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Die Ankunft

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Die Ankunft

Hallo ihr Lieben,

ihr musstet leider eine Weile warten, aber jetzt heißt es - Willkommen im Fuchsbau ;)

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel.

Liebe Grüße M.

Mit einem leisen Knall erschien Hermine am Rand des kleinen, verschneiten Weges vor dem Fuchsbau. Einen Moment blieb sie einfach stehen. Die kalte Winterluft biss angenehm in ihre Wangen, während sie den vertrauten Anblick betrachtete. Der Fuchsbau ragte schief und gemütlich aus dem Schnee heraus, aus den Fenstern fiel warmes Licht und irgendwo aus dem Schornstein stieg Rauch in die klare Luft. Es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Ein Lächeln breitete sich auf Hermines Gesicht aus. Hier wartete ihre Familie. Harry, Ginny, Ron, Molly, Arthur… Nur eine fehlte noch.

Hermine dachte an Minerva und musste unwillkürlich schmunzeln.

'Sie wird gleich hier sein.'

Sie griff nach ihrem Koffer und stapfte durch den knirschenden Schnee zum Haus. Vor der Tür klopfte sie fest. Es dauerte keine drei Sekunden. Die Tür flog auf.

„Hermine!“

Molly Weasley stand im Türrahmen und im nächsten Moment wurde Hermine bereits in eine feste Umarmung gezogen.

„Mein liebes Kind! Es ist ja viel zu lange her!“

Hermine lachte, während Molly sie beinahe zerdrückte.

„Hallo Molly.“

„Du bist ja ganz durchgefroren! Komm schnell rein, komm rein!“

Molly zog sie sofort ins Haus, während warme Luft und der Duft von frisch gebackenem Gebäck Hermine entgegenströmten. Der Fuchsbau war genauso lebendig wie immer. Stimmen aus der Küche, Gelächter aus dem Wohnzimmer, irgendwo klirrte Geschirr. Hermine stellte ihren Koffer ab und zog den Mantel aus.

„Harry und Ginny sind im Wohnzimmer“, erklärte Molly sofort. „Und Arthur kommt gleich von draußen rein. Ron ist auch irgendwo hier im Haus.“

Dann musterte sie Hermine kurz mit einem warmen, prüfenden Blick.

„Es ist so schön, dich hier zu haben.“

Hermine lächelte weich.

„Es ist schön, wieder hier zu sein.“

Und während sie ihre Stiefel auszog, dachte sie erneut an Minerva.

'Noch ein bisschen Geduld.'

Bald würde sie ebenfalls durch diese Tür treten. Hermine folgte den vertrauten Stimmen ins Wohnzimmer. Kaum hatte sie den Raum betreten, sprang Ginny vom Sofa auf.

„Hermine!“

Im nächsten Moment wurde sie schon umarmt.

„Endlich bist du da“, sagte Ginny und drückte sie fest.

Harry stand ebenfalls auf und grinste breit.

„Willkommen zurück.“

Hermine lachte und erwiderte die Umarmung.

„Ich habe euch auch vermisst.“

„Setz dich, sofort“, sagte Ginny und zog sie zum Sofa.

Kaum saßen sie, begann auch schon das Kreuzverhör.

„Also?“ fragte Harry neugierig. „Wie läuft das Referendariat?“

„Erzähl alles“, fügte Ginny hinzu und rückte näher.

Hermine schmunzelte. Das hatte sie vermisst.

„Es läuft… eigentlich ziemlich gut“, begann sie. „Professor Slughorn ist wirklich großartig. Er lässt mich viel selbst unterrichten und unterstützt mich sehr.“

„Das überrascht mich nicht“, sagte Harry. „Du warst schon immer die Beste in Zaubertränke.“

Hermine winkte ab, konnte sich ein kleines Lächeln aber nicht verkneifen.

„Die Schüler sind größtenteils auch sehr motiviert“, fuhr sie fort. „Und die Stunden mit den Abschlussklassen machen wirklich Spaß.“

Ginny lehnte sich neugierig vor.

„Klingt ja fast zu perfekt.“

Hermine seufzte leise.

„Nicht ganz.“

Harry zog eine Augenbraue hoch.

„Was ist los?“

„Professor Featherstone. Er macht es mir immer noch nicht leicht“, erklärte Hermine.

Ginny verzog sofort das Gesicht.

„Der Name klingt schon unsympathisch.“

Hermine lachte trocken.

„Das trifft es ziemlich gut.“

„Er scheint… sagen wir mal… nicht besonders begeistert davon zu sein, dass ich dort unterrichte.“

Harry verschränkte die Arme.

„Er macht dir also immer noch Probleme?“

„Er kritisiert mich ständig“, sagte Hermine ehrlich. „Egal was ich mache. Theorie, Praxis, Unterrichtsführung… irgendetwas findet er immer.“

Ginny rollte mit den Augen.

„Klassischer Fall von gekränktem Ego.“

„Vermutlich“, sagte Hermine ruhig. „Aber ich komme damit klar.“

Harry musterte sie kurz prüfend.

„Sicher?“

Hermine nickte.

„Ja. Es ist manchmal anstrengend, aber Minerva unterstützt mich sehr.“

Der Name ließ sie innerlich kurz innehalten, aber nach außen blieb ihre Stimme völlig ruhig.

„Sie sorgt dafür, dass alles fair bleibt.“

Harry lächelte leicht.

„Das klingt ganz nach ihr.“

Ginny grinste.

„Ich glaube, niemand legt sich freiwillig mit McGonagall an.“

Hermine musste lachen.

„Das wäre wirklich keine kluge Idee.“

In diesem Moment hörten sie Schritte im Flur und Molly rief aus der Küche:

„Das Essen ist gleich fertig!“

Ginny lehnte sich zufrieden zurück.

„Perfektes Timing.“

Harry sah Hermine an und lächelte.

„Es ist wirklich schön, dass du hier bist.“

Hermine erwiderte das Lächeln und irgendwo im Hinterkopf fragte sie sich, wie lange es wohl noch dauern würde, bis Minerva ebenfalls vor der Tür des Fuchsbaus stehen würde. Die Tür zum Wohnzimmer öffnete sich erneut. Ron blieb im Türrahmen stehen.

„Oh… Hermine. Hey.“

Seine Stimme klang überrascht, obwohl er natürlich wusste, dass sie kommen würde. Einen kurzen Moment herrschte diese kleine, unangenehme Stille, die sich immer noch zwischen ihnen einschlich. Nicht feindselig, aber vorsichtig. Hermine lächelte höflich.

„Hallo Ron.“

Er kam ein paar Schritte näher und fuhr sich durch die Haare.

„Gut… dich zu sehen.“

„Dich auch.“

Ginny warf einen schnellen Blick zwischen den beiden hin und her, sagte aber nichts. Ron setzte sich schließlich in einen Sessel gegenüber vom Sofa.

„Also… Hogwarts“, sagte er nach einem Moment. „Wie läuft das so?“

„Ganz gut“, antwortete Hermine ruhig. „Viel Arbeit, aber ich lerne unglaublich viel.“

Ron nickte und schien kurz nach weiteren Worten zu suchen, entschied sich dann aber dagegen. Die Unterhaltung blieb oberflächlich – höflich, aber etwas vorsichtig. Nach einer Weile wandte Hermine sich an alle.

„Und bei euch? Wie läuft es hier so?“

Ginny stöhnte halb lachend und lehnte sich zurück.

„Chaotisch.“

„James?“, fragte Hermine schmunzelnd.

„Oh ja“, sagte Ginny und verdrehte die Augen. „Der kleine Mann ist erst ein paar Monate alt und fängt jetzt schon an, Dinge schweben zu lassen.“

Harry grinste stolz.

„Gestern hat er beinahe meine Brille vom Tisch levitieren lassen.“

„Beinahe?“ fragte Hermine interessiert.

„Nun… sie ist gegen die Wand geflogen.“

Hermine lachte.

„Das klingt sehr nach einem Potter.“

Ginny nickte.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit das ist.“

„Doch“, sagte Hermine. „Und ich bewundere dich dafür.“

Harry lehnte sich etwas vor.

„Und ansonsten… läuft es im Ministerium wie immer.“

„Stressig?“ fragte Hermine.

„Stressig. Turbulent. Und manchmal… merkwürdig.“

Sein Blick wurde für einen kurzen Moment ernster.

„Einige Abteilungen sind in letzter Zeit etwas… angespannt.“

Hermine sah ihn an. Sie wusste genau, was er meinte. Die Abteilung für magische Bildung und die Dienstaufsicht. Harry sah es ebenfalls in ihrem Blick. Für einen Moment schwiegen beide – ein stilles Einverständnis, dass sie dieses Thema hier und jetzt nicht weiter vertiefen würden. Ron bemerkte davon nichts.

„Ministerium halt“, sagte er nur schulterzuckend.

Ginny klatschte plötzlich in die Hände.

„Bevor wir jetzt alle wieder über Arbeit reden - Mum ruft bestimmt gleich zum Essen.“

Als hätte sie das Stichwort gegeben, hallte Mollys Stimme aus der Küche:

„Alle an den Tisch!“

Ginny grinste.

„Da ist es.“

Alle standen auf und während sie gemeinsam Richtung Küche gingen, fragte sich Hermine unwillkürlich erneut, wie lange es wohl noch dauern würde, bis eine weitere Person durch die Tür des Fuchsbaus treten würde.

Wenig später saßen alle gemeinsam am großen Küchentisch. Der Duft von Mollys Essen erfüllte den ganzen Raum und für einen Moment fühlte sich alles leicht und vertraut an. Teller wurden herumgereicht, Gläser gefüllt und Molly sorgte wie immer dafür, dass niemand zu wenig auf dem Teller hatte.

„Nimm noch etwas, Hermine“, sagte sie bestimmt und legte ihr bereits eine weitere Portion auf.

„Molly, das reicht wirklich…“

„Unsinn.“

Hermine lächelte ergeben. Während sie anfingen zu essen, sah Ginny sich kurz um.

„Moment mal…“

Sie blickte von einem zum anderen.

„Wo bleibt eigentlich Professor McGonagall?“

Hermine hob leicht den Blick.

„Ich weiß es nicht genau“, sagte sie ruhig. „Sie wollte… bald nachkommen.“

Harry sah sie überrascht an. Er runzelte kurz die Stirn.

„Warum seid ihr nicht gemeinsam gekommen?“

Hermine überlegte einen winzigen Moment, bevor sie antwortete.

„Minerva wollte noch etwas erledigen, bevor sie aufbricht. Wahrscheinlich irgendetwas mit den Kollegen klären.“

Sie zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich glaube nicht, dass sie ihre Rolle als Schulleiterin so einfach ablegen kann.“

Ron schnaubte leise.

„Klingt nach McGonagall.“

Harry grinste. „Definitiv.“

Ein kurzes Lachen ging durch die Runde. Da meldete sich Molly zu Wort, während sie Arthur eine Schüssel mit Kartoffeln reichte.

„Oh, dazu kann ich sogar etwas sagen.“

Alle sahen zu ihr.

„Ein Hauself von Hogwarts war vorhin hier. Kurz bevor du gekommen bist Hermine. Er hat eine Nachricht von Minerva gebracht.“

Hermine blickte auf.

„Sie schrieb, dass sich etwas verzögert hat. Sie wird erst am Nachmittag eintreffen können.“

Für einen kurzen Moment veränderte sich Hermines Gesichtsausdruck. Ganz leicht. Ein flüchtiger Schatten von Nachdenklichkeit, vielleicht sogar ein Hauch von Sorge, aber nur für einen Herzschlag. Dann fing sie sich sofort wieder.

„Ach so“, sagte sie ruhig und griff nach ihrem Glas. „Das klingt ganz nach ihr.“

Ginny hatte diesen Moment jedoch gesehen. Ganz genau. Sie sagte nichts. Sie wandte sich wieder ihrem Teller zu und begann weiter zu essen, als wäre nichts gewesen, doch in ihrem Kopf arbeitete es.

Warum hatte Hermine so überrascht gewirkt? Oder war es sogar… Sorge gewesen?

Ginny warf einen kurzen, unauffälligen Blick zu ihrer Freundin. Hermine unterhielt sich inzwischen wieder mit Harry, als wäre alles völlig normal. Ginny kaute langsam auf ihrem Bissen herum. Irgendetwas stimmt hier nicht…

Nach dem Essen blieb noch eine Weile diese warme, zufriedene Stimmung am Tisch. Alle hatten sich mehr als satt gegessen und Molly schob mit energischen Bewegungen Teller zusammen.

„Das war fantastisch, Molly“, sagte Hermine ehrlich.

„Es freut mich, wenn es geschmeckt hat“, antwortete Molly mit einem zufriedenen Lächeln. „Und jetzt verschwindet ihr alle aus meiner Küche.“

Hermine stand bereits auf.

„Ich kann dir beim Aufräumen helfen.“

Molly drehte sich sofort zu ihr um und schüttelte entschieden den Kopf.

„Auf gar keinen Fall.“

„Aber…“

„Nein, Hermine. Du bist Gast. Setz dich ins Wohnzimmer, entspann dich. Ich habe das alles im Griff.“

Hermine lächelte ergeben.

„Wenn du sicher bist.“

„Sehr sicher.“

Also ließ Hermine die Küche hinter sich und ging ins Wohnzimmer. Ginny saß dort bereits auf dem Sofa, James auf dem Arm. Der kleine Junge trank zufrieden aus einem Fläschchen und hatte dabei die Augen halb geschlossen.

„Na du“, sagte Hermine leise und setzte sich neben Ginny.

Ginny lächelte.

„Er hat heute beschlossen, dass Schlaf völlig überbewertet ist.“

Hermine lachte leise.

„Das klingt anstrengend.“

„Ist es auch.“

Sie beobachteten einen Moment den kleinen Jungen, der nun zufrieden an seiner Flasche nuckelte. Im Flur hörte man Harry und Ron, die offenbar nach draußen gingen, während Arthur irgendwo im Haus beschäftigt war. Das Wohnzimmer wurde stiller. Ginny nutzte den Moment.

„Also“, begann sie locker, „erzähl mir mehr von Hogwarts.“

Hermine lächelte leicht.

„Was möchtest du wissen?“

„Alles.“

Sie unterhielten sich eine Weile über den Unterricht, über die Schüler, über Slughorns Begeisterung für Hermines Talent. Ginny hörte aufmerksam zu und stellte zwischendurch ganz beiläufig weitere Fragen.

„Und Professor McGonagall?“

Hermine sah kurz zu ihr.

„Was ist mit ihr?“

Ginny zuckte mit den Schultern, als wäre es die selbstverständlichste Frage der Welt.

„Wie ist es eigentlich, direkt mit ihr zu arbeiten?“

Hermine lächelte.

„Anspruchsvoll.“

„Das glaube ich.“

„Aber auch… beeindruckend“, fügte Hermine hinzu. „Sie ist eine unglaubliche Schulleiterin.“

Ginny nickte langsam.

„Und ihr kommt gut miteinander aus?“

„Ja“, antwortete Hermine ruhig. „Sehr gut.“

Ginny beobachtete sie genau. Ganz genau.

„Sie unterstützt dich also?“

„Sehr sogar.“

Wieder dieser kurze Moment. Nur ein Wimpernschlag, aber Ginny sah ihn. Dieser winzige Ausdruck in Hermines Augen – weich, fast… warm. Mehr als nur Respekt. Ginny blieb völlig ruhig.

„Das klingt nach einer ziemlich guten Zusammenarbeit.“

„Ist es auch“, sagte Hermine.

Sie strich James sanft über den Kopf, der inzwischen zufrieden eingeschlafen war. Ginny sagte nichts weiter, aber in ihrem Kopf fügte sich langsam ein kleines Puzzle zusammen. Der Blick beim Essen, die Reaktion bei Minervas verspäteter Ankunft und jetzt dieser Ausdruck. Ginny lächelte leicht. Sie sagte immer noch nichts, aber sie war sich inzwischen ziemlich sicher, dass da etwas war. Nach einer Weile stand Ginny vorsichtig auf, James noch immer schlafend auf ihrem Arm.

„Du solltest vielleicht erst einmal deine Sachen auspacken“, sagte sie zu Hermine. „Bevor Mum später wieder irgendeinen Plan für uns alle hat.“

Hermine lächelte.

„Das ist vermutlich eine gute Idee.“

Ginny nickte Richtung Treppe.

„Komm, ich zeige dir dein Zimmer.“

Sie gingen gemeinsam die schmale Treppe hinauf. Der Fuchsbau knarrte wie immer bei fast jeder Stufe und Hermine musste unwillkürlich schmunzeln – alles fühlte sich so vertraut an. Ginny öffnete eine Tür.

„Hier.“

Das Gästezimmer war klein, aber gemütlich. Ein Bett unter dem Fenster, ein kleiner Schrank, ein Nachttisch und eine dicke Decke über dem Bett. Draußen lag der Garten still unter einer weißen Schneeschicht.

„Perfekt“, sagte Hermine.

„Wenn du etwas brauchst, sag einfach Bescheid“, meinte Ginny.

„Mach ich.“

Ginny lächelte noch einmal und schloss dann leise die Tür hinter sich. Hermine stellte ihren Koffer auf das Bett und begann auszupacken. Dann fiel ihr Blick auf das kleine, flache Päckchen.

Minervas Geschenk.

Hermine nahm es heraus und hielt es einen Moment in der Hand. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. Langsam legte sie das Päckchen auf den Nachttisch. Dort blieb ihr Blick immer wieder daran hängen, während sie weiter ihre Sachen verstaute. Die Neugier nagte an ihr.

'Was hast du dir nur dabei gedacht, Minerva…'

Sie setzte sich kurz auf die Bettkante und sah erneut zu dem Päckchen. Es wäre so einfach gewesen, es jetzt zu öffnen. Ein kurzer Zauber, ein Blick hinein… Doch sie schüttelte den Kopf und lächelte.

„Nein.“

Weihnachten war in ein paar Tagen und Minerva hatte ganz ausdrücklich gesagt, dass sie es erst dann öffnen sollte. Ganz allein. Hermine strich noch einmal kurz über das Papier des kleinen Geschenks und stellte es ordentlich auf den Nachttisch. Dann stand sie auf, ging zum Fenster und blickte hinaus in den verschneiten Garten. Bald würde Minerva hier sein und bei diesem Gedanken wurde ihr sofort wieder warm ums Herz.

Eine ganze Weile saß Hermine noch oben in ihrem Zimmer. Sie hatte inzwischen alles ausgepackt und saß am Fenster, während draußen langsam die Dämmerung über den verschneiten Garten zog. Dann hörte sie unten Stimmen.

Die Haustür, Schritte im Flur und schließlich Mollys unverwechselbare Stimme.

„Minerva! Wie schön, dich zu sehen!“

Hermine musste sofort lächeln.

'Sie ist da.'

Für einen Moment war der Impuls beinahe überwältigend. Am liebsten wäre sie sofort aufgesprungen, die Treppe hinuntergelaufen und hätte Minerva einfach umarmt, doch sie hielt sich zurück. Sie atmete einmal tief durch. Ganz ruhig. Sie stand langsam auf, strich ihren Pullover glatt und ließ sich absichtlich Zeit, bevor sie schließlich zur Tür ging und die Treppe hinunterging. Mollys begeisterte Begrüßung hallte noch immer durch den Flur. Als Hermine die letzten Stufen erreichte, blieb sie kurz stehen. Minerva stand gerade im Eingangsbereich, noch in ihrem Mantel, während Molly neben ihr stand und offensichtlich bereits damit beschäftigt war, sie mit Fragen und Fürsorge zu überschütten. In diesem Moment hob Minerva den Blick. Ihre Augen trafen sich. Nur für einen kurzen Augenblick, aber Hermine erkannte sofort die Wärme darin. Das vertraute, ruhige Leuchten, das nur für sie bestimmt war. Es war genug. Hermine ging die letzten Stufen hinunter.

„Hallo Minerva“, sagte sie freundlich.

Minerva wandte sich ihr zu und lächelte.

„Hallo Hermine.“

Ein vollkommen höflicher Ton. Nicht mehr als zwei Kolleginnen, die sich begegneten.

„Ich hoffe, deine Reise war angenehm.“

„Durchaus“, antwortete Minerva ruhig, doch in ihrem Blick lag noch immer dieser kleine Funken, den sonst niemand zu bemerken schien. Molly klatschte plötzlich in die Hände.

„Minerva, du musst etwas essen!“

Minerva wollte etwas einwenden, doch Molly ließ keine Diskussion zu.

„Komm sofort mit in die Küche.“

Minerva seufzte leise, ein kaum sichtbares Lächeln auf den Lippen.

„Wenn du darauf bestehst, Molly.“

„Natürlich bestehe ich darauf!“

Molly führte sie bereits Richtung Küche. Hermine blieb im Flur stehen und musste grinsen. Typisch Molly. Sie wandte sich um und ging wieder ins Wohnzimmer, doch ihr Herz fühlte sich plötzlich deutlich leichter an. Minerva war hier.

Nachdem Molly mit strenger Fürsorge darauf bestanden hatte, dass Minerva wenigstens eine ordentliche Portion vom Mittagessen nachholte, ließ sie ihren Gast schließlich wieder ziehen. Minerva trocknete sich die Hände an einem Küchentuch ab und ging schließlich ins Wohnzimmer. Dort saß nur Hermine auf dem Sofa. Sie blickte sofort auf, als Minerva eintrat.

„Alles überstanden?“ fragte sie mit einem kleinen Schmunzeln.

Minerva setzte sich in den Sessel gegenüber.

„Molly hat mich behandelt, als hätte ich seit drei Tagen nichts gegessen.“

„Das klingt nach Molly.“

Minerva ließ ihren Blick kurz durch den Raum wandern.

„Wo sind die anderen?“

Hermine lehnte sich leicht zurück.

„Harry ist mit Ron unterwegs. Irgendetwas im Schuppen, glaube ich.“

Minerva nickte.

„Arthur ist irgendwo im Haus beschäftigt und Ginny ist oben bei James.“

Ein kurzer Moment der Stille entstand. Dann stand Hermine langsam vom Sofa auf. Sie ging ein paar Schritte auf Minerva zu.

„Wir sind also ganz allein.“

Minerva hob sofort eine Augenbraue. Sie kannte diesen Ton und sie kannte diesen Blick. Bevor Hermine noch einen weiteren Schritt näher kommen konnte, hob Minerva leicht die Hand.

„Nicht.“

Hermine blieb stehen.

„Es könnte jederzeit jemand hereinkommen“, sagte Minerva ruhig.

Hermine verdrehte demonstrativ die Augen.

„Du bist unmöglich vorsichtig.“

„Ich bin vernünftig.“

Hermine seufzte und trat einen Schritt zurück, um wieder etwas Abstand zwischen sie zu bringen. Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür und Molly kam herein.

„Ah, da seid ihr ja.“

Sie sah von einer zur anderen.

„Hermine, Liebes, könntest du Minerva ihr Zimmer zeigen?“

Hermine nickte sofort.

„Natürlich.“

„Welches Zimmer?“, fragte sie.

„Das Zimmer neben deinem“, erklärte Molly. „Ich dachte, das wäre praktisch.“

„Sehr praktisch“, murmelte Hermine mit einem kaum zu verbergenden Grinsen.

„Gut“, sagte Molly zufrieden. „Dann macht es euch dort oben erst einmal gemütlich.“

Damit verschwand sie wieder in Richtung Küche. Hermine drehte sich langsam zu Minerva um. Ihr Grinsen wurde noch ein wenig breiter.

„Na dann“, sagte sie und deutete Richtung Treppe. „Komm mal mit. Dann zeige ich dir dein Zimmer.“

Sie ging ein paar Schritte voraus und warf einen Blick über die Schulter.

„Wie du hörst… direkt neben meinem.“

Minerva folgte ihr die Treppe hinauf und musterte sie dabei misstrauisch.

„Hör bloß auf so verräterisch zu grinsen.“

Hermine tat völlig unschuldig.

„Ich? Niemals.“

Minerva blieb kurz auf der Treppe stehen und sah sie streng an.

„Wir haben eine Abmachung getroffen.“

Hermine blieb ebenfalls stehen.

„Zwischen dir und mir passiert hier nichts.“

Für einen Moment sahen sie sich an. Dann zuckte Hermine leicht mit den Schultern und lächelte langsam.

„Das werden wir sehen.“

Hermine ließ Minerva auf der Treppe den Vortritt.

„Nach dir, Professor“, sagte sie unschuldig.

Minerva warf ihr einen kurzen, skeptischen Blick zu, ging aber voran. Hermine folgte dicht hinter ihr. Während sie die Stufen hinaufgingen, wanderte Hermines Blick immer wieder nach unten – genauer gesagt auf Minervas Hintern. Ein breites Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht. Merlin… Oben angekommen überholte Hermine sie wieder und führte den Weg den kurzen Flur entlang.

„Hier entlang.“

Sie blieb vor der Tür des freien Gästezimmers stehen und öffnete sie mit einer kleinen Verbeugung.

„Ihr Zimmer, Professor.“

Minerva trat ein, sah sich kurz um und nickte anerkennend.

„Sehr gemütlich.“

Hermine trat ebenfalls ein. Dann schloss sie die Tür hinter sich. Leise. Kaum hatte das Schloss geklickt, drehte sich Minerva wieder um. Im nächsten Moment fand sie sich gegen die Wand gedrückt wieder. Hermine stand direkt vor ihr.

„Hermine…“

„Klappe“, sagte Hermine leise, aber bestimmt.

Minerva blinzelte überrascht.

„Ich möchte erst einmal einen richtigen Begrüßungskuss.“

Minerva wollte protestieren, wollte sie daran erinnern, dass sie sich in einem Haus voller Menschen befanden, dass sie vorsichtig sein mussten, doch als Hermine ihr Gesicht näher brachte, vergaß sie für einen Moment alles. Minerva versuchte standhaft zu bleiben. Wirklich. Aber sie scheiterte kläglich. Sie gab nach. Ihre Hand glitt an Hermines Wange, während sie sie küsste – zärtlich, aber mit einer Sehnsucht, die sie nicht ganz verbergen konnte. Hermine erwiderte den Kuss sofort. Feurig. Drängender. Als hätten sie sich viel länger nicht gesehen, als es tatsächlich der Fall war. Für einen Moment existierte nichts außer diesem Kuss. Hermine reagierte sofort auf Minervas Kuss. Ihre Hände wanderten über Minervas Taille, ihren Rücken hinauf, während sie sie weiter küsste – langsam, aber mit wachsender Ungeduld. Minervas Hand glitt ebenfalls über Hermines Rücken, zog sie näher zu sich. Ihre Finger verfingen sich kurz in Hermines Locken, während sich ihre Lippen wieder und wieder fanden. Hermine spürte den Stoff von Minervas Bluse unter ihren Fingern. Fast automatisch fanden ihre Finger die kleinen Knöpfe. Einer. Dann der nächste. Minerva sog scharf die Luft ein. Gerade als Hermine den dritten Knopf öffnen wollte, brach Minerva den Kuss plötzlich ab. Sie legte beide Hände fest auf Hermines Schultern.

„Wir müssen vernünftig sein, Hermine.“

Hermine sah sie an, noch ganz nah, ihre Lippen nur wenige Zentimeter von Minervas entfernt.

„Aber ich will dich.“

Minervas Blick wurde weich, beinahe schmerzlich.

„Ich… ich will dich auch.“

Ihre Finger hielten Hermines Schultern noch immer fest, als müsste sie sich selbst daran erinnern, Abstand zu halten.

„Aber es ist unvernünftig.“

Hermine seufzte leise. Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Mitten am Tag… in einem Haus voller Menschen…“

Sie sah kurz zur Tür.

„Jederzeit könnte jemand an meiner Tür klopfen.“

Hermine verzog das Gesicht, blieb aber dicht vor ihr stehen.

„Du bist wirklich viel zu vernünftig.“

Ein kleines Lächeln huschte über Minervas Lippen.

„Das ist einer der Gründe, warum Hogwarts noch steht.“

Hermine ließ ihre Hände langsam sinken, blieb aber nah genug, um Minervas Wärme zu spüren.

„Du bist grausam.“

Minerva strich ihr sanft eine Locke aus dem Gesicht.

„Geduld, Miss Granger.“

Ihre Stimme war leise, aber warm. Hermine grinste schließlich und trat einen Schritt zurück.

„Na gut“, murmelte sie. „Für den Moment.“

Sie ließ Minerva los. Minerva atmete einmal tief durch, als hätte sie sich gerade selbst wieder zur Vernunft gezwungen und wandte sich dann ihrem Koffer zu.

„Du bist wirklich unmöglich“, sagte sie leise, während sie den Koffer auf das Bett stellte und öffnete. Hermine lehnte sich derweil mit verschränkten Armen gegen die Tür. Sie bewegte sich keinen Zentimeter und sie sagte auch nichts. Stattdessen beobachtete sie Minerva einfach. Sehr aufmerksam. Minerva begann, ihre Sachen auszupacken – sorgfältig wie immer. Eine Bluse wurde ordentlich zusammengelegt und in die Kommode gelegt, ein Rock folgte, dann ein Pullover, doch nach wenigen Sekunden spürte sie es. Diesen Blick. Sie hielt kurz inne, ohne sich umzudrehen. Dann seufzte sie leise und drehte sich schließlich zu Hermine um.

„Hermine.“

Hermine sah sie unschuldig an.

„Ja?“

Minerva verschränkte die Arme.

„Warum beobachtest du mich so?“

Hermine zuckte mit den Schultern.

„Ich genieße einfach die Aussicht.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Du bist unmöglich.“

„Das sagst du oft.“

Minerva musterte sie einen Moment lang. Dann schüttelte sie leicht den Kopf und wandte sich wieder ihrem Koffer zu, doch dieses Mal spürte sie Hermines Blick noch deutlicher.

„Wenn du weiterhin so starrst“, sagte Minerva schließlich trocken, während sie eine weitere Bluse zusammenlegte, „werde ich anfangen zu glauben, dass du auf etwas Bestimmtes wartest.“

Hermine grinste breit.

„Vielleicht tue ich das.“

Minerva drehte sich wieder halb zu ihr um.

„Und worauf genau wartest du?“

Hermine ließ ihren Blick demonstrativ langsam über Minerva gleiten.

„Dass du noch ein paar Knöpfe öffnest.“

Minerva sah sie für einen Moment sprachlos an. Dann griff sie nach einem Pullover und warf ihn Hermine zu.

„Raus.“

Hermine fing ihn lachend auf.

„Unverschämt.“

„Raus.“

Aber Minervas Lippen verrieten, dass sie sich das Lachen kaum verkneifen konnte.