Kapitel 18
Kapitel 18
Sasuke hatte sie alle niedergemacht. Die Verfolger in den engen Gassen der Stadt, die Schatten im Wald, keiner war ihm entkommen. Sein Zorn war wie ein Fluch, der sich durch die Nacht fraß, lautlos und tödlich. Die Straßen waren leer, doch die Luft war schwer. Er hatte keine Zeit für Gnade gehabt. Jeder Schlag war präzise, jeder Gegner nur ein Hindernis zwischen ihm und ihr. Seine Schritte hallten durch die Bäume wie Donnerschläge. Er war schnell, zu schnell für das menschliche Auge. Die Aura seines Chakra vibrierte in der Luft, ein Vorbote seiner Ankunft. Er hatte Sakuras Energie gespürt: flackernd, schwach, wie eine Kerze im Sturm. Und er wusste: Er war zu spät. Oder fast. Als er das letzte Dickicht durchbrach und das Schlachtfeld betrat, blieb die Zeit stehen. Vor ihm entfaltete sich ein Bild, das sich unauslöschlich in seine Seele brennen sollte:
Sakura stand da, taumelnd, ihr Atem flach. Ihr Gegner, ein massiger Shinobi mit kalten Augen, holte aus. Die Klinge in seiner Hand glänzte im Licht, ein tödlicher Halbmond aus Stahl. Sasukes Augen weiteten sich. Sein Sharingan aktivierte sich instinktiv, die Welt zerfiel in Einzelbilder. Er sah die Spannung in den Muskeln des Angreifers, das Zittern in Sakuras Beinen, das Licht, das aus ihren Augen wich. Doch er war einen Wimpernschlag zu spät. Die Klinge traf. Ein widerliches Geräusch von Fleisch, das zerrissen wurde. Sakuras Körper zuckte, Blut spritzte in einem feinen Bogen durch die Luft. Ein einziger Schlag ließ sein Herz aussetzen. Ein Schrei formte sich in seiner Kehle, blieb jedoch stumm. Langsam, wie eine Blume, die im Sturm zerbricht. Ihre Knie gaben nach, ihre Augen verloren den Fokus, und ihr Körper sackte in sich zusammen. Sasukes Herz explodierte. Es breitete sich eine lähmende Welle aus Wut und Verzweiflung in ihm aus, heiß und unaufhaltsam. Der Gegner grinste. Ein Fehler. Sasukes Augen verengten sich zu tödlichen Schlitzen, fixierten den Mann, der ihr das angetan hatte. Sein Chakra loderte auf, schwarz und blau, wie ein Sturm, der sich entlädt. Sein Schwert zuckte aus der Scheide, das Chidori zischte durch die Luft. „Du wirst bereuen, dass du sie berührt hast.“ Seine Stimme war tief, gebrochen, tödlich. Sasukes Muskeln spannten sich, sein Atem wurde flach. Wie eine gespannte Feder, bereit zum Zerreißen.
In einer fließenden Bewegung zog er sein Schwert: Iaijutsu, blitzschnell, tödlich. Die Klinge zuckte im schwachen Licht wie ein Raubtier, das zum Sprung ansetzt. Der Gegner war kein Anfänger. Ein erfahrener Krieger, breitbeinig, bereit. Seine Klinge erhoben in einer Sai-Technik, defensiv und doch gefährlich. Doch Sasuke war nicht mehr nur ein Shinobi. Er war ein Sturm. Mit einem einzigen Blick durch das Sharingan zerriss er die Bewegungen seines Gegners in Fragmente. Er sah alles. Jede Regung. Jede Absicht. Dann wechselte er in die Hiten Mitsurugi-Ryu, ein Tanz aus Stahl und Zorn. Seine Füße glitten über den Boden, seine Schultern führten die Bewegung, seine Klinge war ein Wirbelwind. Der Gegner parierte, geschickt, elegant. Doch Sasuke hatte das Rinnegan aktiviert. Die Welt war nun gläsern, jede Bewegung vorhersehbar. Er beschwor ein zweites Schwert, trat in die Niten Ichi-Ryu-Haltung. Zwei Klingen, zwei Seelen, eine Absicht: Vernichtung. Die Klingen kreuzten sich, Funken sprühten, Chakra entlud sich in Wellen. Der Gegner konterte mit einem Wirbel aus Windchakra, versuchte Sasuke aus dem Gleichgewicht zu bringen. Doch Sasuke wich aus, sprang über ihn hinweg, landete hinter ihm und griff erneut an. Ein Schnitt – präzise, tödlich. Der Gegner drehte sich, blockte, rammte seine Klinge nach vorn. Sasuke sah es kommen aber nicht schnell genug.
Die Klinge bohrte sich durch seine linke Schulter. Ein widerliches Knacken hallte durch die Luft, als Metall Fleisch und Knochen durchdrang. Sasukes Augen weiteten sich, ein unterdrückter Schrei entwich seinen Lippen. Sein linker Arm erschlaffte augenblicklich, das zweite Schwert fiel klirrend zu Boden. Schmerz loderte in ihm wie Feuer, pulsierend, lähmend. Doch er biss die Zähne zusammen. Er würde nicht fallen. Nicht jetzt. Nicht, solange Sakura dort lag, zwischen Leben und Tod. Mit nur einem Arm, das Chidori in der Rechten pulsierend, stürmte er vor. Jeder Schritt war Qual, jeder Atemzug brannte. Doch seine Entschlossenheit war ungebrochen. Er war bereit, alles zu opfern. Für sie. Blitze zuckten über seine Klinge, tauchten das Schlachtfeld in ein unheilvolles Blau. Er hob das Schwert, ließ es herabfahren ein Schlag, durchzogen von purer Raserei. Die Klinge durchbrach die Verteidigung. Sie traf das Herz. Der Gegner fiel. Sasukes Blick war kalt. Er beugte sich vor, flüsterte: „Das ist für Sakura. Für jeden Tropfen Blut, den du ihr genommen hast.“ Der Gegner zuckte ein letztes Mal. Dann war es still. Nur das Knistern des Chidori hallte nach. Sasuke steckte das Schwert zurück. Die Welt war grau. Der Boden gezeichnet, die Luft schwer.
Er kniete neben Sakura. Sein Herz zersprang in tausend Splitter. Ihr Körper war blass, fast durchsichtig. Blut klebte an ihrer Kleidung, vermischt mit dem Schmutz der letzten Stunden. Ihre Wunde war tief, klaffend, grausam. Sein eigener Atem war flach, unterbrochen von einem stechenden Schmerz in der Schulter. Die tiefen Schnitte an seinem Oberarm brannten, und Blut sickerte aus einer klaffenden Wunde an seiner Seite aber er spürte es kaum. Alles in ihm war auf sie gerichtet. Er presste seine Hand auf ihre Verletzung, fest, verzweifelt. Das Blut rann durch seine Finger, warm und fremd. Er riss ein Stück Stoff aus seinem Hemd und wickelte es um die Wunde, knotete es mit zitternden Händen. Der Stoff war sofort durchtränkt, aber er zog ihn nach, fester, als könnte er das Leben selbst zurückhalten. „Nicht jetzt... nicht du...“, murmelte er. Seine Stimme war rau, kaum hörbar. Jeder Atemzug schmerzte, als würde seine gebrochene Rippe sich gegen seine Lunge stemmen. Er legte eine Hand auf ihre Brust, versuchte Chakra zu übertragen nicht als Heilung, sondern als Hoffnung. Ein letzter Funke, ein verzweifelter Versuch, sie zu halten. Sein Chakra flackerte, unkontrolliert, getrieben von Angst und Erschöpfung. Er beugte sich vor, seine Stirn berührte ihre. Ihre Haut war kalt. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, seine Finger blutverschmiert, seine Augen brennend. Das Sharingan war aktiv, aber nutzlos.
Er sah nicht die Umgebung, nicht mögliche Feinde nur sie. Nur Sakura. „Du hast mir beigebracht, was es heißt, zu fühlen“, flüsterte er. „Also stirb mir nicht weg, bevor ich gelernt habe, wie man lebt.“ Die Lichtung blieb still. Nur sein Atem, flach und zittrig. Nur das leise Tropfen seines eigenen Blutes, das sich mit ihrem vermischte. Nur ihr Herz, das irgendwo tief in ihr noch schlug oder vielleicht schon nicht mehr. Und Sasuke, der nie gelernt hatte zu beten, tat es jetzt. Nicht zu einem Gott. Sondern zu ihr. Weitere Sekunden vergingen und das Blut hörte nicht auf den kläglichen Verband zu durchtränken. Vorsichtig schob er sie in seine Arme und hielt sie dicht gepresst an seinen schmerzenden Körper. „Sakura…“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Er spürte die Kälte ihres Körpers und wie die Hoffnungslosigkeit stieg. Sie war sein Licht. Sein Anker. Und dieses Licht flackerte. „Halte durch,“ flüsterte er. „Ich werde dich nicht verlieren.“ Doch er gab nicht auf. Er konnte nicht. „Ich liebe dich, Sakura.“ Die Worte kamen wie ein Geständnis, wie ein Schwur. Zum ersten Mal sprach er sie aus. Er streichelte ihre Wange, flehte sie an. „Bitte… kämpfe.“ Die Zeit stand still. Und Sasuke wartete, auf ein Zeichen, auf einen Atemzug, auf Hoffnung. Und nun lag sie da. Zerbrechlich. Stumm. Sasukes Augen füllten sich mit Tränen. Er wagte nicht zu hoffen. Nicht jetzt. Nicht, wenn alles auf dem Spiel stand. Die Welt hielt den Atem an. Und Sasuke wartete weiter. Zwischen Licht und Dunkelheit. Zwischen Leben und Tod.