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Fliegende Frösche [1968]

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Fliegende Frösche [1968]

Lyrics: Conversion by Nick Cave & The Bad Seeds

* * *

[IV] Fliegende Frösche

Now then, a girl across the street with long dark hair

Knelt among the stones and the mystical flare

And the old god drew her into him like a flame

I've never seen you so beautiful as that again

[September 1968]

Den Moment, in dem der Hogwarts-Express das Londoner Stadtgebiet verlässt, kann man gar nicht verpassen. Die Geschwindigkeit verdoppelt sich und man wird von einer unsichtbaren Kraft in die Sitzpolster gedrückt – wenn man denn einen Sitzplatz gefunden hat und sich nicht wie Andromeda an der Tür des nächstbesten Abteils festklammern muss.

Sie weiß, dass sie zu wählerisch ist, doch Bellatrix und Narzissa haben entschieden, sich zu Rabastan Lestrange zu setzen, mit dem sie den halben Sommer verbracht haben. Obwohl sie Rabastan längst nicht so unheimlich wie seinen älteren Bruder Rodolphus findet, hat sie sich an ihm satt gesehen und wüsste nicht, worüber sie mit ihm sprechen sollte, denn sie weiß, was er in den letzten Wochen getan hat. Ihr Buch könnte sie in diesem Abteil auch nicht weiterlesen, denn nicht mit Rabastan zu sprechen, ist grundsätzlich keine Option. Im Zweifelsfall wird man dann nämlich von Rabastan besprochen und auch darauf hat sie keine Lust.

Nachdem sie allerdings auf ihren Knien im Mittelgang des Zuges gelandet ist, bereut sie es jedoch ein wenig, auf Wanderschaft gegangen zu sein und sich nicht mit Rabastans Gesellschaft begnügt zu haben.

„Hast du dich verletzt?“ In der Tür des Abteils, an dessen Türgriff sie sich festgehalten hat und dessen Tür sie damit unvermeidlicherweise aufgeschoben hat, steht ein Junge. Seine Hand und seine Knie landen in ihrem Sichtfeld. Sie starrt auf den hellblauen Stoff der Jeans und die Uhr an seinem Handgelenk, die stehen geblieben oder ganz einfach falsch eingestellt ist.

Der Zug legt sich in eine Kurve und sie greift nach seiner Hand, ehe sie am Ende das Gleichgewicht und damit auch ihren letzten Rest Würde verliert. Er zieht sie mit unerwartet viel Kraft auf die Füße und als sie wieder einigermaßen sicher steht, nimmt sie zum ersten Mal sein Gesicht wahr. Er ist kein Schüler aus einer der höheren Klassen, seine tiefe Stimme hat sie in die Irre geführt. Sein Gesicht führt sie nicht in die Irre, denn selbst wenn er bedeutend größer als in ihrer Erinnerung ist, ist die winzige Lücke zwischen den Schneidezähnen von Edward Tonks unverkennbar.

Edward Tonks’ Name steht nicht auf der Liste mit den Jungen, über deren Aufmerksamkeiten sie sich freuen soll. Edward Tonks ist ein Hufflepuff, daran ist nichts verkehrt, doch niemand in seiner Familie kann zaubern. Das hat er am Ende der allerersten Stunde Zauberkunst voller Stolz vor der ganzen Klasse erzählt, als Professor Flitwick sich danach erkundigt hat, wer von ihnen schon heimlich mit dem neu erworbenen Zauberstab geübt hat. (Edward Tonks hat nicht geübt, aber er war trotzdem einer der Ersten, der seine Federn zum Schweben gebracht hat. Nicht so zügig wie sie selbst, aber sie hat ja auch vorher geübt und sich die Handbewegungen bei Bella abgeschaut, deshalb hat sie sich trotzdem übertrumpft gefühlt.)

„Danke.“ (Edward Tonks steht nicht auf der Liste mit den Jungen, die sie in ihrer Nähe dulden soll – aber das ist ja noch lange kein Grund, unhöflich zu sein.)

„Nichts zu danken.“ Der Zug legt sich in die nächste Kurve und sie klammert sich automatisch an den Griff der Tür… und an seinen Arm. Peinlich berührt zieht sie ihre Hand zurück. „Willst du dich vielleicht setzen? Bevor du dir doch noch wehtust?“

„Ich…“ Andromeda verschluckt ihre eigene Zunge, denn sie kann ihm ja schlecht ins Gesicht sagen, dass sie nicht neben einem Muggelstämmigen sitzen kann. (Bella würde das tun, gar keine Frage.) „Ich muss eigentlich weiter, aber vielleicht warte ich, bis wir durch die nächste Stadt fahren und das Tempo gedrosselt wird.“ Edward Tonks nickt und macht einen Schritt zurück, sodass sie in das Abteil eintreten kann. Es ist eines der kleinsten Abteile des Zuges, in dem allerhöchstens drei Leute Platz finden. Edward hat sich bereits auf dem größeren Teil der Sitzfläche ausgebreitet und sie nimmt den schmaleren Platz ihm gegenüber ein. Zwischen ihnen ist eine Tischplatte, die es in den größeren Abteilen gar nicht gibt… und auf der ein Comic liegt. „Ist das deiner?“ Die Frage ist reichlich einfallslos, aber sie kann sich ja schlecht nach seinen Sommerferien erkundigen. Eigentlich könnte sie das schon, doch dann glaubt er am Ende, sie würde sich für ihn interessieren und diesen Eindruck möchte sie lieber nicht erwecken.

„Ja. Du kannst ruhig mal reinschauen, wenn du willst.“

Andromeda konnte sich noch nie sonderlich für Comics begeistern, aber sie nimmt das Heft trotzdem. Sie blättert durch die Seiten, ohne sich die bunten Bilder und Sprechblasen allzu genau anzusehen. Normalerweise ist es für sie gar kein Problem, auf der Zugfahrt zu lesen, doch für gewöhnlich setzt sie sich auch nicht entgegen der Fahrtrichtung. Sie achtet darauf, nicht zu hastig zu blättern, doch sie würde am liebsten die Augen schließen. Als sie plötzlich meint, ihren Frühstücksspeck wieder zu schmecken, springt sie auf.

Edward, der aus dem Fenster gesehen hat, schaut sie mit gerunzelter Stirn an. „Alles in Ordnung?“

„Ja… also nein… könnten wir wohl Plätze tauschen? Ich kann nicht so gut rückwärts fahren.“

„Mir wird da leider auch immer etwas übel.“ Edward zieht eine Grimasse und hebt den Rucksack hoch, der neben ihm liegt. „Aber wir passen hier bestimmt auch beide hin.“ In der Theorie passen sie beide auf die Bank, doch ihr Bein drückt sich gegen sein Bein und sie kann ihre Arme nicht bewegen und sie hat sich selten so nach Rabastan und seinen Trollwitzen gesehnt wie in diesem Augenblick. Sie starrt aus dem Fenster und versucht, Edwards nackten Arm zu ignorieren, der sich gegen ihren Arm presst. „Willst du einen Schokofrosch?“

„Was ist ein Schokofrosch?“

„Kennst du das gar nicht? Jacob meinte, ich würde hinterm Mond leben, weil ich noch keine Sammlung habe. Letzten Sommer hat ein Chocolateur in der Spiegelgasse einen kleinen Laden aufgemacht, in dem er Frösche aus Schokolade verkauft… und mit jedem dieser Frösche bekommt man eine Karte.“

„Eine Postkarte oder eine Landkarte oder eine Sternenkarte?“

„Nee, so eine Sammelkarte.“ Edward rammt seinen Ellenbogen in ihre Seite und holt einen Stapel bunter, merkwürdig geformter Karten aus seiner Hosentasche. Auf der obersten Karte lächelt ihnen Ignatia Wildsmith, die Erfinderin des Flohpulvers, entgegen. „Es gibt schon fünfzig verschiedene Karten und es sollen noch mehr kommen… und es geht halt darum, alle Karten zu haben.“

„Das verstehe ich nicht. Was ist so toll daran, wenn man sich fünfzig Schokofrösche kaufen kann? Sind die so teuer?“

„Nein, gar nicht, ein Frosch kostet nur zwei Sickel. Und für fünf Sickel bekommt man drei Frösche auf einmal.“ Edward zeigt ihr die nächste Karte, auf der Bertie Bott zu sehen ist, der sich einen Finger in die Nase steckt.

„Igitt.“

„Ja… das macht er leider ständig… aber er ist selten.“

„Selten?“

„Es gibt Karten, die werden ganz oft gedruckt und dann gibt es aber auch Karten, bei denen man richtig viel Glück haben muss. Dazu gibt es natürlich keine Statistiken, aber so gut wie jeder hat die vier Gründer von Hogwarts. Also die sind echt ganz oft dabei. Bertie ist schon etwas seltener, aber nicht so selten, Summer Hopkins hat ihn sogar zweimal und sie hat erst in den Weihnachtsferien angefangen.“

„Seit wann sammelst du?“

„Seit diesen Sommerferien. Ich bin nicht so oft in London und meine Grandma wollte erst fahren, wenn ich weiß, welche Bücher ich brauche… man kann die Karten zwar auch bestellen, aber ich habe keine eigene Eule… angeblich sollen sie demnächst auch im Honigtopf verkauft werden. Also das hat Jacob gesagt, ich war noch nie im Honigtopf , aber sein großer Bruder hat da im Sommer sogar gejobbt…“ Ted seufzt und präsentiert ihr eine Karte, auf der ein junger Salazar Slytherin abgebildet ist. „Es muss so toll sein, in Hogsmeade zu wohnen. Dann muss man auch nicht stundenlang Zug fahren.“

„Redest du immer so viel?“ Am liebsten würde sie sich auf die Zunge beißen, denn sie weiß nicht, wieso sie das jetzt gesagt hat. Sie könnte seinen Monolog einfach ertragen und lächeln und nicken und die gute Zuhörerin mimen. So wie sie es sonst auch tut.

„Nur wenn ich nervös bin.“

„Du bist nervös?“

„Ein bisschen.“

„Wieso?“

„Wegen dir.“ Edward mischt die Karten als würde er sie für eine Partie Sabberhexenskat vorbereiten. Nicht wenige der berühmten Hexen und Zauberer beschweren sich über den unsanften Umgang. „Du meldest dich im Unterricht immer nur, wenn niemand sonst die Antwort weiß. Wenn alle aufzeigen, dann beteiligst du dich nicht. Jacob meint, du wärst ein bisschen arrogant und Damian denkt, du hättest es auf besonders viele Hauspunkte abgesehen, aber ich glaube, du bist einfach ziemlich schlau… und deshalb will ich jetzt nichts Blödes sagen. Aber je mehr ich sage, umso wahrscheinlicher wird es, dass ich etwas Blödes sage und deshalb ist es eigentlich total widersinnig, dass ich nicht einfach weniger sage, aber das kann ich halt auch nicht, weil du nicht nur ziemlich schlau bist, sondern auch ziemlich hübsch.“

Ehe Andromeda dazu irgendetwas sagen kann, hat Ted aus seiner Hosentasche einen Klumpen Schokolade geholt, dessen Form vage an einen Frosch erinnert. Eigentlich erinnert nicht einmal die Form an einen Frosch, aber das grüne Papier und die etwas gruseligen Augen lenken ihre Gedanken in die richtige Richtung. Ted schüttelt den Klumpen, der plötzlich doch wieder wie ein Frosch aussieht und löst das grüne, knisternde Papier. Mit einem täuschend echten Quaken erwacht der Frosch zum Leben. Fasziniert streckt Andromeda ihre Hand aus, die von dem Frosch jedoch ignoriert wird. Er quakt erschrocken und springt gegen die Fensterscheibe.

„Oh, der ist aber schreckhaft. Normalerweise sind sie ganz zutraulich.“ Mit einer geübten Bewegung fängt Edward den Frosch wieder ein, bricht ihm ein Bein ab und bietet es ihr an. Das Schokoladentier quakt erbärmlich.

„Danke… aber nein danke.“

„Magst du keine Schokolade?“

„Doch… aber keine Frösche.“

„Es schmeckt nicht nach Frosch.“

„Hast du schon mal einen Frosch gegessen?“ Mit Grauen erinnert Andromeda sich an die Froschschenkel zurück, die sie einmal bei den Greengrasses essen musste, weil die Ehefrau von Astor Greengrass aus der Bourgogne kommt und man dort Froschgebeine für delikat hält.

„Nein… aber Schokolade.“ Edward steckt sich das Froschbein in den Mund. „Willst du die Karte haben?“ Er hält ihr ein Porträt von Godric Gryffindor entgegen. „Den habe ich schon zweimal und einen Dritten brauche ich wirklich nicht.“

„Und wozu brauche ich ihn?“

„Du könntest deine eigene Sammlung starten. Oder magst du wirklich keine Schokolade, sondern nur Pfefferkobolde oder Draculastangen?“

„Was sind denn Draculastangen?“

„Jacobs Bruder meinte, es gäbe im Honigtopf Lollis, die nach Blut schmecken… aber vielleicht wollte er Jacob auch nur verarschen.“

„Klingt ein bisschen danach.“

„Also du gehörst zur Pfefferkobold-Fraktion?“

„Zuckermäuse. Ich ziehe Zuckermäuse allem anderen vor, aber Schokolade finde ich schon auch in Ordnung… wenn sie nicht gerade die Form von Reptilien hat.“

„Frösche sind keine Reptilien, sondern Amphibien.“ Ted grinst. „Vielleicht hatte Jacob doch Recht und du bist bloß arrogant, aber nicht schlau.“

Andromeda denkt keine Sekunde darüber nach, was sie tut, sondern gibt ihrem Instinkt nach und rammt Edward mit ihrem ganzen Gewicht. Sie hat nicht besonders viel Schwung, doch er schnappt nach Luft, als er mit dem Gesicht an der Fensterscheibe landet. Sie nutzt die günstige Gelegenheit, greift in seine Haare und zieht einmal kräftig. So strafen Bellatrix und sie ihre vorlauten Cousins ab. (Sirius und Regulus lassen sich nur deshalb nicht mehr die Haare schneiden, weil es nur weh tut, wenn man wirklich kurze Haare hat.) „Wie war das?“

„Du bist definitiv schlau, aber auch etwas gruselig… und stark. Wieso bist du denn so stark? Du bist doch so ein süßer Zwerg.“

Andromeda kann gar nicht anders, als sich geschmeichelt zu fühlen. Weniger wegen dem süßen Zwerg , sondern weil er sie stark findet. Nachdem Rodolphus ihnen am Anfang der Sommerferien erzählt hat, dass in Durmstrang alle Hexen und Zauberer lernen, simple Magie ohne ihre Zauberstäbe anzuwenden und dass es an der Universität in St. Petersburg, an der er studiert, ganz selbstverständlich ist, dass auf diese Art und Weise gezaubert werden kann, haben Bella und sie ihr Möglichstes getan, um ohne ihre Zauberstäbe zurechtzukommen. Das war gar nicht mal schwer, denn streng genommen dürfen sie ihre Zauberstäbe in den Ferien sowieso nicht gebrauchen. Nicht einmal für die Hausaufgaben. Weil die Hausaufgaben von Professor Flitwick aber so gestellt werden, dass es eigentlich gar nicht ohne praktisches Üben geht und weil das Ministerium sich ohnehin nicht darum schert, hat sie in den Sommerferien zwischen ihrem ersten und zweiten Schuljahr trotzdem gezaubert. Doch wie so oft hat Bella und sie der Ehrgeiz gepackt und sie haben einen Wettbewerb daraus gemacht, wer besser darin ist, mit bloßen Händen zu zaubern. (Andromeda war besser, doch Bella behauptet steif und fest, dass sie im Vorteil wäre, weil sie jünger ist und erst zwei Jahre mit ihrem Zauberstab arbeitet und noch nicht so viel von ihrer instinktiven Magie eingebüßt hat. Wenn das stimmen würde, hätte Zissy allerdings noch viel besser sein müssen, weil sie erst ein Jahr mit ihrem Zauberstab umgeht, doch sie hat sich geweigert, es zu probieren. Irgendwie fand Andromeda das auch verständlich, denn als Erstklässlerin war sie auch ungeheuer stolz darauf, nicht mehr auf ihre sogenannte Kindermagie angewiesen zu sein, sondern einen Stab verwenden zu dürfen.) Bislang hat Andromeda geglaubt, dass sie es sich nur eingebildet hat, doch nach den Übungen haben sich ihre Arme oft so schwer angefühlt, als ob sie Muskelkater hätte. (Als sie Bella zeigen wollte, wie muskulös ihre Arme geworden sind, hat ihre Schwester nur gelacht und sie zwei volle Wochen Herkules genannt, bis niemand mehr – nicht einmal Rabastan, der leicht zu begeistern ist – darüber gelacht hat.) Doch wenn sie nun sieht, wie ehrlich Edward sich anstrengt, um sich aus ihrem Griff zu befreien, dann fühlt sie sich nicht nur stark, sondern regelrecht mächtig.

„Also du musst nicht denken, dass ich kein Herz für starke Frauen hätte, aber könntest du mich loslassen? Ich wollte nicht vor meinem Abschluss kahlköpfig werden.“ Edwards Bitte erinnert sie daran, dass sie es hier nicht mit ihrer Schwester oder einem ihrer Cousins zu tun hat, sondern mit einem Jungen, den sie kaum kennt... und mit dem sie sich ganz sicher nicht anfreunden wird. Hastig lässt sie seine Haare los und erwägt, gleich aus dem ganzen Abteil zu flüchten. Doch das wäre feige und sie ist nicht feige.

Ihre Reaktion auf Edward, der an ihrer Intelligenz zweifelt, kommt ihr mit einem Mal auch reichlich übertrieben vor und sie setzt sich beschämt auf den Platz neben ihm. Ihr Bein wird wieder gegen seines gedrückt… und sie entdeckt einen braunen Fleck auf dem blauen Stoff seiner Jeans. Mit einem leisen Quaken macht der Frosch, der anscheinend problemlos rückwärts fahren kann, auf sich aufmerksam. Genau wie sie selbst starrt Edward auf das demolierte Schokoladentier, das trotz seiner Blessuren einen ganzen Sitz für sich beansprucht hat und fängt an zu lachen. Wenn er lacht, klingt seine Stimme gar nicht mehr so tief, sondern eher so, als hätte er den Stimmbruch doch noch nicht ganz hinter sich gebracht. Sie muss an ihren Onkel Alphard denken, der laut ihrem Vater zwar das Gesicht eines Mannes, aber den Verstand, den Bart und das Lachen einer Ziege hat. Edward hat keinen Ziegenbart, aber sein Lachen ist ein Ziegenlachen. Als sie sich ausmalt, wie er mit dem Bart von Onkel Alphard aussehen würde, ist es auch um sie geschehen und sie fängt an zu kichern.

Der Schokofrosch scheint mit so viel Begeisterung gar nicht umgehen zu können, denn er fängt an, gegen die Fensterscheibe zu hüpfen. Er springt wieder und wieder gegen das feste Glas, bis er schließlich einen so mächtigen Sprung macht, dass er den Spalt erreicht, durch den das Abteil belüftet wird. Mit einem letzten Quaken lässt der Schokofrosch sein Leben und während Andromeda das alles nur noch witzig finden kann, sieht Edward ehrlich betroffen aus. „Das war…“

„Urkomisch.“

„… eine Tragödie.“

„Naja… wäre es ihm besser ergangen, wenn du ihn aufgegessen hättest?“

„Er wäre für einen guten Zweck gestorben. So war sein Tod sinnlos.“ Sie wartet darauf, dass Edward aus der Rolle fällt und sich ein Grinsen erlaubt, doch er wirkt tatsächlich erschüttert darüber, an eine lebensmüde Süßigkeit geraten zu sein. Er gibt ein tiefes Seufzen von sich, ehe er seine Beine ausstreckt, tiefer in den Sitz rutscht und seinen Kopf ganz leicht gegen ihre Schulter lehnt. „Vielleicht sollte ich mich in Zukunft auch an Zuckermäuse halten.“

„Oh nein, die quieken auch ganz erbärmlich, wenn du ihnen den Kopf abbeißt.“

„Wer fängt denn mit dem Kopf an?“

„Ich. Dann sind sie ruhig. Wenn du zuerst die Füße oder den Schwanz isst, dann leiden sie lautstark.“

„Ist die Welt der magischen Süßigkeiten denn durch und durch grausam?“ Dieser Gedanke ist für Edward offensichtlich neu… oder er nutzt ganz einfach die Gelegenheit, um sich nicht mehr ganz so unauffällig an sie zu lehnen. Ihr kommt wieder in den Sinn, dass sie eigentlich nur vorübergehend hier sitzen und sich schon gar nicht mit ihm unterhalten wollte… aber sie wüsste auch nicht, wo sie heute noch besser sitzen könnte als neben einem Jungen, der sie für clever und stark hält. (Und für ziemlich hübsch. Das hat er zwar eher so nebenher gesagt, aber Andromeda hat es nicht vergessen, denn sie hat noch nie jemand ziemlich hübsch genannt. Und ziemlich hübsch ist so viel ehrlicher als die auswendig gelernten oder vollkommen übertriebenen Komplimente, die ihr Rabastan oder die Jüngeren unter den Freunden ihres Vaters an den Kopf werfen.)

* * *

Am letzten Septemberwochenende dürfen die Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse zum ersten Mal nach Hogsmeade gehen. Andromeda lässt sich von Rabastan und ihrer Schwester die große Tour bieten und trinkt ihr erstes Butterbier. Das magische Dorf kann nicht mit dem Angebot der Winkelgasse mithalten, aber ein gutes Ausflugsziel ist es dennoch.

Das Beste ist allerdings die Tüte Zuckermäuse, die sie am darauffolgenden Montagmorgen unter ihrem Pult im Zauberkunst-Klassenzimmer vorfindet.