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Eine faule Nummer

The Curse Of The Heirs - Every Darkness Has An Origin — www.fanfiktion.de · All chapters

Eine faule Nummer

Hallo, meine Lieben :) Es geht weiter. Die Auslese des Feuerkelchs bringt so einige Folgen mit sich. Aber für unsere beiden Hexen ist klar: das alles ist eine faule Nummer. Vielen Dank an „Feenbrise“ für die tollen ausführlichen Feedbacks. Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte so gut gefällt. Ich wünsche euch viel Spaß beim Weiterlesen und ein erholsames Wochenende ;)

Liebe Grüße,

eure Melody

~~~ 13 Eine faule Nummer

Lucinda PoV

Filch war während des gesamten Weges kein einziges Mal stehen geblieben.

Sein Schlüsselbund klimperte bei jedem Schritt, während ich ihm schweigend durch die Korridore folgte. Das Stimmengewirr aus der Großen Halle lag inzwischen weit hinter uns, doch die Unruhe hatte sich längst über das gesamte Schloss ausgebreitet. Immer wieder begegneten uns Schüler, die aufgeregt über Harry diskutierten. Ich blendete sie aus. Meine Gedanken kreisten nur um den Feuerkelch. Um Harry. Und um Tom.

Als wir schließlich den Wasserspeier erreichten, blieb Filch abrupt stehen. >>Passwort?<<, murmelte die steinerne Figur.

>>Zitronenbrause.<<

Der Wasserspeier sprang zur Seite und gab den Eingang frei. Doch bevor wir die sich drehende Treppe betreten konnten, fiel mein Blick auf zwei bekannte Gestalten. Igor Karkaroff. Madame Maxime.

Die beiden Schulleiter standen wenige Meter entfernt und diskutierten derart hitzig miteinander, dass sie unsere Anwesenheit offenbar überhaupt nicht bemerkten.

>>Das ist ungeheuerlich!<<, fauchte Karkaroff. >>Der Junge hat betrogen! Dafür gibt es keine andere Erklärung!<<

Madame Maxime verschränkte die Arme. >>Vielleicht sollten Sie erst Beweise vorlegen, bevor Sie solche Anschuldigungen äußern.<<

>>Beweise?<< Karkaroff schnaubte verächtlich. >>Ein vierzehnjähriger Schüler überlistet einen uralten magischen Gegenstand? Glauben Sie das wirklich?<<

>>Ich glaube lediglich, dass wir die Untersuchung Professor Dumbledore überlassen sollten.<<

>>Dumbledore!<< Karkaroff verzog das Gesicht. >>Es handelt sich zufällig um einen Schüler seiner Schule. Natürlich wird er Potter verteidigen.<<

Ich blieb regungslos stehen. Filch ebenfalls. Die beiden schenkten uns nicht einmal einen Blick. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig ihre Vorwürfe an den Kopf zu werfen.

Filch räusperte sich schließlich ungeduldig. >>Na los. Der Schulleiter wartet nicht den ganzen Abend.<<

Ich löste den Blick von den beiden Schulleitern und betrat die Wendeltreppe. Mit jeder Stufe wurde mein ungutes Gefühl stärker. Die Tür zum Büro stand bereits einen Spalt offen.

Filch klopfte dennoch kurz an. >>Miss Stonefield, Professor.<<

>>Danke, Argus. Bitte kommt herein.<<

Ich trat ein. Professor Dumbledore stand am Fenster und blickte hinaus in die Dunkelheit. Professor McGonagall wirkte ungewöhnlich angespannt und lief langsam vor dem Schreibtisch auf und ab. Professor Snape hingegen stand regungslos neben einem Bücherregal.

Als ich eintrat, hoben sich seine schwarzen Augen unmittelbar zu mir. Sie ruhten unverwandt auf meinem Gesicht. Nicht kühl. Nicht feindselig. Sondern prüfend. Fast so, als wolle er eine Antwort finden, die ich niemals ausgesprochen hatte.

Er weiß...

Zumindest ahnt er, dass ich etwas verschweige.

Ich erwiderte seinen Blick für einen kurzen Augenblick, bevor ich mich wieder Dumbledore zuwandte. >>Professor.<<

Dumbledore nickte freundlich. >>Danke, dass du so schnell gekommen bist, Lucinda.<< Er wandte sich an die beiden Lehrer. >>Minerva, Severus, ich würde gern allein mit Miss Stonefield sprechen.<<

Professor McGonagall nickte sofort. >>Natürlich, Albus.<<

Sie verließ ohne weitere Worte den Raum. Snape rührte sich zunächst nicht. Für einen flüchtigen Moment glaubte ich, er wolle widersprechen. Dann glitt sein Blick noch einmal über mein Gesicht. Diesmal etwas länger. Fast bohrend.

Schließlich nickte auch er knapp. >>Professor. Miss Stonefield.<<

Mit wehendem Umhang verschwand er durch die Tür. Filch wartete noch immer im Eingangsbereich. >>Sie können ebenfalls gehen, Argus. Vielen Dank.<<

>>Jawohl, Professor.<<

Die Tür fiel ins Schloss. Augenblicklich kehrte Ruhe ein. Nur das leise Ticken einer silbernen Uhr war zu hören. Dumbledore deutete auf einen der Sessel vor seinem Schreibtisch. >>Bitte setz dich.<<

Ich blieb lieber stehen. >>Ich glaube, wir wissen beide, weshalb ich hier bin.<<

Ein kaum merkliches Schmunzeln huschte über sein Gesicht. >>Das vermute ich ebenfalls.<< Sein Ausdruck wurde wieder ernst. >>Was hältst du von den heutigen Ereignissen?<<

Ich musste darüber nicht nachdenken. >>Harry hat seinen Namen nicht selbst in den Feuerkelch geworfen.<<

Dumbledore nickte langsam. >>Davon gehe auch ich aus.<<

>>Mehr noch...<< Ich trat einen Schritt näher. >>Es steckt ein Plan dahinter.<<

Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken. >>Erklär mir deine Vermutung.<<

Ich holte tief Luft. >>Seit meiner Rückkehr werde ich von Träumen verfolgt. Sie hängen mit Tom zusammen. Manche davon waren bloße Erinnerungen...andere Warnungen.<< Unwillkürlich legte ich eine Hand auf mein rechtes Handgelenk. >>Der Traum von letzter Nacht war anders. Ich sah den Feuerkelch. Harry. Und meinen Bruder.<<

Dumbledore hörte aufmerksam zu. Kein einziges Mal unterbrach er mich.

>>Heute ist genau das eingetreten. Deshalb glaube ich nicht mehr an Zufälle.<< Ich sah ihm fest in die Augen. >>Wenn Harry zum Champion wurde, dann weil jemand genau das wollte.<<

Dumbledore schwieg einen Moment. Dann nickte er langsam. >>Ich teile deine Einschätzung.<<

Mein Herz schlug schneller. >>Sie glauben also ebenfalls, dass Harry bewusst ausgewählt wurde. <<

>>Ja.<< Er trat ans Fenster. >>Die Frage ist nur, zu welchem Zweck.<<

Ich musste nicht lange überlegen. >>Tom.<< Allein sein Name ließ den Raum noch kälter erscheinen. >>Wenn mein Bruder tatsächlich hinter alldem steckt, dann verfolgt er ein Ziel, das wir noch nicht erkennen.<<

Dumbledore drehte sich wieder zu mir. Sein Blick war ungewöhnlich ernst. >>Genau deshalb brauche ich deine Hilfe mehr denn je, Lucinda.<<

Ich nickte. >>Harry muss beschützt werden.<<

>>Ja.<< Er machte eine kurze Pause. >>Das Turnier ist gefährlich. Jede einzelne Aufgabe birgt erhebliche Risiken. Sollte tatsächlich jemand versuchen, Harry dadurch zu manipulieren oder in eine Falle zu locken, müssen wir schneller sein.<<

Ich dachte an meinen Traum. An Harrys reglosen Körper. Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in meiner Brust aus. >>Ich werde ihn beschützen<<, sagte ich entschlossen. >>Und ich werde herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Wenn mein Bruder dahintersteckt...<< Ich ballte unwillkürlich die Hände. >>...werde ich das herausfinden.<<

Dumbledore betrachtete mich lange. >>Ich habe keinen Zweifel daran.<<

Ich senkte den Blick einen Moment. >>Aber es wird erheblich schwerer werden.<<

>>Inwiefern?<<

>>Harry steht jetzt im Mittelpunkt der gesamten Zauberwelt. Noch mehr als ohnehin schon. Jeder wird ihn beobachten. Jede seiner Bewegungen.<< Ich schüttelte leicht den Kopf. >>Und dazu kommt das Turnier selbst. Großes Aufsehen, dunkle Magie, gefährliche Prüfungen... ich kann unmöglich überall gleichzeitig sein. Wenn wirklich jemand versucht, Harry zu schaden, bietet dieses Turnier unzählige Gelegenheiten dazu.<<

Dumbledore nickte nachdenklich. >>Dann müssen wir dafür sorgen, dass unser Gegner keine davon ungestört nutzen kann.<<

Ich erwiderte seinen Blick. >>Das werden wir.<<

Innerlich gab ich mir jedoch ein weiteres Versprechen. Dieses Mal würde ich nicht zu spät kommen. Nicht noch einmal. ***

Ruby wartete bereits einige Korridore weiter auf mich.

Sie war längst von der Eulerei zurück und hatte sich lässig gegen eine Ritterrüstung gelehnt, doch als sie mein Gesicht sah, richtete sie sich sofort auf. >>Und?<<

>>Er weiß genauso wenig wie wir.<<

Ruby verzog das Gesicht. >>Na wunderbar.<<

>>Aber er hat mir offiziell den Auftrag gegeben, den Verantwortlichen zu finden.<<

>>Damit konnte man rechnen.<<

Ich nickte. >>Und genau deshalb müssen wir unsere Aufgaben neu verteilen.<<

Ruby wurde sofort ernst, indem sie sich von der Rüstung abstieß und vor mich trat. >>Was schwebt dir vor?<<

Ich sah mich kurz im Korridor um. Niemand war zu sehen. >>Ab sofort hat Harry oberste Priorität.<<

>>War er doch sowieso schon<<, gab Ruby irritiert zurück, doch ich warf ihr einen dringlichen Blick zu.

>>Jetzt mehr denn je.<<

Sie verschränkte die Arme. >>Was soll ich tun?<<

>>Bleib in seiner Nähe.<< Ruby runzelte die Stirn. >>Unauffällig.<<

Ein Seufzen entfuhr ihr. >>Das versteht sich.<<

>>Nicht ständig.<<

>>Auch klar.<<

>>Aber oft genug, damit dir jede Kleinigkeit auffällt.<<

Sie nickte langsam. >>Sein Verhalten.<<

>>Natürlich.<<

>>Neue Bekanntschaften<<, fügte Ruby hinzu. >>Merkwürdige Gespräche.<<

>>Alles<<, betonte ich entschlossen und trat einen Schritt näher. >>Vor allem aber Menschen, die sich ungewöhnlich für Harry interessieren.<<

Ruby erwiderte meinen Blick. >>Du glaubst, der Täter beobachtet ihn bereits.<<

>>Davon bin ich überzeugt.<<

Sie dachte einen Moment nach. >>Das dürfte gar nicht so schwer werden.<<

>>Wie meinst du das?<<

Ein kleines Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. >>Ganz Hogwarts redet momentan nur über Harry Potter.<<

>>Eben deshalb<<, brachte ich hervor.

>>Wenn ich mich unter die Neugierigen mische, fällt niemandem auf, dass ich ihn tatsächlich beobachte.<<

Ich nickte zufrieden. >>Genau das hatte ich gehofft.<<

Ruby legte mir kurz eine Hand auf die Schulter. >>Und du?<<

Ich blickte in Richtung der dunklen Treppen. >>Ich suche nach Spuren.<<

>>Allein?<<

>>Vorerst.<<

>>Lucinda...<<

Ich unterbrach sie. >>Wenn wir beide denselben Weg verfolgen, übersehen wir vielleicht die Hälfte.<<

Ruby seufzte. >>Also gut.<< Dann lächelte sie leicht. >>Du jagst den Täter.<<

>>Und du?<<, meinte ich prüfend.

>>Ich passe auf den Jungen auf, der offenbar ein Talent dafür hat, ständig im Mittelpunkt lebensgefährlicher Ereignisse zu stehen.<<

Ein schwaches Lächeln huschte über mein Gesicht. >>Dann haben wir beide wohl genug zu tun.<<

Gemeinsam setzten wir uns in Bewegung. Während Ruby den Weg zum Ravenclaw-Turm einschlug, führte mich meiner zurück in die Kerker von Slytherin.

Zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Hogwarts hatte ich das Gefühl, dass das eigentliche Spiel begonnen hatte. Und irgendwo zwischen den Mauern dieses Schlosses befand sich jemand, der Harry Potter nicht zufällig zum Champion gemacht hatte. Ich musste ihn finden – bevor er seinen nächsten Zug machte.

***

Severus PoV

Mit einem leisen Knarren fiel die Tür seiner privaten Räume ins Schloss. Severus legte den schwarzen Umhang über die Rückenlehne seines Sessels und blieb einen Moment regungslos stehen. Stille. Endlich.

Nach dem Tumult in der Großen Halle empfand er diese beinahe als wohltuend. Langsam trat er an das Fenster seines Büros. Draußen lag Hogwarts im Dunkel des Herbstabends. Nur vereinzelt flackerten Lichter auf den Wegen zwischen den Türmen. Sein Blick verlor sich in der Ferne.

Harry Potter. Natürlich. Wieder einmal.

Severus stieß hörbar die Luft aus. Eigentlich überraschte ihn die Auslosung kaum. Seit der Junge Hogwarts betreten hatte, schien sich jede außergewöhnliche Begebenheit zwangsläufig um ihn zu drehen. Troll, Stein der Weisen, Kammer des Schreckens, Sirius Black…und nun das Trimagische Turnier.

Es passte beinahe schon ins Bild. Was ihn hingegen beschäftigte, war etwas völlig anderes. Lucinda Stonefield.

Während in der Großen Halle sämtliche Aufmerksamkeit auf Potter gerichtet gewesen war, hatte Severus die Gesichter der übrigen Anwesenden beobachtet. Eine alte Angewohnheit. Die meisten Schüler waren überrascht gewesen. Einige begeistert. Andere empört. Doch Lucinda...Sie war erschrocken gewesen. Nicht überrascht. Erschrocken. Als hätte sie genau mit diesem Ausgang gerechnet.

Severus runzelte die Stirn. Und Ruby Chadwick? Auch sie hatte kaum reagiert.

Kein aufgeregtes Tuscheln. Keine neugierigen Fragen. Stattdessen hatten sich die beiden jungen Hexen nahezu unbemerkt aus der Großen Halle zurückgezogen.

Fast...als hätten sie gewusst, dass ihre eigentliche Aufgabe jetzt erst begann.

Er verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Unmittelbar danach hatte Dumbledore Argus Filch losgeschickt. Nicht nach Potter. Nicht nach Moody. Nicht nach Karkaroff. Nach Lucinda Stonefield.

Severus kannte Albus Dumbledore seit vielen Jahren. Gut genug. Der alte Mann tat niemals etwas ohne Grund. Vor allem verschwendete er seine Zeit nicht damit, gewöhnliche Schülerinnen unmittelbar nach einem der bedeutendsten Vorfälle des Schuljahres in sein Büro zu bestellen. Nein. Dahinter musste mehr stecken. Viel mehr.

Er erinnerte sich an die erste Begegnung mit Lucinda. An ihren Zusammenstoß auf dem Korridor. An ihre außergewöhnliche Selbstbeherrschung. An ihre beinahe unnatürliche Reaktion auf Moodys Unterricht. Und schließlich an ihre Begegnung mit Ruby.

Die beiden waren sofort aufeinander eingespielt gewesen. Keine überflüssigen Worte. Kein hektisches Verhalten. Als hätten sie unzählige gefährliche Situationen bereits gemeinsam durchlebt.

Severus schloss langsam die Augen.

Wer seid ihr beide wirklich?

Je länger er darüber nachdachte, desto weniger glaubte er an Zufälle. Lucinda Stonefield tauchte aus dem Nichts in Hogwarts auf. Ruby Chadwick ebenfalls. Beide im selben Jahrgang. Beide auffallend verschlossen. Beide außergewöhnlich begabt. Und beide schienen Dumbledore deutlich näherzustehen, als sie nach außen erkennen ließen. Heute hatte er keine Sekunde gezögert, Lucinda sofort sprechen zu wollen. Fast...als wäre ihre Einschätzung der Lage für ihn von besonderer Bedeutung.

Severus öffnete die Augen wieder. Nein. Dumbledore arbeitete mit ihnen zusammen. Davon war er inzwischen überzeugt. Nur blieb die entscheidende Frage offen. Warum?

Er ging langsam zu seinem Schreibtisch und ließ sich schwer auf den Stuhl sinken. Unzählige Pergamente warteten darauf, korrigiert zu werden. Heute würde keines davon seine Aufmerksamkeit erhalten. Sein Blick fiel stattdessen auf das flackernde Feuer im Kamin.

Lucinda Stonefield.

Ruby Chadwick.

Harry Potter.

Und Albus Dumbledore.

Vier Namen. Vier Puzzleteile.

Ihm fehlte lediglich das Bild, zu dem sie gehörten.

Severus trommelte nachdenklich mit den Fingern auf die Tischplatte. Dann traf er einen stillen Entschluss. Er würde die beiden Hexen künftig noch genauer beobachten. Nicht aus Misstrauen allein. Sondern weil sein Instinkt ihm unmissverständlich zuflüsterte, dass Lucinda Stonefield und Ruby Chadwick keine gewöhnlichen Schülerinnen waren. Und sein Instinkt hatte ihn nur selten getäuscht.

***

Lucinda PoV

Am nächsten Morgen herrschte Chaos. Die gesamte Schule schien plötzlich nur noch über Harry Potter sprechen zu können. Bereits beim Frühstück entdeckte ich die ersten selbstgemalten Anstecker. "Potter stinkt."

Wie kreativ.

Draco Malfoy verteilte die Dinger mit sichtlicher Begeisterung an seine Mitschüler. Natürlich. Wer auch sonst?

>>Eine wirklich beeindruckende Demonstration geistiger Reife<<, bemerkte ich trocken.

Draco grinste. >>Neidisch, Stonefield?<<

>>Worauf genau? Auf den Anstecker oder auf den Mangel an Verstand?<<

Mehrere Slytherins kicherten. Dracos Grinsen verschwand augenblicklich. Ich wandte mich ab, bevor er antworten konnte. Meine Geduld für solche Spielchen war begrenzt. Vor allem heute. Denn etwas anderes beschäftigte mich wesentlich mehr.

Harry Potter saß am Gryffindor-Tisch. Allein. Ron Weasley fehlte. Und selbst diejenigen, die in seiner Nähe saßen, wirkten distanziert. Als hätte man ihn über Nacht zu einem Aussätzigen erklärt.

Ich konnte nachvollziehen, weshalb die Schüler misstrauisch waren. Aber seine Freunde? Das überraschte mich.

>>Das gefällt mir nicht<<, sagte ich.

Ruby, die gerade neben mir auftauchte, folgte meinem Blick. >>Mir auch nicht.<<

>>Ron?<<

Sie nickte. >>Sie haben gestritten.<<

Natürlich hatten sie das. Weil Menschen oftmals lieber an eine bequeme Lüge glaubten als an eine unbequeme Wahrheit. >>Harry braucht Unterstützung<<, sagte ich.

Ruby verschränkte die Arme. >>Ich weiß.<<

>>Dann gib sie ihm.<<

Sie sah mich perplex an. >>Du willst, dass ich mich einmische.<<

>>Nein.<< Ich warf ihr einen vielsagenden Blick zu >>Ich will, dass du deinen Auftrag erfüllst.<<

Ruby seufzte. >>Du klingst schon wie Dumbledore.<<

>>Dann werde ich alt.<<

>>Du bist alt<<, gab sie zurück und ich schnaubte belustigt.

>>Frechheit.<<

Die folgenden Tage bestanden aus Recherche. Und Frustration. Vor allem Frustration. Ruby kümmerte sich um Harry. Ich kümmerte mich um Informationen. Leider erwies sich Letzteres als deutlich schwieriger.

Die Bibliothek gab kaum etwas über die Sicherheitsmaßnahmen des Feuerkelchs preis. Die Bücher widersprachen sich. Alte Aufzeichnungen fehlten. Und sämtliche Hinweise verliefen im Sand.

Jedes Mal, wenn ich glaubte, eine Spur gefunden zu haben, endete sie in einer Sackgasse. Als wäre jemand darauf bedacht gewesen, keine Antworten zu hinterlassen. Genau das machte mich misstrauisch. Denn Zufälle waren selten. Besonders in Hogwarts.

Noch schlimmer wurde die Situation durch Severus Snape. Ich begegnete ihm inzwischen viel häufiger, als mir lieb war. Oder vielleicht fiel es mir einfach stärker auf. Jedenfalls hatte ich das unangenehme Gefühl, beobachtet zu werden. Nicht ständig. Aber oft genug.

Sein Blick blieb immer einen Moment zu lange auf mir liegen. Als würde er versuchen, ein Rätsel zu lösen. Und dieses Rätsel war offenbar ich. Eines Abends verließ ich die Bibliothek mit mehreren Notizen unter dem Arm. Der Korridor war leer. Zumindest glaubte ich das.

>>Miss Stonefield.<<

Ich blieb abrupt stehen. Verdammt. Langsam drehte ich mich um. Professor Snape stand wenige Meter entfernt. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Schwarze Augen. Und dieser durchdringende Blick.

>>Professor.<<

>>Sie verbringen in letzter Zeit erstaunlich viel Zeit in der Bibliothek<<, sagte er, woraufhin ich mit den Schultern zuckte.

>>Ein tragischer Nebeneffekt von Bildung.<<

Eine Augenbraue hob sich. >>Tatsächlich?<<

>>Ich fürchte ja.<<

Er schwieg. Und genau dieses Schweigen war das Problem. Snape konnte mit Schweigen mehr Druck erzeugen als andere Menschen mit einem ganzen Verhör. Das hatte ich schon nach kurzer Zeit durch seinen Unterricht festgestellt. Vor allem Neville Longbottom brachte diese Charaktereigenschaft oft genug zum Zittern. >>Sollte ich mir Sorgen machen?<<, fragte er schließlich.

>>Weshalb?<<

>>Nun.<< Sein Blick fiel auf meine Unterlagen. >>Ihre nächtlichen Spaziergänge wirken nicht gerade wie gewöhnliche Lerngewohnheiten.<<

Mist. Also war es ihm aufgefallen. Natürlich war es ihm aufgefallen. Er war schließlich nicht dumm. Dennoch blieb ich ruhig. >>Vielleicht interessiere ich mich einfach für Geschichte.<<

>>Geschichte.<<

Ich blieb dabei. >>Ja.<<

>>Wie faszinierend.<< Sein Tonfall machte deutlich, dass er kein Wort glaubte.

Ich setzte mein harmlosestes Lächeln auf. >>Gute Nacht, Professor.<<

Ohne eine Antwort abzuwarten, ging ich weiter. Mein Herz schlug etwas schneller als gewöhnlich. Nicht aus Angst. Eher aus Ärger. Snape wurde gefährlich aufmerksam. Und das konnte ich momentan überhaupt nicht gebrauchen. ***

Als wäre das nicht genug, kreuzte wenige Tage später auch noch Igor Karkaroff meinen Weg. Allein sein Anblick genügte, um mir die Laune zu verderben. Der ehemalige Todesser stand im Eingangsbereich und unterhielt sich mit einigen Durmstrang-Schülern. Als sein Blick auf mich fiel, lächelte er höflich. Zu höflich.

Ich erwiderte das Lächeln. Zu höflich. Innerlich jedoch kämpfte ich gegen den Impuls an, ihm sämtliche Meinung über den Dunklen Lord und seine Gefolgsleute ins Gesicht zu schleudern.

Tom hatte viele Menschen verdorben. Karkaroff gehörte dazu. Und dennoch durfte ich mir nichts anmerken lassen. Keine Emotion. Keine Reaktion. Keine Fehler.

>>Miss Stonefield<<, grüßte er.

>>Professor Karkaroff.<<

>>Gewöhnen Sie sich gut in Hogwarts ein?<<

>>So gut, wie man sich eben an eine Schule gewöhnen kann.<<

Sein Blick ruhte einen Moment auf mir. Prüfend. Fast neugierig. Ich mochte das nicht. Überhaupt nicht. Doch schließlich nickte er. >>Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg.<<

>>Danke.<<

Er ging weiter. Und erst als er außer Sicht war, ließ ich langsam die Luft aus meinen Lungen entweichen.

Ruby fand mich wenige Minuten später. >>Hey. Alles in Ordnung?<<

>>Karkaroff.<<

Mehr musste ich nicht sagen.

Sie verstand sofort. >>Hat er etwas bemerkt?<<

>>Nein.<<

Zumindest hoffte ich das.

>>Gut.<<

Ich nickte. Dann blickte ich zum Fenster hinaus in die dunkle Nacht. Dort draußen bewegten sich die Schatten über den Ländereien von Hogwarts. Und plötzlich erinnerte mich alles wieder an meinen Traum. An die Warnung. An das Gefühl drohenden Unheils.

Harry Potter war Champion geworden. Die Schule lachte über ihn. Seine Freunde wandten sich von ihm ab. Und irgendwo im Verborgenen zog jemand die Fäden. Jemand hatte eine sehr gefährliche Partie Schach eröffnet. Doch wenn dieser Jemand glaubte, Ruby und ich würden tatenlos zusehen, dann hatte er sich gewaltig geirrt.

Ich würde die Wahrheit finden. Egal wie viele Hindernisse man uns in den Weg stellte. Egal wie aufmerksam Severus Snape wurde. Egal wie oft Igor Karkaroff meinen Weg kreuzte. Denn eines wusste ich inzwischen mit absoluter Sicherheit:

Harry Potter war nicht zufällig Champion geworden.

Und hinter dieser faulen Nummer steckte weit mehr als ein schlechter Scherz. Es war der erste Zug einer viel größeren Katastrophe.

***

Severus PoV

Die nächsten zwei Wochen vergingen schneller, als Severus Snape erwartet hatte. Mit jedem Unterrichtstag bestätigte sich sein erster Eindruck von Lucinda Stonefield – und gleichzeitig wurde sie ihm immer rätselhafter. Sie war außergewöhnlich. Nicht auf die laute Art, wie es manche Schüler waren. Sondern auf eine Weise, die beinahe unsichtbar blieb.

Im Unterricht sprach sie nur, wenn sie aufgerufen wurde. Sie meldete sich nie freiwillig, drängte sich nie in den Vordergrund und vermied jede unnötige Aufmerksamkeit. Trotzdem fiel sie ihm auf. Vor allem in Zaubertränke.

Ihre Bewegungen waren präzise. Ruhig. Fast schon elegant. Sie zögerte nie bei den Zutaten, ließ keinen einzigen Arbeitsschritt aus und schien viele Rezepturen bereits zu kennen, bevor sie überhaupt erklärt wurden.

Einmal hatte Severus sich absichtlich hinter sie gestellt, während die Klasse mit einem komplizierten Schrumpfungstrank beschäftigt war. Ohne aufzusehen hatte Lucinda genau in dem Moment die Flamme unter ihrem Kessel reduziert, als der Trank die richtige Farbe annahm. Nicht eine Sekunde zu früh. Nicht eine Sekunde zu spät. Als hätte sie das Rezept dutzende Male gebraut.

Er hatte keinen einzigen Fehler gefunden. Nicht einen. Selbst Draco Malfoy, den Snape stets als talentierten Schüler angesehen hatte, konnte mit ihrer Präzision nicht mithalten. Und dennoch...

Sie schien sich regelrecht dafür zu schämen, gut zu sein. Sobald jemand ihren Trank lobte, zog sie sich noch weiter zurück. Auch innerhalb Slytherins blieb sie eine Außenseiterin. Pansy Parkinson hatte bereits am zweiten Tag versucht, sie in ihre Gruppe aufzunehmen. Lucinda hatte höflich gelächelt. Und abgelehnt.

Daphne Greengrass war beharrlicher gewesen. Sie hatte Lucinda mehrfach eingeladen, sich zu ihnen in der Großen Halle zu setzen. Auch daraus war nichts geworden.

Lucinda saß meistens allein. Oder mit Ruby Chadwick. Mehr schien sie nicht zu wollen. Es war keine Arroganz. Keine Verachtung. Eher...Vorsicht. Als hätte sie Angst, jemandem zu nahe zu kommen.

Severus erinnerte sich unwillkürlich an den kleinen Zwischenfall wenige Tage zuvor. Er war gerade um eine Ecke gebogen, als plötzlich jemand gegen ihn prallte. >>Verzeihung!<<

Lucinda war augenblicklich einen Schritt zurückgewichen. Für einen kurzen Moment hatten sich ihre Blicke getroffen. Ihre blaugrünen Augen waren erschrocken gewesen. Nicht, weil sie gegen einen Lehrer gelaufen war. Sondern weil sie überhaupt jemanden berührt hatte.

>>Passen Sie künftig besser auf, Miss Stonefield<<, hatte Severus kühl gesagt.

>>Ja, Professor.<<

Sie hatte den Blick gesenkt und war weitergeeilt. Erst später war ihm aufgefallen, wie unnatürlich angespannt sie in diesem Moment gewesen war. Fast so, als hätte sie erwartet, bestraft zu werden. Doch noch etwas anderes ließ ihm keine Ruhe.

Alastor Moody. Die erste Unterrichtsstunde in Verteidigung gegen die Dunklen Künste war vielen Schülern im Gedächtnis geblieben. Moody hatte die Unverzeihlichen Flüche demonstriert. Einige Schüler waren fasziniert gewesen. Andere abgestoßen. Lucinda...hatte umgehend die Flucht ergriffen.

Es war seine erste Begegnung mit ihr gewesen und sie ging ihm nach wie vor nicht aus dem Kopf. Lucinda hatte versucht, ruhig zu wirken. Doch ihre Hände hatten gezittert. Und ihre Augen...

In ihnen hatte etwas gelegen, das Snape nur zu gut kannte. Erinnerungen. Nicht bloße Angst. Erinnerungen. Und dann rief Dumbledore sie zu sich ins Büro, nachdem der Feuerkelch den Namen „Harry Potter“ ausspuckte. Das konnte keineswegs ein Zufall sein.

Seit jenem Tag beobachtete Severus Lucinda noch genauer und erkannte schnell ein Muster. Immer wenn Moody einen Raum betrat, spannte sich ihr gesamter Körper an. Ihre Schultern versteiften sich. Ihr Blick folgte ihm unauffällig. Nicht neugierig. Nicht feindselig. Sondern aufmerksam. Als würde sie jede seiner Bewegungen prüfen.

Dasselbe galt für Igor Karkaroff. Während die meisten Schüler den Schulleiter Durmstrangs mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Neugier betrachteten, musterte Lucinda ihn mit unverhohlenem Misstrauen. Nicht einmal Severus selbst sah Karkaroff so aufmerksam an.

Sie beobachtete ihn, sobald sie glaubte, niemand würde es bemerken. Sie schien auf etwas zu warten. Oder jemanden zu erkennen. Merkwürdig war allerdings, dass Karkaroff sie offenbar nie bewusst wahrnahm.

Ganz anders Ruby Chadwick. Die Ravenclaw-Schülerin hatte sich erstaunlich schnell eingelebt. Sie war freundlich, hilfsbereit und fand mühelos Anschluss. Dennoch fiel Severus auch bei ihr ein Muster auf. Sie hielt sich auffallend häufig dort auf, wo Harry Potter war.

Nie direkt neben ihm. Nie so offensichtlich, dass es jemandem sofort auffiel. Aber immer in seiner Nähe. In der Bibliothek. Auf den Korridoren. In der Großen Halle. Mehr als einmal hatte Severus beobachtet, wie Ruby einen Raum erst dann verließ, nachdem Potter ihn verlassen hatte. Es wirkte beinahe...als würde sie darauf achten, dass ihm nichts geschah.

Severus verschränkte die Hände hinter dem Rücken, während er durch die Kerker schritt. Lucinda Stonefield beobachtete Moody und Karkaroff. Ruby Chadwick beobachtete Harry Potter. Und Dumbledore schwieg. Wieder einmal.

Langsam entstand in Severus das unangenehme Gefühl, dass sich um die beiden neuen Schülerinnen ein Netz aus Geheimnissen spannte, dessen wahre Ausmaße noch niemand erkennen konnte.

Nur eines stand für ihn inzwischen fest. Lucinda Stonefield verbarg weit mehr als einen außergewöhnlichen Umgang mit Zaubertränken. Und irgendwann würde dieses Geheimnis ans Licht kommen.