Kapitel 58
Kapitel 58
Die Abenddämmerung ließ den Himmel in sanften Rosa- und Goldtönen erstrahlen, als Sasuke die schwere Tür ihres neuen Hauses aufstieß. Ohne zu zögern, zog er Sakura näher zu sich und hob sie über die Schwelle. „Willkommen zuhause,“ murmelte er, seine Stimme ruhig aber mit einem Anflug von Stolz. Sakura lachte leise, ihre Arme um seinen Nacken geschlungen. Es fühlte sich surreal an: zum ersten Mal betraten sie ihr eigenes Haus, fertig, eingerichtet und bereit mit Leben gefüllt zu werden. Kein leeres Versprechen mehr, kein unfertiges Bauprojekt: ein Zuhause. „Es fühlt sich so unwirklich an,“ flüsterte sie, als Sasuke sie sanft absetzte. Ihr Blick glitt über die Räume, die dunklen Holzböden, die sorgfältig ausgewählten Möbel, die vertrauten Kleinigkeiten, die ihnen gehörten. „Hast du erwartet, dass wir hier noch Kisten auspacken müssen?“ fragte Sasuke trocken. Sakura grinste, doch bevor sie etwas erwidern konnte, dröhnte plötzlich ein lauter Ruf durch das Haus:
„ÜBERRASCHUNG!“
Sakura zuckte erschrocken zusammen und ihre Augen weiteten sich. Aus dem Wohnzimmer drang ein fröhlicher Trubel an Stimmen. Ihre Freunde standen dort, mit strahlenden Gesichtern, bunten Girlanden über den Möbeln und einem Tisch, der sich unter dutzenden Schüsseln voller Essen bog. Naruto kam als Erster auf sie zu und klatschte Sasuke auf die Schulter. „Na endlich! Hat ja lange genug gedauert, bis ihr mal wieder hier auftaucht!“ Hinata, die lächelnd neben ihm stand, reichte Sakura eine kleine Schale. „Wir wollten euch überraschen – eine richtige Willkommens- und Einweihungsfeier!“ „Und wir haben alles mitgebracht, damit ihr euch nicht sofort um Essen kümmern müsst!“ fügte Ino hinzu und deutete auf die festlich gedeckte Tafel. Sai nickte stumm neben ihr, mit dem vage zufriedenen Ausdruck den er immer zeigte wenn er wusste dass er Teil von etwas bedeutungsvollem war. Temari stemmte die Hände in die Hüften und grinste. „Also, wenn das hier nicht nach einem guten Start ins Eheleben aussieht, dann weiß ich auch nicht.“ Shikamaru seufzte, zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Sasuke sieht jetzt schon so aus als würde er fliehen wollen.“ „Ach was,“ erwiderte Kiba und reichte Sasuke eine Flasche Sake. „Der freut sich heimlich wie ein kleiner Junge, er zeigt’s nur nicht.“ Sakura schüttelte den Kopf und lachte. „Ihr seid unmöglich!“
Chōji hatte eine unglaubliche Menge an Essen mitgebracht: von frisch gegrilltem Fleisch bis zu süßen Reisbällchen und den unterschiedlichsten Beilagen. Auch die Auswahl an Nascherein ließ keine Wünsche offen: kleine Törtchen, mini Küchlern, Gepäck mit süßer Bohnenpaste. Jeder machte sich freudig über das Buffet her. Die Feier war ausgelassen. Gespräche und Gelächter klangen durch das Haus, während alle beisammensaßen. Shino hielt sich eher zurück, beobachtete alles mit ruhiger Zufriedenheit, während er gelegentlich mit Sai über die Pflanzen sprach, die Sakura für ihren Garten ausgesucht hatte. Naruto hatte sich bereits einen der Sessel geschnappt. Irgendwann stand Sakura auf und lief durch die Räume, ihre Fingerspitzen streiften sanft über die Möbel. Ihr Blick blieb an einer Bilderwand hängen. Dort, inmitten vieler Momente, hing ein Foto von Sasukes Geburtstagsfeier die sie im letzten Jahr als Überraschung geplant hatte. Auf dem Bild standen sie nebeneinander: Sasuke hatte seinen Arm um ihre Taille gelegt und sie hatte ihren Kopf sanft gegen seine Schulter gelehnt. Ihr Lächeln war warm und voller Zuneigung, während sie in die Kamera blickten. Doch ihr Blick verharrte auf einem anderen Bild direkt daneben. Ein Moment, den Hinata heimlich eingefangen hatte: kurz nach dem offiziellen Foto. Sakura hauchte Sasuke einen zarten Kuss auf die Wange und er zog sie noch ein wenig näher an sich. Sie hatten nicht bemerkt, dass Hinata genau in diesem Moment abgedrückt hatte. Eine spontane, echte Geste der Liebe, festgehalten in einem unbeobachteten Augenblick. Neben diesen Bildern hing ein weiteres: das Gruppenfoto von eben jener Feier. Naruto, Hinata, Shikamaru, Ino, Choji, Kiba, Shino, Rock Lee, Tenten, Temari, Kakashi und natürlich Sasuke und Sakura, die beieinander in der Mitte standen. Sakura strich sanft über den Rahmen, ein leises Lächeln auf den Lippen.
„Schon nostalgisch, oder?“ kam Temaris Stimme von der Seite. „Ja,“ murmelte Sakura. „Es ist schön solche Erinnerungen festzuhalten.“ Ein weiteres Foto hing direkt darunter. Ihr Hochzeitsfoto. Sasuke und Sakura standen Seite an Seite, ihre Schultern berührten sich sanft, während die Kamera ihr Bild einfing. Die untergehende Sonne tauchte die Szene in goldenes Licht, das ihre Silhouetten umspielte. Sasukes Blick lag ganz auf ihr, tief und durchdringend, seine sonst so ruhige Miene voller Zärtlichkeit. Sakura hingegen strahlte voller Glück, ihr Lächeln offen und warm, während ihre grünen Augen vor Freude funkelten. Und direkt daneben das Foto mit Naruto und Kakashi. Eine Familie, die nicht durch Blutsbande, sondern durch gemeinsame Kämpfe und unerschütterliches Vertrauen geformt worden war. Naruto hatte eine Hand freundschaftlich auf Sasukes Schulter gelegt, als wollte er ihn noch einmal daran erinnern, dass sie für immer Verbündete bleiben würden. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal hier stehen und auf so etwas zurückblicken kann,“ murmelte Sakura leise aber mit Glück im Herzen. „Weißt du, manchmal merkt man erst, wie weit man gekommen ist wenn man innehält und sich umsieht,“ sagte Rock Lee sanft.
In einer Ecke saßen die Frauen beisammen, lachten über Erinnerungen und Zukunftspläne. Tenten hielt plötzlich ihre Hand hoch, ihre Augen glänzten vor Aufregung. „Ich muss euch was zeigen,“ sagte sie. Sakura blinzelte verwundert, doch als ihr Blick auf Tenten fiel, bemerkte sie es sofort: einen schlichten, aber wunderschönen Ring an ihrer linken Hand. „Nein!“ keuchte Ino begeistert. „Ihr heiratet?!“ Tenten strahlte. „Ja! Neji hat mich gefragt, kurz bevor wir hierhergekommen sind.“ Hinata klatschte in die Hände. „Das ist wundervoll! Ich freue mich so für euch!“ Sakura seufzte sanft, ein warmes Lächeln auf ihren Lippen. „Sieh mal an, wir alle bauen uns etwas auf.“ „Hätte man nicht gedacht, oder?“ sagte Temari trocken. „Du warst früher ständig hinter Sasuke her und schau jetzt seid ihr verheiratet. Die Zeiten ändern sich.“, kommentierte Ino grinsend. Sakura lachte, während Hinata Tenten fragte, wie es passiert war und Shikamaru von der anderen Seite des Raumes rief: „Neji, hast du das eigentlich strategisch geplant?“ Natürlich hatten die Männer das aufgeregte Geschrei der Frauen bemerkt und Neji hatte seine Freunde ins Bild gesetzt.„So etwas plant man nicht,“ erwiderte Neji gelassen. „Es ergibt sich.“ „Wie alles im Leben,“ murmelte Sasuke der plötzlich neben Sakura war, welche sich sogleich mit einem zufriedenen Seufzen an ihn lehnte.
„Apropos, Sakura,“ begann Ino mit einem wissenden Lächeln und sofort richteten sich alle Blicke auf sie. Sakura sah misstrauisch auf. „Was?“ „Jetzt, wo ihr zurück seid, wie waren die Flitterwochen?“ fragte Ino mit einem frechen Grinsen. „Sie waren wunderschön,“ antwortete Sakura vorsichtig. Nun löste sie sich von Sasukes Seite. „Wunderschön?“ Temari schnaubte. „Das ist ein nettes Wort für etwas, das viel mehr zu bieten hatte.“ „Ja, jetzt kommt schon,“ drängte Ino grinsend. „War es romantisch? Leidenschaftlich? Vielleicht sogar ein bisschen wilder als gedacht?“ Sakura spürte wie ihre Wangen warm wurden. „Ich weiß nicht, was ihr erwartet…“ „Alles,“ erwiderte Temari ohne zu zögern. „Ja! War es eher sanft oder… stürmisch?“ Ino legte dramatisch den Kopf schief. Hinata errötete leicht, während Sakura verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte, sich da rauszuwinden. „Sakura, du weichst aus,“ stellte Tenten fest und schmunzelte. „Ihr seid schrecklich,“ murmelte Sakura. Dann, ganz plötzlich, meldete sich Sasuke zu Wort. „Sagen wir es so…“ Er lehnte sich entspannt zurück, sein Blick gelassen, aber mit dem Hauch eines amüsierten Funkelns. „Es war fordernd aber sie hat sich keine Sekunde darüber beschwert.“ Die Worte hingen für einen Moment in der Luft, bevor die Bedeutung sickerte. Dann brachen die Frauen um Sakura herum in lautes Kichern aus. „Oh wow.“ Temari grinste breit. „Also keine Beschwerden, hm? Klingt nach einer gelungenen Reise.“ „Definitiv.“ Ino lehnte sich mit funkelnden Augen näher. „Sakura willst du dem vielleicht etwas hinzufügen?“ Sakura spürte, wie ihre Wangen wieder heiß wurden. Sie schoss Sasuke einen genervten Blick zu, doch er wirkte vollkommen unbeeindruckt von den Reaktionen. „Musstest du ihnen Futter geben?,“ murmelte sie beinahe fragend. Er zwinkerte ihr zu und zuckte mit den Schultern. „Ich beantworte nur eure Fragen.“, erwiederte Sasuke schließlich völlig gelassen, „Mit den richtigen Formulierungen!“ rief Tenten belustigt. „Du weißt genau, was du tust.“ „Und er genießt es,“ fügte Temari schmunzelnd hinzu. Hinata versteckte ihr errötetes Gesicht hinter ihrer Teetasse, während Sakura sich seufzend in einen Sessel zurückfallen ließ. „Wenigstens wissen wir jetzt, dass es nicht langweilig war,“ meinte Ino grinsend. „Ich glaube, das war jedem klar,“ murmelte Shikamaru aus der anderen Ecke des Raumes. „Sicher, sicher.“ Naruto warf Sasuke einen belustigten Blick zu. „Aber hey, Kumpel du hättest uns wenigstens ein bisschen Raum für Spekulationen lassen können.“ Sasuke schnaubte leise und stand langsam auf. „Es gibt nichts zu spekulieren.“ „Keine Geheimnisse?“ Kiba hob eine Augenbraue „Nichts, was ihr jemals wissen werdet.“ „Oho!“ Temari lachte. „Was für eine Antwort.“ Sakura schüttelte den Kopf, während Sasuke sich in Richtung Esstisch bewegte, die Hände lässig in den Taschen vergraben. Doch auf dem befanden sich nur noch Knabbereien und Getränke. „Wo ist das Essen?“ murmelte er. „Da drüben.“ Neji deutete zur Küche. „Aber überleg dir gut, ob du da reingehst Chōji bewacht das Essen wie ein Raubtier.“ „Besser als diese Unterhaltung hier,“ murmelte Sasuke. „Ach, komm schon.“ Naruto stieß ihn leicht an. „Du bist glücklich, das wissen wir alle.“ Sasuke sah ihn an, sagte nichts. Doch Sakura erkannte das kaum sichtbare, zufriedene Funkeln in seinen dunklen Augen und der leicht gehobene Mundwinkel verriet ihr alles.
Die Feier setzte sich in ausgelassener Stimmung fort. Das Essen wurde weiter verteilt, Gespräche wechselten zwischen Erinnerungen und Plänen für die Zukunft und die Luft war erfüllt von herzhaftem Lachen. Naruto versuchte sich erfolglos an einer kleinen Rede über Freundschaft und Zusammenhalt, die damit endete, dass Temari ihm drohte, den nächsten Sake auf ihn zu schütten, falls er noch einen Satz sagte. Kiba erzählte lautstark die Geschichte eines beinahe gescheiterten Trainings mit Akamaru, während Shino nur leise den Kopf schüttelte und kommentierte, dass alles hätte vermieden werden können, wenn Kiba endlich besser zuhören würde. Sai zeichnete beiläufig eine Skizze des festlich gedeckten Wohnzimmers, während Ino immer wieder versuchte, ihm beizubringen, wie man Gespräche mit mehr Emotion führt was ihn nur veranlasste, sie mit einem exakt gezeichneten Porträt von sich selbst zu unterbrechen. Hinata hatte sich mit Tenten und Sakura zusammengesetzt und hörte gespannt zu, wie Tenten über ihre Hochzeitsvorbereitungen sprach, ihre Augen voller Vorfreude. „Ich kann es kaum glauben, dass es endlich passiert!“ sagte Tenten strahlend und ließ ihre Finger über ihren Verlobungsring gleiten.„Ich freue mich so sehr auf eure Hochzeit,“ meinte Hinata mit sanfter Stimme. „Und Neji? Hat er schon gesagt, was er tragen will?“ fragte Sakura. Tenten seufzte und lachte. „Er meint, dass er sich anpassen wird… aber du kennst ihn. So lange es praktisch ist, wird er es nehmen.“ „Typisch Neji,“ murmelte Sakura schmunzelnd.
Die Stunden vergingen, das Lachen wurde leiser, die Gespräche vertraulicher. Die Gäste verabschiedeten sich nach und nach, bis das Haus wieder leer war. Sasuke schloss die Haustür mit einem leisen Klicken und sah Sakura an. Sie stand auf der Treppe, ihr Blick wanderte über die Räume im oberen Stockwerk. Die leeren Räume auf der linken Seite zogen für einen Moment ihre Aufmerksamkeit auf sich unfertig, wartend auf ihre Entscheidung. Doch bevor sie länger darüber nachdenken konnte, spürte sie plötzlich feste Hände um ihre Hüften.„Ah!“ keuchte sie überrascht, als Sasuke sie ohne jede Vorwarnung über seine Schulter warf und mit ihre die restlichen Treppen hochlief. „Sasuke!“ „Ich glaube, hier fangen wir an,“ murmelte er ruhig, völlig unbeeindruckt von ihrem Protest. Er schritt gelassen durch den Flur, während Sakura sich halb lachend, halb empört gegen seine Schulter drückte. „Du kannst mich nicht einfach überall hintragen!“ protestierte sie. „Kann ich doch,“ erwiderte er schlicht. Mit dieser selbstverständlichen Ruhe öffnete er die Tür zum Schlafzimmer und ließ sie auf das weiche Bett fallen. Sakura sah ihn an, ihre Augen funkelten herausfordernd. „Du hast also ganz klare Prioritäten?“ „Natürlich.“ Sasuke neigte sich zu ihr, sein Blick ruhig, aber intensiv. „Und ich verschwende keine Zeit.“ Sakura schüttelte amüsiert den Kopf, während ihre Finger in seinen dunklen Haaren verschwanden, als er sich zu ihr hinabbeugte. Das Haus war noch nicht vollständig, es gab noch Räume, die gefüllt werden mussten. Aber in diesem Moment war das egal. Denn sie hatten bereits alles, was sie brauchten. Zumindest für jetzt.
Sakura erwachte am nächsten Morgen, völlig erschöpft und ausgelaugt. Ihre Augenlider fühlten sich schwer an und jeder Muskel ihres Körpers schmerzte bei der kleinsten Bewegung. Neben ihr lag Sasuke, auf dem Bauch ausgestreckt, ein Arm ruhte entspannt neben seinem nackten Oberkörper, der andere war unter das Kissen geschoben. Die Decke bedeckte ihn nur bis zum unteren Rücken, und das warme Sonnenlicht, das durch die Fenster fiel, ließ seine Haut leicht schimmern. Langsam setzte Sakura sich auf, ihre Bewegungen vorsichtig, als würde sie jeden Muskel einzeln testen. Sie konnte nicht anders, als leise zu stöhnen die Erinnerung an die letzte Nacht war unausweichlich. Sasuke hatte es sich nicht nehmen lassen, beinahe jeden Raum des Hauses mit ihr „einzuweihen“. Die Sonne strahlte hell in das Zimmer und Sakura streckte sich genüsslich, ihre nackte Haut prickelte unter dem Licht. Doch ehe sie sich versah, spürte sie plötzlich zwei starke Arme, die sie packten und festhielten. Indem er beide Arme über ihren Kopf positionierte und diese auf den Kissen ablegte „Was denkst du, wo du hingehst?“ Die raue, dunkle Stimme von Sasuke durchzog augenblicklich ihren Körper wie ein elektrischer Impuls. Eine angenehme Gänsehaut breitete sich aus, und sie konnte nicht verhindern, dass ihre Lippen sich zu einem leichten Lächeln verzogen. „Sasuke, ich kann nicht mehr,“ murmelte sie erschöpft, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Er hob eine Augenbraue, sein Blick ruhig aber mit einem Hauch von Amüsement. „Du hast recht.“, er schwieg und lies langsam seinen Blick über ihren freiliegenden teilweise unbedeckten Körper gleiten. „Die Dusche müssen wir uns auch noch ansehen.“ , murmelte er nur trocken. Bevor sie protestieren konnte, spürte sie, wie er sie mühelos über seine Schulter warf. Wann war er aus dem Bett gesprungen? Sakura keuchte überrascht, doch sie konnte nichts tun, außer sich seinem Willen zu fügen, während er sie ins Badezimmer trug. Und wenn sie wirklich ehrlich war musste sie zugeben das es ihr gefiel.