Ein bisschen anders, als du vielleicht denkst
Ein bisschen anders, als du vielleicht denkst
Willkommen zu einem Kapitel, meine Lieben.
Ich spar mir heute mal die lange Vorrede und schicke euch direkt rein.
Viel Spaß und gute Unterhaltung.
Vergesst nicht vielleicht ein kleines Sternchen zu setzen, wenn es euch bis hier hin gefallen hat.
Ein bisschen anders, als du vielleicht denkst
Schnell verlässt Jan sein Schlafzimmer. Er ist unglaublich erleichtert, dass es dem Schwarzhaarigen anscheinend besser geht. Dieser hat, wie es sich gerade angefühlt hat, kaum noch Fieber und dass er von sich aus nach etwas zu Trinken fragt hat, wertet Jan als sehr gutes Zeichen
In seiner Küche angekommen macht er sich sofort an die Zubereitung des gewünschten Kaffees. Der junge Mann, Dirk wie er gerade erfahren hat, kann echt von Glück reden, dass Rod regelmäßig bei ihm zu Besuch ist, denn sonst sähe das mit dem Kaffee wirklich schlecht aus, da Jan aus Prinzip nur Tee oder Wasser trinkt. Während die braune Flüssigkeit durch den Filter tropft steht der Blonde etwas unschlüssig mitten im Raum. Er kann ihm doch nicht nur Kaffee vorsetzten, er braucht auch was festes im Magen, um wieder auf die Beine zu kommen. Kurzentschlossen öffnet Jan seinen Kühlschrank, holt Käse und auch etwas von Rod's hier deponierter Scheibenwurst und Butter heraus. Aus dem Fach darüber fischt er noch einen halben Laib Brot und macht sich daran, einige Scheiben mit dem Aufschnitt zu belegen.
Als er mit seiner Arbeit zufrieden ist gibt auch die Kaffeemaschine eine Signalton von sich und kündigt an, dass das Getränk fertig ist. Tasse und Teller stellt er auf sein kleines Tablett und macht sich auf den Weg zurück zu seinem Schlafzimmer. Das Tablett mit einer Hand balancierend öffnet er die Tür, tritt in den Raum und schiebt sie mit dem Fuß wieder zu. Als das leise Klicken des Schlosses in dem kleinen Zimmer ertönt schreckt der Mann in seinem Bett zusammen und schaut ihn überrascht mit großen grünen Augen an.
'Oh Gott sind die Augen schön,' zuckt der Gedanke unerwartet durch seinen Kopf und Jan schluckt unbemerkt hart.
„ Entschuldige. Ich wollte dich nicht erschrecken...“ sagt er dagegen laut.
„ Ich hab mir erlaubt, dir eine Kleinigkeit zum Essen zumachen,“ lächelt er entschuldigend und tritt von der Seite an die Bettkante heran. Da ertönt die leise Stimme des Schwarzhaarigen.
„ Ich sollte mich entschuldigen, nicht du,“ nuschelt dieser vor sich hin. Jan, der gerade nach der Tasse greifen wollte, um sie ihm zu reichen, hält mitten in der Bewegung inne und sieht ihn verwundert an.
„ Warum solltest du das?“ Er versteht es wirklich nicht aber er soll seine Antwort umgehend erhalten.
„ Na, wie es scheint, belästige ich dich jetzt schon das zweite Mal... Ich sollte gehen.“ Noch während er spricht, macht er Anstalten, sich aus dem Bett zu erheben.
'Er will doch jetzt nicht wirklich einfach abhauen?' schießt es Jan schlagartig durch den Kopf. Das muss er unbedingt verhindern. Denn erstens ist der Schwarzhaarige gerade erst aus seinem Fieberschlaf erwacht und noch viel zu schwach, um jetzt zu gehen. Und zweitens drängt irgendwas Jan dazu, den Anderen näher kennenlernen zu wollen.
„ Kommt gar nicht in Frage! Du bleibst hier, bis es dir wieder besser geht,“ legt er deswegen entschlossen fest. Doch Dirk scheint davon nicht sonderlich beeindruckt zu sein.
„ Aber ich will dich nicht stören... Du hast doch sicher noch was besseres zu tun, als... dich mit mir... rum zu ärgern,“ kommt es noch immer recht leise von diesem. Jetzt reicht es Jan endgültig. Er schüttelt deutlich sichtbar den Kopf und reicht ihm endlich seine Tasse rüber.
„ Jetzt trinkst du erst einmal deinen Kaffee und isst eine Kleinigkeit. Über alles andere können wir auch später noch sprechen...“
Während der Kleinere den ersten zögerlichen Schluck nimmt, hadert Jan mit sich. Es gibt da eine Sache, die er gerne ansprechen würde, jedoch kann er nicht so recht einschätzen, wie Dirk darauf reagiert. Als sich aber ein Gähnen in ihm aufbaut gibt er sich einen Ruck und sagt was er denkt.
„ Hör mal... Ich würde gern etwas schlafen wollen und es ist mitten in der Nacht... aber... ich wollte eigentlich nicht schon wieder... auf der Couch schlafen...“
„ Dann schlaf ich dort, wenn du willst, dass ich unbedingt hier bleibe,“ wird er sofort vom Schwarzhaarigen unterbrochen. Gleichzeitig schlägt er die Decke zur Seite und will erneut aufstehen. Allerdings hält er schlagartig in der Bewegung inne, als sein Blick auf seine nackten Beine fällt und er wird leicht rot um die Nase. Jan folgt seinem Blick und kann sich augenblicklich denken was im Kopf des Schwarzhaarigen vor gehen muss.
„ Äh... Sorry... aber... ich wollte dich nicht in deinen Klamotten ins Bett packen.“ Dirk nickt nur. Jan hingegen ist die Sache schon verdammt peinlich. Aber was soll er machen? Außerdem war es ganz gut, dass er ihn soweit entkleidet hat. Sonst währen die Sachen jetzt vom Fieber völlig durchgeschwitzt und lägen nicht gewaschen im Bad.
Während Dirk wieder die Tasse zum Mund führt und erneut einige kleine Schlucke trinkt, beobachtet der Blonde ihn verstohlen aus dem Augenwinkel und muss sich eingestehen, dass ihm der Anblick sehr gefällt. Auch als sich der Kleinere nach dem Käsebrot ausstreckt und dabei sein T-Shirt etwas nach oben rutscht wendet Jan seinen Blick nicht ab, ist regelrecht gebannt von dem Stückchen nackter Haut. Erst als er ein scheinbar zufriedenes Seufzen hört, schaut er wieder hoch in das Gesicht und muss leise lachen, als er die geschlossenen Augen und den fast schon entspannten Ausdruck sieht. Allerdings bleibt Dirk das Lachen nicht verborgen und er richtet seine Aufmerksamkeit skeptisch auf den Blonden.
„ Was ist?“ kommt es verwundert von ihm und Jan's Lächeln wird noch etwas breiter und freundlicher.
„ Alles gut. Ich freu mich nur über deinen Appetit. Das hätte ich vor einer Stunde noch nicht erwartet. Das ist alles,“ freut sich Jan über die durchaus positive Entwicklung. Anschließend versinken beide wieder in ein Schweigen, das aber keineswegs unangenehm für den Blonden ist. Bis ihm plötzlich auffällt, dass es dem Anderen immer wieder die Augen zuzieht. Wie es aussieht braucht der Schwarzhaarige dringend noch etwas Schlaf, genau wie Jan selbst. Aus diesem Grund versucht er noch einmal das Thema von vor ein paar Minuten anzuschneiden. Auch wenn es ihm unangenehm ist.
„ Was ich vorhin eigentlich sagen wollte... Also ich würde schon gern ne Runde schlafen aber ich will dich auch nicht aufs Sofa verbannen... Also... wenn es dich nicht stört... aber auch nur dann... Wir könnten uns das Bett auch teilen.“ Scheiße, seit wann stottert er denn so rum? Dirk sieht ihn nur nichtssagend an aber zuckt dann nach einigen Momenten mit den Schultern und lässt sich in das Kissen sinken. Jan kann regelrecht verfolgen, wie die Augenlider des Kleineren zufallen und seine Atmung ruhiger und gleichmäßiger wird.
„ Ja, schlaf dich gesund, Dirk. Und lass dich von mir nicht stören,“ murmelt er vor sich hin, zieht die Decke bis über die schmalen Schultern hoch und steckt die an den Seiten etwas fest. Anschließend schiebt er das Tablett mit dem Geschirr etwas weiter auf dem Nachtschrank nach hinten, damit es nicht aus Versehen runter geworfen werden kann. Zum Schluss zieht er sich noch den Pulli und die Jogginghose aus, steigt vorsichtig über den Schlafenden und legt sich zwischen diesen und die Wand. Als er eine bequeme Position gefunden hat zieht er sich noch ein Stück von der Decke zu sich rüber und legt sie sich über den Hintern. Er schläft nur ganz selten komplett zugedeckt aber das Bisschen muss einfach sein. Egal ob er allein oder mit jemanden im Bett liegt. Noch ein paar Minuten denkt er über den vergangenen Tag nach, dann zieht es auch ihm die Augen zu. Die Aufregung fordert ihren Tribut, außerdem ist es auch schon kurz vor Mitternacht. Kurz wird er in Nacht noch einmal wach, weil er eine Bewegung wahrnimmt. Aber als sich die Matratze wieder beruhigt hat, schläft er weiter.
Gegen 8.00 Uhr am Morgen ist es dann aber wie immer mit dem schlafen bei ihm vorbei. Dirk liegt noch fest in die Decke gewickelt neben ihm und schläft entspannt. Beruhigt klettert Jan ein weiteres Mal über den Schlafenden, nimmt sich einige Klamotten aus dem Schrank und verlässt leise sein Schlafzimmer.
Der Blonde schafft es gerade so, sich zu duschen und für den Tag fertig zu machen, da klingelt im Wohnzimmer auch schon sein Handy. Ein schneller Blick auf das Display sagt ihm, dass genau die Person anruft, von der er es erwartet hat.
„ Morgen, Rod. Was gibt’s?“ begrüßt er seinen Partner.
„ Nichts. Ich wollte nur mal hören, ob bei euch beiden alles in Ordnung ist.“
„ Ja, soweit schon. Er ist gestern Abend noch zu sich gekommen... Er erinnert mich im übrigen sehr an dich,“ kichert Jan gutgelaunt.
„ Wie soll ich das denn jetzt bitte verstehen?“ Rod klingt etwas pikiert.
„ Naja, das erste Getränk, nach dem er gefragt hat, war Kaffee.“ Jetzt lacht Jan richtig.
„ Na da bin ich ja beruhigt... Du hör mal Jan. ich wollte da noch eine Sache mit dir besprechen. Hast du was dagegen, wenn ich später bei dir vorbei komme?“
„ Nee, kein Problem. Ich bin auf jeden Fall Zuhause.“
„ Dann würde ich sagen, so in zwei Stunden?“
„ Das klingt gut. Bis dann.“
„ Bis später Jan.“
Der Blonde legt sein Handy auf den Tisch vor der Couch und schlendert in die Küche.
'Dann kann der Tag ja jetzt losgehen.'
Nachdem er sich seinen Lieblings-Morgentee aufgebrüht hat schmiert er sich zwei Brote und verspeist sie noch im stehen. Als er gerade alles wieder wegräumen will entschließt er sich spontan noch mal etwas für seinen Patienten vorzubereiten. 15 Minuten später trägt er ein weiteres Tablett in Richtung seines Schlafzimmers. Leise öffnet er die Tür und tritt ein.
Als sein Blick auf die schlafende Gestalt in seinem Bett fällt, bemerkt er ein weiteres Mal, wie sehr ihm dieser Anblick doch gefällt. Er könnte sich wirklich daran gewöhnen, den Schwarzhaarigen täglich mit einem Frühstück im Bett zu wecken. Vorsichtig stellt er das Tablett mit dem Teller, einer Tasse und einer Thermoskanne mit Kaffee auf dem Nachttisch ab. Auch eine Schüssel mit kleingeschnittenem Obst hat Jan für den Kleineren vorbereitet. Anschließend bleibt er noch einige Momente stehen und beobachtet Dirk einfach beim Schlafen.
'Du benimmst dich wie ein irrer Stalker!' schießt es ihm durch den Kopf aber dennoch kann er ein kleines Lächeln nicht verhindern. Mit diesem auf den Lippen dreht er sich um und verlässt genauso leise den Raum wieder, wie er ihn betreten hat.
Da Jan noch Zeit hat, bis Rod eintreffen wird, setzt er sich in sein Arbeitszimmer und beginnt sich durch die lästige Büroarbeit zu quälen.
'Scheiß Finanzamt,' kommt ihm dabei immer wieder in den Sinn, als er die ganzen Zahlen vor sich hat. Aber schnell ist er so versunken, dass er gar nicht bemerkt wie die Zeit voranschreitet. Erst als sein Handy nach 1 ½ Stunden leise piept zuckt er erschrocken zusammen. Er hatte Rod, bevor er mit dem Papierkram angefangen hat noch eine Nachricht geschickt, dass er nicht klingeln solle, wenn er da ist, damit Dirk nicht davon geweckt wird. Und zu seiner Freude hat sich der Dunkelhaarige daran gehalten.
Jan stemmt sich aus dem Sessel hoch und drückt im Flur den Türöffner um seinen Partner reinzulassen.
„ Und wie geht’s ihm?“ ist die erste Frage des Chilenen, als dieser durch die Tür in den Eingangsbereich tritt.
„ Ich glaube besser. Wesentlich besser. Er schläft noch... Lass uns ins Wohnzimmer gehen. Da hab ich dir auch schon deinen Kaffee hingestellt,“ antwortet der Blonde lächelnd.
„ Selbst keinen Kaffee trinken aber immer welchen für mich da haben. Das ist ein wahrer Freund,“ lacht Rod und tritt nach Jan in das erwähnte Zimmer. Beim Schließer der Tür ist der Dunkelhaarige dann aber nicht ganz so aufmerksam und tritt sie mit einem lauten Knall ins Schloss.
„ Rod!“ kommt es prompt ermahnend von Jan.
„ Entschuldige...“
„ Schon gut. Also, was wolltest du mit mir besprechen?“ lenkt Jan das Thema auf den frühen Besuch seines Partners.
„ Wie sag ich das jetzt am besten, ohne dass du sauer auf mich wirst?“
„ Mit Worten wäre ein gut Idee, Rod. Du weißt, dass du über alles mit mir reden kannst. Also, raus mit der Sprache,“ fordert der Größere jetzt eindringlich.
„ Max!“
„ Was ist mit ihm?“ wundert sich Jan über die kurze Aussage.
„ Das Ding steht ungenutzt in der Garage, frisst Steuern und Versicherungen und wird doch nicht bewegt, weil alles Mögliche daran nicht funktioniert,“ wird Rod etwas genauer. Jan nickt verstehend, verzieht aber dennoch etwas mürrisch das Gesicht bevor er antwortet.
„ Das weiß ich doch alles. Aber ich häng halt an ihm.“
„ Und das weiß ich wiederum. Aber trotzdem stört es... Jan, wir haben doch schon so oft darüber gesprochen. Du kannst den Wagen noch nicht mal von der Steuer absetzen, weil du ihn nicht geschäftlich nutzt.“
Während Rod von seinem Kaffee trinkt denkt Jan über das Problem weiter nach. Das Wagen, um den es geht, ist ein Erbstück und er verbindet damit viele schöne Erinnerungen. Aber sein Partner hat auch mit seinen Argumenten recht. Der alte Geländewagen braucht mehr als nur ein paar kleinere Reparaturen. Er braucht eine komplette Restauration. Angefangen bei der Rostbekämpfung, über den Austausch sämtlicher Betriebsstoffe bis hin zur vollständigen Erneuerung der Bremsanlage, denn die hat null Funktion und hat Jan schon einmal fast das Leben gekostet. Und dabei hatten sie zu diesem Zeitpunkt den Wagen nur in die Garage schieben wollen. Nur konnten sie ihn nicht mehr stoppen und er hätte Jan fast an der Wand zerquetscht. Ruckartig erhebt sich der Größere aus seinem Sessel und geht in Richtung Tür.
„ Ich hol mir noch einen Tee,“ erklärt Jan sein Handeln und Rod folgt ihm ungefragt. Denn der Chilene sieht gerade nicht ein, das Thema hier zu beenden und redet weiter auf Jan ein.
„ Du musst ihn unbedingt los werden, Jan,“ meint er als sie in den Flur treten.
„ Das weiß ich selbst, Rod. Aber das ist leichter gesagt als getan,“ kontert Jan etwas kleinlauter.
„ Im Ernst, Jan. Der ist doch völlig kaputt und wird dich nur unnötig Zeit und Geld kosten. Von deiner Gesundheit will ich da gar nicht erst anfangen,“ bleibt sein Partner stur als sie in die Küche kommen. Dort bereitet Jan seinen Tee vor und schaltet den Wasserkocher ein, während Rod an der Wand neben der offenen Tür lehnt und ihn aufmerksam beobachtet. Er sieht es nicht ein, heute bei diesem Thema nachzugeben und das fällt auch Jan langsam auf.
„ Ich werde ihn so bald wie möglich rausschmeißen. Aber im Moment stört er mich nicht,“ versucht er ein weiteres Mal sein Glück aber der Dunkelhaarige bleibt hart.
„ Natürlich stört er. Er nimmt wertvollen Platz weg, den wir viel besser nutzen könnten.“ Der große Blonde seufzt tief auf und lässt die Schultern hängen. Er weiß, wann er sich geschlagen geben muss.
„ Schon gut. Du hast gewonnen. Ich werde mich bis heute Abend darum kümmern, dass er verschwindet.“
„ Danke, Jan,“ lächelt Rod erleichtert. Angesprochener nickt nur, gießt das Wasser über den Teebeutel und greift nach der Tasse.
„ Ja klar. Und jetzt beweg deinen Arsch ins Arbeitszimmer, ich will da weiter machen, wo ich stehen geblieben bin,“ lacht Jan jetzt auf und schiebt den Anderen vor sich her in den angrenzenden Raum. Die Tür fällt ins Schloss und Rod dreht sich zu ihm um.
„ Du kannst ja den alten Karren ans Museum spenden,“ kichert er und lässt sich in einen der beiden Bürostühle fallen.
„ So und was hast du jetzt noch vor?“ fragt er dann wieder ernst nach.
„ Abrechnungen, mein Freund. Das Finanzamt drängelt sonst wieder. Und ich hab keinen Bock, das alles allein zu machen,“ gibt der Blonde zurück und nippt an seinem noch heißen Tee.
„ Scheiße, ich hab den Honig vergessen... bin gleich wieder da. Du kannst inzwischen ja mit der Quartalsabrechnung beginnen.“
Jan verschwindet durch dir Tür, allerdings kann Rod keine Zehn Sekunden später einen lauten Fluch hören.
„ Scheiße, nicht schon wieder!... Rod komm schnell, Dirk ist verschwunden.“
Augenblicklich springt der Chilene auf und folgt seinem Partner. Der steht im Flur und hat sich bereits die Schuh angezogen und ist eben dabei, Handy und Schlüssel in die Hosentasche zu stopfen.
„ Jan, langsam. Bist du sicher, dass er weg ist?“
„ Seine Klamotten sind weg und die Wohnungstür stand offen als ich aus dem Arbeitszimmer kam. Also ja, ich bin mir sicher,“ knurrt Jan und stürzt zur Tür raus, Rod hinter ihm her.
Kaum auf der Straße angekommen nutzt Jan seine Größe von über 1.90m und blickt sich auf Zehenspitzen stehend um. Mit Erfolg.
An der nächsten Straßenkreuzung kann er den Schwarzhaarigen erkennen, wie er sich langsam aber scheinbar zielstrebig vorwärts bewegt oder eher schleppt. Jan kann deutlich sehen, dass Dirk Probleme hat, sicher geradeaus zu gehen.
„ Hey Dirk, warte doch mal,“ ruft er dem Anderen hinterher aber der bleibt nicht stehen sondern geht stur weiter und biegt um die Ecke.
„ Was ist Jan? Hast du ihn gefunden?“ fragt Rod neben ihm angekommen.
„ Ja und ich bin mir sicher, dass er mich auch gehört hat... Verdammt, Rod! Ich muss ihm hinterher. Es kann doch nicht sein, dass er schon wieder einfach verschwindet. Ich will wissen, was mit ihm los ist.“
Noch während er spricht setzt sich der Große auch schon wieder in Bewegung, erneut mit Rod dicht auf den Fersen.
„ Sag mal Jan, kann es sein, dass du was von ihm willst?“
„ Man Rod! Muss das ausgerechnet jetzt sein? Können wir bitte darüber reden, wenn ich mit ihm gesprochen hab?“ grummelt der Blonde leicht gereizt und geht mit eiligen Schritten einfach weiter. Sein Partner sagt erst einmal nichts weiter dazu aber er spürt auch, dass sich Jan große Sorgen um den Kleineren macht. Gemeinsam schlängeln sie sich so schnell es möglich ist durch die anderen Passanten.
An der Kreuzung angekommen biegen die Beiden um die Ecke und bleiben augenblicklich wie erstarrt stehen. Den zwei Fotografen bietet sich ein erschreckendes Bild. Dirk liegt auf dem Boden, hat die Arme schützend um seinen Kopf geschlungen, während ein anderer Mann immer wieder auf ihn eintritt.
Noch ehe Jan wieder klar denken kann hat schon sein Körper die Kontrolle über sein Handeln übernommen. Seine Hand wandert in die Hosentasche, zieht das Handy hervor und wählt die 110.
In dem Moment, als er sich das kleine Gerät ans Ohr hält, stürzt Rod nach vorn und packt den Schläger am Arm. Mit Schwung zieht er ihn von Dirk weg und dreht ihm schmerzhaft den Arm auf den Rücken, um ihn zu fixieren.
„ Sie haben den Notruf gewählt. Was kann ich für sie tun?“ tönt es aus dem Mobilphone ans Jan's Ohr und der Blonde muss sich kurz sammeln.
„ Jan Vetter hier. Ich bin gerade Zeuge eines gewaltsamen Überfalls auf einen jungen Mann geworden.“
„ Wo befinden sie sich gerade?“ fragt die junge Frau am anderen Ende der Leitung.
„ In der Berliner Innenstadt, in der Schlüterstraße.“
„ Ist jemand verletzt?“
„ Ja, auf jeden Fall. Mein Partner hat den Täter aber schon vom Opfer getrennt und fixiert ihn gerade. Es wäre schön, wenn schnell jemand hier auftauchen könnte,“ bittet der Blonde eindringlich.
„ Sie haben Glück, Herr Vetter. Sowohl eine Polizeistreife als auch ein RTW sind nur wenige Straßen von ihrer genannten Position entfernt und schon auf dem Weg zu ihnen. Sie sollten in etwa zwei Minuten eintreffen,“ informiert ihn die Frau sachlich.
„ Danke, das ist sehr gut.“
„ Halten sie bitte nach den Uniformierten Ausschau und machen sie sich bemerkbar, wenn sie sie sehen. Sie können jetzt auch auflegen.“
Jan trennt die Verbindung und sieht sich erst einmal nach Rod um. Der hält den Dunkelblonden noch immer fest im Griff und drückt ihn jetzt gegen eine Hauswand. In dem Moment, als dieser den Kopf dreht, um etwas zu Rod zu sagen, erkennt Jan ihn als den Mann wieder, der Dirk auch schon auf dem Friedhof überfallen hat. Es ist der Kassierer aus dem Supermarkt, wegen dem sich Jan bei der Marktleitung beschwert hat.
„ … Sie bluten,“ ertönt plötzlich die Stimme einer älteren Frau in einiger Entfernung und Jan schaut sich suchend nach ihr um. Schnell hat er sie entdeckt. Die Dame hat ihre Hand auf den Arm von Dirk gelegt und schaut besorgt zu ihm auf. Jan's Blick wandert in das Gesicht des Schwarzhaarigen und er sieht, was die Frau gemeint hat. Dirk scheint starkes Nasenbluten zu haben, wahrscheinlich von einem harten Schlag auf die Nase.
Als sich ihre Blicke treffen zuckt der Kleinere sichtbar zusammen und es kommt Jan so vor, als könne er ein Art Enttäuschung und Verletztheit in den grünen Augen erkennen. Doch der Blickkontakt währt nicht lange. Ruckartig reißt sich Dirk von der Frau los, dreht sich weg und setzt sich schwankend wieder in Bewegung. Kurz verfolgt der Blonde die Schritte des Anderen und ihm wird klar, dass der junge Mann regelrecht vor ihm zu flüchten scheint.
„ Dirk, warte doch mal. Was ist denn los?“ ruft er ihm hinterher aber er bekommt keine Reaktion. Im Gegenteil scheint dieser eher noch schneller zu werden, bis er fast rennt. Jan will ihm gerade hinterher laufen, als er von einer fremden Person angesprochen wird.
„ Sind sie Herr Vetter? Der junge Mann dort drüben meinte, sie hätten den Notruf gewählt. Können sie uns sagen, was hier vorgefallen ist?“
Der Polizist, der an ihn heran getreten ist, mustert ihn eindringlich. Noch einen kurzen Augenblick setzt der Angesprochene die Beobachtung von Dirk fort, dann wendet er sich an den Uniformierten und erklärt ihm in kurzen schnellen Sätzen, was heute und auch schon ein paar Tage zuvor zwischen den beiden Anderen vorgefallen ist. Der Polizist hört ihm aufmerksam zu, nickt zwischendurch immer mal wieder und macht sich dabei fleißig Notizen.
Währenddessen trifft auch der Rettungswagen ein und ein anderer Polizist wird in Richtung Dirk geschickt.
„ Danke, Herr Vetter. Das deckt sich so ziemlich mit den Aussagen der anderen Zeugen und auch mit der von ihrem Geschäftspartner. Danke für ihren Anruf. Wir kümmern uns um alles weitere,“ bedankt sich der Beamte und wendet sich geschäftsmäßig an den Sanitäter. Die beiden Uniformierten unterhalten sich kurz und Jan kann hören, wie sie über mögliche Verletzungen bei Dirk sprechen. Aus dem Augenwinkel kann der Blonde beobachten, wie ein zweiter Polizist den Kleineren mit schwankenden Schritten langsam in ihre Richtung führt und ihn dabei sichtlich stützen muss. Kurz bevor sie sie erreichen können verabschiedet sich der erste Mann in Blau vom Sanitäter und Jan nutzt die Gelegenheit um ein paar Worte mit diesem zu wechseln.
„ Wenn sie Dirk gleich untersuchen, muss ich sie um etwas bitten. Er hatte letzte Nacht ziemlich hohes Fieber und sogar einen Fieberschock. Ich weiß aber nicht wie weit er sich davon schon wieder erholt hat, auch wenn ich mich so gut es ging um ihn gekümmert habe. Deshalb wäre es, glaube ich, auch wichtig, dass sie ihn auch darauf noch untersuchen,“ bittet er. Als er dann aber die Anwesenheit des Schwankenden neben sich spürt, dreht er sich zu ihm herum.
„ Mensch, Dirk. Alles gut? Warum bist du denn einfach abgehauen? Scheiße, was ist mit deiner Nase?...“ ist er über den körperlichen Zustand des Kleineren geschockt. Doch bevor er eine Antwort erhalten kann, drängt sich erneut der Polizist zwischen sie.
„ Ihre Aussage haben wir ja schon. Jetzt würde uns noch die Sichtweise des Geschädigten interessieren,“ ermahnt dieser ihn und schiebt sich an Jan vorbei in den Rettungswagen, in dem mittlerweile Dirk auf der Liege sitzt und teilnahmslos vor sich hin starrt. Während sich sowohl der Sani als auch der Polizist mit ihm beschäftigen, gesellt sich Jan wieder zu seinem Partner und dem zweiten Polizisten, die sich gerade angeregt miteinander unterhalten.
„ Hey Jan. Na hast du alles geklärt und deinen kleinen Privatpatienten ordnungsgemäß übergeben?“ grinst ihn der Dunkelhaarige an.
„ Aber natürlich. Was denkst du denn von mir?... Wie geht es jetzt weiter?“ wendet sich Jan anschließend an den Ordnungshüter.
„ Das hängt ganz von der Aussage ihres Freundes ab. Aber so wie die Lage im Moment aussieht, haben wir allein schon durch die Aussagen der Zeugen genug gegen den Täter in der Hand, dass wir ihn dem Haftrichter vorführen können,“ erklärt der leicht angegraute Beamte ernst.
„ Das wäre gut. Es ist nämlich nicht das erste Mal gewesen, dass er gegenüber Dirk handgreiflich geworden ist. Plus die verbalen Beleidigungen.“
„ Das haben wir auch schon gehört und das wird dem Richter auch genau so weiter gegeben werden.“
„ Das hört sich doch gut an. Oder etwa nicht Jan?“ ist Rod sehr positiv gestimmt. In dem Moment treten der Sanitäter und der erste Uniformierte nochmal an sie heran.
„ Wir würden dann jetzt zur weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus fahren. Wenn sie möchten, dann können sie uns in einem eigenen PKW folgen,“ informiert der Pfleger Jan. Der wirft nur einen kurz Blick zu Rod, der sofort verstehend nickt.
„ Es gibt da noch ein kleines Problem. Ich würde ihm gern ein paar Klamotten vorbeibringen... aber... ich kenn ihn eigentlich nicht so genau. Um ehrlich zu sein, sind wir uns erst drei Mal begegnet und ich kenn nur seinen Vornamen. Haben sie vielleicht eine Ahnung, wie ich an seinen Nachnamen und seine Adresse komme?“ wirft Jan etwas kleinlaut ein. Der Polizist zu seiner rechten nickt verstehend und fängt an in seinen Notizen zu blättern.
„ Ich denke, wir können in diesem Fall eine Ausnahme machen... Also sein vollständiger Name lautet Dirk Albert Felsenheimer und er wohnt in der Nieburhstraße. Das ist gleich hier um die Ecke,“ gibt der Ältere bereitwillig Auskunft.
„ Dann würde ich sagen, wir fahren schon mal los und sie kommen dann später einfach nach. Wir sagen am Empfang Bescheid, dass sie noch eintreffen werden, dann wird man sie zu ihm durchlassen,“ schlägt der Sani vor und erhält sowohl von Jan als auch von Rod ein bestätigendes Nicken.
Keine fünf Minuten später sind alle Einsatzfahrzeuge verschwunden und auch die Traube der Schaulustigen löst sich langsam auf.
„ Fahr ruhig heim, Rod. Ich hol schnell mein Rad und fahr selbst hin.“
„ Bist du sicher? Mit dem Auto geht es doch viel schneller und einfacher,“ wirft der Dunkelhaarige ein.
„ Das kann schon sein aber mit dem Rad bin ich wendiger... außerdem hab ich so die Chance noch etwas den Kopf frei zu bekommen.“
„ Dann melde dich wenigstens heute Abend noch mal bei mir. Ich will nämlich auch irgendwie wissen, wie es dem Kleinen geht.“
„ Mach ich. Danke für deine Unterstützung Rod,“ grinst Jan schief.
„ Das macht man halt so für Freunde... und die, die es noch werden könnten,“ zwinkerte der Dunkelhaarige ihm zu. Nach einer kurzen aber herzlichen Umarmung trennen sich die Wege der Beiden Fotografen erst einmal.
Ich hab eine kleine Rätselaufgabe an alle Leser und Leserinnen.
Wer meine Geschichte bis hierhin aufmerksam gelesen hat, dem werden die Titel der einzelnen Kapitel vielleicht aufgefallen sein.
Jeder Titel ist eine Textzeile aus einem Die Ärzte - Farin Urlaub - oder Bela B - Song.
Ihr könnt ja mal versuchen herauszubekommen aus welchen Liedern.
Noch ist es recht leicht gewesen aber es wird schwerer.
Am Ende der Geschichte werde ich eine Auflistung der Überschriften mit dem dazu gehörigen Songtitel setzen.
Ihr könnt mir in den Kommentaren ja eure Vermutungen schon mal mitteilen.
Bin gespannt, wer alle erkennt.
Liebe Grüße
Eure kleine Fledermaus