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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Hallo ihr Lieben,

endlich geht es weiter :D Ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel. Lasst mich gerne wissen, wie ihr es findet ;)

Liebe Grüße M.

Minerva schloss die Tür ihres Zimmers leise hinter sich. Für einen Moment blieb sie einfach stehen. Der Brief lag noch immer in ihrer Hand. Schlicht. Unauffällig. Und doch hatte er augenblicklich etwas in ihr ausgelöst, das sie nur zu gut kannte. Langsam ging sie zum Bett und setzte sich. Der Raum war still. Von unten drangen gedämpfte Stimmen herauf, doch hier oben schien alles wie abgeschirmt. Minerva starrte auf den Umschlag. Ihre Finger strichen fast unbewusst über die vertraute Handschrift.

„Natürlich…“, murmelte sie leise.

Es gab keinen Absender. Es brauchte auch keinen. Sie wusste genau, von wem dieser Brief war. Ein leiser, kaum merklicher Atemzug. Dann drehte sie den Umschlag zwischen ihren Fingern. Ihre Hände waren nicht mehr ganz ruhig. Zögernd fuhr sie mit dem Daumen über die Kante. Ein Teil von ihr wollte den Brief einfach ungeöffnet lassen, ihn ignorieren, so tun, als wäre er nie angekommen, doch sie wusste, dass das keine Option war. Nicht bei diesem Absender. Langsam ließ sie die Schultern sinken. Dann öffnete sie den Umschlag. Das leise Rascheln des Papiers durchbrach die Stille des Zimmers. Minerva zog den Brief heraus. Ihre Finger zitterten leicht. Für einen Moment hielt sie inne, als würde sie sich innerlich wappnen. Dann begann ihr Blick über die ersten Zeilen zu wandern. Die Worte trafen sie sofort. Nicht laut, nicht hart, aber mit einer leisen, unausweichlichen Wucht. Minervas Blick blieb an der ersten Zeile hängen. Einen Moment lang las sie nicht weiter. Als müsste sie sich erst daran gewöhnen, diese Handschrift wieder vor sich zu sehen… diese Art zu formulieren… diese Stimme, die zwischen den Zeilen lag. Langsam atmete sie ein. Dann las sie weiter. Der Brief war ruhig geschrieben. Sachlich beinahe. Ihre Finger schlossen sich etwas fester um das Papier. Sie spürte, wie sich ihre Brust leicht hob und senkte. Ein Teil von ihr wollte den Brief sofort wieder weglegen. Ein anderer zwang sie, jede einzelne Zeile zu Ende zu lesen. Als sie schließlich am Ende angekommen war, ließ sie den Brief langsam sinken. Stille. Nur ihr eigener Atem. Minerva starrte einen Moment ins Leere. Dann schloss sie kurz die Augen. Minervas Blick glitt erneut über den Brief. Diesmal langsamer und bewusster. Die Worte waren sorgfältig gewählt. Höflich. Fast schon freundlich.

'Sehr geehrte Professor McGonagall,

ich hoffe, Sie genießen die bevorstehenden Feiertage und finden nach den jüngsten Ereignissen etwas Ruhe…'

Minervas Lippen verzogen sich kaum merklich. Ruhe. Ein Wort, das in diesem Zusammenhang beinahe zynisch wirkte. Sie las weiter.

'Ich möchte Ihnen außerdem meine Anerkennung aussprechen. Es ist Ihnen gelungen, die jüngsten Anhörungen sowie den Besuch des Ministeriums ohne unmittelbare Konsequenzen zu überstehen. Das verdient zweifellos Respekt.'

Minervas Finger spannten sich leicht. Das klang nicht wie ein Kompliment. Es klang wie eine Feststellung. Eine Zwischenbilanz. Ihr Blick wanderte zur nächsten Passage.

'Dennoch wäre es unklug anzunehmen, dass diese Angelegenheit damit endgültig abgeschlossen ist.'

Da war es. Der eigentliche Kern des Schreibens. Keine offene Drohung, aber auch kein Zweifel.

'Gewisse Fragen bleiben bestehen und manche Wahrheiten haben die unangenehme Eigenschaft, früher oder später ans Licht zu kommen.'

Minerva atmete langsam aus. Ihre Hand legte den Brief für einen Moment auf ihrem Schoß ab, doch ihr Blick blieb darauf gerichtet.

'Ich wünsche Ihnen und dem Kollegium von Hogwarts dennoch friedliche Festtage.'

Ein kurzer Absatz. Dann, fast beiläufig—

'Wir werden uns wieder sprechen.

Olive Lockwood.'

Kein Gruß. Keine überflüssigen Worte. Nur ein Name. Minerva ließ den Brief langsam sinken. Ihre Miene war ruhig. Zu ruhig, doch in ihrem Inneren zog sich etwas zusammen. Das hier war nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Sie wusste nun mit absoluter Klarheit, dass das, was in Hogwarts geschehen war, nur ein erster Versuch gewesen war und dass jemand im Ministerium ganz bewusst nicht vorhatte, es dabei zu belassen. Minerva schloss kurz die Augen. Dann richtete sie sich langsam auf. Der Moment der Schwäche war vorbei. Als sie die Augen wieder öffnete, war ihr Blick klar, gefasst und entschlossen, doch tief in ihr wusste sie, dies war erst der Anfang.

Unten im Wohnzimmer war es still geworden. Hermine saß noch immer auf dem Sofa, die Briefe lagen ungeöffnet neben ihr. Ihr Blick war auf die Tür gerichtet, durch die Minerva vor wenigen Minuten verschwunden war. Die Stimmung hatte sich verändert. Schwerer. Unruhiger. Schritte auf der Treppe rissen sie aus ihren Gedanken. Ginny kam zurück ins Wohnzimmer und blieb einen Moment im Türrahmen stehen.

„Wo ist Minerva?“

Hermine sah zu ihr auf.

„Sie ist nach oben gegangen… in ihr Zimmer, denke ich.“

Ginny trat näher.

„Ist etwas passiert?“

Hermine zögerte.

„Ich weiß es nicht genau. Sie hat einen Brief bekommen… ohne Absender.“

Sie atmete leise aus.

„Und plötzlich war sie… anders.“

Ginny runzelte leicht die Stirn. Nachdenklich ließ sie sich neben Hermine auf das Sofa sinken. Für einen Moment sagte sie nichts. Dann sprach sie vorsichtig:

„Harry hat mit mir gesprochen.“

Hermine sah sie an.

„Über… ein paar seltsame Dinge im Ministerium. In der Dienstaufsicht.“

Hermine schwieg. Ihr Blick wurde ernster. Ginny beobachtete sie genau.

„Hermine…“, Ihre Stimme wurde ruhiger, „Hast du Probleme?“

Ein kurzer Moment der Stille. Dann sah Hermine sie direkt an. Kein Ausweichen mehr.

„Es gab eine Untersuchung.“

Ginny zog leicht die Augenbrauen zusammen. Hermine fuhr fort, ihre Stimme ruhig, aber klar:

„Sie wollten herausfinden… wie Minerva und ich zueinander stehen.“

Ginny blinzelte. Sie war nicht überrascht, aber betroffen.

„Also doch…“ murmelte sie leise.

Hermine nickte kaum merklich.

„Das Ministerium war sogar in Hogwarts.“

Ginny lehnte sich langsam zurück.

„Und?“

Hermine atmete tief durch.

„Sie haben nichts gefunden. Keine Beweise.“

Ein kurzer Moment. Dann sah sie zur Treppe hinauf.

„Aber das heißt nicht, dass es vorbei ist.“

Ginny folgte ihrem Blick. Ihr Ausdruck wurde ernst.

„Und dieser Brief…?“

Hermine schüttelte leicht den Kopf.

„Ich weiß nicht, von wem er ist, aber ich habe ein ziemlich schlechtes Gefühl.“

Ginny legte ihr kurz die Hand auf den Arm.

„Dann ist es gut, dass ihr nicht allein seid.“

Hermine sah sie an. Ein schwaches, dankbares Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, doch ihre Gedanken waren längst wieder bei Minerva, die oben war, allein mit diesem Brief.

Ginny sah Hermine einen Moment lang ruhig an. Dann sagte sie leise:

„Geh zu ihr.“

Hermine zögerte keine Sekunde. Sie nickte nur kurz, stand auf und ging direkt zur Treppe. Ihre Schritte waren schneller, als sie es beabsichtigt hatte. Ohne anzuklopfen öffnete sie die Tür zu Minervas Zimmer. Minerva saß noch immer auf dem Bett. Der Brief lag in ihrer Hand, inzwischen auf ihrem Schoß, als hätte sie ihn einfach sinken lassen. Als sie aufsah und Hermine in der Tür stehen sah, war da etwas in ihrem Blick und Hermine verstand sofort. Ohne ein Wort zu sagen ging sie zu ihr, setzte sich neben sie und zog sie fest in ihre Arme. Minerva reagierte nicht sofort. Für einen kurzen Moment blieb sie still. Dann hob sie langsam die Hände. Legte sie an Hermines Rücken. Erst zögernd und vorsichtig. Dann fester. Ihre Finger krallten sich beinahe in den Stoff von Hermines Kleidung, als würde sie sich daran festhalten. Als wäre Hermine der einzige Anker, den sie gerade hatte. Hermine ließ sie nicht los. Sie hielt sie einfach und spürte, wie sich Minervas Atem leicht beschleunigte und sich die Spannung in ihrem Körper langsam entlud.

„Hey…“, flüsterte Hermine leise an ihrem Ohr.

Ihre Stimme war ruhig und sanft.

„Alles wird gut.“

Minerva sagte nichts, doch ihre Umarmung wurde noch enger. Fast verzweifelt. Hermine schloss die Augen und strich ihr beruhigend über den Rücken.

„Solange wir zusammenhalten“, flüsterte sie weiter, „kann uns niemand etwas.“

Minervas Atem stockte kurz. Dann legte sie ihre Stirn gegen Hermines Schulter und für einen Moment ließ sie einfach los. Minerva löste sich ein kleines Stück aus der Umarmung, blieb aber nah bei Hermine. Ihre Hände lagen noch immer an ihr, als hätte sie Angst, den Halt zu verlieren, wenn sie losließ.

„Ich war so dumm…“, sagte sie leise.

Hermine schüttelte sofort den Kopf.

„Nein…“, begann Hermine, doch Minerva sprach weiter.

„Ich habe wirklich geglaubt, dass es vorbei ist.“

Ihre Stimme war ruhig, aber darin lag eine tiefe, bittere Erkenntnis.

„Ich hätte es besser wissen müssen.“

Hermine nahm Minervas Gesicht behutsam in ihre Hände.

„Hey…“

Sanft zwang sie Minerva, sie anzusehen.

„Du bist nicht dumm.“

Minerva sah sie an, ihre Augen ernst.

„Gestern habe ich dir noch gesagt, dass alles vorbei ist.“

Ein kurzer, bitterer Atemzug.

„Und jetzt… weiß ich, dass es das nicht ist.“

Hermine ließ ihre Daumen sanft über Minervas Wangen gleiten.

„Für Kingsley ist es vorbei“, sagte sie ruhig.

„Er hat keinen Grund mehr, weiter nachzuforschen.“

Minerva schüttelte leicht den Kopf.

„Du weißt genau, dass das nicht reicht. Irgendjemand wird etwas finden. Irgendetwas wird ausgegraben…“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Und dann beginnt alles von vorne.“

Hermine hielt ihren Blick.

„Dann dürfen wir es nicht so weit kommen lassen.“

Minerva sah sie an. Hermine sprach weiter, ruhig, aber entschlossen:

„Es sind nur noch ein paar Monate.“

Ein kleiner, aber bedeutungsvoller Moment.

„Dann bin ich mit meinem Referendariat fertig.“ Ihre Stimme wurde weicher. „Und dann… kann uns niemand mehr etwas.“

Minerva musterte sie, suchte in ihrem Blick nach Zweifel, doch da war keiner. Nur Überzeugung und Vertrauen. Hermine lehnte ihre Stirn sanft gegen Minervas.

„Wir schaffen das“, flüsterte sie.

Hermine blieb ganz nah bei ihr. Ihre Stirn lehnte noch immer sanft an Minervas, ihre Hände hielten ihr Gesicht, als wollte sie jede Unsicherheit einfach fortstreichen.

„Ich liebe dich“, sagte sie leise.

Minervas Atem stockte kaum merklich. Hermine sah sie ernst an. Nicht spielerisch. Nicht leicht. Sondern mit einer Klarheit, die keinen Zweifel ließ. Ihre Finger glitten sanft über Minervas Wange.

„Und egal, was kommt… wir stehen das gemeinsam durch.“

Minervas Blick wurde weicher. Hermine hielt sie fest.

„Du bist alles für mich, Minerva.“

Ein Moment Stille.

„Du bist mein Leben.“

Ihre Stimme war ruhig, aber voller Überzeugung.

„Und ich lasse mir das von niemandem zerstören.“

Minerva schloss kurz die Augen, als würde sie diese Worte in sich aufnehmen. Dann legte sie ihre Hand über Hermines.

„Und du bist mein Leben“, flüsterte sie leise.

Als sie die Augen wieder öffnete, lag darin wieder mehr Stärke. Mehr Klarheit. Mehr von der Frau, die sie immer gewesen war. Und doch war da auch etwas Neues. Etwas, das nur Hermine kannte.

Hermine lächelte sie sanft an. Die Schwere des Moments lag noch in der Luft, aber sie ließ nicht zu, dass sie alles überschattete.

„Weißt du was?“ sagte sie leise.

Minerva sah sie fragend an.

„Ich lasse mir die paar Tage, die wir gemeinsam haben, ganz sicher nicht von so einem dummen Brief kaputt machen.“

Ein Hauch von Entschlossenheit lag in ihrer Stimme. Minerva betrachtete sie einen Moment lang und dann nickte sie langsam.

„Da hast du recht.“

Hermine griff nach dem Brief, der noch immer auf Minervas Schoß lag. Sie hielt ihn zwischen zwei Fingern hoch.

„Also…“

Ein kleines, herausforderndes Grinsen.

„Wie wäre es, wenn wir ihn dorthin bringen, wo er hingehört?“

Minerva hob leicht eine Augenbraue.

„Und das wäre?“

Hermine sah sie direkt an.

„Ins Feuer.“

Ein kurzer Moment. Dann huschte ein echtes Lächeln über Minervas Gesicht. Ruhig. Zufrieden.

„Ja“, sagte sie leise. „Das wäre wohl genau der richtige Ort dafür.“

Hermine stand auf und zog Minerva mit sich. Gemeinsam gingen sie zum kleinen Kamin im Zimmer. Das Feuer glühte bereits. Hermine hielt den Brief noch einen Moment in der Hand. Dann sah sie Minerva an. Ein stummes Einverständnis. Minerva nickte leicht und ohne weiteres Zögern ließ Hermine den Brief in die Flammen fallen. Das Papier fing sofort Feuer. Die Worte verschwanden Zeile für Zeile, bis nichts mehr übrig war. Nur ein paar flackernde Funken. Hermine verschränkte ihre Finger mit Minervas.

„So“, murmelte sie leise.

Minerva drückte ihre Hand sanft. Hermine sah noch einen Moment in die Flammen, bis auch die letzten Reste des Briefes verschwunden waren. Dann atmete sie leise aus und wandte sich wieder Minerva zu.

„Komm“, sagte sie sanft. „Wir sollten wieder nach unten gehen.“

Minerva nickte. Ihre Hand lag noch immer in Hermines und für einen kurzen Moment drückte sie sie noch einmal etwas fester. Dann ließen sie einander los. Gemeinsam gingen sie zur Tür und verließen das Zimmer.

Die Geräusche aus dem Haus wurden wieder deutlicher, je näher sie dem Wohnzimmer kamen. Als sie eintraten, kam Molly ihnen gerade mit einem Tablett entgegen.

„Ah, da seid ihr ja“, sagte sie freundlich. „Ich wollte gerade Tee bringen.“

Sie stellte das Tablett auf den Tisch und sah die beiden kurz prüfend an.

„Ist alles in Ordnung?“

Ein winziger Moment. Dann antwortete Minerva ruhig:

„Ja, alles in Ordnung.“

Ihre Stimme war gefasst, wie immer.

„In dem Brief ging es nur um ein paar kleinere Angelegenheiten in Hogwarts.“

Sie lächelte leicht.

„Nichts, was sich nicht bald klären lässt.“

Molly nickte zufrieden.

„Na dann ist ja gut.“

Hermine setzte sich wieder auf das Sofa, während Minerva neben ihr Platz nahm. Für Außenstehende wirkte alles vollkommen normal, doch als ihre Hände sich ganz kurz, fast unmerklich berührten wussten beide, dass sie gerade gemeinsam etwas hinter sich gelassen hatten und dass sie es auch weiterhin gemeinsam tun würden.

Kaum hatten sich alle wieder gesetzt, drangen Stimmen von draußen herein. Laut. Fröhlich. Eindeutig Harry, Ron und Arthur. Molly hob sofort den Kopf.

„Das klingt ja, als wären sie erfolgreich gewesen“, sagte sie und ging zur Tür.

Hermine, Minerva und Ginny Weasley wechselten einen kurzen Blick. Dann… Ein Schrei.

„UM HIMMELS WILLEN!“

Alle drei fuhren gleichzeitig hoch.

„Molly?!“, rief Hermine und lief los.

Sie erreichten die Haustür fast gleichzeitig und blieben stehen. Molly stand im Türrahmen, die Hände leicht erhoben, völlig entsetzt. Davor standen Harry, Ron und Arthur. Strahlend, stolz und neben ihnen ein Baum. Ein riesiger Baum. Fast drei Meter hoch. Perfekt gewachsen. Gerade. Dicht. Wunderschön. Und absolut… viel zu groß. Für einen Moment sagte niemand etwas. Dann schnappte Molly nach Luft.

„Das… DAS ist doch kein Weihnachtsbaum, das ist ein halber Wald!“

Ron grinste breit.

„Ist er nicht großartig?“

Harry nickte zustimmend.

„Der beste, den wir finden konnten.“

Arthur sah ebenfalls zufrieden aus.

„Er hat einfach perfekt ausgesehen.“

Molly funkelte sie an.

„Perfekt?! Der passt nicht einmal durch die Tür!“

Hermine konnte sich nicht mehr halten und lachte los. Ginny stimmte sofort ein. Minerva hielt sich zwar einen Moment länger zurück, doch dann entglitt auch ihr ein leises, ehrliches Lachen. Arthur hob beschwichtigend die Hände.

„Wir können ihn doch noch kürzen!“

Molly sah ihn an, als müsste sie sich sehr beherrschen, nicht sofort loszuschimpfen. Hermine lehnte sich leicht zu Minerva.

„Ich glaube, das wird noch interessant.“

Minerva lächelte.

„Das fürchte ich auch.“

Ginny trat lachend nach draußen zu Harry, stellte sich neben ihn und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

„Also…“, sagte sie grinsend und musterte den Baum, „er ist wirklich wunderschön.“

Harry strahlte zufrieden.

„Siehst du?“

Ginny hob eine Augenbraue.

„Allerdings… hättet ihr ihn auch vorher kürzen können.“

Sie warf einen kurzen Blick zu Molly, die noch immer fassungslos im Türrahmen stand.

„Dann hätte Mum vielleicht keinen halben Herzinfarkt bekommen.“

Ron lachte.

„Das war Absicht.“

Ginny verdrehte die Augen.

„Natürlich war es das.“

Ron grinste weiter und ließ seinen Blick einen Moment zu Hermine wandern. Ein kurzer Blick. Ein vertrauter. Vielleicht ein wenig zu vertraut. Hermine bemerkte es sofort, doch sie erwiderte ihn nicht in gleicher Weise. Sie lächelte ihn lediglich freundlich an. Offen. Unverbindlich. Wie zu einem guten Freund und nichts weiter. Ron hielt den Blick einen Moment, dann wandte er sich wieder dem Baum zu. Währenddessen trat Hermine ein kleines Stück näher zu Minerva. Unauffällig. Fast nebenbei. Und obwohl niemand es bemerkte, spürte Minerva die leise, beruhigende Nähe sofort.

Molly klatschte einmal energisch in die Hände.

„So, jetzt reicht es aber! Rein mit euch allen, bevor ihr mir noch festfriert.“

Ohne große Diskussion wurden Harry, Ron und Arthur ins Haus gescheucht, der riesige Baum blieb vorerst draußen stehen.

„Den schauen wir uns später an!“, rief Molly noch hinterher.

Wenig später saßen alle wieder im warmen Wohnzimmer. Der Geruch von Tee erfüllte den Raum. Hermine stand auf, nahm die Teekanne und begann, die Tassen zu füllen.

„Hier“, sagte sie leise und reichte Ginny eine Tasse, dann Harry und Ron.

Als sie schließlich zu Minerva trat, verlangsamte sich ihre Bewegung ganz leicht. Ihre Hände berührten sich einen Moment länger, als nötig gewesen wäre. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über beide Gesichter. Dann setzte sich Minerva zu Molly und Arthur an den Tisch. Hermine ließ sich bei Ginny, Harry und Ron nieder. Schnell entstand wieder ein lebhaftes Gespräch. Harry erzählte von der „epischen Suche“ nach dem perfekten Baum, Ron warf immer wieder Kommentare ein, Ginny lachte und schüttelte den Kopf. Hermine wirkte dabei gelöst, fast unbeschwert. Minerva beobachtete sie immer wieder unauffällig. Sie sah, wie natürlich Hermine mit ihnen sprach, wie sie lachte, wie sie sich bewegte, ohne die Last, die sie sonst so oft mit sich trug und dann bemerkte Minerva etwas anderes. Rons Blick. Wie er immer wieder zu Hermine wanderte. Nicht auffällig, aber eindeutig.bDa war noch etwas. Etwas, das noch nicht ganz vergangen war. Minerva senkte kurz den Blick in ihre Teetasse. Ein leiser Gedanke zog durch sie hindurch, doch als sie wieder aufsah, traf ihr Blick Hermines und Hermine lächelte sie an warm und zärtlich. Nur für sie. Für einen Moment verschwanden alle anderen und Minerva wusste, egal, was gewesen war, Hermine hatte sich entschieden.

Eine Weile später klatschte Molly erneut in die Hände und stand auf.

„So! Jetzt kümmern wir uns um dieses Monster da draußen.“

Sie warf einen vielsagenden Blick zur Tür. Harry grinste.

„Ich fand ihn perfekt.“

„Du findest auch Explosionen im Garten interessant, das zählt nicht“, entgegnete Molly trocken.

Arthur und Ron erhoben sich ebenfalls, während Harry sich schon die Ärmel hochkrempelte.

„Na gut, dann… kürzen wir ihn eben ein bisschen.“

„Ein bisschen?“, wiederholte Molly und funkelte ihn an. „Der wird halbiert, mein Lieber.“

Minerva konnte sich ein leises Schmunzeln nicht verkneifen. Draußen begann kurz darauf ein lebhaftes Werkeln - unter strenger Anleitung von Molly, die immer wieder Anweisungen gab, während die drei Männer versuchten, den Baum in eine halbwegs wohnzimmertaugliche Form zu bringen.

Drinnen war es deutlich ruhiger.

Hermine saß mit Ginny auf dem Teppich und zwischen ihnen krabbelte James, der mittlerweile wieder wach war, vergnügt hin und her.

„Hier, schau mal“, sagte Hermine und ließ ein kleines Holzspielzeug vor ihm schweben.

James quietschte begeistert und griff danach. Ginny lachte.

„Du verwöhnst ihn.“

„Ich bin nur die coole Patentante“, grinste Hermine.

Währenddessen stand Minerva bei Molly, die nun wieder hereingekommen war, im Wohnzimmer. Sie begannen die ersten Kisten mit Weihnachtsschmuck zu öffnen.

„Reichst du mir bitte die Lichterkette?“, bat Molly.

„Natürlich“, antwortete Minerva und griff danach.

Gemeinsam begannen sie, den inzwischen passend gekürzten Baum aufzustellen und zu schmücken. Minerva hing vorsichtig eine Kugel nach der anderen auf, während Molly die Lichter verteilte.

„Es ist schön, dich hier zu haben“, sagte Molly nach einer Weile warm.

Minerva lächelte leicht.

„Es ist auch schön, hier zu sein.“

Ihr Blick glitt unwillkürlich durch den Raum zu Hermine, die immer noch auf dem Boden saß, lachte, mit James spielte…

Für einen Moment blieb Minerva einfach stehen und sah sie an. Molly bemerkte den Blick. Ganz kurz. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln huschte über ihr Gesicht, doch sie sagte nichts.

Minerva wandte sich wieder dem Baum zu, aber das warme Gefühl blieb.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich der Trubel langsam legte. Der Baum stand schließlich etwas schief, aber festlich geschmückt. Lichter funkelten, Stimmen wurden leiser und nach und nach verteilten sich alle wieder im Haus. Für einen kurzen Moment war der Flur leer. Genau dieser Moment, den Hermine gesucht hatte. Sie zog Minerva beinahe lautlos in eine kleine Nische neben der Treppe.

„Hermine…“, setzte Minerva an, doch weiter kam sie nicht.

Hermine legte ihre Hand an Minervas Wange und küsste sie sanft, aber bestimmt. Ein Kuss, der alles andere für einen Augenblick verstummen ließ. Als sie sich wieder löste, blieb sie ganz nah.

„Ich habe deinen Blick gesehen“, sagte sie leise.

Minerva wollte etwas erwidern, doch Hermine kam ihr zuvor.

„Und ich weiß auch ganz genau, was du denkst.“

Minerva senkte kurz den Blick.

„Ich…“

Hermine schüttelte leicht den Kopf und strich mit ihren Fingern über Minervas Wange.

„Nein. Lass mich ausreden.“

Ihre Stimme war ruhig.

„Da ist nichts mehr zwischen mir und Ron.“

Minervas Blick hob sich wieder. Hermine hielt ihn fest.

„Gar nichts.“

Ein kleines, weiches Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

„Das gehört zu meiner Vergangenheit.“

Dann trat sie noch ein Stück näher.

„Ich habe es dir schon einmal gesagt, aber ich wiederhole es gerne nochmal. Du bist meine Gegenwart.“

Ein kurzer Moment, ein Atemzug.

„Und meine Zukunft.“

Minervas Ausdruck veränderte sich. Die Anspannung wich.

„Ich weiß“, sagte sie leise.

Hermine hob eine Augenbraue.

„Wirklich?“

Ein kaum merkliches Lächeln huschte über Minervas Lippen.

„Ich muss es mir nur manchmal selbst in Erinnerung rufen.“

Hermine grinste leicht, beugte sich vor und gab ihr noch einen kurzen, warmen Kuss.

„Dann erinnere ich dich eben regelmäßig daran.“

Minerva schnaubte leise.

„Du bist furchtbar romantisch.“

„Und du liebst es“, erwiderte Hermine ohne zu zögern.

Für einen Moment blieben sie einfach so stehen. Ganz nah und vertraut. Dann hörten sie Stimmen aus dem Wohnzimmer. Beide lösten sich gleichzeitig ein kleines Stück voneinander. Hermine zwinkerte.

„Zurück in die Realität.“

Minerva nickte leicht, doch das Lächeln blieb. Hermine sah sich noch einmal kurz um. Der Flur war leer. Ein kleines, kaum zu bremsendes Grinsen huschte über ihr Gesicht. Dann zog sie Minerva wieder ein Stück näher zu sich.

„Nur noch einmal…“, murmelte sie leise.

Bevor Minerva etwas erwidern konnte, lagen ihre Lippen schon wieder auf ihren. Tiefer diesmal. Zärtlicher. Ein Kuss, der länger blieb, der sich Zeit nahm, als wollten sie diesen einen Moment festhalten, bevor sie ihn wieder loslassen mussten. Hermines Hand glitt sanft an Minervas Seite entlang, blieb kurz an ihrer Taille liegen und zog sie noch ein Stück näher. Minerva erwiderte den Kuss ebenso ruhig und intensiv. Für einen Augenblick war alles andere wieder weit weg.

Dann hörten sie Schritte. Gedämpfte Stimmen, die näher kamen. Beide lösten sich fast gleichzeitig voneinander. Ein letzter flüchtiger Blick. Ein Hauch von einem Lächeln und im nächsten Moment standen sie wieder mit einem kleinen Abstand zueinander, als wäre nichts gewesen.

Als Ginny um die Ecke bog, war Hermine gerade dabei, scheinbar interessiert einen Blick Richtung Wohnzimmer zu werfen. Minerva hatte ihre Haltung wieder vollkommen im Griff.

„Ah, da seid ihr ja“, sagte Ginny und blieb stehen.

Ihr Blick wanderte kurz zwischen den beiden hin und her. Ein kleines, wissendes Funkeln lag in ihren Augen, doch sie verknifft sich jeden Kommentar. Hermine lächelte unschuldig.

„Wir wollten gerade wieder zurück ins Wohnzimmer kommen.“

Minerva nickte knapp.

„Genau.“

Ginny grinste leicht. Minerva ging zurück. Hermine und Ginny folgten ihr.

„Natürlich. 'Kommen' ist treffend formuliert“, grinste Ginny.

Hermine stieß sie empört in die Seite und so traten sie beide lachend wieder zurück ins Wohnzimmer.