Jetzt erst recht
Jetzt erst recht
Hallo meine Lieben,
ich möchte mich erst mal für die ganzen Reviews von euch bedanken. Ich freue mich jedes Mal so sehr darüber und ihr motiviert mich :D DANKE, DANKE, DANKE!!!
Heute gibt es mal wieder ein noch längeres Kapitel ;) Ich hoffe, ihr habt daran eure Freude und wünsche euch wie immer viel Spaß beim Lesen.
Liebe Grüße,
M.
Der Dienstagmorgen begann mit dichtem, grauem Wolkenhimmel. Das Licht, das durch die hohen Fenster fiel, war weich und gedämpft, beinahe silbrig und verlieh Minervas Schlafzimmer eine ruhige, abgeschirmte Atmosphäre, als hätte die Welt draußen beschlossen, sich noch ein wenig zurückzuhalten.
Hermine blinzelte verschlafen und streckte sich vorsichtig, darauf bedacht, die Wärme neben sich nicht zu verlieren. Die Decke war halb verrutscht und sie konnte die vertraute, beruhigende Nähe sofort spüren. Ein glückliches Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Die Nacht war… nun ja. Alles andere als ruhig gewesen.
Ein leises Kichern entfuhr ihr, als einzelne Erinnerungen zurückkehrten — zuerst flüchtige Berührungen, geflüsterte Worte, dieses seltene, ungezügelte Lachen, das sie nur miteinander teilten, doch dann schlug die Stimmung um und sie verloren sich in ihrer Lust. Es war aber nicht nur Leidenschaft gewesen, sondern etwas Tieferes, etwas, das Hermine noch immer ganz warm ums Herz werden ließ. Vorsichtig drehte sie den Kopf. Minerva schlief noch, ihr Gesicht entspannt, frei von jener strengen Wachsamkeit, die sie tagsüber fast nie ablegte. Eine dunkle Strähne lag weich an ihrer Schläfe. Hermine betrachtete sie einen langen Moment. Wie selbstverständlich es sich inzwischen anfühlte, hier zu sein. Neben ihr aufzuwachen. Zwar immer noch heimlich, aber nicht mehr angespannt, sondern mit dem stillen Vertrauen, dass sie diese gestohlenen Stunden verdient hatten.
Und das Ministerium war fort. Keine bohrenden Fragen mehr. Keine prüfenden Blicke. Keine drohenden Konsequenzen.
Zumindest fürs Erste.
Ganz behutsam hob Hermine eine Hand und strich Minerva die lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Fingerspitzen verweilten einen Moment zu lange, als könnten sie sich nicht entscheiden, ob sie die Stille bewahren oder sie brechen sollten. Minerva regte sich. Ein kaum hörbares Murmeln, dann ein langsames Einatmen und schließlich öffneten sich ihre grünen Augen einen Spalt. Für einen kurzen Moment wirkte sie orientierungslos, doch als ihr Blick auf Hermine fiel, wurde er sofort weich.
„Guten Morgen“, sagte Hermine leise.
Sie beugte sich vor und küsste Minerva sanft, während sie ihren Arm um Minervas Taille schob. Minervas Lippen formten ein müdes, aber aufrichtiges Lächeln.
„Ein ausgesprochen guter Morgen, wie mir scheint.“
Ihre Stimme war noch rau vom Schlaf. Hermine rückte ein wenig näher.
„Ich wollte dich nicht wecken.“
„Dann hättest du mich nicht so ansehen dürfen, mein Schatz“, erwiderte Minerva trocken, doch ihr Ton war zärtlich.
Hermine schmunzelte.
„Kann ich nichts für. Du bist einfach zu schön, wenn du schläfst.“
Eine Augenbraue hob sich minimal, jener vertraute Ausdruck gespielter Strenge.
„Schmeichelei gleich nach dem Aufwachen? Ein gewagter Einstieg in den Tag.“
„Nur die Wahrheit.“
Minerva hob langsam eine Hand und legte sie an Hermines Wange. Ihre Berührung war warm, ruhig, vertraut und Hermine lehnte sich unwillkürlich hinein. Für einen Moment sagten beide nichts. Der Wind strich leise gegen die Fensterscheiben.
„Bist du glücklich?“, fragte Minerva schließlich, so leise, als sei es eine Frage, die nur in diesem Zimmer existieren durfte.
Hermines Antwort kam ohne Zögern.
„Sehr. Solange ich dich habe bin ich sehr glücklich.“
Minervas Daumen strich sanft über ihre Haut. Dann zog sie Hermine ein Stück näher zu sich, bis ihre Stirn beinahe ihre berührten. Ein kurzer, ruhiger Kuss folgte. Er war nicht stürmisch, nicht drängend. Eine stille Bestätigung dessen, was zwischen ihnen gewachsen war. Als sie sich wieder voneinander lösten, blieb Hermine noch dicht bei ihr.
„Ich glaube“, murmelte sie, „nach all dem haben wir uns diese Ruhe verdient.“
Minerva atmete tief durch.
„Für den Moment gehört sie uns“, sagte sie. „Und ich gedenke, jeden Moment zu genießen.“
Draußen mochten die Wolken hängen, doch hier, in diesem stillen Raum, fühlte sich der Morgen erstaunlich hell an.
Die folgenden Tage verliefen beinahe unheimlich ruhig. Für Hogwarts jedenfalls. Für Minerva und Hermine bedeutete diese Ruhe vor allem eines: ein Aufatmen. Die Anspannung der vergangenen Wochen wich langsam aus den Gängen, aus dem Lehrerzimmer und aus ihnen selbst. Die Atmosphäre hatte sich spürbar entspannt, als hätte das Schloss selbst erkannt, dass die drohende Gefahr fürs Erste gebannt war. Natürlich änderte sich nach außen nichts.
Minerva blieb die souveräne, unerschütterliche Schulleiterin.
Hermine die engagierte, brillante Referendarin, stets vorbereitet, stets professionell.
Kein Blick zu lang, keine Berührung zu nah, kein Lächeln, das man nicht auch kollegial hätte deuten können. Ihre Nähe gehörte weiterhin den Momenten hinter verschlossenen Türen:
Leise Gespräche spätabends, eine Hand, die im Vorübergehen den Ärmel streifte, ein kurzer Kuss im Halbschatten von Minervas Büro, wenn sicher war, dass niemand sie stören würde. Kleine, kostbare Inseln, auf denen sie ihre Gefühle zuließen und sonst nirgends und doch war Minerva nicht entgangen, dass sich gegen Ende der Woche etwas veränderte.
Hermines Lachen wurde seltener. Ihre Schultern wirkten angespannter. Ihre Gedanken schienen öfter abzuschweifen.
Am Samstagmorgen, ein seltener Moment ohne Termine, ohne Sitzungen, saßen sie gemeinsam im Wohnzimmer von Minervas Quartier. Der Tee dampfte noch, doch Hermine hatte kaum davon getrunken. Minerva beobachtete sie eine Weile schweigend, dann legte sie die Zeitung beiseite.
„Du bist weit weg“, stellte sie ruhig fest.
Hermine zuckte kaum merklich zusammen, dann seufzte sie leise.
„So offensichtlich?“
„Für mich schon.“
Einen Moment schwieg Hermine, drehte die Tasse zwischen ihren Händen. Schließlich nickte sie langsam.
„Ich habe… etwas verdrängt“, gab sie zu. „In all dem Chaos mit dem Ministerium habe ich nicht daran gedacht, dass es bald Dezember ist.“
Minervas Blick wurde aufmerksamer.
„Und das bedeutet?“
Hermine hob den Kopf, ihre Augen ernst.
„Dass Featherstone und ich wieder gemeinsam unterrichten werden.“
Der Name hing schwer zwischen ihnen.
„Ich weiß“, fuhr Hermine fort, „es ist offiziell alles vom Tisch, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er das einfach so hinnimmt.“ Ein bitteres Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Nicht nach dieser… Niederlage.“
Minerva lehnte sich etwas zurück, die Arme sanft um Hermine gelegt.
„Du glaubst, er wird es an dir auslassen.“
„Nicht offen“, sagte Hermine sofort. „Dazu ist er zu vorsichtig, aber unterschwellig. Kleine Spitzen. Zweifel an meiner Kompetenz. Vielleicht sogar Versuche, mich zu provozieren.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Und ganz ehrlich? Ich habe keine Lust, ihm jeden Tag gegenüberzusitzen und so zu tun, als wäre nichts gewesen.“
Minerva schwieg einen Moment, dann streckte sie die Hand aus und legte sie über Hermines.
„Deine Bedenken sind berechtigt“, sagte sie ruhig. „Und du hast recht. Featherstone wird das nicht einfach abhaken.“
Hermine sah sie an.
„Das ist es, was mir Angst macht. Nicht, dass er etwas beweisen könnte, sondern dass er einfach… nicht aufhört.“
Minervas Finger schlossen sich ein wenig fester um Hermines Hand.
„Dann wird er feststellen“, erwiderte sie leise, aber mit jener ruhigen Entschlossenheit, die keinen Widerspruch duldete, „dass weder du noch ich bereit sind, ihm auch nur einen Zentimeter Raum zu lassen.“
Hermine atmete langsam aus.
„Du bist nicht allein damit“, fuhr Minerva fort. „Und sollte Featherstone auch nur den kleinsten Schritt zu weit gehen, werde ich es wissen.“
Ein schwaches, dankbares Lächeln erschien auf Hermines Lippen.
„Manchmal vergesse ich“, sagte sie leise, „wie sehr es hilft, das von dir zu hören.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Dann sollte ich es wohl öfter sagen.“
Sie zog Hermine sanft näher zu sich, bis sie Schulter an Schulter saßen. Draußen kündigte der November bereits den Winter an und mit ihm neue Herausforderungen, doch für diesen Moment, an diesem stillen Wochenende, war eines klar:
Was auch kommen mochte, sie würden es gemeinsam tragen.
Der Montag begann kalt. Nicht nur draußen, wo ein scharfer Wind über den Hof fegte und den Himmel in ein trübes Grau tauchte, auch im Klassenzimmer für Verwandlung lag eine Kälte, die nichts mit dem Wetter zu tun hatte.
Hermine betrat den Raum früh, wie immer. Die Schüler waren noch nicht da. Die Bänke standen ordentlich, die Fenster waren beschlagen und an der Tafel stand Featherstone. Er hatte seinen Mantel bereits abgelegt, die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt, den Rücken halb zu ihr gewandt. Mit bedächtiger, beinahe demonstrativer Ruhe schrieb er das neue Thema an die Tafel. Die Kreide kratzte leise, gleichmäßig.
„Fortgeschrittene transfigurierende Strukturveränderungen“, las er halblaut, dann setzte er noch eine Unterzeile darunter, seine Handschrift akribisch, fast übertrieben ordentlich.
Hermine blieb einen Moment stehen, dann ging sie an ihren Platz, legte ihre Unterlagen ab und atmete tief durch.
„Ich dachte“, begann Featherstone schließlich, ohne sich umzudrehen, „wir könnten heute etwas… ambitionierter arbeiten.“
Ein kaum wahrnehmbares Lächeln lag in seiner Stimme. Hermine antwortete ruhig:
„Das Thema ist anspruchsvoll, ja. Aber die Klasse ist soweit.“
Er schnaubte leise.
„Das werden wir sehen.“
Er drehte sich immer noch nicht zu ihr um, nahm stattdessen eine neue Kreide, als müsse er seine Worte sorgfältig abwägen.
„Natürlich setzt das voraus“, fuhr er fort, „dass man klare Strukturen vermittelt. Nicht jeder unterrichtet ja… gleich gründlich.“
Da war sie. Die erste Spitze. Hermine spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Sie zwang sich, ihre Haltung locker zu halten, die Hände ruhig auf dem Tisch gefaltet.
„Meine bisherigen Lernergebnisse sprechen für sich“, erwiderte sie sachlich. „Die Klasse hat die letzten Prüfungen überdurchschnittlich abgeschlossen.“
Featherstone lächelte nun sichtbar, immer noch mit dem Rücken zu ihr.
„Statistiken“, sagte er gedehnt. „Die lassen sich bekanntlich vielseitig interpretieren.“
Er warf die Kreide in die Ablage und drehte sich endlich um. Sein Blick streifte sie nur kurz, kühl und berechnend, als wäre sie kaum mehr als ein Nebengeräusch.
„Aber ich bin sicher“, fügte er hinzu, „dass wir heute alle voneinander lernen können.“
Hermine presste die Lippen kurz aufeinander. Innerlich brodelte es. Die Ungerechtigkeit. Die Arroganz. Das Wissen, dass er ganz genau wusste, was er tat und wie wenig er riskierte, solange er sich innerhalb der Grenzen des Formalen bewegte. Sie dachte an Minervas Worte vom Wochenende. Keinen Zentimeter Raum lassen. Als die ersten Schüler den Raum betraten und sich murmelnd setzten, richtete Hermine sich auf.
„Dann lassen Sie uns beginnen“, sagte sie klar und ruhig. „Die Schüler warten.“
Featherstones Blick glitt nun doch zu ihr, für einen kurzen, vielsagenden Moment. In seinen Augen lag kein Triumph, eher Geduld. Als hätte er Zeit. Als wüsste er, dass dies erst der Anfang war.
Hermine zwang sich zu einem professionellen Lächeln und wandte sich der Klasse zu, doch unter der ruhigen Oberfläche sammelte sich etwas. Und sie wusste: Dieser Unterricht würde sie mehr kosten als bloße Konzentration.
Die letzten Schüler nahmen ihre Plätze ein, das Stimmengewirr verebbte, Stühle rückten. Featherstone stellte sich demonstrativ an die Seite der Tafel, verschränkte die Arme und räusperte sich.
„Gut“, sagte er laut. „Wie angekündigt beginnen wir heute mit fortgeschrittenen Strukturveränderungen.“
Er sprach ein paar einleitende Sätze, präzise, glatt, fast dozierend, dann, zu Hermines völliger Überraschung, machte er eine kleine, einladende Handbewegung in ihre Richtung.
„Professor Granger“, sagte er. „Vielleicht möchten Sie die theoretischen Grundlagen erläutern.“
Mehrere Schüler blickten neugierig zu ihr. Hermine blinzelte kurz, fing sich aber sofort.
„Natürlich“, sagte sie ruhig und trat nach vorn.
Sie nahm ihren Zauberstab zur Hand, zeichnete eine einfache schematische Skizze an die Tafel und begann strukturiert zu erklären: Übergangszustände, magische Stabilität, die Bedeutung mentaler Fokussierung.
„Besonders wichtig“, setzte sie an, „ist das Verständnis der inneren Struktur eines Objekts, bevor—“
„Das ist bekannt“, unterbrach Featherstone scharf.
Hermine hielt inne. Ein kaum merkliches Zucken ging durch ihre Schultern.
„Die Schüler müssen das verstehen“, entgegnete sie beherrscht. „Ohne diese Grundlage—“
„—verlieren wir wertvolle Zeit“, fiel er ihr erneut ins Wort. Er trat ein Stück näher, sein Ton freundlich, aber schneidend. „Wir sind hier nicht im Grundkurs.“
Ein paar Schüler wechselten verunsicherte Blicke. Hermine spürte, wie ihr Puls schneller schlug.
„Theorie ist kein Zeitverlust“, sagte sie fest. „Sie verhindert Fehler.“
Featherstone lächelte dünn.
„Oder sie verhindert Fortschritt.“
Er deutete auf die Tafel.
„Vielleicht kommen Sie schneller zum praktischen Teil. Einige von uns haben schließlich einen straffen Lehrplan.“
'Einige von uns', dachte Hermine bitter. Sie zwang sich, tief durchzuatmen. Nicht reagieren. Nicht emotional werden. Minervas Stimme klang ihr im Kopf nach: Ruhe ist Macht.
„Gut“, sagte sie schließlich, beinahe zu ruhig. „Dann überspringen wir den vertiefenden Abschnitt.“
Sie wandte sich wieder der Klasse zu, erklärte die Übung, verteilte Aufgaben so professionell und souverän wie immer, doch jedes Mal, wenn sie einen Gedanken ausführen wollte, kam von der Seite ein leiser Kommentar.
„Das hatten wir schon.“
„Kommen Sie bitte zum Punkt.“
„Das ist unnötig detailliert.“
Hermine hielt stand. Sie lächelte. Sie erklärte weiter, aber innerlich spannte sich alles in ihr an wie ein Draht kurz vor dem Reißen. Sie wusste: Featherstone wollte sie aus dem Gleichgewicht bringen. Vor den Schülern. Langsam, systematisch. Und während sie ruhig weiterunterrichtete, traf sie eine stille Entscheidung.
'Nicht heute', dachte sie. 'Aber ich werde mir das nicht gefallen lassen.'
Die Stunde neigte sich dem Ende zu. Hermine ließ den Schülern noch Zeit für Fragen. Zu ihrer Überraschung trauten sich einige Schüler Fragen zu stellen und Hermine antwortete ruhig und ausführlich, auch wenn sie immer wieder genervte Seufzer von Featherstone hörte.
„Gut. Das war es für heute. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Der Unterricht ist beendet.“
Die Schüler packten hastig zusammen und verließen beinahe fluchtartig den Raum. Die Tür fiel hinter dem letzten Schüler ins Schloss. Einen Moment lang war es still, diese besondere, gespannte Stille, die nach einem Sturm zurückbleibt. Hermine sammelte gerade ihre Unterlagen ein, als Featherstone langsam in die Mitte des Raumes trat.
„Nun“, begann er gedehnt, „das war… aufschlussreich.“
Hermine hob den Blick.
„Wenn Sie fachliche Kritik haben, dann bitte konkret.“
Er lachte leise.
„Fachlich? Ach, ich dachte eher an methodisch. Ihr Hang zur Kontrolle, Ihr Bedürfnis, alles zu dominieren, das war heute kaum zu übersehen.“
Hermine spürte, wie sich etwas in ihr löste. Die wochenlange Zurückhaltung, das Schlucken jeder Spitze, jede demonstrative Unterbrechung. Es war genug.
„Wissen Sie, Featherstone“, sagte sie ruhig, aber mit scharfer Kante, „was heute kaum zu übersehen war? Ihr Versuch, mich vor den Schülern zu untergraben. Wenn Sie ein Problem mit mir haben, dann tragen Sie es offen aus und nicht passiv-aggressiv im Unterricht.“
Er zog eine Augenbraue hoch.
„Oh? Endlich Rückgrat.“
Hermine trat einen Schritt näher.
„Ich lasse mir weder meine Kompetenz noch meinen Unterrichtsstil von Ihnen absprechen. Nicht von jemandem, der Kritik mit Provokation verwechselt.“
Featherstones Mundwinkel zuckten. Dann grinste er langsam, beinahe selbstzufrieden.
„Interessant“, sagte er. „Diese Entschlossenheit.“
Er musterte sie nun offen.
„Da wundert es mich eigentlich nicht mehr.“
Hermine verschränkte die Arme.
„Was wundert Sie nicht?“
Sein Ton wurde leiser, gefährlicher.
„Dass es für Sie wohl ein Leichtes war, Professor McGonagall um den Finger zu wickeln.“
Die Worte trafen wie ein Schlag.
„Ihre Art“, fuhr er fort, sichtlich zufrieden mit sich selbst. „Diese Mischung aus Intelligenz und… Nähe. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schnell so etwas eine Richtung einschlägt, die weit über Kollegialität hinausgeht.“
Hermine erstarrte. Dann wurde ihre Stimme eiskalt.
„Passen Sie auf, was Sie sagen.“
Er lachte leise.
„Oh, ich lobe Sie doch nur. Entschlossen, ehrgeizig, zielstrebig.“ Sein Blick glitt über sie. „Manche Türen öffnen sich eben leichter, wenn man weiß, wie man sie berührt.“
Das war zu viel.
„Sie überschreiten gerade eine Grenze“, sagte Hermine scharf. „Und das wissen Sie.“
Featherstone zuckte nur mit den Schultern.
„Grenzen sind relativ.“ Er wandte sich zur Tür. „Aber keine Sorge, ich behalte meine Gedanken für mich. Vorerst.“
Hermines Hände ballten sich zu Fäusten. Ihr Herz pochte, nicht vor Scham, sondern vor Wut. Hermine atmete einmal tief durch — vergeblich. Die Worte, sein Tonfall, dieses selbstgefällige Grinsen … es war, als hätte er genau darauf gewartet.
„Sparen Sie sich Ihre Andeutungen“, fauchte sie. „Sie sind widerlich.“
Featherstone blieb stehen. Langsam drehte er sich um, sichtlich amüsiert.
„Oh, jetzt platzt Ihnen also doch der Kragen.“
„Sie provozieren mich seit Wochen“, fuhr Hermine fort. „Im Unterricht, danach, bei jeder Gelegenheit. Glauben Sie ernsthaft, das beeindruckt irgendwen?“
Sein Lächeln wurde schmal.
„Ich stelle nur fest, wie interessant sich die Dinge entwickelt haben.“ Er trat einen Schritt näher. „Wissen Sie, ich war beinahe am Ziel. Beinahe hätte ich sowohl Sie als auch Minerva dort gehabt, wo ich Sie haben wollte.“
Hermine erstarrte.
„Was soll das heißen?“
Er neigte den Kopf.
„Wenn nicht plötzlich etwas aus meinem Besitz verschwunden wäre.“ Seine Augen funkelten. „Sehr ärgerlich. Wirklich.“
„Sie meinen die Fotos.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Nennen wir es… belastendes Material.“
Hermine lachte trocken.
„Belastend? Für wen? Für einen Mann, der anderen heimlich nachstellt und sich dann wundert, wenn man ihm etwas wegnimmt, das ihm nie gehört hat?“
Featherstones Miene verhärtete sich.
„Seien Sie vorsichtig.“
„Nein“, sagte Hermine fest und trat ihm entgegen. „Jetzt hören Sie mir zu. Sie haben nichts. Gar nichts. Keine Beweise, keine Zeugen, keine Handhabe. Und das wissen Sie.“
Er beugte sich leicht vor.
„Glauben Sie wirklich, das Spiel sei vorbei?“
„Ich weiß es“, konterte sie. „Sie können drohen, sticheln, provozieren, so viel Sie wollen. Sie haben weder gegen Minerva noch gegen mich etwas in der Hand.“
Für einen Moment schwieg er. Dann grinste er wieder kalt, selbstsicher.
„Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagte er leise. „Ich verliere nicht. Früher oder später gewinne ich. Und Sie werden genauso fallen wie sie.“
Hermine hielt seinem Blick stand.
„Das wird nicht passieren.“
„Wir werden sehen.“
Er richtete sich auf, strich seine Robe glatt und ging zur Tür.
„Geduld“, murmelte er noch, bevor er den Raum verließ.
Die Tür fiel ins Schloss. Hermine blieb stehen, ihr Atem ging schnell. Sie wusste, dass sie ihm eben nicht nur widersprochen hatte. Sie hatte ihm offen den Krieg erklärt. Und tief in ihr war ihr eines glasklar:
Featherstone würde nicht aufgeben, aber sie auch nicht.
Hermine saß angespannt beim Mittagessen. Die vergangenen Stunden hatten sie sichtlich mitgenommen. Nach der deutlichen Auseinandersetzung wurde der Unterricht am Vormittag nicht besser. Featherstone provozierte weiter, kritisierte Hermine wo er nur konnte und selbst Schüler wollten sich für Hermine einsetzen, was die junge Frau allerdings sofort unterband. Die Schüler sollten nicht in diesen Krieg hineingezogen werden. Minerva bemerkte Hermines Verhalten sofort.
Hermine saß ein paar Plätze entfernt, stocherte mehr in ihrem Essen herum, als dass sie aß und antwortete nur einsilbig auf Pomonas beiläufige Bemerkungen. Ihre Schultern waren angespannt, der Rücken ungewöhnlich gerade, als hielte sie sich mit purer Willenskraft zusammen. Es war kein müdes Schweigen, es war kontrollierte Wut. Minervas Blick glitt unauffällig weiter durch die Große Halle.
Featherstone.
Er wirkte betont gelassen, fast zufrieden. Er aß mit ruhigen, bedachten Bewegungen und ließ seinen Blick immer wieder kurz zu Hermine wandern, gerade lange genug, um es als Absicht erkennen zu können. Als hätte er einen Stein ins Wasser geworfen und genoss nun die Kreise. Minerva presste die Lippen aufeinander.
Natürlich.
Sie hatte es geahnt. Nein, sie hatte es gewusst. Dieser Mann ließ Niederlagen nicht auf sich sitzen. Er sammelte sie, zerlegte sie und wartete geduldig auf den nächsten Angriffspunkt. Hermine hob kurz den Blick und traf Minervas Augen. Nur einen Herzschlag lang. Es reichte. Minerva sah darin Ärger, Verletztheit und etwas, das ihr einen Stich versetzte: den Versuch, es vor ihr zu verbergen.
Minerva wandte sich wieder ihrem Teller zu, äußerlich ruhig, innerlich jedoch längst auf Alarm geschaltet.
'Nicht hier', dachte sie. 'Nicht jetzt.'
Sie zwang sich, das Gespräch am Tisch weiterzuführen, nickte an den passenden Stellen, stellte eine Frage, lachte sogar kurz. Das Verhalten einer Schulleiterin, wie aus dem Lehrbuch, doch ihre Aufmerksamkeit blieb messerscharf. Als Featherstone schließlich aufstand und den Tisch verließ, folgte Minervas Blick ihm unwillkürlich. Erst als er außer Sicht war, entspannte sich Hermine einen winzigen Moment, doch zu spät, um unbemerkt zu bleiben. Minerva wusste genug.
'Später', beschloss sie still. 'Unter vier Augen.'
Was auch immer heute Morgen vorgefallen war, sie würde es erfahren und Featherstone würde sehr bald merken, dass es ein Fehler gewesen war, Hermine weiter unter Druck zu setzen.
Am späten Nachmittag beschloss Minerva das Gespräch mit Hermine zu suchen. Sie machte sich auf den Weg zu ihr und kam dabei am Klassenzimmer für Verwandlung vorbei. Minerva war schon fast vorbei, als sie die Stimme hörte. Seine Stimme. Hart. Schneidend. Voller Verachtung. Sie blieb abrupt stehen. Die Tür zum Verwandlungsklassenzimmer war nur angelehnt und Featherstones Stimme drang mühelos in den Korridor. Minerva brauchte nur einen Atemzug, um zu erkennen, dass hier gerade etwas gründlich aus dem Ruder lief.
„— unzureichend vorbereitet, eine solche Respektlosigkeit werde ich in meinem Unterricht nicht dulden“, zischte Featherstone. „Wenn Sie glauben, Sie könnten hier diskutieren—“
„Ich wollte nur erklären, Professor“, kam die Stimme einer Schülerin zurück, hörbar bemüht, nicht zu zittern. „Sie hatten gesagt—“
„Schweigen Sie“, schnitt Featherstone ihr das Wort ab. „Oder glauben Sie ernsthaft, Ihre Interpretation sei von Belang? Sie sollten froh sein, dass ich Ihre Inkompetenz überhaupt zur Kenntnis nehme.“
Das genügte. Die Tür flog mit einem scharfen Knall auf.
„Genug.“
Minervas Stimme war ruhig und gerade deshalb gefährlich. Featherstone fuhr herum. Für einen flüchtigen Moment wich die Überheblichkeit aus seinem Gesicht. Er trat unwillkürlich einen halben Schritt zurück, als hätte er instinktiv erkannt, dass er zu weit gegangen war. Die Schülerin stand wie versteinert neben ihrem Tisch, die Hände zu Fäusten geballt, die Augen glänzend. Minerva trat einen Schritt in den Raum. Ihre Haltung war aufrecht, ihr Blick fest auf Featherstone gerichtet. Die Wut stand ihr nicht laut, sondern glasklar ins Gesicht geschrieben.
„So sprichst du nicht mit Schülerinnen von Hogwarts“, sagte sie langsam. „Nicht heute. Nicht morgen. Und ganz sicher nicht unter meiner Aufsicht.“
Featherstone setzte zu einer Antwort an, doch Minerva hob nur leicht die Hand.
„Ich habe dich nicht um eine Erklärung gebeten.“
Stille. Minerva wandte sich der Schülerin zu, und ihre Stimme wurde augenblicklich weicher, bestimmt, aber warm.
„Miss Lynch, Sie gehen jetzt bitte. Holen Sie tief Luft, trinken Sie etwas Wasser und melden Sie sich danach bei Ihrer Hauslehrerin. Wir sprechen später noch einmal in Ruhe.“
Die Schülerin schluckte, nickte hastig und murmelte ein „Danke, Professor McGonagall“, bevor sie den Raum verließ.
Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Minerva drehte sich langsam wieder zu Featherstone um. Ihr Blick war eiskalt.
„Was genau“, begann sie leise, „glaubst du eigentlich, wer du bist?“
Featherstone richtete sich sichtbar auf, setzte sein gewohntes, überlegenes Lächeln auf, doch es wirkte gezwungen.
„Ich habe lediglich Disziplin eingefordert“, sagte er glatt. „Vielleicht bist du in letzter Zeit etwas empfindlicher, Minerva.“
Ein Fehler. Minerva trat näher an ihn heran, bis kaum noch eine Armlänge zwischen ihnen lag.
„Du erniedrigst keine Schülerinnen unter dem Deckmantel der Disziplin“, sagte sie ruhig. „Und du testest ganz sicher nicht meine Geduld.“
Ihr Blick bohrte sich in seinen.
„Ich dulde viel“, fuhr sie fort. „Aber Missbrauch von Autorität gehört nicht dazu. Wenn ich auch nur ein einziges weiteres Mal höre, dass du Schüler auf diese Weise behandelst, werden wir ein Gespräch führen, das dir deutlich weniger gefallen wird als dieses.“
Featherstones Lächeln zuckte. Für einen Moment blitzte etwas Unangenehmes in seinen Augen auf. Ärger, vielleicht sogar Hass.
„Verstanden“, sagte er schließlich.
Minerva hielt seinen Blick noch einen Herzschlag lang fest, dann wandte sie sich ab.
„Gut“, sagte sie kühl. „Dann rate ich dir, dich auch dementsprechend zu verhalten.“
Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Raum. Erst im Korridor atmete sie tief durch. Ihre Gedanken waren nun völlig klar:
Das Gespräch mit Hermine würde nicht länger warten können.
Minerva ging mit schnellen, entschlossenen Schritten den Korridor entlang. Jeder Zweifel war ihr inzwischen fremd. Sie wusste, dass etwas vorgefallen war und sie wusste auch, wer der Auslöser war. Vor Hermines Büro blieb sie nicht stehen. Sie klopfte nicht. Die Tür öffnete sich abrupt.
„Hermine.“
Minerva trat ein, schloss die Tür hinter sich und ging ohne Umschweife direkt auf den Schreibtisch zu. Ihr Blick ließ keinen Raum für Ausflüchte.
„Was genau ist zwischen dir und Featherstone vorgefallen?“
Hermine blickte überrascht auf. Für einen Moment blinzelte sie, dann hob sich leicht eine Augenbraue.
„Eigentlich sagt man ja erst einmal Guten Tag, bevor man ein Büro stürmt“, meinte sie mit einem schiefen, bemüht lockeren Lächeln.
Minerva blieb stehen. Verschränkte die Arme.
„Das hier ist kein Scherz, Hermine.“
Die Schärfe in ihrer Stimme ließ keinen Zweifel. Sie beugte sich leicht vor.
„Was. Ist. Passiert.“
Hermine seufzte leise. Ihr Lächeln verschwand.
„Ich wollte die Stimmung nur ein wenig auflockern“, murmelte sie.
Dann schüttelte sie den Kopf, stand auf und lehnte sich gegen die Tischkante.
„Heute Morgen im Unterricht“, begann sie ruhiger. „Er hat von Anfang an provoziert. Kleine Spitzen, abfällige Kommentare. Vor den Schülern. Ich habe versucht, professionell zu bleiben.“
Minervas Kiefer spannte sich.
„Nach der Stunde“, fuhr Hermine fort, „ist er dann persönlicher geworden. Hat meine Kompetenz infrage gestellt, meine Haltung. Und dann…“
Sie hielt kurz inne, als würde sie abwägen, ob sie es wirklich aussprechen sollte.
„Dann hat er angedeutet, dass er sich nun erklären könne, warum es mir so leicht gefallen sei, dich um den Finger zu wickeln.“
Minervas Augen verdunkelten sich gefährlich.
„Ich bin laut geworden“, sagte Hermine offen. „Hab ihm gesagt, dass er nichts in der Hand hat. Dass seine Drohungen leer sind.“
Sie atmete tief durch.
„Daraufhin meinte er nur, es sei alles nur eine Frage der Zeit. Dass ich genauso fallen würde wie du.“
Stille. Minerva sagte zunächst nichts. Ihre Hände ballten sich langsam zu Fäusten, dann zwang sie sich zur Ruhe. Als sie schließlich sprach, war ihre Stimme ruhig, fast zu ruhig.
„Er hat dich bedroht.“
Hermine zuckte mit den Schultern, versuchte es herunterzuspielen.
„In seiner verdrehten Art, ja. Aber er hat nichts Konkretes. Wirklich nicht.“
Minerva trat näher. Legte eine Hand auf Hermines Arm.
„Das ist nicht akzeptabel“, sagte sie fest. „Und es wird nicht unbeantwortet bleiben.“
Hermine sah zu ihr auf.
„Ich wusste, dass du es merken würdest“, sagte sie leise. „Du schaust mich nie nicht an.“
Für einen kurzen Moment wich die Härte aus Minervas Gesicht.
„Dann hör mir jetzt gut zu, Hermine“, sagte sie ruhig, aber unmissverständlich. „Featherstone hat heute eine Grenze überschritten. Mehr als eine.“
Ihr Blick war entschlossen.
„Und ich werde dafür sorgen, dass er das sehr bald begreift.“
Hermine trat einen Schritt näher und nahm Minervas Hände in ihre. Ganz bewusst, ruhig, fest. Die Wirkung war sofort spürbar. Die Spannung in Minervas Schultern ließ nach, ihr Atem wurde gleichmäßiger, der harte Ausdruck in ihrem Gesicht wich langsam.
„Es tut mir leid“, sagte Minerva schließlich leise. „Für mein Hereinplatzen. Für den Ton.“
Sie senkte kurz den Blick. „Das war nicht… angemessen.“
Hermine lächelte sanft, ihre Daumen strichen beruhigend über Minervas Fingerknöchel.
„Doch“, entgegnete sie ruhig. „Es war ehrlich.“
Sie hob leicht die Schultern.
„Und ehrlich gesagt? Ein solcher Ausbruch macht dich nicht schwächer. Er macht dich menschlich.“
Minerva sah sie an — lange, prüfend — dann hob sie eine Hand und legte sie an Hermines Wange. Beugte sich vor und drückte ihr einen sanften, fast schützenden Kuss auf die Stirn.
„Hermine“, sagte sie ernst, mit einer Tiefe, die keinen Zweifel ließ. „Ich verspreche dir eines: Ich werde alles tun, um dich zu schützen.“
Ihr Blick wurde fest, entschlossen.
„Vor Featherstone. Vor dem Ministerium. Vor allem, was dir schaden könnte.“
Sie hielt Hermines Hände fester.
„Jetzt erst recht.“
Hermine schluckte, sichtbar gerührt und lächelte dann warm.
„Ich weiß“, sagte sie leise. „Und genau deshalb habe ich keine Angst.“
Für einen Moment standen sie einfach so da — still, verbunden — während draußen der Schulalltag weiterging, ahnungslos gegenüber dem stillen Schwur, der gerade zwischen ihnen erneuert worden war.