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Durchatmen

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Durchatmen

Noch während die Erleichterung langsam in ihr nachklang, klopfte es leise an der Tür. Kein forderndes, offizielles Klopfen mehr, eher ein vorsichtiges, fast zögerliches Zeichen.

„Herein“, sagte Minerva ruhig.

Hermine trat ein und schloss die Tür hinter sich. Für einen Moment sagte keine von beiden etwas. Ihre Blicke trafen sich, suchend, prüfend – und dann wich die Anspannung aus Hermines Gesicht.

„Sie sind weg“, stellte sie leise fest.

Minerva nickte.

„Ja. Es ist beendet.“

Hermine atmete hörbar aus, als hätte sie selbst erst jetzt verstanden, dass sie wieder sicher war. Ohne ein weiteres Wort trat sie näher. Minerva ließ es zu, zog sie an sich, legte eine Hand an Hermines Rücken. Die Umarmung war fest, vertraut, voller unausgesprochener Gedanken.

„Ich wusste, dass du das schaffst“, murmelte Hermine, den Kopf leicht an Minervas Schulter gelehnt.

„Ich hatte dennoch Zweifel“, gab Minerva ehrlich zurück. „Nicht an uns, sondern an der Unberechenbarkeit anderer.“

Hermine löste sich ein wenig, sah zu ihr auf.

„Featherstone?“

Minerva verzog kaum merklich den Mund.

„Er hat gesprochen. Viel. Aber Worte bleiben Worte.“

Ein feines Lächeln huschte über Hermines Lippen.

„Dann haben sie diesmal verloren.“

Minerva hob die Hand und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht – eine Bewegung, die sie sich vor wenigen Stunden niemals erlaubt hätte. Jetzt war niemand mehr da, der zählte.

„Für heute“, sagte sie leise, fast schmunzelnd.

Hermine erwiderte den Blick, warm, ruhig, voller Nähe. Für einen langen Moment standen sie einfach so da, ohne Eile, ohne Rollen, ohne Masken. Draußen ging der Alltag weiter, Schülerstimmen hallten durch die Korridore, doch hier, hinter der geschlossenen Tür, war endlich wieder Raum für Ruhe und für sie. Hermine blieb noch einen Augenblick dicht vor ihr stehen. In ihrem Blick lag etwas Weiches, fast Übermütiges, als wäre die eben überstandene Anspannung in eine stille Freude umgeschlagen. Langsam hob sie die Hand und strich mit den Fingerspitzen über Minervas Wange. Die Berührung war federleicht, beinahe ehrfürchtig, und doch so vertraut, dass Minerva unwillkürlich die Augen schloss.

„Du warst beeindruckend“, flüsterte Hermine.

Minerva antwortete nicht sofort. Stattdessen legte sie ihre Hand über Hermines und hielt sie dort fest.

„Und du warst mutig.“

Hermine lächelte, dann beugte sie sich vor und küsste sie. Es war kein hastiger Kuss, keiner aus bloßer Erleichterung, sondern ein ruhiger, warmer, der all das sagte, was sie vor anderen niemals hätten aussprechen können. Minerva erwiderte ihn ohne Zögern und erlaubte sich für einen Moment, alle Disziplin fallen zu lassen. Als sie sich schließlich lösten, blieb ihre Stirn noch kurz an Hermines gelehnt.

„Setz dich doch“, sagte Minerva schließlich, bemüht um einen Ton, der wieder nach Schulleiterin klang.

Hermine grinste.

„Sehr gern.“

Doch statt den Stuhl zu nehmen, machte sie einen kleinen Schritt zur Seite, drehte sich und setzte sich kurzerhand auf Minervas Schoß. Minerva riss überrascht die Augen auf.

„Miss Granger!“, tadelte sie gespielt empört. „Ihre Dreistigkeit kennt heute offenbar keinerlei Grenzen.“

„Nach so einem Tag nehme ich mir gewisse Freiheiten heraus“, erwiderte Hermine ungerührt.

Ihre Arme glitten locker um Minervas Schultern. Minerva versuchte, streng zu schauen. Es misslang kläglich; ein Lächeln brach durch.

„Wenn uns jemand so sähe…“

„Tut aber niemand“, sagte Hermine leise.

Für einen Moment betrachtete Minerva sie einfach – dieses lebendige Gesicht, die klugen Augen, die Wärme darin. Wie oft hatte sie sich gezwungen, genau diesen Anblick nur flüchtig wahrzunehmen?

„Du machst es mir nicht leicht, würdevoll zu bleiben.“

Hermine beugte sich vor und küsste sie noch einmal, sanft und versöhnlich, als hätte sie tatsächlich einen Regelverstoß begangen, der nun wiedergutgemacht werden musste. Minerva atmete leise aus, ihre Hände ruhten nun ganz selbstverständlich an Hermines Taille.

„Gefährliches Mädchen“, murmelte sie.

„Und trotzdem hast du mich nicht weggeschickt“, gab Hermine zurück, ein Funkeln in den Augen.

Ein leises Lachen entwich Minerva. Die Anspannung des Tages fiel endgültig von ihr ab und plötzlich erschien alles fern – die Befragungen, die Zweifel, Olives misstrauischer Blick. Hier zählte nur noch dieser ruhige Moment. Nach einer Weile wurde Minervas Ausdruck wieder etwas ernster, wenn auch nicht weniger warm.

„Wir sollten dennoch vorsichtig bleiben. Olive Lockwood ist nicht die Sorte Mensch, die eine Niederlage einfach akzeptiert.“

Hermine nickte leicht.

„Dann passen wir eben besser auf, aber allein bei dir werde ich mich nicht verstecken.“

Minerva strich über Hermines Rücken, langsam, nachdenklich.

„Das will ich auch nicht.“

Draußen zog ein Windstoß gegen die hohen Fenster, irgendwo schlug eine Tür. Das Schloss lebte weiter seinen gewohnten Rhythmus und Minerva wurde mit einem Mal bewusst, wie kostbar diese gestohlenen Minuten waren.

„Bleib noch einen Moment“, sagte sie leise.

Hermine lächelte nur und lehnte sich näher an sie, als wäre es die selbstverständlichste Bitte der Welt. Mit einer beinahe beiläufigen Bewegung zog Hermine ihren Zauberstab hervor. Ein kaum hörbares Klicken erfüllte den Raum, als sich das Schloss der Tür verriegelte und ein leiser Schutzzauber darüberlegte. Minerva hob eine Augenbraue.

„Hermine…“, begann sie langsam, während sich ein skeptischer Ausdruck auf ihrem Gesicht zeigte. „Darf ich fragen, was genau du da tust?“

Hermine steckte den Zauberstab wieder weg und sah sie ruhig an.

„Ich sorge nur dafür, dass uns niemand stört.“

Ein sanftes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

„Ich möchte jetzt einen Moment nur mit dir.“

Für einen Herzschlag sagte Minerva nichts. Dann wurde ihr Blick weich. So weich, wie ihn außerhalb dieser vier Wände wohl niemand je zu sehen bekam.

„Du überraschst mich immer wieder“, murmelte sie.

Etwas in ihrer Stimme verriet, wie sehr sie diese kleine, entschlossene Geste berührte. Ohne weitere Worte legte sie die Arme um Hermine und zog sie näher zu sich. Hermine ließ sich sofort an sie sinken, als hätte sie genau darauf gewartet. Der Kuss, der folgte, war ruhig und tief vertraut, kein Überschwang, kein Drängen, nur Wärme. Minerva hielt sie fest, spürte den gleichmäßigen Atem an ihrer Wange und merkte, wie sich eine lange, unsichtbare Spannung endgültig löste. Als sie sich voneinander lösten, blieb Hermine dicht bei ihr.

„Weißt du“, sagte sie leise, „den ganzen Tag über wollte ich das tun.“

Minerva strich ihr eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr.

„Dann war es vermutlich eine große Herausforderung für deine berühmte Selbstbeherrschung.“

Hermine schmunzelte.

„Du bist nicht viel besser.“

Ein seltenes, fast jugendliches Lächeln huschte über Minervas Gesicht. Für einen Moment sagten sie nichts. Die Stille war nicht leer, sie war erfüllt von dem stillen Einverständnis zweier Menschen, die einander längst gefunden hatten, auch wenn sie es vor der Welt nur vorsichtig zeigen konnten. Minerva lehnte ihre Stirn gegen Hermines.

„Nach allem heute…“, begann sie leise, „ist mir klar geworden, wie viel mir das hier bedeutet.“

Hermine antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm sie Minervas Hand und verschränkte ihre Finger mit ihren.

„Mir auch.“

Draußen rauschte der Wind um die Türme von Hogwarts, doch im Büro der Schulleiterin schien die Zeit für einen kostbaren Augenblick stillzustehen. Minerva verschränkte ihre Finger fester mit denen von Hermine, als wolle sie sich vergewissern, dass dieser Moment wirklich ihnen gehörte. Ihr Blick ruhte aufmerksam auf Hermines Gesicht.

„Was genau haben sie dich gefragt?“, wollte sie leise wissen.

Ihre Stimme war ruhig, doch Hermine entging nicht, wie angespannt Minerva innerlich noch war. Hermine atmete einmal tief durch.

„Zuerst das Übliche“, begann sie. „Meine Arbeit. Mein Unterricht. Ob ich mich hier unterstützt fühle, ob ich mich fair behandelt sehe.“

Sie lächelte kurz.

„Kingsley war dabei fast schon peinlich bemüht, korrekt zu bleiben.“

Minerva verzog den Mund leicht.

„Das überrascht mich nicht.“

„Dann wollten sie wissen, wie ich deine Arbeit einschätze“, fuhr Hermine fort. „Als Schulleiterin, meine ich.“

Sie sah Minerva dabei direkt an.

„Ich habe gesagt, dass du klar, gerecht und unglaublich engagiert bist. Dass Hogwarts unter deiner Leitung genau das ist, was es sein sollte.“

Minervas Daumen strich langsam über Hermines Handrücken.

„Danke“, sagte sie leise.

Hermine nickte, dann wurde ihr Blick ernster.

„Und dann kamen die Fragen dieser Miss… Miss Lockwood.“

Minerva spannte sich unmerklich an.

„Sie hat gefragt, wie ich unser Verhältnis beschreiben würde. Erst ganz harmlos.“ Hermine schnaubte leise.

„Und als ich das beantwortet hatte, hat sie nachgehakt. Ob ich mir sicher sei. Ob es nie… persönlicher geworden sei.“

Minervas Blick verdunkelte sich kurz.

„Und?“

„Ich bin ruhig geblieben“, antwortete Hermine. „Ich habe gesagt, dass ich dich sehr schätze. Dass ich viel von dir gelernt habe. Aber dass unser Verhältnis niemals meine Arbeit beeinflusst hat und niemals beeinflussen würde.“

Sie hob leicht die Schultern.

„Sie wollte mehr. Eine Regung, ein Zögern. Aber das habe ich ihr nicht gegeben.“

Minerva ließ einen langsamen Atemzug entweichen.

„Gut“, murmelte sie. „Sehr gut.“

Hermine lächelte schief.

„Weißt du, das Seltsamste war… ich hatte keine Angst. Nicht wirklich. Ich wusste die ganze Zeit, dass sie nichts in der Hand haben.“

Minerva sah sie lange an, dann beugte sie sich vor und küsste sie sanft auf die Stirn.

„Ich bin stolz auf dich“, sagte sie leise. „Nicht nur wegen heute.“

Hermine schloss kurz die Augen und lehnte sich an sie.

„Dann hat sich der Tag ja gelohnt.“

Ihre Hände blieben ineinander verschränkt, fest und ruhig als Versprechen, das keine Worte mehr brauchte. Hermine verzog nachdenklich den Mund.

„Weißt du“, sagte sie dann, „diese Miss Lockwood … sie hat mich die ganze Zeit an Featherstone erinnert.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Inwiefern?“

„Dieses freundliche Lächeln, hinter dem man genau merkt, dass sie nur darauf wartet, irgendwo einen Hebel anzusetzen“, antwortete Hermine trocken. „Fast schon … eine weibliche Version von ihm.“

Minerva schnaubte leise.

„Dann bin ich also nicht die Einzige, die diesen Eindruck hatte.“

Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Es ist erstaunlich, wie ähnlich sich gewisse Charaktere doch sind. Unabhängig vom Geschlecht.“

Hermine nickte, dann hellte sich ihr Gesicht plötzlich auf.

„Dafür war Miss White wirklich… ganz süß.“

Minervas Kopf fuhr ein kleines Stück hoch.

„Süß“, wiederholte sie langsam.

Hermine grinste nun breit.

„Ja. Freundlich, ein nettes Lächeln, offen, ehrlich interessiert. Ganz ohne diese… unterschwelligen Spitzen.“

Minerva verschränkte die Arme demonstrativ vor der Brust.

„Ach wirklich“, sagte sie gespielt kühl. „Und das ist dir so aufgefallen?“

Hermine lachte leise und schlang ihre Arme um Minervas Nacken.

„Oh bitte“, flüsterte sie. „Niemand kommt auch nur annähernd an dich heran.“

Minerva zog sie ein wenig näher, musterte sie streng — für genau zwei Sekunden. Dann konnte sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Du bist unerquicklich provozierend, mein Liebling.“

„Ich weiß“, gab Hermine zufrieden zurück und drückte einen sanften Kuss auf Minervas Lippen, um jede weitere gespielte Empörung im Keim zu ersticken. Minerva ließ es geschehen, seufzte leise und legte ihre Stirn an Hermines.

„Aber leider auch vollkommen unwiderstehlich.“

Hermine grinste schelmisch.

„Ist das so?“, murmelte sie.

Noch bevor Minerva antworten konnte, veränderte Hermine ihre Position und setzte sich rittlings auf ihren Schoß. Die Bewegung war langsam, beinahe absichtlich bedacht und Minerva sog scharf die Luft ein — mehr überrascht als alles andere.

„Hermine“, begann sie mit einem Tonfall, der irgendwo zwischen Tadel und Belustigung lag, „ich erinnere mich nicht daran, dir erlaubt zu haben, es dir derart… bequem zu machen.“

„Du hast auch nicht widersprochen“, entgegnete Hermine leise.

Ihre Finger glitten behutsam über den Stoff von Minervas Kragen. Mit quälender Langsamkeit strich sie daran entlang, als würde sie jede Falte aufmerksam studieren. Dann öffnete sie wie beiläufig einen Knopf an Minervas Kleid. Minervas Blick wurde schmal.

„Was genau tust du da?“

Hermine hielt inne. Nicht, um aufzuhören, sondern nur, um ihr diesen verführerischen Blick zu schenken, der zugleich verspielt und voller Wärme war.

„Dich daran erinnern, dass jetzt alles vorbei ist“, sagte sie sanft. „Keine Befragungen mehr. Keine misstrauischen Blicke. Nur wir.“

Für einen Moment sagte Minerva nichts. Ihre Hände fanden wie von selbst Hermines Taille, nicht um sie fortzuschieben, sondern um sie festzuhalten als müsse sie sich vergewissern, dass dieser ruhige Augenblick tatsächlich real war.

„Du bist unverbesserlich“, murmelte sie schließlich, doch ihre Stimme war weich geworden.

Hermine lächelte.

„Und du brauchst jemanden, der dich gelegentlich daran erinnert, den Panzer abzulegen.“

Minerva musterte sie lange. Dann hob sie eine Hand und strich eine widerspenstige Haarsträhne aus Hermines Gesicht.

„Heute“, gab sie leise zu, „bin ich sehr froh darüber.“

Hermine beugte sich vor und küsste sie langsam. Kein Drängen lag in dieser Geste, nur Nähe und ein stilles Versprechen von Sicherheit. Als sie sich wieder voneinander lösten, lehnte Minerva ihre Stirn gegen Hermines Schulter und atmete tief durch. Minerva zog Hermine ein kleines Stück näher zu sich heran, als könne sie dem Impuls nicht widerstehen. Ihre Finger glitten an Hermines Rücken hinauf, verharrten kurz in ihrem Haar, dann küsste sie sie erneut. Der Kuss war ruhiger als die vorherigen, aber nicht weniger tief. Er trug all die Erleichterung des Tages in sich, die Spannung, die nun langsam von ihr abfiel. Für einen Moment vergaß Minerva alles um sich herum. Bis ihr Blick zufällig über den Raum glitt. Sie erstarrte kaum merklich. Das Büro. Die halb geöffneten Pergamente. Ihr Schreibtisch. Jederzeit hätte jemand anklopfen können. Mit einem leisen, beinahe widerwilligen Seufzen löste sie sich von Hermine, blieb aber so nah, dass sich ihre Nasenspitzen fast noch berührten.

„So sehr ich das gerade genieße…“, murmelte sie.

Hermine lächelte sofort wissend.

„Aber?“

„Aber wir befinden uns immer noch in meinem Büro.“

Hermine ließ ihre Finger gedankenverloren über Minervas Schulter wandern.

„Die Tür ist verschlossen“, sagte sie unschuldig.

„Schlösser lassen sich öffnen.“

„Nicht ohne Zauberstab.“

Minerva hob eine Braue.

„Hermine…“

Hermine beugte sich vor, ihre Lippen streiften Minervas Kieferlinie.

„Du klingst nicht besonders überzeugt.“

Ein leises Lachen entwich Minerva, obwohl sie versuchte, streng zu bleiben. Diese Frau brachte ihre Disziplin gefährlich leicht ins Wanken. Als Hermines Hand erneut über ihren Kragen wanderte, legte Minerva schließlich sanft ihre eigene darüber und führte sie fort. Es war nicht abweisend, sondern mit ruhiger Bestimmtheit. Stattdessen ließ sie ihre Finger über Hermines Hüfte gleiten, eine langsame, vertraute Bewegung.

„Wenn du so weitermachst“, sagte sie leise, „werde ich sämtliche guten Vorsätze vergessen.“

Hermine grinste.

„Ist das eine Drohung oder ein Versprechen?“

Minervas Blick wurde warm.

„Ein Aufschub“, antwortete sie. „Das hier… sollten wir auf später verschieben.“

Für einen kurzen Moment sah Hermine aus, als wolle sie protestieren. Dann seufzte sie dramatisch und lehnte ihre Stirn gegen Minervas.

„Du bist unerträglich vernünftig.“

„Jemand von uns muss es sein.“

„Langweilig.“

Minerva lächelte nun offen.

„Geduld ist selten langweilig.“

Hermine musterte sie, ihre Augen weich geworden.

„Dann sollte ich wohl dafür sorgen, dass du dich später nicht mehr an deine Vernunft erinnerst.“

Minerva strich mit dem Daumen über Hermines Seite.

„Darauf“, sagte sie ruhig, „freue ich mich bereits.“

Hermine verharrte noch einen Moment, als müsse sie sich erst dazu entschließen, tatsächlich aufzustehen. Dann rutschte sie mit einem leisen Seufzer von Minervas Schoß und stellte sich aufrecht hin. Fast automatisch strich sie ihren Rock glatt und fuhr sich mit den Händen über die Hüften, als wolle sie auch die letzten Spuren ihrer Nähe ordnen. Minerva beobachtete sie dabei mit einem sanften Ausdruck, den sie sich nur in Hermines Gegenwart erlaubte.

„Wie lange musst du noch arbeiten?“, fragte Hermine schließlich und schob eine widerspenstige Haarsträhne hinter ihr Ohr.

Minerva warf einen kurzen Blick auf den Stapel Pergamente auf ihrem Schreibtisch. Die vertraute Last fühlte sich nach diesem Nachmittag erstaunlich leicht an.

„Wenn nichts Unvorhergesehenes mehr geschieht, sollte ich bis zum Abendessen fertig sein.“

Hermine nickte langsam.

„Gut. Dann werde ich die Zeit nutzen und noch ein wenig Unterricht vorbereiten. Die Drittklässler treiben mich sonst morgen in den Wahnsinn, wenn ich nicht bestens organisiert bin.“

„Eine weise Entscheidung, Professor Granger.“

Hermine lächelte bei der förmlichen Anrede, trat noch einmal auf Minerva zu und legte kurz ihre Hand an deren Wange. Der folgende Kuss war flüchtig, kaum mehr als ein warmes Versprechen und doch blieb er einen Herzschlag länger, als es ein Abschiedskuss eigentlich müsste.

„Bis später, Minerva.“

„Bis später.“

Nur widerwillig löste Hermine sich, ging zur Tür und hob den Zauber auf. Das Schloss klickte leise. Noch einmal drehte sie sich um, ihr Blick hell und voller unausgesprochener Gedanken. Dann huschte sie hinaus in den Korridor. Die Tür fiel leise ins Schloss. Für einen Moment blieb Minerva einfach sitzen. Die Stille ihres Büros hatte etwas vollkommen anderes angenommen. Sie war nicht mehr angespannt, sondern ruhig, beinahe schwebend. Sie atmete tief ein, richtete ihre Robe und richtete sich schließlich auf. Es wartete noch Arbeit auf sie, doch während sie die erste Rolle Pergament zu sich zog, bemerkte sie, dass ein kaum wahrnehmbares Lächeln auf ihren Lippen lag.

Der Abend konnte kommen.

Beim Abendessen hatte sich die Atmosphäre spürbar verändert. Die Große Halle summte leise vor Gesprächen, Gelächter und dem vertrauten Klirren von Besteck. Es war, als hätte jemand eine unsichtbare Last von Hogwarts genommen. Selbst jene Kollegen, die den Nachmittag nur aus der Ferne mitverfolgt hatten, schienen erleichtert, dass das Ministerium wieder verschwunden war, ohne neue Auflagen, ohne schwebende Drohungen. Minerva saß aufrecht an ihrem Platz, würdevoll wie immer und beteiligte sich an der Konversation, nickte hier, lächelte dort. Mehr als einmal wurde angedeutet, wie gut es sei, dass Hogwarts sich nicht länger rechtfertigen müsse. Wie wichtig Stabilität sei. Vertrauen.

'Wenn ihr wüsstet', dachte sie trocken, während sie einen Schluck Tee nahm.

Ihr Blick wanderte unwillkürlich den Tisch entlang.

Featherstone.

Er war der Einzige, der nicht wirklich mitlachte. Sein Gesicht wirkte angespannt, sein Lächeln — wenn es denn eines war — zu schmal, zu berechnend. Als sich ihre Blicke kurz trafen, hielt er ihren einen Moment zu lange fest. Minerva brach den Blickkontakt als Erste.

Sie wusste es.

Er wusste es.

Nicht jedes Detail, nicht den ganzen Weg, aber genug. Genug, um zu begreifen, dass die Beweise nicht einfach verschwunden waren. Dass jemand schneller, klüger und entschlossener gewesen war als er. Und sie war sich ebenso sicher, dass er erkannt hatte, was das bedeutete: Das Ministerium würde nicht weiter nachforschen. Nicht ohne Handfestes. Nicht gegen sie.

Ein leises Ziehen legte sich in Minervas Magen, doch sie ließ sich nichts anmerken. Sie hatte Jahrzehnte Erfahrung darin, ihre Gedanken hinter einer Maske aus Ruhe und Autorität zu verbergen. Featherstone wollte ihren Platz. Das war ihr schon lange klar. Und Männer wie er gaben nicht einfach auf, nur weil sie eine Schlacht verloren hatten. Minerva straffte unmerklich die Schultern.

'Dann wird er eben noch lernen', dachte sie kühl, 'dass Hogwarts kein Spielbrett ist. Und ich keine Figur, die man vom Feld schiebt.'

Sie würde wachsam bleiben. Vorsichtig. Entschlossen. Und wenn es nötig war, würde sie jedes Mittel einsetzen, um das zu verteidigen, was sie aufgebaut hatte — diese Schule, ihre Integrität und das, was ihr inzwischen mehr bedeutete, als sie je offen zugeben würde.

Am anderen Ende des Tisches lachte Hermine über einen Kommentar von Flitwick, hell und unbeschwert. Für einen kurzen Moment traf Minervas Blick den ihren. Ein stilles Verständnis lag darin, warm und fest. Minerva erlaubte sich ein kaum sichtbares Lächeln. Der heutige Tag mochte vorbei sein, doch sie war bereit für alles, was noch kommen würde.