LNCrawler

Kapitel 36

The Blossom & The Moon — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 36

Draußen in den Straßen von Konoha wanderte Sakura ziellos umher. Der kühle Herbstwind fuhr durch ihre Haare und trocknete die Tränen auf ihren Wangen. Sie fühlte sich hintergangen und enttäuscht, wieder einmal von Sasuke in eine seiner Entscheidungen nicht einbezogen worden zu sein. Ihre Gedanken kreisten um die Vergangenheit und all die Male, in denen sie gehofft hatte, dass er sich ändern würde. Sakura fand sich schließlich auf einem der Trainingsplätze wieder, einem Ort, der ihr immer Trost gespendet hatte. Sie setzte sich auf eine der Bänke und zog die Knie an ihre Brust. In der Dunkelheit reflektierte sie über ihre Beziehung zu Sasuke und die Herausforderungen, die sie bisher gemeinsam gemeistert hatten. Sie fragte sich, wie sie ihm je vollständig vertrauen konnte, wenn er weiterhin wichtige Entscheidungen ohne sie traf. Währenddessen saß Sasuke allein in der Wohnung, unfähig, sich zu beruhigen. Er wusste, dass er Sakura etwas Zeit geben musste, aber er konnte das nagende Gefühl der Schuld nicht abstellen. Er fragte sich, wie er sie dazu bringen konnte, seine Beweggründe zu verstehen, ohne ihre Gefühle zu verletzen. Er wusste, dass er sich in einem schmalen Grat zwischen Pflichtgefühl und persönlichem Glück befand.

Sakura saß noch immer auf der Bank, als sie plötzlich Schritte hinter sich hörte. Sie drehte sich um und sah Naruto, der auf sie zukam, seine Stirn in Sorgenfalten gelegt. Er selbst war auf dem Rückweg vom Training auf dem benachbarten Platz. "Hey, Sakura. Alles okay?" fragte er vorsichtig. Sakura sah ihn an, ihre Augen immer noch rot von den Tränen. "Nicht wirklich, Naruto," antwortete sie leise. "Es geht um Sasuke... er hat eine Entscheidung getroffen, die uns beide betrifft, ohne mich einzubeziehen." Naruto setzte sich neben sie und legte einen Arm um ihre Schultern um seine Freundin ein wenig zu trösten. "Was hat er denn entschieden?" Sakura seufzte tief und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, als sie sich an Naruto lehnte. "Er hat beschlossen, den Anbu beizutreten. Er hat das Training bereits abgeschlossen und wurde heute offiziell aufgenommen." Narutos Augen weiteten sich vor Überraschung. "Ernsthaft? Teme dieser Idiot! Das ist eine große Sache. Ich verstehe, warum du so aufgewühlt bist." "Ja," bestätigte Sakura bitter. "Er hat das alles hinter meinem Rücken gemacht. Er sagt, es sei zu meinem Schutz aber ich kann das einfach nicht akzeptieren." Naruto dachte einen Moment nach, bevor er sagte: "Vielleicht sollte ich auch den Anbu beitreten, um Sasuke zu beschützen. So könnte ich sicherstellen, dass er nicht allein in gefährliche Situationen gerät." Sakura schüttelte heftig den Kopf. "Nein, Naruto. Das ist keine gute Idee. Was würde Hinata davon halten? Außerdem würde ich mich dann nicht nur um Sasuke sorgen, sondern auch um dich. Ich kann das nicht ertragen." Naruto sprach beruhigend: "Ich verstehe, was du meinst. Aber ich denke, dass Sasuke glaubt, das Richtige zu tun.“ Er fand es überhaupt nicht gut das Sasuke diese Entscheidung alleine geschlossen hatte. Das war Sakura gegenüber nicht fair. Leider wusste er auch nicht wie er diese Entscheidung in ein positives Licht rücken sollte.

Sasuke war ein erstklassiger Shinobi aber trotzdem waren die Gefahren in der Anbu höher als die auf S Rang Missionen, welche Sasuke und Naruto am meisten zugeteilt bekamen. Außerdem erhielten Anbu öfter Einzelmissionen, dort konnten sie sich auf keinen Partner verlassen der sie im schlimmsten Fall retten konnte. Es hatte in Narutos Leben auch eine kurze Zeit gegeben, als er darüber nachdachte zu der Anbu zu gehen. Doch Hinatas Widerspruch und die Angst in ihren Augen hielten ihn davon ab. Vielleicht sollte er mit Sasuke sprechen und für Sakura einstehen. Auch wenn Sasuke bereits aufgenommen war so wäre es trotzdem ein Versuch wert mit ihm drüber zu sprechen. Er konnte doch nicht, nichts tun, oder?

Also ging Naruto später am selben Abend entschlossen zu Sakuras Wohnung. Er hatte Sakura bei Hinata abgesetzt. Es war zwar eine ruhige Nacht aber Narutos Herz hämmerte in seiner Brust. Als er die Tür von Sakuras Wohnung öffnete, fand er Sasuke, der gedankenverloren am Tisch sitzend, die Augen in die Ferne gerichtet. Köstliches Essen stand unberührt auf dem Tisch. Längst kalt. "Sasuke," begann Naruto, seine Stimme ruhig, aber fest. "Wir müssen reden." Sasuke blickte auf, seine Augen kalt und durchdringend. "Naruto. Ich hab jetzt keine Nerven für deinen Kram" Naruto setzte sich gegenüber von Sasuke und lehnte sich nach vorne, seine Ellbogen auf dem Tisch gestützt. "Dafür wirst du dir Zeit nehmen. Sasuke, ich verstehe, dass du der Anbu beigetreten bist, um das Dorf zu beschützen und deinen eigenen Weg zu finden. Aber hast du darüber nachgedacht, was das für Sakura bedeutet? Sie hat Angst um dich, und es hat sie verletzt, dass du es ihr nicht gesagt hast. Ihr seid verlobt, Sasuke. Ihr müsst füreinander da sein."Sasuke sah Naruto einen Moment lang schweigend an, bevor er antwortete. "Es ist nicht so, dass es mir egal ist, Naruto. Aber es gibt Dinge, die ich tun muss und ich kann nicht immer alle Entscheidungen mit Sakura besprechen. Das ist der Weg, den ich gewählt habe." Naruto seufzte tief, seine Frustration wuchs. "Ich verstehe, dass du deinen Weg gehen musst aber du musst auch Sakuras Gefühle berücksichtigen, wenn ihr erst verheiratet seid kannst du keine Entscheidung mehr alleine treffen. Sie hat Angst, dich zu verlieren. Sie liebt dich, und das solltest du nicht einfach ignorieren." Sasuke schloss die Augen und rieb sich die Schläfen, als ob er versuchte, die Spannung in seinem Kopf zu lösen. "Naruto, ich weiß, dass Sakura mich liebt. Und ich liebe sie auch. Aber das Leben, das wir führen, ist nicht einfach. Schließlich sind wir Shinobi. Sie muss verstehen, dass es Zeiten geben wird, in denen ich Entscheidungen allein treffen muss." Naruto ballte die Fäuste, seine Augen vor Wut funkelnd. "Es geht nicht nur darum, Entscheidungen alleine zu treffen, Sasuke. Es geht darum, dass du sie in dein Leben einbeziehst. Ihr seid ein Team. Ihr müsst gemeinsam stark sein. Verstehst du denn nicht die Bedeutung dahinter ein gemeinsames Leben zu führen? Es bedeutet auch gemeinsam Entscheidungen zu treffen."

Sasuke öffnete die Augen und sah Naruto direkt an. "Ich werde weiterhin tun, was ich für richtig halte. Meinst du, ich möchte, dass sie sich Sorgen um mich macht? Wie soll ich ihr und mir gleichzeitig gerecht werden? Ich habe versucht, ihr das zu erklären, aber sie versteht es nicht." Sasukes Stimme war angespannt, während er fortfuhr: "Ich will meine Loyalität gegenüber Konoha beweisen und meine Schuld gegenüber dem Dorf und den Bewohnern begleichen. Ich fühle mich verpflichtet, das Dorf zu schützen und meine Fähigkeiten zu nutzen, um anderen zu helfen. Dies ist der einzige sinnvolle Weg." Naruto sah ihn ernst an und nickte langsam. "Ich verstehe, was du sagst, Sasuke. Wie lange wirst du dich noch schuldig für deine Taten fühlen?“ , beide Freunde sahen sich stumm an. Sasuke konnte Narutos Frage nicht beantworten, denn er wusste keine Antwort darauf. Naruto seufzte: ,,Aber was, wenn Sakura dich ausnahmsweise nicht bedingungslos in dieser Sache unterstützen kann? Was, wenn sie nicht damit abfinden kann? Bist du bereit, das Risiko einzugehen? Und was würde es für dich bedeuten, wenn sie sich tatsächlich gegen dich stellt bei dieser Sache?"

Sasuke schwieg weiterhin, seine Stirn in Falten gelegt.  "Ich habe noch nicht darüber nachgedacht." gab er schließlich zu. Er war es gewohnt das Sakura immer zu ihm stand. Er dachte einen Moment darüber nach und sprach seine ersten Gedanken dazu aus: "Es würde unsere Beziehung belasten und ich weiß nicht, ob ich damit umgehen könnte. Ich könnte mich nicht mehr so auf meine Missionen konzentrieren, wenn ich wüsste, dass sie unglücklich ist." Naruto nickte zustimmend. "Genau das meine ich. Deine Missionen wären gefährdet, wenn du innerlich zerrissen bist. Sakura und du, ihr seid ein Team. Ihr müsst gemeinsam stark sein, nicht getrennt." Sasuke verstand Narutos Argumentationen doch es frustrierte ihn das niemand ihn scheinbar richtig verstand. Ja sie hörten was er sagte aber verstanden sie auch den Inhalt?

Naruto wartete geduldig auf eine weitere Reaktion von Sasuke, doch es schien, als ob sein Freund tief in Gedanken versunken war. Die Anspannung im Raum war spürbar und Narutos Herz klopfte heftig. Plötzlich hörten sie Schritte. Beide Männer sahen auf und warteten gespannt, wer eintreten würde. Es war Hinata.  "Naruto, ich habe mir Sorgen gemacht und wollte nach euch sehen," erklärte sie leise, bevor sie sich an Sasuke wandte. "Sasuke, ich weiß, dass du viel durchmachst und dass die Entscheidung, der Anbu beizutreten, nicht leicht war. Aber du musst verstehen, dass Sakura und Naruto sich um dich sorgen. Wir alle tun das." Sasukes Gesichtsausdruck blieb undurchdringlich, doch Hinatas Worte schienen ihn zu berühren. Naruto bemerkte, dass seine Schultern sich entspannten, wenn auch nur ein wenig. Hinata stellte sich neben Naruto und legte ihre Hand auf seiner Schulter ab. Sie schaute Sasuke direkt in die Augen. "Wir sind eine Familie, Sasuke. Egal, welche Entscheidungen du triffst, du musst daran denken, dass wir immer hinter dir stehen und dich unterstützen wollen. Aber das bedeutet auch, dass du uns vertrauen und uns einbeziehen musst."

Sasuke fühlte einen Hauch von Dankbarkeit für Hinatas beruhigende Worte, doch tief in seinem Inneren brodelte ein Sturm der Wut. Seine Augen verengten sich und sein Kiefer spannte sich an. Er konnte kaum glauben, wie sehr ihn die ständige Einmischung der anderen nervte. Warum konnte niemand verstehen, dass er seinen eigenen Weg gehen musste? Die Anspannung in der Luft war greifbar, als Sasuke tief durchatmete, um seine aufgewühlten Gefühle im Zaum zu halten. Er wollte Hinata nicht vor den Kopf stoßen, doch es war schwer, die aufgestaute Frustration zu ignorieren. Sasuke nahm einen tiefen Atemzug und seine Augen blitzten vor unverminderter Frustration. Er ließ den Blick durch den Raum schweifen, seine Stirn in Falten gelegt, bevor er sprach: "Ich bin es leid, dass ich als der Böse dargestellt werde. Warum mischt ihr euch ein? Das geht nur Sakura und mich was an!“ ,,Weil wir Freunde sind Sasuke und ich finde es nicht gut das du Sakura außen vor lässt. Das verdient sie als deine Partnerin nicht, deswegen stehe ich für sie ein“, erklärte Naruto ernst und verschränkte die Arme vor der Brust.  Sasuke seufzte tief: ,,Ich weiß, dass ihr es gut meint aber das ist mein Weg, und ich muss ihn auf meine eigene Weise gehen." Er sah nacheinander in die Gesichter von Hinata und Naruto, die ihn aufmerksam beobachteten. Sasuke kämpfte sichtlich darum, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. "Ich verstehe, dass ihr euch Sorgen um mich macht, dafür bin euch dankbar" fuhr er fort, seine Stimme nun etwas ruhiger, aber immer noch fest. "Aber es macht mich wahnsinnig nur Vorwürfe hören zu müssen und gegen Missverständnisse ankommen zu müssen. Ich habe meine eigenen Gründe für meine Entscheidungen und wenn ihr das nicht akzeptieren könnt dann ist das so."

Naruto und Hinata tauschten einen besorgten Blick aus, bevor Naruto schließlich sprach: "Wir akzeptieren deine Entscheidungen, Sasuke, auch wenn wir sie nicht befürworten. Es ist schwer, zuzusehen, wie du alles alleine durchstehen willst. Wir sind deine Freunde und wir sind hier, um dich zu unterstützen. Aber wenn du wirklich diesen Weg gehen willst, dann werden wir einen Weg finden damit umzugehen." Hinata trat einen Schritt vor und fügte hinzu: "Ja, Sasuke. Wir wollen nur das Beste für dich. Wir respektieren deine Entscheidungen, auch wenn wir uns Sorgen machen. Aber wir werden immer für dich da sein, egal was passiert." Sasuke nickte dankbar und erhob sich zusammen mit Naruto. „Ich hoffe, dass du Sakura nie wieder von deinen Entscheidungen ausschließt und dass du lernst, wie wichtig es ist, den Weg gemeinsam zu gehen. Das ist auch als Shinobi möglich,“ sagte Naruto mit einem liebevollen Blick zu Hinata, die seine Worte mit einem zustimmenden Nicken bestätigte. Sasuke schluckte schwer, als er die beiden so sah. Er begriff, dass er die Situation mit Sakura falsch angegangen war. Er hatte noch einiges zu lernen und Sakura gegenüber war es nur fair, sich zu ändern. Mit diesen Worten verabschiedeten sich Naruto und Hinata und verließen gemeinsam die Wohnung.

Kaum waren Naruto und Hinata gegangen, betrat Sakura den Raum. Ihre Schritte waren fest und entschlossen und ihr Blick durchdringend. Sasuke sah sie an, seine Augen voller widersprüchlicher Gefühle. „Sasuke, ich verstehe, dass du deinen eigenen Weg gehen musst und dass du Raum für deine Entscheidungen brauchst. Aber ich bin es leid, im Hintergrund zu stehen und stillschweigend alles hinzunehmen. Wir sind ein Team, Sasuke und ich will, dass wir uns gegenseitig unterstützen und vertrauen.“ „Sakura...“ begann Sasuke, doch sie unterbrach ihn sanft. „Ich liebe dich und ich möchte, dass wir gemeinsam stark sind. Aber das können wir nur, wenn du mich einbeziehst und nicht alles alleine entscheidest. Es tut mir weh, wenn du mich ausschließt und wichtige Entscheidungen ohne mich triffst. Ich will nicht, dass du denkst, du musst alles alleine schaffen. Ich bin hier, um dir zu helfen.“ Sasuke seufzte tief und nickte langsam. „Ich weiß, dass du nur das Beste für mich willst, und ich danke dir dafür. Es fällt mir schwer, andere einzubeziehen, weil ich mich oft verantwortlich fühle, alles alleine zu regeln. Ich wollte dich schützen, indem ich dich nicht mit meinen Entscheidungen belaste. Aber ich sehe jetzt, dass ich damit das Gegenteil erreicht habe.“ Sakura trat einen Schritt näher und legte eine Hand auf seine Schulter. „Ja, das hast du. Ich will nicht von dir ferngehalten werden, Sasuke. Auch wenn ich nicht immer glücklich mit deinen Entscheidungen bin, will ich zumindest wissen, was vor sich geht. Das ist alles, was ich verlange.“ Sasuke sah ihr tief in die Augen und nickte erneut. Er hatte sie bereits in der Vergangenheit damit verletzt sie nicht einzubeziehen. Es ging damals um kurzfristige Missionsannahmen und schon damals hatte es Streit gegeben. Er hatte gedacht er hätte daraus gelernt aber das hatte er offensichtlich nicht  „Ich verspreche, dass ich dich von jetzt an einbeziehen werde. Ich kann nicht versprechen, dass sich alles ändern wird, aber ich werde es versuchen. Ich will mich bessern und dir nicht Leid und Sorgen bereiten Sakura.“ Sakura lächelte leicht, dankbar für seine Worte. Sie hoffte das er dies nun verinnerlichen würde. Sasuke hatte sich bereits sehr verändert und Veränderungen brauchten Zeit. „Das ist ein Anfang.“, sagte sie leise aber die Sorge blieb in ihren Augen. Sasukes Entscheidung stand fest. Sasuke zog sie sanft in seine Arme und sagte nichts weiter.