Kapitel 50
Kapitel 50
Sakura war ein Schatten ihrer selbst. Die Nachricht von Sasukes Verschwinden hatte sie in ein tiefes Loch gerissen aus dem sie keinen Ausweg fand. Ihre einst lebendigen grünen Augen waren leer, als hätten sie ihren Glanz verloren. Dunkle Ringe zeichneten sich unter ihnen ab, ein stummer Beweis für die Nächte die sie ohne Schlaf verbrachte. Ihr Körper, sonst stark und voller Energie wirkte zerbrechlich und ihre Haut war blass wie Pergament. Sie aß kaum und selbst wenn sie es versuchte, blieb das meiste Essen trotzdem unberührt auf dem Teller. Es war als hätte sie jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren. In den stillen Stunden der Nacht saß sie oft allein in ihrem Schlafzimmer umgeben von einer bedrückenden Stille. Auf ihrem Schoß lag eines von Sasukes Hemden das sie fest an sich drückte. Sie vergrub ihr Gesicht darin, suchte verzweifelt nach seinem vertrauten Duft der langsam verblasste. Tränen liefen unaufhaltsam über ihre Wangen während sie leise flüsterte: „Warum musst du immer alles allein machen, Sasuke? Warum lässt du mich zurück?“ Ihre Stimme brach und sie sank auf den Boden, das Hemd noch immer in ihren Händen als wäre es das Einzige was sie mit ihm verband.
Als Hinata Sakura zwei Tage später besuchte fand sie diese zusammengerollt auf dem Sofa vor. Ihre Augen waren gerötet und ihr Atem ging flach. Hinata setzte sich neben sie und sprach mit sanfter Stimme. „Sakura, ich weiß, wie schwer das ist. Aber du musst auf dich aufpassen. Sasuke würde nicht wollen, dass du dich so quälst.“ Doch Sakura reagierte kaum. Sie nickte schwach, doch ihre Gedanken schienen weit weg zu sein. Hinata blieb dennoch, hielt ihre Hand und sprach leise weiter in der Hoffnung, dass ihre Worte Sakura ein wenig Trost spenden könnten. Als nächstes kam Ino. Sie war energischer, fast fordernd, als sie Sakura in die Küche zog und versuchte sie zum Essen zu bewegen. „Du kannst nicht einfach aufhören zu leben, Sakura! Sasuke wird zurückkommen aber er braucht dich stark!“ Doch Sakura schüttelte nur den Kopf, ihre Hände zitterten als sie den Löffel nicht einmal zum Mund führen konnte. Schließlich ließ Ino sie los uns setzte sich neben sie und umarmte sie fest. „Ich bin hier, okay? Egal, was passiert.“ Sakura sank in die Arme ihrer Freundin und weinte bitterlich. Tenten brachte eine kleine Pflanze mit, ein Symbol für Hoffnung und Wachstum. „Ich dachte, das könnte dir helfen“, erklärte sie mit einem schwachen Lächeln. Doch Sakura starrte nur auf die Pflanze, als könnte sie nicht verstehen warum jemand ihr so etwas brachte. Tenten blieb dennoch, erzählte Geschichten von ihren eigenen Missionen, versuchte, Sakura abzulenken. Doch die Worte prallten an der Mauer ab die Sakura um sich errichtet hatte. Temaris Präsenz war wie ein frischer Windstoß. Sie war auf eine andere Art als Ino direkter, denn sie wirkte fast schroff, als sie Sakura ansah. „Du bist stärker als das, Sakura. Du bist eine Kunoichi von Konoha. Du kannst nicht einfach aufgeben.“ Doch selbst Temaris Worte schienen Sakura nicht zu erreichen. Sie saß nur da, starrte auf ihre Hände und das Wort Hoffnung schien ihr Fremd. Die Tage vergingen und jede ihrer Freundinnen versuchte auf ihre Weise Sakura zu helfen. Die Angst schnürte Sakura die Kehle zu, unaufhörlich spielten sich die schlimmsten Szenarien in ihrem Kopf ab.
Zehn Tage waren vergangen, doch es gab nach wie vor keine Spur von Sasuke. In den stillen Stunden, wenn die Einsamkeit sie einholte nahm sie das Fotos in die Hand, eines davon zeigte einen Moment der so viel Wärme und Liebe eingefangen hatte. Auf dem Bild sah man wie Sasuke und Sakura sich nach dem ersten Schnappschuss noch einmal ansahen, ihre Blicke voller Zuneigung. Sakura hatte ihm einen zarten Kuss auf die Wange gehaucht und Sasuke hatte sie daraufhin noch enger an sich gezogen, als wollte er sie nie wieder loslassen. Dass Hinata in genau diesem Augenblick erneut auf den Auslöser gedrückt hatte war den beiden nicht bewusst gewesen. Es war im vergangenen Jahr zu seinem Geburtstag gemacht worden. Es war ein spontaner, intimer Moment, eingefangen in einem einzigen Bild das nun wie ein Dolch in Sakuras Herz stach. Ihre Finger glitten zitternd über die Oberfläche des Fotos, als könnte sie durch die Berührung die Wärme dieses Augenblicks zurückholen. Es war ein Bild voller Liebe und Geborgenheit. Ein Bild, das nun wie ein grausamer Hohn wirkte. „Sasuke... bitte komm zurück,“ flüsterte Sakura, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch. Die Worte hallten in der Stille wider, verloren und verzweifelt. Es war, als hätte das Schicksal sie verspottet. Sie hatten so viel durchgemacht, so viele Hindernisse überwunden nur um jetzt wo sie endlich zusammen sein konnten wieder auseinandergerissen zu werden.
Die Tage zogen sich wie ein endloser Albtraum hin und Sakura fühlte sich vom Leben betrogen. Sie hatten kaum Zeit gehabt ihr Leben als Ehepaar zu beginnen und nun war sie allein gefangen in einer Spirale aus Schmerz und Sehnsucht. In den dunkelsten Stunden ihrer Gedanken keimte eine bittere Wut in ihr auf. Sie sah die glücklichen Paare um sich herum und konnte die Eifersucht nicht unterdrücken. Es war nicht fair. Warum durften sie ihr Glück genießen, während ihres ihr entrissen wurde? Sakura war körperlich und emotional am Ende. Ihre Augen waren rotgerändert, ihre Wangen eingefallen und ihre Bewegungen wirkten mechanisch. Es war, als hätte sie all ihre Energie verloren, doch eine unnachgiebige Entschlossenheit hielt sie aufrecht. An diesem Morgen stand sie in der Tür zum Krankenhaus und starrte auf die Vertrautheit der Umgebung. Hier hatte sie unzählige Patienten behandelt, viele Leben gerettet und heute suchte sie hier Ablenkung. Nicht, weil sie stark genug war, sondern weil sie wusste, dass sie in Bewegung bleiben musste um nicht völlig in der Dunkelheit zu versinken. Tsunade bemerkte sofort ihren Zustand. „Sakura“, sagte sie mit strenger Stimme, als sie sie im Flur aufhielt, „Du bist nicht in der Verfassung zu arbeiten. Geh nach Hause und ruh dich aus.“ Ihre Worte waren direkt, doch in ihrer Haltung lag eine leise Besorgnis. Sakura blieb stehen, ihre Haltung schwankend doch ihr Blick fest. „Ich kann nicht zu Hause sitzen und warten, Tsunade-sama. Bitte… lassen mich arbeiten.“ Ihre Stimme war brüchig aber die Entschlossenheit darin war unüberhörbar. Tsunade runzelte die Stirn und die Falte zwischen ihren Brauen wurde tiefer. „Du kannst so nicht effektiv sein. Du bist müde, geschwächt und du isst kaum. Wenn du hier arbeitest wirst du am Ende selbst zusammenbrechen.“ Doch Sakura schüttelte den Kopf, die Tränen standen ihr in den Augen. „Ich muss etwas tun. Ich kann nicht einfach herumsitzen und nichts tun, während er da draußen ist, irgendwo… alleine.“ Ihre Stimme brach bei den letzten Worten, ihre Hände zu Fäusten geballt. „Lass mich wenigstens helfen. Ich muss mich nützlich fühlen.“ Tsunade seufzte tief, ihre Schultern sanken leicht. Sie wusste wie stur Sakura sein konnte und sie erkannte, dass ihr die Arbeit vielleicht mehr half, als sie schaden würde. „In Ordnung“, gab sie schließlich widerwillig nach. „Aber nur leichte Aufgaben. Und du machst Pausen, verstanden?“ Sakura nickte, die Erleichterung war für einen Moment in ihrem Gesicht zu sehen. So begann sie, Patientenakten zu sortieren, einfache Verletzungen zu behandeln und Kräuter für Salben vorzubereiten. Doch jeder Blick auf das Krankenhausbett oder auf einen verletzten Patienten erinnerte sie an Sasuke und die unbekannte Gefahr in der er steckte.
Das Warten war ein endloses Martyrium gewesen, doch an diesem Tag sollte es enden. Die Nachricht kam plötzlich: Naruto, Neji und Shikamaru waren zurückgekehrt und sie hatten Sasuke bei sich. Sakura war zufällig die erste Ärztin welche die Gruppe erreichte. Ihr blieb für einen Moment der Atem weg, als sie ihn auf der Trage sah auf welche er bereits gelegt wurde. Sasuke war kaum wiederzuerkennen. Sein Gesicht war blass, von Schmutz und getrocknetem Blut gezeichnet. Seine Kleidung war in Fetzen, sein Körper abgemagert und übersät mit schrecklichen Wunden und Blut. Doch das was sie am meisten traf war seine Reglosigkeit. „Sasuke!“ schrie sie, ihre Stimme zerriss die Stille des Flurs. Sie stürzte sich auf die Trage, ihre Hände zitterten, als sie sein Gesicht berührte. Seine Augen waren geschlossen, sein Atem nicht vorhanden. Naruto, Neji und Shikamaru standen daneben ihre Gesichter betreten und voller Sorge. „Er… er hat aufgehört zu atmen“, stammelte Naruto, seine Stimme ungewohnt leise, während er verzweifelt auf Sasuke zeigte mit Tränen in den Augen. „Nein! Nein, nein, nein!“, murmelte Sakura und Begriff was hier geschah. Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, rief sie: ‚Zurück! Ich kümmere mich darum!‘ Sie warf ihren Kittel beiseite, wodurch das Uchiha-Emblem auf der Rückseite ihres Oberteils deutlich sichtbar wurde und legte ihre Hände auf seine Brust. „Sasuke, du bleibst hier, hörst du? Du gehst nicht! Komm zurück!“ Ihre Stimme überschlug sich, während ihre Hände instinktiv mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begannen. Die Bewegungen waren verzweifelt und unkontrolliert, begleitet von Schnitten, die die Szenerie durchzogen wie unsichtbare Narben. Jede Kompression auf seiner Brust fühlte sich an wie ein stummer Hilfeschrei und die Pausen zwischen ihren Bewegungen waren von rohen, stoßweise kommenden Schluchzern durchzogen.
Tränen tropften auf ihre zitternden Hände, ihre Finger verschmiert mit Blut und Schweiß, als sie weiterhin abwechselnd Druck auf seine Brust ausübte und Luft in seine Lungen presste. „Bitte, Sasuke… bitte!“ murmelte sie, während das Echo ihres Flehens von den kühlen Wänden zurückgeworfen wurde. Mit jedem Moment, in dem keine Antwort kam, durchzog ein neuer schmerzlicher Schnitt ihr Herz, unsichtbar und doch so schmerzhaft. Ihre Bewegungen blieben hektisch, voller Panik, doch die Schnitte, die sie innerlich trafen, trieben sie immer weiter an. Sakuras verzweifelte Schreie hallten durch den Flur. Naruto, Neji und Shikamaru standen wie erstarrt, unfähig, einzugreifen oder Worte zu finden. Der sonst so energische Naruto starrte Sakura an, sein Mund geöffnet, während Neji seine Faust zitternd ballte. „Sakura…“, begann Shikamaru zögernd, doch er verstummte, als er die rohe Entschlossenheit in ihren Augen sah. Es war schrecklich mit anzusehen. Sakura presste weiter, zählte hektisch in ihrem Kopf. Ihr Atem ging stoßweise und ihr Körper begann vor Erschöpfung zu zittern. Ihr eigener Zustand war kritisch, doch sie hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Jeder Muskel in ihrem Körper schrie vor Schmerz, doch sie gab nicht auf. „Verdammt, Sasuke! Lass mich nicht allein! Du… du kannst nicht gehen!“ Ihre Kräfte schwanden, doch sie hob ihre zitternden Hände erneut. Gerade als sie dachte, sie würde zusammenbrechen, hörte sie Schritte. „Sakura!“ Tsunades laute, entschlossene Stimme hallte durch den Flur. Die ältere Frau stürmte auf sie zu, ihr Gesicht ernst, doch besorgt. „Ich übernehme“, bestimmte Tsunade, ihre Hände bereits nach Sakura ausgestreckt. Doch Sakura schüttelte heftig den Kopf, ihre Tränen fielen unaufhörlich. „Nein! Ich… ich schaffe das! Bitte! Ich kann ihn nicht verlieren… nicht so…“ Tsunade blieb für einen Moment still, dann legte sie ihre Hände über Sasukes Brustkorb, aktivierte grünes Chakra, um zu prüfen, ob sein Herz schlug, während sie sprach: „Du kannst nicht in diesem Zustand weiterkämpfen, Mädchen. Du hast nicht die Kraft.“ Doch bevor sie fortfahren konnte, sah sie die tiefe Entschlossenheit in Sakuras Augen. Tsunade schwieg. Es tat ihr in der Seele weh, Sakura so am Ende zu sehen und die Möglichkeit, dass sie den Menschen den sie am meisten liebte verlieren könnte, machte die Situation noch schmerzlicher. Sakura machte weiter und spürte wie ihre Muskeln brannten und ihre Arme schwer wurden. Doch in diesem Moment spielte nichts anderes eine Rolle. „Sein Herzschlag ist zurückgekehrt“, erklärte Tsunade schließlich. Sofort packte sie die Seiten des Bettes. „In den OP, sofort!“ rief Tsunade den Anwesenden zu und die Bewegung im Flur begann erneut. Sakuras Hände sackten auf seine Brust, während ein erschöpftes Schluchzen ihren Körper durchschüttelte. Doch sie wusste, dass die Arbeit noch nicht getan war. Im OP blieb keine Zeit für Diskussionen und so ließ Tsunade ihre ehemalige Schülerin an der Operation teilnehmen. Sie wusste, dass es keine Chance gab, Sakura davon abzuhalten. Sie wäre sogar lebendig durchs Feuer gelaufen nur um Sasukes Leben zu retten.
Nachdem Sasuke in den OP gebracht wurde und die Türen sich hinter Sakura und Tsunade geschlossen hatten, blieben Naruto, Neji und Shikamaru im Flur zurück. Sie waren der kleinen Gruppe eilig gefolgt. Ihre Gesichter waren erschöpft doch es war vor allem die emotionale Last die sie schwer atmen ließ. Naruto lehnte mit dem Rücken an die Wand, den Blick auf den Boden gerichtet. Seine Hände hingen schlaff an seinen Seiten aber seine Finger zuckten leicht, als könne er die innere Anspannung nicht loswerden. „Warum… warum bin ich nicht schneller gewesen?“, murmelte er leise und schlug dann mit der Faust gegen die Wand hinter ihm, sodass der Hall durch den Gang widerklang. Seine blauen Augen waren vor Schmerz und Schuldgefühlen getrübt und er biss sich auf die Unterlippe, um die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten. „Ich habe ihr versprochen, ihn zurückzubringen… ich habe es Sakura versprochen.“ Neji stand mit verschränkten Armen einige Schritte entfernt. Sein Gesichtsausdruck war wie immer ruhig, doch hinter der Maske verbarg sich tiefe Unruhe. Seine weißen Augen glitten zur Tür des OPs, als könnte er mit seinem Byakugan hindurchblicken um zu sehen was drinnen geschah. Seine Stimme war ruhig und klar, als er schließlich sprach. „Wir haben unser Bestes gegeben, Naruto. Aber selbst das reicht manchmal nicht.“ Doch die Härte in seinen Worten galt nicht anderen, sondern ihm selbst. Er dachte an die Momente in denen sie gegen die Feinde gekämpft hatten, hätte er schneller handeln können? Hätte er die Gefahr früher bemerken müssen? Shikamaru hingegen saß auf einer der Holzbänke im Flur. Sein Kopf war in seine Hände gesenkt und sein übliches „Was für eine Mühsal“-Gehabe war nicht mehr zu erkennen. Sein Verstand arbeitete fieberhaft, wie immer auf der Suche nach der Analyse der Situation. Doch diesmal konnte er die Bitterkeit nicht verdrängen. „Das war verdammt knapp“, murmelte er leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Wir hatten ihn fast verloren.“ Sein Atem war flach und er schüttelte den Kopf. „Und Sakura… Sie sieht aus, als würde sie selbst zusammenbrechen.“
Danach schwiegen alle drei, jeder gefangen in seinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Nach einer Weile ballte Naruto schließlich seine Hände zu Fäusten und blickte entschlossener zur OP-Tür. „Er wird es schaffen. Sasuke ist stärker als das. Und Sakura… sie wird nicht aufgeben.“ Seine Worte waren leise aber voller Überzeugung, als spräche er nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu den anderen beiden. Neji nickte langsam, sagte aber nichts. Stattdessen richtete er seine Augen erneut auf die Tür in der stillen Hoffnung, dass sie sich bald öffnen würde, mit guten Nachrichten. Shikamaru hingegen stieß einen tiefen Seufzer aus und lehnte sich zurück, sein Blick zur Decke gerichtet, als suchte er dort Antworten.
Später saß Naruto allein auf einer Bank vor dem Krankenhaus, die Nacht hatte sich wie ein schwerer Schleier über Konoha gelegt. Die kühle Luft biss in seine Haut, doch er spürte es kaum. Sein Kopf war gesenkt, seine Hände ruhten auf seinen Knien und seine Finger krallten sich in den Stoff seiner Hose. Die Bilder von Sakura, wie sie auf der Trage über Sasuke gebeugt war ließen ihn nicht los. Ihre Schreie, ihre Tränen, die rohe Verzweiflung in ihrer Stimme, sie hallten in seinem Kopf wider, wie ein Echo, das nicht verstummen wollte. Er erinnerte sich daran, wie sie aussah, als sie sich auf Sasuke warf, ihre Hände zitternd, ihr Körper so schwach, dass sie kaum die Kraft hatte, die Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. Und doch hatte sie nicht aufgegeben. Sie hatte gekämpft, mit allem, was sie hatte, obwohl sie selbst am Rande des Zusammenbruchs stand. Naruto hatte noch nie so viel Schmerz in jemandes Augen gesehen. Es war, als hätte sie alles verloren, als wäre sie bereit, sich selbst zu opfern, nur um Sasuke zurückzuholen. Er schluckte schwer, seine Kehle fühlte sich trocken an und seine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. „Sakura…“, murmelte er leise, seine Stimme brach fast. Er hatte sie so oft stark gesehen, so oft lächelnd, voller Energie und Entschlossenheit. Doch heute war sie ein Schatten ihrer selbst gewesen. Ihre blasse Haut, die dunklen Ringe unter ihren Augen, die Art, wie ihre Schultern unter der Last ihres Schmerzes sanken es war, als hätte sie all ihre Lebenskraft verloren. Naruto biss sich auf die Unterlippe, bis er den metallischen Geschmack von Blut schmeckte. Er fühlte sich schuldig, so schuldig. Er hatte ihr versprochen, Sasuke zurückzubringen, und obwohl er es geschafft hatte, war es nicht genug. Sasuke war in einem Zustand, der sie beide an den Rand der Verzweiflung brachte. Und Sakura… sie hatte so viel gelitten, während er weg war. Er hatte sie in diesem Zustand zurückgelassen, allein mit ihrer Angst und ihrem Schmerz. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, und er schlug mit einer solchen Wucht auf die Bank, dass das Holz unter ihm knarrte. „Verdammt!“, rief er in die Dunkelheit, seine Stimme voller Frustration und Selbstvorwürfe. Er hatte sie enttäuscht. Er hatte sie beide enttäuscht. Und jetzt konnte er nur hoffen, dass Sasuke überlebte, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Sakura, die alles für ihn gegeben hatte. Naruto hob den Kopf und starrte in den sternenlosen Himmel. „Sasuke… du musst es schaffen“, flüsterte er, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch. „Für sie. Für mich und für uns alle.“ Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass die Narben, die dieser Tag hinterlassen hatte, nicht so leicht heilen würden, weder bei Sakura noch bei ihm.