Kapitel 38
Kapitel 38
Der Tag von Temari und Shikamarus Hochzeit war endlich gekommen. Ein schneebedeckter, klarer Wintertag Mitte Dezember hatte eine zauberhafte Atmosphäre geschaffen. Weiße Blumen mit grünen Akzenten schmückten den Veranstaltungsort der innen festlich dekoriert war und verliehen der Feier ein einfaches aber elegantes Ambiente. Die Gäste hatten sich versammelt, darunter Temaris Brüder Gaara und Kankuro, sowie der gesamte Jahrgang von Sakura. Sakura und Hinata waren ebenfalls atemberaubend gekleidet. Sakura trug ein elegantes, knielanges Kleid in einem sanften Rosaton, mit dezenten weißen und grünen Verzierungen. Hinata hatte ein elegantes, fließendes Kleid in zartem Blau gewählt, das wunderbar mit ihrer sanften Ausstrahlung harmonierte. Naruto hatte sich für einen klassischen schwarzen Anzug entschieden, doch um seine Persönlichkeit durchscheinen zu lassen, trug er eine orangefarbene Krawatte. Es fehlten nur Shino und Sasuke, beide waren auf ihren Missionen unterwegs. Sakura war deshalb allein auf der Hochzeit und konnte ihre Enttäuschung nur schwer verbergen. Sasuke hätte am Vorabend zurück sein sollen aber er war immer noch nicht aufgetaucht. Sie begann sich langsam Sorgen zu machen.
Die Zeremonie war wunderschön und bewegend. Temari strahlte in einem eleganten Hochzeitskimono, schlicht und doch wunderschön, mit zarten grünen Akzenten und einer langen, fließenden Schleppe. Ihr Haar war locker hochgesteckt und mit weißen Blüten verziert. Shikamaru trug einen traditionellen schwarzen Anzug mit einer weißen Weste und einer grünen Krawatte, die perfekt zu Temaris Kimono passte. Sein Outfit war klassisch und doch dezent genug, um seine ruhige, nachdenkliche Persönlichkeit widerzuspiegeln. Während der Zeremonie konnte Sakura nicht anders, als daran zu denken, dass ihre eigene Hochzeit die Nächste sein würde. Sie war ein wenig traurig darüber, dass Sasuke nicht da war, um diesen besonderen Moment mit ihr zu teilen. Auch beim Empfang war Sasuke noch immer nicht da und Sakura begann sich vorzustellen das er heute wohl nicht nach Hause und zur Hochzeit kommen würde. Nachdem die Fotos mit dem Brautpaar geschossen wurden ging es zum großen angrenzenden Saal wo sich die Gäste an ihre Tische setzten. Der doch Platz neben Sakura war leer. So begannen die Reden zum Brautpaar und als diese im Anschluss das Buffet eröffnete und Sakuras Blick zu den Türen wanderte erkannte sie Sasuke.
Sie zog besorgt die Brauen zusammen, als sie eine Stichwunde oberhalb seiner rechten Braue sah. Sasuke erkannte Sakura ebenfalls augenblicklich und bahnte sich seinen Weg zu ihr. Sakura stand auf um mit ihm gleich zum Buffet zu gehen. ,,Sasuke“, sagte sie erleichtert als er vor ihr stand, sie lehnte sich nach vorne um ihn mit beiden Armen zu umarmen und als sie ihren rechten Arm um seine rechten Rippen schlang zuckte Sasuke merklich zusammen. Sakura konnte ihre aufsteigende Wut kaum verbergen. Die friedliche Hochzeitsfeier verwandelte sich plötzlich in einen Konflikt ihrer eigenen Ängste und Sorgen. Sie löste ihre Umarmung und sah Sasuke tief in die Augen. „Ich hab doch gewusst, dass es passieren würde. Es war nur eine Frage der Zeit, du bist verletzt“ sagte Sakura, ihre Stimme eine Mischung aus Besorgnis und Vorwurf. Sasuke, sichtlich genervt, erwiderte: „Es war unvermeidlich aber es geht mir gut. Ich habe mich extra beeilt und du fängst jetzt eine Szene an? Muss ich mir das jedes Mal nach meiner Rückkehr anhören?“ Sakura funkelte ihn wütend an und flüsterte: „Nur wenn du verletzt bist.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Das ist lächerlich, Sakura. Ich weiß, wie ich auf mich aufpassen muss“ erwiderte Sasuke fast knurrend, seine Stimme wurde lauter. Sie hob das Kinn. „Scheinbar nicht und es geht nicht darum, ob du auf dich aufpassen kannst. Es geht darum, dass du mich nicht einbeziehst. Es war immer nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert.“ Damit bezog sie sich auf seine alleinige Entscheidung der Anbu beizutreten. Sasukes Augen verengten sich. „Ich tue, was getan werden muss, um das Dorf zu beschützen. Und du weißt, dass ich das nicht ändern kann. Das habe ich dir bereits erklärt.“ „Und was ist mit mir? Was ist mit uns? Glaubst du, das ist einfach für mich?“ Sakuras Stimme zitterte vor Emotionen. Die Spannung zwischen den beiden wuchs, als sie sich immer weiter in die hitzige Diskussion vertieften. Umliegende Gäste sahen bereits neugierig zu dem Paar.
In diesem Moment trat Naruto, der die Spannungen zwischen seinen beiden Freunden bemerkt hatte, zu ihnen. „Hey, hey, was ist hier los? Das ist doch nicht der richtige Ort für sowas,“ sagte Naruto neutral und legte sanft seine Hände auf die Schultern von Sakura und Sasuke „Naruto...“ begann Sakura aber Naruto unterbrach sie mit einem ernsten Blick. „Ich verstehe, dass ihr beide viel durchmacht aber das hier ist Shikamarus und Temaris Hochzeit. Ihr solltet später darüber reden, okay?“ Naruto strahlte seine typische Zuversicht und Ruhe aus, wie man es von ihm immer öfter erlebte. Bevor die Spannung weiter ansteigen konnte, erklärte Naruto weiter:. „Hört zu, für den Moment müsst ihr euch einfach vertragen.“ Mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck schob er Sakura sanft gegen Sasuke, so dass sie sich unfreiwillig aneinander schmiegten. „Genießt jetzt den Abend,“ fügte Naruto hinzu und drückte die beiden Richtung Brautpaar und damit weg vom Buffet. Temari strahlte sie an, während Shikamaru mit seinem typischen entspannten Lächeln daneben stand. „Temari, Shikamaru, herzlichen Glückwunsch. Die Zeremonie war wunderschön,“ gratulierte Sakura mit einem warmen Lächeln. „Danke, Sakura. Wir sind überglücklich,“ antwortete Temari, ihre Augen strahlten vor Freude. Sasuke nickte respektvoll. „Shikamaru, Temari. Alles Gute für euch beide.“ Shikamaru betrachtete Sasuke und Sakura mit einem durchdringenden Blick, bevor er mit einem schelmischen Grinsen sagte: „Tja, als nächstes seid wohl ihr dran, was?“ Sakura errötete leicht und erwiderte mit einem nervösen Lächeln: „Ja.“ Die kleine Auseinandersetzung lag ihr schwer im Magen. Sasuke, der normalerweise nicht der Typ für große Gefühle in der Öffentlichkeit war schmunzelte nur und legte einen Arm auf Sakuras unteren Rücken. „Ja, es dauert nicht mehr lange.“ bestätigte er leise, was Sakura ein kleines Lächeln immerhin entlockte.
Während die Feier weiterging und die Gäste ausgelassener wurden, fiel Sakura auf, dass Sasuke, Naruto und Gaara sich an einen ruhigeren Ort im Garten zurückgezogen hatten. Mit verschränkten Armen stand sie etwas abseits und beobachtete die drei Männer. Ihr scharfer Blick verriet, dass sie vermutete, dass etwas im Busch war. Sakura war sich sicher, dass es nicht einfach nur ein lockeres Gespräch war. Sie kannte diese Blicke und die ernste Haltung ihrer Freunde. Sie hatte gelernt die feinen Nuancen in ihren Gesten und Ausdrücken zu erkennen und es war offensichtlich, dass sie über etwas Wichtiges sprachen. Als Sasuke kurz den Kopf hob und ihren Blick traf, verzog sie keine Miene. Ihr scharfer Verstand arbeitete auf Hochtouren und sie versuchte sich mögliche Szenarien und Bedrohungen vorzustellen,die eine solche Dringlichkeit hervorrufen könnten. Sie wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie herausfinden würde, worüber sie sprachen. Bis dahin beschloss sie, wachsam zu bleiben und ihre Sorgen beiseite zu schieben, um den Abend weiterhin so gut es ging zu genießen oder es zumindest zu versuchen.
Die Atmosphäre zwischen den Männern war entspannt, doch die Blicke der drei verrieten die Ernsthaftigkeit ihres Gesprächs. Naruto hatte ein Bier in der Hand und nahm ab und zu einen Schluck, während er Sasuke und Gaara aufmerksam zuhörte. Sasuke stand mit einer Hand in der Hosentasche da und beobachtete die Umgebung mit wachsamen Augen. Als er Sakuras vertrautes Chakra bemerkte sah er zu ihr rüber. Gaara, der ruhigste von ihnen, hatte die Arme verschränkt und sprach in einem leisen, aber bestimmten Ton. „Wir haben Berichte über Aktivitäten an der Grenze erhalten,“ begann Gaara. „Es scheint, dass eine neue Bedrohung im Schatten lauert. Ich habe bereits mit Kakashi, dem sechsten Hokage, gesprochen und um Unterstützung gebeten. “ Nun sah er Naruto direkt an:,, Naruto auch wenn du nicht bei der Anbu bist habe ich Kakashi darum gebeten das du mich unterstützt. Ich schätze dich als Freund und Shinobi. Wärst du bereit dafür?“ Naruto nickte und lächelte sanft: „Natürlich Gaara, du kannst dich immer auf mich verlassen. Was hat Kakashi sonst noch dazu gesagt?“ Gaara erwiderte: „Er hat zugesagt, dass er zusätzliche Anbu-Einheiten entsendet um unsere Kräfte zu verstärken. Es ist wichtig, dass wir zusammenarbeiten, um diese Bedrohung zu neutralisieren.“
Sasuke zog die Hand aus der Tasche und sprach ernst. „Wir müssen vorbereitet sein. Ich habe auch einige Hinweise darauf, dass es sich um eine organisierte Gruppe handelt. Sie sind gut ausgerüstet und scheinen ein klares Ziel zu haben.“ Naruto trank einen weiteren Schluck Bier und seufzte. „Mit der richtigen Strategie sollten wir das Problem schnell gelöst haben. Wir müssen sicherstellen, dass es zu keiner großen Sache oder Bedrohung für dein Dorf wird.“ Gaara nickte zustimmend. „Richtig. Unsere Priorität ist es, unsere Leute zu schützen und die Bedrohung zu neutralisieren, bevor sie Schaden anrichten kann.“ Sasuke warf einen letzten prüfenden Blick um sich und sagte: „Gut, dann sind wir auf dem selben Stand. Lasst uns jetzt zurück zur Feier gehen, bevor jemand unsere Abwesenheit bemerkt.“
Nach der Feier entschieden die beiden gemeinsam zu Sasukes Wohnung zu gehen, da diese näher gelegen war. Die Nacht war kalt und still. Seit einigen Tagen war der Winter eingezogen. Der Boden war bereits schneebedeckt. Schweigsam liefen beide nebeneinander her. Jeder in seinen Gedanken vertieft. Schließlich betraten beide seine Wohnung, die sich in völliger Dunkelheit hüllte. Die Spannung war zum Schneiden und man konnte die unausgesprochenen Worte förmlich spüren. Sakura drehte sich abrupt zu Sasuke um und sprach mit einer Mischung aus Sorge und Entschlossenheit: "Mach dein Oberkörper frei, ich untersuche deine Verletzung." Sie selbst zog ihren Wintermantel und ihre Winterschuhe aus. ,,Welcher Arzt hat dich untersucht?“, fragte Sakura als Sasuke seine Schuhe auszog. Sasuke zuckte mit den Schultern:,, Hab mir den Namen nicht gemerkt aber ich hab gesagt ich hab es eilig, also hat er nur die Wunde am Auge versorgt.“ Sakura trat näher an Sasuke, ihr eigener Duft umhüllte Sasuke. In diesem Moment wollte er sie gern in den Arm nehmen. Doch dafür waren beide zu sehr angespannt. Es wäre unpassend gewesen. Er vermisste die Tage an denen beide sorgenfreier und offener miteinander waren.
Nachdem Sakura die Wunde an seiner Braue geprüft hatte bestätigte sie das diese immerhin gut versorgt worden war. Anschließend gingen beide in das Wohnzimmer. Widerwillig zog Sasuke sein Hemd aus und enthüllte seine gebrochenen Rippen, die sich unter der Haut abzeichneten. Die Haut war an dieser Stelle geschwollen und verfärbt, ein klares Zeichen für die Schwere der Verletzung. Sakuras Blick blieb ernst und ihr Gesichtsausdruck wurde missbilligend, doch sie sagte nichts. Ihr fehlten die Kräfte dafür. Man hätte Sasuke so nicht aus dem Krankenhaus gehen lassen dürfen. Die Vorschriften besagten das jeder Shinobi zur ärztlichen Kontrolle ins Krankenhaus nach der Rückkehr sollte. Je nach Tageszeit musste jeder Shinobi Bericht an den Hokage erstatten im Anschluss. Vorsichtig untersuchte sie die Wunde sie ließ ihre Hände darüber gleiten und aktivierte ihr grünes Chakra. Sasuke schluckte, denn natürlich tat es leicht weh. ,,Ich heile die Brüche, es wird ein wenig wehtun aber in zwei Tagen sollte alles verheilt sein“, erklärte sie im sachlichen Ton, als Unterstützung bandagiere Sie einen Teil seines Oberkörpers. Anschließend erhob sie sich Sakura. "Ich gehe duschen," verkündete sie knapp und ging Richtung Badezimmer. "In der Zwischenzeit überlege dir bitte welche Einladungskarte dir besser gefällt." Sie deutete auf zwei Einladungen welche auf dem Tisch lagen.
Sasuke setzte sich auf das Sofa und starrte nachdenklich auf die Karten. Er hörte das Rauschen des Wassers im Hintergrund und ging rüber zur Küche, dort füllte er sich ein Glas Sake. Er war kein Trinker, bleib meistens nüchtern doch aktuell war er einfach emotional erschöpft. Die Distanz zu Sakura fühlte sich nicht gut an und er hatte das Gefühl alles was er tat war falsch. Wenn es so weiter ging würde sie ihn sicherlich nicht mehr heiraten wollen. Mit seinem Glas in der Hand kehrte er zurück ins Wohnzimmer. Er nahm beide Karten in die andere Hand und ließ sich schwer auf den Fußboden fallen. Er lehnte seinen Rücken gegen das Sofa und legte seinen Arm auf die lange Seite des Sofas, das Glas Sake in der Hand haltend. Der Schmerz in seinen Rippen pochte, doch es war der Schmerz in seinem Herzen, der ihn mehr belastete. Laut würde er diese Art von Schwäche natürlich nicht zugeben. Er seufzte, seit wann war das Leben als Shinobi so kompliziert?
Er betrachtete beide Karten genauer. Die Erste bestand aus einem zarten Kirschblütenmotiv. Die Einladung war in sanften Rosa- und Weißtönen gehalten, was die Schönheit der Kirschblüten perfekt einfing. Eine elegante Schriftart war gewählt und mit goldenen Akzenten versehen, die der Einladung einen Hauch von Eleganz verliehen. Sasuke blinzelte und sah sich nun die zweite Einladung genauer an. Die zweite Einladung bestand aus hochwertigem, mattem schwarzen Papier, welches die Eleganz des Uchiha-Clans widerspiegelte. Die Schrift bestand aus silberner und roter Farbe, die die Signaturfarben des Clans darstellen. Sasuke nahm einen Schluck Sake und schloss die Augen. Welche sollte er nehmen? Er hielt inne, er fühlte sich nicht gut und er wusste, dass es nicht nur um die Einladungskarten ging. Es ging darum, ob er bereit war, seine Mauern fallen zu lassen und Sakura vollständig in sein Leben zu lassen. Doch gleichzeitig wusste er das diese Bedenken nicht der Wahrheit entsprachen. Er hatte schon längst seine Mauern fallen gelassen, er musste nur lernen Sakura mehr in seine Entscheidungen miteinzubeziehen. Er musste damit aufhören ihr ständig wehzutun.