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Kapitel 49

The Blossom & The Moon — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 49

Die Rückreise nach Konoha war für Sakura eine Mischung aus Stolz und Vorfreude. Die langen Wochen der intensiven Schulung im Wasserreich hatten sie körperlich und geistig erschöpft, aber auch gestärkt. Sie war vier Wochen nicht zu Hause gewesen. Ihr Wissen über die komplizierte Harmonie der Chakraströme war gewachsen und sie konnte es kaum erwarten, ihre neuen Fähigkeiten einzusetzen, vor allem, um Sasuke davon zu erzählen und seinen überraschten Gesichtsausdruck zu sehen. Sie stellte sich vor, wie er mit seiner typischen kühlen Fassade darauf reagieren würde, doch vielleicht, nur vielleicht, würde ein kleiner Anflug von Stolz in seinen Augen zu erkennen sein. Dieser Gedanke ließ ein kleines Lächeln über ihr Gesicht huschen, als sie die Grenzen von Konoha erreichte. Sasuke müsste bereits zurück von seiner Mission sein und sie freute sich unheimlich ihn zu sehen. Selten waren sie so lange getrennt voneinander und das sie gleich den ersten Tag nach ihrer Hochzeit beide ihren Missionen nachgehen mussten war besonders schwer gewesen. Da Sasuke erklärt hatte seine Mission sei sehr gefährlich hatten sie besprochen nicht miteinander Kontakt per Brief zu halten. Es war doppelt ärgerlich aber die Sicherheit ihrer Leben musste über ihren persönlichen Gefühlen stehen. Die vertrauten Straßen und die sanfte Brise, die durch die Bäume des Dorfes wehte, erfüllten sie mit einem Gefühl von Wärme. Sie eilte durch das Dorf, das Herz voller Ungeduld. Natürlich musste sie zuerst dem Hokage Bericht erstatten, denn im weiteren Sinne war auch diese Schulung so etwas wie eine Mission. Doch als sie das Hokage-Büro erreichte, spürte sie eine seltsame Schwere in der Atmosphäre. Die sonst so quirligen Anbu-Wachen standen still und schauten sie mit leisen, besorgten Blicken an. Die freundlichen Gesichtsausdrucke verschwanden aus ihrem Gesicht und als Reaktion darauf machte sich ein Gefühl der Beklommenheit in ihrer Brust breit.

Sie öffnete die Tür und trat in das Büro, wo Kakashi an seinem Schreibtisch saß, den Kopf in die Hände gestützt. Naruto stand in der Nähe, die Stirn in tiefe Falten gelegt, während seine Hände unruhig zuckten. Ihre Ankunft ließ die beiden Männer aufblicken und die ernste Stille im Raum war beinahe greifbar. Es schien als hätten die beiden auf sie gewartet. Leise schloss sie die Tür. „Sakura…“, begann Kakashi langsam, seine Stimme tief und schwer. „Setz dich.“ „Was ist los?“, fragte sie sofort, ihre Augen wanderten zwischen Naruto und Kakashi hin und her. Ihr Atem wurde schneller, während ein unheilvolles Gefühl ihre Gedanken überschattete. Als keiner der beiden sofort antwortete, wurde ihr übel, sie verstand sofort: „Wo ist Sasuke? Was ist passiert?“ Naruto sah weg, biss sich auf die Unterlippe und schien mit den Worten zu kämpfen, die er aussprechen wollte. Kakashi atmete tief durch, stand auf und trat näher zu ihr. „Sasuke wird vermisst. Seit Beginn seiner Mission haben wir keine Rückmeldung erhalten. Wir wissen nicht wo er ist.“ Es war gut, dass Kakashi die Wahrheit nicht mied oder beschönigte. Alle wichtigen Fakten hatte er in diesen wenigen Sätzen verpackt. Doch die Worte trafen Sakura mit der Wucht eines Faustschlags. Ihre Knie gaben nach und sie stürzte zu Boden, die Hände auf den Holzboden gelegt, während ihr Körper zu zittern begann. Sie schüttelte den Kopf, als wollte sie die Realität abwehren, die sich vor ihr entfaltet hatte. „Das kann nicht sein…“, flüsterte sie, ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Ihre Schultern zitterten und Tränen begannen unaufhaltsam über ihre Wangen zu strömen, während sie sich aufrichtete, nur auf ihrem Allerwertesten sitzen zu bleiben. „Nein, nein, das ist nicht wahr! Das ist ein Fehler, oder? Sagt mir, dass das ein Fehler ist!“ Naruto kniete sich neben sie, legte zögerlich eine Hand auf ihre Schulter. Sein Herz fühlte sich schwer an, während er zusah, wie eine der stärksten Personen, die er kannte, vor ihm zusammenbrach. „Sakura...“, begann er sanft, seine Stimme brach fast unter der Last seiner eigenen Emotionen. „Wir werden alles tun, um ihn zu finden. Aber du musst stark bleiben, für ihn.“ Sakura hob ihren Kopf, ihre Augen waren bereits gerötet und voller Schmerz, während sie Naruto ansah, den Schmerz in ihrem Inneren konnte sie mit keinem Wort beschreiben. „Er… er ist alleine da draußen… verletzt… oder schlimmer… und wir wissen nicht, wo er ist! Wie könnt ihr das zulassen?! Er ist seit 4 Wochen verschwunden! 4 Wochen!“ Kakashi, stand auf und trat näher. Er sprach mit einer ruhigen, aber ernsten Stimme: „Wir haben alles mobilisiert, um ihn zu finden. Ich habe ein Spezialteam zusammengestellt. Naruto, Neji, Shikamaru sie sind bereit zum Aufbrauch. Sie machen sich noch heute auf den Weg. Wir werden ihn zurückbringen, das verspreche ich.“

Sakura rang nach Atem, ihre Finger krallten sich gegen ihre Brust, als würde sie verzweifelt versuchen, den schmerzhaften Abgrund in ihrem Inneren zu schließen, den die Nachricht hinterlassen hatte. Natürlich wusste sie, dass Missionen manchmal länger dauern konnten. Doch Sasuke war seit zwei Wochen überfällig. Seine Mission war für zwei Wochen angesetzt gewesen und wieso hatte Kakashi nicht früher gehandelt? Vor ihrem inneren Auge erschienen Bilder, schreckliche Bilder, von ihm, verwundet, allein, gefangen in der Dunkelheit. Eine weitere brennende Träne löste sich von ihren Wimpern und fiel auf den Boden. Ihre Stimme, kaum mehr als ein Flüstern, entrang sich ihren bebenden Lippen: „Sasuke... warum kämpfst du immer allein?“ Naruto stand neben ihr und beobachtete sie, sein Gesicht eine Mischung aus Mitgefühl und unerschütterlicher Entschlossenheit.  „Er wird nicht allein bleiben. Nicht dieses Mal. Wir holen ihn zurück, Sakura.“ Tief erschüttert hob Sakura langsam ihre zitternden Hände, setzte sich auf ihre Versen und wischte sich schließlich die Tränen aus ihrem Gesicht. Ihre Schultern bebten, während sie einen zittrigen Atemzug nahm. Mit einer Kraftanstrengung zwang sie ihre Beine aufzustehen, sie zu tragen, obwohl sie sich anfühlten, als würde sie jedes Gewicht der Welt mit sich schleppen. „Ich werde mitkommen“, sagte sie schließlich, ihre Stimme leise, aber klar und entschlossen. Doch Kakashi, mit einem ernsten und ruhigen Blick, schüttelte den Kopf. „Dein Platz ist hier, Sakura. Wir brauchen dich in Konoha. Du musst bereit sein, wenn er zurückkommt.“ Ein Funke roher Wut flammte in ihr auf, durchdrang den Schmerz und die Schwäche. Ihre Augen funkelten vor Zorn, als sie den Hokage anblickte. „Wie konntest du ihn auf so eine Mission schicken? Wie konntest du das zulassen?!“ Ihre Stimme bebte vor aufgewühlten Emotionen. Die pure Frustration und Hilflosigkeit, die in ihr brodelten, ließen ihren Körper vibrieren, als die Worte aus ihr herausbrachen. Wie konnte Kakashi das ihm, nein ihnen, antun?  Ihr Blick bohrte sich in Kakashi. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Kakashi, dessen Ausdruck wie immer ruhig blieb ließ ihre Worte auf sich wirken. Dann trat er einen weiteren Schritt näher, legte seine Hände auf ihre Schultern und blickte ihr fest in die Augen, bevor er mit fester, aber verständnisvoller Stimme sprach. „Sakura, ich verstehe deine Wut, und ich verstehe, warum du das fragst. Aber Sasuke ist ein Anbu. Er hat sich diesem Leben verschrieben, genauso wie jeder Anbu-Shinobi. Die Risiken gehören dazu und er wusste das besser als jeder andere.“ Sakura schüttelte den Kopf, die Tränen rannen wieder über ihr Gesicht. „Das macht es nicht besser, Kakashi! Nur weil er sich den Anbu angeschlossen hat, heißt das nicht, dass er alleine in so eine Situation geschickt werden sollte! Du weißt, wie gefährlich diese Missionen sind!“ Kakashi nickte langsam und nahm seine Hände von ihren Schultern. „Ich weiß es, Sakura. Genau deshalb war Sasuke für diese Mission ausgewählt worden. Er ist einer der fähigsten Shinobi in Konoha, vielleicht sogar der Fähigste. Es war keine leichte Entscheidung, ihn zu schicken. Aber er hat diese Verantwortung aus eigenem Willen übernommen. Es macht für ihn keinen Unterschied wie schwer oder riskant eine Mission sein kann. Er wollte Konoha beschützen, genauso wie du es tun würdest, wenn du an seiner Stelle wärst.“

Sakura senkte ihren Blick, ihr Zorn prallte gegen Kakashis rationale Erklärung, konnte jedoch den tiefen Schmerz in ihr nicht lindern. „Aber er ist mein Mann…“ Ihre Stimme brach und sie drückte ihre zitternden Hände gegen ihre Brust. „Er sollte nicht allein da draußen sein.“ Naruto trat näher, sah erst Kakashi und dann Sakura an. „Deshalb bringen wir ihn zurück, Sakura. Ich verspreche dir, wir werden alles tun, um Sasuke zurückzubringen.“ Sakuras Gedanken verweilten bei Narutos Worten, sein Versprechen, Sasuke zurückzubringen. Die Entschlossenheit in seinen blauen Augen war so tief und echt, dass sie beinahe einen Funken Hoffnung in ihr weckte. Doch kaum hatte sie begonnen, daran zu glauben, kroch die Erinnerung an ein anderes Versprechen aus den Schatten ihrer Vergangenheit hervor, ein Versprechen, das ebenfalls von Naruto gekommen war. Es war damals, in jenen Tagen, als Sasuke freiwillig das Dorf verlassen hatte, getrieben von seinem unstillbaren Durst nach Rache und Macht. Sie erinnerte sich noch deutlich an den Moment, als sie Naruto unter Tränen angefleht hatte, ihn zurückzubringen. Erst später hatte sie begriffen welche Last sie damit Naruto aufgebürdet hatte. Naruto wiederum hatte ihr damals dasselbe Versprechen gegeben. Er hatte gesagt, dass er Sasuke nach Hause bringen würde, egal, was es koste. Seine Worte hatten ihr damals Hoffnung gegeben, eine Hoffnung, die jedoch zerbrach, als Naruto nach seiner erfolglosen Mission verletzt und ohne Sasuke zurückgekehrt war. Auch er hatte damals einen Fehler mit dem Versprechen gemacht auch wenn er daran wirklich geglaubt hatte. Die Bilder jener Tage kamen in ihr hoch: die Verzweiflung, die Schuldgefühle und die Leere, die Sasukes Abwesenheit hinterlassen hatte. Und nun, Jahre später, schien sich die Geschichte auf schmerzhafte Weise zu wiederholen. Wieder war Naruto bereit, Sasuke zu suchen. Wieder gab er ihr ein Versprechen. Doch konnte sie sich diesmal darauf verlassen, dass es eingelöst werden würde? Immerhin verlangte sie es nicht von ihm. Sakura spürte, wie sich ihr Atem beschleunigte und sie drückte ihre Hände fester gegen ihre Brust. Die Furcht, erneut enttäuscht zu werden, drohte sie zu überwältigen und doch klammerte sie sich an den Funken, den Narutos Entschlossenheit entzündet hatte. Sie wusste, dass Naruto alles tun würde, um sein Versprechen zu halten. Doch der Schmerz der Vergangenheit hatte sich tief in ihr Herz eingebrannt, und sie konnte nicht verhindern, dass Zweifel in ihr aufstiegen. Trotzdem zwang sie sich, Naruto anzusehen. „Du hast mir das schon einmal versprochen, Naruto… und es ist dir damals nicht gelungen.“ Ihre Worte waren nicht voller Vorwürfe, sondern voller Schmerz. „Bitte… diesmal darfst du ihn nicht zurücklassen. Bringe ihn zurück.“ Ihre Stimme brach am Ende fast, aber die flehende Entschlossenheit in ihren Augen sagte mehr als ihre Worte. Naruto schwieg für einen Moment, schien die Last ihrer Erinnerung in sich aufzunehmen, bevor er ernst nickte. „Damals habe ich versagt… aber diesmal wird es anders sein, Sakura.“ Seine Worte waren ruhig, aber die Stärke darin war spürbar und für einen kurzen Moment fühlte Sakura, wie sich die Dunkelheit in ihrem Herzen ein wenig lichtete. „Findet ihn. Bringt ihn mir zurück. Egal, zu welchem Preis.“ Und ja es war anders, denn Sasuke wollte nicht gehen, er musste gehen, weil es eine Mission zum Wohle Konohas war. Und das machte einen enormen Unterschied.