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Schreckschraube namens Kimmkorn

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Schreckschraube namens Kimmkorn

Hallo, meine Lieben :) Wow, schon sechs Sterne *-* Dankeschön dafür. Es geht auch wieder weiter und in Hogwarts bleibt es natürlich immer aufregend. Vor allem, wenn eine gewisse Journalistin ihr Unwesen treibt und immer für einen Skandal oder Geheimnisse zu haben ist ;) Viel Spaß beim Weiterlesen und habt einen guten Start in die neue Woche.

Liebe Grüße,

eure Melody

~~~ 14 Schreckschraube namens Kimmkorn

Am nächsten Morgen wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Es war schon ein Wunder, dass ich mal eine Nacht ohne schaurige Träume oder düstere Erinnerungen durchlebte. Aber offenbar gönnte mir das Schicksal auch wirklich nichts. Ein leises, aber hartnäckiges Klopf. Klopf. Klopf.

Verschlafen blinzelte ich gegen die Dunkelheit meines Schlafsaals. Für einen Moment wusste ich gar nicht, wo ich war, ehe die grünen Vorhänge meines Himmelbettes und die feuchten Steinmauern der Kerker mich wieder in die Gegenwart zurückholten.

Klopf. Klopf.

Ich richtete mich langsam auf und warf einen Blick durch den Raum.

Pansy lag zusammengerollt in ihrem Bett und schnarchte leise vor sich hin. Daphne hatte sich die Decke über den Kopf gezogen und zeigte ebenfalls keinerlei Anzeichen, in den nächsten Minuten aufzuwachen. Ein selten angenehmer Anblick.

Das Klopfen ertönte erneut. Diesmal entdeckte ich den Ursprung.

Eine stattliche Schleiereule saß draußen auf dem Fenstersims und bearbeitete die Scheibe mit ihrem Schnabel. Ungeduldig genug, dass ich befürchtete, sie würde gleich das Glas einschlagen. >>Ist ja gut...<<, murmelte ich und schlüpfte möglichst geräuschlos aus dem Bett.

Die eisige Morgenluft schlug mir entgegen, als ich das Fenster öffnete. Sofort flatterte die Eule herein, landete elegant auf meinem Schreibtisch und streckte mir erwartungsvoll ihr Bein entgegen. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Das Pergament war mit einem vertrauten schwarzen Band zusammengebunden.

Sirius.

Ich löste den Brief vorsichtig von ihrem Bein, strich der Eule dankbar über das Gefieder und gab ihr ein paar Eulenkekse aus meiner Schublade. Erst als sie zufrieden zu knabbern begann, entrollte ich das Pergament. Schon die ersten Zeilen verrieten mir, dass Sirius den Brief in größter Hast geschrieben haben musste.

Die Schrift war ungewohnt unruhig. Manche Wörter waren beinahe ineinander verschmiert.

Lucinda,

Ruby hat mich bereits über die Ereignisse in Hogwarts informiert. Ich konnte es zunächst kaum glauben, doch offenbar ist Harry tatsächlich zum vierten Champion gewählt worden.

Ich weiß nicht, wer dahintersteckt, aber ich traue der Sache nicht. Harry hätte niemals freiwillig seinen Namen in den Feuerkelch geworfen. Dafür kenne ich ihn viel zu gut. Bitte...ich flehe dich an. Beschütze meinen Patensohn. Mit allen Mitteln, die dir und Ruby zur Verfügung stehen. Ich habe James und Lily nicht retten können. Ich werde nicht auch noch Harry verlieren.

Halte mich über jede neue Entwicklung auf dem Laufenden. Ganz gleich, wie klein sie dir erscheinen mag. Wenn sich ein Hinweis ergibt oder ihr jemanden verdächtigt, muss ich es wissen. Pass außerdem auf euch beide auf. Mein Gefühl sagt mir, dass mehr hinter alldem steckt, als wir im Moment erkennen können.

Ich vertraue euch.

Sirius

Ich ließ den Brief langsam sinken. Unwillkürlich musste ich schlucken. Sirius war nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Selbst in Askaban hatte er versucht, seinen Humor nicht vollständig zu verlieren. Doch diese Zeilen...

Sie waren keine Bitte. Sie waren die verzweifelten Worte eines Mannes, der schon einmal seine Familie verloren hatte und nun panische Angst hatte, den letzten Menschen zu verlieren, der ihm geblieben war.

Ich schloss kurz die Augen.

Ich habe James und Lily nicht retten können. Ich werde nicht auch noch Harry verlieren.

Dieser Satz hallte in meinem Kopf nach.

>>Das werden wir nicht zulassen<<, flüsterte ich beinahe lautlos.

Weder für Sirius. Noch für Harry. Ich faltete den Brief sorgfältig zusammen und verstaute ihn tief in meiner Schultasche. Niemand durfte erfahren, dass wir mit Sirius in Kontakt standen. Dann wanderte mein Blick wieder zum Fenster. Der Himmel über Hogwarts begann sich langsam hellblau zu färben. Ein neuer Tag. Und mit ihm begann das Turnier, lange bevor die erste Aufgabe überhaupt stattfinden würde. Der unbekannte Gegner hatte seinen ersten Zug bereits gemacht. Jetzt waren wir an der Reihe.

***

Die Schule sprach inzwischen von kaum etwas anderem als Harry Potter. Die Hälfte der Schüler bezeichnete ihn als Betrüger. Die andere Hälfte als Ruhmsüchtigen. Und die wenigen Vernünftigen schienen längst ausgestorben zu sein. Selbst die Lehrer wirkten angespannt.

Als ich einige Stunden später die Große Halle betrat, fiel mein Blick sofort auf Ruby. Sie saß am Ravenclaw-Tisch und beobachtete eine Frau, die aussah, als hätte jemand einen Papagei mit einer Schreibfeder gekreuzt.

Die Frau trug ein grellgrünes Kleid. Eine monströse Brille. Und eine Frisur, die vermutlich gegen mehrere Gesetze der Magie verstieß.

Ich ließ mich neben Ruby nieder, um somit auch mal eine kurze Pause von der Schlangengrube zu bekommen. >>Wer ist das?<<

Ruby verzog das Gesicht. >>Rita Kimmkorn.<<

>>Nie gehört.<<

>>Journalistin<<, erklärte sie und ich brummte vielsagend.

>>Dann erklärt das einiges.<<

Ruby nickte. >>Sie arbeitet für den Tagespropheten.<<

>>Ah. <<

Jetzt verstand ich. Menschen wie sie lebten davon, Schwierigkeiten zu finden. Oder welche zu erfinden.

>>Ich mag sie nicht<<, erklärte Ruby.

>>Du magst viele Leute nicht.<<

>>Nein.<< Sie schüttelte den Kopf. >>Bei ihr ist es anders.<< Ihr Blick blieb auf Kimmkorn gerichtet. >>Die Frau sucht Ärger.<<

Ich betrachtete die Journalistin erneut. Sie lächelte gerade Hagrid an. Der Halbriese wirkte dabei ungefähr so entspannt wie ein Kaninchen vor einer hungrigen Schlange. >>Du hast recht.<<

>>Natürlich habe ich recht.<<

>>Das wird noch Probleme geben<<, meinte ich und Ruby seufzte theatralisch.

>>Definitiv.<<

Nach dem Frühstück verließen Ruby und ich gemeinsam die Große Halle. Das übliche Stimmengewirr verklang langsam hinter uns, während wir den breiten Korridor entlangliefen. Die meisten Schüler waren bereits auf dem Weg zum Unterricht, andere standen noch in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten angeregt über Harry und das Trimagische Turnier. Kaum jemand sprach noch über etwas anderes.

Ich wartete, bis wir außer Hörweite waren. Dann griff ich in meine Umhängetasche. >>Heute Morgen ist eine Eule gekommen.<<

Ruby sah mich überrascht an. >>Von wem?<<

Als Antwort reichte ich ihr den zusammengefalteten Brief. >>Sirius.<<

Allein beim Klang seines Namens veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Das vorsichtige Lächeln verschwand und wurde von einer tiefen Sehnsucht ersetzt. Behutsam entfaltete sie das Pergament.

Ich sagte nichts. Ich beobachtete lediglich, wie ihre braunen Augen Zeile für Zeile über das Papier glitten und dabei immer trauriger wurden. Schließlich blieb ihr Blick an den letzten Worten hängen. Sie strich mit den Fingerspitzen beinahe zärtlich über seine Unterschrift. >>Er macht sich solche Sorgen...<<, flüsterte sie.

Ich nickte. >>Ja.<<

Ruby senkte den Brief. >>Ich kann es ihm nicht einmal verübeln.<< Ihre Stimme war ungewohnt leise. >>Er sitzt dort draußen ganz allein und alles, was er tun kann, ist warten.<< Sie lächelte bitter. >>Merlin...ich vermisse ihn so schrecklich.<<

Ihre Worte trafen mich. Nicht, weil sie überraschend kamen. Sondern weil Ruby ihre Gefühle sonst so selten offen zeigte. >>Ich würde ihm so gern helfen.<< Sie presste die Lippen aufeinander. >>Ihm wenigstens einen Teil dieser Angst nehmen.<<

Für einen Moment blieben wir stehen. Ich legte ihr behutsam eine Hand auf die Schulter. >>Das kannst du.<<

Ruby sah mich fragend an. >>Wie denn?<<

>>Indem du genau das tust, worum er uns bittet.<<

Sie runzelte die Stirn. Ich nickte in Richtung der Eingangshalle, wo Harry gerade die Marmortreppe hinaufging. >>Beschütze Harry.<< Ruby folgte meinem Blick. >>Sirius kann im Augenblick nicht an seiner Seite sein.<< Ich sprach ruhig weiter. >>Aber du kannst es.<< Sie schwieg. >>Jedes Mal, wenn du Harry hilfst...<< Ich lächelte leicht. >>...hilfst du gleichzeitig Sirius.<<

Ruby betrachtete Harry nachdenklich. Langsam schien sich die Anspannung in ihrem Gesicht etwas zu lösen. >>Du hast recht.<< Ein kleines, ehrliches Lächeln erschien auf ihren Lippen. >>Harry zu beschützen bedeutet auch, Sirius zu beschützen.<<

>>Genau.<<

Sie faltete den Brief sorgfältig zusammen und gab ihn mir zurück. >>Dann werde ich dafür sorgen, dass Harry dieses Turnier heil übersteht.<<

Ich nahm den Brief entgegen und verstaute ihn wieder sicher in meiner Tasche. >>Das wird Sirius eines Tages erfahren.<<

Ruby nickte entschlossen. >>Und bis dahin schicken wir ihm nur eine einzige Art von Nachrichten.<<

>>Welche?<<

Sie lächelte nun deutlich zuversichtlicher. >>Dass Harry noch lebt.<<

Ich erwiderte ihr Lächeln. >>Dann sollten wir keine Zeit verlieren.<<

Gemeinsam setzten wir unseren Weg fort. Während Ruby bereits den Jungen mit der blitzförmigen Narbe im Blick behielt, schweiften meine Gedanken zu der anderen Aufgabe, die vor uns lag.

Irgendwo in Hogwarts lief derjenige frei herum, der Harry in dieses Turnier gezwungen hatte. Und ich war entschlossen, ihn zu finden, bevor er seinen nächsten Zug machte.

***

Zwei Tage später hatte ich mich erneut in die Bibliothek zurückgezogen. Die Recherche verlief nach wie vor ernüchternd, was mich ungemein frustrierte. Deshalb blätterte ich zur Abwechslung in einem Buch für Zaubertränke, um neue Motivation zu gewinnen. Allerdings blieb ich nicht lange ohne Gesellschaft.

>>Es wird jeden Tag schlimmer.<<

Ich hob den Blick von meinem Zaubertranklehrbuch und sah Ruby an, die sich mit einem erschöpften Seufzen neben mich in einer abgelegenen Fensternische der Bibliothek sinken ließ. Zwischen den hohen Regalen war kaum jemand unterwegs – genau deshalb hatten wir diesen Ort inzwischen zu unserem festen Treffpunkt gemacht.

>>Harry?<<

Sie nickte. >>Er redet kaum noch mit anderen. Wobei das ja auch kein Wunder ist, nach den ganzen Anschuldigungen.<<

Ich schloss das Buch. >>Die meisten Schüler machen sich weiterhin über ihn lustig. Manche behaupten sogar offen, er hätte den Feuerkelch betrogen.<<

>>Ja.<< Ruby strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. >>Und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, zieht er sich noch weiter zurück.<<

Ich lehnte mich gegen das Fensterbrett. >>Genau das habe ich befürchtet.<<

>>Was meinst du?<<

>>Isolation.<< Ruby runzelte die Stirn. >>Sie macht Menschen unvorsichtig.<< Ich sah hinaus auf den regennassen Innenhof. >>Wer sich allein fühlt, beginnt irgendwann, jede ausgestreckte Hand dankbar anzunehmen.<<

Ruby ahnte, worauf ich hinauswollte. >>Selbst wenn sie von der falschen Person kommt...<<

>>Genau.<< Ich verschränkte die Arme. >>Wenn derjenige, der Harry in dieses Turnier gebracht hat, ihn manipulieren will, dann wartet er nur auf den richtigen Moment.<<

Ruby wurde schlagartig ernst. >>Harry darf gar nicht erst so weit kommen.<<

>>Nein.<< Für einige Sekunden schwiegen wir beide. Dann drehte ich mich wieder zu ihr. >>Deshalb musst du sein Vertrauen gewinnen.<<

Sie blinzelte überrascht. >>Ich?<<

>>Du.<<

>>Und wie soll das funktionieren?<<

>>Nicht, indem du dich ihm aufdrängst.<< Ich schüttelte den Kopf. >>Harry vertraut Fremden nicht besonders schnell.<<

Ruby nickte zustimmend. >>Vor allem jetzt nicht.<<

Ein Gedanke, der mir seit Tagen durch den Kopf ging, formte sich langsam zu einem Plan. >>Aber es gibt jemanden, dem Harry ohne Zögern zuhört.<<

Ruby brauchte nur einen Augenblick. Dann weiteten sich ihre Augen. >>Sirius.<<

Ich lächelte. >>Ganz genau.<<

Sie richtete sich auf. >>Du meinst...<<

>>Sirius schreibt Harry ohnehin gelegentlich.<<

>>Ja.<<

>>Dann soll er diesmal einen Gruß an dich in den Brief einbauen.<<

Ruby sah mich erst fragend an. Dann begann sie langsam zu lächeln. >>Harry wird sich automatisch fragen, woher Sirius mich kennt.<<

>>Und früher oder später wird er dich darauf ansprechen.<<

Sie verstand sofort. >>Nicht ich suche das Gespräch...<<

>>...sondern Harry sucht es<<, vollendete ich den Satz.

Ein verschmitztes Grinsen huschte über Rubys Gesicht. >>Das ist ziemlich raffiniert.<<

>>Vor allem wirkt es nicht geplant.<<

Ruby lachte leise. >>Du wirst langsam richtig hinterlistig.<<

>>Danke.<<

>>Das war kein Kompliment.<<

>>Ich weiß.<<

Wir mussten beide kurz lachen. Es tat gut. Für einen Augenblick fühlte sich alles beinahe normal an. Ruby nahm sofort Pergament und Feder aus ihrer Tasche. >>Dann schreibe ich Sirius heute Abend.<<

>>Nein.<< Sie hielt inne. >>Nicht schreiben.<<

>>Wie denn sonst?<<

Ich zog den Brief hervor, den Sirius vor zwei Tagen geschickt hatte. >>Er erwartet ohnehin unsere nächste Nachricht.<< Ich hielt ihr das Pergament entgegen. >>Wir antworten gemeinsam. Er muss nur wissen, weshalb er Harry ausdrücklich Grüße an dich ausrichten soll.<<

Ruby nickte entschlossen. >>Das wird er sofort verstehen.<<

***

Drei Tage später schien unser Plan tatsächlich aufzugehen. Ich stand am Ende des Korridors, als Harry aus einer Seitentreppe trat. Allein. Wie inzwischen beinahe immer.

Die Schüler machten ihm Platz – allerdings nicht aus Respekt. Vielmehr schienen sie ihn zu meiden. Einige tuschelten hinter vorgehaltener Hand, andere warfen ihm misstrauische Blicke zu. Harry bemerkte es längst nicht mehr. Oder er tat zumindest so.

Ruby kam ihm wenige Augenblicke später entgegen. Sie hatte ein Buch unter dem Arm und wollte gerade an ihm vorbeigehen, als Harry zögernd stehen blieb. >>Entschuldige...<<

Ruby blieb ebenfalls stehen und sah ihn fragend an. >>Ja?<<

Harry warf einen flüchtigen Blick über den Korridor. Er schien sich vergewissern zu wollen, dass niemand auf sie achtete. Dann trat er einen halben Schritt näher. >>Können wir...kurz unter vier Augen reden?<<

Ruby nickte ohne zu zögern. >>Natürlich.<<

Gemeinsam gingen sie einige Meter weiter bis zu einer abgelegenen Fensternische. Ich blieb bewusst auf Abstand. Harry sprach so leise, dass ich kein einziges Wort verstand. Ich sah lediglich, wie er vorsichtig ein Stück Pergament aus seiner Umhangtasche zog und Ruby zeigte.

Nicht lange. Nur einen kurzen Augenblick. Ruby überflog die betreffende Stelle und ein warmes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Sie nickte.

Harry schien erleichtert zu sein. Er steckte den Brief sofort wieder ein. Dann hörte ich einzelne Wortfetzen.

>>...hat geschrieben...<<

>>...kennt dich offenbar...<<

>>...woher...? <<

Mehr verstand ich nicht.

Ruby lächelte. >>Sagen wir einfach, Sirius und ich kennen uns schon sehr lange.<<

Harry sah sie überrascht an. >>Wirklich?<<

>>Er hat mir vor Jahren einmal sehr geholfen.<<

Das war keine Lüge. Nur längst nicht die ganze Wahrheit.

Harry wirkte plötzlich deutlich neugieriger. >>Er schreibt nicht oft über Menschen.<<

Ruby lachte leise. >>Dann fühle ich mich geehrt.<<

Zum ersten Mal seit Tagen huschte auch über Harrys Gesicht ein ehrliches Lächeln. >>Ich glaube...das würde ihn freuen.<<

Von da an entwickelte sich das Gespräch wie von selbst. Nicht, weil Ruby versuchte, Harry auszufragen. Sondern weil Harry selbst begann, Fragen zu stellen. Über Sirius. Über dessen Humor. Darüber, wie die beiden sich kennengelernt hatten. Ruby beantwortete jede Frage mit Bedacht und erzählte nur harmlose Begebenheiten, die keinerlei Rückschlüsse auf ihre wahre Vergangenheit zuließen.

Ich beobachtete die Szene aus der Ferne und musste unwillkürlich lächeln. Genau darauf hatte ich gehofft. Harry hatte den ersten Schritt selbst gemacht. Und genau deshalb würde er Ruby künftig nicht als Aufpasserin wahrnehmen. Sondern als jemanden, dem sein Pate vertraute. Und das war für Harry vermutlich das stärkste Argument überhaupt.

Kurz darauf machte ich mich auf den Weg zum Büro des Schulleiters. Der Wasserspeier brachte mich nach oben. Ich klopfte zweimal an die schwere Holztür. >>Herein.<<

Langsam trat ich in Dumbledores Büro. Fawkes begrüßte mich mit einem leisen Trillern, während der Schulleiter bereits hinter seinem Schreibtisch auf mich wartete. Er schien mich erwartet zu haben. >>Lucinda.<<

>>Professor.<<

Kaum hatte ich die Tür geschlossen, musterte er mich aufmerksam.

>>Ich nehme an, du kommst nicht ohne Neuigkeiten.<<

Ein schmales Lächeln erschien auf meinen Lippen. >>Nein.<<

Dumbledore legte die Fingerspitzen aneinander. >>Dann erzähle.<<

Ich trat vor seinen Schreibtisch. >>Harry geht es den Umständen entsprechend.<<

>>Das klingt nicht besonders beruhigend.<<

>>Ist es auch nicht.<< Ich seufzte leise. >>Die Einsamkeit macht ihm mehr zu schaffen als das Turnier selbst.<<

Dumbledore nickte nachdenklich. >>Eine Entwicklung, die ich leider vorausgesehen habe.<<

>>Ich ebenfalls.<< Einen Moment schwieg ich. >>Deshalb habe ich gehandelt.<<

Seine Augen begannen interessiert zu funkeln. >>Oh?<<

>>Ruby ist jetzt an Harrys Seite.<<

Der Schulleiter hob überrascht die Augenbrauen. >>So schnell?<<

Ich nickte. >>Harry hat selbst den Kontakt gesucht.<<

>>Wie hast du das erreicht?<<

Ein leichtes Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. >>Mit ein wenig Hilfe von Sirius.<<

>>Ah.<< Mehr musste ich gar nicht sagen. Dumbledore verstand sofort. >>Er hat Harry auf Ruby aufmerksam gemacht.<<

>>Genau.<< Ich verschränkte die Arme. >>Harry vertraut seinem Paten mehr als jedem anderen Menschen. Wenn Sirius ihm zu verstehen gibt, dass Ruby vertrauenswürdig ist, stellt Harry keine weiteren Fragen.<<

Der alte Zauberer lehnte sich lächelnd zurück. >>Bemerkenswert.<< Ich zog fragend eine Augenbraue hoch. >>Du greifst nie zur offensichtlichsten Lösung.<< Sein Blick ruhte anerkennend auf mir. >>Während andere versuchen würden, Harry direkt zu beschützen, sorgst du zunächst dafür, dass Harry selbst jemanden an seiner Seite akzeptiert.<<

Ich zuckte mit den Schultern. >>Menschen lassen sich ungern bewachen.<<

>>Aber sie akzeptieren Freunde.<<

>>Eben.<<

Dumbledore schmunzelte. >>Dein Scharfsinn beeindruckt mich immer wieder, Lucinda.<<

Ich winkte ab. >>Ruby verdient mindestens die Hälfte des Lobes.<<

>>Bescheiden warst du noch nie besonders überzeugend.<<

>>Das nehme ich jetzt einfach als Kompliment.<<

Dumbledore lachte leise. >>Das darfst du.<<

Gerade wollte ich ihm von einigen Beobachtungen berichten, als die Bürotür ohne jedes Klopfen aufgerissen wurde. >>Albus! Welch entzückender Zufall!<<

Ich schloss augenblicklich die Augen.

Nein...

Mit wehendem smaragdgrünem Umhang marschierte Rita Kimmkorn ins Büro, ihre giftgrüne Feder flatterte bereits schreibbereit neben ihr her. >>Ich hoffe doch sehr, ich störe keine hochbrisante Verschwörung?<<

>>Rita<<, sagte Dumbledore erstaunlich gelassen. >>Ich erinnere mich nicht daran, Sie hereingebeten zu haben.<<

>>Ach, Einladungen sind doch etwas furchtbar Förmliches.<< Sie winkte lässig ab. >>Spontanität macht das Leben erst interessant.<<

Mein linker Mundwinkel zuckte gefährlich.

Rita entdeckte mich. >>Nun, wen haben wir denn hier?<< Ihre Augen leuchteten sofort auf. >>Die geheimnisvolle Miss Stonefield!<<

Ich wusste augenblicklich, dass mir diese Frau den letzten Nerv rauben würde.

>>Sie sind erstaunlich schwer zu interviewen<<, klagte sie mich an, doch ich zuckte nicht einmal mit der Wimper.

>>Das hat Gründe.<<

>>Die Leser lieben Geheimnisse.<<

>>Dann lassen Sie sie ruhig weiter rätseln.<<

Sie rückte ihre absurde Brille zurecht. >>Stimmt es, dass Sie den berühmten Harry Potter heimlich unterrichten?<<

>>Nein.<<

>>Stimmt es, dass Sie eine außergewöhnliche Begabung für Verteidigung gegen die dunklen Künste besitzen?<<

>>Möglich.<<

>>Stimmt es, dass Professor Snape Sie bevorzugt behandelt?<<

Ich atmete tief durch. Bei Merlin... >>Nein.<<

>>Wirklich nicht?<<, erwiderte sie, fast ein wenig enttäuscht.

>>Nein.<<

>>Ganz sicher?<<

>>Außerordentlich sicher.<<

>>Schade.<<

Ihre Feder kritzelte trotzdem munter über das Pergament.

>>Was genau schreiben Sie da?<<, fragte ich trocken.

>>Das weiß ich noch nicht.<< Ich starrte sie sprachlos an. >>Ich entscheide mich meistens erst später.<<

Ich blinzelte. >>Sie schreiben...bevor Sie wissen, was Sie schreiben?<<

>>Das spart ungemein Zeit.<<

Ich warf Dumbledore einen Blick zu. Er verbarg sein Schmunzeln hinter seinen halbmondförmigen Brillengläsern. Natürlich. Ausgerechnet jetzt amüsierte er sich. Noch bevor Rita ihre nächste absurde Frage stellen konnte, klopfte es erneut an der Tür. Diesmal wartete man wenigstens.

>>Herein.<<

Professor McGonagall trat ein. Dicht gefolgt von Professor Snape. Unwillkürlich richtete ich mich etwas auf. Nach unserer letzten Zaubertrankstunde hatte ich durchaus den Eindruck gewonnen, dass er mich genauer beobachtete als die meisten anderen Schüler. Ob aus Misstrauen oder bloßer Neugier, vermochte ich noch immer nicht zu sagen.

Snape blieb augenblicklich stehen, als er Rita Kimmkorn bemerkte. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich merklich. >>Miss Kimmkorn.<<

>>Professor Snape!<<, trällerte sie begeistert. >>Welch hervorragendes Timing! Gerade wollte ich Miss Stonefield fragen, ob zwischen Ihnen beiden—<<

>>Nein<<, unterbrach ich sie trocken.

Rita blinzelte irritiert. >>Aber ich habe die Frage doch noch gar nicht gestellt.<<

>>Ich ahne, worauf sie hinauslaufen sollte. Auf absoluten Schwachsinn.<<

McGonagall presste die Lippen aufeinander und räusperte sich dezent, während Dumbledore sich hinter seinen gefalteten Händen ein Schmunzeln nicht ganz verkneifen konnte.

Snape hingegen warf Rita lediglich einen kühlen Blick zu. >>Miss Kimmkorn, ich würde Ihnen dringend empfehlen, Ihre journalistischen Fähigkeiten künftig auf Themen zu konzentrieren, die wenigstens entfernt mit der Wahrheit zu tun haben.<<

>>Wie reizend!<<, säuselte Rita und kritzelte bereits eifrig auf ihrem Pergament. >>Das klingt nach einer ausgesprochen interessanten Aussage.<<

Ich verspürte das dringende Bedürfnis, dieser Situation zu entfliehen, bevor es noch kurioser wurde. Deshalb wandte ich mich an den Schulleiter. >>Professor Dumbledore<<, sagte ich betont höflich. >>Mir ist gerade eingefallen, dass Professor Flitwick noch einige Bücher aus der Bibliothek erwartet.<<

Der Schulleiter betrachtete mich einen Moment lang über den Rand seiner Halbmondbrille hinweg. Natürlich durchschaute er meinen Vorwand sofort. >>Selbstverständlich, Lucinda.<< Sein Mundwinkel hob sich leicht. >>Das sollte keinesfalls warten.<<

>>Ganz meiner Meinung.<<

Ich nickte Minerva kurz zu und schenkte Snape lediglich einen flüchtigen Blick, bevor ich mich abwandte und die Tür öffnete.

>>Miss Stonefield!<<

Ich blieb stehen. Natürlich. Rita Kimmkorn. Langsam drehte ich mich noch einmal zu ihr um. Sie hatte ihre giftgrüne Feder wieder gezückt und musterte mich mit einem Blick, der irgendwo zwischen grenzenloser Neugier und journalistischer Gier lag.  >>Eine letzte Frage.<< Ich seufzte innerlich. >>Wer sind Sie wirklich, Miss Stonefield?<<

Für einen kurzen Moment herrschte völlige Stille. Dumbledore beobachtete mich aufmerksam. McGonagall hob erwartungsvoll eine Augenbraue. Selbst Snape schien interessiert zu sein, wie ich auf diese Frage reagieren würde.

Ich lächelte schließlich freundlich. >>Ich?<< Ich machte eine bedeutungsvolle Pause. >>Ich bin...weg.<<

Noch bevor Rita begriff, dass sie gerade ihre Antwort erhalten hatte, trat ich durch die Tür. Diese fiel mit einem leisen Klick hinter mir ins Schloss. Im selben Augenblick hörte ich Ritas enttäuschte Stimme von der anderen Seite.

>>Moment...das zählt nicht!<<

Ein zufriedenes Grinsen schlich sich auf mein Gesicht. Nein. Heute würde sie ganz sicher kein Geheimnis von mir erfahren. Das sollten andere über sich ergehen lassen. Für heute hatte ich mein persönliches Limit an Rita Kimmkorn eindeutig erreicht

***

Severus PoV

Severus Snape hatte bereits viele unangenehme Situationen überstanden. Verhöre. Todesser. Albus Dumbledores kryptische Andeutungen. Und mehrere Jahrzehnte voller Schüler, die offenbar jedes Schuljahr aufs Neue beweisen wollten, dass man einen Kessel auf mindestens sieben verschiedene Arten zur Explosion bringen konnte.

Doch Rita Kimmkorn schaffte es innerhalb von weniger als drei Minuten, sich einen erstaunlich hohen Platz auf seiner persönlichen Liste unerträglicher Menschen zu sichern.

Kaum war die Tür hinter Lucinda ins Schloss gefallen, starrte die Journalistin noch einige Sekunden auf die Stelle, an der die Schülerin verschwunden war. >>Moment...das zählt nicht!<<

>>Ich fürchte, Miss Stonefield sieht das anders<<, bemerkte Dumbledore milde.

Severus warf ihm einen finsteren Seitenblick zu. Natürlich amüsierte der alte Mann sich. McGonagall hingegen schien bereits zu ahnen, was ihnen bevorstand. Ihre Lippen bildeten eine derart schmale Linie, dass Severus beinahe Mitleid mit ihnen gehabt hätte. Beinahe.

Rita drehte sich schwungvoll wieder zu ihnen herum. Die giftgrüne Feder schwebte erwartungsvoll über dem Pergament. >>Nun, Professor Dumbledore, vielleicht können Sie mir etwas über Miss Stonefield erzählen. Sie scheint eine ausgesprochen geheimnisvolle junge Dame zu sein.<<

>>Lucinda ist eine Schülerin dieser Schule<<, erwiderte Dumbledore freundlich.

Die Feder kritzelte. >>Mysteriöse Schülerin unter besonderem Schutz des Schulleiters...<<, murmelte Rita.

>>Das habe ich nicht gesagt.<<

>>Aber gemeint?<<

>>Nein.<<

Severus musste sich beherrschen, nicht hörbar auszuatmen. Kimmkorn ließ sich davon nicht beeindrucken und wandte sich stattdessen McGonagall zu. >>Professor McGonagall! Wie würden Sie Miss Stonefield beschreiben?<<

>>Als Schülerin.<<

>>Natürlich, aber charakterlich?<<

>>Eigenständig.<<

Die Feder raste über das Pergament. >>Rebellisch?<<

McGonagalls Augen verengten sich. >>Eigenständig.<<

>>Aufmüpfig?<<

>>Eigenständig.<<

>>Schwer kontrollierbar?<<

>>Miss Kimmkorn.<<

Severus erkannte den Tonfall. Er hatte ihn oft genug gehört. Meist unmittelbar bevor Minerva McGonagall jemandem mit ausgesuchter Höflichkeit erklärte, weshalb dessen Existenz ihre Geduld strapazierte. Rita offenbar nicht.

>>Und wie steht Miss Stonefield zu Professor Snape?<<

Stille. Severus' Blick wurde augenblicklich eisig. Minerva wandte langsam den Kopf zu ihm. Dumbledores Augen funkelten verdächtig hinter seiner Halbmondbrille. Severus nahm sich vor, den Schulleiter später daran zu erinnern, dass Schadenfreude keineswegs zu den Tugenden eines angesehenen Schulleiters gehörte.

>>Miss Stonefield<<, begann er gefährlich ruhig, >>steht zu mir in demselben Verhältnis wie jeder andere Schüler meines Hauses. Ich bin ihr Hauslehrer und unterrichte sie in Zaubertränke. Ende der Geschichte.<<

Die Feder kritzelte wie wahnsinnig. Rita strahlte. >>Sie reagieren ausgesprochen entschieden auf diese Frage.<<

>>Weil sie ausgesprochen dämlich ist.<<

Minerva hustete. Dumbledore senkte den Kopf. Severus war sich ziemlich sicher, dass der alte Mann gerade lachte. >>Interessant<<, hauchte Rita.

>>Nein.<<

>>Verzeihung?<<

>>Was auch immer Sie gerade in Ihrem Kopf zu einer Schlagzeile zusammenbauen – nein.<<

Rita blinzelte. Dann lächelte sie begeistert. >>Sie sind wirklich außerordentlich faszinierend, Professor Snape.<<

Severus schloss für einen Moment die Augen. Er begann Lucindas Flucht zunehmend zu respektieren. Vielleicht hätte er ihr folgen sollen, solange er noch die Gelegenheit dazu gehabt hatte.

>>Professor<<, setzte Rita erneut an, >>stimmt es eigentlich, dass Sie bei Ihren Schülern als ausgesprochen einschüchternd gelten?<<

>>Ja.<<

Die prompte Antwort brachte sie tatsächlich kurz aus dem Konzept. >>Oh.<<

>>Gibt es noch etwas?<<

>>Nun, empfinden Sie Freude daran?<<

>>Im Augenblick zunehmend.<<

McGonagall wandte sich abrupt ab. Ihre Schultern zuckten verdächtig. Verräterin.

Rita ließ die Feder erneut über das Pergament rasen. >>Furchteinflößender Professor gesteht Freude am Leid seiner Schüler...<<

>>Das habe ich ebenfalls nicht gesagt<<, bemerkte Severus mit einer Ruhe, die ihn inzwischen erhebliche Kraft kostete.

>>Aber es schwang zwischen den Zeilen mit.<<

>>Dann empfehle ich Ihnen dringend, künftig die Zeilen zu lesen und den Raum dazwischen in Frieden zu lassen.<<

Jetzt entwich Minerva tatsächlich ein Geräusch, das verdächtig nach einem erstickten Lachen klang. Rita sah begeistert zwischen ihnen hin und her. Severus hingegen hatte genug. Eindeutig genug. Er wandte sich an Dumbledore. >>Wenn Sie mich entschuldigen würden, Direktor. Ich habe noch Aufgaben zu korrigieren.<<

Dumbledores Mundwinkel zuckten. >>Selbstverständlich, Severus.<<

Natürlich wusste er genau, dass Severus keine einzige Aufgabe zu korrigieren hatte. >>Professor Snape!<<, rief Rita sofort.

Seine Hand lag bereits auf der Türklinke. Mit zusammengebissenen Zähnen blieb er stehen.

>>Nur noch eine Frage!<<

Langsam blickte er über die Schulter. >>Sollten Sie diese Worte noch einmal aussprechen, Miss Kimmkorn, werde ich Ihnen demonstrieren, wie flexibel die Definition von eine letzte Frage ausgelegt werden kann.<<

Rita verstummte. Für ungefähr zwei Sekunden. Severus nutzte sie. Er öffnete die Tür und verließ das Büro. Kaum war sie hinter ihm geschlossen, drang Ritas Stimme bereits wieder durch das Holz.

>>Professor McGonagall, stimmt es eigentlich, dass Sie sich in eine Katze verwandeln können? Wie wirkt sich das auf Ihr Privatleben aus?<<

Stille. Severus blieb stehen. Dann erklang Minervas messerscharfe Stimme. >>Raus.<<

Ein kaum merkliches, ausgesprochen seltenes Grinsen zuckte über Severus' Gesicht. Offenbar hatte er den richtigen Zeitpunkt für seinen Rückzug gewählt. Mit wehendem Umhang setzte er seinen Weg durch den Korridor fort. Doch die flüchtige Belustigung verschwand schnell wieder.

Seine Gedanken kehrten zu Lucinda zurück. Wieder einmal. Er hatte sie bei Dumbledore angetroffen. Schon wieder. Natürlich konnte es dafür vollkommen harmlose Gründe geben. Dumbledore führte regelmäßig Gespräche mit Schülern. Als Schulleiter gehörte dies zu seinen Pflichten. Nur passte Lucinda Stonefield nicht in das Bild einer gewöhnlichen Schülerin. Das hatte Severus längst erkannt.

Seit ihrer Ankunft in Hogwarts beobachtete er sie genauer. Nicht offensichtlich. Zumindest hoffte er das. Sie war ungewöhnlich. Zu kontrolliert in manchen Situationen und erschreckend schlagfertig in anderen. Ihre Fähigkeiten in Zaubertränke lagen deutlich über dem Niveau einer Viertklässlerin. Sie begegnete Autorität mit Respekt, ohne sich davon einschüchtern zu lassen. Und dann war da dieses schwer greifbare Gefühl, dass sie ständig mehr wusste, als sie preisgab. Vor allem Dumbledore gegenüber.

Der Schulleiter behandelte sie anders. Vertrauter. Nicht wie irgendeine Schülerin. Severus' Augen verengten sich leicht. Was hatte sie also erneut in seinem Büro gewollt? Und weshalb hatte Dumbledore ihre Anwesenheit mit derselben Selbstverständlichkeit hingenommen, mit der er einen langjährigen Vertrauten empfangen hätte?

Irgendetwas stimmte nicht. Stonefield verbarg etwas. Davon war Severus mittlerweile überzeugt. Nur wusste er noch immer nicht, was. Er verlangsamte seine Schritte und dachte unwillkürlich an ihren Abgang zurück.

Wer sind Sie wirklich, Miss Stonefield?

Eine bemerkenswert treffende Frage, auch wenn sie ausgerechnet von Rita Kimmkorn gestellt worden war. Und Lucindas Antwort? Ich bin... weg.

Severus schnaubte leise. Frech. Unverschämt. Und leider ausgesprochen wirkungsvoll. Sie hatte Kimmkorn mit drei Worten aus dem Konzept gebracht, Dumbledore zum Schmunzeln gebracht und anschließend das Schlachtfeld verlassen, bevor irgendjemand sie aufhalten konnte.

Widerwillig musste Severus zugeben, dass es Eindruck geschunden hatte. Sogar bei ihm. Ein Mundwinkel hob sich kaum merklich. >>Nicht schlecht, Stonefield<<, murmelte er.

Dann verschwand das angedeutete Lächeln wieder. Denn so amüsant ihr Auftritt auch gewesen war, eine Frage blieb bestehen. Wer war Lucinda Stonefield wirklich? Und Severus hatte das unangenehme Gefühl, dass die Antwort darauf weitaus gefährlicher war als alles, was Rita Kimmkorn jemals in ihrer Zeitung abdrucken könnte.