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Hinter verschlossenen Türen

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Hinter verschlossenen Türen

Hallo meine Lieben,

today is the day ;) Die Befragungen beginnen :D

Ich bin schon so gespannt, was ihr zum neuen Kapitel sagt :D

Viel Spaß

Liebe Grüße M.

Kingsley räusperte sich leise, bevor er das Wort ergriff. Man sah ihm an, dass ihm die Situation unangenehm war – nicht aus Unsicherheit, sondern weil sie persönlich war.

„Minerva“, begann er und wechselte unwillkürlich in einen vertraulicheren Ton, fing sich jedoch sofort wieder, „uns sind erneut Hinweise zugetragen worden. Es geht um Vorwürfe, die—“

„—die mir bekannt sind“, unterbrach Minerva ruhig, aber bestimmt.

Sie hob leicht die Hand, ohne Unhöflichkeit, doch mit einer Klarheit, die keinen Zweifel zuließ.

„Kingsley, diese Situation ist bereits umfassend besprochen worden. Ich habe sowohl mündlich als auch schriftlich Stellung bezogen. Mehrfach. Meine Position, meine Entscheidungen und meine persönliche Integrität wurden dabei eindeutig dargelegt.“

Ein kurzer Moment der Stille folgte. Kingsley senkte den Blick für den Bruchteil einer Sekunde, dann nickte er langsam.

„Das ist korrekt“, sagte er. „Und ich versichere dir, dass wir diese Stellungnahmen sehr ernst genommen haben.“

Einer der Herren aus der Abteilung für magische Ausbildung – ein Mann mit graumeliertem Haar und einer angenehm ruhigen Stimme – beugte sich leicht vor.

„Professor McGonagall“, sagte er beschwichtigend, „lassen Sie mich eines klarstellen: Wir sind nicht hier, um Ihnen etwas zu unterstellen.“

Minerva sah ihn direkt an.

„Unser Ziel ist es“, fuhr er fort, „Klarheit zu schaffen. Für alle Beteiligten. Diese Angelegenheit hat sich inzwischen verselbstständigt und wir möchten sie sauber, fair und endgültig abschließen.“

Die Frau von der Dienstaufsicht – Olive Lockwood – verschränkte die Hände im Schoß und musterte Minerva aufmerksam, ohne etwas zu sagen.

„Es geht nicht um Schuldzuweisungen“, ergänzte der zweite Herr aus der Ausbildungsabteilung. „Sondern darum, dass sich das Ministerium später nicht vorwerfen lassen muss, es habe Hinweise ignoriert.“

Minerva atmete langsam aus. Ihre Stimme blieb ruhig, aber ein feiner Unterton von Müdigkeit schwang nun mit.

„Ich verstehe Ihr Anliegen“, sagte sie. „Was ich jedoch nicht verstehe, ist, was es noch zu klären gibt. Es existieren keine Beweise. Nur Gerüchte. Und Gerüchte sollten in einem Rechtsstaat – auch in einem magischen – keine Grundlage für Maßnahmen sein.“

Kingsley sah sie offen an.

„Da stimmen wir überein.“

Er wechselte einen kurzen Blick mit Olive Lockwood, dann wieder zurück zu Minerva.

„Dennoch“, sagte er vorsichtig, „möchten wir mit einigen deiner Kollegen sprechen. Nicht heute mit allen, aber mit ein paar ausgewählten. Um ein vollständiges Bild zu erhalten.“

Minervas Kiefer spannte sich kaum merklich an.

„Selbstverständlich“, sagte sie schließlich. „Meine Kollegen werden kooperieren. Ich habe nichts zu verbergen.“

Und genau das, wusste sie, machte diese Situation so unerquicklich. Olive Lockwood neigte leicht den Kopf, ihr Lächeln war höflich, beinahe warm, doch es erreichte ihre Augen nicht.

„Es gibt da noch einen Punkt“, fügte sie hinzu, ihre Stimme ruhig und wohlmoduliert. „Wir würden auch sehr gern mit Professor Granger sprechen.“

Minervas Blick verhärtete sich kaum merklich.

„Sie ist schließlich unmittelbar betroffen“, fuhr Lockwood fort, immer noch mit diesem freundlichen Tonfall, „falls doch etwas an den Gerüchten dran sein sollte. Es wäre fahrlässig, sie außen vor zu lassen. Das verstehe Sie doch sicher.“

Ein kurzes, fast unmerkliches Ziehen ging durch Minervas Brust. Nicht aus Angst, sondern aus Abwehr.

„Hermine Granger ist eine volljährige, hochqualifizierte Professorin dieses Hauses“, sagte Minerva ruhig. „Und sie untersteht meiner Verantwortung als Schulleiterin.“

Lockwood nickte langsam, als würde sie jedes Wort wohlwollend aufnehmen.

„Natürlich“, sagte sie. „Und genau deshalb ist ihre Perspektive für uns so wichtig.“

Minerva erkannte es sofort. Diese Art von Freundlichkeit. Dieses scheinbar verständnisvolle Nicken, hinter dem sich bereits ein Urteil formte. Unwillkürlich dachte sie an Featherstone. Der Ton war derselbe – zu glatt, zu bedacht, zu sehr darauf ausgelegt, Druck auszuüben, ohne ihn offen zu zeigen. Kingsley warf Lockwood einen kurzen, mahnenden Blick zu, doch sie ignorierte ihn höflich.

„Wir wollen Miss Granger nicht in Schwierigkeiten bringen“, sagte sie sanft. „Im Gegenteil. Sollte sie sich unter Druck gesetzt gefühlt haben, wäre es unsere Pflicht, das zu wissen.“

Minervas Hände ruhten reglos auf der Tischplatte, doch innerlich spannte sich alles in ihr an.

„Professor Granger wurde zu nichts gedrängt“, entgegnete sie kühl. „Weder von mir noch von irgendwem sonst.“

„Das hoffe ich“, sagte Lockwood leise und in genau diesem Hoffnungston lag der unausgesprochene Vorwurf. Minerva hielt ihrem Blick stand.

„Selbstverständlich können Sie mit ihr sprechen. Sie entscheidet selbst darüber“, sagte sie schließlich. „Aber ich erwarte, dass dieses Gespräch respektvoll und sachlich geführt wird.“

Lockwoods Lächeln wurde einen Hauch breiter.

„Selbstverständlich, Professor McGonagall.“

Doch Minerva wusste: Diese Frau war nicht hier, um beruhigt zu werden.

Minerva erhob sich ruhig von ihrem Stuhl und straffte unmerklich die Schultern. Äußerlich wirkte sie gefasst, beinahe kühl, innerlich jedoch war sie bis ins Mark angespannt.

„Mit wem möchten Sie beginnen?“, fragte sie sachlich.

Die junge Frau, Emily White, die bisher geschwiegen hatte, trat einen Schritt vor. Sie zog eine schlichte, ordentlich beschriftete Mappe aus ihrer Tasche und lächelte Minerva offen an.

„Wenn es für Sie in Ordnung ist, würden wir gern zuerst mit Professor Sprout sprechen.“

Minerva nickte. Von allen Anwesenden war diese Emily White die Einzige, bei der sie kein Misstrauen verspürte. Ihr Blick war klar, ihr Ton ehrlich. Nicht lauernd, nicht berechnend. Wenn diese Befragung fair ablaufen sollte, dann vermutlich über sie.

„Natürlich“, sagte Minerva. „Folgen Sie mir bitte.“

Sie führte die kleine Gruppe durch die Korridore Hogwarts’, vorbei an flüsternden Porträts und neugierigen Blicken. Vor Pomonas Büro blieb sie stehen und klopfte kurz an, ehe sie eintrat und Pomona über den Besuch informierte. Als sie sich wieder umwandte, trat Olive Lockwood einen Schritt näher.

„Professor McGonagall“, sagte sie mit ruhiger Bestimmtheit, „es wäre besser, wenn Sie draußen warten würden.“

Minerva hob leicht die Augenbrauen.

„Verzeihung?“

„Damit die Befragung neutral durchgeführt werden kann“, erklärte Lockwood freundlich. „Ihre Anwesenheit könnte Professor Sprout unbewusst beeinflussen.“

Einen Moment lang war es still. Minerva erwiderte ihren Blick ohne zu blinzeln. Sie wusste genau, was das war: ein Machtspiel. Kein großes, aber ein bewusstes.

„Professor Sprout ist seit Jahrzehnten Mitglied dieses Kollegiums“, sagte Minerva ruhig. „Und sie ist durchaus in der Lage, ihre Aussagen unabhängig zu treffen.“

Lockwood neigte den Kopf, als würde sie Verständnis zeigen.

„Daran zweifle ich nicht. Dennoch halten wir es für die sauberste Lösung.“

Kingsley räusperte sich leise, sagte jedoch nichts. Minerva atmete langsam aus. Sie wollte keinen offenen Konflikt, nicht jetzt.

„Sehr wohl“, sagte sie schließlich kühl. „Ich werde hier warten.“

Sie trat einen Schritt zurück und verschränkte die Hände hinter dem Rücken, während die Delegation Pomonas Büro betrat und die Tür sich schloss.

Allein auf dem Flur stehend, lauschte Minerva den gedämpften Stimmen hinter der Tür. Sie vertraute Pomona und doch zog sich etwas in ihr zusammen. Nicht wegen der Fragen, sondern wegen der Menschen, die sie stellten.

Pomona Sprout saß aufrecht an ihrem Schreibtisch, die Hände ruhig ineinandergelegt. Sie wirkte gelassen, beinahe heiter, als hätte man sie lediglich zu einem harmlosen Gespräch gebeten. Doch hinter der entspannten Haltung entging ihr nichts. Emily White begann. Ihre Stimme war freundlich, sachlich, ohne jeden Unterton. Sie erkundigte sich nach Pomonas Tätigkeit in Hogwarts, nach der allgemeinen Arbeitsatmosphäre im Kollegium, nach Minervas Führungsstil. Pomona antwortete ruhig und präzise. Sie sprach von klaren Strukturen, von gegenseitigem Respekt, davon, dass Minerva eine konsequente, aber faire Schulleiterin sei. Dann lenkte einer der Herren aus der Abteilung für magische Ausbildung das Gespräch behutsam in eine andere Richtung.

„Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Professor McGonagall und Professor Granger beschreiben?“

Pomona hob kurz die Augenbrauen, antwortete aber ohne Zögern.

„Kollegial“, sagte sie. „Respektvoll. Professionell.“

„Und persönlich?“, hakte Emily White vorsichtig nach.

Pomona überlegte einen Moment – nicht, weil sie unsicher war, sondern weil sie ihre Worte bewusst wählte.

„Hogwarts ist kein gewöhnlicher Arbeitsplatz“, sagte sie schließlich. „Viele von uns kennen sich seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. Da entwickeln sich zwangsläufig Freundschaften. Auch zwischen Minerva und Hermine. Sie haben viel gemeinsam erlebt, sowohl beruflich als auch in der Vergangenheit.“

Olive Lockwood nutzte die kurze Pause, die sich ergab.

„Geht dieses Verhältnis Ihrer Einschätzung nach über eine freundschaftliche Ebene hinaus?“

Pomona wandte langsam den Kopf zu ihr. Ihr Blick war ruhig, fest, ohne jede Spur von Empörung.

„Nein“, sagte sie klar. „Dafür habe ich keinerlei Anhaltspunkte.“

Lockwood lächelte dünn.

„Sie sind sich da sicher?“

Pomonas Stimme blieb unverändert.

„Ich bin mir sicher, dass Professor McGonagall sich jederzeit korrekt verhält. Sie behandelt alle Kollegen gleich – unabhängig von Nähe, Sympathie oder persönlicher Geschichte. Das hat sie immer getan.“

Ein kurzer Blick ging zu Kingsley. Er nickte kaum merklich. Auch die beiden Herren wirkten zunehmend unbehaglich.

„Ich denke, das reicht“, sagte einer von ihnen schließlich. „Vielen Dank, Professor Sprout. Sie haben uns sehr geholfen.“

Emily White lächelte Pomona ehrlich an.

„Danke für Ihre Offenheit.“

Pomona erwiderte das Lächeln und erhob sich leicht.

„Gern.“

Die Delegation stand auf, sammelte ihre Unterlagen ein und verließ das Büro. Als die Tür sich hinter ihnen schloss, atmete Pomona leise aus. Draußen auf dem Flur wartete Minerva.

Minerva trat einen Schritt näher, als die Tür hinter Pomona ins Schloss gefallen war.

„Wer ist als Nächstes an der Reihe?“, fragte sie ruhig, auch wenn sich in ihrem Inneren alles zusammenzog.

Emily White schlug ihre Mappe auf, überflog eine Seite und sah dann wieder auf.

„Professor Slughorn.“

Minerva nickte knapp. Ohne Kommentar führte sie die kleine Gruppe durch die Gänge bis zu Horaces Büro. Vor der Tür blieb sie stehen, öffnete sie für die Delegation und trat – wie zuvor – wieder beiseite, nachdem sie Horace über die Anwesenheit der Damen und Herren informiert hatte. Horace Slughorn saß bereits an seinem Schreibtisch, ein Glas kandierter Ananas griffbereit. Er wirkte neugierig, fast ein wenig geschmeichelt über die Aufmerksamkeit. Die ersten Fragen verliefen erwartungsgemäß harmlos. Horace redete gern, besonders über Unterricht.

„Professor Granger? Eine außergewöhnliche Hexe“, begann er sofort, kaum dass ihr Name fiel. „Hervorragend vorbereitet, strukturiert, mit einem bemerkenswerten Gespür für ihre Schüler. Ein echtes Naturtalent, wenn Sie mich fragen.“

Emily White lächelte und machte sich Notizen. Einer der Herren fragte nach Minervas Arbeit als Schulleiterin. Horace lehnte sich zurück.

„Vorbildlich. Minerva ist… nun ja, Minerva. Streng, aber gerecht. Hogwarts könnte keine bessere Leitung haben.“

Dann kam der Moment, den Minerva draußen bereits erwartete. Olive Lockwood legte den Kopf leicht schief.

„Und wie würden Sie das persönliche Verhältnis zwischen Professor McGonagall und Professor Granger beschreiben?“

Horace blinzelte überrascht, fasste sich aber rasch.

„Eine ungewöhnliche Frage“, meinte er. „Kollegial“, fuhr er fort. „Höflich. Professionell.“

„Und darüber hinaus?“, fragte Olive nach, ihre Stimme sanft, beinahe beiläufig.

Horace wiegte den Kopf.

„Nun, Hogwarts ist ein Ort, an dem man sich nahekommt. Ich könnte mir vorstellen, dass ein freundschaftliches Verhältnis entstanden ist.“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Aber weiter als das? Dafür habe ich weder Hinweise noch Anlass.“

Kingsley wirkte erleichtert. Er nickte Horace zu.

„Vielen Dank, Horace. Das genügt.“

Horace lächelte breit.

„Jederzeit.“

Die Delegation erhob sich und verließ das Büro. Draußen stand Minerva noch immer aufrecht. Ihre Miene blieb kontrolliert, doch innerlich begann sich ein leiser, vorsichtiger Hoffnungsschimmer zu regen. Emily White warf erneut einen Blick in ihre Mappe.

„Als Nächstes: Professorin Peckson.“

Minerva nickte, drehte sich um und führte die Delegation weiter durch die Flure. Irinas Büro lag etwas abseits, ruhig, fast abgeschieden. Minerva klopfte kurz, öffnete die Tür und trat – ganz wie zuvor – wieder hinaus, als Olive Lockwood sie mit einem knappen Blick daran erinnerte, draußen zu warten.

Irina Peckson saß entspannt an ihrem Tisch, die Beine übereinander geschlagen, die Hände lagen locker in ihrem Schoß. Sie wirkte weder überrascht noch nervös, eher… gelangweilt. Oder vielleicht einfach souverän.

Die ersten Fragen beantwortete sie sachlich und knapp: zu ihrem Unterricht, zur allgemeinen Stimmung im Kollegium, zu Minervas Führungsstil.

„Professionell, klar strukturiert“, sagte Irina. „Professor McGonagall führt die Schule konsequent und fair. Ich habe keinerlei Beanstandungen.“

Dann kam – erwartungsgemäß – der Themenwechsel.

„Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Professor McGonagall und Professor Granger beschreiben?“, fragte Olive Lockwood.

Irina zuckte kaum merklich mit den Schultern.

„Kollegial.“

„Mehr als das?“, hakte Olive nach.

Irina hob eine Augenbraue.

„Nicht aus meiner Sicht.“

„Sie haben nie etwas bemerkt?“

„Ich bemerke, dass Professor Granger engagiert unterrichtet und dass Professor McGonagall ihre Arbeit schätzt“, erwiderte Irina ruhig. „Das ist nichts Ungewöhnliches.“

Einer der Herren aus der Abteilung für magische Ausbildung räusperte sich.

„Gab es Situationen, in denen Professor Granger bevorzugt behandelt wurde?“

Irina schüttelte den Kopf.

„Nein. Entscheidungen werden sachlich getroffen. Ich habe nie erlebt, dass persönliche Nähe eine Rolle gespielt hätte.“

Ihre Stimme blieb dabei vollkommen neutral, fast schon nüchtern. Keine Spitze, kein Zögern.

Kingsley nickte.

„Vielen Dank, Professorin Peckson. Das war sehr hilfreich.“

Irina lächelte höflich.

„Gern.“

Als die Delegation das Büro wieder verließ, wartete Minerva bereits draußen. Irina warf ihr einen kurzen, kaum wahrnehmbaren Blick zu. Ruhig, beinahe aufmunternd. Minerva erwiderte den Blick nicht offen, aber innerlich atmete sie ein kleines Stück freier.

Emily White wollte gerade ansetzen, den nächsten Namen zu nennen, als Olive Lockwood ihr leise, aber bestimmt ins Wort fiel.

„Madam Pomfrey können wir überspringen“, sagte sie und lächelte dabei dünn. „Als Heilerin ist sie vermutlich nicht eng genug in das tägliche Geschehen eingebunden, um hier relevante Aussagen treffen zu können.“

Minerva verspürte ein unangenehmes Ziehen in der Magengegend. Sie sagte nichts, nickte nur knapp. Emily zögerte einen Moment, sah wieder in ihre Mappe und las dann vor:

„In diesem Fall… Professor Featherstone.“

Für den Bruchteil einer Sekunde verkrampfte sich Minervas Hand um den Stab, den sie bei sich trug. Sie zwang sich, ruhig zu bleiben, drehte sich um und ging voran. Die Schritte durch den Korridor kamen ihr plötzlich viel lauter vor als zuvor. Featherstones Büro lag am Ende des Flurs. Die Tür war geschlossen, doch kaum hatte Minerva die Hand gehoben, öffnete sie sich bereits. Featherstone stand im Rahmen, geschniegelt wie immer, mit einem Lächeln, das viel zu breit war, um ehrlich zu sein.

„Ah“, sagte er beinahe erfreut. „Das Ministerium. Wie… angenehm.“

Sein Blick glitt kurz zu Minerva, verweilte einen Tick zu lange, dann wandte er sich wieder den Gästen zu.

„Bitte, kommen Sie doch herein.“

Olive Lockwood erwiderte sein Lächeln, nun deutlich offener als zuvor.

„Vielen Dank, Professor Featherstone. Wir hätten ein paar Fragen.“

Minerva trat – wie verlangt – einen Schritt zurück, blieb vor der Tür stehen. Als diese sich hinter der Delegation schloss, blieb sie allein im Flur zurück.

Sie wusste, dass Featherstone genau auf diesen Moment gewartet hatte.

Und sie wusste auch: Jetzt würde er reden.

Hinter der geschlossenen Tür begann Featherstone sofort zu sprechen. Zunächst ganz harmlos. Er beantwortete Fragen zu seinem Unterricht, zu seiner Laufbahn, zu Hogwarts. Er wirkte vorbereitet, gesammelt, beinahe zu sehr. Seine Stimme war ruhig, seine Haltung offen, die Hände locker auf der Tischplatte gefaltet.

„Ich arbeite gern hier“, sagte er. „Hogwarts liegt mir am Herzen. Gerade deshalb fühle ich mich verpflichtet, gewisse Beobachtungen weiterzugeben.“

Olive Lockwood hob interessiert den Blick.

„Welche Beobachtungen meinen Sie?“

Featherstone seufzte leise, als falle ihm das alles schwer.

„Es geht mir nicht darum, jemandem zu schaden“, begann er. „Aber wenn persönliche Beziehungen Einfluss auf berufliche Entscheidungen nehmen, dann ist eine Grenze überschritten.“

Kingsley verzog leicht das Gesicht.

„Bitte bleiben Sie konkret, Professor Featherstone.“

„Natürlich.“ Featherstone nickte eifrig. „Professor McGonagall und Professor Granger stehen sich sehr nahe. Näher, als es unter Kollegen üblich ist.“

„Woran machen Sie das fest?“, fragte Emily White ruhig.

Featherstone lächelte schmal.

„An Blicken. An Bevorzugungen. An der Art, wie man miteinander spricht, wenn man glaubt, unbeobachtet zu sein.“

Olive lehnte sich ein wenig vor.

„Haben Sie dafür Belege?“, fragte Kingsley.

Für einen winzigen Moment – nur einen Herzschlag lang – flackerte etwas in Featherstones Augen auf. Irritation. Dann fing er sich.

„Leider“, sagte er bedauernd, „sind mir die konkreten Unterlagen abhandengekommen.“

Kingsley hob die Augenbrauen.

„Unterlagen?“

„Ja“, sagte Featherstone schnell. „Material, das meine Beobachtungen untermauert hätte. Fotos.“

Stille.

„Fotos, die Sie nicht mehr besitzen“, stellte einer der Herren aus der Ausbildungsabteilung nüchtern fest.

Featherstone räusperte sich.

„Ganz recht. Ich vermute… Diebstahl.“

Emily White sah von ihren Notizen auf.

„Haben Sie das gemeldet?“

„Noch nicht“, sagte Featherstone. „Ich hielt es für sinnvoller, das Ministerium direkt zu informieren.“

Kingsley verschränkte die Arme. Sein Ton wurde spürbar kühler.

„Professor Featherstone, Sie bringen schwerwiegende Vorwürfe vor. Ohne Beweise. Ohne Dokumentation. Und ohne Zeugen, die Ihre Einschätzung teilen.“

Featherstone hob abwehrend die Hände.

„Ich sage nur, was ich gesehen habe.“

„Und dennoch“, mischte sich Olive ein, „ist es auffällig, dass Sie von Fotos sprechen, die nun plötzlich verschwunden sind.“

Ihr Ton wirkte gereizt. Beinahe so, als hätte sie bereits mit den Beweisen gerechnet. Featherstones Lächeln wirkte nun angespannter.

„Zufälle gibt es.“

„In Ermittlungen eher selten“, entgegnete Kingsley trocken.

Ein Moment verging. Featherstone lehnte sich zurück, verschränkte die Finger, als wolle er seine Fassung demonstrativ zurückgewinnen.

„Ich habe meine Pflicht getan“, sagte er schließlich. „Mehr kann ich im Moment nicht tun.“

Kingsley sah ihn lange an. Dann nickte er langsam.

„Wir danken Ihnen für Ihre Aussagen.“

Als die Delegation sich erhob und zur Tür ging, blieb Featherstone sitzen. Sein Lächeln war verschwunden. Draußen auf dem Flur stand Minerva noch immer aufrecht. Als die Tür sich öffnete und die Ministeriumsvertreter hinaustraten, traf Kingsleys Blick den ihren. Er sagte nichts, aber in seinem Ausdruck lag etwas, das Minerva sehr wohl verstand. Zweifel.

Kingsley blieb nach Featherstones Büro einen Moment stehen. Er sah Minerva direkt an, nun wieder mit dieser ruhigen, fast väterlichen Ernsthaftigkeit.

„Als Nächstes würden wir gern mit Hermine sprechen.“

Minerva nickte. Sie hatte es erwartet und doch zog sich in ihr alles zusammen.

„Folg mir.“

Der Weg zu Hermines Büro kam ihr länger vor als sonst. Minerva sagte nichts, ging zügig voran, den Blick nach vorn gerichtet. Vor der Tür blieb sie stehen, klopfte einmal kurz und öffnete.

„Hermine“, sagte sie ruhig. „Das Ministerium würde gern mit dir sprechen.“

Hermine blickte von ihren Unterlagen auf. Für einen Sekundenbruchteil suchte ihr Blick Minervas Gesicht – ruhig, fest, aber voller unausgesprochener Sorge. Hermine nickte sofort.

„Natürlich.“

Minerva trat zur Seite, ließ die Delegation eintreten und zog sich, wie zuvor verlangt, wieder auf den Flur zurück. Die Tür schloss sich leise. Allein vor Hermines Büro stehend, verschränkte Minerva die Arme vor der Brust. Sie wusste, dass Hermine dieser Situation gewachsen war. Sie war klug, gefasst, ehrlich und dennoch wünschte sie sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als bei ihr im Raum zu stehen.

Drinnen begann das Gespräch.

Hermine saß ruhig auf dem Stuhl vor ihrem Schreibtisch, die Hände locker im Schoß. Sie wirkte gefasst, aufmerksam – ganz die Professorin, die sie war. Von Nervosität war äußerlich nichts zu sehen, auch wenn ihr sehr wohl bewusst war, worauf dieses Gespräch hinauslaufen würde. Emily White begann erneut.

„Professor Granger, erzählen Sie uns bitte zunächst etwas über Ihre Arbeit hier in Hogwarts.“

Hermine nickte und antwortete sachlich. Sie sprach über ihren Unterricht, ihre Verantwortung für die Klassen, über Konzepte, über Förderung und Struktur. Sie erklärte ruhig, warum ihr klare Abläufe wichtig seien und dass sie großen Wert darauf lege, alle Schüler gleich zu behandeln. Die Herren aus der Abteilung für magische Ausbildung wirkten zufrieden. Kingsley hörte aufmerksam zu.

„Und wie empfinden Sie die Zusammenarbeit im Kollegium?“, fragte einer von ihnen.

„Sehr professionell“, antwortete Hermine ohne Zögern. „Hogwarts verfügt über ein starkes, engagiertes Kollegium. Ich fühle mich unterstützt und ernst genommen.“

Dann kam die Frage nach Minerva.

„Wie schätzen Sie Professor McGonagalls Arbeit als Schulleiterin ein?“

Ein Hauch von Wärme schlich sich in Hermines Stimme, ohne dass sie die Professionalität verlor.

„Professor McGonagall ist äußerst kompetent“, sagte sie. „Sie führt die Schule mit klarer Linie, Verantwortungsbewusstsein und einem tiefen Verständnis für ihre Aufgabe. Entscheidungen trifft sie sachlich, nicht persönlich.“

Olive Lockwood verschränkte die Hände und beugte sich leicht vor.

„Und Ihr persönliches Verhältnis zu Professor McGonagall?“

Hermine sah sie offen an.

„Kollegial.“

„Nur das?“, fragte Olive sanft.

Hermine blieb ruhig.

„Ja.“

„Sie verbringen viel Zeit miteinander“, hakte Olive nach. „Sie arbeiten eng zusammen. Würden Sie sagen, dass sich daraus eine besondere Nähe entwickelt hat?“

Hermine ließ sich einen Moment Zeit mit der Antwort. Nicht aus Unsicherheit, sondern aus Bedacht.

„Wir arbeiten an derselben Schule“, sagte sie schließlich. „Enge Zusammenarbeit ist unvermeidlich. Respekt ebenfalls.“

Olives Lächeln blieb bestehen, doch ihr Blick wurde schärfer.

„Gab es Situationen, in denen diese Nähe über das Berufliche hinausging?“

Hermine hob leicht die Augenbrauen.

„Nein.“

„Nie?“

„Nie.“

Kingsley räusperte sich leise.

„Professor Granger, fühlen Sie sich von Professor McGonagall in irgendeiner Form beeinflusst oder unter Druck gesetzt?“

Hermine schüttelte entschieden den Kopf.

„Nein. Wie kommen Sie denn auf sowas?“

Olive ließ nicht locker.

„Und Sie können ausschließen, dass Gefühle eine Rolle spielen?“

Für einen winzigen Moment wurde es still im Raum. Hermine hielt Olives Blick stand.

„Ich kann definitiv ausschließen, dass Gefühle Einfluss auf berufliche Entscheidungen nehmen“, sagte sie klar. „Alles andere ist Spekulation.“

Ein kurzer Blick ging zu Kingsley. Er nickte leicht.

„Das genügt“, sagte er schließlich. „Vielen Dank, Professor Granger.“

Hermine nickte ruhig.

„Gern.“

Als die Delegation sich erhob und die Tür öffnete, stand Minerva draußen. Für einen Sekundenbruchteil trafen sich ihre Blicke. Keine Worte, aber alles war gesagt. Sie machten sich wieder auf den Weg in Minervas Büro. Kingsley hatte entschieden, dass die Befragungen der Lehrkräfte ausreichend waren.

Minerva ließ die Tür hinter der Delegation schließen und atmete einmal tief durch. Kingsley war der Erste, der sprach, seine Stimme ruhig, aber bestimmt.

„Minerva“, begann er, „die Befragungen deiner Kollegen reichen aus. Alle haben im Wesentlichen dasselbe gesagt – sachlich, korrekt, genau wie ich es erwartet habe. Mein Eindruck von dir hat sich nicht geändert: du führst diese Schule hervorragend.“

Minerva nickte dankbar, konnte sich aber nicht gänzlich von der Anspannung lösen. Olive Lockwood räusperte sich und warf einen Blick auf ihre Unterlagen.

„Es gibt jedoch… einige Zweifel“, sagte sie leise, fast so, als wollte sie niemandem zu nahe treten. „Es scheint, als gäbe es Beweise für ein besonderes Verhältnis zwischen Professor McGonagall und Professor Granger.“

Minerva zog die Augenbrauen hoch.

„Beweise? Darf ich diese denn einsehen?“

Olive zuckte leicht mit den Schultern, ihr Lächeln blieb starr.

„Die Beweise scheinen… auf mysteriöse Weise verschwunden zu sein.“

Für einen Moment war es still im Raum. Minerva spürte, wie sich der Druck langsam löste, doch gleichzeitig hielt ein leises Misstrauen sie wachsam. Kingsley räusperte sich und unterbrach die Spannung, seine Stimme fest und beruhigend:

„Ohne Beweise gibt es keinen Grund, weitere Untersuchungen durchzuführen. Das Verfahren ist hiermit abgeschlossen.“

Ein kollektives Aufatmen ging durch den Raum. Olive Lockwood jedoch ließ ihre Miene unverändert, prüfend, kritisch, doch sie sagte kein weiteres Wort. Sie nickte nur leicht, blieb ansonsten stumm und damit war das Kapitel offiziell abgeschlossen.

Minerva lehnte sich zurück, schloss für einen Moment die Augen und spürte, wie die Anspannung langsam von ihr wich. Endlich. Das Ministerium hatte keine Beweise mehr und sie waren frei, wieder ihren Alltag zu leben – zumindest so weit wie möglich.

Minerva richtete sich auf, straffte die Schultern und hielt die Ruhe, die sie stets ausstrahlte.

„Ich danke dir Kingsley“, sagte sie sachlich, aber mit klarer Stimme, „dass dies nun vollständig geklärt und abgeschlossen ist.“

Kingsley nickte anerkennend, Olive Lockwood machte keine weitere Bemerkung, Emily White und die anderen Herren verabschiedeten sich höflich.

Filch wartete bereits am Türrahmen und führte die Delegation nach draußen, still und effizient wie immer. Minerva blieb einen Moment lang stehen, beobachtete, wie die Ministeriumsvertreter den Flur entlanggingen, und erst als die Tür sich hinter ihnen schloss, ließ sie den Atem heraus, den sie die ganze Zeit über angehalten hatte.

Erleichterung durchströmte sie wie ein warmer Strom. Endlich konnte sie die Schultern etwas entspannen. Sie lehnte sich an den Schreibtisch, ließ die Hände auf die Oberfläche sinken und schloss für einen Moment die Augen. Alles war vorbei und für einen winzigen Augenblick war Hogwarts einfach nur ein Ort, an dem sie atmen konnte. Minerva durfte aufatmen, sie war wieder frei und nichts und niemand konnte ihr diesen Moment mehr nehmen.