Mistelzweig mit Folgen
Mistelzweig mit Folgen
Hallo ihr Lieben,
bitte steinigt mich nicht. Es hat doch länger gedauert, als ich gedacht habe. Jetzt wünsche ich euch aber ganz viel Spaß mit dem neuen Kapitel :)
Liebe Grüße M.
Hermine zögerte keinen Moment. Kaum waren Ron und Harry aus dem Zimmer verschwunden, ging sie direkt zu Minerva hinüber und kniete sich neben sie auf den Boden. Ihre Bewegung war schnell, fast unruhig, als müsste sie sofort etwas wieder gutmachen.
„Minerva…“, begann sie leise, ihre Stimme angespannt. „Es tut mir leid. Wirklich. Ich wollte das nicht…“
Minerva hob leicht die Hand. Eine ruhige, kleine Geste, aber sie reichte aus, um Hermine zum Schweigen zu bringen.
„Hermine,“ sagte sie leise.
Ihr Ton war nicht streng. Nicht kühl. Einfach ruhig. Hermine verstummte sofort, sah sie an. Minerva hielt ihrem Blick stand, ein kaum merkliches, verständnisvolles Lächeln auf den Lippen.
„Es ist in Ordnung.“
Hermine runzelte leicht die Stirn, als würde sie es nicht sofort glauben wollen. Minerva seufzte leise, fast amüsiert.
„Ich kenne diese Art von Zaubern,“ fuhr sie ruhig fort. „Und ich fürchte… ich bin früher selbst mehr als einmal in genau solche Situationen geraten.“
Ein schwaches Schmunzeln huschte über ihr Gesicht, auch wenn es schnell wieder verschwand.
„Es war also weder deine Absicht,“ sagte sie weiter, „noch deine Entscheidung.“
Hermine atmete leise aus, doch ein Rest Unsicherheit blieb in ihrem Blick. Minerva bemerkte es.
„Ich wollte es mir nur nicht ansehen,“ fügte sie ehrlich hinzu. „Das ist alles.“
Ein kurzer Moment. Dann wurde ihr Ausdruck wieder weicher.
„Aber ich bin dir nicht böse.“
Langsam legte sie ihre Hand auf Hermines und strich sanft darüber – eine ruhige, zärtliche Bewegung, die mehr sagte als jede Erklärung. Hermine entspannte sich spürbar unter der Berührung, ihr Blick wurde ruhiger und für einen Moment spielte der Rest des Hauses keine Rolle mehr.
Für einen Moment blieb es still zwischen ihnen, nur unterbrochen von James’ leisen Lauten, der zufrieden mit einem Spielzeug auf dem Boden beschäftigt war. Dann verschränkte Ginny die Arme und schüttelte den Kopf.
„Ganz ehrlich“, begann sie trocken, „ich hoffe wirklich, dass mein hochintelligenter Bruder und mein ach so genialer Ehemann nicht noch mehr solcher Überraschungen im Haus verteilt haben.“
Ein kurzer Blick zur Tür, durch die Ron und Harry verschwunden waren.
„Ich traue es ihnen nämlich absolut zu.“
Ein leises Lachen entwich Hermine, die sich langsam wieder ein Stück entspannte.
„Das würde zumindest erklären, warum hier plötzlich alles gefährlich wirkt.“
Minerva schnaubte leise, ein amüsiertes Funkeln in ihren Augen.
„Ich fürchte, die beiden unterschätzen regelmäßig die Konsequenzen ihrer… kreativen Einfälle.“
Ginny grinste schief.
„Kreativ ist eine sehr freundliche Umschreibung.“
Jetzt musste auch Hermine richtig lachen. Die Spannung löste sich spürbar, als wäre sie nie ganz so schwer gewesen, wie sie sich noch vor wenigen Minuten angefühlt hatte. Minerva schüttelte leicht den Kopf, während ein leises Lächeln auf ihren Lippen lag.
„Vielleicht sollten wir vorsichtshalber jeden Türrahmen überprüfen.“
„Oder einfach niemanden mehr irgendwo durchlassen“, warf Ginny trocken ein.
Hermine grinste.
„Das wäre vermutlich die sicherste Lösung.“
Für einen Moment sahen sie sich an und dann lachten sie alle drei gleichzeitig, die Situation plötzlich mehr absurd als unangenehm. Das Lachen verklang langsam, doch die gelöste Stimmung blieb. Minerva war noch immer auf dem Boden bei James, als dieser plötzlich wieder beschloss, dass er nun im Mittelpunkt stehen sollte. Mit einem leisen, bestimmten Laut patschte er mit seinen kleinen Händen gegen ihren Arm und ihr Bein, suchte ihre Aufmerksamkeit und bekam sie sofort.
„Ah,“ murmelte Minerva leise, ihr Blick weich werdend. „Da ist jemand, der nicht länger ignoriert werden möchte.“
James ließ sich davon nicht lange aufhalten. Mit erstaunlicher Entschlossenheit griff er nach ihrem Pullover und zog sich an ihr hoch, bis er halb wackelig, aber stolz vor ihr stand. Minerva reagierte instinktiv, stützte ihn leicht, ohne ihn festzuhalten und ließ ihm das Gefühl, es selbst zu schaffen. Kaum stand er sicher, begann er, sie mit großer Konzentration zu betrachten. Seine kleinen Finger fanden ihr Gesicht, berührten vorsichtig ihre Wange, ihre Nase, als würde er sich jedes Detail einprägen. Dann wanderte seine Aufmerksamkeit – wenig überraschend – zu ihren Haaren. Ganz vorsichtig griff er danach. Minerva blieb vollkommen ruhig, ließ ihn gewähren.
„Du bist ja ein neugieriger kleiner Beobachter“, murmelte sie leise.
James zog leicht an einer Strähne – nicht fest, eher prüfend – und ließ sie dann wieder los, nur um es gleich noch einmal zu versuchen, diesmal mit einem kleinen, zufriedenen Laut. Hermine konnte sich ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen.
„Ich glaube, du hast einen Fan.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue.
„Das scheint mir ebenfalls so.“
Ginny hingegen beobachtete die Szene mit einer ganz anderen Spannung. Ihre Arme waren noch immer verschränkt, ihr Blick aufmerksam – fast wachsam.
„Solange er vorsichtig ist,“ murmelte sie. „Bei James weiß man nie, was als Nächstes kommt.“
Als hätte er das gehört, patschte James plötzlich etwas enthusiastischer gegen Minervas Wange – nicht fest, aber deutlich entschlossener als zuvor. Ginny zuckte sofort leicht zusammen.
„Da! Genau das meine ich“, sagte Ginny und wollte bereits eingreifen, doch Minerva reagierte mit einem leisen, überraschend warmen Lachen.
„Schon gut“, sagte sie ruhig. „Ich habe deutlich Schlimmeres erlebt.“
James quietschte zufrieden, vollkommen unbeeindruckt von jeglicher Sorge und griff erneut nach einer ihrer Haarsträhnen. Hermine schüttelte leicht den Kopf, noch immer lächelnd.
„Ich glaube, er hat beschlossen, dass du jetzt ihm gehörst.“
Minerva warf ihr einen kurzen, amüsierten Blick zu.
„Das Gefühl kenne ich.“
Hermine ließ ihren Blick kurz durch den Raum schweifen, fast unauffällig, als würde sie sich vergewissern, dass wirklich niemand in Hörweite war. Die Stimmen vom Flur waren verschwunden, alles wirkte ruhig genug. Dann beugte sie sich ein kleines Stück vor, sah James mit einem leicht verschwörerischen Lächeln an.
„Du weißt aber schon,“ sagte sie leise, „dass du mir noch ein bisschen von Minerva übrig lassen musst, hm?“
Für einen winzigen Moment herrschte Stille. Dann prustete Ginny los.
„Oh, das wird ziemlich schwierig.“
Minerva hingegen erstarrte kurz und wurde dann tatsächlich leicht rot, was bei ihr eine echte Seltenheit war. Sie warf Hermine einen Blick zu, halb tadelnd, halb… etwas ganz anderes.
„Hermine“, murmelte sie leise, mit einem kaum unterdrückten Lächeln.
James schien den Tonfall zwar nicht zu verstehen, aber irgendetwas an der Situation hatte eindeutig seine Aufmerksamkeit geweckt. Er sah zwischen Hermine und Minerva hin und her und entschied sich dann sehr klar. Mit einem kleinen, entschlossenen Laut klammerte er sich fester an Minerva, zog sich noch näher an sie heran und vergrub halb sein Gesicht an ihrer Schulter, als würde er Besitzansprüche anmelden. Ginny lachte noch lauter.
„Sorry Hermine, aber das war ein klares Statement.“
Hermine zog eine Augenbraue hoch, verschränkte leicht die Arme.
„Ach wirklich?“
James reagierte prompt – patschte mit einer kleinen Hand gegen Minervas Schulter und klammerte sich noch fester an sie, als wollte er genau das bestätigen. Minerva konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen, auch wenn die Röte auf ihren Wangen noch immer sichtbar war. Vorsichtig legte sie eine Hand an James’ Rücken.
„Nun,“ sagte sie ruhig, „es scheint, als hätte ich bereits Verpflichtungen.“
Hermine schnaubte leise, ein schiefes Grinsen auf den Lippen.
„Das sehe ich.“
Doch ihr Blick blieb weich und einen Moment länger als nötig auf Minerva ruhen. Während James sich weiterhin mit großer Ernsthaftigkeit Minervas Haaren widmete, als hätte er eine äußerst wichtige Aufgabe übernommen, lehnte sich Ginny ein wenig zurück und beobachtete die Szene mit einem schiefen Grinsen.
„Also,“ begann sie schließlich, „nur damit ihr vorbereitet seid – Mum hat für heute Abend ein ziemlich großes Essen geplant.“
Hermine hob leicht eine Augenbraue.
„Größer als die letzten Tage?“
Ginny nickte trocken.
„Deutlich größer und danach gibt’s wie immer Spiele. Laut, chaotisch und mit sehr viel Diskussion darüber, wer schummelt.“
Minerva schnaubte leise.
„Das klingt… vertraut.“
„Oh und das ist nur der Anfang“, fuhr Ginny fort, ihr Grinsen wurde breiter. „Morgen früh – wie immer gemeinsames Frühstück. Dann trudeln Fred, George, Bill und Fleur ein.“
Hermine ließ ein leises Lachen hören.
„Das wird… lebhaft.“
„Das ist eine sehr höfliche Umschreibung“, meinte Ginny. „Danach Bescherung. Und abends wird Mum sich beim Festessen wieder komplett selbst übertreffen.“
Sie machte eine kleine, vielsagende Pause, während ihr Blick zwischen Hermine und Minerva hin und her wanderte.
„Kurz gesagt“, fügte sie hinzu, „es wird laut, voll, chaotisch… und absolut niemand wird darauf achten, wenn sich zwei Leute zwischendurch mal zurückziehen.“
Ein ganz leichtes, bewusstes Zucken ihrer Augenbraue. Hermine verstand sofort. Ein kaum merkliches Lächeln erschien auf ihren Lippen, während sie kurz zu Minerva sah, nur ein flüchtiger Blick, aber eindeutig. Minerva hingegen blieb äußerlich ruhig, auch wenn sich ein feines Schmunzeln nicht ganz unterdrücken ließ.
„Wie aufmerksam von dir, uns darauf hinzuweisen“, sagte sie trocken.
Ginny grinste zufrieden.
„Ich bin nur hilfsbereit.“
Währenddessen hatte James beschlossen, dass Minervas Aufmerksamkeit immer noch nicht ausreichend war und patschte erneut gegen ihre Wange. Minerva wandte sich ihm wieder zu, ihre Hand ruhig an seinem Rücken.
„Ich fürchte, ich habe im Moment ohnehin wenig Einfluss darauf, wohin ich gehe“, bemerkte sie gelassen.
Hermine schnaubte leise.
„Das scheint mir auch so.“
Und doch blieb dieses kleine, unausgesprochene Einverständnis zwischen ihnen bestehen – leise, aber deutlich.
Nach einer Weile ließ James tatsächlich von Minervas Haaren ab. Seine Aufmerksamkeit wanderte weiter – zielgerichtet, als hätte er einen neuen Plan. Er krabbelte ein Stück zur Seite, griff nach seiner kleinen Kuscheleule und drehte sich dann wieder um. Ohne zu zögern kam er zurück und kletterte direkt auf Minervas Schoß. Dort machte er es sich erstaunlich selbstverständlich bequem, die Eule fest an sich gedrückt, als hätte er beschlossen, dass dies nun sein Platz war.
Ginny beobachtete das mit einem leichten Lächeln, aber auch einem wissenden Seufzen.
„Ich glaube, jemand wird langsam müde,“ meinte sie. „Es ist wohl Zeit für ein Schläfchen.“
Sie beugte sich vor, streckte die Arme nach ihm aus.
„Komm her, kleiner Mann.“
James reagierte prompt, indem er sich fester an Minerva klammerte. Ein leises, bestimmtes Geräusch, das keinerlei Zweifel ließ – er hatte nicht vor, sich wegtragen zu lassen. Ginny zog eine Augenbraue hoch.
„Natürlich.“
Hermine lachte leise.
„Du wurdest ersetzt.“
Minerva schmunzelte kaum merklich, während sie James sanft am Rücken hielt.
„Ich fürchte, du hast keine Chance.“
Ginny seufzte gespielt.
„Na gut…“
Minerva hob leicht den Blick.
„Ich kann ihn nach oben bringen,“ bot sie ruhig an.
Ginny zögerte kurz, dann nickte sie.
„Das wäre wahrscheinlich einfacher.“
Mit einer ruhigen Bewegung stand Minerva auf – ein wenig langsamer als sonst, fast unmerklich schwerfälliger, während sie James sicher auf dem Arm hielt. Er schmiegte sich sofort an sie, zufrieden, die kleine Eule noch immer fest umklammert.
„Na dann,“ murmelte Minerva leise, „auf ins Bett mit dir.“
Ohne weitere Umstände wandte sie sich zur Treppe und ging nach oben. Hermine sah ihr einen Moment nach. Dann blieb sie mit Ginny im Wohnzimmer zurück, während die Geräusche des Hauses sie wieder einhüllten.
Ginnys Blick blieb mit einem sehr eindeutigen, wissenden Grinsen an Hermine hängen. Hermine bemerkte es sofort.
„Was?“ fragte sie, leicht misstrauisch.
Ginny sagte erst nichts, zog nur eine Augenbraue hoch und verschränkte die Arme.
„Ginny.“
„Dein Blick“, meinte sie schließlich trocken, „war alles andere als subtil.“
Hermine blinzelte. „Mein Blick?“
Ginny grinste breiter.
„Du hast ihr sowas von auf den Hintern geschaut.“
Für einen kurzen Moment war Hermine still. Dann verzog sie das Gesicht – erwischt. Ginny lachte leise.
„Ich meine…“ Sie zuckte mit den Schultern, immer noch grinsend. „Kann ich dir nicht mal verübeln. In der Hose sieht sie wirklich ziemlich gut aus.“
„Ginny!“ Hermine boxte sie leicht gegen den Arm.
Ginny wich lachend ein Stück zurück.
„Was denn? Ich sag nur die Wahrheit!“
Hermine schüttelte den Kopf, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen.
„Du bist unmöglich.“
„Von dir gelernt,“ gab Ginny sofort zurück.
Für einen Moment sahen sie sich an und dann mussten beide gleichzeitig lachen, die Spannung endgültig verflogen.
Das Lachen ebbte langsam ab, doch ein warmes, ruhiges Gefühl blieb zwischen ihnen zurück. Ginny musterte Hermine einen Moment, diesmal ohne Spott, ohne Neckerei – einfach ehrlich.
„Weißt du“, sagte sie schließlich, „ich freue mich wirklich für dich. Dass du… glücklich bist. Mit ihr.“
Hermine blinzelte kurz, ein wenig überrascht von dem Tonfall. Dann wurde ihr Blick weich.
„Ich war noch nie so glücklich.“
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht, fast nachdenklich, aber vollkommen aufrichtig.
„Und…“ Sie sah Ginny an. „Danke. Wirklich. Dafür, dass du uns so viel Zeit lässt. Dass du… nichts hinterfragst und uns einfach machen lässt.“
Ginny winkte leicht ab, ein schiefes Grinsen kehrte zurück.
„Ach, bitte. Ich bin nicht blind. Und außerdem – wenn zwei Leute so schauen wie ihr euch anschaut, dann wäre es ziemlich grausam, das zu stören.“
Hermine schnaubte leise, dann wurde sie wieder etwas ernster.
„Ich hoffe nur… dass sonst niemand dahinter kommt. Zumindest jetzt noch nicht.“
Ginny nickte langsam.
„Wegen deines Referendariats.“
„Ja“, bestätigte Hermine. „In ein paar Monaten ist es mir egal. Dann kann es ruhig jeder wissen. Aber jetzt…“ Sie zuckte leicht mit den Schultern. „Es wäre zu kompliziert.“
Ginny sah sie ruhig an, verständnisvoll.
„Das ist nachvollziehbar.“
Sie lehnte sich ein wenig zurück.
„Und bis dahin passen wir einfach ein bisschen auf und verschaffen euch zumindest jetzt ein paar aufregende Tage.“
Hermine atmete leise aus, als würden allein diese Worte schon etwas Druck von ihr nehmen. Ginny grinste leicht.
„Und keine Sorge, wenn jemand etwas merkt, lenke ich ihn einfach ab. Ich habe da so meine Methoden.“
Hermine zog eine Augenbraue hoch.
„Das klingt beunruhigend.“
„Soll es auch“, erwiderte Ginny zufrieden.
Hermine schüttelte den Kopf, ein kleines Lächeln auf den Lippen und für einen Moment wirkte alles wieder leicht. Hermine warf einen kurzen Blick zur Tür, dann wieder zu Ginny.
„Sie braucht ganz schön lange“, murmelte sie.
Ginny zuckte mit den Schultern, stand bereits auf.
„Dann geh doch nachsehen. Ich wollte sowieso noch Mum helfen.“
Hermine nickte leicht und machte sich auf den Weg nach oben. Leise schob sie die Tür zum Kinderzimmer auf – nur einen kleinen Spalt, gerade genug, um hineinzusehen und blieb stehen. Minerva stand am Bettchen, James noch in den Armen. Ihre Haltung war ruhig, fast wie eingefroren in einem stillen Moment. Und dann hörte Hermine es. Leise. Ein schottisches Schlaflied, sanft gesungen, kaum mehr als ein Flüstern und doch klar genug, um den Raum zu füllen.
Hermine lehnte sich leicht gegen den Türrahmen, wagte es kaum, sich zu bewegen. Sie hatte Minerva noch nie so gesehen. So… weich. Nach einigen Momenten verstummte das Lied.
Minerva beugte sich vorsichtig vor und legte James in sein Bettchen, strich ihm noch einmal sanft über den Kopf, bevor sie sich langsam aufrichtete. Erst dann trat Hermine leise ein. Ohne ein Wort ging sie hinter Minerva, legte vorsichtig ihre Arme um sie. Minerva zuckte leicht zusammen, erschrak für einen kurzen Moment und drehte sich um, doch bevor sie etwas sagen konnte, hatte Hermine sich schon zu ihr vorgebeugt und ihr einen sanften Kuss auf die Lippen gehaucht.
„Ich wollte nur nach dir sehen“, murmelte sie leise.
Minerva blinzelte noch einmal, fing sich dann schnell wieder, auch wenn ihr Blick für einen Moment weicher blieb als sonst.
„Du hast mich erschreckt,“ stellte sie ruhig fest.
Hermine lächelte leicht. „Tut mir leid.“
Ein kurzer Moment verging, dann legte sie den Kopf leicht schief.
„Was hast du da gesungen?“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Ein Schlaflied.“
„Das habe ich gehört“, meinte Hermine leise, ein kleines Lächeln auf den Lippen. „Aber… ich habe dich noch nie singen hören.“
Sie musterte sie einen Moment, fast neugierig.
„Und… das war ziemlich gut.“
Minerva hielt ihrem Blick kurz stand, dann schnaubte sie leise, beinahe verlegen.
„Das war nicht für dich bestimmt.“
Hermine trat einen kleinen Schritt näher.
„Schade eigentlich.“
Minerva wollte etwas erwidern, hielt dann aber inne, als ihr Blick kurz zu James wanderte, der inzwischen ruhig eingeschlafen war. Hermine warf noch einen letzten Blick zu James, dann griff sie sanft nach Minervas Hand und zog sie leise mit sich aus dem Zimmer. Vorsichtig schloss sie die Tür hinter ihnen. Draußen im Flur war es still. Für einen Moment blieben sie einfach stehen, nah beieinander. Hermine hob die Hand und strich Minerva eine lose Haarsträhne zurück, steckte sie behutsam fest und lächelte.
„Du könntest deine Haare ruhig öfter offen tragen,“ murmelte sie leise.
Minerva schnaubte leise.
„Das wird nicht passieren.“
Hermine zog eine Augenbraue hoch.
„Niemand darf sie sehen?“
„Niemand“, bestätigte Minerva trocken.
Hermine trat ein kleines Stück näher.
„Außer mir natürlich.“
Minervas Blick wurde weich. Ein zärtliches Lächeln legte sich auf ihre Lippen, während sie die Hand hob und Hermines Wange berührte.
„Ja“, sagte sie leise. „Außer dir.“
Der Moment hing zwischen ihnen, ruhig, vertraut. Hermine beugte sich leicht vor, doch dann hörten sie Schritte auf der Treppe. Beide reagierten sofort. Wie abgesprochen traten sie auseinander, nahmen Abstand, ihre Haltung änderte sich innerhalb eines Herzschlags. Als Ron um die Ecke kam, sah es aus, als wären sie gerade im Begriff gewesen, gemeinsam nach unten zu gehen.
Ron blieb stehen, sichtlich unsicher.
„Oh… Ähm… Hermine?“
Sein Blick huschte kurz zu Minerva, dann wieder zurück.
„Kann ich kurz mit dir reden?“
Hermine zögerte einen Moment, ihr Blick ging kurz zu Minerva. Minerva nickte kaum merklich, vollkommen gefasst.
„Ich gehe schon einmal nach unten.“
Ohne weitere Worte wandte sie sich ab und ging die Treppe hinunter. Hermine blieb zurück, sichtbar etwas widerwillig und verschränkte leicht die Arme.
„Was ist los, Ron?“
Ron trat einen Schritt näher, rieb sich leicht den Nacken.
„Wegen vorhin…“, begann er, sichtlich unwohl.
Ron stand etwas unbeholfen vor ihr, die Hände in den Taschen, den Blick kurz auf den Boden gerichtet.
„Ich wollte mich entschuldigen“, begann er leise. „Das mit dem Mistelzweig… das war wirklich keine Absicht.“
Hermine verschränkte die Arme ein wenig fester.
„Es war trotzdem ziemlich daneben“, sagte sie ehrlich.
Ron nickte sofort.
„Ja. War es. Ich hab nicht nachgedacht, okay? Ich dachte, das wäre einfach nur Deko… ich hätte nie…“ Er brach ab, atmete kurz durch. „Es tut mir leid.“
Hermine musterte ihn einen Moment, ihr Blick noch angespannt. Dann seufzte sie leise.
„Ich glaube dir,“ sagte sie schließlich.
Ron hob den Blick, sichtlich erleichtert, doch Hermine hob leicht die Hand.
„Aber…“ Ihr Ton wurde ruhiger, klarer. „Der Kuss war eine einmalige Sache. Ohne Bedeutung.“
Ron nickte langsam.
„Ich will dir keine falschen Hoffnungen machen,“ fuhr sie fort. „Da ist nichts. Und da wird auch nichts sein.“
Für einen kurzen Moment lag etwas Unausgesprochenes in seinem Blick, doch er schluckte es herunter und nickte erneut.
„Ich hab’s verstanden.“
Hermine sah ihn noch einen Moment an, dann wurde ihr Ausdruck weicher.
„Ich will dich nicht verlieren, Ron. Du bist mir wichtig. Aber… als Freund.“
Ein kleines, ehrliches Lächeln erschien auf Rons Lippen, auch wenn es nicht ganz unbeschwert war.
„Du mir auch. Und ich will das auch nicht kaputt machen.“
Ein kurzer Moment, dann nickten sie sich beide zu – ein stilles Einverständnis.
„Okay?“, fragte Hermine leise.
„Okay“, bestätigte Ron.
Damit war es gesagt. Hermine ließ die Schultern ein wenig sinken, als hätte sich etwas gelöst und wandte sich schließlich zur Treppe. Ron blieb noch einen Moment stehen, sah ihr nach, dann drehte er sich um und ging in sein Zimmer. Und Hermine ging zurück nach unten.
Als Hermine die Treppe hinunterging, hörte sie schon wieder Stimmen aus der Küche – deutlich lebhafter als zuvor. Der Duft von Essen lag inzwischen in der Luft, warm und einladend. Im Wohnzimmer war es ruhiger geworden. Ginny war verschwunden, vermutlich tatsächlich bei Molly und Minerva stand am Fenster, den Blick nach draußen gerichtet. Hermine blieb einen Moment stehen. Dann ging sie langsam zu ihr.
„Alles geklärt?“, fragte Minerva ruhig, ohne sich sofort umzudrehen.
Hermine nickte leicht, trat neben sie.
„Ja.“
Minerva wandte den Kopf ein wenig, musterte sie kurz – prüfend, aber nicht aufdringlich.
„Und?“
Hermine atmete leise aus.
„Er hat sich entschuldigt. Es war wirklich keine Absicht. Und ich habe ihm gesagt, dass es bei dem einen Mal bleibt“, fügte sie hinzu. „Und dass ich unsere Freundschaft behalten will.“
Minerva nickte langsam.
„Das klingt vernünftig.“
Hermine warf ihr einen kurzen Blick zu.
„Ich denke, er hat es verstanden.“
Minerva sah sie einen Moment länger an, dann wurde ihr Ausdruck weicher.
„Gut.“
Für einen Augenblick standen sie einfach nebeneinander, Schulter an Schulter, der Blick der beiden war nach draußen gerichtet. Die Welt wirkte ruhig – ein Kontrast zu dem, was eben noch passiert war. Hermine ließ ihre Hand ganz leicht gegen Minervas stoßen – eine flüchtige, kaum sichtbare Berührung.
„Alles in Ordnung?“, fragte sie leise.
Minerva antwortete nicht sofort. Dann, ganz ruhig:
„Ja.“ Ein winziges Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Solange du weißt, was du tust.“
Hermine schnaubte leise.
„Meistens.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue.
„Das beruhigt mich ungemein.“
Ein kleines Lachen entwich Hermine. In diesem Moment steckte Ginny den Kopf zur Tür herein.
„Wenn ihr zwei fertig mit eurem… sehr intensiven Gespräch am Fenster seid, Mum braucht Hilfe und ich glaube, wenn wir nicht bald auftauchen, werden wir offiziell zur Arbeit eingeteilt.“
Hermine grinste und Minerva richtete sich leicht auf, ihre Haltung wieder gewohnt gefasst.
„Dann sollten wir uns wohl nützlich machen.“
Hermine warf ihr noch einen kurzen, warmen Blick zu, bevor sie sich gemeinsam mit ihr in Richtung Küche bewegte. Und diesmal wirkte alles wieder ganz normal. Fast.