Nähe als Risiko
Nähe als Risiko
Die neue Woche begann grau und frostig und für Hermine fühlte sie sich an wie eine direkte Fortsetzung der vorherigen. Kaum hatte sie das Klassenzimmer für Verwandlung betreten, stand Featherstone bereits an der Tafel. Seine Schrift war scharf, akkurat, fast aggressiv präzise. Ohne sie anzusehen, begann er das Thema des Tages zu skizzieren.
„Ich hoffe, Sie haben die Theorie gründlich vorbereitet, Miss Granger“, sagte er beiläufig, während er weiter schrieb. „Gerade bei komplexeren Transfigurationen neigen weniger erfahrene Lehrkräfte dazu, wichtige Details zu übersehen.“
Hermine legte ruhig ihre Unterlagen auf den Tisch.
„Ich werde mein Bestes geben, Sie nicht zu enttäuschen.“
Ein leises Murmeln ging durch die Klasse, als die Schüler eintraten. Featherstone drehte sich nun endlich um.
„Dann demonstrieren Sie doch bitte den Unterschied zwischen einer temporären und einer stabilisierten Verwandlung, die dauerhaft anhalten kann.“
Kein bitte in seinem Ton. Mehr eine Herausforderung. Hermine trat vor. Ihre Stimme blieb ruhig, sachlich. Sie erklärte die Theorie präzise, zeichnete die magischen Übergänge klar nach, beantwortete Zwischenfragen souverän, doch kaum hatte sie den letzten Satz beendet, räusperte sich Featherstone.
„Eine interessante Ausführung“, sagte er kühl. „Allerdings hätten Sie die Risiken bei unvollständiger Fokussierung stärker betonen müssen. Das ist immerhin ein Abschlussjahrgang.“
Hermine nickte knapp.
„Danke für den Hinweis.“
Sie wusste, dass die Schüler den Unterton hörten. Sie wusste auch, dass sie ihn nicht hören durfte. Im Verlauf der Stunde wiederholte sich das Muster. Jede kleine Unschärfe wurde kommentiert. Jede Entscheidung hinterfragt. Nie laut. Nie offen unfair. Aber konstant. Hermine steckte es ein. Mit ruhigem Gesicht und professioneller Haltung. Innerlich jedoch kostete es Kraft.
Als die Stunde endete und die Schüler den Raum verließen, blieb Featherstone noch einen Moment stehen.
„Man merkt, dass Sie ehrgeizig sind“, sagte er, während er seine Unterlagen sortierte. „Manchmal überschätzen Ehrgeizige jedoch ihre Position.“
Hermine sah ihn ruhig an.
„Und manchmal unterschätzen andere ihre eigene.“
Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. Dann lächelte Featherstone dünn.
„Wir werden sehen.“
Er verließ den Raum. Hermine blieb allein zurück, atmete tief durch und lehnte sich kurz gegen den Tisch. Es war anstrengend. Zermürbend. Aber sie würde nicht einknicken und sie wusste, dass am Ende des Tages ein Ort auf sie wartete, an dem sie nicht kämpfen musste.
Das reichte – fürs Erste.
Die nächste Stunde unterschied sich kaum von der vorherigen – nur, dass Featherstone diesmal weniger subtil vorging. Schon während Hermines Erklärung unterbrach er sie mehrfach.
„Zu oberflächlich.“
„Das hätten Sie differenzierter darstellen müssen.“
„Ich hoffe, Sie verlassen sich nicht ausschließlich auf Ihre theoretischen Kenntnisse.“
Einige Schüler wechselten nervöse Blicke. Hermine blieb äußerlich ruhig, korrigierte, präzisierte, ließ sich nicht aus dem Konzept bringen, doch Featherstone hatte beschlossen, die Schraube weiter anzuziehen.
Als die Glocke ertönte und die Schüler den Raum verließen, blieb er vorne stehen. Die Tür fiel ins Schloss. Der Klassenraum war nun leer. Er drehte sich langsam zu ihr um.
„Ihre Lehrmethoden sind… ambitioniert“, begann er kühl. „Aber Sie überschätzen Ihre Fähigkeiten. Begeisterung ersetzt keine Erfahrung.“
Hermine verschränkte die Arme locker und deutete mit dem Kopf auf die verwandelten Objekte, die noch auf den Tischen lagen. Alle Schüler hatten die Verwandlung am Ende der Stunde geschafft.
„Ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich.“
„Ergebnisse?“ Er lachte leise. „Sie kompensieren Unsicherheit mit Selbstbewusstsein. Das wirkt vielleicht bei Schülern. Nicht bei Kollegen.“
Hermine hielt seinem Blick stand.
„Wenn Sie konstruktive Kritik haben, höre ich zu. Persönliche Angriffe interessieren mich nicht.“
Sein Lächeln wurde schärfer.
„Persönlich? Interessant, dass Sie das so nennen.“
Er trat einen Schritt näher.
„Ich frage mich, wie viel Ihrer Position Sie Ihrer angeblichen Beziehung mit diesem jungen Mann verdanken.“
Hermine blinzelte nicht einmal.
„Was genau soll das heißen?“
„Ach kommen Sie.“ Seine Stimme wurde leiser. „Das glückliche Paar in Hogsmeade. Sehr überzeugend.“
Ein kurzer Moment. Dann beugte er sich minimal vor.
„Und dennoch weiß ich, dass das nicht Ihre einzige… Verbindung ist.“
Hermines Blick wurde eisig.
„Sie wissen gar nichts.“
„Ich kenne die Fotos“, sagte er ruhig. „Ich weiß, was zwischen Ihnen und der Schulleiterin läuft.“
Ein Schlag in die Magengrube, doch sie zeigte es nicht.
„Wenn Sie Fotos kennen, die Sie nicht besitzen“, sagte Hermine kalt, „dann bleibt Ihnen nichts außer Behauptungen.“
Featherstones Augen verengten sich.
„Sie glauben wirklich, Sie hätten gewonnen?“
„Ich weiß, dass Sie nichts in der Hand haben.“
Er trat noch näher, seine Stimme nun kaum mehr als ein Zischen.
„Es ist nur eine Frage der Zeit. Ich werde Beweise finden und wenn ich sie habe, werde ich Sie beide vernichten.“
Hermine wich keinen Millimeter zurück.
„Drohen können Sie gut“, sagte sie ruhig. „Beweisen offenbar nicht.“
Für einen Moment war nur ihr Atem im Raum zu hören. Dann richtete er sich wieder auf, strich imaginären Staub von seinem Ärmel.
„Genießen Sie Ihre Zeit“, sagte er glatt. „Sie wird nicht von Dauer sein.“
Er verließ den Klassenraum. Hermine blieb stehen. Ihr Herz schlug schneller, doch ihr Gesicht blieb ruhig. Er war gefährlich. Nicht wegen seiner Beweise, sondern wegen seiner Besessenheit.
Am späten Nachmittag war der Korridor beinahe leer. Das Licht fiel schräg durch die hohen Fenster und tauchte die Steinwände in ein kühles Gold. Hermine war auf dem Weg zur Bibliothek, ihre Schritte etwas schneller als gewöhnlich.
„Hermine.“
Die Stimme ließ sie innehalten. Minerva stand ein Stück weiter den Gang entlang. Ihre Haltung war aufrecht wie immer, doch in ihren Augen lag ein wachsamer Ausdruck.
„Wenn du einen Moment Zeit hättest.“
Hermine nickte knapp.
„Natürlich.“
Wenige Minuten später schloss sich die Tür von Minervas Büro leise hinter ihnen. Minerva blieb zunächst stehen, musterte Hermine aufmerksam.
„Setz dich.“
Der förmliche Ton hielt nur Sekunden, dann legte Minerva die Fassade ab.
„Hermine.“
Es war leise. Persönlich.
„Deine Stimmung hat sich verändert.“
Hermine versuchte ein neutrales Lächeln.
„Ich bin nur etwas müde. Die Doppelstunden mit der Siebten sind fordernd.“
Minervas Blick wurde schärfer.
„Du bist selten nur müde.“
Stille.
„War es Featherstone?“
Hermine wich ihrem Blick aus und begann, einen Stapel Pergamente auf dem Schreibtisch zu mustern, als wären sie plötzlich höchst interessant.
„Er ist… wie immer.“
„Das ist keine Antwort.“
Minerva trat näher.
„Er lässt es nicht. Nicht wahr?“
Ein kurzes Zucken in Hermines Gesicht verriet sie. Minervas Kiefer spannte sich.
„Ich habe es mir gedacht.“
„Minerva…“
„Er versucht weiterhin, dich unter Druck zu setzen.“
Es war keine Frage. Es war eine Schlussfolgerung. Hermine seufzte leise, ging um den Schreibtisch herum und setzte sich schließlich auf die Armlehne von Minervas Stuhl – eine Geste, die nur hinter verschlossenen Türen möglich war.
„Ja“, gab sie zu. „Er provoziert. Er kritisiert. Er spielt mit Andeutungen.“
Minervas Hände ballten sich kurz auf der Tischplatte.
„Was hat er gesagt?“
„Nichts, was er beweisen könnte.“
Minervas Augen verdunkelten sich.
„Das ist nicht der Punkt.“
Hermine legte vorsichtig eine Hand auf Minervas Schulter.
„Ich komme damit klar.“
„Du solltest damit nicht klarkommen müssen.“
Ein Moment lang sahen sie sich nur an. Dann sagte Hermine ruhig, aber bestimmt:
„Ich will nicht, dass du etwas unternimmst.“
Minerva hob leicht das Kinn.
„Er überschreitet mehrfach Grenzen und ich kann und werde nicht zusehen, wie er dich fertig macht.“
„Aber genau das will er.“
Hermine rutschte etwas näher, ihre Stimme wurde weicher.
„Er will eine Reaktion. Von dir. Von mir. Er wartet nur darauf, dass wir einen Fehler machen.“
Minerva schwieg.
„Wenn du jetzt handelst“, fuhr Hermine fort, „fütterst du genau das Narrativ, das er aufbauen will.“
Minerva atmete langsam aus. Es fiel ihr sichtbar schwer, nichts zu tun.
„Er hat dich bedroht, nicht wahr?“
Hermine lächelte schwach.
„Er droht ständig. Das ist sein Lieblingssport.“
„Und das beunruhigt dich nicht?“
„Doch.“ Ein ehrlicher Moment. „Aber ich lasse mir von ihm nicht die Kontrolle über mein Leben nehmen.“
Minerva sah sie lange an. Stolz. Sorge. Zorn – alles zugleich.
„Ich werde nicht zusehen, wie er dich zermürbt.“
Hermine beugte sich vor und küsste Minerva sanft auf die Schläfe.
„Du musst mir vertrauen.“
Ein leiser Atemzug. Minerva schloss kurz die Augen.
„Ich vertraue dir“, sagte sie schließlich leise. „Mehr, als du ahnst.“
Hermine lächelte.
„Dann lass ihn reden.“
Minerva legte ihre Hand über Hermines.
„Aber wenn er noch einen Schritt weiter geht…“
Hermine hob eine Augenbraue. Minerva erwiderte ruhig:
„Dann werde ich nicht mehr nur beobachten.“
Und Hermine wusste, das war kein leeres Versprechen. Hermine sah Minerva noch einen Moment ernst an, dann wurde ihr Blick weicher. Sie ließ die Anspannung los, nahm Minervas Hand in ihre eigenen und strich mit dem Daumen sanft über deren Fingerknöchel.
„Vergiss das jetzt. Kommst du nach dem Abendessen zu mir?“ fragte sie leise.
In Minervas Gesicht glitt die Strenge langsam davon. Ein liebevoller Ausdruck trat an ihre Stelle.
„Natürlich“, antwortete sie ohne Zögern.
Allein dieses eine Wort ließ Hermine sichtbar entspannen.
„Gut“, murmelte sie zufrieden.
Die Atmosphäre im Raum veränderte sich. Der Ärger über Featherstone verlor an Schärfe, wurde kleiner, unwichtiger im Vergleich zu dem, was zwischen ihnen stand. Hermine beugte sich ein Stück vor.
„Dann habe ich jetzt noch etwas einzufordern.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„So?“
„Ja.“
Ohne weitere Erklärung kam Hermine näher und blieb nur einen Atemzug von Minervas Lippen entfernt stehen. Minerva lachte leise.
„Du bist unmöglich.“
„Das weiß ich.“
Und dann gab Minerva ihr den gewünschten Kuss. Hermine lächelte dagegen an und löste sich schließlich wieder, sichtbar zufrieden.
„Danke“, sagte sie grinsend.
Minerva schüttelte amüsiert den Kopf. Hermine blieb jedoch noch nahe bei ihr.
„Ich wollte heute Abend mit dir über die Weihnachtsferien sprechen.“
Minerva musterte sie neugierig.
„Über was genau?“
Ein kleines, geheimnisvolles Lächeln erschien auf Hermines Lippen.
„Das bespreche ich lieber später.“
„Hermine.“
„Später“, wiederholte sie sanft.
Minerva erkannte diesen Blick. Es war der gleiche, den Hermine hatte, wenn sie bereits einen Plan geschmiedet hatte.
„Dann werde ich mich gedulden müssen“, sagte Minerva schließlich ruhig.
Hermine drückte noch einmal ihre Hand, stand dann von der Armlehne auf und strich ihren Rock glatt.
„Bis später.“
Minervas Blick wurde weich.
„Bis später.“
Und während Hermine das Büro verließ, war klar: Der Abend würde mehr bringen als nur ein Gespräch über Ferien.
Am Abend loderte das Feuer im Kamin auf und einen Moment später trat Minerva elegant aus den Flammen. Kaum hatte sie festen Boden unter den Füßen, stand Hermine schon vor ihr. In einem weichen, cremefarbenen Strickkleid, barfuß, das Haar locker über die Schultern fallend.
„Du bist spät“, sagte sie mit einem leichten Lächeln, nur um Minerva im nächsten Moment ohne weiteres Zögern in einen Kuss zu ziehen. Minerva war kurz überrascht, erwiderte ihn dann jedoch ruhig und warm. Ihre Hände fanden wie selbstverständlich Hermines Taille.
„Entschuldige“, murmelte sie, als sie sich schließlich lösten.
„Schon gut. Jetzt bist du ja da“, erwiderte Hermine zufrieden.
Sie ließen sich gemeinsam auf die Couch sinken, Hermine zog eine Decke über ihre Beine, Minerva rückte dicht an sie heran. Für einen Moment genossen sie einfach die Stille. Dann wurde Minervas Blick prüfender.
„Wie war der Nachmittag mit Featherstone?“
Hermine griff nach ihrem Weinglas, nippte daran und zuckte leicht mit den Schultern.
„Wie immer.“
Minerva ließ das nicht gelten.
„Hermine.“
Ein kurzer Blickwechsel.
„Wenn er dich wieder bedrängt hat, musst du es mir sagen. Das ist ernst.“
Hermine reagierte nicht direkt. Stattdessen stellte sie das Glas ab und drehte sich halb zu Minerva.
„Wir wollten doch über etwas Angenehmeres sprechen.“
Minerva musterte sie, erkannte das Ausweichen, drängte aber nicht weiter. Noch nicht.
„Gut“, sagte sie schließlich ruhiger. „Dann sprechen wir über Weihnachten.“
Hermines Augen begannen zu leuchten.
„Ich dachte… wir könnten die Feiertage hier wirklich nutzen. Ohne Ministerium. Ohne Anhörungen. Ohne Featherstone.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Ohne Featherstone dürfte schwierig werden.“
„Ich meine innerlich“, korrigierte Hermine schmunzelnd. „Einfach wir. Spaziergänge im Schnee. Lange Abende am Kamin. Vielleicht mehr Zeit für uns.“
Minervas Gesicht wurde weicher.
„Das klingt… verlockend.“
Gerade als Hermine weiterreden wollte, flatterte plötzlich eine Eule durch das leicht geöffnete Fenster herein. Beide Frauen blickten überrascht auf. Die Eule landete zielsicher auf der Rückenlehne der Couch und ließ einen Brief in Hermines Schoß fallen. Hermine runzelte die Stirn.
„Um diese Uhrzeit?“
„Ungewöhnlich“, meinte Minerva.
Hermine drehte den Umschlag noch einmal in den Händen und dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.
„Oh.“
Minerva beobachtete jede Regung.
„Was?“
Hermine strich mit dem Daumen über die Schrift.
„Er ist von Ginny und Harry.“
Sie brach das Siegel, überflog die ersten Zeilen und begann zu lächeln. Dann zu grinsen. Minerva entspannte sich sichtbar ein wenig.
„Nichts Dramatisches hoffe ich.“
„Nein.“
Hermine rückte näher an sie heran, das Pergament zwischen ihnen.
„Es ist eine Einladung zu Weihnachten ein.“
„Oh?“, Minervas Ton blieb ruhig.
Hermine überflog weiter den Brief und lachte plötzlich leise.
„Oh, das ist typisch.“
„Was?“
Hermine sah sie mit funkelnden Augen an.
„Es sieht ganz so aus, als würde ich Weihnachten dieses Jahr nicht in Hogwarts verbringen.“
Minerva ließ sich nichts anmerken. Ihr Gesicht blieb beherrscht, beinahe neutral.
„Verstehe.“
Doch innerlich zog sich etwas zusammen. Die Vorstellung, Hermine über die Feiertage nicht hier zu haben, brach etwas in ihr, auch wenn sie es nie ausgesprochen hätte. Hermine bemerkte den feinen Schatten in ihrem Blick sofort. Sie legte den Brief beiseite, rückte dichter heran und küsste Minerva sanft.
„Du hast das Beste noch nicht gehört.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue. Hermine nahm den Brief wieder zur Hand und las den letzten Absatz laut vor:
„Und Hermine – nur als kleine Vorwarnung: Mum hat bereits angekündigt, dass sie Professor McGonagall ebenfalls einladen möchte. Du weißt ja, wie sie ist. Sie wird nicht locker lassen, bis Professor McGonagall zusagt.“
Hermine konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Minervas Fassade bekam einen feinen Riss.
„Das kann ich nicht glauben“, meinte sie.
„Offenbar musst du es glauben.“
Minerva schnaubte leise und gespielt empört.
„Wusstest du davon?“
„Ich? Nein!“, verteidigte sich Hermine unschuldig.
Minerva beugte sich näher zu ihr, ihr Blick nun deutlich wärmer, aber mit einem Hauch gespielter Strenge.
„Wenn das eine deiner subtilen Strategien war…“
„Keine Strategien. Du könntest mir aber wirklich etwas mehr vertrauen.“
Minerva sah sie fragend an. Langsam hob Hermine eine Hand und strich über Minervas Wange.
„Wenn du glaubst, ich würde Weihnachten getrennt von dir verbringen, dann hast du dich getäuscht mein Schatz. Ich würde nie…“
Minerva unterbrach sie mit einem festen Kuss. Als sie sich löste, murmelte sie:
„Du wolltest mich reinlegen.“
„Das würde ich nie wagen.“
„Das wirst du bereuen.“
Hermine grinste breit.
„Ist das eine Drohung?“
„Ein Versprechen.“
Und diesmal küsste Minerva sie noch einmal – langsamer, wärmer – während draußen der Winterwind gegen die Scheiben strich und Weihnachten plötzlich nicht mehr so fern wirkte. Minervas Lippen wanderten noch einmal langsam über Hermines Hals, als Hermine sie mit einem leisen Lachen sanft an den Schultern festhielt.
„Warte.“
Minerva hob fragend den Blick.
„Warte? Und das von dir?“
„Merk dir wo du gerade warst. Wir setzen das gleich fort.“ Hermine grinste. „Ich versuche hier gerade, etwas Organisatorisches zu klären.“
Minerva zog sich minimal zurück, blieb aber dicht genug, dass ihre Knie sich noch berührten.
„Organisatorisch? Da bin ich aber gespannt.“
„Wenn – rein hypothetisch – eine Einladung kommt…“ Hermine legte den Kopf leicht schief, „würden wir dann gemeinsam zum Fuchsbau reisen?“
Minervas Ausdruck wurde ruhiger. Bedachter.
„Ich würde erst einmal abwarten, ob tatsächlich eine offizielle Einladung eintrifft, bevor ich beginne, Reisepläne zu schmieden.“
Hermine verdrehte spielerisch die Augen.
„Du klingst wie bei einer Ministeriumsanhörung.“
„Vorsicht ist eine Tugend.“
„Du kennst Molly“, sagte Hermine überzeugt. „Die Einladung kommt. Und sie wird nicht nur beiläufig sein. Sie wird lang, herzlich und absolut unumstößlich formuliert.“
Minervas Mundwinkel zuckten.
„Das klingt beunruhigend.“
„Es ist eben Molly.“
Minerva betrachtete sie einen Moment, dieses Leuchten in Hermines Augen, die Vorfreude, die Wärme.
„Und du gehst selbstverständlich davon aus, dass ich zusagen würde?“
Hermine wurde weicher.
„Ich hoffe es.“
Ein kurzer, ehrlicher Moment.
„Es wäre… schön“, fügte sie leise hinzu. „Wenn ich mit dir und meinen Freunden Weihnachten verbringen könnte. Weihnachten bei den Weasleys ist in den vergangenen Jahren so etwas wie eine Tradition geworden und du würdest mir das Weihnachtsfest versüßen.“
Minervas Blick verlor seine Ironie. Sie hob eine Hand und strich Hermine sanft eine Locke hinter das Ohr.
„Du weißt, dass es riskant ist. Wir dürfen unsere Zuneigung nicht offen zeigen.“
„Zuneigung? Ich würde es eher tiefe, heiße und brennende Liebe nennen.“
„Das macht es nicht besser Hermine.“
„Egal. Das diskutieren wir ein anderes Mal. Molly wird sehr überzeugend sein.“
Ein leises, fast unwillkürliches Lachen entwich Minerva.
„Ich fürchte, gegen Molly Weasley hätte selbst das Ministerium keine Chance.“
„Eben.“
Hermine beugte sich wieder näher.
„Also“, murmelte sie, „wenn die Einladung kommt… reisen wir gemeinsam?“
Minerva ließ sie einen Moment zappeln, dann sagte sie ruhig:
„Wenn eine offizielle Einladung eintrifft… werde ich sie ernsthaft in Erwägung ziehen.“
Hermine grinste zufrieden.
„Das ist ein Ja.“
„Das ist ein Vielleicht.“
„Ein sehr positives Vielleicht.“
Minerva schüttelte amüsiert den Kopf und zog Hermine wieder näher an sich.
„Du bist furchtbar überzeugend.“
„Ich weiß.“
„Und äußerst gefährlich.“
„Nur für dich .“
Minervas Lächeln wurde weich. Sie küsste Hermine noch einmal und irgendwo zwischen Kaminfeuer, Winterwind und der Aussicht auf Weihnachten im Fuchsbau begann sich eine neue, leichtere Vorfreude auszubreiten.
Hermine lehnte sich wieder ein Stück zurück, blieb jedoch dicht genug, dass ihre Knie sich noch berührten.
„Mach dir keine Sorgen“, sagte sie sanft. „Wenn wir im Fuchsbau sind, werden wir diskret sein. Niemand wird erfahren, dass wir ein heimliches Paar sind.“
Minerva musterte sie mit einem sehr wissenden Blick.
„Diskret“, wiederholte sie langsam.
„Ja.“
„Du solltest vielleicht erst einmal lernen, deine Blicke zu kontrollieren, Hermine.“
Hermine schmunzelte und blinzelte unschuldig.
„Meine Blicke?“
„Deine Blicke“, bestätigte Minerva trocken. „Besonders jene, die du mir beim Abendessen vor Beginn des Schuljahres zugeworfen hast.“
Hermine erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde, dann begann sie zu grinsen.
„Du hast das bemerkt?“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Jeden einzelnen Wimpernschlag.“
„Und?“
„Und ich wusste damals bereits, dass deine Gefühle… nicht rein kollegial waren.“
Ein Hauch von Wärme lag in ihrer Stimme, auch wenn sie es nüchtern formulierte. Hermine rückte wieder näher, legte eine Hand an Minervas Wange.
„Und was war mit deinen Blicken?“
Minerva schnaubte leise.
„Ich habe mich professionell verhalten.“
„Natürlich.“
Hermine beugte sich vor und küsste sie langsam und liebevoll. Als sie sich löste, murmelte sie gegen Minervas Lippen:
„Am Ende habe ich doch bekommen, was ich wollte.“
Minerva betrachtete sie aufmerksam.
„Und das wäre?“
Hermine lächelte, fast triumphierend, aber voller Zärtlichkeit.
„Dich.“
Für einen Moment verlor Minerva ihre souveräne Fassade. Ihre Finger glitten in Hermines Haar, hielten sie sanft fest.
„Sehr selbstbewusst.“
„Nur wenn ich recht habe.“
Minerva küsste sie noch einmal – tiefer diesmal, aber immer noch ruhig.
„Du hattest viel Geduld“, sagte sie leise.
„Und einen Plan.“
„Natürlich hattest du einen Plan.“
Hermine lachte leise und legte ihre Stirn an Minervas.
„Und ich würde es jederzeit wieder tun.“
Das Feuer knisterte im Hintergrund, während sie sich erneut küssten, wissend, dass ihre Beziehung im Verborgenen bleiben musste, aber ebenso wissend, dass sie beide längst keine Zweifel mehr hatten.