du siehst müde aus“, stellte Hermine schließlich fest, ihre Stimme noch rau vom Schlaf.

Minerva hob eine Augenbraue.

„Das könnte mehrere Gründe haben.“

Ein schwaches Grinsen huschte über Hermines Gesicht.

„Keine Beschwerden von meiner Seite“, erwiderte sie trocken und fuhr mit den Fingern sanft über Minervas Handrücken.

Minerva drehte ihre Hand, verschränkte ihre Finger mit Hermines. Die vertraute Berührung ließ etwas Warmes in ihr aufsteigen. Ein ruhiger, stiller Gegenpol zu allem, was bevorstand. Für einen kurzen Moment glaubte sie fast, den Tag vergessen zu können. Dann fiel ihr Blick zur Uhr. Und die Realität kehrte mit einem Schlag zurück. Ihr Lächeln verblasste. Hermine bemerkte es sofort. Sie streichelt sanft über Minervas Wange.

„Sie kommen heute“, sagte Minerva leise.

Hermine nickte kaum merklich. Die Luft im Raum schien sich zu verändern — nicht kälter, aber schwerer.

„In ein paar Stunden stehen sie wahrscheinlich schon vor dem Tor“, fuhr Minerva fort und setzte sich langsam auf.

Sie strich sich durchs Haar und atmete tief ein, als wollte sie sich sammeln.

„Vielleicht… vielleicht wird es gar nicht so schlimm. Vielleicht gehört sowas zur Routine und sie haben keine wirklichen Absichten“, versuchte Hermine zu erklären.

„Delegationen erscheinen selten ohne Absicht“, sagte Minerva. „Und noch seltener ohne vorgefertigte Meinungen.“

Einen Moment lang schwiegen beide. Das Glück des Erwachens war noch da, aber es hatte Risse bekommen. Hermine sah zu ihr hinüber.

„Hast du Angst?“

Minerva dachte darüber nach, bevor sie antwortete.

„Nicht um mich“, sagte sie schließlich. „Aber Ministeriumsangelegenheiten haben die unangenehme Eigenschaft, größer zu werden, als sie sollten.“

Hermine zog die Knie leicht an und lehnte sich gegen das Kopfteil.

„Sie werden Fragen stellen“, sagte sie ruhig. „Und wir werden Antworten geben.“

Minerva betrachtete sie. Diese Entschlossenheit — sie war einer der Gründe, warum Minerva sich immer wieder fragte, wie sie je geglaubt hatte, allein stärker zu sein.

„Was auch immer passiert“, fügte Hermine hinzu, „du wirst dort nicht allein stehen.“

Minervas Blick wurde weicher.

„Das habe ich auch nie erwartet.“

Schweigen folgte. Draußen rief ein früher Vogel, irgendwo schlug eine Tür im Schloss. Der Tag hatte begonnen. Hermine beugte sich vor und küsste Minerva sanft. Kein Sturm diesmal, kein drängendes Verlangen, sondern ein ruhiges Versprechen. Als sie sich lösten, lehnte Hermine ihre Stirn kurz gegen Minervas.

„Wir schaffen auch das.“

Minerva schloss für einen Moment die Augen. Dann atmete sie tief durch.

„Ja“, sagte sie leise. „Das werden wir.“