Kapitel 35
Kapitel 35
Im späten Herbst saß Kakashi, der sechste Hokage, in seinem Büro und betrachtete die Berichte des Tages, während ein kühler Wind durch das geöffnete Fenster wehte. Plötzlich klopfte es an der Tür und Sasuke trat ein. Mit entschlossenem Blick bat Sasuke höflich um Einlass. "Hokage-sama, darf ich eintreten?" fragte Sasuke. Kakashi, überrascht und neugierig, hob eine Augenbraue und bat Sasuke, hereinzukommen. "Ah, Sasuke. Komm rein. Was führt dich her?" Sasuke setzte sich, atmete tief durch und sprach:,, Ich möchte der Anbu beitreten.“ Diese Bitte überraschte Kakashi. "Den Anbu? Das ist ein ungewöhnlicher Wunsch. Warum jetzt, nach allem, was passiert ist?" Kakashi betrachtete Sasuke mit ernster Miene. Sasuke blickte ihm direkt in die Augen und sprach klar und deutlich, "Ich habe viel nachgedacht. Ich will meine Fähigkeiten weiterhin verbessern und den Dorfbewohnern zeigen, dass ich bereit bin, mein Leben für Konoha zu riskieren. Die Anbu-Einheit könnte mir dabei helfen, diese Ziele zu erreichen." Er wollte seine Loyalität gegenüber Konoha beweisen, sich selbst weiterentwickeln und seine Vergangenheit hinter sich lassen. Er fühlte sich verpflichtet, das Dorf zu schützen und seine Fähigkeiten zu nutzen, um anderen zu helfen. Als Verlobter von Sakura wollte er zudem zeigen, dass er Verantwortung übernehmen konnte und bereit war, Opfer zu bringen. Er war nun sicher das er immer auf der Seite Konhas stehen würde und dieser Entschluss sollte das bekräftigen.
Kakashi dachte nach: "Das ist eine edle Absicht. Aber der Anbu-Dienst ist gefährlich und verlangt völlige Hingabe. Du bist nun verlobt. Hast du das mit Sakura besprochen?" Sasuke schüttelte den Kopf und erklärte, "Nein, ich habe es nicht mit ihr besprochen. Das ist meine Entscheidung. Sie wird es verstehen, sobald sie meine Beweggründe kennt. Dies ist ein Teil meines Weges, um Wiedergutmachung zu leisten und meine Vergangenheit hinter mir zu lassen." Kakashi nickte, er fand es nicht gut das Sasuke diese Entscheidung alleine treffen wollte aber er hatte kein Recht sich in Sasukes Beziehung einzumischen. Auch wenn die beiden einen Platz in seinem Herzen hatten. Er erkannte Sasukes Entschlossenheit deutlich. "Deine Gründe sind verständlich. Aber es wird nicht leicht sein. Du wirst Herausforderungen begegnen, die selbst für dich schwer sein könnten." "Ich bin bereit, mich ihnen zu stellen. Ich will beweisen, dass ich mein Leben für Konoha geben kann, wenn es nötig ist," sagte Sasuke mit Entschlossenheit in den Augen. Kakashi lächelte leicht: "Gut, ich werde deinen Antrag prüfen. Sei bereit für ein intensives Training. Und sei dir bewusst, dass ich genau hinsehen werde." Dankbar stand Sasuke auf und erklärte: "Ich werde dich nicht enttäuschen." "Das hoffe ich. Jetzt geh und bereite dich vor. Weitere Instruktionen erhältst du in den kommenden Tagen," sagte Kakashi nickend. Er hatte keine Zweifel daran das Sasuke seinen Job als Anbu hervorragend meistern würde. Bei seinem Talent wäre es nicht einmal nötig das Sasuke unter die Lupe genommen werden müsste. Doch Regeln waren nun mal Regeln und auch der Hokage musste sich daran halten.
Im kühlen Licht eines frühen Herbstmorgens betrat Sasuke das Trainingsgelände der Anbu. Erst musste er sich hier beweisen um überhaupt aufgenommen zu werden. Der Boden war feucht vom Tau und der Nebel hing noch in der Luft. Sasuke war entschlossen und bereit für die Herausforderungen, die vor ihm lagen. Kakashi hatte ihm bereits mitgeteilt, dass das Training intensiv und unbarmherzig sein würde, doch Sasuke war bereit. Das Training begann mit intensiven körperlichen Übungen. Sasuke musste seine Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Die Trainingseinheiten waren hart und verlangten ihm alles ab. Er lief kilometerlange Strecken, sprang über Hindernisse, kletterte an steilen Wänden empor und trainierte seine Reflexe in anspruchsvollen Parcours. Jeder Tag war eine neue Herausforderung, doch Sasuke gab niemals auf. Sein Wille und seine Entschlossenheit trieben ihn immer weiter voran. Neben den körperlichen Herausforderungen musste Sasuke auch mentale Stärke beweisen. In speziellen Trainingseinheiten wurde er psychischen Belastungen ausgesetzt, die seine Konzentration und seinen Fokus testeten. Er lernte unter extremem Druck ruhig und kontrolliert zu bleiben. Meditation und mentale Übungen halfen ihm, seinen Geist zu schärfen und sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Anbu-Trainings war die Ausbildung in verdeckten Operationen und Spionage. Sasuke lernte, sich lautlos und unauffällig zu bewegen, Informationen zu sammeln und Feinde aus dem Schatten zu beobachten. Er wurde in Techniken des Infiltrierens und Überwachens unterwiesen und lernte, wie man sich in feindlichem Territorium zurechtfindet ohne entdeckt zu werden. Diese Fähigkeiten erforderten Geduld, Präzision und eine scharfe Beobachtungsgabe, die Sasuke mit der Zeit perfektionierte. Auch der Nahkampf spielte eine zentrale Rolle im Anbu-Training. Sasuke trainierte täglich mit anderen Anbu-Mitgliedern und erlernte dabei die härtesten Kampftechniken. Er lernte, sich gegen mehrere Gegner gleichzeitig zu verteidigen, Waffen geschickt einzusetzen und seine Gegner mit präzisen Schlägen und Tritten außer Gefecht zu setzen. Dabei wurde seine bereits beeindruckende Kampfkunst weiter verfeinert und perfektioniert. Während des Trainings zeigte sich Sasukes außergewöhnliches Talent und seine Fähigkeit, schnell zu lernen und sich anzupassen. Er gewann den Respekt seiner Ausbilder und der anderen Anbu-Mitglieder. Trotz der Härte des Trainings behielt er seine Konzentration und setzte sich kontinuierlich höhere Ziele.
Am Ende des zweiwöchigen intensiven Trainings wurde Sasuke vor Kakashi und den anderen hochrangigen Anbu-Offiziere gerufen. Kakashi betrachtete ihn mit einem stolzen Lächeln und begann zu sprechen: "Sasuke, du hast während dieses Trainings außergewöhnliche Fähigkeiten und Entschlossenheit gezeigt. Deine Leistungen haben uns beeindruckt, und wir sind überzeugt, dass du bereit bist, ein Mitglied der Anbu zu werden." Normalerweise dauerte die Ausbildung mehrere Monate aber aufgrund Sasukes Talent und Fähigkeiten wäre das unnötig gewesen. So hatte Kakashi mit der Leitung der Anbu und den Ausbildern die zweiwöchige Frist beschlossen. Sasuke stand aufrecht und konzentriert, während Kakashi fortfuhr: "Als Zeichen deiner Zugehörigkeit überreiche ich dir diese Maske. Sie trägt das Gesicht eines Falken, symbolisch für deinen scharfen Blick und deinen unerschütterlichen Willen." Kakashi reichte Sasuke die Maske und Sasuke nahm sie ehrfürchtig entgegen. "Vielen Dank, Kakashi-sensei. Ich werde mein Bestes geben, um die Ehre und Verantwortung, die mit dieser Maske einhergehen, zu wahren." Kakashi nickte und lächelte erneut. "Von nun an wirst du den Codenamen 'Taka' tragen, was 'Falke' bedeutet. Dieser Name soll deine Fähigkeit betonen, sowohl aus großer Höhe als auch im Verborgenen zu agieren, immer wachsam und bereit zum Angriff." Mit seiner neuen Maske und seinem Codenamen war Sasuke nun offiziell ein Mitglied der Anbu. Sasuke setzte die Maske auf und spürte die Bedeutung dieses Moments. Er wusste, dass der Weg vor ihm hart und gefährlich sein würde, aber er war bereit, diesen Weg zu gehen. Seine Entschlossenheit, Konoha zu schützen und seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, trieb ihn an. Außerdem fühlte er sich mit diesem Schritt seinem verstorbenen Bruder noch näher. Er hatte das Gefühl das er nun wieder ein Stückweit mehr verstand wieso Itachi gehandelt hatte wie er gehandelt hatte. An diesem Tag erhielt er außerdem seine neue Uniform und spezielle Waffen, denn jedes Mitglied musste identisch aussehen und die selben Waffen verwenden, kleine Abweichungen waren in Ordnung. Sein Anbu Tattoo erhielt er, wie alle Mitglieder es taten, auf den linken Oberarm.
Am Abend waren Sakura und Sasuke dabei gemeinsam zu Essen, als Sasuke sie nun in seine Pläne einweihen wollte. "Sakura, ich muss mit dir über etwas Wichtiges sprechen," begann Sasuke und legte seine Essstäbchen beiseite. Sakura sah ihn neugierig an. "Was ist es, Sasuke? Du klingst ernst."Sasuke nahm einen tiefen Atemzug. "Ich habe beschlossen, den Anbu beizutreten." Sakura lächelte leicht, dachte jedoch, dass es nur eine Idee sei, die er in Betracht zog. "Den Anbu? Das klingt gefährlich. Hast du wirklich darüber nachgedacht?" Sasuke nickte. "Ja und ich habe bereits das Training absolviert." Sakuras Lächeln verschwand und ihre Augen weiteten sich vor Schock. "Was? Du hast das Training schon absolviert? Seit wann?""Seit heute," antwortete Sasuke und zuckte mit den Schultern. "Heute wurde ich offiziell in die Anbu aufgenommen." Nun ergab es Sinn warum Sasuke so viele Tage am Stück im Dorf gewesen war. Als er meinte er sei trainieren war das im Grunde genommen keine Lüge aber es war auch nicht die ganze Wahrheit stellte Sakura bitter fest.
Sakura war sprachlos. Sie legte ihre Hände auf den Tisch, stand auf und starrte Sasuke fassungslos an. "Warum hast du mir das nicht vorher gesagt? Das ist eine große Entscheidung, Sasuke!" "Ich wusste, dass es schwer für dich sein würde, das zu hören," erklärte Sasuke leise. "Aber es war meine Entscheidung. Ich wollte dir erst davon erzählen, wenn ich sicher war, dass ich es schaffen würde." Sakura schüttelte den Kopf, Tränen stiegen ihr in die Augen. "Ich verstehe, dass du deine Vergangenheit wiedergutmachen willst, aber warum denn Anbu? Das ist so gefährlich, Sasuke. Was ist, wenn dir etwas zustößt?" "Ich muss das tun, Sakura, auf einer normalen Mission kann mir auch etwas zustoßen" antwortete Sasuke entschlossen. "Ich will meine Fähigkeiten nutzen, um Konoha zu schützen. Ich will beweisen, dass ich bereit bin, alles für das Dorf zu geben." Sakura atmete tief ein und wischte sich die Tränen weg. Die Sorge war groß, vermischt mit dem Gefühl, wieder einmal außen vor gelassen worden zu sein. "Ich verstehe deine Beweggründe, Sasuke. Aber es ist schwer für mich. Ich mache mir Sorgen um dich." "Und ich will auf dich aufpassen," sagte Sasuke mit festem Blick. "Indem ich den Anbu beitrete, kann ich sicherstellen, dass du in Sicherheit bist. Ich will nicht nur meine Vergangenheit wiedergutmachen, sondern auch dich und unser zukünftiges Leben schützen."
Sakura fühlte, wie die Sorge in ihr zu Wut wurde. "Sasuke, ich bin keine Person, die beschützt werden muss! Ich bin eine Kunoichi, ich kann auf mich selbst aufpassen! Du kannst nicht einfach Entscheidungen treffen, ohne mich einzubeziehen, besonders wenn es uns beide betrifft. Ich dachte wir hatten das schon geklärt? Wieso beziehst du mich in deine Entscheidungen nicht mit ein?!" Sasuke wurde ebenso aufgebracht. "Ich versuche nur, das Richtige zu tun, Sakura! Ich will unsere Familie schützen, dich beschützen! Warum verstehst du das nicht?"Tränen strömten wieder über Sakuras Gesicht, dieses Mal vor Wut, ihre Stimme wurde lauter. "Ich verstehe es, Sasuke, aber du musst auch verstehen, dass du nicht alleine darüber entscheiden kannst. Wir sind ein Team, wir sollten gemeinsam Entscheidungen treffen." Die beiden standen nun, beide voller Emotionen, die in einem hitzigen Streit eskalierten. Sasuke versuchte sich zu erklären, während Sakura versuchte, ihm klarzumachen, dass sie Teil seiner Entscheidungen sein wollte. Schließlich ließ die Spannung nach und beide realisierten, dass sie eine Lösung finden mussten doch das schien nicht einfach zu werden.
Sakura sah Sasuke in die Augen, ihre Stimme war nun leiser und sorgenvoll. "Muss du das wirklich tun? Was musst du denn noch tun, um deiner Meinung nach genug Buße getan zu haben?" Sasukes Augen verengten sich und er erwiderte mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Trotz: "Es geht nicht nur um Buße, Sakura. Es geht darum, das Richtige zu tun, um unsere Sicherheit und die des Dorfes zu gewährleisten. Ich kann nicht einfach nichts tun." Sakura schüttelte heftig den Kopf, ihre Wut kehrte zurück. "Du tust doch schon so viel. Und ich kann nicht akzeptieren, dass du dein Leben für eine Entscheidung riskierst, die du ohne mich getroffen hast! Du machst das nicht nur für Konoha, sondern auch, um deine eigenen Schuldgefühle zu lindern. Aber das hilft uns nicht, Sasuke!" "Das verstehst du nicht," sagte Sasuke mit fester Stimme. "Ich muss das tun. Es ist der einzige Weg, wie ich meinen Platz hier wiederfinden kann." "Nein, Sasuke," rief Sakura aus, ihre Tränen flossen wieder. "Das ist nicht der einzige Weg. Es gibt andere Möglichkeiten, deine Fähigkeiten zu nutzen und dich zu beweisen, ohne dein Leben aufs Spiel zu setzen! Warum kannst du das nicht sehen?"
Sasuke starrte sie an, seine Kiefer mahlten vor Frustration. Er sah ihr tränennasses Gesicht, ihre Augen die noch immer glitzerten, er sah deutlich ihre Sorge und doch konnte er nicht von seiner Entscheidung ablassen. "Weil das meine Entscheidung ist, Sakura. Ich habe das Training abgeschlossen, ich habe den Weg gewählt, den ich für richtig halte. Und ich werde dabei bleiben." Sakura drehte sich weg, ihre Schultern bebten vor Emotionen. "Dann mach es," sagte sie mit erstickter Stimme. "Aber erwarte nicht, dass ich es einfach akzeptiere. Du hast mich außen vor gelassen und das hat mich sehr verletzt." Danach war sie aus der Küche gestürmt, von Tränen überwältigt und voller Enttäuschung, nahm sich ihre Jacke und zog sich ihre Schuhe an. Die Tür fiel mit einem gedämpften Knall hinter ihr ins Schloss als sie die Wohnung verließ. Das Essen stand noch unberührt auf dem Tisch und Sasuke stand nun allein in ihrer stillen Wohnung, die Worte und der Schmerz ihrer Auseinandersetzung hallten noch in seinen Gedanken wider. Er war überzeugt, dass er das Richtige tat. Dennoch schmerzte es ihn, Sakura so zu sehen.