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Das größere Spiel

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Das größere Spiel

Nach dem Mittagessen zog Hermine sich in ihr Zimmer zurück, richtete sich sorgfältig her und prüfte noch einmal, ob alles für den Besuch in Hogsmeade bereit war. Frisur, Kleidung, alles saß perfekt. Dann machte sie sich auf den Weg zu Minervas Büro. Die Schulleiterin saß konzentriert über ihren Unterlagen, die Stirn leicht gerunzelt, die Feder ruhig in der Hand. Hermine blieb einen Moment stehen, beobachtete Minerva und lächelte leise.

„Liebling?“

Minerva hob den Blick, und ein warmes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Du bist schon fertig?“

Hermine nickte.

„Ja. Ich werde jetzt aufbrechen“, sagte sie, während sie näher trat.

Minerva ließ ihren Blick über Hermine gleiten. Sie trug einen beigefarbenen Rollkragenpullover, eine schwarze Hose, dazu Stiefel in beige und einen schwarzen Wintermantel. Die Haare hatte Hermine zurück gebunden und sie trug ein dezentes Make-up. Kurz gesagt: sie sah wunderschön aus.

„Dann wünsche ich dir viel Spaß, Hermine. Und grüß Caleb bitte von mir“, sagte sie lächelnd.

Hermine nickte, ihre Augen glänzten.

„Das werde ich. Und Minerva…“

Die Ältere sah sie fragend an.

„Keine Sorge, ich bin bald zurück.“

Minerva nickte, legte die Feder auf den Schreibtisch und erhob sich.

„Genieß den Tag.“

Hermine kam näher und griff nach Minervas Händen. Sanft zog sie sie zu sich und streichelte über Minerva Wange.

„Egal was du an Klatsch und Tratsch hören wirst… hör nicht darauf. Du weißt, dass ich dich liebe. Nur dich.“

Minerva lächelte Hermine warm an.

„Ich weiß. Nun solltest du aber wirklich gehen. Lass ihn nicht zu lange warten.“

„Gleich. Erst muss ich noch etwas dringendes erledigen.“

Bevor Minerva etwas sagen konnte, war sie bereits in Hermines Armen und spürte ihre weichen, warmen Lippen auf ihren. Hermine küsste Minerva ein zweites und ein drittes Mal.

„Das war dringend nötig“, meinte Hermine grinsend.

Minerva prustete amüsiert und schüttelte den Kopf.

„Unverbesserlich.“

Sie tauschten noch einen letzten Blick, in dem mehr lag als Worte und dann verließ Hermine das Büro, entschlossen und voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit Caleb, während Minerva sich wieder ihren Unterlagen widmete.

Minerva legte die Feder mit einem leisen Seufzer beiseite und lehnte sich zurück. Ihr Blick glitt zum Fenster, wo der schwache Winternachmittag die Türme von Hogwarts in graues Licht tauchte. Doch so sehr sie versuchte, sich wieder auf ihre Unterlagen zu konzentrieren, ihre Gedanken kreisten immer wieder um Hermine.

Sie sah, wie Hermine das Schloss verlassen hatte, um Caleb zu treffen und obwohl Minerva genau wusste, dass zwischen den beiden nichts als Freundschaft bestand, schlichen sich Bilder und Möglichkeiten in ihren Kopf, die sie nicht wollte.

„Warum machst du dir das immer so schwer, Minerva?“, murmelte sie leise zu sich selbst.

Sie fühlte die bekannte Mischung aus Eifersucht und Besorgnis in ihrer Brust, eine Emotion, die sie längst unter Kontrolle zu haben glaubte. Ihre Finger trommelten unruhig auf dem Schreibtisch, ihr Herz klopfte schneller.

„Es ist lächerlich. Sie liebt mich. Ich weiß es. Alles andere ist nur Einbildung.“

Doch das Wissen half nur wenig. Sie ärgerte sich über sich selbst, über ihre eigenen Gefühle, die sie nicht einfach abstellen konnte. Trotz aller Rationalität spürte sie die kleine, hartnäckige Unsicherheit, die sich in ihrem Inneren festgesetzt hatte und es brauchte all ihre Kraft, um nicht die Kontrolle über ihre Gedanken zu verlieren.

Schließlich lehnte sie sich tiefer in den Stuhl zurück und schloss kurz die Augen. Sie musste sich zusammenreißen. Hermine vertraute ihr und Minerva würde sich selbst daran erinnern, dass Vertrauen die einzige Brücke war, die sie jetzt brauchte.

Kurz darauf klopfte es an der Tür. Pomona und Poppy streckten gleichzeitig ihre Köpfe hinein.

„Hoffentlich stören wir dich bei etwas“, sagte Poppy grinsend, ihre Augen blitzten schelmisch.

Pomona nickte zustimmend und fügte hinzu:

„So wie du aussiehst, kommen wir gerade richtig.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Und was ist der Anlass für diesen Überfall?“

Poppy trat mit einem verschmitzten Lächeln herein.

„Wir sind hier, um dich ein wenig abzulenken. Du siehst aus, als würdest du in deinen eigenen Gedanken ertrinken.“

Poppy setzte sich neben Minerva auf den Stuhlarm, lehnte sich leicht vor.

„Wir wissen genau, welche Szenarien du dir da gerade zusammenspinnt. Es ist höchste Zeit, dass du ein bisschen Luft bekommst.“

Minerva konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Die Präsenz ihrer beiden Freundinnen wirkte wie ein warmer Lichtstrahl in ihrem grauen Nachmittag.

„Ihr seid genau das, was ich gerade gebraucht habe“, gab sie zu, ihre Anspannung löste sich ein wenig. „Danke.“

Pomona zwinkerte ihr zu.

„Keine Sorge, wir haben da ein paar Ideen, wie wir dich wieder aufmuntern können.“

Minerva lehnte sich zurück, erleichtert, dass sie nicht allein gegen ihre wirren Gedanken ankämpfen musste. Mit Pomona und Poppy an ihrer Seite fühlte sie sich schon ein wenig leichter.

Pomona zog kurzerhand einen Stuhl heran und setzte sich Minerva gegenüber, während Poppy es sich demonstrativ bequem machte, als hätte sie vor, den restlichen Nachmittag dort zu verbringen.

„Also“, begann Poppy betont sachlich, „ich habe heute drei Schüler gehabt, die überzeugt waren, dass sie sich mit einem harmlosen Erkältungszauber selbst kurieren können.“

Minerva hob skeptisch eine Augenbraue.

„Ich ahne Schlimmes.“

„Zu Recht“, seufzte Poppy. „Einer von ihnen niest nun kleine Rauchwölkchen.“

Pomona lachte leise.

„Das ist immerhin dekorativ.“

Minerva konnte nicht anders. Ein leises, ehrliches Lachen entkam ihr. Es war nicht viel, aber genug, um den dichten Nebel in ihrem Kopf etwas zu lichten.

„Und du?“, fragte Pomona dann scheinbar beiläufig. „Wie viele Unterlagen hast du in den letzten zehn Minuten gelesen?“

Minerva blickte auf den Stapel vor sich.

„Keine.“

„Aha“, sagte Pomona zufrieden. „Dann erfüllen wir bereits unseren Zweck.“

Poppy beugte sich vor.

„Minerva, du weißt doch, dass Hermine klug ist. Und loyal. Wenn irgendjemand in diesem Schloss weiß, was er tut, dann sie.“

Minerva nickte langsam.

„Ich weiß.“

„Wissen reicht manchmal nicht“, sagte Pomona sanft. „Man muss es sich nur öfter sagen.“

Einen Moment war es still, aber diesmal war die Stille nicht schwer. Sie war getragen von Vertrautheit.

„Ihr beide seid unerträglich“, murmelte Minerva schließlich, doch ihr Blick war warm.

„Und genau deshalb sind wir hier“, entgegnete Poppy trocken.

Pomona erhob sich schließlich.

„Komm. Ein kurzer Spaziergang über die Ländereien. Frische Luft. Bewegung. Und wenn du willst, darfst du unterwegs über Featherstones pädagogische Fehltritte schimpfen. Eure 'Unterhaltung' ist ja das Top Thema.“

Minerva stand langsam auf.

„Das ist ein verlockendes Angebot.“

„Natürlich ist es das“, sagte Poppy und hakte sich kurzerhand bei ihr unter.

Als sie das Büro verließen, war Minervas Schritt noch immer nicht völlig leicht, aber deutlich fester. Ihre Gedanken mochten noch kreisen, doch sie war nicht allein mit ihnen.

Währenddessen erreichte Hermine das verschneite Hogsmeade. Der kleine Ort wirkte wie aus einer Winterpostkarte. Die Dächer weiß bedeckt, Atemwolken in der kalten Luft, vereinzeltes Lachen von Schülern, die ihren freien Nachmittag genossen.

Caleb wartete bereits am vereinbarten Treffpunkt. Als er sie entdeckte, hellte sich sein Gesicht sofort auf.

„Hermine.“

„Caleb.“

Sie traten aufeinander zu und umarmten sich herzlich — vertraut, aber ohne Zögern. Es war warm, ehrlich und doch spürte Hermine deutlich den Unterschied zu den Umarmungen, die sie inzwischen gewohnt war.

„Es ist gut, dich zu sehen“, sagte Caleb und trat einen Schritt zurück, um sie zu mustern.

„Du siehst… müde aus. Aber stark.“

Hermine lächelte leicht.

„Das fasst die letzten Wochen ziemlich gut zusammen.“

Sie begannen, langsam durch die verschneiten Straßen zu gehen. Ihre Schritte knirschten im Schnee, während Hermine von den Anhörungen, den Fragen, den Unterstellungen, dem Besuch des Ministeriums im Schloss erzählte. Caleb hörte aufmerksam zu, sein Gesicht zunehmend ernster.

„Es tut mir leid, dass ich davon nichts wusste“, sagte er schließlich. „Hätte ich auch nur eine Ahnung gehabt, ich hätte versucht, etwas herauszufinden.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Du warst unterwegs. Es war nicht deine Aufgabe.“

Er nickte langsam.

„Überrascht bin ich allerdings nicht.“

Hermine sah ihn fragend an.

„Nicht überrascht?“

Caleb atmete tief durch, sein Blick wanderte kurz über die Dächer des Dorfes, als sammle er seine Gedanken.

„Ich habe Nachforschungen angestellt“, sagte er schließlich leiser. „Über Olive Lockwood.“

Hermine blieb unwillkürlich stehen.

„Über Lockwood?“

Caleb nickte.

„Ihr Name ist mir im Ministerium schon früher begegnet und als ich hörte, dass sie in eure Angelegenheit involviert ist, habe ich begonnen, ein wenig tiefer zu graben.“

Hermine musterte ihn aufmerksam.

„Was genau hast du herausgefunden?“

Caleb sah sie ernst an.

„Olive Lockwood untersucht nichts ohne politischen Hintergedanken“, sagte er ruhig. „Und sie arbeitet selten allein.“

Hermine sah ihn scharf an.

„Was meinst du mit politischem Hintergrund?“

Caleb blieb stehen, steckte die Hände in die Manteltaschen und sprach leiser, obwohl niemand in unmittelbarer Nähe war.

„Lockwood ist nicht einfach nur eine akribische Beamtin“, sagte er. „Sie gehört zu einer Gruppe im Ministerium, die seit einiger Zeit versucht, mehr Einfluss auf Hogwarts zu bekommen. Mehr Kontrolle. Mehr Einblick.“

Hermine spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog.

„Kontrolle in welcher Hinsicht?“

„Lehrinhalte. Personalentscheidungen. Politische Ausrichtung der Schule.“ Caleb sah sie ernst an. „Hogwarts ist nicht nur eine Schule, Hermine. Es ist ein Symbol. Wer dort Einfluss hat, hat Einfluss auf die nächste Generation.“

Hermine schwieg einen Moment. Der Wind strich kalt über den Dorfplatz, doch sie nahm ihn kaum wahr.

„Und du glaubst, dass die Anhörungen…?“ begann sie.

„…mehr waren als eine reine Formalität?“ Caleb nickte. „Ja. Ich glaube, man wollte prüfen, wie stabil eure Position ist. Wie geschlossen ihr auftretet. Wo man ansetzen könnte.“

Hermine dachte sofort an Featherstone.

„Dann hat sie Verbündete“, sagte sie langsam. „Und ich wette, Featherstone gehört dazu.“

„Daran habe ich auch schon gedacht.“

„Er provoziert ständig. Fachlich, persönlich. Er scheint genau zu wissen, wo er ansetzen muss.“ Ihre Stimme wurde kühler. „Und er wirkt nie überrascht von ministeriellen Entwicklungen.“

Caleb dachte kurz nach.

„Das würde ins Bild passen. Lockwood arbeitet selten offen. Wenn sie jemanden in Hogwarts hätte, der Informationen liefert oder Unruhe stiftet…“

„…dann wäre das strategisch klug“, beendete Hermine den Satz.

Sie atmete tief durch. Plötzlich fühlte sich dieses Treffen weniger wie ein freundschaftliches Wiedersehen an und mehr wie eine Lagebesprechung.

„Warum sagst du mir das jetzt?“ fragte sie schließlich.

Caleb sah sie direkt an.

„Weil ich nicht glaube, dass das vorbei ist und wenn jemand versucht, euch unter Druck zu setzen, dann solltest du wissen, dass es möglicherweise ein größeres Spiel ist.“

Hermine nickte langsam. Ihre Gedanken wanderten unweigerlich zu Minerva.

Mehr Einfluss auf Hogwarts.

Instabile Positionen prüfen.

Interne Verbündete.

Das war keine bloße Bürokratie gewesen. Das war Strategie und plötzlich war sie sehr froh, dass sie Caleb getroffen hatte.

Hermine schwieg einen Moment. Der Schnee fiel leise um sie herum, doch in ihrem Kopf war es plötzlich laut geworden.

„Ich muss das erst einmal sacken lassen“, sagte sie schließlich leise.

Caleb nickte verständnisvoll.

„Das dachte ich mir.“

Sie gingen ein Stück weiter die Straße hinunter, bis sie vor dem Drei Besen standen. Warmes Licht fiel durch die beschlagenen Fenster, Stimmengewirr und Gelächter drangen nach draußen.

„Ablenkung?“, schlug Caleb vor.

Hermine lächelte leicht.

„Ablenkung.“

Drinnen war es voll, Schüler und einige Dorfbewohner suchten Schutz vor der Kälte. Sie setzten sich an einen kleinen Tisch nahe dem Fenster. Als Madam Rosmerta sie entdeckte, zwinkerte sie Hermine kaum merklich zu. Offensichtlich war die Nachricht vom Besuch bereits durchgesickert.

Für Außenstehende wirkten sie wie ein vertrautes Paar: Caleb beugte sich beim Sprechen näher zu ihr, Hermine lachte über eine seiner Anekdoten, ihre Hand lag locker auf seinem Arm. Es war mühelos, diese Rolle erneut zu spielen. Sie kannten einander lange genug, doch unter der Oberfläche blieb Hermines Geist wach.

Sie tranken Butterbier, sprachen bewusst über leichtere Themen. Über Calebs Reisen. Über London. Über alte Studienzeiten. Sie mieden Politik und Ministerium für ein paar Stunden und dennoch wusste Hermine, dass dieses Treffen mehr gewesen war als bloße Nostalgie.

Als das Licht draußen langsam dunkler wurde, stellte sie ihr drittes leeres Glas ab.

„Ich sollte zurück.“

Caleb nickte.

„Und ich muss den Portschlüssel nach London erwischen.“

Er bezahlte, half Hermine in ihren Mantel, wie ein wahrer Gentleman. Draußen vor dem Wirtshaus blieb sie stehen. Der Wind war kälter geworden.

„Danke, dass du gekommen bist“, sagte Hermine ehrlich.

Caleb sah sie ernst an.

„Pass auf dich auf. Und auf sie.“

Hermine wusste genau, wen er meinte.

„Das mache ich.“

„Ich werde im Ministerium weiter nachforschen“, fuhr er fort. „Unauffällig. Wenn es wirklich eine größere Strategie gibt, finde ich vielleicht Hinweise.“

Hermine nickte.

„Sei vorsichtig.“

Er lächelte schwach.

„War ich jemals etwas anderes?“

„Naja, wenn ich an das viele Nachsitzen denke, von dem du mir erzählt hast“, meinte Hermine lächelnd.

„Das klappt schon.“

Sie umarmten sich zum Abschied warm, aber ohne das Zögern eines unausgesprochenen Gefühls. Es war klar, was sie waren.

Freunde. Verbündete.

„Schreib mir, wenn du etwas erfährst“, sagte Hermine.

„Versprochen.“

Dann trennten sich ihre Wege. Caleb in Richtung Bahnhof, wo er seinen Portschlüssel erhalten würde. Hermine ging den verschneiten Pfad hinauf zurück nach Hogwarts und mit jedem Schritt wurde ihr klarer, dass dieser Nachmittag weitreichendere Folgen haben könnte, als sie es noch am Morgen gedacht hatte.

Zurück in Hogwarts wehte Hermine eine kalte Brise vom Innenhof entgegen, als sie die Stufen hinaufstieg. Ohne Umweg ging sie direkt zu Minervas Büro.

Sie klopfte, doch sie erhielt keine Antwort. Sie runzelte verwundert ihre Stirn.

'Sie ist vielleicht noch bei einem Rundgang', dachte sie.

Dennoch öffnete sie vorsichtig die Tür, aber das Büro war leer. Die Unterlagen lagen ordentlich gestapelt, die Feder beiseitegelegt. Kein Zeichen von Minerva. Ein leiser Anflug von Unruhe regte sich in ihr.

Also machte sie sich auf den Weg zu Minervas Wohnung. Vielleicht hatte sie sich zurückgezogen, um den Nachmittag ruhig ausklingen zu lassen, doch auch dort war es still.

Hermine blieb einen Moment im Flur stehen. Ihre Gedanken begannen, schneller zu werden. War etwas passiert? Hatte das Ministerium erneut… Sie zwang sich, ruhig zu atmen.

„Reiß dich zusammen.“

Gerade wollte sie sich auf den Weg zu ihrer eigenen Wohnung machen, als sie aus dem Korridor vor sich Stimmen hörte und dann ein Lachen. Unverkennbar. Minervas Lachen. Warm, frei, ungewohnt ungehemmt.

Hermine blieb stehen. Um die Ecke kamen Minerva, Pomona und Poppy offenbar von einem Spaziergang zurück. Pomonas Wangen waren gerötet von der Kälte, Poppy gestikulierte lebhaft, während sie etwas erzählte und Minerva sah gelöst aus. Als sie Hermine entdeckte, hielt sie mitten im Schritt inne. Für einen winzigen Moment trafen sich ihre Blicke. Dann huschte ein echtes, offenes Lächeln über Minervas Gesicht. Pomona bemerkte es sofort.

„Ah! Da ist ja jemand, der sehnsüchtig erwartet wurde“, flüsterte sie, obwohl niemand außer den vier Frauen im Korridor standen.

Poppy grinste.

„Wir haben sie gut beschäftigt, keine Sorge.“

Hermine verschränkte die Arme locker und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.

„Das kann ich sehen. Offenbar hattet ihr einen schönen Nachmittag.“

Minerva trat einen Schritt näher, ihre Augen weich.

„Ich war in bester Gesellschaft.“

„Und?“ fragte Pomona neugierig. „War der Besuch erfolgreich?“

Hermine nickte langsam.

„Es war… aufschlussreich.“

Minervas Blick wurde einen Hauch ernster und aufmerksam, doch der Flur nicht der richtige Ort für Details. Hermine sah sie an und sagte mit einem kleinen, vielsagenden Lächeln:

„Wir müssen reden Minerva.“

Minervas Lippen hoben sich kaum merklich.

„Ich habe Zeit.“

Pomona klatschte in die Hände.

„Wunderbar. Dann überlassen wir euch jetzt wieder einander.“

Poppy zwinkerte Hermine zu.

„Und wir erwarten bald einen vollständigen Bericht in der gekürzten Version.“

Mit einem letzten Lachen zogen die beiden davon.

Hermine trat näher zu Minerva. Für einen Moment standen sie sich einfach nur gegenüber, im stillen Einverständnis.

„Du hast dir Sorgen gemacht“, stellte Minerva leise fest.

Hermine zuckte kaum sichtbar mit den Schultern.

„Ein kleines bisschen.“

Minerva lächelte sanft.

„Ich bin hier.“

Und plötzlich war alles wieder an seinem Platz, doch dann drängte sich das Gespräch mit Caleb zurück. Hermine lächelte noch einen Moment, doch dann verschwand das Leichte aus ihrem Gesicht.

„Minerva“, sagte sie leiser, „ich muss mit dir reden. Jetzt.“

Minerva erkannte den Ton sofort. Das war kein Nachklang eines angenehmen Nachmittags. Das war Ernst. Sie nickte ohne weitere Fragen.

„Komm.“

Wenige Minuten später schloss sich die Tür zu Minervas Wohnung hinter ihnen. Das Feuer im Kamin brannte noch schwach, der Raum wirkte ruhig, fast zu ruhig für das, was in Hermines Blick lag. Minerva drehte sich zu ihr.

„Was ist passiert?“

Hermine trat näher, atmete einmal tief durch.

„Caleb hat Nachforschungen angestellt“, begann sie. „Über Olive Lockwood.“

Minervas Haltung veränderte sich sichtbar. Sie wirkte gerader, konzentrierter.

„Und?“

„Sie untersucht nichts ohne politischen Hintergrund“, sagte Hermine ruhig. „Und sie arbeitet selten allein. Es geht nicht nur um Gerüchte. Es geht um Einfluss.“

Minervas Blick wurde scharf.

„Einfluss auf Hogwarts“, murmelte sie.

Hermine nickte.

„Caleb sagt, es gibt im Ministerium eine Gruppe, die mehr Kontrolle über die Schule will. Lehrinhalte. Personalentscheidungen. Strategische Positionen.“

Einen Moment herrschte Stille.

„Und Lockwood ist Teil dieser Gruppe“, schloss Minerva.

„Ja.“

Hermine sah sie fest an.

„Und ich glaube nicht, dass Featherstone zufällig in all dem auftaucht.“

Minervas Gesicht wurde noch ernster. Kein Zorn, sondern Analyse.

„Wenn Lockwood Einfluss sucht“, sagte sie langsam, „und jemand in Hogwarts Ambitionen hat…“

„…dann wäre eine Zusammenarbeit naheliegend“, beendete Hermine den Gedanken.

Minerva schwieg. Ihre Gedanken arbeiteten sichtbar. Hermine trat näher und griff nach Minervas Hand.

„Ich wollte nicht, dass du das von irgendwem anders erfährst“, sagte sie leise. „Oder zu spät.“

Minerva sah auf ihre verschränkten Finger. Dann wieder in Hermines Augen.

„Das bedeutet“, sagte sie ruhig, „dass das Ministerium nicht nur wegen eines moralischen Anliegens hier war. Sondern um eine Position zu prüfen.“

„Deine Position“, bestätigte Hermine.

Ein kaum wahrnehmbares, kaltes Lächeln huschte über Minervas Lippen.

„Dann war das nur der erste Versuch.“

Hermine drückte ihre Hand etwas fester.

„Caleb will weiter nachforschen. Unauffällig.“

Minerva nickte langsam.

„Das ist aufmerksam von ihm. Wirklich sehr nett.“

„Minerva, bitte glaub nicht, dass er es mit bösen Absichten tut.“

Minerva hob Hermines Hand und küsste sie leicht – nicht aus Romantik, sondern als stilles Dankeschön.

„Du kommst mit Warnungen zurück, nicht mit Problemen“, sagte sie leise.

Hermine sah sie ernst an.

„Wir müssen vorsichtig sein.“

Minervas Blick wurde klar und entschlossen.

„Wir waren es immer.“

Doch in der Tiefe ihrer Augen lag nun etwas Neues. Nicht Angst. Vorbereitung.

Minerva führte Hermine zum Sofa, ihre Hand noch immer in ihrer. Sie setzten sich nebeneinander, dicht genug, dass ihre Schultern sich berührten. Für einen Moment war es still. Das Feuer warf flackernde Schatten an die Wände. Minerva sah sie von der Seite an.

„Und… wie war der Nachmittag sonst?“

Der ernste Zug in Hermines Gesicht lockerte sich langsam. Ein schelmisches Grinsen schlich sich zurück.

„Abgesehen von der kleinen politischen Bombe?“ fragte sie trocken.

Minervas Mundwinkel zuckten.

„Abgesehen davon.“

Hermine lehnte sich etwas zurück, verschränkte locker die Beine und sah zur Decke, als würde sie den Nachmittag Revue passieren lassen.

„Es war schön“, gab sie zu. „Wirklich schön. Wir haben im Drei Besen gesessen. Über alte Zeiten gesprochen. Gelacht.“

Sie drehte den Kopf zu Minerva und grinste noch ein wenig breiter.

„Wir hatten viel Spaß.“

Minerva hob leicht eine Augenbraue.

„So?“

„Ganz unschuldig“, versicherte Hermine mit übertriebener Ernsthaftigkeit. „Für Außenstehende vermutlich sehr überzeugend.“

Minervas Blick blieb ruhig, aber aufmerksam. Hermine beugte sich etwas näher zu ihr.

„Aber…“

„Aber?“

„Ich habe trotzdem ständig an dich gedacht.“

Minervas Ausdruck veränderte sich kaum, doch in ihren Augen wurde es weicher.

„Inwiefern?“

Hermine lächelte.

„Jedes Mal, wenn er etwas gesagt hat, habe ich mich gefragt, was du dazu erwidern würdest. Und als wir gelacht haben, dachte ich, dass dein trockener Humor das Gespräch noch viel besser gemacht hätte.“

Sie zuckte mit den Schultern.

„Und als wir nebeneinander saßen… habe ich gemerkt, dass sich etwas anders anfühlt.“

Minerva musterte sie ruhig.

„Anders?“

„Ja“, sagte Hermine leise. „Nicht falsch, aber… nicht richtig im Vergleich.“

Ein zarter Moment entstand zwischen ihnen. Minerva streckte die Hand aus und strich Hermine sanft über die Wange.

„Das ist gut zu hören“, murmelte sie.

Hermine lächelte, rückte näher und legte den Kopf leicht gegen Minervas Schulter.

„Du musst dir wirklich keine Sorgen machen“, sagte sie leise. „Was ich heute gefühlt habe, war Freundschaft.“

Minervas Finger verschränkten sich wieder mit ihren.

„Und was fühlst du jetzt?“

Hermine hob den Blick, sah sie direkt an.

„Zuhause.“

Minerva antwortete nicht sofort. Sie zog Hermine einfach näher an sich und dieses Mal brauchte es keine weiteren Worte.

Hermine blieb noch einen Moment an Minervas Schulter gelehnt. Ihre Finger zeichneten gedankenverloren kleine Kreise auf Minervas Handrücken, als hätte sie alle Zeit der Welt. Minerva hob leicht ihr Kinn, sodass sich ihre Blicke wieder trafen. Etwas Weiches lag in ihren Augen und ein Hauch von Wärme, der mehr sagte als Worte. Hermine beugte sich vor und küsste sie langsam. Ihre Hand glitt von Minervas Schulter zu ihrem Nacken, verweilte dort, während ihre Lippen sich noch einmal fanden. Minervas Atem wurde ruhiger, tiefer. Sie erwiderte den Kuss, ihre Finger wanderten über Hermines Taille, zogen sie näher heran. Für einen Moment vergaßen sie alles – Ministerium, Lockwood, Featherstone.

Nur sie beide.

Nur Wärme.

Nur Nähe.

Hermine löste sich kaum merklich, ihre Lippen streiften noch Minervas Wange, dann ihren Hals.

„Ich habe dich vermisst“, murmelte sie leise.

Minerva schloss für einen Augenblick die Augen, doch dann, ganz die Schulleiterin, legte sie sanft ihre Hand auf Hermines Schulter und zog sich ein kleines Stück zurück.

„Hermine…“

Ein kaum hörbares Seufzen.

„Es ist nicht der richtige Zeitpunkt.“

Hermine öffnete langsam die Augen und sah sie an, ein schelmisches Funkeln darin.

„Nicht?“ fragte sie unschuldig.

Minerva lächelte, auch wenn sie sich sichtlich zusammennehmen musste.

„Das Abendessen beginnt bald und ich fürchte, es wäre auffällig, wenn die Schulleiterin… verspätet erscheint.“

Hermine setzte sich etwas aufrechter, grinste jedoch breit. Sie rückte noch einmal näher und beugte sich an Minervas Ohr.

„Du entkommst mir nach dem Abendessen nicht“, flüsterte sie verführerisch.

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ist das eine Drohung, Professor Granger?“

„Ein Versprechen.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf, doch ihre Wangen hatten einen leichten Rosaton angenommen.

„Dann sollte ich wohl pünktlich erscheinen“, sagte sie trocken.

Hermine stand auf, strich ihren Rock glatt und warf Minerva einen letzten Blick zu, der deutlich machte, dass sie es ernst meinte.

Und Minerva wusste:

Der Abend würde noch lang werden.