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Da ist etwas, das lässt keinen Platz für andere Gedanken mehr

Stummer Schrei Nach Liebe — www.fanfiktion.de · All chapters

Da ist etwas, das lässt keinen Platz für andere Gedanken mehr

Hallo, meine Lieben.

Schön euch wieder hier zu treffen.

Wollen wir weiter lesen?

Ich denke schon. Warum solltet ihr sonst auf dieser Seite gelandet sein.

Dann wünsche ich euch viel Vergnügen.

P.S.: Hab ich euch eigentlich schon gesagt, dass ich seit gut 4 Wochen endlich auch Farins Autogramm als Tattoo auf dem Arm trage?

Ich konnte mir seine Unterschrift in Erfurt zu seiner Lesereise holen und bin richtig happy.

Da ist etwas, das lässt keinen Platz für andere Gedanken mehr

Nachdem Jan das Zimmer verlassen hat bleibt Dirk noch über eine Stunde in der gleichen Position liegen, traut sich nicht, sich zu rühren. Noch immer kann er deutlich die leichte Berührung an seinem Arm spüren, fühlt den zarten Kontakt der weichen Lippen auf seiner Schulter. Dass zwischendurch Schwester Gabi kommt und ihm sein Abendessen hinstellt, nimmt er nur am Rand seines Bewusstseins wahr. Erst als ein weiteres Mal die Tür aufgeht regt er sich langsam.

„ Du hast schon wieder nichts gegessen, Dirk!“ rügt ihn die Rothaarige streng.

„ Hm...“ brummt er nur desinteressiert, woraufhin sich die junge Frau spontan zu ihm auf die Bettkante setzt.

„ Hattest du Stress mit deinem Freund?“ fragt sie mitfühlen und tätschelt liebevoll seine Hand, die auf der Bettdecke liegt.

„ Wie kommst du darauf?“ wundert sich der Patient und geht dieses Mal gar nicht auf die Bezeichnung 'Freund' ein

„ Na ganz einfach. Du liegst hier wie ein Häufchen Elend, während er vorhin mit hängenden Schultern durch den Flur davon geschlichen ist,“ erklärt sie ihre Beobachtung.

„ Er ist nicht mein Freund... könnte er wahrscheinlich auch nie sein... auch wenn er so etwas angedeutet hat... Ach verdammt, der Typ ist ein wandelnder Widerspruch...“ murmelt Dirk, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass er die Worte auch wirklich laut ausgesprochen hat. Erst ein tiefes Luftholen bringt ihm diese Tatsache näher und er schaut auf. Im Gesicht der jungen Frau kann er, nicht nur durch die hochgezogenen Augenbrauen, eine sichtbare Verwirrung ablesen. In einem seiner geliebten Comics würden ihr jetzt wahrscheinlich viele kleine Fragezeichen um den Kopf tanzen.

„ Das ist eine lange Geschichte,“ grummelt er deswegen auch gleich.

„ Erzählst du sie mir?“ kommt es aber umgehend zurück.

„ Das würde länger dauern, als du Pause hast,“ versucht Dirk abzulenken und die Augenbrauen in Gabi's Gesicht wandern von ganz oben nach ganz unten.

„... Verstehe... Iss jetzt trotzdem etwas. Ich komm später noch ein mal und hol den Teller wieder ab.“

Sie scheint etwas eingeschnappt zu sein, als sie sich vom Bett erhebt und das Zimmer erneut verlässt.

Kaum ist die Tür zu schüttelt der Schwarzhaarige von sich selbst enttäuscht den Kopf.

'Toll gemacht Dirk. Wieder hast du jemanden mit deinem Benehmen davongejagt. Echt super!' schimpft eine leise Stimme in seinem Kopf, während er ohne großen Appetit nach dem Teller greift und lustlos die Kartoffeln und das Gemüse in seinen Mund schiebt.

Nach gut einer Stunde taucht die Rothaarige wieder bei ihm auf, schnappt sich das Geschirr, rauscht aus dem Raum, nur um Sekunden später wieder vor seinem Bett zu stehen.

„ So. Ich hab jetzt Feierabend. Rede!“ gibt sie entschieden von sich. Erst in dem Moment fällt Dirk auf, dass sie statt Schwesternkittel nun Jeans und Bluse trägt. Mit einem freundlichen Lächeln nimmt sie auch wieder auf der Bettkante Platz.

„ Was genau soll ich dir denn erzählen?“ wundert sich der Liegende.

„ Alles! Woher kennt ihr euch? Wie lange schon? Und... warum du so von ihm denkst? Eben einfach alles,“ hilft sie ihm auf die Sprünge. Jetzt ist es an Dirk, die Augenbrauen hoch zu ziehen, zumindest eine davon.

„ Aha... Wie viel Zeit hast du denn?“

„ Wie gesagt, ich hab Feierabend und Zuhause wartet nur eine halb vertrocknete Pflanze auf mich... Also rede schon,“ drängt sie ihn energisch, was Dirk doch tatsächlich ein kleines Lächeln entlockt und ihn sich etwas aufrechter hinsetzen lässt. Es kommt selten bis gar nicht vor, dass sich jemand für ihn auf der freundschaftlichen Basis interessiert, weswegen er auch nur zu gern bereit ist darauf einzugehen. Er holt ein letztes Mal tief Luft um sich zu sammeln.

„ Also, wie gesagt, Jan ist nicht mein Freund. Eigentlich kenn ich ihn erst seit drei oder vier Wochen und weiß erst seit knapp drei Tagen, wie er überhaupt heißt,“ beginnt er.

„ Wie kommt das? Er wirkt immer so, als kennt ihr euch schon seit Jahren,“ unterbricht Gabi ihn kurz.

„ Kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen. Ich hatte eher immer den Eindruck, als würde ich ihn nur stören seit er mich kennt... Zumindest dachte ich das bis vorhin,“ fügt er leise hinzu.

„ Man Dirk, nun mach es doch nicht so spannend. Erzähl endlich!“ fordert die Rothaarige ihn ein weiteres Mal auf.

„ Wenn du es unbedingt wissen willst, Jan hat mich in den letzte paar Wochen bereits vier Mal gerettet.  Einmal vorm Ertrinken, zwei Mal vor einem fiesen Schläger und einmal vor dem Fiebertot,“ fasst er kurz zusammen aber schnell wird ihm klar, dass das seiner Gegenüber nicht als Erklärung reichen wird.

„ Okay, soweit so gut. Und jetzt bitte noch die Hintergrundinformationen, wenn ich bitten darf,“ ist Gabi jetzt richtig neugierig geworden und der Schwarzhaarige gibt sich geschlagen. Mit einem letzten tiefen Seufzer legt er sich bequemer hin und erzählt ihr in den nächsten knapp zwei Stunden, was genau sich zwischen ihm und dem großen Blonden abgespielt hat und warum er nicht glauben kann und will, dass Jan ernsthaft an seiner Person interessiert sein kann.

Nachdem er geendet hat legt sich ein langes Schweigen über die beiden und jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Es ist schließlich Gabi, die die Stille durchbricht.

„Das ist echt heftig... Aber das erklärt auch die vielen blauen Flecken und warum die Ärzte das große Blutbild haben wollten. Normalerweise machen die das nämlich bei den Opfern einer Schlägerei nicht.“

„ Jan hat ihnen bestimmt gesagt, sie sollen mich auf Drogen testen,“ knurrt Dirk nur.

„ Also im Übergabeprotokoll von den Sanis stand davon nichts, nur der Hinweis auf hohes Fieber und die Empfehlung zum Test auf Infektionskrankheiten wie Grippe,“ sinniert die Frau.

" Ich glaube, du schätzt ihn da völlig falsch ein. Auf mich hat er eher den Eindruck gemacht, als würde er sich wirklich um dich sorgen,“ ergänzt sie noch schnell und bringt den Schwarzhaarigen damit zum Stutzen.

„ Und warum hat er dann zu seinem Kumpel gesagt, er würde mich so schnell wie möglich los werden?“ Dirk weiß einfach nicht mehr, was er noch denken und glauben soll.

„ Und du bist dir sicher, dass du dich da nicht verhört hast?“ fragt Gabi zweifelnd nach.

„ Ich bin mir absolut sicher. Er sagte ' Ich werde ihn bis heute Abend los '.“

„ Aber hast du nicht gesagt, du hättest nur einen Teil der Unterhaltung mitbekommen? Was ist, wenn sie über wen ganz anderen geredet haben?... Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er so kalt und berechnend sein soll. Warum hätte er dann die letzten      1 ½ Tage hier bei dir bleiben sollen, wenn er dich doch loswerden will? Dann wäre das doch mit dem Zufallen der Tür vom Rettungswagen für ihn erledigt gewesen,“ gibt die Rothaarige zu bedenken.

In einer verzweifelt wirkenden Geste greift sich Dirk mit beiden Händen in die Haare und gräbt sie tief und fest in das strubbelige Schwarz auf seinem Kopf.

„ Ich glaube, du solltest jetzt schlafen. Du siehst nämlich im Moment nicht wirklich gut aus,“ meint die Schwester und legt ihm freundschaftlich die Hand auf den Oberarm.

„ Hm... Du könntest recht haben... Danke fürs Zuhören,“ murmelt Dirk und dreht sich auf die Seite, während Gabi schon auf dem Weg zur Zimmertür ist.

„ Hey, Kopf hoch Dirk. Das wird sich bestimmt alles aufklären. Ihr müsst nur mal in Ruhe miteinander sprechen... Und jetzt schlaf, damit du morgen fit bist. Immerhin darfst du morgen hier raus und kannst nach Hause gehen,“ grinst sie noch und verlässt den Raum.

„ Mit ihm reden. Das sagt sich so einfach,“ grummelt der Schwarzhaarige vor sich hin, bevor er sich mit langsamen Bewegungen noch mal aus dem Bett erhebt und ins Badezimmer schlurft. Er muss dringend duschen und seine Haare waschen. Seit fast sechs Tagen kam er nicht mehr dazu, da er sich einfach nicht dazu in der Lage fühlte, beziehungsweise  nicht mal bei Bewusstsein war.

Nach fast einer Stunde tritt er wieder zurück in sein Zimmer, mit frischer Haut und sauberen und geföhnten Haaren und vor allem wieder glattrasiert. Er hasst es, wenn er im Gesicht so stoppelig ist. Als er an dem schmalen Kleiderschrank vorbei kommt, fällt ihm ein, dass einer der Ärzte erwähnt hat, dass Jan ihm Klamotten hergebracht hat. Aus einem Gefühl heraus öffnet Dirk die Tür, nimmt den Stapel Stoff herauf und legt ihn auf dem Bett ab.

Zuerst sieht er seine Pantys und wird doch tatsächlich etwas rot um die Nase, als ihm bewusst wird, dass der Blonde seine Unterhosen in der Hand hatte. Doch das geht schnell wieder vorbei als ihm wieder einfällt, dass er ihn auch schon fast nackt gesehen hat.

Als nächstes hat er einige normale T-Shirts in den Fingern, gefolgt von einer Jogginghose. Doch was sich darunter in sein Sichtfeld schiebt, bringt Dirk zum Schmunzeln. Jan hat, ohne es zu wissen, seine Lieblings-Lederhose hergebracht.

„ Bei der Auswahl an Klamotten in meinem Schrank, nimmst du ausgerechnet diese mit.“

Allerdings drängt sich ihm in diesem Augenblick ein Gedanke auf. Jan war in seiner Wohnung, in seinem Schlafzimmer und hat seine doch sehr spezielle Einrichtung gesehen.

Mit einem schweren Seufzer sinkt Dirk, noch immer mit der Hose in der Hand auf die Matratze.

Was soll er denn jetzt machen?

Wenn er genauer darüber nachdenkt, dann hat Jan trotz seiner extravaganten Deko immer noch ein gewisses Interesse an ihm gezeigt. Aber was sagt das im Kontext mit dem, was Dirk bei ihm daheim gehört hat, über den Blonden aus? Jan hat eine Ahnung von Dirk's Lebensstil bekommen und will ihn dennoch näher kennenlernen?

Die ganzen wirren Gedanken verursachen bei Dirk schon wieder Kopfschmerzen. Er sollte wohl doch erst einmal schlafen gehen und den morgigen Tag hinter sich bringen. Noch immer mit der ledernen Hose in der Hand, kippt der Schwarzhaarige seitlich auf die Matratze, zieht sich die dünne Decke über den Körper und driftet langsam in einen unruhigen Schlaf.

Aus dem wird er am nächsten Morgen von der gutgelaunten Stimme einer ihm unbekannten Schwester gerissen.

„ Guten Morgen Herr Felsenheimer. Zeit fürs Frühstück. Später wird der Doc nochmal vorbeischauen und danach dürfen wir uns von ihnen trennen. Na, klingt das nicht super?“ flötet die etwa 50Jährige korpulente Frau erschreckend fröhlich. Murrend öffnet Dirk die Augen und verfolgt, wie sie ihm ein Tablett mit Teller und Tasse auf den Beistelltisch stellt.

„ Wo ist Gabi?“ grummelt er müde.

„ Die Gute hat die letzten Tage Doppelschichten gemacht und hat heute frei. Dafür bin aber ich voll für sie da. So und jetzt hinsetzen und essen.“

Energisch reißt sie ihm die Decke vom Oberkörper und stellt die Rückenlehne hoch, sodass der Schwarzhaarige gezwungen ist sich hinzusetzen.

Nach dem Frühstück wird es hektisch um Dirk herum. In den folgenden drei Stunden rauscht erst das Reinigungsteam durch sein Zimmer, danach tauchen die drei Ärzte mit ihrem Gefolge aus Pflegern und Studenten bei ihm auf und im Anschluss wird er noch zu einem Gespräch bei Dr. Schmitke in dessen Behandlungszimmer gebracht.

Hier folgen noch einige anschließende Untersuchungen, an deren Ende er seine Entlassungspapiere, Schmerzmittel für zwei Tage und ein Rezept für diverse andere Medikamente in den Händen hält. Zurück in seinem Zimmer kann er es kaum noch erwarten endlich hier raus zu spazieren, obwohl er nur drei Tage hier war.

Schnell stopft er seinen ganzen Kram in die kleine Reisetasche die Jan ihm mitgebracht hat und ist gerade dabei in seine Lederhose zu schlüpfen, als sich ohne zu Klopfen die Tür öffnet.

„ Na Gott sei Dank, du bist noch nicht weg,“ schnauft Gabi erleichtert und erntet dafür einen verwunderten Blick.

„ Was machst du denn hier? Ich dachte, du hast heute frei?“

„ Hab ich auch aber ich hab fast was wichtiges vergessen.“

Mit diesen Worten reicht sie Dirk einen gefalteten Zettel. Allerdings macht der Schwarzhaarige keinerlei Anstalten, ihn auch entgegenzunehmen und schaut die Frau nur weiterhin skeptisch an.

„ Hat Jan mir gegeben, als er gestern fort ist. Ich soll ihn an dich weiter reichen sobald du entlassen wirst,“ murmelt Gabi verlegen.

„ Ein Brief? Von Jan?“ flüstert Dirk und greift endlich mit leicht zittrigen Fingern nach dem Papier.

„ Danke,“ haucht er und steckt ihn in die Innentasche seines Mantels, um sich anschließend zum Gehen umzuwenden.

„ Kannst dich ja mal bei mir melden. Ich würde nämlich schon gern wissen, wie das mit euch beiden weiter geht,“ ruft die Rothaarige Dirk noch hinterher, als dieser den Raum mit der Tasche in der Hand verlässt.

„ Wenn es überhaupt was zu erzählen gibt,“ murmelt dieser, geht aber stur weiter den Flur entlang und zielsicher auf den Ausgang zu.

Nach einer halben Stunde S-Bahn fahren und noch mal knapp 15 Minuten zu Fuß, steht der Schwarzhaarige endlich wieder vor dem Altbau, in dem sich seine kleine Wohnung befindet.

Die Türe mit dem Fuß hinter sich zu kickend, lässt er die Tasche im Flur fallen, zieht sich den Mantel aus und streift sich die Schuhe von den Füßen. In der Küche wird als erstes einmal Kaffee gekocht. Dir Brühe, die sie ihm im Krankenhaus vorgesetzt haben, kann man wohl kaum als Kaffee bezeichnen. Viel zu dünn, die Plörre.

Als er mit der Tasse in der Hand auf dem Sofa sitzt fällt sein Blick wieder auf seinen Mantel, der ordentlich an der Garderobe hängt. Und in dem immer noch der Brief von Jan steckt. Für Dirk macht es den Anschein, als wolle sich das Papier durch den Stoff brennen, um gelesen zu werden. Aber will er wirklich wissen, was der Blonde ihm zu sagen hat?

„ Ja verdammt, das will ich!“ stößt Dirk plötzlich laut aus und stemmt sich stöhnend aus den Polstern hoch. Noch immer schmerzen seine Rippen leicht und die Nase pocht etwas. Mit entschlossenen Schritten tritt er an die Kleiderhaken heran, sucht in den Taschen und zieht schlussendlich den Zettel hervor. Damit in der einen und der Kaffeetasse in der anderen Hand zieht sich der Schwarzhaarige in sein Schlafzimmer zurück.

Die Glühbirnen zeigen ihr typisches Flackern und Dirk macht es sich in seinem Bett gemütlich. Mit dem Rücken an die Wand gelehnt, ein Kissen auf dem Schoss und die Tasse neben sich auf der Matratze abgestellt, faltet er mit erstaunlich zitternden Fingern das Papier auseinander. Zuerst registriert er die erschreckend ordentliche Handschrift, dann bemerkt er, dass fast das gesamte Blatt vollgeschrieben ist. Ein kleines Seufzen kommt ihm über die Lippen und er fängt an zu lesen.

** Hallo Dirk.

Ich weiß nicht genau ob und wenn ja, wie viel du von dem gehört hast, was ich dir gesagt habe. Deshalb würde ich es gern noch mal schwarz auf weiß oder in diesem Fall blau auf gelb wiederholen.

Ich versteh immer noch nicht, warum du abgehauen bist und würde das gern mit dir klären...**

' Schon wieder dieses scheiß Thema' schießt es Dirk durch den Kopf, den er auch leicht schüttelt, bevor er weiter liest.

**... Aber mein wichtigstes Anliegen ist mir etwas zu peinlich, um es dir ein weiteres persönlich zu sagen. Du bist interessant und ich würde dich gern wiedersehen und besser kennenlernen. Komm bei mir vorbei, entweder Zuhause oder auch im Laden, wenn du auch daran Interesse hast. Sollte ich in den nächsten zwei Wochen nichts von dir hören, dann weiß ich Bescheid und werde dich in Zukunft ignorieren, sollte ich dich in der Stadt sehen. So wie von dir verlangt.

Sollte dies der Fall sein, dann sieh diese Zeilen als ein Leb wohl an. Ich hab die wenige Zeit mit dir wirklich genossen und hätte sie gern noch etwas ausgebaut.

In Liebe, Jan.**

Während Dirk die Zeilen liest wandert ein warmes Gefühl über seinen Oberarm und verstärkt sich auf seiner Schulter, sodass er automatisch mit der anderen Hand an diese Stelle fasst. Beinahe ist ihm so, als könne er die Lippen des Blonden noch immer dort fühlen und er muss unwillkürlich lächeln.

Doch dann erstirb das Lächeln auch ganz schnell wieder. Dirk ist mit einem Male klar geworden, dass Jan ihn im Prinzip aufgefordert hat, zu ihm zu kommen und zwar in den nächsten 14 Tagen.

„ Scheiß, das kann ich nicht! Wie stellst du dir das vor, Jan?“ murmelt der Schwarzhaarige vor sich hin, während er den Zettel so fest in der Hand hält, dass er an den Seiten schon ganz zerknittert ist. Ganz unten auf dem Blatt entdeckt er dann aber noch etwas Geschriebenes. Dort stehen zwei Adressen. Eine ist Jan's private Anschrift, die Dirk schon kennt und die andere scheint von seiner Arbeitsstelle zu sein.

'Vetter und Gonzalés – Ihr Fototeam' steht dort geschrieben. Je länger er darauf starrt, um so unsicherer und nervöser wird er. Plötzlich lässt Dirk das Blatt fallen, als hätte er sich daran verbrannt. Hektisch greift er nach seiner Tasse, klammert sich an dem Porzellan fest und zieht die Beine nahe an den Körper heran. Sein Blick ist aber weiterhin stur auf den Brief gerichtet, der nun unschuldig auf der Matratze liegt. In großem Schlucken leert er die Tasse.

„ Verfickte Scheiße, verdammte!“ brüllt der Schwarzhaarige völlig überfordert in den stillen Raum und wirft frustriert die Tasse an die gegenüberliegende Wand, wo sie in hunderte Teile zerspringt.

Die folgende Stunde bleibt Dirk mit vor der Brust verschränkten Armen und an die Wand gelehnt auf dem Bett sitzen und stiert auf die Scherben auf dem Fußboden. In seinem Kopf herrscht das komplette Chaos. Seine Gedanken rasen aber doch kommen sie nicht an einem Ziel an. Immer wieder drehen sie sich im Kreis, versuchen auszubrechen, nur um Sekunden später wieder zu kreiseln.

Er weiß einfach nicht, was er machen soll. Einerseits hindert ihn etwas daran, sich zu viele Hoffnungen zu machen, dass Jan wirklich an seiner Person interessiert sein könnte. Das ist auch der Grund, aus dem er sich nicht traut, genauer darüber nachzudenken. Dazu kommt, dass Dirk einfach kein Vertrauen mehr in andere Menschen hat. Zu oft wurde er, zum Teil auf sehr schmerzhafte Weise, enttäuscht.

Aber dennoch zieht ihn irgendwas tief in ihm drinnen zu dem Blonden hin. Nur um gleich darauf von den Worten des Anderen wieder verdrängt zu werden. Er wollte ihn doch los werden, oder etwa nicht? Ein tiefer Seufzer quält sich aus seiner Kehle und ihm wird klar, dass er dringend Hilfe braucht. Und da taucht auch schon das nächste Problem auf. Dirk hat keinen mehr, an den er sich wenden könnte.

Mit einem halblauten verzweifelten Schrei springt Dirk vom Bett auf und tigert unruhig durch die ganze Wohnung, wirft wahllos Gegenstände durch dir Räume, schiebt Möbel umher oder schlägt auf Wände und Türen ein. Über vier Stunden randaliert er durch die einzelnen Zimmer, bis er mit hämmernden Kopfschmerzen ein weiteres Mal in sein Bett sinkt. Es dauert auch nicht lang, bis er in einen wenig erholsamen Schlaf fällt.

Am nächsten Morgen wacht Dirk wie gerädert auf, die Nacht war die Hölle. Er hat nur Mist geträumt. Angefangen bei seinem Sturz von der Brücke, weiter zu Hans, der immer wieder auf ihn eingeschlagen hat, bis hin zu Jan und seinem Kumpel Rod, die sich über ihn lustig gemacht haben, weil er tatsächlich im Laden der Beiden aufgetaucht ist, mit der Hoffnung auf etwas ernstgemeinte Liebe.

Jetzt steht er mit seiner dritten Tasse Kaffee am Fenster und starrt, ohne etwas zu sehen hinaus. Er braucht dringend frische Luft.

Die Tasse landet auf dem Fensterbrett und Dirk stiefelt entschlossen in den Flur. Der Mantel ist schnell übergeworfen und die Boots finden den Weg an seine Füße. Den gesamten Tag wandert er anschließend tief in seinen Gedanken versunken durch die Straßen der Großstadt. Dabei kommt er auch an der Kreuzung vorbei, auf der er vor einigen Tagen einfach zusammengebrochen ist. Aus dem Augenwinkel nimmt er die alte Kastanie mit ihrer Rundbank wahr, bleibt aber nicht stehen, sondern geht mit hängendem Kopf daran vorbei. Immer weiter tragen ihn seine Füße, bis der Schwarzhaarige am späten Abend todmüde in seine vier Wände zurückkehrt.

So oder so ähnlich laufen die nächsten 12 Tage auch ab. Nur mit kleinen Abweichungen zwischendurch. So holt er sich am Donnerstag in einem Kiosk einen seiner heißgeliebten Comics und liest ihn noch vor der Tür an die Wand gelehnt. Dabei schert er sich nicht im geringsten um die komischen Blicke, die er von den Passanten bekommt, die an ihm vorbei gehen. Sollen sie doch denken was sie wollen. Dirk interessiert es nicht. Am Freitag macht er einen  Besuch in der Apotheke, wo er seine Rezepte einlöst und noch einen kurzen Plausch mit Erna hält. Danach bleibt er noch vor dem Schaufenster einer Buchhandlung stehen, als er ein Buch über moderne Fotografie in der Auslagen entdeckt.

'Ob das was für Jan wäre? Vielleicht sollte ich ihm ein Exemplar kaufen,' schießt es ihm kurz durch den Kopf, den er dann aber ganz schnell schüttelt. Daneben entdeckt er noch ein Buch mit lustigem Cover. In schillernden Farben prangen darauf drei große Buchstaben. 'FUN' von Bela B. Der Klapptext, der auf einem Exemplar daneben zu lesen ist, reizt ihn und er verschwindet schnell in der Buchhandlung, um es für sich selbst zu kaufen.

Einen Abstecher ins Krankenhaus zwecks Nachuntersuchung macht er auch. Bei der Gelegenheit hat der Schwarzhaarige auch gleich noch ein kurzes aber wenig aufschlussreiches Gespräch mit Gabi. Resultat des Ganzen? Die junge Frau rät ihm, auf jeden Fall bei Jan vorbeizuschauen. Einen positiven Nebeneffekt hat es dann aber doch noch für ihn. Dirk hat in der aufgeweckten Rothaarigen eine neue Freundin gefunden, der er sich ohne Bedenken anvertrauen kann und die ihm auch unverblümt ihre Meinung sagt.

An einem besonders schönen Tag setzt sich Dirk einfach nur in ein kleines Straßencafé und genießt in aller Ruhe einen Kaffee und kann dabei sogar seine ständig kreisenden Gedanken für einen Moment abschalten und ausblenden, bevor er am zeitigen Nachmittag seine Wanderung wieder aufnimmt und sich die unterschiedlichsten Schaufenster betrachtet ohne deren Waren überhaupt richtig wahrzunehmen. Immer wieder taucht Jan in seinen Gedanken auf.

Tag 13 verbringt er in seinem Schlafzimmer, bei geschlossenen Vorhängen und ohne Licht. Eine heftige Depression hat von ihm Besitz ergriffen und er stürzt von einer negativen Emotion in die nächste. Er weint verzweifelt über Stunden hinweg. Dann schreit er frustriert in sein Kissen, bevor er im nächsten Augenblick in ein fast schon hysterisch wirkenden Lachen auszubrechen, nur um danach wieder von vorn zu beginnen und in den späten Nachtstunden aus reiner Erschöpfung einzuschlafen.

Am 14. Tag ist der Schwarzhaarige aber schon wieder in den Straßen unterwegs. Mit gesenktem Kopf, den Blick auf den Fußweg gerichtet schleicht er bei leichtem Nieselregen zwischen den anderen Passanten hindurch. Es ist der frühe Nachmittag als er zum ersten mal wieder den Blick hebt und erschrocken feststellt, wo er sich befindet.

Dirk steht genau vor dem Haus, in dem sich Jan's Wohnung befindet.

Nervös zucken seine Augen über die Fenster im zweiten Stock, tasten die Fassade ab und entdecken doch keine Bewegung hinter den Scheiben. Resigniert lacht er stumm auf und schüttelt den Kopf. Natürlich ist niemand zu sehen. Es ist erst kurz vor 14.00 Uhr und dann auch noch Montag. Jan wird wohl noch auf Arbeit sein.

Dennoch setzen sich seine Beine wie von selbst wieder in Bewegung und er steuert auf die große Holztür zu. Gerade als er davor zu stehen kommt, wird diese von innen geöffnet und ein älterer kleiner Mann mit einem Hosentaschenfifi tritt heraus.

„ Oh, guten Tag junger Mann. Kann ich ihnen helfen?“ fragt dieser überaus freundlich, als er bemerkt, wie Dirk das Klingelschild studiert.

„ Ähm... zu Jan... Vetter?“ stottert das Schwarzhaarige, da er nicht geplant hat, das Haus überhaupt zu betreten. Eigentlich wollte er noch nicht einmal bewusst hier herkommen. Aber er will auch nicht, dass der Alte ihn für einen Kriminellen oder Obdachlosen hält.

„ Ach der Jan. 2. Stock, die rechte Wohnung. Doch der ist um diese Zeit noch im Laden. Aber ich hab seine Nummer und kann ihn anrufen und Bescheid sagen, dass er Besuch hat.“ Der Nachbar ist überaus freundlich, stellt Dirk fest, lehnt das Angebot trotzdem ab.

„ Machen sie sich keine Umstände. Ich warte einfach hier bis er heim kommt.“

„ Dann aber doch bitte im Haus. Sonst werden sie noch ganz nass, junger Mann,“ bietet der Mann an und öffnet die Haustür für ihn ein weiteres Mal, um ihn ins Treppenhaus zu lassen.

„ Danke, das ist sehr freundlich von ihnen,“ murmelt der Schwarzhaarige und schiebt sich schnell an dem Anderen vorbei ins Trockene. Noch bevor Dirk sich erneut bedanken kann fällt die Tür auch schon wieder ins Schloss.

„ Und jetzt?“ zieht er die Schultern hoch und sieht sich erst einmal bewusst um. Bei den letzten Malen ist er immer Hals über Kopf die Stufen runter gerauscht, um so schnell wie möglich von hier weg zu kommen.

Jetzt erst fällt ihm auf, wie ordentlich und sauber alles ist. Ganz im Gegensatz zu seinem Wohnhaus. Dort riecht es muffig und alt, die Farbe blättert vom Treppengeländer und die Tapeten fallen zum Teil von den Wänden. Ständig knallen irgendwelche Türen zu oder jemand schreit durch alle Flure. Hier ist es hell, sauber und erstaunlich ruhig.

Schritt für Schritt steigt Dirk in den zweiten Stock hoch, lässt dabei die Finger über das glatte Holzgeländer gleiten, das im Gegenzug zu dem bei sich Zuhause nicht alle paar Zentimeter klebt oder irgendwelche Splitter abstehen Oben angekommen steht er vor zwei Türen, eine auf jeder Seite und hinter ihm geht es in die nächste Etage.

Die linke Tür ist giftgrün gestrichen, die rechte ist weiß. Selbst wenn der Mann ihm nicht gesagt hätte, auf welcher Seite Jan wohnt, spätestens jetzt wüsste es der Schwarzhaarige. Jan scheint wirklich ein Faible für die Farbe weiß zu haben, während Dirk das genaue Gegenteil davon ist. Aber da tut sich für den jungen Mann auch schon das nächste Problem auf.

Was soll er jetzt machen?

In seiner stummen Verzweiflung zieht er sein Handy aus der Manteltasche und schreibt Gabi eine kurze Nachricht.

'Ich stehe vor der Tür von Jan. Was soll ich jetzt machen?'

'Na klingeln. Was sonst?' kommt es umgehend zurück.

'Er ist nicht da.'

'Dann warte!!!'

Das ist eindeutig. Dirk schickt ihr einen Daumen hoch, zusammen mit einem Smilie mit großen Augen. Aber eigentlich hat sie auch recht. Wenn er schon einmal hier ist, dann kann er auch warten bis Jan nach Hause kommt. Und ehrlich gesagt kann er auch ein leichtes Kribbeln in sich aufsteigen fühlen, als er daran denkt, dass er ihn gleich wieder sehen wird.

Mit dem Handy in der Hand lässt sich Dirk auf der Treppe zur nächsten Etage nieder, lehnt den Rücken an die Wand und streckt ein Bein auf der Stufe aus, während das andere angewinkelt auf der darunter steht. Dann zieht er seine Kopfhörer aus der Tasche, verbindet sie mit seinem Telefon und steckt sich die Hörer in die Ohren. Die Augen geschlossen, den Kopf gegen die Wand gestützt, Arme vor der Brust verschränkt und die 'Ramones' auf den Ohren sitzt er relativ entspannt da. Kurz wundert er sich noch über sich selbst, denn die gesamte Nervosität von vor ein paar Minuten ist nun komplett verschwunden. So wartet er auf die Ankunft den blonden Mannes.

Und was macht Jan in den 14 Tagen des Wartens?

Wenn ihr es wirklich wissen wollt, dann müsst ihr leider bis nächste Woche warten.  * grins*

Aber ihr könnt mir immer noch eure Tipps zu den Songs, aus denen meine Kapitelüberschriften bestehen, mitteilen.

Ein paar richtige Antworten waren schon dabei.

Ansonsten wünsche ich euch einen schönen Abend und ein frohes Helloween am Wochenende.

Bis zum nächsten Kapitel.

Eure kleine Fledermaus