Kapitel 48
Kapitel 48
Die ersten Strahlen der Morgensonne tauchten den Horizont in ein sanftes Licht, während der feuchte Nebel von der heißen Quelle die frische Luft erfüllte. Auf der Veranda der kleinen Unterkunft standen Sakura und Sasuke eng umschlungen, ihre Körper dicht aneinander gelehnt, als könnten sie so die Zeit aufhalten, die unbarmherzig gegen sie arbeitete. Sasuke war bereits in seiner Anbu-Uniform gekleidet. Das dunkle, schlichte Outfit schien ihn zu verschlucken, ihn fast eins mit den Schatten zu machen. Sakura hingegen trug ihre Jonin-Kleidung. Sasukes Arme ruhten fest und gleichzeitig behutsam um Sakuras Taille, als wollte er sie vor dem unausweichlichen Moment der Trennung beschützen. Ihre Hände umschlangen seine Mitte. Die kühle Morgenluft umgab sie, doch in ihrer Umarmung lag eine solche Wärme, dass die äußere Welt verblasste: der Nebel, die aufziehende Sonne und selbst die Pflicht, die schon bald wie ein Schatten über ihnen schweben würde. Sakuras Gesicht ruhte sanft an Sasukes Schulter, ihre Augen waren geschlossen, während sie versuchte, diesen flüchtigen Moment tief in ihrem Inneren zu bewahren, als könnte sie ihn für die Ewigkeit konservieren. Sasuke ließ sein Kinn leicht auf ihrem Haar ruhen und der sonst so ernste Ausdruck seines Gesichts wurde durch eine ungewohnte, leise Zärtlichkeit gemildert.
Langsam löste Sakura ihren Kopf von seiner Brust und sah zu ihm auf. Nur einen Tag nach ihrer Hochzeit mussten sich Sakura und Sasuke bereits wieder voneinander verabschieden. Beide hatten Missionen zu erfüllen, die im Dienst Konohas standen. Sasuke hob langsam eine Hand, während ein schwaches Morgenlicht über ihre Gesichter strich und strich eine lose Strähne aus Sakuras Gesicht. Seine Finger verweilten sanft auf ihrer Wange, fühlten die Wärme ihrer Haut und die kleine, fast unsichtbare Spannung darunter. Sakura schloss die Augen, ihre Lippen leicht geöffnet und lehnte sich in die Berührung hinein, als wollte sie jede Sekunde davon in sich aufsaugen. Sasuke ließ seine Hand in einer fließenden Bewegung hinabgleiten, bis sie leicht ihren Kiefer streifte. Mit einer langsamen, beinahe zögerlichen Bewegung neigte er sich vor. Sakura öffnete die Augen einen winzigen Spalt, gerade genug, um seinen ernsten Blick zu sehen, bevor sie sich ihm entgegen neigte. Ihre Lippen trafen sich schließlich in einem sanften, tiefen Kuss. Seine Hände fanden ihren Weg an ihre Hüfte, hielten sie behutsam und doch so fest, dass sie die Stärke seiner Gefühle spüren konnte. Sakura legte ihre Hände an seine Brust, spürte die gleichmäßigen Schläge seines Herzens, die einen beruhigenden Kontrast zu der intensiven Emotion des Augenblicks bildeten. Als sie sich schließlich voneinander lösten, blieben ihre Stirnen aneinander gelehnt. Beide atmeten schwer, ihre Atemzüge verschmolzen in der Stille. Sasuke hob leicht den Kopf, sodass ihre Augen sich trafen, und flüsterte leise: „Ich werde zurückkommen.“ Seine Stimme war ruhig, aber dahinter lag eine unerschütterliche Entschlossenheit, die wie ein Versprechen in der Luft hing. Sakura öffnete die Augen, ein schwaches, warmes Lächeln auf ihren Lippen. „Ich weiß,“ hauchte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, das dennoch die Sicherheit in ihren Worten trug. Einen Moment länger blieben sie so, ihre Stirnen noch immer aneinander, bevor Sasuke sanft zurücktrat.
Die Zeit ließ sich nicht aufhalten und als sie sich schließlich voneinander lösten, kehrte die Wirklichkeit mit leiser Härte zurück. Beide schwiegen, als sie nun ihre Hände hielten, die Wärme ihrer Berührung ein stiller Trost. Ihre Ringe, Symbole eines Lebens, das sie so kurz miteinander geteilt hatten, lagen schwer auf um ihre Ringfinger, fast wie ein unausgesprochener Abschied. Die Gefahr, ihre Verbindung als Ehepartner offenzulegen, zwang sie dazu, ihre Ringe zu Hause zu lassen. Mit einer stummen Übereinkunft lösten sie schließlich ihre Finger voneinander und fast synchron nahmen sie ihre Ringe ab. Sasuke öffnete einen kleinen Lederbeutel, den er aus seiner Uniform gezogen hatte und hielt ihn Sakura hin. Sie legte ihren Ring hinein, zögerte einen Moment, bevor sie seine Hand kurz drückte. Er legte seinen eigenen Ring dazu und verschloss den Beutel mit einer Präzision, die seine Entschlossenheit widerspiegelte. Ein sanftes Flügelschlagen ließ beide aufblicken. Sasukes Falke landete anmutig auf dem Geländer der Veranda, sein Blick scharf, als würde er die Bedeutung des Moments spüren. Sasuke befestigte den Beutel an der Kralle des Vogels und sprach leise: „Bring das zu Naruto.“ Der Falke stieß einen kurzen, beinahe zustimmenden Ruf aus und schwang sich in die Lüfte, seine Silhouette verschwand rasch im aufgehenden Licht des neuen Tages. Sakura sah dem Vogel nach, ihre Augen folgten ihm, bis er nicht mehr zu sehen war.
Sie atmete tief durch und drehte sich zu Sasuke, ein schwaches Lächeln auf ihren Lippen, bittersüß und voller unausgesprochener Worte. „Pass auf dich auf,“ sagte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Sasuke hielt ihrem Blick stand, sein Gesicht noch immer ruhig, aber in seinen tiefen, dunklen Augen lag etwas, das sie verstand. „Du auch,“ erwiderte er mit fester, leiser Stimme. Dann wandte er sich ab, setzte seine Anbu Maske auf und schnallte sein Kusanagi-Schwert auf den Rücken. Er sah nicht zurück, als er die Stufen von der Veranda hinabstiegt und blitzschnell im Wald verschwand. Sakuras Ziel lag im fernen Reich des Wassers, wo sie eine Fortbildung unter der Leitung eines legendären Heilers beginnen würde. Diese Ausbildung sollte sie befähigen, Chakraströme zu harmonisieren, zu verbinden, selbst wenn sie gestört waren. Es war eine seltene Fähigkeit, die nur wenige ohne das Byakugan meistern konnten.
Die Mission, die Kakashi Sasuke persönlich übertrug, war von höchster Geheimhaltungsstufe. Eine Untergrundorganisation, bekannt als Kagerō no Yami, war im Blitzreich aktiv geworden. Berichte deuteten darauf hin, dass sie mutmaßlich wertvolle und seltene Ninja gefangen nahmen, um sie für Experimente oder dunkle Rituale zu missbrauchen. Die Organisation hatte bereits mehrere kleinere Dörfer destabilisiert und ihre Methoden waren rücksichtslos und brutal. Sasukes Rolle bestand darin, Informationen über die Struktur und Hierarchie der Organisation zu sammeln und wenn möglich, wichtige Mitglieder auszuschalten. Mit seinem rechten Sharingan und dem linken Rinnegan war er die ideale Wahl für eine Mission, die sowohl Spionagegeschick als auch kraftvolle Kampffähigkeiten erforderte. „Sei vorsichtig“, hatte Kakashi gesagt, bevor Sasuke aufbrach. „Diese Gruppe ist gerissen. Wir wissen nicht, wie viel sie über dich wissen, aber sie haben Verbindungen, die uns Sorgen machen. Vertrau niemandem.“
Nach einigen Tagen der Reise infiltrierte Sasuke unbemerkt die äußeren Grenzregionen des Blitzreiches. Unter einem sternenlosen Himmel, verborgen in den Schatten der Bäume, nutzte er sein Sharingan, um Chakra-Spuren zu folgen, die ihn zu einer kleinen, abgelegenen Siedlung führten. Der Ort war auf den ersten Blick unscheinbar, doch Sasuke bemerkte die auffällige Ruhe. Es gab keine Dorfbewohner auf den Straßen und der Rauch aus den Häusern stieg wider Erwarten gerade auf, ein Zeichen, dass jemand dort war, aber sich versteckte. Er aktivierte sein Rinnegan, um durch die Wände der Hütten zu sehen und erblickte mehrere Männer, die um einen Tisch saßen und Pläne schmiedeten. Ihre Chakraströme waren unruhig, als wären sie ständig bereit für einen Angriff. Sasuke schlich sich näher heran und lauschte. Die Männer sprachen in gedämpften Stimmen, doch er konnte Bruchstücke aufschnappen: „Uchiha... einzigartig... unermesslich wertvoll...“ Seine Augen verengten sich. Es war offensichtlich, dass sie über ihn Bescheid wussten, er war nun mal der letzte Uchiha. Sasuke zog sich unauffällig zurück, um die Information an Konoha weiterzugeben, doch bevor er sich vollständig entfernen konnte, spürte er plötzlich eine massive Chakra-Ansammlung hinter sich.
Sasukes Reflexe waren scharf, doch der Angriff war perfekt koordiniert. Eine mächtige, chakraverstärkte Falle explodierte um ihn herum, erschütterte den Boden und hinterließ ihn in einer Staubwolke. Sofort sprangen vier maskierte Ninja aus den Schatten hervor, jeder mit tödlicher Präzision bewaffnet. Sasuke zog in einer flüssigen Bewegung sein Kusanagi-Schwert und wehrte den ersten Angriff ab, indem er die Klinge seines Gegners mit seiner eigenen kreuzte. Sein Sharingan begann rot zu leuchten, die Muster seiner Mangekyō-Aktivierung strahlten selbstbewusst. Mit einem schnellen Jutsu stieß er eine Welle aus Elektrizität aus, die seine Angreifer kurzzeitig lähmte. Sasuke drehte sich und griff den Schwächsten zuerst an, ein klarer Schnitt seines Schwertes beendete den Kampf in Sekunden. Doch während er den Kampf dominierte, bemerkte er zu spät die Aktivierung eines Siegels, das auf dem Boden unter ihm erschien. „Verdammt!“, rief er, als die Siegelrunen leuchteten und ihn mit einer Kombination aus Fesseln und Chakra-Blockade festsetzten. Noch bevor er einen Gegenangriff starten konnte, stürzte ein weiterer Gegner auf ihn zu und schlug ihn mit einem Chakra-verstärkten Schlag gegen die Brust zurück. Der Aufprall schickte ihn flach auf den Boden und die Luft entwich seinen Lungen. „Der letzte Uchiha…“, murmelte einer der maskierten Männer, bevor er Sasuke bewusstlos schlug. Seine Maske zerbrach, ein Teil seiner Rüstung wurde durch den Aufprall aufgesplittert und die letzten Worte, die Sasuke hörte, bevor Dunkelheit ihn umfing waren: „Der große Schatz ist unser.“
Sasukes Gefangennahme war so präzise wie gnadenlos. Die Gegner legten ihm Fesseln aus Chakra-absorbierenden Metallen und Siegeltechniken an, die ihm jede Möglichkeit nahmen, seine Kraft einzusetzen. Jede Bewegung wurde zur Qual, jeder Atemzug schien schwerer zu werden, je weiter sie ihn von der frischen Luft der Nacht und dem Gefühl von Freiheit fortbrachten. Sein Kusanagi-Schwert wurde ihm entrissen und sie transportierten ihn wie ein kostbares, aber gefangenes Relikt, das durch enge, geheime Pfade geschleppt wurde. Ihr Ziel war eine alte, versteckte Basis tief in den unterirdischen Höhlen des Blitzreichs. Auf dem Weg dahin verlor er immer wieder das Bewusstsein, zur Freude seiner Entführer, denn so war es ihm nicht möglich den Weg zu kennen. Als Sasuke erwachte, war es, als würde er aus einem Alptraum in einen noch schlimmeren übergehen. Der Raum um ihn war dunkel und kalt, die Luft klamm und erfüllt von einem beißenden Geruch nach Feuchtigkeit und Metall. Seine rechte Schulter pochte vor Schmerz, sie war ausgekugelt, und seine Anbu-Rüstung hing in Fetzen an seinem Körper. Nicht zu vergessen die eisernen Fesseln, die seine Hände und Beine hielten, durch Siegel verstärkt, die sein Chakra blockierten und seinen ohnehin geschwächten Zustand noch hoffnungsloser machten. Ein scharfes, blendendes Licht traf sein Gesicht und zwang ihn, die Augen zusammenzukneifen. „Zeig uns dein Rinnegan“, zischte eine raue Stimme, durchdringend und voller abgründiger Autorität. Sasuke schloss die Augen, weigerte sich, zu reagieren. Das hielt jedoch nicht lange an, ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Körper, als eine elektrische Ladung ihn traf. Sein Rücken krümmte sich reflexartig, doch er gab keinen Laut von sich. Als er die Augen öffnete, flammte sein Sharingan hellrot auf, während das Rinnegan in seinem linken Auge schwach aber unerschütterlich violett leuchtete. „Ihr werdet nichts aus mir herausbekommen“, knurrte er, seine Stimme war gepresst, aber voller trotziger Entschlossenheit. Die Worte schienen seine Peiniger zu amüsieren.
Ein spitzer Gegenstand bohrte sich abrupt in seine rechte Schulter, was ihm ein unterdrücktes Knurren entlockte. Seine Zähne pressten sich zusammen und er zwang sich, seinen Schmerz nicht sichtbar zu machen. In der Dunkelheit hinter dem grellen Licht hörte Sasuke, wie zwei Stimmen miteinander diskutierten. „Du Idiot! Wenn er das Rinnegan einsetzt, bist du geliefert!“, polterte eine tief grollende Stimme, die klang, als würde sie zu einer massigen Gestalt gehören. „Sei froh, dass die Fesseln sein Chakra blockieren.“ Die zweite Stimme klang dagegen scharf und beinahe fiebrig, wie die einer kleinen, schlanken Gestalt. „Vielleicht sollten wir ihm die Augen einfach rausnehmen. Beide. Dann hätten wir Zugang zu all seinen Fähigkeiten. Ist doch egal ob tot oder lebendig!“ Ein gereiztes Stöhnen folgte. „Nein! Der Plan hat sich geändert. Der Uchiha ist mit dem Jinchūriki befreundet. Es geht auch um den Fuchsgeist, nicht nur um die Augen.“ Während ihre Worte durch den Raum hallten, zwang Sasuke seinen Geist, wach zu bleiben und zu analysieren. Der pochende Schmerz in seiner Schulter, die lähmende Kälte der Fesseln und die höhnischen Stimmen vermischten sich zu einem einzigen, zermürbenden Rauschen. Aber er hielt an einem Gedanken fest: Er durfte nicht brechen.
Die Tage, die folgten, wurden zu einem verwischten Albtraum. Die Peiniger experimentierten unermüdlich mit verschiedenen Methoden, um ihn zum Reden zu bringen. Elektroschocks schickten Wellen aus Schmerz durch seinen Körper, ihre Schläge ließen seine Rippenknochen knacken, und die scharfen Gegenstände, die sie immer wieder in ihn bohrten, brannten wie Feuer. Doch so brutal ihre Methoden auch waren, sie ließen ihn niemals zu weit gehen. Sie heilten die schlimmsten Wunden oberflächlich, nur um ihn für die nächste Runde zu „retten“. Fast zwanzig Stunden am Tag musste Sasuke in einer erzwungenen Haltung stehen. Die Ketten, die von der Decke herabhingen, hielten seine ausgestreckten Arme fest, sodass nur die Spitzen seiner Zehen den Boden berührten. Jeder Muskel in seinem Körper brannte vor Anstrengung und doch weigerte er sich, ihnen die Befriedigung zu geben, irgendeine Schwäche zu zeigen. Sein Wille war eine unerschütterliche Bastion, die ihre schändlichen Versuche, ihn zu brechen, abprallte. Diese Tortur würde er überstehen, davon war er überzeugt. Die unzähligen Male, in denen er als Kind durch Itachis Tsukuyomi gezwungen worden war, das Abschlachten seines Clans zu erleben, hatten ihn geistig abgehärtet. Diese endlosen Qualen, die er damals durchlitten hatte, hatten seinen Geist gestählt und ihn widerstandsfähiger gegen solche Situationen gemacht im Nachhinein. Jetzt war es eben jener eiserne Kern, der ihn am Leben hielt.