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Du sagst ihm nicht, was du fühlst

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Du sagst ihm nicht, was du fühlst

Hallo zusammen, da bin ich wieder.

Heute gibt es ein etwas kürzeres Kapitel.

Dennoch wünsche ich euch viel Spaß beim lesen.

Du sagst ihm nicht, was du fühlst

Schon vor einer kleinen Ewigkeit hat ihn das monotone Piepen geweckt. Auch die unangenehme Helligkeit jenseits seiner geschlossenen Augenlider hat er schnell registriert. Dazu noch der starke Geruch nach Desinfektionsmittel. Das alles zusammen in Kombination mit der Tatsache, dass das Bett in dem er liegt, definitiv weder sein eigenes noch das von Jan ist, sagt Dirk ganz deutlich, dass er im Krankenhaus ist. Doch warum, das ganze entzieht sich seiner Erinnerung bisher.

Dennoch weigert er sich standhaft die Augen zu öffnen. Er ist einfach noch nicht bereit sich der Realität zu stellen. Außerdem will er noch etwas länger das warme Gefühl auf seiner Brust genießen. Dort liegt etwas, das er zwar noch nicht so ganz zuordnen kann, sich aber trotzdem sehr angenehm anfühlt. Kurz bewegt sich das Etwas, streift über seinen Brustkorb. Sofort wird das Piepen lauter und schneller und die Berührung verschwindet.

Keine zehn Sekunden später hört er eine Tür auf und wieder zu gehen. Ein Schatten legt sich über sein Gesicht. Noch bevor Dirk weiß was los ist, wird eines seiner Augenlider angehoben und jemand leuchtet ihm direkt in sein Auge.

„ Na Herr Felsenheimer, wollen wir nicht mal die Augen aufmachen, wenn wir schon wach sind?“ vernimmt er eine weibliche, jung klingende Stimme, in der eindeutig ein Schmunzeln zu hören ist. Unwillig schüttelt er leicht den Kopf und brummt verneinend. Er will nur die warme Berührung auf seinem Körper zurück haben und einfach hier liegen bleiben, es noch etwas genießen, bevor ihn das wahre Leben wieder runter ziehen wird.

Aber die Person, die zu der Stimme gehört hat andere Pläne mit ihm. Kurz vernimmt er noch ein leises Flüstern, dann wieder die Tür und im Anschluss wird das Kopfteil seines Bettes um einige Zentimeter angehoben, bis er leicht aufrecht sitzt.

„ So wir sind allein. Ihr Freund ist erst einmal draußen. Was ist jetzt? Augen auf?“ Wieder dieses Schmunzeln.

'Moment!... Was?... Mein Freund?' Verwirrt öffnet Dirk nun doch langsam und vorsichtig die Augen, blinzelt ein paar Mal und blickt in das lächelnde Gesicht einer noch recht jungen Pflegerin. In ihren Augen kann er Zufriedenheit erkennen und einen leichten Rotschimmer auf ihren Wangen.

„ Guten Morgen Herr Felsenheimer. Schön sie endlich mal wach zu sehen. Ich bin Gabi und für ihr Zimmer auf dieser Station zuständig. Kann ich ihnen in irgendeiner Weise helfen? Haben sie Schmerzen oder Hunger und Durst?“ stellt sich die junge Rothaarige vor.

„ Langsam... bitte...“ nuschelt Dirk, seine Stimme klingt sehr kratzig, ganz so, als hätte er sie seit Tagen nicht mehr benutzt. Sofort hält Gabi ihm ein Glas Wasser entgegen, das er auch dankbar annimmt und sich etwas mehr im Bett aufsetzt. Nach einem großen Schluck, der seine Kehle beruhigt, setzt er erneut zum Sprechen an.

„ Bitte, eins nach dem anderen... Nein, keine Schmerzen... Hunger?... Nur etwas... Aber... mein... mein Freund?“

„ Ähm, ja?... der große Blonde?... Jörg, Jens?...“

„ Jan!?...“

„ Ja genau. Der war fast die ganze Zeit seit ihrer Einlieferung hier. Nur letzte Nacht war er mal für zwei oder drei Stunden weg, weil die Nachtschwester mit ihm Mitleid hatte. Sie meinte heute morgen, sie hätte ihn zum Schlafen nach Hause geschickt aber er war wohl nur kurz duschen und hat sich umgezogen. Ihre Sachen hat er auch schon in den Schrank geräumt,“ klärte sie den Schwarzhaarigen auf. Der verzieht verwundert das Gesicht, sitzt jetzt komplett aufrecht in seinem Bett.

„ Letzte Nacht?... Wie lang bin ich denn schon hier?“

Gabi schaut kurz auf ihre Armbanduhr und überlegt.

„ Wir haben es jetzt kurz vor 12.00 Uhr, also... ziemlich genau 23 Stunden.“

„ Oh“ ist alles was Dirk dazu einfällt.

„ Ich geh ihnen mal eine Kleinigkeit zum Essen holen. Soll ich ihren Freund wieder rein schicken?“

Kurz sieht der junge Mann zu ihr auf und zuckt dann aber nur mit den Schultern.

„ Er ist nicht mein Freund," murmelt er und bringt damit die Schwester zum Strahlen.

„ Ich bin gleich wieder da. Nicht wieder einschlafen. Bitte,“ lächelt sie noch einmal und verschwindet dann rasch aus dem Zimmer. Seufzend lässt sich der Schwarzhaarige wieder etwas tiefer in das Kissen sinken und schließt erschöpft die Augen.

Fünf Minuten später geht erneut die Tür auf, doch Dirk hat keine Lust die Augen wieder zu öffnen.

„ Stellen sie das Essen einfach hin. Wenn es möglich ist, dann würde ich es gern später essen,“ murmelt er nur leise vor sich hin. Er hört wie etwas im Zimmer bewegt wird, dann das Geräusch, als etwas Klapperndes abgestellt wird und anschließend noch das Verrutschen eines Stuhls. Danach kehrt wieder Ruhe ein.

Ein wenig verwundert darüber, dass die Schwester beim Verlassen des Raumes keine Geräusche gemacht hat, lässt ihn dann aber doch blinzeln.

Neben ihm auf dem Besucherstuhl sitzt Jan, mit übergeschlagenen Beinen und in ein Buch vertieft.

'Indien und Bhutan - Unterwegs 1' von Farin Urlaub kann der Schwarzhaarige auf dem Einband lesen. Er nimmt sich einige Augenblicke Zeit und studiert aufmerksam und neugierig das konzentrierte Gesicht des Blonden. Anscheinend ist dessen Lektüre sehr spannend und interessant, denn immer wieder bewegen sich die Augenbrauen. Mal wandern sie weit in den Haaransatz hinauf, dann wiederum werden sie tief ins Gesicht gezogen und es bildet sich eine steile Falte dazwischen. Besonders lustig findet es Dirk wenn sich die blonden Bauen unabhängig voneinander bewegen. Eine bleibt wo sie ist, während die andere im fransigen Pony verschwindet.

'Irgendwie ist das schon ganz niedlich.' Dirk ist von seinen eigenen Gedanken erstaunt aber er kann nicht leugnen, dass es genau so ist.

„ Bis ich so spannend anzusehen, dass du mich beobachten musst?“ murmelt Jan plötzlich, hat dabei aber ein freches Grinsen auf den Lippen als er das Buch sinken lässt. Ertappt senkt der Schwarzhaarige sofort seinen Blick auf seine Finger, die nun nervös an der Bettdecke knibbeln.

„ Entschuldige,“ flüstert er und versucht sich auf der Matratze so klein wie möglich zu machen.

„ Es gibt keinen Grund sich zu entschuldigen. Ich hatte jetzt schon genug Zeit, dich zu beobachten. Da hast du auch das gleiche Recht dazu,“ versucht ihn der Blonde zu beruhigen und legt das Buch auf den kleinen Nachtschrank, der zu Dirk's Bett gehört.

Für ein paar Minuten entsteht ein merkwürdiges Schweigen zwischen den beiden. Bis Dirk sich ein Herz fasst und tief Luft holt.

„ Die Schwester sagte, dass... dass du die ganze Nacht hier warst... Kannst du... mir sagen, wie ich hier her gekommen bin? Das letzte was ich noch weiß ist, dass ich auf Hans getroffen bin... Danach ist alles irgendwie so... verschwommen, schwarz?“ stottert er leise, vermeidet immer noch den Augenkontakt. Jan betrachte ihn einen Moment, stellt dann beide Füße auf den Boden und stützt die Ellenbogen auf den Knien ab, während er sich leicht nach vorn beugt.

„ Naja. Ich weiß nicht was vor unserem Eintreffen geschehen ist aber viel kann es eigentlich nicht gewesen sein, denn es dürften keine fünf Minuten vergangen sein, zwischen deinem Verschwinden aus meiner Wohnung und dem Moment, in dem ich er bemerkt hatte... Darüber würde ich auch gern noch mit dir reden wollen... Aber das können wir auch später noch machen...“

„ Ja... sorry deswegen,“ gibt Dirk leise zurück.

„ Ist ja jetzt auch erst einmal egal... Jedenfalls...“ und Jan schildert ihm die Ereignisse aus seiner Sicht, bis zu dem Moment, als der Rettungswagen mit dem Schwarzhaarigen an Bord losgefahren ist.

„ ... Anschließend hat Rod mich wieder bei mir Zuhause abgesetzt, ich hab mein Rad geholt und bin dann zu dir nach Hause, um für dich ein paar Sachen zusammenzupacken,“ beendet er seinen Bericht.

„ Und danach bist du einfach hier geblieben?...“ fragt der Liegende nach.

„ Ja,“ ist die schlichte Antwort des Größeren. Dirk nickt, runzelt jedoch deutlich verwundert die Stirn und sieht endlich wieder zu seinem Gegenüber auf.

„ … Warum?“

Jan zuckt mit den Schultern bevor er antwortet.

„ Ich weiß nicht genau...“ ist er ehrlich und spricht dann doch noch mal weiter.

„ Ich glaube dafür gibt es verschiedene Gründe... Ich wollte wohl sicher gehen, dass mit dir alles soweit in Ordnung ist. Du hast ganz schön was abbekommen bei der Schlägerei. Dazu noch dein Fieber vom Tag davor. Ich hab mir Sorgen gemacht. Dann wollte ich von dir wissen, warum du schon wieder einfach heimlich aus meiner Wohnung verschwunden bist. Dafür muss es doch einen vernünftigen Grund geben und den würde ich gern von dir erfahren... Und zum Schluss... naja... Ich... Ich mag dich... Irgendwie... Ich würde mich freuen, wenn... ich dich etwas näher kennenlernen könnte...“ gibt der Blonde etwas schüchtern zu und beendet damit seine Aufzählung.

„ Oh... Okay?!...“ ist die simple Reaktion. Und wieder legt sich Schweigen über die beiden jungen Männer. Doch dieses Mal, weil beide in ihren eigenen Gedanken versunken sind.

„ Wer ist eigentlich dieser Rod?“ fällt Dirk da mit einem Mal ein.

„ Was? Achso Rod, also eher Rodrigo. Er ist mein Partner und mein bester Freund seit... hm im Prinzip schon immer,“ erklärt Jan frei heraus, bis er den merkwürdigen Gesichtsausdruck von Dirk bemerkt.

„ Nein, nicht so wie du jetzt vielleicht denkst. Rod ist mein bester Freund seit er damals als Kind ins gleiche Haus gezogen ist und er ist schon seit einigen Jahren mein Geschäftspartner. Wir haben ein kleines Fotostudio zusammen.“

„ Deshalb auch das Buch über Fotografie? Beruf kein Hobby.“

„ Hobby zum Beruf gemacht trieft es in diesem Fall wohl am ehesten,“ grinst der Blonde jetzt und entlockt damit auch Dirk ein ganz kleines Lächeln.

„ Dachtest du er ist mein fester Freund?“ Aus dem Grinsen wird jetzt ein herzliches und warmes Lachen. Doch schnell wird der Große wieder ernst.

„ Aber nochmal zurück zum Thema... Also... Sorry aber ich muss das jetzt einfach fragen... Warum bist du abgehauen?... Schon wieder?“

Erschrocken zuckt der Kleiner zusammen. Wie soll er ihm das nur erklären? Er könnte ihm die Wahrheit natürlich einfach entgegen brüllen, immerhin wollte der Blonde ihn so schnell wie nur möglich aus seinem Lebern schmeißen.

„ Du musst natürlich nicht darauf antworten. Das ist ganz allein deine Sache... Nur... Es interessiert mich eben,“ fügt Jan noch schnell an, um ein wenig Druck aus der Frage zu nehmen. Aber das ändert leider nichts mehr an der Anspannung, die von Dirk's Körper Besitz ergriffen hat. Unruhig rutsch dieser auf seiner Matratze hin und her, ganz so , als wolle er den Abstand zum Blonden so weit es geht vergrößern ohne gleich aus dem Bett zu fallen. Doch zu Dirk's Rettung geht genau in diesem Augenblick die Tür auf und eine Gruppe Männer allen Alters betritt den Raum.

„ Guten Tag Herr Felsenheimer. Mein Name ist Dr. Schmitke, ich bin der zuständiger Stationsarzt. Das sind meine Kollegen Dr. Thomsen und unser Assistenzarzt Geyer. Schön sie in wachem Zustand anzutreffen, nachdem sie zur Morgenvisite noch nicht wieder ansprechbar waren,“ stellt der Älteste der drei sie alle vor. Dann wendet er sich an Jan.

„ Herr Vetter, wenn ich sie bitten dürfte, für die Dauer der Untersuchung draußen zu warten? Sobald wir fertig sind können sie wieder zu ihrem Freund.“

Dirk will eben widersprechen, holt schon tief Luft um das Missverständnis aufzuklären, da erhebt sich der Größe aus seinem Stuhl und geht in langen Schritten auf die noch immer offene Tür zu.

„ Kein Problem, Doktor. Ich hol mir in der Zwischenzeit einen Tee in der Cafeteria.“ Er lässt den Schwarzhaarigen erst gar nicht zu Wort kommen und die Tür fällt leise hinter ihm ins Schloss.

„ So Herr Felsenheimer. Also eine kurze Bestandsaufnahme. Ihr Fieber ist über Nacht vollständig verschwunden, es war allem Anschein nach eine mittelschwere Grippe. Ihre Rippen hatten wir gestern bei ihrer Einlieferung schon geröntgt, gemeinsam mit ihrem Kopf. Es kam zum Glück zu keinerlei Frakturen durch die Tritte und Schläge. Die 3. und 4. Rippe haben nur eine fiese Prellung abbekommen. Auch ihre Nase ist nicht gebrochen aber die Schwellung und die Verfärbung wird sie noch einige Tage begleiten. Ansonsten sehen ihre restlichen Werte für uns soweit in Ordnung aus. Dennoch werden wir sie noch bis morgen Nachmittag zur Kontrolle hier behalten Einfach zur Sicherheit. Ihr Freund hat ihnen ja zum Glück schon einige Sachen  vorbeigebracht. So, das wäre es erst einmal von unserer Seite. Haben sie noch irgendwelche Fragen?“

Von den vielen Worten in so kurzer Zeit ist der Schwarzhaarige etwas durcheinander aber da er soweit alles verstanden hat schüttelt er nur lächelnd den Kopf. Das wichtigste ist für ihn ohnehin die Information, dass er bereits morgen wieder entlassen werden könnte. Dirk hasst Krankenhäuser einfach.

„ Gut, wenn es von ihnen keine Einwände gibt, würde ich sagen, wir verabschieden uns erst einmal wieder und wir sehen uns morgen früh nochmal.“

Mit einem Nicken der beiden anderen Medizinern verlässt die Gruppe rund um Dr. Schmitke das Zimmer wieder und der Schwarzhaarige bleibt mit seinen Gedanken allen zurück.

Eigentlich kann er sich, nach der Drohung von Hans wirklich glücklich schätzen, dass er so glimpflich davon gekommen ist. Was wohl mit dem jetzt passiert? Nachdem was Jan vorhin erzählt hat, sitzt Hans auf jeden Fall erst einmal hinter Gittern. Zumindest vorerst.

Apropos Jan.

War der für das warme Gefühl auf seiner Brust verantwortlich, als er aufgewacht ist? Zumindest hatte es sich wie eine Hand angefühlt, die ihn gestreichelt hat. Aber was bedeutet das jetzt für ihn, Dirk? Das viele Nachdenken beschert ihm allerdings Kopfschmerzen. Davon genervt sucht der Schwarzhaarige den Rufknopf für die Schwester und drückt ihn. Es dauert auch keine Minute, da taucht Gabi mit einem Lächeln auf den Lippen bei ihm im Zimmer auf.

„ Herr Felsenheimer, was kann ich für sie tun?“

Bitte, nennen sie mich Dirk. Herr Felsenheimer ist mein Vater und der will schon seit Jahren nichts mehr von mir wissen,“ legt er fest.

„ Ok, Dirk. Was gibt’s? Irgendwelche Schmerzen oder doch noch Hunger...Sie haben ja noch gar nichts gegessen. Das ist nicht gut. Sie müssen was essen, das ist wichtig,“ ermahnt sie den Patienten, nachdem sie einen Blick auf das noch immer volle Tablett geworfen hat.

„ Ja. Ich bin nur noch nicht dazu gekommen. Aber jetzt bräuchte ich erst einmal was gegen Kopfschmerzen. Bitte.“

„ Natürlich. Ich bring gleich was her,“ lächelt die junge Frau und rauscht auch schon wieder aus dem Zimmer. Doch so schnell wie sie verschwunden ist, kommt sie auch zurück und drückt ihm eine kleine weiße Tablette in die Hand.

Anschließend bleibt sie etwas nervös neben seinem Bett stehen, tappt von einem Fuß auf den anderen. Dirk wirf ihr, nachdem er das Medikament geschluckt hat, einen irritierten Blick zu, bis er es nicht mehr aushält.

„ Ist noch was?“ fragt er schließlich nach.

„ Naja... ich... Ich hab gehört, dass... dass du morgen wieder entlassen werden könntest?...“

Fragend zieht der Schwarzhaarige eine Augenbraue hoch. Wann genau war eigentlich der Moment, an dem sie zum Du übergegangen ist?

„ Ich wollte fragen, ob... ob wir mal... zusammen ausgehen wollen?“ stottert Gabi mit hochrotem Kopf und entlockt Dirk damit ein ehrliches Lächeln.

„ Du bist süß,“ kichert er doch tatsächlich.

„ Aber es würde beim Ausgehen bleiben. Mehr würde da nicht laufen,“ ergänzt er noch.

„ Zu jung?“ wundert sich die Schwester und der Ältere streckt die Hand nach ihr aus. Gabi ergreift sie und wird mit einem festen Ruck zu ihm auf's Bett gezogen. Dort bringt er seine Lippen ganz nahe an ihr Ohr heran.

„ Zu viel Brust und zu wenig Schwanz für mich,“ schmunzelt Dirk und lässt sie wieder los.

„ Außerdem steh ich mehr auf Blondienen. Sorry,“ gibt er noch zu.

„ Oh, Okay, da kann ich dann wirklich nicht mithalten,“ zuckt sie mit den Schultern und lacht nun auch.

„ Dann werd ich mal wieder an die Arbeit gehen. Und du isst jetzt endlich mal was. Sonst muss ich noch dem Doc Bescheid sagen,“ wird sie noch mal streng. Dann dreht sie sich zur Tür und geht. Kurz bevor die ins Schloss fallen kann, hört Dirk noch ein leises: „ Oh, Entschuldigung,“ dann ist Ruhe im Raum.

Wie befohlen macht er sich über sein Essen her. Auch wenn ihm eine Currywurst mit Pommes lieber gewesen wäre, verputzt er die zwei Scheiben Vollkornbrot mit Wurst und Käse und leert anschließend noch die Tasse mit dem inzwischen kalten Kaffee.

Nach einer halben Stunde fällt ihm auf, dass die Tablette scheinbar gewirkt hat. Seine Kopfschmerzen sind verschwunden, selbst das leichte Pochen in Nase und Rippen ist weg. Erschöpft lässt sich der Schwarzhaarige ins Kissen sinken, stellt noch schnell das Kopfteil des Bettes etwas flacher ein und schießt die Augen. Die vielen Gespräche, die Aufregung und das ganze Grübeln hat ihn müde gemacht.

Aber schlafen kann er nicht, deshalb döst er nur etwas vor sich hin, bekommt aber dennoch alles mit, was um ihn herum vor sich geht.

So entgeht ihm auch nicht, dass sich nach einiger Zeit erneut die Tür öffnet und sich jemand neben ihn setzt. Dirk braucht nicht lange überlegen, wer das sein könnte aber er weigert sich weiterhin die Augen zu öffnen. Lieber tut er so, als würde er schlafen. Er hat jetzt weder die Lust noch die Kraft dazu, sich mit Jan auseinander zu setzen. Zumal dieser ja immer noch eine Antwort auf seine Frage von ihm erwartet. Nur weiß er nicht, ob er dem Blonden diese auch beantworten will.

Aber Jan startet auch keinen Versuch ihn anzusprechen.

'Wahrscheinlich liest er wieder in seinem Buch,' geht es Dirk durch den Kopf. Es vergeht sicher eine Stunde, dann dreht sich der Liegende auf die Seite und streckt einen Arm aus, lässt ihn achtlos über die Bettkante hängen. Bis zu diesem Zeitpunkt herrscht in dem Raum Stille und auch danach kehrt erst einmal wieder Ruhe ein. Die wird nur durch das gelegentliche Umblättern der Buchseiten unterbrochen.

Als eine weitere Stunde später das Buch hörbar bei Seite gelegt und der Stuhl geruckt wird, geht Dirk schon davon aus, dass es dem Größeren einfach zu langweilig wird, hier nur herumzusitzen und er nun gehen will. Doch darin soll er sich gewaltig irren.

Erschrocken zuckt er leicht zusammen, als er plötzlich eine ganz leicht, fast schon hauchzarte Berührung an seinem Oberarm wahrnimmt. Es kommt ihm so vor, als würde Jan mit den Fingerspitzen über das dortige Tattoo fahren. Immer weiter hoch in Richtung Schulter wandern die Finger. Dort angekommen verschwinden sie und werden durch etwas anderes ersetzt. Noch immer trau sich Dirk nicht die Augen zu öffnen.

'Hat Jan mir gerade einen Kuss auf die Schulter gegeben?' fragt er sich im Stillen.

Als nächstes spürt er warmen Atem an seinem Ohr, der ihm eine Gänsehaut am gesamten Körper beschert.

„ Ich weiß nicht, ob du mich hörst oder nicht. Aber ich werde dich jetzt alleine lassen und nach Hause gehen. Ich will dich nicht zu sehr bedrängen, deswegen werde ich auch morgen nicht wieder her kommen. Dennoch würde ich dich gern näher kennenlernen wollen. Falls du auch Interesse daran hast, dann weißt du ja wo ich wohne. Komm vorbei, wann immer du willst. Deinen Schlüssel hab ich in den Schrank gelegt... Sollten wir uns aber nicht mehr wiedersehen, dann wünsch ich dir alles gute und diese Worte sind dann wohl mein Abschied an dich... Lebwohl Dirk,“ flüstert der Blonde und entfernt sich wieder von ihm.

Kurz darauf fällt die Tür leise ins Schloss. Jetzt ist Dirk wirklich allein. Bis vor wenigen Minuten konnte er sich noch einreden, dass zumindest ein Person in diesem riesigen Haus ist, die ein ernsthaftes Interesse an ihm hat und sich Sorgen um ihn macht. Auch wenn die Person in der Cafeteria, im Garten oder auf dem Klo ist. Schwester Gabi zählt er bewusst nicht mit, denn die will scheinbar auch nur mit ihm ins Bett, auch wenn er sich geschmeichelt fühlt. Aber jetzt, da Jan fort ist, hat er niemanden mehr. Der Gedanke legt sich so schwer auf sein Gemüt, dass ihm wieder einmal eiskalt wird.

Hätte er doch etwas sagen sollen? Er mag den großen Blonden doch. Wenn er ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann mag er ihn sogar sehr.  Vielleicht hätten sie es ja klären können, wenn Dirk den Mut dazu gehabt hätte, seine Ängste anzusprechen. Aber Jan wollte ihn doch los werden!? Das hat der Schwarzhaarige doch selbst gehört. Daran gibt es einfach keinen Zweifel. Aber vielleicht hätten sie auch darüber reden können. Immerhin wurde Jan doch von diesem Rod dazu gedrängt, dass er ihn loswerden solle. Also was sollte das dann eben? Wenn Dirk so darüber nachdenkt, dann ist die ganze Fluch aus Jan's Wohnung nur die Schuld des anderen Mannes, der ihn noch nicht einmal kennt.

All diese Überlegungen bringen ihn nicht ein Stück weiter und sie vertreiben auch nicht die Kälte, die sich immer mehr in seinem Inneren ausbreitet.

Ich sagte ja bereits, es ist etwas kürzer aber was soll man auch großartig schreiben, wenn der Protagonist nicht bei Bewusstsein ist und die Szenen aus seiner Sicht geschrieben sind.

Das kommende wird auf jeden Fall um einiges länger.

Ich kann noch nicht genau sagen, ob es nächste Woche schon das neue Kapitel geben wird: Herbstferien und die Kinder wollen beschäftigt werden.

Aber es wird auf jeden Fall mit der Geschichte weiter gehen.

Immerhin bin ich inzwischen, zumindest auf dem Papier, mit dem letzten Kapitel fast fertig.

Ich wünsche euch noch einige schöne sonnige Tage und bis demnächst.

Eure kleine Fledermaus.