Kapitel 3
Kapitel 3
Vielen Dank für die ersten positiven Feedbacks. Das hat mich sehr gefreut!
Viel Spaß und schöne Ostern!
Lässig lehnte er an der Balkontür, die Arme vor der Brust verschränkt und die Beine überkreuzt. Der Vollmond erhellte den Raum, sodass sie ihn gut erkennen konnte. "Kannst du nicht wie ein normaler Mensch die Tür benutzen?" fragte sie, während sie in die Küche ging, um sich ein Glas Wasser zu holen. "Die Balkontür stand offen," antwortete er schlicht, und sie wusste, dass er dabei mit den Schultern zuckte. Sie sagte nichts weiter und trank aus ihrem Glas, während sie hörte, wie Sasuke die Balkontür zuschob.
Müde stellte sie ihr Glas ab und ging langsam zu ihrem Besucher. "Komm," sagte sie leise und zog ihn am Handgelenk. Sie dirigierte ihn zum Sofa und setzte sich rittlings auf ihn, sobald er saß. Sofort wanderten seine Hände an ihre Hüften, und sein linker Mundwinkel zuckte nach oben. Sakura ließ sich jedoch nicht von ihrem Plan abhalten. Sie lehnte sich ein Stück über ihn, sodass sie ein wenig höher und somit über seinem Kopf positioniert war. Sasuke legte seinen Kopf auf die Lehne des Sofas, während Sakura eilig ihre Fingerspitzen neben seine Augen platzierte. Sasuke stöhnte genervt auf. "Ich habe doch gesagt, dass ich es nicht vergessen habe," erwiderte sie nur. Kurz schloss der Uchiha seine Augen, und Sakura wollte augenblicklich beginnen, Chakra in ihre Fingerspitzen zu konzentrieren. Doch ehe sie sich versah, packte er blitzschnell ihre Handgelenke und bewegte seinen und ihren Körper so schnell, dass sich die junge Frau im nächsten Moment unter ihm befand. Ihr linkes Bein hing vom Sofa ab, das rechte war angewinkelt, und ihr Gegenüber lag auf ihr, während er ihre Handgelenke über ihrem Kopf zusammenhielt.
„Ein Ninja sollte immer wachsam sein," flüsterte er leise an ihrem linken Ohr und küsste die Stelle hinter ihrem Ohrläppchen. Augenblicklich erfasste Gänsehaut ihren gesamten Körper, während ihr Herz wie wild zu pochen begann. Das Gefühl von Aufregung breitete sich in ihrem Oberkörper aus. So war es immer, wenn er ihr so nah kam. "Ninjas sollten sich auch regelmäßig untersuchen lassen, damit sie weiterhin problemlos ihre Fähigkeiten anwenden können," flüsterte sie leise zurück. Unbeirrt küsste Sasuke sich nun an ihrem Kiefer entlang. "Sasuke, das ist wichtig," sagte sie leise und versuchte zu ignorieren, dass ihr Körper immer mehr zu Butter wurde, während Sasuke sie weiter küsste. "Es ist nicht bekannt, ob du das Mangekyō Sharingan ohne Erblindung benutzen kannst, nur weil es die Augen deines Bruders sind," fuhr sie fort. Sasuke versteifte sich sofort in seiner Bewegung und ließ von ihr ab. Er richtete sein Gesicht auf und sah sie mit zusammengezogenen Brauen an. Nun war er verärgert und erhob sich schließlich.
Sakura atmete kurz durch, um ihr Herz ein wenig zu beruhigen und ihre Gedanken wieder geordneter zu bekommen. Sie setzte sich auf und sah zu ihm hinüber. Sasuke schaute seinerseits aus dem Balkonfenster und stand mit dem Rücken zu ihr. "Warum fängst du immer wieder damit an?" fragte er sie kühl. All die Wärme, die sich in ihrem Körper angestaut hatte, entwich durch seine kalte Stimme. Sakura war noch immer erstaunt darüber, welche Macht er auf auf ihren Körper und Seele ausübte. "Es ist wichtig. Ich möchte nicht, dass du erblindest wie dein Bruder," flüsterte sie mit fester Stimme. Sie war aufgestanden und stand nun ebenfalls mit verschränkten Armen hinter ihm. Sasuke drehte sich um und sah direkt in ihre Augen. "Woher weißt du das?" Sie wich seinem Blick nicht aus. "Weil ich lese, Sasuke. Es gibt Niederschriften über deine Blutlinie, weißt du?" Sasuke verschränkte wieder die Arme vor sich und gab ein Tzz von sich. "Wenn man seine zweiten Augen aus der gleichen Blutlinie bekommt, ist das Risiko der Blindheit damit ausgemerzt," erklärte er ihr nun. "Aber es ist nicht bewiesen, Sasuke. Wie du weißt, können wir das nicht erforschen, da es niemanden ...", Sakura hielt noch rechtzeitig inne. Sasukes Augen verengten sich: "Da es niemanden mehr gibt. Mit Ausnahme von mir." Die Bitterkeit in seiner Stimme war deutlich zu hören.
Er ließ seine Arme sinken und machte sich daran, an Sakura vorbeizugehen. Er wollte gehen. Das tat er immer, wenn es um Gefühle oder sein Leben ging, egal ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. "Warum rennst du immer weg und bist so ein Feigling?!" fragte sie nun wütend, als er den Durchgang zum Flur erreichte. Sasuke blieb stehen und sah über seine rechte Schulter: "Weil Gefühle einen schwach machen. Das weißt du doch am besten."
Sakuras Augen weiteten sich. Wie konnte er nur so etwas Unbedachtes sagen? Sie entschied sich jedoch, nicht darauf einzugehen, denn sie spürte, dass seine Worte aus einem inneren Kampf und dem Gefühl der Bedrängnis resultierten. "Glaubst du das wirklich?" Überrascht lief sie um das Sofa herum und stemmte die Hände in die Hüften. "Ich denke, du bist feige, weil du dich deinen Gefühlen nicht stellen kannst. Weil du vergessen hast, auch die schönen Gefühle zu fühlen, nicht nur die traurigen. Du hast so viele Jahre Hass und Wut in dir getragen, du hast es praktisch gelebt. Du warst jahrelang isoliert und musst all das wieder lernen zuzulassen. Ja es ist nicht angenehm aber es ist nicht unmöglich mehr als negative Gefühle zu empfinden" Sakura sprach sich in Rage und gestikulierte nun mit den Händen. Sasuke hatte sich inzwischen wieder ganz zu ihr umgedreht. Müde sah sie ihn an. Es kostete viel Kraft, diese Gespräche mit ihm zu führen. Tränen hatten sich in ihren Augen gesammelt. Es tat ihr unendlich leid, was Sasuke erleiden musste und welche Qualen er noch immer in sich trug. Sie verstand, warum er so verschlossen war, aber er musste wissen, dass er ihr vertrauen konnte.
Sasuke atmete hörbar aus, und sein Gesicht wurde ein wenig weicher. Mit zwei Schritten war er bei ihr und legte seine rechte Hand auf ihre linke Wange. "Ich will nicht, dass du wegen mir traurig bist. Ich habe dich so oft verletzt, Sakura." Sie blickte nun in seine Augen. "Du hast gesagt, du brauchst Zeit, und die gebe ich dir, Sasuke." Sie drückte mit ihrer rechten Hand seine linke, die schlaff neben seinem Körper hing. "Ich bin da, Sasuke. Ich war immer da, und ich werde es auch in Zukunft sein. Bitte, vertrau mir. Sprich mit mir oder... oder," Sakura unterbrach ihren Satz, da ihr eine Idee gekommen war. Doch sie wusste nicht, wie er reagieren würde, vermutlich nicht erfreut, das war ihr klar. Fragend hob er die Augenbrauen. "Oder zeig es mir," sagte sie offen heraus und trat noch einen Schritt auf ihn zu. Seine Augen verhärteten sich, und sie sah, wie eine Ader gefährlich an seinem Hals pulsierte. Er ließ seine Hand von ihrer Wange sinken. "Niemals." "Du musst mir nicht zeigen, was Itachi getan hat. Zeig mir dein Leben mit deiner Familie, mit ihm, wie es dir danach ging und auch damals, als du nicht bei uns warst. Wenn du es nicht sagen kannst, kannst du es mir zeigen,. Bestimmt kann ich dich dann besser verstehen." erklärte sie ruhig. Sakura wusste, dass Sasuke in die Erinnerungen anderer Menschen sehen konnte. Er konnte ebenso Menschen in ein Genjutsu packen, so wie er es nach dem Krieg bei ihr getan hatte, damit er mit Naruto den letzten Kampf ungestört antreten konnte. Sicherlich konnte er auch seine Erinnerungen nach seinen Bedingungen teilen.
Sasukes Augen weiteten sich. "Nein, ich... ich..." Sakura machte nochmals einen kleinen Schritt auf ihn zu, um ihn nun zu umarmen. "Du musst es nicht, Sasuke. Ich möchte dich verstehen, dann kann ich dir besser helfen. Lass mich das für dich tun. Aber du musst einen Weg finden, mit mir zu sprechen, irgendwie. Nur dann wird es dir besser gehen," flüsterte sie leise gegen seine Schulter. Nun schlang er seine Arme um sie und drückte sie dicht an seinen Körper.
Einige Stunden später erwachte Sakura auf dem Rücken. Es war noch immer Nacht. Sie blinzelte und sah nach rechts zu dem schwarzhaarigen Mann neben sich. Er war geblieben. Sasuke lag ihr zugewandt auf der Seite. Seine Augenbrauen zuckten kurz, und seine Stirn zog sich zusammen. Wahrscheinlich träumte er. Sakura legte sich nun ebenfalls auf die Seite und streichelte seine Wange. Nur Sekunden später entspannte sich sein Gesichtsausdruck. Müde sah sie ihn an und erinnerte sich an das Gespräch, das sie vor einigen Wochen geführt hatten.