Kapitel 53
Kapitel 53
Triggerwarnung: es geht um Tod. Sollte jemand von euch in Trauer sein oder in einer Situation die zu einem schlechten Ausgang führt, dann bitte nur bis einschließlich Absatz 4 lesen. (Einige Stunden später .... hier nicht weiterlesen).
Sakura schreckte panisch hoch, ihr Atem ging stoßweise und ihr Herz hämmerte wie ein Trommelwirbel in ihrer Brust. Der Raum war still, abgesehen vom monotonen Piepen der Monitore, die an Sasuke angeschlossen waren. Ihr Blick wanderte hektisch umher bis er auf ihn fiel. Sasuke lag reglos auf dem Bett, sein Gesicht bleich, seine Augen geschlossen. Naruto stand am Fußende des Bettes, seine Hände zu Fäusten geballt, während Tsunade mit ernster Miene die Monitore überprüfte. Beide schauten auf, als Sakura sich bewegte. „Sakura,“ begann Tsunade mit ruhiger, aber bestimmter Stimme: ,,Ganz ruhig. Er lebt, aber sein Zustand ist kritisch.“
Sakura schob langsam die dünne cremefarbene Besucherdecke von sich und setzte ihre Füße auf den kalten Fliesenboden auf. Ihr Körper fühlte sich schwer und kraftlos an, jeder Atemzug eine Anstrengung. Mit bebenden Händen stützte sie sich auf die Bettkante und zwang sich, aufzurichten. Doch kaum stand sie und lies die Bettkante los verlor sie das Gleichgewicht. Ein scharfer Schwindel erfasste sie und die Welt begann zu kippen. In dem Moment, bevor sie zu Boden stürzen konnte spürte sie wie starke Arme sie auffingen. Naruto hielt sie fest, stabilisierte sie, bevor sie fallen konnte. "Sakura!", rief er mit einer Mischung aus Sorge und Dringlichkeit. Sein Griff war sicher, seine Wärme ein kurzer Trost in der eisigen Realität die sie umgab. Sakura ignorierte den stechenden Schmerz in ihrem Unterleib. Stattdessen hob sie den Blick zu ihm, immer noch zitternd und suchte nach Halt in seinen Augen. Doch Naruto wich ihrem Blick aus. Sein Gesicht war von einer ungewöhnlichen Ernsthaftigkeit gezeichnet und seine Lippen waren fest aufeinandergepresst, als würde er Worte zurückhalten, die er nicht aussprechen konnte. In seinem Verhalten lag etwas, das Sakura innehalten ließ. Da war mehr als nur Sorge. Etwas Dunkles schimmerte in seinem Ausdruck: Trauer, vielleicht sogar Schuld. Die Erkenntnis traf sie unerwartet, wie ein schleichender Schatten in der Nacht. Warum konnte er ihr nicht in die Augen sehen? Sie wollte ihn fragen, wollte ihn zwingen, mit ihr zu sprechen, doch in ihrer geschwächten Verfassung brachte sie nur ein kaum hörbares Flüstern hervor: „Naruto?“ Aber Naruto schüttelte nur den Kopf und umfasste ihre Schultern fester, fast so, als wollte er ihre zerbrochenen Teile zusammenhalten. „Es geht jetzt um Sasuke,“ sagte er schließlich leise.
Naruto hielt Sakura weiterhin fest, bis er spürte, dass sie wieder etwas standhafter wurde. Sanft führte er sie zu Sasukes Bett hinüber, seine Bewegungen vorsichtig, als ob er sie vor jedem weiteren Schmerz schützen wollte. Seitlich neben dem Bett angekommen, ließ Naruto sie langsam auf den Stuhl sinken, der dort stand. „Setz dich, Sakura,“ sagte er leise, seine Stimme tief und sanft, aber auch mit einem Hauch von Sorge. Er verharrte einen Moment, als hätte er sie nicht loslassen wollen, ehe er schließlich einen Schritt zurücktrat. Sakura blickte auf Sasuke herab und ein ersticktes Geräusch entwich ihren Lippen. Das Bild vor ihr zerriss ihr Herz. Sasuke lag weiterhin regungslos auf dem Bett, bleich wie das Leinen, das ihn umgab. Seine Haut war fast durchscheinend, die dunklen Schatten unter seinen geschlossenen Augen betonten seine Erschöpfung. Die Monitore um ihn herum piepten und flackerten, ein ständiges, kaltes Echo, das ihre Hoffnung untergrub. Sein Brustkorb hob und senkte sich kaum merklich und die Schläuche und Kabel, die ihn umgaben, wirkten wie Ketten, die ihn in einem Zustand zwischen Leben und Tod hielten. Sie hob eine zitternde Hand, unsicher, ob sie ihn berühren sollte, so zerbrechlich wirkte er. „Sasuke…,“ flüsterte sie, Tränen strömten über ihre blassen Wangen. Die Erinnerung an sein Lächeln, seine Stärke, wirkte nun wie eine ferne Illusion.
Vorsichtig nahm sie seine kalte Hand und drückte sie sanft. Tsunade trat vor und unterbrach den Moment mit ihrer klaren aber mitfühlenden Stimme. „Sakura,“ begann sie, ihr Blick ernst aber nicht ohne einen Hauch von Wärme. „Sein Zustand ist stabil aber wir müssen vorsichtig sein. Während des Eingriffs haben wir einige bedrohliche, innere Verletzungen beheben können und einen Großteil der Narben entfernen können. Die zahlreichen kleinen und mittleren und ebenso schlecht nach geheilten Wunden konnten wir ebenso eliminieren. Äußerlich wird es kaum Spuren geben, zumindest was Verletzungen betrifft.“ Sakura drehte den Kopf zu Tsunade, ihre Augen noch feucht. „Aber… was ist kritisch?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, die Angst darin unüberhörbar. Tsunade seufzte schwer und erklärte: „Er hat innere Verletzungen die gefährlicher als vermutet sind. Seine Organe haben durch die Folter großen Schaden genommen, insbesondere die Lungen und die Nieren. Wir konnten die meisten Schäden stabilisieren aber es gibt Blutungen die wir noch nicht vollkommen unter Kontrolle haben. Seine Chakraverbindungen sind ebenfalls geschwächt, besonders entlang seiner Wirbelsäule, was seine Regeneration behindert. Wir mussten eine Pause einlegen damit sein Körper sich erholen kann. Alle vier Stunden werden ich, Renkai und Hirato Heilchakra in sein Körper senden damit die Genesung schneller voranschreitet. In zwölf Stunden werden wir eine zweite Operation vornehmen um seine Organe komplett zu regenerieren und weitere Probleme wie innere Blutungen zu stoppen. Im Anschluss geht es an die Chakraverbindungen und die komplette Überprüfung des Flusses.“ „Ich werde helfen,“ erklärte Sakura sofort, ihre Stimme zitternd, aber entschlossen. Denn das war genau das was sie neu erlernt hatte. Tsunade schüttelte den Kopf:,,Aber nur wenn du jetzt was isst und durchschläfst. Ohne Chakra wird das nichts.“ Tsunade sah Sakura an. „Und was du machen wirst und was nicht bestimme noch immer ich. Je nach deinem Energielevel werden wir das entscheiden.“ ,bestimmend und ohne Platz für Wiederworte hatte Tsunade weiter gesprochen. Naruto, der die ganze Zeit schweigend am Fußende des Bettes gestanden hatte, senkte den Kopf. In seinem Blick lag noch immer diese Trauer, dieses Schuldgefühl, das er nicht in Worte fassen konnte. Doch er blieb still, sein Fokus galt nun ebenso wie Sakura einzig Sasuke.
Einige Stunden später piepten die Monitore monoton, ein ständiges Echo, das sie in die Realität zurückholte. Doch tief in ihrem Inneren spürte sie etwas, das sie nicht einordnen konnte: ein dumpfer Schmerz, der nicht nur körperlich war. Sie hatte sich so sehr auf Sasuke konzentriert, dass sie die Signale ihres eigenen Körpers ignoriert hatte. Als sie sich schließlich erhob, um aus der ungemütlichen Position im Stuhl zu entkommen, spürte sie eine plötzliche Schwäche in ihren Beinen. Ein stechender Schmerz durchzog ihren Unterleib und sie griff instinktiv nach der Bettkante, um nicht zu stürzen. ,,Sakura!“, rief Naruto erschrocken aus und wollte zu ihr eilen. Sie schüttelte nur den Kopf und biss die Zähne zusammen. Ihr Atem wurde flach und für einen Moment schien die Welt um sie herum zu verschwimmen. Sie zwang sich, ruhig zu bleiben und schob die aufkommende Panik beiseite. Es war nicht der Moment sich um sich selbst zu kümmern, Sasuke brauchte sie. Doch als sie den Raum verließ und sich in das angrenzende Badezimmer schleppte, wurde ihr klar, dass etwas nicht stimmte. Der Schmerz in ihrem Unterleib wurde stärker und als sie nach unten blickte, nachdem sie ihre Hose runter gezogen hatte sah sie das Blut. Ihr Herz setzte einen Schlag aus und eine Welle aus Schock und Verzweiflung überrollte sie. Sie stützte sich an der Wand ab, ihre Finger zitterten während sie versuchte die Realität dessen was gerade geschah zu begreifen.
Sakura sank auf den Boden, ihre Hand auf ihrem Bauch und die Erkenntnis traf sie mit voller Wucht: Sie hatte ein Leben in sich getragen, ohne es zu wissen und nun war es fort. Tränen stiegen in ihre Augen, doch sie biss die Zähne zusammen, zwang sich, nicht laut zu weinen. Ihr war nicht bewusst gewesen das sie schwanger war. Es musste in der Nacht der Hochzeit passiert sein. Niemals hätte sie damit gerechnet. Sie war nach Sasukes Verschwinden auf Autopilot gewesen und keinerlei Symptome wahrgenommen. Doch jetzt gab es keine Zeit für Gedanken oder gar Trauer. Sasuke kämpfte um sein Leben und sie konnte es sich nicht leisten schwach zu sein. Nicht jetzt. Später. Das musste warten. Nachdem sie sich mühsam aufgerafft hatte, wusch sie sich und entfernte die Spuren dessen, was passiert war. Ihre Bewegungen waren mechanisch, fast distanziert, als ob sie versuchte die Realität zu verdrängen. Sie kehrte in den Raum zurück, erklärte Naruto sie würde gleich wiederkommen nur um eilig in ihrem Büro die Hose und Unterwäsche zu wechseln, denn dort hatte sie immer Wechselkleidung bereit zu liegen. Sie nahm eine Schmerztablette und spülte sie mit einer Flasche Wasser runter. Eilig rannte sie anschließend wieder zurück zu Sasukes Zimmer. Sie setzte sich wieder an Sasukes Seite und nahm seine Hand. Ihre Tränen flossen leise, doch sie sprach kein Wort. Niemand durfte davon erfahren, nicht jetzt, wo Sasuke sie brauchte. Narutos Blicke ignorierte sie daher stumm.