Der 24. Dezember
Der 24. Dezember
Hallo ihr Lieben,
seid ihr noch da? Es hat wieder eine Weile gedauert, aber immerhin habt ihr nun ein längeres Kapitel ;) Keine Panik, das nächste Kapitel kommt schneller :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich schon auf eure Reviews.
LG
M.
Die Tage waren wie im Flug vergangen. Zwischen Lachen, kleinen gestohlenen Momenten und der festlichen Stimmung im Haus hatten Hermine und Minerva jede gemeinsame Sekunde genutzt und dann war er da.
Der 24. Dezember.
Hermine blinzelte langsam, als sie erwachte. Das Erste, was sie spürte, war Wärme. Dann Minerva, die neben ihr noch ruhig und friedlich schlief. Ein weiches Lächeln legte sich auf Hermines Lippen, während sie sich leicht auf die Seite drehte und ihren Kopf in ihre Hand stützte. Sie betrachtete sie einfach, ohne Eile. Als wollte sie sich jeden einzelnen Moment einprägen. Die sanften Linien ihres Gesichts. Die ruhige Atmung. Die Strähnen, die sich über ihr Kissen verteilt hatten. Ganz vorsichtig hob Hermine ihre Hand und strich Minerva eine dieser Strähnen aus dem Gesicht. Eine sanfte, liebevolle Bewegung. Dann ließ sie ihre Finger langsam über ihren Arm gleiten. Zärtlich. Fast ehrfürchtig. Sie beugte sich ein kleines Stück vor und setzte einen leichten Kuss auf Minervas Arm. Noch einen. Und noch einen. Langsam wanderte sie weiter nach oben, bis zu ihrer Schulter. Dort verweilte sie einen Moment. Dann glitten ihre Lippen weiter, ganz leicht, bis zu Minervas Hals. Hermine hielt inne, spürte einfach nur ihre Nähe, die Ruhe. Diesen seltenen, vollkommen ungestörten Moment. Und in diesem Augenblick gab es nichts anderes auf der Welt, dass sie lieber getan hätte, als genau hier zu sein.
Hermine ließ sich Zeit. Ihre Lippen wanderten immer wieder sanft über Minervas Hals, verweilten hier und da einen Moment länger, als würde sie jeden Zentimeter bewusst genießen. Minervas Atem veränderte sich langsam. Wurde tiefer. Bewusster. Ein leises Zeichen, dass sie nicht mehr ganz schlief. Hermine lächelte leicht dagegen und setzte noch einen weiteren zarten Kuss. Dann bewegte sich Minerva. Ganz langsam drehte sie den Kopf, blinzelte leicht und fand Hermine direkt vor sich. Ein kaum merkliches, schläfriges Lächeln erschien auf ihren Lippen. Ohne ein Wort zu sagen, hob sie eine Hand, legte sie an Hermines Wange und zog sie sanft zu sich. Ihre Lippen trafen sich in einem ruhigen, zärtlichen Kuss. Kein Drängen. Keine Eile. Nur Wärme. Nur Nähe. Hermine erwiderte den Kuss sofort, schloss dabei kurz die Augen und ließ ihre Hand sanft über Minervas Schulter gleiten. Als sie sich wieder voneinander lösten, blieb sie dicht bei ihr.
„Guten Morgen“, flüsterte Hermine leise.
Minerva lächelte noch immer leicht verschlafen.
„Wenn ich so geweckt werde…“, murmelte sie leise, „kann der Tag nur gut werden.“
Hermine grinste und blieb einfach noch einen Moment ganz nah bei ihr. Hermine blieb dicht bei ihr, ihre Stirn fast an Minervas gelehnt, ein warmes Lächeln auf den Lippen.
„Der Tag wird sowieso gut“, murmelte sie leise. „Es ist schließlich Heiligabend.“
Minerva schmunzelte leicht, noch immer halb in diesem ruhigen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein.
„Es scheint fast so“, sagte sie trocken, „als würdest du dich wie ein kleines Kind auf Weihnachten freuen.“
Hermine hob eine Augenbraue und grinste sofort.
„Und wie.“
Ein schelmisches Funkeln lag in ihren Augen.
„Vor allem auf die Geschenke.“
Minerva ließ ein leises, amüsiertes Schnauben hören.
„Natürlich.“
Hermine rückte ein kleines Stück näher, ihre Finger spielten gedankenverloren mit einer Strähne von Minervas Haar.
„Ich bin sehr gespannt, was ich bekomme“, fügte sie hinzu, betont unschuldig.
Minerva sah sie an. Dieser Blick. Ruhig. Durchschauend.
„Ich fürchte, deine Erwartungen sind… gefährlich hoch.“
Hermine grinste nur noch breiter.
„Ich habe vollstes Vertrauen in dich.“
Minerva schüttelte leicht den Kopf, konnte sich ein Lächeln aber nicht verkneifen.
„Das beruhigt mich ungemein.“
Ein kurzer Moment verging, in dem sie sich einfach nur ansahen. Dann beugte sich Hermine wieder vor und gab ihr einen weiteren, sanften Kuss.
„Ich bin mir sicher, dass ich nicht enttäuscht werde“, murmelte sie leise gegen ihre Lippen.
Minerva zog leicht eine Augenbraue hoch, doch ihr Lächeln verriet, dass sie diesen kleinen Schlagabtausch mindestens genauso genoss. Hermine zog sich ein kleines Stück zurück, blieb aber nah genug, um Minervas Blick nicht loszulassen.
„Weißt du, worauf ich mich am meisten freue?“, fragte sie leise.
Minerva musterte sie ruhig.
„Ich habe da eine Vermutung.“
Hermine grinste.
„Das kleine Päckchen.“
Ihr Blick wanderte kurz zur Seite, als könnte sie es bereits vor sich sehen.
„Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, was da wohl drin ist.“
Minerva lächelte leicht, beugte sich vor und gab ihr einen sanften Kuss.
„Ich erinnere dich vorsichtshalber noch einmal daran“, sagte sie leise, „dass du es nicht vor den anderen öffnen darfst.“
Hermine hob eine Augenbraue.
„So geheimnisvoll?“
Minerva nickte leicht.
„Sehr.“
Ein kurzes Funkeln lag in ihren Augen. Hermine grinste breit.
„Das wird ja immer interessanter.“
Sie rückte noch ein Stück näher.
„Du weißt schon, dass du meine Neugier damit nur noch mehr anstachelst?“
Minerva schnaubte leise amüsiert.
„Das ist durchaus beabsichtigt und trotzdem wirst du dich noch bis morgen gedulden müssen.“
Hermine lachte leise, lehnte ihre Stirn kurz gegen Minervas.
„Na gut… dann werde ich mich wohl gedulden müssen.“
Ein kurzer Moment Stille. Dann fügte sie leise hinzu:
„Aber ich verspreche dir—ich werde mir dafür den perfekten Moment nehmen.“
Minerva lächelte und irgendwie wusste sie ganz genau, dass Hermine dieses Versprechen mehr als ernst meinte. Hermine ließ ihre Finger langsam über Minervas Hals gleiten, ganz leicht, fast spielerisch und folgte dabei dem Kragen ihres Nachthemdes. Ihr Blick wurde dabei wieder herausfordernder.
„Weißt du…“, murmelte sie leise, „mir wäre gerade eher danach, etwas anderes auszupacken.“
Minerva lachte leise auf. Ohne Hast griff sie nach Hermines Hand und zog sie sanft, aber bestimmt weg.
„Nichts da.“
Ihr Ton war ruhig, aber eindeutig.
„Wenn ich mich jetzt darauf einlasse, sitzen wir ganz sicher nicht pünktlich beim Frühstück.“
Hermine verzog gespielt enttäuscht das Gesicht.
„Und das wäre so schlimm?“
Minerva hob eine Augenbraue und sah sie mit diesem typischen, leicht strengen Blick an, der jedoch ein deutliches Schmunzeln nicht ganz verbergen konnte.
„Ja, wäre es.“
Hermine musterte sie einen Moment, dann grinste sie wieder.
„Du bist wirklich sehr diszipliniert.“
Minerva schnaubte leise.
„Einer von uns muss es ja sein.“
Hermine beugte sich noch einmal vor und gab ihr einen kurzen, frechen Kuss.
„Na gut… dann verschieben wir das eben.“
Ein kleines Funkeln lag in ihren Augen.
„Aber nur auf später.“
Minerva schüttelte leicht den Kopf, doch ihr Lächeln verriet, dass sie genau wusste, dass Hermine dieses „später“ ganz sicher einfordern würde.
Minerva löste sich langsam aus der Wärme der Decke und stand auf. Die Bewegungen ruhig, fast elegant, während sie sich ein wenig streckte. Hermine beobachtete sie dabei ganz genau. Mit einem Blick, der alles andere als neutral war. Minerva spürte ihn, auch ohne hinzusehen. Ein leises Lachen entwich ihr, während sie nach ihrem Morgenmantel griff und ihn über ihr Nachthemd zog. Dann drehte sie sich zu Hermine um. Gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie diese sich gespielt dramatisch zurück auf die Matratze fallen ließ. Ein übertriebenes Seufzen folgte.
„Unfassbar…“
Minerva hob leicht eine Augenbraue.
„Was genau?“
Hermine drehte den Kopf zur Seite und sah sie an.
„Du hast mir gerade die schönste Aussicht genommen.“
Minerva konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Ich dachte, wir wollten pünktlich beim Frühstück erscheinen.“
Hermine verzog das Gesicht.
„Das war ein Fehler.“
Minerva schüttelte amüsiert den Kopf und setzte sich noch einmal auf die Bettkante.
„Du wirst es überleben.“
Hermine musterte sie weiterhin.
„Das bezweifle ich.“
Ein kleines Grinsen schlich sich wieder auf ihre Lippen.
„Vielleicht… wenn du mich später entschädigst.“
Minerva sah sie an, ein kurzer, wissender Blick. Dann lächelte sie leicht.
„Wir werden sehen.“
Hermine richtete sich ein kleines Stück auf, stützte sich auf ihre Ellenbogen und sah sie herausfordernd an.
„Oh, das werden wir.“
Minerva schnaubte leise, doch ihr Lächeln blieb.
Hermine ließ sich nicht so leicht abspeisen. Noch bevor Minerva aufstehen konnte, griff sie nach ihr, zog sie mit einem schnellen Ruck wieder zurück ins Bett. Ein leises, überraschtes Lachen entwich Minerva, doch im nächsten Moment lagen Hermines Lippen schon wieder auf ihren. Ein Kuss, der alles andere für einen Moment vergessen ließ.
Hermine löste sich nur kurz, hob eine Hand und strich Minerva sanft die Haare aus dem Gesicht. Dann hielt sie inne. Betrachtete sie einfach. Mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Bewunderung und Zuneigung lag. Minerva zog leicht eine Augenbraue hoch.
„Zählst du gerade meine Falten?“, fragte sie trocken.
Hermine grinste sofort, beugte sich vor und küsste sie noch einmal.
„Ich kann absolut keine entdecken.“
Minerva seufzte gespielt.
„Dann solltest du wohl besser eine Brille zu Weihnachten bekommen.“
Hermine lachte leise, ihre Stirn an Minervas gelehnt. Ihre Finger glitten noch einmal sanft über Minervas Wange.
„Ich sehe dich ganz genau.“
Minerva schnaubte leise lächelnd und für einen Moment vergaßen sie beide wieder, dass sie eigentlich längst hätten aufstehen sollen.
Eine ganze Weile später hatten sie es dann doch geschafft, sich voneinander zu lösen. Mit einem letzten Blick, einem kleinen, wissenden Lächeln und dann getrennt. So, wie es sein musste.
Hermine war die Erste im Esszimmer, kurz darauf folgte Minerva - wieder vollkommen gefasst, als wäre nichts gewesen.
Molly war bereits dabei, alles vorzubereiten.
„Minerva, bitte, du bist zu Gast…“
„Und genau deshalb helfe ich“, entgegnete Minerva ruhig und nahm ihr ein Tablett ab.
Molly seufzte, gab aber schließlich nach. Minerva stellte gerade den Brotkorb auf den Tisch, als ein leises, fröhliches Tapsen zu hören war. James.
Er kam lachend auf sie zu, streckte die kleinen Arme nach ihr aus. Ohne zu zögern, beugte sich Minerva hinunter und hob ihn auf ihren Arm.
„Na, guten Morgen“, murmelte sie leise.
James quietschte zufrieden und klammerte sich an sie, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Hermine beobachtete das mit einem weichen Lächeln. Neben ihr stand Ginny, die ebenfalls amüsiert zusah.
„Er hat sich wirklich entschieden“, flüsterte Ginny leise.
Hermine musste leise lachen.
„Offensichtlich.“
Minerva war ganz bei James, sprach leise mit ihm, ließ ihn mit einer Strähne ihres Haares spielen, während er zufrieden auf ihrem Arm saß. Sie bekam nicht mit, wie Ginny sich leicht zu Hermine beugte.
„Sag mal…“, flüsterte sie vorsichtig. „Hat Minerva nie über Kinder nachgedacht?“
Hermine zögerte einen Moment. Ihr Blick blieb auf Minerva und James gerichtet.
„Doch“, sagte sie leise. „Sie und ihr Mann haben darüber nachgedacht, aber… es hat nicht geklappt.“
Ginny nickte langsam und sah es sofort. Dieses feine, kaum sichtbare Ziehen in Hermines Stimme. Trotzdem fragte sie leise weiter:
„Und jetzt?“
Hermine schwieg einen Moment. Dann zuckte sie leicht mit den Schultern.
„Sie hat sich damit arrangiert.“
Ein kleiner Blick zu Minerva.
„Und jetzt… ist es sowieso nicht mehr möglich.“
Ginny hörte es. Diese leise Enttäuschung, die Hermine nicht ganz verbergen konnte. Sie sagte nichts mehr dazu, drängte nicht weiter. Stattdessen beobachteten sie beide Minerva und James noch einen Moment. Wie selbstverständlich sie ihn hielt, wie ruhig und vertraut. Dann hörten sie Stimmen vom Flur.
Harry, Ron und Arthur kamen herein. Das Frühstück begann und mit ihm kehrte wieder das lebhafte Treiben zurück, doch ein leiser Gedanke blieb.
Das Frühstück war – überraschenderweise – erstaunlich gesittet verlaufen. Alle waren guter Dinge, die Stimmung locker und festlich. Es wurde viel gelacht, Molly hatte wie immer viel zu viel aufgetischt und selbst Ron wirkte heute deutlich entspannter als sonst. Hermine und Minerva hatten ihre Rollen perfekt gespielt. Unauffällig, kontrolliert und doch hatten sich ihre Blicke immer wieder kurz gefunden. Jetzt, nach dem Frühstück, löste sich die Runde langsam auf.
„Ich kümmere mich um die letzten Vorbereitungen“, sagte Molly und verschwand geschäftig in der Küche.
„Ich helfe dir“, sagte Ginny und folgte ihrer Mutter mit James auf dem Arm.
Aus dem Wohnzimmer hörte man die Stimmen von Harry, Ron und Arthur, die offenbar noch immer an ihrer „geheimen Weihnachtsüberraschung“ arbeiteten. Hermine und Minerva hatten sich zunächst unauffällig voneinander getrennt. Zu viele Blicke. Zu viele Möglichkeiten, dass jemand etwas bemerkte. Doch kaum ergab sich ein Moment, standen sie wieder nebeneinander im Flur - ganz zufällig.
„Du hast dich erstaunlich gut benommen beim Frühstück“, murmelte Minerva leise, ohne sie direkt anzusehen.
Hermine grinste.
„Ich kann mich sehr gut beherrschen.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Das habe ich heute Morgen anders in Erinnerung.“
Hermine trat einen kleinen Schritt näher.
„Das war eine Ausnahmesituation.“
Ein kurzer Blickwechsel. Dann musste Minerva leise schmunzeln.
„Natürlich.“
Hermine verschränkte kurz ihre Finger hinter dem Rücken, als würde sie sich bewusst zurückhalten, was ihr sichtbar schwerfiel.
„Und jetzt?“, fragte sie leise.
Minerva sah sie kurz an.
„Jetzt verhalten wir uns anständig.“
Hermine seufzte dramatisch.
„Langweilig.“
Minerva trat einen Schritt an ihr vorbei - ganz nah. So nah, dass ihre Schulter Hermine ganz leicht streifte.
„Geduld“, murmelte sie dabei leise.
Hermine blieb stehen, drehte sich langsam um und grinste, denn sie wusste ganz genau, dieses Spiel war noch lange nicht vorbei.
Am Nachmittag unternehmen Hermine und Minerva einen Spaziergang. Keiner der anderen hatte große Lust darauf, sie zu begleiten. Zumal die Herren immer noch geheimnisvoll tuschelten und immer wieder durch das Haus marschierten, während Molly und Ginny in der Küche standen. Beide waren strikt dagegen, dass Minerva und Hermine mithelfen würden. Sie waren schließlich Gäste, wobei Ginny natürlich einen anderen Gedanken hatte. Sie konnte sich gut vorstellen, wie schwer es für die beiden Frauen sein musste, ihre Gefühle zu verbergen. Also wollte sie ihrer Freundin und ihrer ehemaligen Lehrerin die Chance auf Zweisamkeit geben. So kam es also, dass Hermine und Minerva allein losgingen.
Der Schnee knirschte leise unter ihren Schritten, während sie nebeneinander den schmalen Waldweg entlanggingen. Die Luft war klar und kalt, ließ jeden Atemzug sichtbar werden, doch Hermines Hand in Minervas war warm – vertraut, ruhig, selbstverständlich. Minerva zog den Schal etwas höher und warf einen kurzen Blick zu Hermine, die mit leicht geröteten Wangen neben ihr ging und die Umgebung beinahe verträumt betrachtete.
„Du wirkst zufrieden,“ sagte Minerva schließlich, ihre Stimme ruhig, aber ungewohnt sanft.
Hermine lächelte, ohne den Blick vom verschneiten Wald zu lösen.
„Bin ich auch. Es ist… einfach.“ Sie drückte Minervas Hand leicht. „Keine Erwartungen, kein Verstecken, kein… Nachdenken darüber, wer uns sehen könnte.“
Minerva nickte langsam.
„Es ist selten,“ murmelte sie. „Dass wir uns so frei bewegen können.“
Für einen Moment gingen sie schweigend weiter. Nur das leise Knirschen des Schnees und das entfernte Rauschen der kahlen Bäume begleiteten sie. Dann blieb Minerva plötzlich stehen. Hermine brauchte einen Schritt, um es zu bemerken, drehte sich dann zu ihr um.
„Was ist?“
Minerva sah sie einfach nur an. Kein strenger Blick, kein spöttisches Funkeln, nur etwas Ruhiges, Offenes. Etwas, das sie sonst gut zu verbergen wusste.
„Hermine,“ sagte sie leise.
Allein der Klang ihres Vornamens ließ Hermine unwillkürlich innehalten. Minerva trat einen kleinen Schritt näher, ihre Finger schlossen sich fester um Hermines Hand.
„Ich glaube, ich vergesse viel zu oft, mir solche Momente zu erlauben.“
Hermine sah sie aufmerksam an.
„Dann solltest du das ändern.“
Ein kaum merkliches Lächeln erschien auf Minervas Lippen.
„Genau das tue ich gerade.“
Ein Windstoß ließ feinen Schnee von den Ästen rieseln. Reflexartig trat Hermine näher an sie heran, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ihre Schultern berührten sich, dann blieb sie einfach dort stehen.
„Weißt du,“ sagte Hermine leise, „ich hätte nie gedacht, dass ich mal so durch einen Wald gehe… Hand in Hand mit dir… und mir wünsche, dass der Weg einfach nicht endet.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue.
„Das klingt gefährlich romantisch.“
Hermine grinste schief.
„Sag nichts, du bist kein bisschen besser.“
Ein leises, warmes Lachen entwich Minerva. Dann hob sie ihre Hand und strich Hermine eine lose Strähne aus dem Gesicht – eine Geste, so selbstverständlich und zärtlich, dass sie beide einen Moment still werden ließ.
„Komm,“ sagte Minerva schließlich ruhig und griff wieder nach Hermines Hand. „Der Weg endet vielleicht… aber wir müssen ja nicht gleich zurück.“
Hermine nickte, ihre Finger verschränkten sich fester mit Minervas und so gingen sie weiter, tiefer in die stille Winterlandschaft hinein – langsamer jetzt, ohne Eile, als hätten sie beschlossen, sich genau diese Zeit einfach zu nehmen.
Nach einer Weile verlangsamte Hermine unmerklich ihren Schritt. Ihre Finger glitten aus Minervas Hand, was für einen kurzen Moment wie ein Verlust wirkte, bis sie sich näher schob und stattdessen ihren Arm um Minervas legte. Die Bewegung war ruhig, fast vorsichtig, als würde sie sich vergewissern wollen, dass es wirklich in Ordnung war. Doch kaum hatte sie sich an sie geschmiegt, wurde ihre Haltung sicherer, vertrauter. Ihre Schulter lehnte sich an Minervas und für einen Moment schien die Kälte des Winters vollkommen bedeutungslos. Minerva reagierte nicht sofort. Sie ließ den Blick nach vorne gerichtet, ging ein paar Schritte weiter, doch ein kaum sichtbares Lächeln zog über ihre Lippen.
„Du wirst immer ein wenig fordernder, Hermine,“ murmelte sie leise, ohne Vorwurf, eher mit einer warmen, ruhigen Belustigung.
„Nur ein wenig?“, gab Hermine trocken zurück, ihre Stimme dicht an Minervas Ohr.
Minerva schnaubte leise, blieb dann jedoch stehen. Hermine hob den Kopf, gerade als Minerva sich leicht zu ihr drehte. Ohne Eile, ohne jede Hast beugte sie sich vor und küsste Hermine sanft an die Schläfe – eine ruhige, zärtliche Geste, die mehr sagte als jedes Wort.
Hermine schloss für einen Moment die Augen, atmete leise aus und zog sie unbewusst ein kleines Stück näher.
„Das war jetzt aber nicht sehr diszipliniert,“ murmelte sie leise.
Minerva zog sich nur minimal zurück, gerade weit genug, um Hermine ansehen zu können.
„Ich habe nie behauptet, dass ich heute besonders diszipliniert bin.“
Ein Funkeln lag in ihren Augen, ungewohnt offen, fast leicht. Hermine lächelte, ihr Griff um Minerva wurde fester, als wollte sie diesen Moment festhalten.
„Gut,“ sagte sie leise. „Dann habe ich ja nichts zu befürchten.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue.
„Oh, ich denke schon.“
Doch sie löste sich nicht. Stattdessen gingen sie weiter, enger als zuvor, Schritt für Schritt durch den stillen Wald und jedes Mal, wenn sich ihre Schultern streiften, wirkte es ein wenig mehr wie Absicht anstelle von Zufall. Hermine ließ ihre Hand zunächst ganz ruhig an Minervas Seite liegen, fast beiläufig, als wäre es nur eine natürliche Geste, um die Nähe zu halten. Doch ihre Finger blieben nicht still. Ganz langsam, kaum merklich, strichen sie über den Stoff von Minervas Mantel, fanden den schmalen Punkt an ihrer Hüfte und verharrten dort einen Moment. Minerva spürte es sofort. Selbst durch die dicken Schichten hindurch war die Berührung eindeutig – nicht zufällig, nicht unschuldig. Ein leises Einatmen verriet sie, auch wenn sie weiterging, als hätte sie es nicht bemerkt. Hermine hingegen wurde mutiger. Ihre Finger bewegten sich erneut, diesmal bewusster, zeichneten eine sanfte Linie über Minervas Hüfte, verweilten einen Herzschlag länger, als nötig gewesen wäre. Ihre Haltung blieb ruhig, ihr Blick scheinbar auf den Weg gerichtet, doch das leichte Lächeln verriet sie. Noch ein Schritt. Dann blieb Minerva stehen. Die plötzliche Bewegung ließ Hermine ebenfalls innehalten. Langsam hob sie den Blick und traf auf Minervas Augen. Dieser Blick war ruhig. Wach. Und sehr, sehr bewusst.
Minerva sagte zunächst nichts. Sie sah Hermine einfach nur an, als hätte sie jede einzelne Absicht längst durchschaut – was vermutlich auch stimmte.
„Hermine…“ begann sie schließlich leise.
Ein winziges Zucken ging über Hermines Lippen, ein kaum unterdrücktes Grinsen. Minervas Blick wurde ein wenig schärfer, auch wenn darin noch immer Wärme lag.
„Du bist auf einem ausgesprochen… interessanten Weg.“
Hermine zog unschuldig eine Augenbraue hoch.
„Bin ich das?“
Minerva trat einen halben Schritt näher, ihre Stimme nun etwas tiefer, eindringlicher.
„Du weißt ganz genau, was du tust.“
Für einen Moment hielt Hermine ihrem Blick stand, dann zuckte ihre Schulter minimal, kein echtes Dementi, eher ein stilles Eingeständnis. Minerva musterte sie noch einen Augenblick, dann schüttelte sie ganz leicht den Kopf, ein Hauch von Belustigung in ihren Zügen.
„Das,“ sagte sie ruhig, „ist vermutlich keine besonders gute Idee.“
Hermine neigte den Kopf. „Und warum nicht?“
Minerva ließ den Blick kurz über die verschneite Umgebung schweifen – die kahlen Bäume, den offenen Weg, die stille, kalte Weite um sie herum. Dann sah sie wieder zurück zu Hermine.
„Weil wir draußen im Schnee stehen,“ erwiderte sie trocken. „Bei Temperaturen, die selbst für dich unangenehm werden sollten.“
Ein kurzes, kaum hörbares Lachen lag in ihrer Stimme, doch ihr Blick blieb warnend. Hermine trat einen kleinen Schritt näher, gerade genug, dass der Abstand zwischen ihnen fast verschwand.
„Und das ist dein einziges Problem damit?“ murmelte sie.
Minerva zog eine Augenbraue hoch, diesmal deutlicher.
„Es sollte genügen.“
Doch sie wich nicht zurück und für einen Moment blieb alles still zwischen ihnen – bis auf den leichten Wind und dieses unausgesprochene Knistern, das ganz sicher nichts mit der Kälte zu tun hatte.
Hermine trat noch einen kleinen Schritt näher, bis kaum noch Abstand zwischen ihnen blieb. Ihre Hände glitten von Minervas Seite nach vorne, zogen sie sanft, aber bestimmt zu sich heran, bis sie direkt voreinander standen.
„Jetzt ist später,“ murmelte Hermine leise, ihr Atem sichtbar in der kalten Luft, ihre Stimme jedoch warm.
Ihre Arme legten sich ruhig um Minerva, hielten sie fest, als wäre das das Natürlichste der Welt.
„Und ich erinnere mich ziemlich genau, dass ich noch eine Entschädigung bekomme.“
Minerva blinzelte langsam, ihr Gesicht vollkommen beherrscht – fast schon unschuldig.
„Eine Entschädigung?“ wiederholte sie ruhig. „Ich fürchte, ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“
Hermine zog eine Augenbraue hoch, ihr Blick wurde schmaler, ein leichtes, herausforderndes Lächeln auf den Lippen.
„Wirklich?“
„Wirklich.“
Für den Bruchteil einer Sekunde hielt Hermine ihrem Blick stand, dann änderte sich etwas in ihrer Haltung. Entschlossener. Deutlicher.
Plötzlich glitten ihre Hände nach hinten und ohne jede weitere Vorwarnung packte sie Minerva mit beiden Händen fest an ihrem Po – eindeutiger – und zog sie ganz an sich heran. Die Bewegung war überraschend, direkt. Minerva sog scharf die Luft ein, ihr Körper reagierte sofort auf die Nähe. Ihre Hände hoben sich reflexartig, fanden Halt an Hermines Schultern.
„Hermine…“, begann sie, doch der Tonfall verriet mehr Überraschung als echten Protest.
Hermine hielt sie fest, ihre Hände blieben genau dort, als hätte sie nicht die geringste Absicht, sie wieder zu lösen. Ihr Blick lag fest auf Minervas Gesicht, wach, leicht herausfordernd.
„Fällt dir jetzt wieder ein, wovon ich rede?“ murmelte sie.
Minervas Augen verengten sich leicht, doch diesmal war das warnende Funkeln deutlich von etwas anderem durchzogen. Etwas Wärmerem. Gefährlicherem.
„Du bist wirklich sehr kühn,“ sagte sie leise.
„Nur konsequent,“ erwiderte Hermine ruhig.
Für einen Moment standen sie einfach so da – eng aneinander, der kalte Wind um sie herum völlig bedeutungslos geworden. Dann beugte sich Minerva ein kleines Stück vor, gerade nah genug, dass ihre Stimme nur noch ein leises Murmeln war.
„Wenn dich jetzt jemand sehen würde,“ sagte sie ruhig, „hättest du ein ernsthaftes Problem.“
Hermine lächelte kaum merklich.
„Dann hoffe ich, dass wir Glück haben.“
Minervas Blick ruhte noch einen Moment auf ihr – prüfend, abwägend, doch sie machte keinen Schritt zurück.
Hermine ließ ihre Hände noch einen Moment dort ruhen, spürte die Reaktion unter ihren Fingern, bevor sie begann, sie langsam zu bewegen – nicht mehr fordernd, sondern fast spielerisch, als würde sie den Moment bewusst auskosten. Minerva schloss für einen kurzen Augenblick die Augen. Ein leises Einatmen, kaum hörbar. Man konnte ihr ansehen, wie sie sich sammelte, wie sie sich innerlich wieder zur Ordnung rief – sich daran erinnerte, wo sie waren, was um sie herum lag: der offene Wald, die Kälte, die Möglichkeit, entdeckt zu werden. Als sie die Augen wieder öffnete, war ihr Blick gefasster. Nicht kühl, aber kontrollierter. Hermine bemerkte es sofort. Ein kleines, zufriedenes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Ich glaube,“ murmelte sie leise, „ich habe meine Entschädigung zumindest teilweise bekommen.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue, doch diesmal lag keine echte Strenge darin.
„Du überschätzt dich,“ entgegnete sie trocken, auch wenn ihre Stimme einen Hauch weicher war als sonst. Hermine beugte sich ein wenig näher.
„Tu ich das?“
Ein kurzer Moment Stille. Dann atmete Hermine leise aus und zog sich ein kleines Stück zurück, gerade genug, um Minerva ansehen zu können.
„Vielleicht sollten wir zurückgehen,“ sagte sie ruhig.
Minervas Blick lag noch einen Augenblick auf ihr, als würde sie diesen Vorschlag abwägen oder vielleicht einfach nur verstehen, was wirklich dahinter lag. Dann nickte sie langsam.
„Ja,“ sagte sie leise. „Das wäre… vermutlich eine gute Idee.“
Hermine grinste leicht, doch bevor sie sich ganz löste, ließ sie ihre Hand noch einmal nach hinten gleiten – ein kurzer, frecher Druck, ein kaum merkliches Kneifen, das alles andere als zufällig war. Minerva zog scharf die Luft ein.
„Hermine…“
Weiter kam sie nicht. Denn im nächsten Moment hatte Hermine sie schon näher gezogen und küsste sie – tief, warm, ohne jede Zurückhaltung. Für einen Augenblick schien selbst die kalte Winterluft stillzustehen. Minervas anfängliche Überraschung hielt nur einen Herzschlag an. Dann erwiderte sie den Kuss. Als sie sich schließlich voneinander lösten, blieb ihre Stirn noch einen Moment an Hermines gelehnt. Ein leises, fast ungläubiges Lächeln lag auf Minervas Lippen.
„Du bist unmöglich,“ murmelte sie.
Hermine grinste nur.
„Und genau deshalb gehst du ja so gerne mit mir zurück.“
Ein kurzes Lachen entwich Minerva, bevor sie sich endgültig löste – nur um gleich darauf wieder nach Hermines Hand zu greifen.
„Komm,“ sagte sie ruhig und diesmal lag in diesem einfachen Wort deutlich mehr Versprechen als zuvor.
Als sie den Fuchsbau erreichten, umfing sie sofort die vertraute Wärme des Hauses. Stimmen drangen gedämpft aus der Küche, irgendwo klapperte Geschirr und ein leises Lachen hallte durch den Flur, doch niemand schenkte ihnen Beachtung. Es war, als wären sie einfach… übersehen worden. Hermine bemerkte es sofort. Ihr Blick huschte kurz durch den Raum, prüfend, dann erschien dieses kleine, entschlossene Lächeln auf ihren Lippen.
„Perfekt,“ murmelte sie.
Noch bevor Minerva etwas erwidern konnte, hatte Hermine bereits ihr Handgelenk ergriffen. Ihre Finger schlossen sich fest darum und ohne Zögern zog sie sie mit sich.
„Hermine, was…“, begann Minerva, halb überrascht, halb amüsiert, doch Hermine ließ ihr keine Zeit.
Schnell, beinahe lautlos, führte sie sie die Treppe hinauf, vorbei an den geschlossenen Türen, bis sie ihr eigenes Zimmer erreichten. Kaum waren sie eingetreten, fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss. Minerva stand im nächsten Moment mit dem Rücken gegen die Tür gedrückt, kaum dass sie sich orientieren konnte. Hermine war dicht vor ihr, ihre Hände fanden Halt an ihrem Mantel und dann waren da schon ihre Lippen. Hungrig. Direkt. Der erste Kuss traf Minervas Lippen, warm und bestimmt, ohne jedes Zögern. Dann löste Hermine sich nur minimal, ließ ihre Lippen über Minervas Wange wandern, langsamer jetzt, bewusster, bis hinunter zu ihrem Hals. Minerva atmete spürbar ein. Ihre Hände hatten längst reagiert, glitten über Hermines Rücken, zogen sie näher. Eine davon wanderte nach oben, vergrub sich in Hermines Haar, hielt sie dort, ließ sie nicht zurückweichen.
„Du bist wirklich ungeduldig,“ murmelte Minerva leise, ihre Stimme kaum mehr als ein Atemzug, doch ihr Tonfall widersprach ihren Worten.
Hermine antwortete nicht direkt. Stattdessen spürte Minerva ihr leises Lächeln auf ihrer Haut, bevor sie erneut den Kopf hob, ihre Stirn kurz gegen Minervas lehnte.
„Du wolltest doch zurück,“ flüsterte sie.
Minervas Lippen zuckten leicht.
„Ich meinte nicht… sofort so.“
„Zu spät,“ erwiderte Hermine leise.
Und obwohl Hermine eindeutig die Führung übernommen hatte, lag in Minervas ruhiger Reaktion bereits die leise Andeutung, dass dieses „Spiel“ durchaus in beide Richtungen gehen konnte.
Später war es still geworden. Nur das leise Knistern des Hauses war noch zu hören, irgendwo entfernt Stimmen, die langsam verebbten. In Hermines Zimmer jedoch lag eine ruhige, warme Stille. Die beiden lagen eng beieinander, die Decke halb über sie gezogen. Hermine hatte sich leicht an Minerva geschmiegt, ihr Kopf nahe an ihrer Schulter, während ihre Finger gedankenverloren über Minervas Arm strichen – langsam, immer wieder, als hätte sie keinen Grund, damit aufzuhören. Minerva lag ruhig neben ihr, eine Hand locker in Hermines Haaren. Ab und zu ließ sie eine Locke durch ihre Finger gleiten, spielte damit, ohne Eile, fast nachdenklich. Für eine Weile sagte keine von beiden etwas. Es war keine unangenehme Stille – im Gegenteil. Eine, die nichts verlangte. Hermine seufzte leise, zufrieden und drückte sich ein kleines Stück näher an sie.
„Ich glaube,“ murmelte sie, „diese Entschädigung war mehr als angemessen.“
Minerva schnaubte leise, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen.
„Mehr als angemessen?“ wiederholte sie ruhig. „Du stellst bemerkenswert hohe Ansprüche.“
Hermine grinste leicht, ohne aufzusehen.
„Und du hast sie erfüllt.“
Minervas Finger verharrten kurz in einer ihrer Locken, dann strich sie ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht.
„Wie großzügig von dir, das anzuerkennen.“
Hermine hob den Kopf ein wenig, sah sie an – dieses ruhige, zufriedene Leuchten noch immer in ihren Augen.
„Oh, ich erkenne das sehr bewusst an.“
Minerva erwiderte den Blick, ihr eigenes Lächeln wurde ein wenig weicher. Dann schüttelte sie ganz leicht den Kopf.
„Du bist unmöglich.“
„Ich weiß, Liebes“, murmelte Hermine.
Ein leises, warmes Lachen entwich Minerva. Ihre Hand glitt von Hermines Haar zu ihrer Wange, blieb dort einen Moment liegen und danach wurde es wieder still – nicht leer, sondern ruhig, getragen von Nähe, die keine Worte mehr brauchte. Minerva lag noch einen Moment still, bis ihr Blick zufällig zur Uhr wanderte. Sie erstarrte leicht.
„Hermine…“ murmelte sie und hob den Kopf ein wenig. „Es ist fünf.“
Hermine brummte leise, noch halb in der Wärme des Moments versunken.
„Und?“
Minerva richtete sich ein kleines Stück auf, ihr Ausdruck nun wieder wacher, strukturierter.
„Und das bedeutet, dass wir aufstehen sollten.“ Ein leises Seufzen entwich ihr. „Wenn uns jemand hier findet…“
Sie machte eine kleine Bewegung, als wolle sie sich aufsetzen, doch Hermine hielt sie sofort zurück. Ihre Hand legte sich sanft, aber bestimmt auf Minervas Arm und zog sie wieder ein Stück zu sich herunter.
„Bleib noch,“ murmelte sie leise.
Minerva hob eine Augenbraue, sah sie an.
„Hermine…“
„Niemand kommt einfach so in mein Zimmer,“ unterbrach sie sie ruhig, jetzt deutlich wacher. „Und selbst wenn… Ein Schwung mit dem Zauberstab und wir sehen aus, als hätten wir nie etwas anderes gemacht, als ein völlig harmloses Gespräch zu führen.“
Hermine zuckte leicht mit den Schultern, ihr Blick ruhig, aber überzeugt.
„Zwei Kolleginnen. Oder Freundinnen.“ Ein kurzes Grinsen. „Das glaubt hier sowieso jeder.“
Ein leises, amüsiertes Schnauben entwich Minerva, obwohl sie den Kopf leicht schüttelte. Sie ließ sich noch einen Moment Zeit, als würde sie abwägen – Pflicht gegen das, was gerade viel verlockender war. Dann seufzte sie leise und sank wieder zurück ins Kissen, ihre Hand fand ganz automatisch wieder Hermines Haar.
„Ein paar Minuten,“ murmelte sie.
Hermine lächelte zufrieden und schmiegte sich wieder näher an sie.
„Natürlich,“ flüsterte sie und für diesen Moment schien selbst die tickende Uhr keine wirkliche Bedeutung mehr zu haben.
Sie blieben noch einen Moment so liegen, die Ruhe auskostend, als könnten sie die Zeit damit aufhalten, doch nach und nach veränderte sich die Stimmung im Haus. Schritte auf dem Flur, Stimmen, Türen, die geöffnet und geschlossen wurden. Minervas Blick ging zur Tür, dann wieder zur Uhr. Diesmal zögerte sie nicht lange.
„Jetzt wird es Zeit,“ murmelte sie leise und machte Anstalten, sich aufzusetzen, doch kaum hatte sie sich halb aufgerichtet, hielt sie inne. Ihr Blick wanderte über den Boden. Ihre Kleidung lag verstreut – hier ein Stück, dort ein anderes – und anders als sonst wartete kein Morgenmantel griffbereit neben dem Bett. Für einen Moment blieb sie einfach so sitzen.
Hermine, die sich ebenfalls leicht aufgerichtet hatte, brauchte nur einen kurzen Blick, um zu verstehen. Ein breites, amüsiertes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.
„Oh,“ sagte sie leise, „endlich habe ich mal die Gelegenheit, die Aussicht wirklich zu genießen.“
Minerva lachte leise, schüttelte leicht den Kopf.
„Ich könnte meine Kleidung auch einfach zu mir zaubern“, erwiderte sie trocken.
Hermine rückte ein Stück näher.
„Das wäre grausam,“ meinte sie leise.
Minerva hielt kurz inne, sah sie an – dieses Grinsen, diesen offenen, unverhohlenen Blick. Ein leises Seufzen, dann schwang sie die Beine über die Bettkante und stand auf. Ohne Hast. Ganz ruhig begann sie, ihre Kleidung vom Boden aufzusammeln, ein Teil nach dem anderen. Dabei ließ sie sich Zeit – vielleicht ein wenig mehr, als unbedingt nötig gewesen wäre. Hermine sagte nichts. Sie saß einfach da, beobachtete jede Bewegung aufmerksam, ihr Blick ruhig, aber deutlich interessiert. Ein kleines, zufriedenes Lächeln lag auf ihren Lippen, als würde sie genau das bekommen, was sie sich erhofft hatte. Minerva bemerkte es natürlich.
„Du bist unmöglich,“ murmelte sie, während sie sich wieder anzog.
„Ich genieße jede Sekunde“, gab Hermine leise zurück.
Minerva warf ihr einen kurzen Blick zu – halb tadelnd, halb amüsiert, doch sie widersprach nicht und Hermine lehnte sich ein wenig zurück, vollkommen zufrieden damit, diesen Moment einfach still zu genießen.
Minerva strich sich den Pullover glatt, zog die Ärmel ein wenig zurecht und wirkte innerhalb weniger Augenblicke wieder vollkommen gefasst – als hätte es die Minuten zuvor nie gegeben. Nur das leise, zufriedene Funkeln in ihren Augen verriet etwas anderes.
Hermine beobachtete sie einen Moment, dann griff sie selbst nach ihren Sachen und begann, sich wieder anzuziehen. Als sie sich nach ihrem Pullover bückte, blieb ihr Blick plötzlich an etwas hängen. Unter dem Bett, halb verborgen, lag das kleine Päckchen. Einen Moment lang hielt sie inne, dann zog sie es hervor und betrachtete es mit einem leisen, neugierigen Ausdruck. Minerva, die das natürlich sofort bemerkte, lehnte sich leicht gegen den Tisch und verschränkte die Arme. Ein wissendes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.
„Du weißt,“ sagte sie ruhig, „dass du noch bis morgen warten musst.“
Hermine verzog leicht das Gesicht.
„Ich könnte ja nur einen ganz kleinen Blick hineinwerfen,“ murmelte sie, gespielt unschuldig.
„Nein.“
„Nicht mal ein bisschen?“
„Nein, Hermine.“
Ein leises, übertriebenes Schmollen erschien auf Hermines Gesicht, während sie das Päckchen noch einen Moment in den Händen hielt.
„Du bist wirklich streng.“
„Konsequent,“ korrigierte Minerva trocken.
Hermine seufzte theatralisch, legte das Geschenk schließlich zurück unter das Bett, wenn auch mit einem letzten, sehnsüchtigen Blick. Dann stand sie auf und trat zu Minerva. Ohne viel Aufhebens beugte sie sich vor und gab ihr einen kurzen, warmen Kuss.
„Du hast ja recht“, murmelte sie leise.
Minervas Ausdruck wurde weicher, ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen.
„Natürlich habe ich das.“
Hermine schnaubte leise, blieb noch einen Moment nah bei ihr stehen, bevor die Realität draußen vor der Tür wieder ein kleines Stück näher rückte.
„Wir sollten wohl wieder runtergehen“, sagte sie, ein wenig widerwillig.
Minerva nickte ruhig.
„Ja. Bevor wir doch noch Verdacht erregen.“
Ohne weitere Worte ging sie vor. Im Wohnzimmer angekommen, bot sich ein vertrautes Bild: Harry, Ron und Ginny saßen auf dem Boden, während James zwischen ihnen herumkrabbelte und laut vor sich hin plapperte. Minerva setzte sich scheinbar unbeteiligt dazu. Ron hingegen stand gerade auf.
„Ich hol noch…“, begann er, doch weiter kam er nicht.
Denn genau in diesem Moment öffnete Hermine die Tür, um hereinzukommen und beide erstarrten. Nicht vor Schreck, sondern vollkommen reglos. Hermine brauchte nur einen Sekundenbruchteil, um zu verstehen, dass etwas nicht stimmte. Sie versuchte sich zu bewegen – nichts. Ein Zauber. Langsam schloss sie die Augen, atmete aus… und hob dann den Blick nach oben.
„Nein…“
Direkt über ihnen hing ein Mistelzweig. Nicht irgendeiner. Ein verzauberter. Hermine starrte ihn einen Moment an, dann wandte sie sich langsam Ron zu.
„Sag mir bitte,“ begann sie leise, „dass du das nicht absichtlich gemacht hast.“
Ron sah sie hilflos an.
„Nein! Das sollte nur Deko sein, ehrlich!“
Neben ihnen runzelte Ginny die Stirn, beobachtete das seltsame Geflüster und die Tatsache, dass sich niemand bewegte. Einen Moment später weiteten sich ihre Augen leicht.
„Oh nein…“ murmelte sie. „Das ist nicht der normale Mistelzweig.“
Harry folgte ihrem Blick nach oben.
„Oh... das ist schlecht.“
Minerva hatte das Ganze zunächst nur aus dem Augenwinkel verfolgt, doch nun verstand auch sie, was vor sich ging. Ihr Blick wanderte kurz zu Hermine. Hermine wurde zunehmend unruhig.
„Ron,“ sagte sie, „nimm das Ding da runter.“
„Geht nicht,“ murmelte er. „Nicht bevor wir…“
Nein“, unterbrach Hermine sofort. „Vergiss es. Ich küsse dich nicht.“
Ron senkte den Blick. Ein schwerer Moment entstand. Hermine sah zu Minerva. Auch sie konnte sich nicht bewegen. Ihr Blick war ruhig, aber in ihren Augen lag etwas, das Hermine sofort verstand. Ein kurzer, kaum merklicher Moment. Dann stand Minerva plötzlich auf und nickte Hermine unauffällig zu und wandte sich dann ab, ging zu James und setzte sich zu ihm, als wäre nichts geschehen, doch Hermine wusste genau, warum. Minerva konnte es nicht mit ansehen.
Ein leiser, schwerer Atemzug entwich Hermine. Sie schloss für einen Moment die Augen, dann sah sie wieder zu Ron. Er sah sie nicht an.
„Na gut,“ murmelte sie leise.
Dann beugte sie sich vor und küsste ihn – kurz, knapp, ohne jede Zärtlichkeit. Im nächsten Moment war sie frei. Ohne zu zögern, trat sie an ihm vorbei, ging in den Raum hinein. Ihr Blick streifte ihn nur kurz und sie sah es. Dass es ihn traf, aber auch, dass er verstand. Ginny schnaubte genervt, drehte sich zu Harry.
„Hol dieses verdammte Ding da runter!“
Harry sprang sofort auf. „Ja… ja, mach ich.“
Mit einem schnellen Zauber entfernte er den Mistelzweig von der Decke. Ron murmelte etwas Unverständliches und folgte ihm direkt aus dem Zimmer. Zurück blieben eine spürbare Stille und das Gefühl, dass gerade etwas geschehen war, das sich nicht so einfach ignorieren ließ.