Kapitel 14
Kapitel 14
Wie im Anime braucht auch diese Geschichte ihre Filler-Episoden.
Zwei Stunden später packte die junge Frau ihre Tasche. Für heute hatte sie genug gearbeitet. Sasukes abweisendes Verhalten, seine Distanz, die unausgesprochene Zurückweisung – all das hatte sie mitgenommen. Mehr noch: Sie sorgte sich um seine emotionale Verfassung. Solche Phasen waren für ihn schwer zu ertragen, und auch Sakura litt darunter, ihn so zu sehen.
Dass er sie dabei ungerecht behandelte und zu sich rief – sei es aus dem Bedürfnis nach Nähe oder körperlicher Ablenkung –, war zweifellos egoistisch. Und doch hoffte sie, ihm wenigstens für einen Moment helfen zu können. Sie wusste, dass dieses gegenseitige Verhalten weder richtig noch gesund war. Aber wie hätte sie ihm sonst helfen sollen? Reden war nie seine Stärke gewesen und in diesen Zeiten sprach er fast gar nicht. Wenn ihm also ihre Nähe half, dann schenkte sie sie ihm.
Ein leises Klopfen an der offenstehenden Tür riss sie aus ihren Gedanken. Zuerst erschien ein zerzauster blonder Schopf, kurz darauf betrat Naruto den Raum mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Hey, wie wär’s mit Ramen zum späten Mittagessen?“, schlug er gut gelaunt vor. Sakura konnte nicht anders, als zu lächeln. Seine Fröhlichkeit war wie ein Lichtstrahl. „Das klingt gut“, antwortete sie und begleitete ihn zu seinem Lieblingslokal. Die Ablenkung kam genau im richtigen Moment. Während sie ihre Ramen genossen, erzählte Naruto von einem seiner jüngsten Abenteuer – einem Einsatz, der ihn und seine Freunde tief in die abgelegenen Wälder von Hi no Kuni geführt hatte. „Weißt du, Sakura, es war echt verrückt. Unsere Mission war es, eine Gruppe abtrünniger Shinobi aufzuspüren, die sich dort versteckt hielten.“ Seine Augen leuchteten, als er fortfuhr. „Wir hatten gerade ihr Lager entdeckt, als wir prompt in eine ihrer Fallen tappten. Perfekt getarnt, Kiba wäre beinahe in eine mit Laub und Ästen verdeckte Grube gestürzt. Zum Glück hat Akamaru die Gefahr rechtzeitig gewittert und ihn gerettet.“
Er nahm einen Schluck Brühe. „Aber das war noch längst nicht alles. Kaum bereiteten wir uns auf den Kampf vor, griffen sie uns aus dem Schatten an. Shikamaru konnte einige mit seinem Schattenband festsetzen, aber es war kein leichtes Spiel. Diese Typen waren schnell, gut organisiert und verdammt schwer zu durchschauen.“ Sakura lauschte gebannt, während Naruto mit seinen lebhaften Gesten das Geschehen nachzeichnete. „Am Ende haben wir sie überwältigt , dank Hinatas Byakugan. Sie konnte die versteckten Gegner orten und uns den Weg weisen. Ohne sie hätten wir es nie geschafft.“ Er lachte herzhaft. „Das Beste war aber, als plötzlich Konohamaru ins Lager gestürmt kam und rief: 'Wartet auf mich! Ich will auch kämpfen!' Er hatte alles verpasst und war völlig enttäuscht. Das war einfach zu komisch.“
Nach dem Essen schlug Sakura einen Spaziergang im Park vor. Die Blumen standen in voller Blüte und tauchten die Wege in ein lebendiges Farbenmeer. Das leise Rascheln der Blätter im Wind beruhigte ihren aufgewühlten Geist. Naruto erzählte einen amüsanten Vorfall mit Konohamaru, und schon bald musste Sakura wieder lachen, ehrlich und erleichtert. Schließlich ließen sie sich auf einer Bank am See nieder und beobachteten die Enten, wie sie gemächlich über das Wasser glitten.
„Wie geht es Sasuke?“, fragte Naruto leise und sah auf die glatte Wasseroberfläche, die fast den gleichen Farbton hatte wie seine Augen. „Seine Lunge braucht noch etwas Zeit zur Erholung“, antwortete Sakura knapp und hielt den Blick auf den See gerichtet. Sie ignorierte Narutos forschenden Blick. „Und... emotional?“, hakte er vorsichtig nach. Überrascht riss Sakura die Augen auf. Was war heute nur los? Erst tauchte Naruto unangekündigt auf und lenkte sie ab – unbewusst oder nicht – und jetzt wusste er auch noch über Sasukes labilen Zustand Bescheid? Zufall? Oder war Narutos Gespür tatsächlich schärfer geworden?
Sakura seufzte und senkte den Kopf. „Es ist schwer, zu ihm durchzudringen. Nach allem, was er durchgemacht hat, leidet er unter PTBS und Depressionen. Es fühlt sich an, als würde eine unsichtbare Mauer zwischen uns stehen.“ Sie hob den Blick, sah Naruto ernst an. „Er lässt kaum jemanden an sich heran. Ich glaube, das Einzige, was ihn über Wasser hält, ist Beschäftigung, Training, Missionen. Aber nach dieser Lungenentzündung ist selbst das unmöglich. Er muss sich erst vollständig erholen.“Naruto nickte langsam, seine Miene war ungewohnt ernst. „Sasuke war schon immer jemand, der seine Kämpfe allein ausficht. Aber du bist nicht allein, Sakura. Wir sind für ihn da. Und für dich auch.“ Er legte eine beruhigende Hand auf ihre Schulter. Dann fragte er: „Was kann man tun, damit es ihm besser geht?“ Sakura atmete tief durch und dachte einen Moment nach. „Als Ärztin weiß ich, dass es verschiedene Wege gibt, mit PTBS und Depressionen umzugehen. Eine Therapie wäre ideal – mit professioneller Begleitung, vielleicht auch durch Medikamente. Nur so könnte er lernen, das Erlebte aufzuarbeiten und gesündere Strategien zu entwickeln um damit besser um zugehen.“ Sie zögerte. „Aber du kennst ihn. Er redet nicht gern. Und das Wichtigste bei einer Therapie ist, dass man sie aus eigener Überzeugung macht. Sonst bringt sie nichts." Naruto hörte still zu, seine Augen auf sie gerichtet. „Es gibt Medikamente, die helfen könnten, seine Stimmung zu stabilisieren“, fuhr Sakura fort. „Aber noch wichtiger ist ein stabiles Umfeld, Menschen, die ihn nicht drängen, sondern für ihn da sind. Er darf sich nicht allein fühlen.“ „Und was können wir tun – als seine Freunde?“, fragte Naruto eindringlich. Typisch Naruto, dachte sie. Für seine Freunde ging er bis ans Limit. „Wir können ihn sanft motivieren: mit Training, mit Aufgaben, die ihm ein Ziel geben“, erklärte sie. „Er braucht eine Tagesstruktur. Und gleichzeitig Raum, wenn er ihn braucht. Aber auch das Wissen: Wir sind da.“ Es war wahrlich nicht einfach.
Sie schloss kurz die Augen. „Psychische Erkrankungen sind komplex.“ Naruto nickte wieder und legte mitfühlend die Hand auf ihre Schulter. „Danke, Sakura. Ich werde mein Bestes tun, um ihm zu helfen.“ Sakura nickte. „Es wird Zeit brauchen. Sasuke wird weder Therapie noch Medikamente akzeptieren. Aber solange er Aufgaben hat, ein Ziel verfolgt und den Rückhalt seiner Freunde spürt , kann das seine Symptome deutlich lindern.“ „Das klingt vernünftig“, sagte Naruto nachdenklich. „Aber die kommenden Tage, in denen er sich schonen muss... die werden hart für ihn.“ „Ja“, flüsterte Sakura. „Das werden sie.“ Danach sagte keiner von beiden mehr etwas. Sie saßen einfach da, Seite an Seite, und blickten über den stillen See. Die Enten zogen lautlos ihre Bahnen, ein friedlicher Moment, der ihnen neue Kraft schenkte. Kraft, die sie brauchten. Für Sasuke.
Die Sonne neigte sich langsam dem Horizont entgegen und tauchte den See in warmes Gold. Eine sanfte Stille lag über dem Park – nur das gelegentliche Schnattern der Enten und das leise Rauschen des Windes begleiteten ihre Gedanken. Sakura war die Erste, die sich bewegte. Sie richtete sich auf und streckte sich leicht, während ihr Blick über das Wasser glitt. „Ich wünschte, ich könnte mehr für ihn tun“, murmelte sie. „Etwas, das wirklich hilft, nicht nur für einen Moment.“ Naruto blieb sitzen, sah zu ihr auf und lächelte schwach. „Manchmal ist es genau das: da sein. Auch wenn man sich hilflos fühlt. Vielleicht macht gerade das den Unterschied.“ Sakura nickte langsam. „Ich hab Angst, dass ich ihn irgendwann verliere. Nicht körperlich, sondern... innerlich. Dass er sich so weit zurückzieht, dass niemand mehr an ihn herankommt.“ Ihre Stimme wurde leiser. „Ich sehe es manchmal in seinen Augen – als würde ein Teil von ihm schon nicht mehr hier sein.“ Naruto schwieg einen Moment und ließ Sakuras Worte auf sich wirken. Dann nahm er einen kleinen Stein vom Boden, warf ihn in den See und beobachtete, wie die konzentrischen Kreise das Spiegelbild der sinkenden Sonne verzerrten. Sakura setzte sich wieder neben ihn, das Gesicht der untergehenden Sonne zugewandt.
Eine Weile sagten sie nichts, ließen die Abendstille für sich sprechen. Dann, ohne ihn anzusehen, sagte sie leise: „Du hast recht. Vielleicht reicht es manchmal, einfach da zu sein.“ Naruto nickte, lächelte leicht und das reichte. Für jetzt. Die letzten Sonnenstrahlen glitten über das Wasser, bevor sie hinter dem Horizont verschwanden. Sakura stand auf, strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streckte ihm die Hand entgegen. „Komm. Wir sollten gehen, bevor es ganz dunkel wird.“ Naruto ergriff ihre Hand, ließ sich von der Bank hochziehen. „Du weißt, dass du nicht alles allein tragen musst, oder?“, fragte er, während sie langsam den Weg entlang zurück in Richtung Dorf gingen. „Ich weiß“, murmelte Sakura. Und sie meinte es. Hinter ihnen kräuselte sich der See kaum merklich , als würde er das Gespräch behutsam bewahren.