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Ein turbulenter Nachmittag

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Ein turbulenter Nachmittag

Am späten Nachmittag, als das Licht draußen langsam blasser wurde, schlug Ginny vor, noch einen Spaziergang zu machen.

„Die Luft ist wunderbar frisch“, sagte sie und zog sich ihren Mantel an. „Und wir müssen James sowieso ein wenig Bewegung verschaffen, sonst schläft er heute Nacht überhaupt nicht.“

Der Vorschlag wurde schnell angenommen. Wenig später stapften sie gemeinsam durch den Schnee, der den Garten und die umliegenden Felder in eine ruhige, glitzernde Winterlandschaft verwandelt hatte. Die Gruppe zog sich automatisch etwas auseinander. Molly, Arthur und Minerva gingen ein Stück voraus. Molly erzählte gerade irgendetwas mit großer Begeisterung, während Arthur gelegentlich zustimmend nickte. Minerva hörte aufmerksam zu und antwortete hin und wieder ruhig, ihre Hände tief in den Manteltaschen. Ein paar Schritte dahinter liefen Harry und Ron nebeneinander. Ron trug seinen kleinen Neffen James auf dem Arm, der in dicke Winterkleidung gepackt war und neugierig in die verschneite Landschaft blickte. Ginny und Hermine gingen ein Stück weiter hinten. Ihre Schritte knirschten leise im Schnee.

„Es ist wirklich schön hier im Winter“, sagte Hermine und zog ihren Schal etwas höher.

„Ist es“, stimmte Ginny zu.

Sie unterhielten sich über einfache Dinge – über Hogwarts, über Quidditch, über kleine Anekdoten aus Ginnys Alltag mit James, doch während sie sprachen, bemerkte Ginny etwas. Immer wieder und ganz unauffällig wanderte Hermines Blick nach vorne. Zu Minerva. Nie wirklich lange, aber dafür oft genug, dass es Ginny nicht entging. Hermine fing sich jedes Mal sofort wieder und widmete sich wieder dem Gespräch. Ginny sagte nichts. Sie ging ruhig neben ihr her, hörte zu, stellte Fragen – ganz so, als hätte sie nichts bemerkt, doch innerlich begann sie langsam zu lächeln.

Interessant. Sehr interessant.

Und während sie weiter durch die winterliche Landschaft gingen, beschloss Ginny, diese Beobachtung noch ein wenig für sich zu behalten. Zumindest vorerst.

Der Spaziergang führte sie über den schmalen Weg hinter dem Fuchsbau, vorbei an verschneiten Hecken und kahlen Bäumen, deren Äste unter einer dünnen Schicht Frost glitzerten. Molly erzählte vorne immer noch eine Geschichte aus der Zeit, als die Kinder klein gewesen waren. Arthur hörte aufmerksam zu, während Minerva gelegentlich mit einem trockenen Kommentar antwortete, der Molly zum Lachen brachte. Ein paar Schritte dahinter hob Ron James kurz höher auf den Arm.

„Siehst du das da?“ murmelte er zu seinem Neffen und deutete auf einen kleinen Hügel. „Da ist dein Vater früher ständig Schlitten gefahren.“

Harry lachte.

„Und dein Onkel ist ständig gegen den Zaun gekracht.“

Die Stimmung war leicht. Hermine ging weiterhin neben Ginny her. Sie unterhielten sich darüber, wie sehr sich die Schule über die Jahre verändert hatte, doch wieder glitt Hermines Blick nach vorne zu Minerva.

Minerva hatte gerade den Kopf leicht geneigt, während sie Molly zuhörte. Eine Strähne ihres grauen Haares hatte sich aus der Frisur gelöst und bewegte sich leicht im kalten Wind. Hermine bemerkte es sofort und musste unwillkürlich lächeln. Ginny sah diesen Blick. Ganz kurz, aber deutlich genug.

Sie ließ den Blick einen Moment nach vorne wandern, zu Minerva und dann wieder zurück zu Hermine.

„Sie scheint sich gut eingelebt zu haben“, sagte Ginny scheinbar beiläufig.

Hermine blinzelte leicht.

„Wer?“

Ginny deutete unauffällig nach vorne.

„Professor McGonagall.“

Hermine nickte.

„Ja. Ich glaube, sie freut sich über ein paar ruhige Tage.“

Ginny beobachtete sie noch einen Moment.

„Du scheinst sie wirklich zu mögen.“

Wieder dieser kleine Ausdruck in Hermines Augen. Wärmer als bloße Kollegialität.

„Natürlich“, sagte Hermine ruhig. „Sie ist eine beeindruckende Frau.“

Ginny lächelte leicht.

„Das ist sie.“

Mehr sagte sie nicht. Vor ihnen blieb Molly plötzlich stehen.

„Oh! Seht euch das an!“

Sie deutete auf das Feld vor ihnen, das in der tiefstehenden Wintersonne funkelte, als hätte jemand tausend kleine Kristalle darüber verstreut. Alle blieben kurz stehen. Für einen Moment war es still. Minerva drehte sich leicht um und ihr Blick traf Hermines wieder. Nur kurz, doch es reichte. Ginny sah es und spätestens jetzt war sie sich ziemlich sicher.

'Da ist definitiv etwas.'

Eine Weile standen sie einfach nur da und betrachteten das funkelnde Feld. Dann klatschte Harry plötzlich einmal in die Hände.

„Ich hab’s!“

Alle sahen ihn an. Sein Blick wanderte über die glatte, leicht gefrorene Fläche vor ihnen. Ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

„Das wäre eine perfekte Eisbahn.“

Ron hob sofort den Kopf.

„Geniale Idee Harry!“

Ginny lachte. „Harry, du bist unmöglich.“

Doch sie zog bereits ihren Zauberstab. Harry ebenfalls.

„Na los.“

Mit ein paar schnellen Zaubern wurde die Oberfläche des Feldes glatt, das dünne Eis verstärkt und die Fläche vergrößert. Binnen Sekunden entstand eine improvisierte Eisbahn.

„Perfekt“, sagte Ron zufrieden.

Ginny zog Harry bereits am Arm.

„Komm schon.“

Arthur lächelte amüsiert.

„Ich glaube, ich bin auch dabei.“

Hermine lachte leise.

„Das sieht wirklich zu verlockend aus.“

Molly hob beide Hände.

„Ich auf keinen Fall.“

Sie trat ein paar Schritte zurück und nahm James von Ron auf den Arm.

„Ich bleibe lieber hier und passe auf diesen jungen Mann auf.“

James gurgelte zufrieden und kuschelte sich an seine Großmutter. Minerva stand neben ihr und betrachtete das Ganze mit einem skeptischen Blick.

„Und du, Minerva?“ fragte Arthur.

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ich verzichte.“

„Wirklich?“ fragte Ginny überrascht.

Minerva verschränkte die Arme.

„Ich habe keinerlei Interesse daran, mir auf einer improvisierten Eisbahn meine Knochen zu brechen.“

Ihre Stimme war trocken, doch ihr Blick verriet sie. Ron lachte laut.

„Sie verpassen was!“

„Das glaube ich kaum.“

Während die anderen bereits auf die Eisfläche liefen, blieb Hermine noch stehen. Sie sah zu Minerva. Für einen Moment zögerte sie. Minerva bemerkte es sofort. Sie schenkte Hermine ein kleines, warmes Lächeln. Ein kaum sichtbares Kopfnicken folgte.

'Geh.'

Ihre Augen sagten alles.

'Hab Spaß.'

Hermine erwiderte das Lächeln. Dann drehte sie sich um und lief zu den anderen aufs Eis. Ginny schwang ihren Zauberstab mit einer eleganten Bewegung und beschwor für alle Schlittschuhe herauf.

Mit einem leisen Plopp erschienen mehrere Paar Schlittschuhe im Schnee.

„Manchmal kann man sich wirklich gebrauchen Schwesterherz“, sagte Ron und schnappte sich sofort ein Paar.

„Pass nur auf, dass du nicht gleich wieder hinfällst Bruderherz“, bemerkte Ginny trocken.

„Sehr witzig.“

Wenig später standen sie alle auf dem Eis. Harry, Ron, Ginny und Hermine glitten vorsichtig los, während Arthur etwas wacklig seine ersten Schritte versuchte. Am Rand des Feldes standen Molly und Minerva. Molly hielt James auf dem Arm, während beide das Schauspiel beobachteten.

„Arthur war noch nie besonders talentiert auf Schlittschuhen“, sagte Molly mit einem liebevollen Kopfschütteln.

Minerva sah zu, wie Arthur gerade versuchte, das Gleichgewicht zu halten und dabei gefährlich schwankte.

„Das überrascht mich nicht.“

In diesem Moment verlor Arthur fast die Balance, ruderte hektisch mit den Armen und schaffte es nur mit viel Mühe, sich wieder zu fangen. Molly lachte.

„Oh Arthur!“

Minervas Lippen zuckten. Auf dem Eis dagegen ging es deutlich lebhafter zu. Harry und Ron hatten bereits begonnen, sich gegenseitig herauszufordern.

„Bis zum Baum da drüben!“, rief Harry.

„Du verlierst sowieso!“, rief Ron zurück.

Die beiden schossen los, nicht besonders elegant, aber mit viel Enthusiasmus.

„Typisch“, murmelte Ginny.

Dann stieß sie sich ebenfalls ab.

„Los, Hermine!“

Hermine lachte und folgte ihr. Schon bald jagten die vier über das Eis, lieferten sich kleine Wettrennen, riefen einander etwas zu und lachten laut, wenn jemand ins Straucheln kam. Ron rutschte einmal beinahe aus, fing sich im letzten Moment und hob triumphierend die Arme.

„Habt ihr das gesehen?!“

„Pures Glück“, rief Ginny zurück.

Hermine hatte sichtlich Spaß. Ihr Lachen hallte über das Feld, während sie eine elegante Kurve zog. Minerva beobachtete sie vom Rand aus. Ein ruhiges, warmes Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Molly bemerkte es.

„Sie haben wirklich Spaß.“

„Ja“, sagte Minerva leise.

Ihr Blick folgte Hermine über das Eis. Hermine drehte sich in diesem Moment gerade lachend zu Ginny um. Das Licht der untergehenden Wintersonne spiegelte sich im Eis und für einen kurzen Moment wirkte alles leicht.

Einfach.

Friedlich.

Eine ganze Weile ging das fröhliche Durcheinander auf dem Eis weiter. Harry und Ron lieferten sich immer wieder kleine Wettrennen, riefen sich gegenseitig Herausforderungen zu und lachten laut, wenn einer von ihnen beinahe das Gleichgewicht verlor. Ginny und Hermine machten begeistert mit. Sie jagten über das Eis, drehten Kurven und versuchten sich gegenseitig zu überholen.

„Du bist zu langsam!“, rief Ginny.

„Gar nicht!“, konterte Hermine lachend.

Sie stieß sich erneut ab, wollte eine schnelle Drehung machen, doch ihr Schlittschuh rutschte plötzlich auf einer holprigen Stelle weg.

„Oh—!“

Hermine verlor komplett das Gleichgewicht und landete unsanft auf dem Eis. Ein dumpfes Geräusch hallte über das Feld. Am Rand des Feldes spannte sich Minervas Körper sofort an. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung. Für einen Moment wollte sie loslaufen, doch sie blieb stehen.

Ruhig.

Beherrscht.

Ron war bereits der Erste bei Hermine.

„Alles okay?“, fragte er sofort und kniete neben ihr.

Hermine verzog kurz das Gesicht, begann dann aber schon zu lachen.

„Ich glaube schon.“

Ron streckte ihr eine Hand hin.

„Komm.“

Hermine griff danach.

Mit einem Ruck zog er sie wieder auf die Beine. Für einen kurzen Moment standen sie sich sehr nah gegenüber. Vertraut. Fast so wie früher. Ron hielt sie noch kurz fest, um sicherzugehen, dass sie nicht wieder wegrutschte.

„Sicher?“, fragte er.

„Ja, wirklich.“

Diese kleine Szene traf Minerva völlig unerwartet. Ein kurzer Stich in ihrer Brust, ganz plötzlich. Sie wusste es besser. Sie wusste, dass Hermine und Ron längst getrennte Wege gingen, dass zwischen ihnen nichts mehr war und trotzdem… Für einen flüchtigen Moment spürte sie etwas, das sie nur ungern zugab.

Eifersucht.

Hermine löste sich von Ron und sah auf. Ihr Blick suchte sofort Minerva und in dem Moment, als sich ihre Augen trafen, verstand sie.

Sofort.

Sie erkannte diesen winzigen Schatten in Minervas Blick und wusste genau, was gerade durch ihren Kopf gegangen war. Ginny und Harry waren sofort bei ihnen.

„Hermine!“ rief Ginny. „Alles okay?“

Harry kam ebenfalls näher.

„Du bist ziemlich heftig gefallen.“

Hermine winkte schnell ab und klopfte sich etwas Schnee von den Händen.

„Alles gut“, sagte sie und lächelte. „Nur ein bisschen ungeschickt gewesen.“

Ron sah sie noch einen Moment prüfend an.

„Sicher?“

„Ja“, sagte Hermine ruhig. „Wirklich.“

Sie streckte kurz die Beine aus und verzog das Gesicht.

„Ich glaube nur… ich brauche eine kleine Pause.“

Ginny nickte sofort.

„Setz dich ruhig kurz.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Fahrt ruhig weiter. Wirklich. Ich schaue euch einfach von außen zu.“

Harry grinste.

„Wenn du sicher bist.“

„Bin ich.“

Die beiden ließen sich nicht lange bitten und glitten bald wieder über das Eis, während Ron sich ihnen anschloss. Hermine ging vorsichtig zum Rand des Feldes. Sie setzte sich auf eine kleine Bank, die sie schnell heraufbeschworen hatte, zog die Schlittschuhe aus und schlüpfte wieder in ihre warmen Stiefel. Dann trat sie zu Molly und Minerva.

„Alles in Ordnung, Liebes?“ fragte Molly sofort.

„Ja“, sagte Hermine beruhigend. „Nur ein kleiner Ausrutscher.“

„Du hast uns ganz schön erschreckt“, meinte Molly.

„Mir geht es wirklich gut“, versicherte Hermine.

Molly nickte schließlich zufrieden und wandte sich wieder dem Geschehen auf dem Eis zu, wo Arthur gerade versuchte, eine Kurve zu fahren. Hermine stellte sich neben Minerva. Für einen kurzen Moment sagte keine von beiden etwas. Dann spürte Minerva es. Ganz leicht. Hermines Finger berührten kurz ihre Hand. Nur ein flüchtiger Kontakt. Beinahe unauffällig, doch deutlich genug. Minerva sah zu ihr. Ihre Blicke trafen sich und in diesem kurzen Moment lag in Hermines Augen eine stille Botschaft.

'Da ist nichts.'

Minervas Ausdruck wurde sofort weicher. Die kleine Eifersucht, die sich zuvor eingeschlichen hatte, löste sich beinahe sofort wieder auf. Niemand außer ihnen beiden hatte diese winzige Szene bemerkt, doch für sie bedeutete sie alles.

Auf dem Eis lachte Harry laut, als Ron beinahe wieder hinfiel. Molly schüttelte amüsiert den Kopf und Hermine und Minerva standen einfach nebeneinander und sahen zu.

Der Rückweg zum Fuchsbau war deutlich ruhiger. Die Kälte kroch langsam durch die nassen Handschuhe und Hosen und spätestens als sie wieder die Haustür erreichten, war allen klar, dass warme Kleidung dringend nötig war.

„Alle nach oben und umziehen!“, rief Molly bestimmt, noch bevor jemand protestieren konnte.

Niemand widersprach. Nach und nach verschwanden alle auf ihre Zimmer. Schritte auf der Treppe, Türen, die sich schlossen, leises Lachen aus dem Flur. Minerva hatte gerade ihren Mantel abgelegt und hing ihn ordentlich über einen Stuhl, als es an ihrer Tür klopfte. Sie wusste sofort, wer es war.

„Herein.“

Die Tür öffnete sich. Hermine stand im Türrahmen.

„Hast du einen Moment?“

Minerva nickte.

„Natürlich.“

Hermine trat ein und schloss die Tür hinter sich. Für einen Moment sahen sie sich einfach an. Dann sagte Hermine ruhig:

„Liebling, du musst dir keine Sorgen machen.“

Minerva zog leicht die Augenbrauen zusammen.

„Nach einem solchen Sturz mache ich mir selbstverständlich Sorgen.“

Ein kleines Lächeln huschte über Hermines Gesicht.

„Das meine ich nicht.“

Sie trat näher.

„Minerva… ich habe deinen Blick gesehen.“

Minerva schwieg. Hermine blieb direkt vor ihr stehen.

„Und ich kenne dich.“

Ihre Stimme wurde weicher.

„Ron ist meine Vergangenheit.“

Minerva sah sie an. Ganz ruhig. Dann legte Hermine ihre Hand leicht auf Minervas Arm.

„Du bist meine Gegenwart.“

Eine kurze Pause.

„Und meine Zukunft.“

Minervas Gesicht entspannte sich langsam. Ein leises, beinahe verlegenes Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„Ich weiß.“

Sie strich Hermine sanft eine Locke aus dem Gesicht.

„Und dennoch…“

Hermine sah sie erwartungsvoll an. Minerva seufzte leise.

„… bin ich offenbar nicht völlig immun gegen menschliche Gefühle.“

Hermine lächelte liebevoll.

„Ein bisschen Eifersucht steht dir eigentlich ganz gut.“

Minerva schnaubte leise.

„Sei vorsichtig, Miss Granger.“

Doch ihre Hand blieb an Hermines Wange liegen und ihre Augen waren jetzt wieder vollkommen ruhig. Hermine lächelte – dieses weiche, warme Lächeln, das Minerva jedes Mal sofort beruhigte.

„Gut“, sagte sie schließlich leise.

Für einen Moment sahen sie sich einfach nur an. Dann lachten beide gleichzeitig, als die Spannung endgültig verflog.

„Ich glaube, ich habe mir nach diesem Sturz etwas schönes verdient“, murmelte Hermine.

„Vermutlich“, erwiderte Minerva trocken.

Hermine hob erwartungsvoll eine Augenbraue.

„Ich finde, dafür steht mir jetzt ein Kuss zu.“

Minerva zögerte keine Sekunde. Sie zog Hermine leicht näher zu sich und küsste sie sanft, aber warm. Hermine erwiderte den Kuss sofort und lehnte sich einen Moment gegen sie, bevor sie sich wieder löste. Dann musterte sie Minerva von oben bis unten. Sehr gründlich. Ein Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht.

„Findest du nicht, dass du dich langsam mal umziehen solltest?“

Minerva sah sie fragend an.

„Nicht, dass du dir noch eine Erkältung holst.“

Minerva blickte kurz an sich hinunter – ihre Kleidung war tatsächlich leicht feucht vom Schnee.

„Doch“, sagte sie schließlich. „Sobald du draußen bist.“

Hermine grinste breiter.

„Als hätte ich dir noch nie beim Ausziehen zugeschaut.“

Minerva hob warnend eine Augenbraue.

„Oder brauchst du Hilfe?“, fügte Hermine unschuldig hinzu.

Minerva lachte leise.

„Raus.“

Hermine verschränkte gespielt beleidigt die Arme.

„Und ich dachte, wir wären ein Team.“

Minerva schob sie sanft Richtung Tür.

„Hermine.“

„Ja, ja.“

Im Türrahmen blieb Hermine noch einmal stehen.

„Ein letzter.“

Minerva seufzte, aber nur halbherzig. Sie beugte sich vor und gab ihr noch einen kurzen, liebevollen Kuss.

„Jetzt geh.“

Hermine lächelte zufrieden.

„Bis später.“

Dann verschwand sie den Flur entlang, während Minerva die Tür schloss – mit einem kleinen Lächeln, das noch eine Weile auf ihrem Gesicht blieb. Minerva blieb noch einen Moment an der geschlossenen Tür stehen. Ein leises Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Dann schüttelte sie leicht den Kopf, als wollte sie sich selbst zur Ordnung rufen.

„Unmögliches Mädchen“, murmelte sie leise.

Sie wandte sich um und begann schließlich, ihre feuchte Kleidung abzulegen. Mantel, Schal und Bluse landeten ordentlich über dem Stuhl, während sie frische, warme Sachen aus ihrem Koffer nahm. Wenig später trug sie einen dunklen Pullover und einen langen Rock – bequem, aber dennoch so ordentlich, wie man es von ihr erwartete. Als sie ihre Haare kurz im Spiegel richtete, musste sie unwillkürlich wieder an Hermines Worte denken.

'Du bist meine Gegenwart und meine Zukunft.'

Ein warmes Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus. Dann straffte sie die Schultern. Es war Zeit, wieder hinunterzugehen.

Unten im Wohnzimmer war inzwischen wieder Leben eingekehrt. Harry und Ron saßen auf dem Teppich und diskutierten laut über irgendeinen Quidditch-Spielzug, während Ginny auf dem Sofa saß und James vorsichtig auf ihrer Schulter wog. Hermine stand am Fenster und sah hinaus in den dunkler werdenden Garten. Als sie Schritte auf der Treppe hörte, drehte sie sich um. Minerva kam gerade ins Wohnzimmer. Ihr Blick traf sofort Hermines. Ein ganz kurzes, warmes Lächeln huschte über Hermines Gesicht, kaum sichtbar für alle anderen. Ginny bemerkte es trotzdem. Wie so oft heute und sie war sich sicher, dass es kein Zufall mehr war.

„Ah, Minerva“, sagte Molly aus der Küche. „Setz dich ruhig, ich mache gleich Tee.“

„Sehr gern, Molly.“

Minerva setzte sich in einen der Sessel. Hermine nahm wieder ihren Platz auf dem Sofa ein, als wäre nichts gewesen, doch jedes Mal, wenn sich ihre Blicke zufällig trafen, lag dieses kleine, geheime Lächeln zwischen ihnen. Ginny beobachtete das Ganze aus dem Augenwinkel und langsam wurde ihr Verdacht immer stärker. Sehr viel stärker.

Im Wohnzimmer verteilte sich langsam wieder eine gemütliche Abendstimmung. Harry und Ron diskutierten immer noch über irgendeinen Quidditch-Spielzug, Arthur hatte sich in einen Sessel gesetzt und Molly klapperte leise in der Küche. Ginny stand schließlich auf und sah zu Hermine.

„Möchtest du mal?“

Bevor Hermine überhaupt richtig reagieren konnte, setzte Ginny den kleinen James vorsichtig auf Hermines Schoß.

„Oh…“

Hermine lachte überrascht, fing den Jungen aber sofort sicher auf.

„Hallo du.“

James sah sie mit großen Augen an, griff sofort nach einer von Hermines Locken und begann zufrieden daran zu ziehen.

„Autsch“, murmelte Hermine lachend. „Du hast einen festen Griff.“

Ginny grinste.

„Das hat er von seinem Vater.“

Harry protestierte sofort vom Teppich aus.

„Hey!“

Hermine begann vorsichtig mit James zu spielen, ließ ihn ihre Finger greifen und machte leise Geräusche, die ihn zum Kichern brachten. Der kleine Junge war offensichtlich sehr zufrieden mit seiner neuen Unterhaltung. Minerva beobachtete die Szene aus ihrem Sessel. Ihr Blick lag eine Weile ruhig auf Hermine. Auf der Art, wie sie James hielt. Wie selbstverständlich. Wie vorsichtig. Nach einer Weile sagte sie ruhig:

„Es steht dir gut, Hermine.“

Hermine sah auf.

„Was denn?“

Minerva deutete leicht mit dem Kopf auf James.

„Ein Baby auf dem Arm.“

Für einen kurzen Moment war Hermine sprachlos. Dann traf sie Minervas Blick und plötzlich verstand sie, was Minerva da gerade dachte. Hermine sah sie einen Moment lang einfach nur an. In ihren Augen lag ein Ausdruck, der gleichzeitig überrascht und ein wenig amüsiert war.

'Du glaubst also…'

Sie senkte kurz den Blick zu James, der gerade wieder versuchte, ihre Haare zu fangen. Dann sah sie wieder zu Minerva und jetzt erkannte sie es ganz klar. Minerva dachte, sie wolle ein Kind.

Hermine sah Minerva noch einen Moment an. Dann begann sie plötzlich zu lachen.

„Oh nein, absolut und definitiv nicht.“

Die anderen sahen sie überrascht an.

„Was?“ fragte Ginny.

Hermine strich James sanft über den Rücken, während er weiter mit ihren Locken spielte.

„Ein eigenes Baby? Nein.“

Ginny zog eine Augenbraue hoch.

„So entschieden?“

„Sehr.“

Hermine grinste.

„Wenn ich ein Kind möchte, dann leihe ich mir einfach meinen Patensohn hier für eine Weile.“

Sie hob James leicht an, sodass er kurz kicherte. Ginny lachte sofort.

„Ja, das ist tatsächlich die einfachste Art, an ein Baby zu kommen.“

„Genau.“

Hermine sah wieder zu James herunter.

„Ein paar Stunden spielen, ein bisschen lachen… und dann gebe ich ihn wieder zurück.“

„Frechheit“, sagte Ginny gespielt empört.

Hermine zuckte mit den Schultern.

„Du weißt genau, dass es stimmt.“

James griff wieder nach einer Locke und Hermine lachte leise.

„Außerdem“, fuhr sie fort, „wollte ich eigentlich nie eigene Kinder.“

Ron und Harry sahen kurz auf, aber Hermine sprach ganz ruhig weiter.

„Und jetzt, wo ich Lehrerin bin, habe ich ohnehin jeden Tag hunderte Kinder um mich herum.“

Harry grinste.

„Das klingt anstrengend.“

„Ist es manchmal auch“, gab Hermine zu.

Dann hob sie den Blick und sah direkt zu Minerva. Dieser Blick war deutlich. Ohne ein einziges Wort zu sagen, lag darin eine klare Botschaft.

'Ich brauche nichts anderes. Ich will nur dich.'

Minerva verstand sofort. Ihr Blick wurde für einen Moment weich, beinahe zärtlich, bevor sie sich wieder fing. Ginny bemerkte auch diesen Blick. Natürlich bemerkte sie ihn und jetzt war sie sich endgültig sicher.

'Oh.'

Sehr langsam begann sich auf ihrem Gesicht ein kaum merkliches Lächeln zu bilden. Sie sagte jedoch weiterhin nichts.