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Ein sehr geplanter Zufall

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Ein sehr geplanter Zufall

Hallo meine Lieben,

endlich gibts ein neues Kapitel ;) Ich wünsche euch ganz viel Spaß und freue mich schon auf eure Kommentare.

Liebe Grüße M.

Mit einem leisen Rauschen trat Minerva aus den grünen Flammen in Hermines Wohnzimmer. Instinktiv wanderte ihr Blick zur Couch. Leer. Keine wartende Hermine, kein Buch in der Hand, kein verschmitztes Lächeln. Stattdessen fiel ihr Blick auf einen schmalen Lichtstreifen, der aus dem halb geöffneten Badezimmer auf den Boden des Wohnzimmers fiel. Minerva trat ein paar Schritte weiter in den Raum.

„Hermine?“

Aus dem Bad erklang Hermines Stimme, warm, leicht gedämpft durch die Tür.

„Ich brauche noch einen Moment!“

Ein leises Klirren, das Geräusch von Wasser.

„Du kannst es dir ja schon mal bequem machen.“

Minerva zog die Brauen leicht zusammen.

„Bequem“, murmelte sie leise, während sie ihren Umhang auszog.

Sie legte ihn ordentlich über die Rückenlehne eines Stuhls und ließ den Blick durch die Wohnung schweifen. Das Feuer im Kamin brannte bereits. Zwei Gläser standen auf dem kleinen Tisch. Eine Kerze war angezündet. Minervas Lippen verzogen sich zu einem wissenden Lächeln.

„Hermine“, rief sie etwas lauter, „wenn du planst, mich…“

„Ich plane gar nichts!“, kam es prompt zurück.

Eine kurze Pause.

„Also zumindest nichts Gefährliches.“

Minerva schnaubte leise. Sie setzte sich schließlich auf die Couch, schlug die Beine übereinander und wartete bemüht gelassen. Aus dem Bad war nun leises Rauschen zu hören. Minervas Blick wanderte unwillkürlich zur Tür.

„Du machst es absichtlich spannend“, sagte sie ruhig.

„Vielleicht“, antwortete Hermine mit hörbarem Lächeln in der Stimme.

Minerva lehnte sich zurück, doch ihre Aufmerksamkeit war vollkommen auf diesen schmalen Spalt gerichtet.

„Wenn das wieder so ein Auftritt wird wie im Büro“, fügte sie trocken hinzu, „erinnere ich dich daran, dass ich heute müde bin.“

„Keine Sorge“, kam es zurück. „Heute werde ich ganz brav sein.“

Minerva hob skeptisch eine Augenbraue, auch wenn Hermine es nicht sehen konnte.

„Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.“

Ein leises Lachen aus dem Bad.

„Minerva?“

Ihre Stimme klang jetzt näher und eindeutig unschuldig.

„Ja?“

„Kannst du mir bitte ein Handtuch bringen? Ich hab’s im Schlafzimmer liegen lassen.“

Minerva schloss für einen Moment die Augen.

„Selbstverständlich“, antwortete sie ruhig, während sie bereits wusste, dass das hier kein gewöhnliches Handtuchproblem war.

Sie stand auf, nahm eines vom Regal aus Hermines Schlafzimmer und ging Richtung Badezimmer. Das Licht war warm, der Duft von Schaum und Hermines Parfüm lag in der Luft. Minerva klopfte leicht an den Türrahmen, bevor sie eintrat.

„Hier…“

Sie verstummte. Hermine lag entspannt in der Wanne, das Wasser noch leicht dampfend. Ihr Haar war locker hochgesteckt, einige Strähnen klebten feucht an ihrem Hals. Ihre Schultern glänzten im Kerzenschein. Minerva musste unwillkürlich schlucken.

„Du siehst aus, als hättest du gerade etwas sehr Unvorhergesehenes entdeckt“, murmelte Hermine mit einem zufriedenen Lächeln.

„Du hast also nichts geplant ja?“, meinte Minerva ruhig.

Sie trat näher und hielt ihr das Handtuch hin.

„Niemals“, sagte Hermine, doch statt es zu nehmen, griff sie nach Minervas Handgelenk.

„Hermine…“

Zu spät. Mit einem überraschend festen Ruck zog Hermine sie zu sich. Minerva verlor das Gleichgewicht, das Handtuch fiel zu Boden, und mit einem leisen Aufschlag landete sie halb sitzend, halb liegend in der Wanne. Wasser schwappte über den Rand.

„Hermine!“ keuchte sie, klang dabei jedoch mehr überrascht als empört.

Hermine lachte leise, ihre Hände sofort an Minervas Taille, um sie zu halten.

„Ups.“

Minerva sah sie an – nass, ihre Frisur gelöst, dunkle Strähnen fielen ihr ins Gesicht.

„Du bist unmöglich.“

„Du wusstest es doch.“

Hermine hob die Hand und strich Minerva sanft die nassen Strähnen aus dem Gesicht. Ihre Berührung war plötzlich viel ruhiger, viel zärtlicher.

„Jetzt bist du auch warm“, murmelte sie leise.

Minervas Atem beruhigte sich langsam. Das Wasser war tatsächlich angenehm und Hermines Nähe noch mehr.

„Das war ein hinterlistiger Angriff.“

„Strategisch klug.“

Minerva wollte etwas erwidern, doch Hermine beugte sich vor und küsste sie. Langsam. Weich. Ohne Hast. Minerva erwiderte den Kuss. Erst zögernd, dann mit einem leisen Seufzen, ihre Hände fanden Hermines Rücken unter dem Wasser. Als sie sich wieder lösten, lehnte Minerva ihre Stirn gegen Hermines.

„Du ruinierst meine Frisur.“

„Ein tragischer Verlust.“

Minerva lächelte.

„Und mein Kleid.“

„Und? Hattest du heute noch etwas vor?“

„Hermine.“

„Ja?“

Minerva schnaubte leise und zog Hermine dennoch etwas näher an sich. Offensichtlich hatte sie diesen Abend verloren und sie hatte nicht vor, sich ernsthaft dagegen zu wehren. Hermine lächelte zufrieden, während das Wasser sich langsam wieder beruhigte.

„Weißt du“, murmelte sie leise, ihre Stirn noch immer an Minervas gelehnt, „so zu zweit ist das wirklich nett.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Nett?“

„Sehr nett“, korrigierte Hermine sanft. „Das sollten wir öfter machen.“

Minervas Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln.

„Wenn es nach dir ginge, würde ich vermutlich ständig in irgendwelchen Badewannen landen.“

„Nur mit mir“, entgegnete Hermine ohne zu zögern.

Sie griff nach ihrem Zauberstab, der am Wannenrand lag und murmelte leise einen Zauber. Minervas durchnässtes Kleid verschwand in einem eleganten Wirbel aus Stoff.

Minerva sog scharf die Luft ein.

„Hermine.“

„Was denn? So ist das Ganze doch viel besser.“

Ihr Blick war weich, aber eindeutig. Minerva schüttelte langsam den Kopf, doch ihr Widerstand war nur noch symbolisch.

„Du bist wirklich unverbesserlich.“

„Und du beschwerst dich nicht.“

Das Wasser war warm, ihre Haut aneinander noch wärmer. Minervas Hände glitten langsam über Hermines Arme, zogen sie näher, bis zwischen ihnen kein Abstand mehr blieb.

„Du nutzt jede Gelegenheit schamlos aus“, stellte Minerva ruhig fest.

„Natürlich. Zeit ist kostbar.“

Minerva musterte sie einen Moment, dann gab sie nach, zog Hermine noch dichter an sich.

„Du wirst mich noch verderben.“

Hermine lächelte.

„Ich glaube, dafür ist es längst zu spät.“

Ein weiterer Kuss, diesmal ruhiger, inniger. Kein Sturm mehr, sondern eine sanfte, tiefe Vertrautheit. Das Wasser plätscherte leise, als sie sich bewegten, enger aneinander. Minervas Finger zeichneten langsame Linien über Hermines Rücken, während Hermine ihre Wange an Minervas Hals schmiegte.

„Wir sollten wirklich öfter baden“, murmelte Hermine.

Minerva lachte leise.

„Wenn ich sicher sein kann, nicht jedes Mal hineingezogen zu werden.“

„Keine Versprechen.“

Minerva küsste sie noch einmal länger, ruhiger.

„Unmöglich.“

„Ich weiß.“

Und für einen Moment war alles andere vollkommen bedeutungslos. Nur warmes Wasser, leises Lachen und zwei Frauen, die einander festhielten.

Später am Abend saßen sie eng beieinander auf dem Sofa. Das Kaminfeuer war heruntergebrannt und tauchte den Raum in ein warmes, ruhiges Licht. Hermine lag halb quer, ihr Kopf ruhte auf Minervas Schoß, die Beine locker über die Lehne baumelnd. Minervas Finger spielten gedankenverloren mit Hermines Locken, lösten einzelne Strähnen und ließen sie wieder durch die Finger gleiten.

„Ich liebe dich“, sagte Hermine leise, fast beiläufig, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Minervas Hand hielt inne. Sie beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie langsam, liebevoll.

„Und ich dich.“

Hermine lächelte zufrieden, doch dann verzog sie leicht das Gesicht.

„Ich halte ganz sicher keine Woche bei den Weasleys ohne deine Nähe und Zärtlichkeit aus, wenn du direkt vor meiner Nase bist.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Nun, mein Liebling, du wirst es aushalten müssen.“

„Völlig unmöglich.“

„Du bist erstaunlich dramatisch.“

„Außer…“

Hermine setzte sich halb auf. Minerva musterte sie skeptisch.

„Außer was?“

„Wenn ich dich nicht sehen kann, muss ich zu anderen Mitteln greifen.“

Bevor Minerva reagieren konnte, sprang Hermine auf, ging zur Kommode und zog eine kleine Schublade auf. Minerva setzte sich aufrechter hin. Hermine kam mit einem Bild in der Hand zurück. Minerva klappte der Mund auf.

„Woher hast du das?“

Hermine grinste unschuldig.

„Erinnerst du dich an meinen letzten Tag als Schülerin? Ich war an diesem Abend bei dir und als du kurz rausgegangen bist…“

Minerva verengte die Augen.

„Hast du eine Kopie angefertigt?“

„Jap.“

Minerva starrte sie an. Hermine hielt das Bild hoch – Minerva in einem seltenen Moment ohne strenge Haltung, der Blick weich, ein Hauch von Lächeln.

„Dieses Bild“, sagte Hermine mit einem verschmitzten Funkeln, „hat mich durch viele einsame Nächte begleitet… wenn du verstehst, was ich meine.“

„Unglaublich…“

Hermine zuckte mit den Schultern.

„Jetzt brauche ich es ja nicht mehr dafür. Jetzt liegst du ja neben mir… oder unter mir.“

„Hermine!“

Minervas Ton war streng, aber ihre Wangen verrieten sie.

„Nicht aufregen.“

„Du wirst auf keinen Fall ein Bild von mir mit zu den Weasleys nehmen und es… wofür auch immer benutzen.“

„Dann musst du dich eben zu mir schleichen.“ Hermine grinste breit. „Oder ich schleiche mich zu dir.“

„Es war wohl doch keine gute Idee, dass ich zugesagt habe.“

„Es war eine großartige Idee, mein Schatz.“

Hermine legte das Bild wieder zurück, trat auf Minerva zu und streckte ihr die Hand entgegen.

„Und jetzt komm.“

Minerva seufzte, doch sie nahm die Hand. Hermine zog sie mit sich Richtung Schlafzimmer, das Licht im Wohnzimmer blieb warm und gedämpft zurück. An der Tür drehte Minerva sie noch einmal leicht zu sich.

„Du bist eine Gefahr für meine Selbstbeherrschung.“

Hermine lächelte weich.

„Das will ich hoffen.“

Minerva küsste sie langsamer diesmal, ohne Übermut, nur Nähe und gemeinsam verschwanden sie im Schlafzimmer, die Tür fiel leise ins Schloss, während das Feuer im Kamin ruhig weiterglühte.

In den folgenden Tagen lag eine spürbare Veränderung in der Luft. Die Gänge waren lauter, lebhafter. Schüler tuschelten über Heimfahrten, Geschenke und Pläne. Eulen flogen häufiger als sonst durch die hohen Fenster des Schlosses. Selbst im Unterricht war eine gewisse Unruhe zu spüren – keine unangenehme, sondern diese aufgeregte Vorfreude, die man nur kurz vor den Ferien erlebte. Hermine bemerkte es bei jeder Klasse.

„Nur noch drei Tage!“, flüsterte ein Zweitklässler viel zu laut, während sie gerade eine komplizierte Formel erklärte.

Sie tat so, als hätte sie es nicht gehört, aber ein kleines Lächeln ließ sich nicht ganz unterdrücken. Auch im Lehrerzimmer war die Stimmung gelöster. Irina strahlte beinahe, wenn jemand die Feiertage erwähnte.

„Endlich sehe ich meinen Mann wieder länger als zwei Tage am Stück“, sagte sie und klang dabei ungewöhnlich weich.

Neville freute sich ebenfalls sichtbar darauf, seine Großmutter zu besuchen. Filius hatte bereits angekündigt, dass er einige alte Freunde treffen würde. Nach und nach lichtete sich die Liste derjenigen, die das Schloss verlassen würden. Zurückbleiben würden Poppy, Pomona, Horace und Edmund. Minerva hatte die Liste mehrmals durchgesehen. Sie saß eines Abends in ihrem Büro, das Pergament vor sich ausgebreitet, und ihre Stirn legte sich in feine Falten.

„Es gefällt dir nicht“, stellte Hermine fest, die leise eingetreten war und sich an den Schreibtisch lehnte.

Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Featherstone wird auch in den Ferien nicht aufhören.“

Hermine verschränkte die Arme.

„Er wird keine Schüler mehr haben, die er drangsalieren kann.“

„Ein paar bleiben immer hier“, erwiderte Minerva ruhig. „Und er wird jede Gelegenheit nutzen, um Autorität zu demonstrieren.“

Hermine trat näher, legte eine Hand auf Minervas Schulter.

„Pomona wird da sein. Und Poppy. Und Horace. Die kriegen das schon hin.“

Minerva atmete langsam aus. Sie vertraute ihnen. Wirklich. Pomona hatte ein wachsames Auge. Poppy würde kein unangebrachtes Verhalten dulden. Und selbst Horace konnte durchaus Rückgrat zeigen, wenn es darauf ankam.

„Ich werde regelmäßig nach dem Rechten sehen“, sagte Minerva schließlich.

Hermine lächelte sanft.

„Du wirst über Weihnachten nicht als Schulleiterin patrouillieren.“

Minerva sah sie an.

„Ich weiß“, gab sie zu. „Aber es fällt mir schwer, loszulassen.“

Hermine beugte sich vor und küsste sie auf die Schläfe.

„Dann lass wenigstens ein kleines Stück los. Für uns.“

Minervas Blick wurde weicher. Die Schüler lachten draußen im Korridor, irgendwo knallte eine Tür, ein aufgeregtes Stimmengewirr hallte durch die Mauern. Ferien. Ein paar Tage ohne Ministerium. Ohne Anhörungen. Ohne offene Drohungen. Und vielleicht – nur vielleicht – auch ein paar Tage, in denen Minerva nicht nur Schulleiterin war, sondern einfach nur Minerva.

Dann endlich war es so weit. Koffer rumpelten über die Steinböden, Eulen kreisten über dem Innenhof, und im Eingangsbereich herrschte ein letztes, aufgeregtes Durcheinander. Schüler verabschiedeten sich lautstark voneinander, versprachen sich Briefe zu schreiben und rannten noch einmal quer durch das Schloss, als müssten sie sich jede Erinnerung sichern, bevor sie für zwei Wochen verschwanden.

Hermine stand am Fenster ihres Wohnzimmers und beobachtete, wie die Kutschen einer nach der anderen Richtung Bahnhof aufbrachen. Ein leises Lächeln lag auf ihren Lippen. Ruhe. Zumindest fast. Einige wenige Schüler blieben wie immer über die Feiertage im Schloss, doch es waren nur eine Handvoll. Die Gänge würden stiller sein. Gedämpfter. Hermine wandte sich schließlich ihrem halb geöffneten Koffer zu.

Praktische Kleidung legte sie zuerst hinein. Warme Pullover, schlichte Röcke, ein paar gemütliche Kleider für entspannte Abende. Dann folgten zwei elegantere Roben. Schließlich war Weihnachten etwas besonderes und man wollte Molly Weasley nicht unterschätzen.

„Anständig“, murmelte Hermine vor sich hin und grinste.

Dann hielt sie inne. Sie ging zu ihrer Kommode, zog eine untere Schublade auf und nahm einen sorgfältig gefalteten Stoff heraus. Etwas schwarzes. Weich. Deutlich weniger „anständig“. Hermine betrachtete das Stück mit einem sehr zufriedenen Ausdruck.

„Da wird jemand große Augen machen“, flüsterte sie.

Sie legte es vorsichtig ganz unten in den Koffer, zwischen zwei harmlose Pullover, als wäre es ein streng gehütetes Geheimnis. Dann schloss sie den Deckel halb und setzte sich auf die Bettkante. Weihnachten im Fuchsbau. Zwischen Lachen, Trubel, viel zu viel Essen und neugierigen Blicken. Hermine lehnte sich zurück und ließ sich aufs Bett fallen, starrte an die Decke.

Diskret sein. Unauffällig bleiben. Keine Blicke. Keine Fotos. Sie lachte leise.

„Das wird eine Herausforderung, Professor McGonagall.“

Zur selben Zeit stand Minerva in ihrem Schlafzimmer und betrachtete den offenen Koffer auf dem Bett. Sorgfältig gefaltete Blusen lagen bereits darin, ebenso zwei schlichte Röcke, eine dunkle Hose und ein paar ihrer gewohnten, hochgeschlossenen Kleider. Alles ordentlich. Alles angemessen. Sie öffnete ihren Kleiderschrank noch einmal und zog eine weiße Bluse hervor. Der Stoff war weich, der Schnitt… gewagter. Zumindest für ihre Verhältnisse. Minerva hielt sie vor sich, betrachtete den tieferen Ausschnitt im Spiegel.

„Du bist viel zu alt für sowas…“, murmelte sie leise zu ihrem Spiegelbild.

Einen Moment lang zögerte sie. Dann schüttelte sie den Kopf und hängte die Bluse wieder zurück. Stattdessen griff sie nach einem längeren, breiteren Rock in Schottenkaro, klassisch und sicher.

„Vernünftig“, sagte sie zu sich selbst und legte ihn in den Koffer.

Gerade als sie den Deckel halb schließen wollte, ging draußen die Tür auf.

„Minerva?“

Hermine. Minervas Lippen verzogen sich unwillkürlich zu einem Lächeln. Sie trat aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer und wurde sofort von Hermine in Empfang genommen. Ein schneller, warmer Kuss.

„Du siehst beschäftigt aus“, sagte Hermine mit einem Blick Richtung Schlafzimmer.

„Bin ich auch“, erwiderte Minerva ruhig. „Aber ich bin gleich so weit.“

Hermine musterte sie prüfend.

„Ganz sicher?“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ja. Ich muss nur noch etwas holen.“

Sie streifte mit den Fingern kurz über Hermines Wange.

„Warte einen Moment.“

„Kann ich helfen?“, bot Hermine an und grinste dabei verdächtig.

„Nein“, sagte Minerva entschieden, aber nicht unfreundlich. „Das schaffe ich allein.“

Mit einem letzten Blick verschwand sie wieder im Schlafzimmer. Dort blieb sie vor dem offenen Schrank stehen. Ihr Blick glitt erneut zu der weißen Bluse. Sie seufzte.

„Nur für einen Abend“, murmelte sie.

Langsam nahm sie sie wieder vom Bügel. Vielleicht war Vernunft nicht immer alles und ganz vielleicht würde jemand sehr erfreut sein, wenn sie diese Entscheidung traf. Hermine konnte es natürlich nicht lassen. Leise schlich sie Minerva hinterher und blieb im Türrahmen des Schlafzimmers stehen. Sie verschränkte die Arme und beobachtete, wie Minerva sorgfältig die letzten Kleidungsstücke in den Koffer legte.

„Hast du alles?“ fragte Hermine unschuldig.

Minerva blickte nicht einmal auf.

„Ich denke schon.“

„Rollkragenpullover?“

„Ja.“

„Hochgeschlossene Blusen?“

„Exakt.“

Hermine verzog das Gesicht.

„Langweilig.“

Minerva schloss den Koffer mit einem ruhigen Klick.

„Außer“, fügte Hermine hinzu und trat näher, „die Bluse hat Knöpfe. Dann wird es mir eine Ehre sein, dich quälend langsam davon zu befreien.“

Minerva hob den Blick – streng, aber mit einem verräterischen Funkeln. Hermine beugte sich vor, gab ihr einen kurzen Kuss und lachte leise.

„Freches Weib“, murmelte Minerva, doch ihre Stimme war warm.

„Du liebst es.“

„Das ist nicht Gegenstand dieser Diskussion.“

Minerva stellte den Koffer beiseite und ging zu einer kleinen Kommode. Sie öffnete eine der unteren Schubladen und zog eine flache, schlichte Schachtel hervor. Hermine beobachtete sie neugierig. Minerva drehte sich zu ihr um und hielt ihr die Schachtel hin.

„Das sollte ich dir besser jetzt schon geben.“

Hermine nahm sie vorsichtig entgegen.

„Jetzt?“

„Du machst es an Weihnachten auf“, sagte Minerva ruhig. „Aber achte darauf, dass dich niemand dabei sieht. Es ist etwas… persönliches.“

Hermine hob eine Augenbraue. Minerva trat näher, senkte die Stimme ein wenig.

„Und wehe, du zeigst es jemandem.“

Ein kaum sichtbares Lächeln spielte um ihre Lippen. Hermine grinste breit.

„Jetzt bin ich neugierig.“

„Das ist beabsichtigt.“

„Ist es etwas Gefährliches?“

„Für deine Selbstbeherrschung möglicherweise.“

Hermine lachte leise, hielt die Schachtel an ihre Brust gedrückt.

„Du machst es mir wirklich schwer, bis Weihnachten zu warten.“

Minerva strich ihr eine Locke aus dem Gesicht.

„Ich vertraue dir.“

Hermine sah sie einen Moment lang ernst an, dann beugte sie sich vor und küsste sie sanft.

„Ich liebe dich.“

„Ich weiß“, antwortete Minerva leise. „Und ich dich.“

Für einen Moment standen sie einfach nur da – zwischen Koffer, Winter und unausgesprochenen Plänen. Weihnachten konnte kommen.

Minerva schloss ihren Koffer endgültig und stellte ihn neben die Tür.

„Ich denke“, sagte sie ruhig, „du solltest zuerst zum Fuchsbau apparieren. Ich folge dir.“

Hermine verschränkte die Arme.

„Wann?“

„Gib mir noch eine Stunde. Ich möchte noch etwas erledigen.“

Hermine musterte sie skeptisch.

„Du bekommst höchstens eine halbe Stunde.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Dachte ich mir.“

Ein kaum sichtbares Lächeln.

„Also jetzt los. Geh. Deine Freunde erwarten dich sicher schon.“

Hermine verzog das Gesicht.

„Ist ja gut, aber bevor ich gehe, muss auch ich noch etwas erledigen.“

Minerva sah sie mit gespielter Vorsicht an.

„Ich ahne Schlimmes.“

Hermine trat dicht an sie heran, legte ihre Hände an Minervas Taille und küsste sie. Nicht verspielt. Nicht frech. Lang. Tief. Zärtlich.

Sie legte alles hinein – Liebe, Sehnsucht, das leise Bedauern über die bevorstehenden Stunden Abstand.

Minervas Hände glitten an Hermines Rücken, hielten sie fest, als wollte sie diesen Moment speichern. Als sie sich schließlich lösten, lächelte Hermine weich.

„Das wird für ein paar Stunden reichen“, murmelte sie mit einem kleinen Zwinkern.

Minerva strich ihr sanft über die Wange.

„Du bist unmöglich.“

„Und alles davon gehört dir.“

Minervas Blick wurde warm.

„Sei vorsichtig beim Apparieren.“

„Ich bin keine Erstklässlerin.“

„Trotzdem.“

Ein letzter Kuss – kürzer, aber nicht weniger innig. Dann griff Hermine nach ihrem Mantel und ihrem Koffer. Sie blieb noch einmal im Türrahmen stehen, sah Minerva an, als wollte sie sich dieses Bild einprägen.

„Bis gleich.“

„Bis gleich“, antwortete Minerva leise.

Dann ging Hermine hinaus und auf direktem Wege zur Appariergrenze.

Für einen Moment war es still in der Wohnung. Minerva atmete tief durch, fuhr sich über das Gesicht und ließ das kleine Lächeln zu, das sie sich sonst selten erlaubte.

Minerva schloss ihre Wohnungstür hinter sich und machte sich auf den Weg durch die ruhig gewordenen Gänge des Schlosses. Zuerst führte sie ihr Weg in den Krankenflügel. Poppy stand gerade über einem Regal gebeugt und sortierte Tränke, als Minerva eintrat.

„Ah, du gehst also wirklich“, stellte Poppy fest und lächelte.

„Ja“, antwortete Minerva ruhig. „Ich wollte mich verabschieden.“

Poppy trat näher, musterte sie kurz prüfend.

„Mach dir keine Sorgen. Hier wird nichts passieren, was wir nicht in den Griff bekommen.“

Minerva nickte.

„Ich weiß.“

Ein kurzer, warmer Abschied, dann verließ Minerva den Krankenflügel und ging weiter zu den Gewächshäusern. Pomona war gerade dabei, eine Pflanze zurückzuschneiden, als Minerva eintrat.

„Wenn das nicht die reisefreudige Schulleiterin ist“, sagte Pomona mit einem breiten Grinsen.

Minerva schnaubte leise.

„Ich reise nicht. Ich… besuche Freunde.“

„Natürlich.“

Pomona legte die Gartenschere beiseite und trat zu ihr.

„Viel Spaß“, sagte sie ehrlich. „Und entspann dich. Denk nicht an die Schule. Ich habe alles im Griff.“

Minerva sah sie einen Moment lang an.

„Ich weiß.“

Pomona musterte sie genauer.

„Was ist los?“

Minerva zögerte kurz.

„Es wird nicht einfach werden. Hermine und ich…“

Pomonas Grinsen wurde breiter.

„Ja, die Kleine hat sicher so ihre Pläne mit dir.“

„Pomona!“ Minervas Ton war empört und verriet dennoch, dass Pomona nicht ganz falsch lag.

„Was denn?“ Pomona verschränkte die Arme. „Glaubst du, ich weiß nicht, was ihr so treibt, wenn ihr allein seid?“

Minervas Wangen färbten sich tatsächlich leicht rot. Pomona lachte herzlich.

„Oh bitte, Minerva. Du bist vielleicht streng, aber nicht blind vor Glück.“

Minerva räusperte sich.

„Wir sind vorsichtiger als beim letzten Mal.“

„Das weiß ich.“ Pomonas Blick wurde weicher. „Und genau deshalb mache ich mir keine Sorgen. Lass dich darauf ein. Genieße es.“

Minerva atmete langsam aus.

„Ich versuche es.“

„Nein“, korrigierte Pomona schmunzelnd. „Du machst es.“

Ein kurzer Moment der Stille.

„Und jetzt geh schon“, sagte Pomona schließlich. „Bevor Hermine noch ungeduldig wird.“

Minervas Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln.

„Danke.“

„Immer.“

Mit einem letzten Blick verließ Minerva das Gewächshaus. Weihnachten wartete und offenbar auch eine sehr entschlossene Hermine.