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Doch in dir tobt nur der Tod

Stummer Schrei Nach Liebe — www.fanfiktion.de · All chapters

Doch in dir tobt nur der Tod

Willkommen zu meiner neusten Geschichte.

Dieses Mal habe ich mir mal etwas anderes ausgedacht, aus diesem Grund wird die Geschichte etwas anders ablaufen.

Sie ist in der Gegenwart geschrieben und hat eine kleine Besonderheit.

Die ungeraden Kapitel, also 1., 3., 5. und usw, sind die Ereignisse einer Person. Während die geraden Kapitel den selben Zeitraum umfassen und schildern, was zur gleichen Zeit die andere Person erlebt.

Da es immer wieder Schnittpunkte und Aufeinandertreffen geben wird, ist es für mich etwas schwieriger geworden.

Denn dann müssen auch die Dialoge aus dem vorherigen Kapitel 1zu1 passen.

Seit mir also nicht böse, wenn es mal etwas länger dauern wird, bis ein neues Kapitel kommt aber ich muss dann immer wieder dafür sorgen, dass Person 2 zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist wie Person 1 und das Gesagte muss ja auch noch Sinn ergeben.

Ich hoffe ich bringe es ohne größere Lücken und Verbindungsfehler rüber.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim ersten von eventuell 10 Kapiteln.

Kritik Und das eine oder andere Sternchen und Herz sind natürlich herzlich erwünscht.

Stummer Schrei nach Liebe

Doch in dir tobt nur der Tod

Seit mehreren Stunden sitzt er nun schon hier. Immer mit dem Blick nach unten auf den kalten Asphalt. Aber wirklich etwas sehen kann er nicht, sowohl sein Kopf als auch sein Blick sind total leer. Seine Schultern sind nach vorn gefallen, sein Kopf hängt schwer dazwischen und der Rücken ist leicht gekrümmt. Die Sonne strahlt ihm warm ins Gesicht, doch von ihrer Wärme spürt er nichts. In ihm herrscht nur noch eisige Kälte, die auch die helle Juli-Sonne nicht mehr vertreiben kann.

Als er sich hier im 8. Stock seines Wohnhauses auf die wenige Zentimeter hohe Außenmauer der Dachterrasse gesetzt hat war es noch stockdunkel gewesen. Er sitzt an der einzigen Stelle, die kein Geländer hat und somit ein direkter Weg ins Nichts ist. Jetzt steht der zentrale und lebensspendende Stern dieses Planeten schon wieder knapp über den Hausdächern und wird in den nächsten paar Minuten dahinter verschwinden. Aber er bekommt davon nichts mit.

Die Hände rechts und links neben seinem Körper auf die schmale Mauer gestützt, hängen seine Beine über dem tiefen Abgrund und er lässt sie langsam hin und her schwingen. Wenn da in seinem Herzen nicht doch noch ein letzter Rest von Zweifel wäre, dann würde er nicht mehr hier sitzen, sondern hätte den entscheidenden Schritt schon längst gemacht. Im Prinzip müsste er nur die Augen schließen und sich nach vorne fallen lassen. Dann wäre es ein für alle Mal vorbei.

Aber irgendwas hält ihn noch davon ab. Er kann nicht sagen was es ist, dennoch ist es da, tief in seinem Kopf. Eine Blockade oder auch eine Hemmung.

Es vergeht eine weitere Stunde, die Sonne ist inzwischen untergegangen, da löst sich ein tiefer Seufzer aus seiner Kehle und er sackt noch etwas mehr in sich zusammen. Dann lässt er sich nach hinten fallen und landet mit dem Rücken auf dem Dach. Sein Blick geht nun in den Himmel hoch, zu den Millionen und Abermillionen von Sternen. Doch selbst ihr fast schon magisches Funkeln und Glitzern, das ihn sonst immer so fasziniert hat, kann hier und heute keine Emotion mehr in ihm auslösen.

Er fühlt sich, als wäre er bereits gestorben, zumindest innerlich ist er tot. Er würde so gern mit jemanden über seine Gefühle oder auch Nicht-Gefühle reden aber da ist niemand. Es gibt keinen, dem er sich anvertrauen könnte. Nicht einen Menschen, der ihm zuhören könnte, wollte oder sollte.

Er ist allein.

Sein Vater ist schon vor Jahren abgehauen, nachdem er ihm klar und deutlich mitten ins Gesicht gesagt hat, dass er ein Nichts ist. Er hat seine Familie einfach im Stich gelassen.

Seine Oma, die er über alles geliebt hat ist vor vier Jahren gestorben.

Seine Mutter ist mit ihrem neuen Mann, mit dem er sich nie anfreunden konnte, in ein anderes Bundesland gezogen und hat jeglichen Kontakt in die alte Heimat abgebrochen.

Seine Schwester wohnt auch schon längst nicht mehr in der Stadt.

Der Job ist futsch. Stellenabbau wegen schlechter Verkaufszahlen.

Sein liebstes Hobby kann er auch nicht mehr ausüben, da man ihm sein Instrument nach dem letzten Auftritt in Trümmer geschlagen hat. Ein neues kann er sich einfach nicht leisten.

Selbst Freunde hat er keine mehr. Nachdem er sich offiziell als schwul geoutet hat, hatten sie sich alle von ihm abgewendet. Stellenweise wurde er sogar von seinen ehemaligen Freunden beleidigt und zusammengeschlagen. Alles homophobe Idioten.

Und zu guter Letzt hat vergangene Woche auch noch sein Freund nach über drei Jahren Beziehung mit ihm Schluss gemacht.

Jetzt liegt er hier auf dem Dach seines Wohnhaus, starrt in den Nachthimmel ohne etwas wahrzunehmen, ist pleite, arbeitslos, hat keinen Besitz mehr, der ihm wirklich wichtig ist. Die Freunde sind alle weg, die Familie zerbrochen und in alle Himmelsrichtungen verstreut und seine große Liebe hat sich in Rauch aufgelöst.

Und als ihn dann auch noch am letzten Wochenende sein vormals bester und längster Freund überfallen und in einer dreckigen Seitenstraße ohne Rücksicht brutal vergewaltigt hat, da ist etwas in ihm zerbrochen. Nichts ist ihm mehr geblieben. Das einzige, das ihn noch vom finalen Schritt über die Dachkante in die Tiefe abhält, ist ein ihm unerklärliches Gefühl in seinem Inneren.

Mit einem weiteren tiefen Seufzen dreht er sich auf die Seite, zieht die Beine eng an seinen Körper, umschlingt sie mit den Armen und rollt sich zu einem kleinen Ball zusammen. Dann schließt er die Augen und hofft am Morgen einfach nicht mehr aufwachen zu müssen. Er kann nicht mehr, hat keine Kraft mehr für einen weiteren Tag.

Allerdings wacht er Stunden später wieder auf. Mit steifen schmerzenden Gliedern und am gesamten Körper zitternd. Mühsam löst er seine Haltung auf, streckt die Arme und Beine aus und kommt wankend auf die Füße. Ein weiterer Tag hat begonnen, auch wenn er es gern vermieden hätte. Wie soll er den nur hinter sich bringen? Mit einem letzten Blick in Richtung Abgrenzung verlässt er das Dach und steig langsam die acht Stockwerke wieder hinunter.

Auf der Straße angekommen zieht er seinen langen schwarzen Mantel eng um seinen dünnen Körper, vergräbt die Hände tief in den Manteltaschen und wendet sich nach links. Er folgt, ohne den Blick zu heben dem Gehweg, wobei die schweren Stiefel an seinen Füßen kaum ein Geräusch erzeugen.

Um sich herum bekommt er zwar die Menschen mit aber er kann sich nicht im Geringsten mit ihnen identifizieren. Sie lachen miteinander, necken sich gegenseitig, laufen Arm in Arm verliebt an ihm vorbei oder erfreuen sich an den vielen kleinen Dingen, die es in der Stadt zu sehen gibt. Aber er kann ihre Freude nicht teilen.

Stur läuft er einfach weiter, hat keinen Blick für die bunten Schaufenster, die spielenden Kinder, die Tauben aufschrecken oder das scheinbar frisch verliebte Paar, das sich eng umschlungen auf einer Bank in seiner Nähe küsst. Während für die Passanten, denen er begegnet, anscheinend immer die Sonne scheint und alles in bunten Farben erstrahlt, ist für ihn alles nur trist und grau. In seinem Inneren herrscht eine Stern-und Mondlos Nacht und eine ewige Eiszeit. Bei dem Gedanken ballt er unbewusst die Hände zu Fäusten. Seine Fingernägel bohren sich tief in die Handinnenflächen und hinterlassen dort kleine halbmondförmige Abdrücke. Erst der dadurch verursachte Schmerz, lässt ihn die Hände wieder entspannen. Ja, Schmerz, das ist es, was er noch fühlen kann. Schmerz und Kälte.

Als er an einer Bar vorbei kommt, bei der gerade die Eingangstüre offen steht, fällt seine Blick in den Gastraum und seine Augen erfassen ein kleines leuchtenden Schild im hinteren Bereich.

' Notausgang ' ist in roten Buchstaben darauf zu lesen. Ja, ein Notausgang aus seinem Leben, das wäre jetzt genau das richtige für ihn. Ein Spruch schießt ihm durch den Kopf, den er mal an der Klowand in einer Discothek gelesen hat.

' Haltet der Welt an, ich will aussteigen '

Ein trauriges Lächeln stiehlt sich kurz auf die schmalen Lippen und sein Blick sinkt wieder gen Boden, als er weiter läuft. Stunde um Stunde streift er abwesend durch die große Stadt. Vollkommen in seinen düsteren Gedanken gefangen findet er sich plötzlich am Ufer des Flusses wider, der durch die Stadt fließt. Zu seiner Rechten hängt an einem Pfosten einer der unzähligen rot-weißen Rettungsringe, die hier in regelmäßigen Abständen am Wasser entlang verteilt sind. Erneut entfährt ihm dieser traurige Laut eines Seufzen.

„ Das ist genau das, was ich jetzt gebrauchen könnte. Ein Rettungsring oder ein Rettungsboot, das mich aus diesen Fluten zieht,“ murmelt er leise vor sich hin. Im nächsten Moment setzten sich seine Beine aber auch schon wieder wie von selbst in Bewegung und er steuert die hohe Brücke an, die den Fluss in einiger Entfernung überspannt.

Er braucht fast eine halbe Stunde, dann steht er genau in ihrer Mitte und lehnt sich über das brusthohe Geländer, um nach unten schauen zu können. In etlichen Metern Tiefe rauscht das graue wilde Wasser des Flusses durch die Brückenpfeiler.

Wie ferngesteuert klettert er auf die Brüstung, schwingt die Beine darüber und starrt nach unten. Der offene Ledermantel hängt dabei hinter ihm runter, wirkt wie die schwarzen Schwingen eines Dämons, die sich leicht heben, wenn der Wind darunter fährt.

Er kann nicht genau sagen, wie lange er dort sitzt aber als sich sein leerer Magen lautstark zu Wort meldet, wird ihm bewusst, dass er seit über 36 Stunden weder etwas gegessen noch getrunken hat. Aber selbst diese grundlegenden und lebensnotwendigen Bedürfnisse haben für ihn keinerlei Bedeutung mehr.

Ein weiterer Tag neigt sich dem Ende entgegen. Erschöpft fallen ihm die Augen zu. Kurz gerät er ins Wanken und nur ein Reflex hält ihn davon ab nach vorne zu kippen, denn seine Finger krallen sich ohne sein Zutun an dem rostigen Metall des Geländers fest.

So sitzt er eine weitere Stunde da, bis seine Muskeln in den Oberschenkeln und Oberarmen beginnen zu schmerzen. Und dann geschieht das unfassbare.

Er will sich gerade wieder in eine etwas aufrechtere Position bringen, da hört er in seiner unmittelbaren Nähe eine Stimme.

„ Hey Kleiner, mach keinen Scheiß... Komm bitte wieder von dem Geländer runter.“

Erschreckt von dem plötzlichen und unerwarteten Interesse an seiner Person, dreht er sich zum Sprecher um, rutscht mit einer Hand von der Abgrenzung ab, verliert das Gleichgewicht und fällt von der Brücke. Sein Mantel verfängt sich aber in einer der Querstreben des Geländers, wodurch es ihn mit dem Kopf dagegen schleudert. Dann rutscht er aus den Ärmeln und fällt in die Tiefe. Das Letzte, was er noch mitbekommt, ist der entsetzte Aufschrei des Anderen und wie sich ein blonder Haarschopf über die Brüstung beugt, um den sinnlosen Versuch zu starten, ihn doch noch zu retten. Dann schlägt er auf der erstaunlich harten Wasseroberfläche auf, wird dort innerhalb von Sekunden von dem eiskalten und reißenden Nass umschlossen und von der starken Strömung unter Wasser gezogen.

' Vorbei! Endlich ist das Elend, das sich mein Leben nennt, zu Ende' ist sein letzter klarer Gedanke, dann wird es schwarz um ihn herum.

„ NEIN!“ Heiser dringt der Schrei aus seiner Kehle, als er sich ruckartig aufsetzt. Sein Atem geht hektisch, abgehakt und stockend. Dann folgt ein leises Wimmern, das in ein verzweifeltes Husten übergeht. Erst als er sich völlig entkräftet und mit, vom Husten, Tränen in den Augen wieder in die Kissen sinken lässt, registriert er, dass er wirklich in einem Bett liegt. Aber anhand des Geruches, der von der Bettwäsche ausgeht, ist ihm klar, dass es unmöglich sein eigenes sein kann. Er dreht sich auf die Seite, öffnet mühsam die von Tränen verschleierten Augen  und betrachtet sich den Raum, in dem er sich befindet.

Aus seinem Blickwinkel kann er einiges wahrnehmen.

Das erste, was ihm auffällt, ist das fast bodentiefe Fenster genau gegen über vom Bett. Es dauert einen Moment, dann wird ihm klar, dass das gar kein Fenster ist sondern eine Türe. Dahinter erkennt er eine weiträumige Terrasse. Als er sich wieder im Raum umschaut fällt sein Blick auf einen Sessel, der gleich neben einem weißen Kleiderschrank steht. Allgemein ist jedes Möbelstück, dass er aus seiner Position sehen kann, weiß. Selbst der Rahmen des Bettes, in dem er liegt.

Seine erste Vermutung ist Krankenhaus oder Irrenanstalt. Aber der Geruch in diesem Zimmer passt weder zu dem einen noch zu dem anderen. Denn es riecht nicht steril oder nach Desinfektionsmittel sondern... heimelig, gemütlich. Irgendwie nach... Familie? Jetzt ist selbst seine Verwirrung verwirrt.

Wo zum Teufel ist er hier?

Unter enormer Anstrengung richtet er sich in dem erstaunlich großen Bett, in dem er in der Mitte liegt, auf, rutsch in die Decke gehüllt an den Rand und lässt die Füße über die Bettkante auf den Boden gleiten. Seine nackten Fußsohlen berühren einen weichen Teppich... kein Linoleum?

Mit dem Gedanken, aufstehen zu wollen, schlägt er die Decke zur Seite, nur um feststellen zu müssen, dass er nur Slip und sein Muskelshirt trägt. Wo ist seine Hose? Auch sein weiter Hoody, sein Mantel und die Stiefel fehlen. Aber er trägt noch all seinen Schmuck, wie er nach einer schnellen aber gezielten Kontrolle bemerkt. Und nach einem kurzen 'Gespräch' mit seinem Körper, muss er auch hier eine erstaunliche Beobachtung machen. Er kann, außer einem dumpfen Pochen in seinem Schädel, keine Schmerzen erkennen, fühlt sich ausgeruht und irgendwie seltsam leicht. Das einzige was im Moment stört, ist die Tatsache, dass er dringend pinkeln muss.

Mit einer unbewussten Geste fährt er sich mit einer Hand über das Gesicht und in die Haare. Dabei berührt er eine Stelle seitlich am Kopf und zuckt schmerzerfüllt zusammen. Mit einem Schlag ist seine gesamte Erinnerung wieder da.

Das Dach, die Brücke, die vorsichtige Stimme... Er hört erneut die Worte in seinem Kopf.

„ Hey Kleiner, mach keinen Scheiß... Komm bitte wieder vom Geländer runter.“

Ihm fällt wieder ein, wie er abgerutscht ist, sich den Kopf gestoßen hat und dann auf dem Wasser aufgeschlagen und untergegangen ist.

Was er aber am aller deutlichsten vor Augen hat, ist das entsetzte und verzweifelte Gesicht eines blonden jungen Mannes, der ihm über die Brüstung gebeugt hinterher geschaut hat.

Immer noch mit der Hand an seinem Kopf, stemmt er sich von der Matratze hoch und steuert auf die zweite Tür im Raum zu, die sich an der linken Wand von der Terrassentür befindet..

Er lehnt sein Ohr dagegen und als er keine Geräusche auf der anderen Seite vernimmt öffnet er sie leise. Er findet sich in einem hellen Flur wieder. Auch hier ist der Fußboden mit Teppich ausgelegt und er macht einen vorsichtigen Schritt aus dem Raum heraus. Der Flur ist recht lang und am anderen Ende kann er eine Wohnungstür sehen, sowie rechts und links von ihm je zwei weitere auf jeder Seite. Die direkt zu seiner Rechten ist die einzige, die einen Spalt breit offen steht, alle anderen sind geschlossen. Unter dem Türspalt kann er Fliesen erkennen. Das muss das Badezimmer sein.

Schnell huscht er die drei Schritte über den Gang, schlüpft durch den Spalt und verschließt die Tür leise hinter sich. Dann erst macht er Licht an und sieht sich um.

Auch hier ist alles weiß aber es gibt auch einige wenige blaue Akzente. Allerdings kann und will er sich jetzt nicht darauf konzentrieren. Seine Blase drückt und verlangt nach einer dringenden Entlastung.

Endlich erleichtert dreht er sich wieder dem Raum zu und entdeckt neben einer Waschmaschine einen Stuhl. Erstaunt und hoch erfreut sieht er darauf seine Klamotten, fein säuberlich zusammen gefaltet liegen. Auch seine Stiefel stehen dort, ordentlich nebeneinander.

Mit nur zwei Schritten hat er den Stuhl erreicht und schlüpft erleichtert in seine Sachen. Er mag es nicht, wenn jemand seinen dünnen, fast schon ausgezehrten Körper sehen kann. Aber ihm ist dennoch bewusst, dass der andere, wer auch immer er sein mag, diesen wahrscheinlich schon mehr als deutlich begutachten konnte, denn immerhin musste dieser er ihn schließlich auch ausgezogen haben.

Als er endlich wieder das schwere Leder seines Mantels auf seinen Schultern spüren kann, atmet er erleichtert auf und zieht sich auch noch die Schuhe an.

Dann wird ihm noch etwas anderes bewusst, seine Hände gleiten in die tiefen Taschen des letzten Kleidungsstücks und erneut kann er nur zufrieden aufatmen. Handy, Geldbörse, Schlüssel, selbst sein geliebter Kajalstift, den er immer dabei hat, alles ist noch da.

Doch als er das Zuschlagen einer Türe hört zuckt er erschrocken zusammen und bleibt stocksteif stehen, lauschend. Auf dem Flur kann er Schritte wahrnehmen, dann eine männliche Stimme.

„ … nein, noch nicht und ich bin eben erst wieder nach Hause gekommen... Ja mach ich aber ich will ihn auch nicht wecken. Er sah so aus, als könnte er den Schlaf gut gebrauchen... Was? Warum sollte ich?... Ist ja schon gut... Ja, ich verspreche es. Wenn er bis heute Abend nicht von selbst aufwacht, ruf ich den Rettungswagen. Aber ich glaube nicht, dass das nötig sein wird... Das weiß ich selber aber ich hab ihn beobachtet und es wirkte nicht so... Nein ich bin mir sicher, dass er nur schläft... Man Rod, jetzt geh mir nicht auf die Nerven... Jaja, natürlich bin ich froh, dass du mir geholfen hast. Du hast was gut bei mir... Geht klar. Bis später.“

Während sich die Schritte und die Stimme auf dem Flur hin und her bewegt haben, stand er bewegungsunfähig in der Mitte des Badezimmers und hat angespannt gelauscht. Jetzt entfernen sich die Schritte wieder Richtung Eingang, danach fällt wieder eine Tür ins Schloss und es ist wieder ruhig. Langsam kommt wieder Leben in seinen erstarrten Körper und seine Gedanken fangen an zu rasen. Er muss hier raus und zwar so schnell wie möglich. Er kann es einfach nicht ertragen, einem anderen zur Last zu fallen und sich ihm praktisch aufzudrängen.

Hätte er nicht einfach unter Wasser bleiben können? Dann wäre das gesamte Elend wenigstens vorbei.

Als er gerade nach der Türklinke greifen will, fällt sein Blick auf den großen Spiegel über dem Waschbecken und eine Erkenntnis blitzt in seinem Kopf auf.

Auch wenn er seinem Leben ein Ende setzten wollte, so hat der Andere ihn gerettet, scheinbar mit in seine Wohnung genommen und sich um ihn gekümmert. Er sollte ihm zumindest danken. Jedoch wird er sich davor hüten, dem Blonden unter die Augen zu treten.

In diesem Augenblick berühren die Finger der anderen Hand ein weiteres Mal den Kaja in seiner Manteltasche und ihm kommt eine Idee. Er reist sich einen längeren Streifen Klopapier ab, schreibt schnell ein paar Zeilen darauf und klebt ihn mit Hilfe von Pflaster, das er in einer Schublade gefunden hat, in die Mitte der spiegelnden Fläche.

Danach schaltet er das Licht wieder aus, öffnet vorsichtig die Tür und als die Luft rein ist schleicht er durch den Flur und schlüpft aus der Eingangstür hinaus. Nachdem er diese leise hinter sich zugezogen hat rennt er die Treppe runter, tritt auf die Straße und rennt anschließend einfach weiter.

So, etwas düster, etwas dramatisch, etwas Hoffnung.

Ich werde versuchen genau das auch beizubehalten.

Also für wen das nichts ist...

Allen Lesern einen schönen Donnerstag und ein hoffentlich baldiges schönes Wochenende und bnis zum nächsten kapitel.

Eure kleine Fledermaus