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Like I was up there just to watch

The Art Of Unbecoming — www.fanfiktion.de · All chapters

Like I was up there just to watch

Hallo ihr Lieben,

ich habe mich die letzten Tage so ins Zeug gelegt, dass ich 1. nur noch 2 Kapitel zu schreiben habe, bevor diese Story schon wieder beendet ist (Nein, hochladen wird länger dauern :P ) und 2. eine kleine Sehnenscheiden-Entzündung habe vom vielen Schreiben. Aber was tut man nicht alles, wenn die Ideen aus dem Kopf raus wollen. Also Handgelenk tapen und weiter geht's bis es nicht mehr geht :D

Ich mach es ja super gerne, dass ich Teile von Szenen aus den Filmen/Serien in meinen Geschichten unterbringe und in einen neuen Kontext rücke. Das ist so ein Kapitel. Also ich hoffe, ihr seid nicht verwirrt und es gefällt euch. Wenn es euch zu viel ist, schreibt es mir aber auch gerne, denn auch das möchte ich wissen und nur damit kann ich mich verbessern :)

Viel Spaß.

Eure Grace

=✪=

Kapitel 3 – Like I was up there just to watch

Nach seiner Flucht aus dem Hausflur wusste Bucky nicht wohin. Zuerst wollte er einfach nur weg, an einen ruhigen Ort, an dem er nachdenken konnte; an dem keine Schatten an den Wänden tanzten und besagte Wände immer näher zu kommen schienen. Die Hände in den Jackentaschen vergraben, überließ er es blind seinen Füßen, den richtigen Weg zu finden.

Sie fanden den Weg zum Gemeindehaus, in dem die anonymen Meetings der Veteranen stattfanden. Er war erst drei Mal hier gewesen, hatte noch nie etwas gesagt, und sich trotzdem nirgendwo mehr verstanden gefühlt. Es war nicht verwunderlich, dass sein Unterbewusstsein in hierherbrachte, auch wenn es schon fast zu spät war – das Gruppentreffen war in ein paar Minuten zu Ende.

Er zögerte einen Moment, bevor er leise die Eingangstür öffnete und den Gang hinunterschlich. Die Stimmen waren bereits zu hören, standen die Doppeltüren zur Halle schließlich offen – für jeden zugänglich, der den Mut aufbringen konnte, herzukommen.

„Ich glaube, es wird schlimmer“, hörte er eine Frau sagen, die auch die letzten Male ihre Geschichte und Gefühle mit den anderen geteilt hatte.

Bucky wusste nicht, wie sie hieß. Das war hier nicht wichtig. Aber er erkannte ihre Stimme.

„Letzte Woche hat mich ein Polizist angehalten. Er dachte, ich sei betrunken. Ich bin einer Plastiktüte ausgewichen, weil ich sie für eine Sprengfalle hielt“, erzählte sie.

Es war eine kleine Gruppe, doch genau deswegen hatte Bucky sich bei seinem ersten Versuch so wohl gefühlt.

Er hatte sich in die letzte Reihe gesetzt und hatte den Kopf gesenkt gehalten, hatte das Gesicht unter seiner Baseballcap versteckt, um nicht aufzufallen. Keiner hatte sich für ihn interessiert, als hätten sie gemerkt, dass er nicht bereit war, sich der Gruppe vorzustellen.

Leise, um die anderen nicht zu stören, lehnte er sich mit vor der Brust verschränkten Armen an den Türrahmen.

„Manches lassen wir dort, aber manches bringen wir mit hier her“, sprach Sam nach der Frau.

Er stand am Rednerpult vor der Gruppe. Es gab ihm einen guten Überblick über die Teilnehmer und einen direkten Blick auf Bucky, der sich noch nicht traute, sich dazu zu setzen, auch wenn der dunkelhäutige Veteran Blickkontakt zu ihm aufgenommen hatte.

„Wir müssen herausfinden, wie wir damit umgehen“, endete er, den Blick dabei weiterhin auf Bucky gerichtet.

Er verzog das Gesicht. Bucky wusste, dass Sam Recht hatte. Aber er wusste auch, dass er noch einen langen Weg vor sich hatte. Wie sollte er mit all dem umgehen, was er durchgemacht hatte, wenn er noch nicht einmal wusste, wer er war oder wer er sein wollte?

Er würde nicht behaupten, dass man Sams Worte auf die anderen Veteranen leichter anwenden konnte als auf ihn. Sie alle kämpften jeden Tag. Und auch wenn sie jederzeit die Kontrolle über sich selbst gehabt hatten, wusste er nicht, ob das so viel besser war. Im Militär gab man seine Entscheidungsfreiheit in vielen Bereich ab – freiwillig, aber dennoch. Und der Krieg war grausam, egal aus welchen Augen man ihn erlebte.

Er hatte Sam bei einer seiner morgendlichen Laufrunden kennengelernt. Es half ihm, nach einem Albtraum wieder einen klaren Kopf zu bekommen und es half seinem Körper, die überschüssige Energie loszuwerden, die bisher in seine Kämpfe geflossen war.

Wie wohl jeder Soldat – im aktiven Dienst oder Ehemaliger –, der etwas auf sich hielt, hatte Sam den größten Militärprozess des Jahrhunderts um den berüchtigten Winter Soldier und die beiden Black Widows verfolgt. Er hatte Bucky leicht erkannt, auch wenn sein Aussehen vor der Öffentlichkeit verborgen worden war, um ihm nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst ein normales Leben zu ermöglichen.

Vermutlich hatte es daran gelegen, dass Bucky ihn in seiner Laufrunde in der National Mall drei Mal überholt hatte, obwohl er für seine Verhältnisse langsam gelaufen war. Er hatte an dem Morgen nicht darüber nachgedacht.

Zuerst hatte Bucky ihm die kalte Schulter zeigen wollten, doch Sam hatte es in kurzer Zeit geschafft, was vorher seit langem keiner geschafft hatte: Er hatte unter die Maske gesehen und er hatte Verständnis.

„Es ist das Bett, oder?“

Es war eine so simple, kontextlose Frage, die Bucky davon abgehalten hatte, den Mann stehen zu lassen, nachdem er auf Buckys Namen mit dem Satz „das hab ich mir schon gedacht“ geantwortet hatte.

„Was?“, überrumpelt hatte er innegehalten.

„Dein Bett“, wiederholte Sam, der sich nach dem erfolglosen Versuch, mit Bucky mitzuhalten, im Gras unter einem Baum niedergelassen hatte. „Es ist zu weich.“

Er hob die Hand. Bucky half ihm auf die Beine.

„Da drüben hab ich auf dem Boden geschlafen“, fuhr Sam fort, „hab Steine als Kopfkissen benutzt. Jetzt bin ich zuhause, liege in meinem Bett und es ist wie auf einem Marshmallow zu liegen. Als würde ich bis zum Boden durchsinken.“

Bucky hatte kein Bett, aber er kannte das Gefühl. Er nickte nachdenklich. So simpel formuliert und doch so passend.

„Wie viele Einsätze?“, fragte er, nicht wissend, wann er das letzte Mal einem anderen Menschen eine Frage gestellt hatte.

„Zwei.“ Sam verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich war bei der 58. Rettungsspringer, aber jetzt arbeite ich im Gemeindehaus bei den Veteranen.“

Wieder nickte Bucky. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass der Mann dort gut aufgehoben war.

„Wenn du mal vorbeikommen willst …“ Sam ließ das Angebot zwischen ihnen in der Luft schweben.

Bucky zuckte die Achseln. „Ich denk drüber nach.“

Er hatte darüber nachgedacht, doch es hatte einige Wochen gedauert, bis er den Mut hatte aufbringen können. Er hatte viele Abende, die er einsam in seiner kleinen Wohnung auf dem Fußboden gesessen hatte – übermüdet, aber dennoch nicht in der Lage, zu schlafen –, hin und her überlegt.

Nach dem kurzen Gespräch mit Sam hatte er sich besser gefühlt. Es war auf eine ironische Weise angenehm, dass er mit jemandem über seine Erfahrungen sprechen konnte, ohne seine Geschichte erzählen zu müssen. Er wusste ohnehin nicht, ob er dafür jemals in der Lage sein würde – es auszusprechen und damit alles nochmal zu erleben.

Sam kannte seine Geschichte. Jedenfalls kannte er das, was im Prozess aufgedeckt worden war; also mehr als genug. Und er hatte trotzdem keine Angst vor Bucky; stattdessen war er auf ihn zugegangen und hatte ihm die Hand gereicht.

„Sieh da, der Marathon-Mann“, begrüßte Sam ihn, nachdem er sich von der letzten Teilnehmerin verabschiedet hatte.

Sam hatte das Meeting kurz nach seinem Erscheinen beendet, weshalb Bucky sich getraut hatte, sich in eine der letzten Reihen zu setzen und zu warten.

Buckys Mundwinkel zuckte verräterisch bei dem Kosenamen, den Sam sich nach ihrer ersten Begegnung für ihn ausgedacht hatte.

„Ich bin zu spät“, merkte er an, der entschuldigende Unterton alles, was Sam als Bitte um Verzeihung bekommen würde. „War ein harter Tag.“

„Haben wir alle mal, Bruder.“ Sam setzte sich zu ihm.

Bucky seufzte. „Wie machst du das? Wie kannst du dir all diese Geschichten anhören und immer wissen, was du sagen musst?“

Das sollte seine Therapeutin auch mal versuchen, anstatt ihn ständig zu beleidigen oder zu provozieren. Im Vergleich zu Dr. Raynor wollte Sam wirklich helfen. Aber bei Sam hatte er auch nicht das Gefühl, dass der ihn lieber im Gefängnis als in der freien Welt sehen wollte.

„Es geht um Mitgefühl“, erklärte sein Gegenüber, als wäre es das Einfachste auf der Welt. „Wir haben alle dasselbe Problem: Schuld, Trauer.“

Zum ersten Mal sah Bucky den Schatten in Sams braunen Augen.

„Hast du jemanden verloren?“

Er wusste nicht, ob sie sich schon gut genug kannten, dass er das fragen durfte. Er wusste allgemein nicht viel darüber, wie man mit anderen Menschen interagierte, ohne sie zu verletzen. Aber vielleicht war es fair, wenn man beachtete, dass Sam beinahe jedes Vergehen des Winter Soldiers im Fernsehen erfahren hatte. Es gab verdammte Bücher über diesen lange verborgenen Teil der Geschichte.

Sam nickte. „Meinen Flügelmann, Riley. Es war eine Standard-Rettungsmission. Bis eine Rakete Rileys Hintern vom Himmel holte. Ich konnte nichts tun. Als wäre ich da oben nur zum Zusehen.“

Bucky verzog das Gesicht. „Ich kenn das Gefühl.“

Manchmal wachte er von einem Albtraum auf und konnte sich nicht bewegen. Als gehörte sein Körper nicht mehr ihm, so wie es Jahrzehnte lang gewesen war. Dabei war es nur sein Kopf, der vor seinem Körper aus dem Schlaf erwachte. Meistens waren es nur Sekunden, doch jedes Mal jagte es ihm eine gewaltige Angst ein.

„Danach war es wirklich schwer für mich, einen Grund zu finden, drüben zu bleiben“, gestand Sam.

Bucky nickte zustimmend. Auch das konnte er mehr als nachvollziehen. Ähnliche Gefühle hatten ihn dazu bewegt, das Angebot von Shield auszuschlagen. Auch wenn es anzunehmen, bedeutet hätte, weiterhin bei seinen Schwestern zu sein.

„Und jetzt bist du glücklich?“, fragte er.

Sam grinste. „Naja, die Anzahl der Menschen, die mir Befehle geben, ist gesunken auf etwa … null. Also ja, ich fühle mich ziemlich gut.“

Bucky lächelte halbherzig. Er wünschte, er könnte dasselbe sagen. Er sollte dankbar und überglücklich sein, dass er seinen eigenen Willen hatte und eigene Entscheidungen treffen durfte. Stattdessen war er die meiste Zeit überfordert damit.

Am Anfang waren ihm allein menschliche Grundbedürfnisse schwergefallen. Daran zu denken, regelmäßig zu essen, sich zu duschen, sich morgens und abends die Zähne zu putzen. Das hatte so lange keine Rolle gespielt. Oft genug war er gar nicht lange genug aus der Kryostase raus gewesen, um Essen zu benötigen, geschweige denn Hygiene. Seine Händler hatten ihn gereinigt, wie sie eine Waffe reinigen würden – wenn überhaupt –, denn mehr war er nie gewesen.

Inzwischen hatte er zwar eine gute, gesunde Routine entwickelt, was wenigstens die grundlegenden Dinge anging, bei allen anderen Entscheidungen tat er sich immer noch wahnsinnig schwer.

„Was ist mit dir?“, holte Sam ihn aus seinen Gedanken zurück. „Was macht dich glücklich?“

Bucky musste an Steve denken. Es war ein Bild, das so noch nie stattgefunden hatte und es vermutlich auch niemals würde. Steve auf der alten, harten Couch in Buckys Apartment, die nackten Füße entspannt auf dem Kaffee-Tisch hochgelegt. Alpine auf seinem Schoß, wie er Bucky zurief, dass er sich mit den Snacks beeilen sollte, weil der Film losging, den sie gemeinsam schauen wollten.

Er verdrängte den Gedanken sofort. Es war nicht gut für ihn, so etwas zu denken. Das war viel zu gefährlich. Und es war dermaßen beängstigend.

„Keine Ahnung“, sagte er stattdessen und ignorierte den sauren Geschmack im Mund. „Ich hab vor so langer Zeit aufgehört, ich selbst zu sein, dass ich gar nicht mehr weiß, wer das eigentlich ist.“

Es war etwas anderes, Kriegsgeschichten auszutauschen – auch wenn das schon über die Grenze des Erträglichen hinaus ging. Trotzdem war es einfacher, sich davon zu distanzieren, indem er behauptete, er hätte keine Wahl gehabt – eine Wahrheit, die immer noch schwer war, zu akzeptieren, weil sie wie eine lahme Ausrede klang. So viele grausame Menschen hatten schon vor ihm behauptet, sie hätten nur Befehle befolgt. Sie hatten ihr eigenes Leben dem aller anderen vorgezogen, denn Befehlsverweigerung war lange genug einem Todesurteil gleichgekommen. Selbst diese Entscheidung hatte man Bucky abgenommen.

Aber diese Gefühle und Gedanken, diese Fragen, die Sam stellte, waren etwas ganz anderes. Diese Gefühle waren ganz seine. Wie verwirrend und verrückt und unwirklich sie auch waren. Unbegründet obendrein. Aber sie waren seine Gefühle. Kein Befehl, keine Manipulation. Nur Bucky. Der echte, kaputte, verwirrte Bucky, der er jetzt war.

Sam seufzte. „Das braucht Zeit.“

Sam wusste, dass er sich nicht einmal in seinen verrücktesten, schlimmsten Träumen ausmalen könnte, was Bucky durchgemacht hatte. Trotzdem waren seine Worte und sein verständnisvoller Ton und Blick seltsam tröstend.

„Und wenn ich die nicht habe?“

Bucky hatte die Frage gar nicht stellen wollen. Sie war einfach herausgerutscht, bevor er es verhindern konnte.

Sam hob eine Augenbraue. „Warum? So wie ich das verstanden habe, hast du alle Zeit der Welt.“

Die hatte er. Oder auch nicht …

Bucky fühlte sich dumm, das zu sagen. Er schämte sich. Aber wenn er ehrlich zu sich selbst war – was er nicht oft war – war er aus diesem Grund hergekommen. Er brauchte den Rat von einem unbeteiligten, ahnungslosen Dritten, der seine Situation trotzdem irgendwie nachvollziehen konnte. Und er fragte lieber Sam, als eine seiner Schwestern. Sam konnte er gegebenenfalls aus dem Weg gehen, wenn er über diese Peinlichkeit nicht mehr hinwegkam. Bei Natasha und Yelena würde das schwer werden. Außerdem würden sie es niemals auf sich beruhen lassen. Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass sie nicht objektiv waren, was Bucky anging. Und er konnte es ihnen nicht einmal übelnehmen. Umgekehrt wäre es genauso.

„Mein Nachbar …“ Bucky senkte den Kopf, konnte aber sehen, wie verwirrt Sam ihn von der Seite anschaute.

„Was ist mit ihm? Macht er dir Probleme?“

Wie sehr Bucky sich wünschte, es wäre so. Damit könnte er umgehen.

„Nein, er weiß nicht, wer ich bin“, erwiderte Bucky und korrigierte nach einem kurzen Zögern, „wer ich war.“

„Was dann?“, fragte Sam.

Bucky seufzte. „Er ist nett zu mir.“

Sam lächelte ihn nicht an, als würde er sich über Bucky lustig machen. Wie er es erwartet hatte. Sondern, als würde er sich ehrlich freuen. Das allein war schon ein Wunder.

„Oh, na das muss ja furchtbar für dich sein.“

Okay, vielleicht machte er sich doch lustig.