Prolog: Der Gefangene von Askaban
Prolog: Der Gefangene von Askaban
So, meine Lieben :) Es geht los und ich hoffe, ihr begleitet Lucinda auf ihrer magischen Reise. Es wird auf jeden Fall spannend, geheimnisvoll und auch etwas düster. Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen und wünsche euch ganz viel Spaß beim Einstieg meiner neuen Geschichte.
Liebe Grüße,
eure Melody
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Prolog: Der Gefangene von Askaban
Ich kannte die Dunkelheit. Sie verfolgte mich schon seit meiner Geburt und erfüllte mein bisheriges Leben mit Schmerz, Leid und Tod. Aber so sehr ich sie auch dafür verachtete, sie war dennoch ein Teil von mir und vermutlich hatte ich mich deshalb auch zu diesem waghalsigen Spektakel hinreißen lassen, welches mehr als risikofreudig war. Zumal die Chance auf Erfolg bei der Mission deutlich gering ausfiel und der Ausgang vorerst ungewiss blieb. Furcht verspürte ich jedoch keine, was wohl auch ein erheblicher Nachteil meiner persönlichen Finsternis war, die meinen Charakter geprägt hatte.
Manch einer würde mich sicher als verrückt bezeichnen. Ich war zu furchtlos, kühl und auch wenn ich Konsequenzen stets bedachte, so würde ich jederzeit die Regeln brechen, wenn es nötig wäre. Diese Eigenschaft duellierte sich mit meinem messerscharfen Verstand und rief die tief verankerte Impulsivität hervor, welche unter der Oberfläche brodelte. Und auch heute stürzte ich mich ohne Bedenken in ein gefährliches Unterfangen, was mein Leben wohl entscheidend verändern würde.
Sirius Black, ein Insasse vom Gefängnis Askaban, war das Ziel und laut den Überlieferungen vom Tagespropheten ein brutaler Massenmörder. Zumindest für alle, die nicht tiefer blicken und die Wahrheit erkennen konnten. Wir wussten, dass Sirius unschuldig war und mit wir meinte ich mich und meine Weggefährtin Ruby. Sie war eine brillante Hexe, deren blonde Haare in leichten Locken bis knapp zur Schulter reichten und ihre braunen Augen besaßen einen goldenen Schimmer, was ihnen einen mystischen Touch verlieh. Und Ruby war das komplette Gegenteil von mir. Ihre innere Ruhe zeichnete sich durch Geduld und großes Verantwortungsbewusstsein aus. Sie dachte immer zweimal nach, bevor sie handelte und deshalb war es wohl auch überraschend für mich gewesen, dass sie meinem Plan so schnell zugestimmt hatte. Könnte aber auch an ihrer speziellen Beziehung zu Sirius Black liegen, die mir nach wie vor ein Rätsel war.
>>Ich hoffe wirklich, dein Plan geht auf, Luce. Sonst können wir Sirius in seiner Zelle am Ende noch Gesellschaft leisten<<, brachte Ruby auf einmal während unseres Fußmarschs hervor und ich brummte etwas ungehalten.
>>Als ob dir das was ausmachen würde. Dann könntet ihr nach der langen Zeit wieder auf Tuchfühlung gehen.<<
Meine Worte ließen Ruby prompt erröten, was selbst in der nächtlichen Finsternis unverkennbar war. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Ruby und Sirius sozusagen ein Paar waren? Gut, derzeit befanden sie sich ja unfreiwillig im Status der räumlichen Trennung, aber die Fernbeziehung schien keinerlei Einfluss auf die Gefühle meiner besten Freundin zu nehmen, da sie auch heute noch ausnahmslos Sirius verfallen war.
Ich konnte nicht mitreden, denn romantische Liebe war nichts, was ich bislang erlebt hatte und daran wollte ich ganz sicher auch nichts ändern. Dafür hatte ich eine viel zu wichtige Mission und die stellte unseren heutigen Plan, Sirius aus Askaban zu befreien, gehörig in den Schatten. Ich sollte euch diesbezüglich wohl mal aufklären.
Jeder von euch dürfte doch schon mal etwas von dem berühmten Zauberer Harry Potter gehört haben. Er war auch bekannt als der Junge, der überlebte. In unserer ganzen Welt war er bereits eine lebende Legende und auch ich spielte darin eine gewisse Rolle. Stand ich doch in direkter Verbindung zu jenem schwarzen Magier, dem die Begegnung mit Harry Potter, zum absoluten Verhängnis wurde.
Lord Voldemort, dessen Name sich kaum jemand wagte auszusprechen, war der größte schwarze Magier unserer Zeit und übertraf mit seinen Gräueltaten sogar Gellert Grindelwald, der einst von Albus Dumbledore bezwungen wurde. Eine Prophezeiung hatte Voldemort offenbart, ein Junge wäre sein Untergang und das schien sich auf Harry Potter zu beziehen. Deshalb hatte Voldemort versucht den Jungen zu töten, versagte jedoch und war seit der schicksalshaften Nacht in Godric’s Hollow nicht mehr gesehen worden.
Manche glaubten sogar, er wäre durch Harry umgekommen, aber ich wusste, dass Voldemort noch irgendwo da draußen war. Er wartete nur auf die geeignete Chance einer Rückkehr und wenn dieser Tag kam, würde ich alles daran setzen, ihn ein für alle Mal zu vernichten. Das war mein Ziel, mein Lebensinhalt und gleichzeitig persönliches Vermächtnis: die Vernichtung von Lord Voldemort – meinem Bruder.
Ja, ich war die Schwester vom Dunklen Lord. Wobei ich ihn eigentlich niemals so bezeichnete, da ich ihm keineswegs die Anerkennung zugestand, welche er sich so verzweifelt ersehnte. Früher waren wir Tom und Lucinda Riddle gewesen. Bis mein Bruder den Pfad der schwarzen Magie wählte und sich in das Monster Lord Voldemort verwandelte.
Meine Geschichte war demnach im Grunde ein Familiendrama, welches einer Tragödie gleichkam und hatte den Ursprung vor vielen Jahren genommen, als sich unsere Mutter in den Muggle Thomas Riddle verliebte. Aus dieser „Verbindung “ gingen Tom und ich als Zwillinge hervor, doch das war nur der Anfang von unserem familiären Untergang gewesen. Keineswegs gute Erinnerungen, die ich an meine Familie besaß und mich nur zu gerne belasteten.
Ruby holte mich in die Wirklichkeit zurück. >>Bist du sicher, dass wir Sirius befreien können? Immerhin gibt es zahlreiche Dementoren und die warten nur darauf, sich unsere Seelen einzuverleiben.<<
>>Du musst sie nur lange genug ablenken, bis ich deinen Loverboy aus dem Knast geholt habe. Solange er seine Gestalt als Animagus nicht verlernt hat, dürfte nichts schiefgehen<<, versicherte ich ihr gelassen, doch Ruby war meine Selbstsicherheit ein Dorn im Auge.
>>Nimm das nicht auf die leichte Schulter, Lucinda. Wir sprechen hier immerhin von einem Ausbruch aus Askaban, das hat noch nie jemand geschafft.<<
Ich zuckte mit den Schultern. >>Irgendjemand muss der Erste sein. Außerdem kennst du mein Motto: wenn du getötet werden sollst, musst du das Beste draus machen<<, gab ich trocken zurück und Ruby schüttelte darüber nur den Kopf.
>>Dein düsterer Humor war mir noch nie geheuer und mit deinem Hang zum Wahnsinn riskierst du mutwillig Kopf und Kragen. Ich hoffe, du findest bald mal was, wofür sich das Leben lohnt. Wäre zumindest sehr erfreulich.<<
Tja, diese Hoffnung konnte Ruby begraben, da es dafür längst zu spät war. Denn das wohl wichtigste Detail meiner Geschichte sollte ich euch besser nicht vorenthalten. Als mein Bruder einst zum größten Feind unserer Gesellschaft und des Friedens wurde, scharte er zahlreiche Anhänger um sich, die er Todesser nannte. Sogar mich hatte er dafür einspannen wollen. Nur war ich keineswegs gewillt gewesen, mich seinem perfiden Fanatismus zu unterwerfen und hatte Tom an den Kopf geworfen, eher zu sterben als mich ihm anzuschließen. Naja, ich mache es kurz: mein Bruder hatte nicht lange gefackelt und mal wieder einen Mord begangen – an mir, seiner eigenen Schwester.
Jetzt stellen sich bestimmt viele von euch die Frage, wie ich trotz meines Todes munter durch die Gegend streifen konnte. Die Antwort darauf war im Grunde ganz simpel, denn auch ich hatte mir schwarze Magie zunutze gemacht, aber nur ein einziges Mal.
Als ich mein unausweichliches Schicksal erkannte, hatte ich mir geschworen erst zu sterben, wenn ich einen Weg fand, wie man Voldemort vernichten konnte. Ruby hatte ich ins Vertrauen gezogen und sie dazu überredet, mir bei der Schöpfung eines dunklen Fluchs zu helfen. Kreiert im Fundament aus Blut von Tom und mir, war eine tiefreichende Verbindung geschaffen worden und Ruby hatte mein Leben an das meines Bruders gebunden, wodurch ich den Tod überlisten konnte. Und als Tom mich bei seinem persönlichen Aufstieg kaltblütig ermordete, besiegelte er diese Verbindung und aktivierte den Fluch – ohne den blassesten Schimmer.
Für ihn und die ganze magische Welt war Lucinda Marilyn Riddle in jener Nacht gestorben, doch ich war dennoch hier und würde nicht ruhen, bis Tom und ich gemeinsam unter der Erde lagen. Denn sobald ich einen Weg für seine Vernichtung fand, würde ich meine Mission vollenden und gleichzeitig mit ihm sterben. Die Familie Riddle sollte durch unser Ableben ihr Ende finden und niemals wiederkehren. So viel zu meinem Schicksal, welches mich ohne jeden Zweifel irgendwann einholen würde.
Aber heute stand der Tod nicht auf meiner Liste, sondern nur ein waghalsiger Ausbruch von Askaban und nach meiner langen Zeit im Exil würde dies sicher das reinste Abenteuer werden. Auch wenn der Begriff wohl etwas unpassend sein mochte. Allein den Plan dafür zu entwerfen war ein hartes Stück Knochenarbeit, sollte man von Askaban doch zumindest die wichtigsten Fakten kennen. Dieses Gefängnis zählte in unserer magischen Welt zu den gefürchtetsten Orten überhaupt, da es einem Jeden in der Nähe jegliche positiven Gefühle entzog. Mir konnte es in diesem Sinne jedoch kaum etwas anhaben, da mir positive Gefühle keineswegs vertraut waren und auch der andere Faktor war für mich kein Hindernis mehr. Die Lage von Askaban wurde bewusst geheim gehalten, doch ich hatte inzwischen herausgefunden, dass sich das Gefängnis auf einer unortbar gezauberten Nordseeinsel befand. Diese wertvolle Information zu beschaffen war ziemlich schwierig gewesen, aber letztendlich hatte sich ein kleiner Tropfen Veritaserum beim Mitarbeiter vom Britischen Zaubereiministerium ausgezahlt.
Ruby missbilligte meine Methoden manchmal, aber für mich zählte in erster Linie
der Erfolg und da ich ihn mit dem Argument belegte, sie könnte schon bald mit ihrer großen Liebe vereint sein, ließ sie mich gewähren. Und somit hatten wir nun doch unseren Weg zu besagter Insel gefunden, wo wir jetzt einen Hügel erklommen und unsere Blicke sich auf das Gefängnis Askaban richteten.
Jedem anderen, Ruby eingeschlossen, lief es bei diesem Anblick sicher eiskalt den Rücken herunter und doch ließ es mich komplett kalt. Lag mit großer Sicherheit an all den düsteren Dingen, die ich in meinem Leben bereits gesehen hatte und mein Verstand konzentrierte sich vielmehr auf die gewagte Strategie, welche sich als erfolgreich erweisen könnte, wenn alles exakt nach Plan lief.
Das wilde Meer brach sich an den Klippen, die Wellen stiegen hoch empor und der Wind fegte uns tosend um die Ohren. Meine langen dunklen Haare wurden mächtig aufgewirbelt, doch schenkte ich dem keine Beachtung. Alles was zählte war das erhabene Gefängnis, welches im Zentrum des Meeres stand und wie ein gigantischer Fels nach oben ragte. Überall herum waren unverkennbar die Dementoren postiert. Kreaturen, denen ich keinerlei Sympathie abringen konnte.
Es waren gefürchtete Seelensauger, die sich von jeder guten Erinnerung nährten und ihren Opfern dadurch erhebliche Schmerzen zufügten. Im schlimmsten Fall saugten sie einem die Seele heraus und dies war ohne Zweifel ein Schicksal, grausamer als der Tod. Vermutlich würde es sich deshalb heute für mich als vorteilhaft ereignen, keine guten Erinnerungen zu besitzen. Somit wäre ich für die Dementoren uninteressant und genau darin lag der Kernpunkt meines Plans.
Vielsagend wandte ich mich an meine Freundin, der beim bloßen Anblick schon sichtbar die Knie schlotterten. >>Gut, du kennst den Plan und wir werden uns mit jeder Silbe daran halten. Zieh so viel Aufmerksamkeit auf dich wie möglich und wende den Patronus an, sobald du mein Zeichen erhältst. Wenn meine Strategie aufgeht, gelingt die Befreiung von Sirius binnen weniger Minuten<<, sagte ich, doch Ruby warf mir zweifelhafte Blicke zu.
>>Ganz genau: wenn . Es könnte genauso gut auch schiefgehen, Lucinda. Mir gefällt das nicht.<<
>>Willst du Sirius jetzt befreien oder nicht?<<, verlangte ich zu wissen, was ihr ein kleinlautes Nicken entlockte.
>>Natürlich.<<
Mein Blick wurde ernst. >>Dann musst du mir vertrauen, Ruby. Außerdem habe ich das notwendige Werkzeug, um mir den Weg ins Gefängnis zu ebnen.<<
Ich griff in die Innentasche meines Mantels und zog eine Tarnkappe hervor, die ich Ruby triumphierend präsentierte. Geschaffen aus Haaren des Tierwesens Demiguise, konnte sie ihren Träger unsichtbar machen und somit würde ich geschickt an den Dementoren vorbeischlüpfen können, deren Aufmerksamkeit gleich ohnehin eher Ruby gelten würde.
Ruby starrte die Tarnkappe an, als hätte ich ihr gerade eröffnet, wir würden auf einem Drachen nach Askaban fliegen. >>Du hast eine Tarnkappe aufgetrieben?<<
>>Ausgeliehen.<<
>>Lucinda.<<
Ich winkte ab. >>Gut, gestohlen. Aber nur vorübergehend.<<
Ruby seufzte tief. >>Eines Tages bringst du mich noch ins Grab.<<
>>Das wird schon. Wir schaffen das. Und wenn nicht, kannst du mich hinterher ausgiebig verfluchen.<<
Kritisch beäugte die Hexe meinen magischen Gegenstand. >>Dir ist schon klar, dass dies die Dementoren nicht ewig austricksen wird. Wenn du Glück hast, entgehst du ihren Blicken dadurch nur für einen kurzen Augenblick. Aber dann werden sie deine Tarnung sicher bemerken<<, meinte sie, woraufhin ich mich innerlich wappnete.
>>Ein Grund mehr, unser Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen. Je eher wir anfangen, desto schneller können wir wieder von hier verschwinden. Vertrau mir, Ruby. Heute endet die Gefangenschaft von Sirius Black in Askaban. Dürfte ein historisches Ereignis werden.<<
Der erste Teil des Plans verlief überraschend einfach.
Während ich unter der Tarnkappe verschwand und mich den Klippen näherte, apparierte Ruby auf einen vorgelagerten Felsen und zog sofort sämtliche Aufmerksamkeit auf sich.
Ein silberner Fuchs schoss aus ihrer Zauberstabspitze hervor. Ihr Patronus.
Die leuchtende Gestalt raste über das schwarze Meer und bellte den Dementoren entgegen. Sofort reagierten die Kreaturen. Wie ein Schwarm Aasgeier glitten sie durch die Luft und wandten sich Ruby zu. Genau darauf hatte ich gehofft.
Während die Dementoren beschäftigt waren, arbeitete ich mich unbemerkt bis an die Mauern von Askaban vor. Das Gefängnis wirkte aus der Nähe noch trostloser. Kalt.
Leblos. Verzweifelt. Selbst die Steine schienen das Leid ihrer Insassen aufgesogen zu haben. Ich spürte die Magie dieses Ortes. Die Hoffnungslosigkeit. Die Einsamkeit. Aber all das prallte an mir ab. Vielleicht war ich einfach zu lange mit meinen eigenen Dämonen unterwegs gewesen. Eine schmale Öffnung im Mauerwerk genügte mir. Ein präziser Zauber. Ein leises Knacken. Dann schlüpfte ich ins Innere.
Die Gänge lagen nahezu verlassen da. Die Kälte von Askaban kroch selbst durch meinen Umhang. Überall herrschte bedrückende Stille. Nur das entfernte Rasseln von Ketten und das unnatürliche Atmen der Dementoren hallten durch die Gänge.
Ich vermied jeden Kontakt und arbeitete mich tiefer in das Gefängnis vor. Der Mann dahinter saß zusammengesunken an der Wand. Abgemagert. Das dunkle Haar hing ihm wirr ins Gesicht.
Sein Bart war ungepflegt und seine Wangen eingefallen. Doch trotz allem lag noch immer derselbe Trotz in seinen grauen Augen. Sirius Black.
Langsam hob er den Kopf und ich zog die Tarnkappe zurück. Als er mich erkannte, erschien tatsächlich ein schiefes Grinsen auf seinem erschöpften Gesicht. >>Na wunderbar...<<, krächzte er heiser. >>Von allen Menschen im Orden schicken sie ausgerechnet dich. Hat Dumbledore endgültig den Verstand verloren?<<
Ich verschränkte die Arme. >>Freut mich ebenfalls, dich zu sehen, Tatze. Du siehst übrigens furchtbar aus. Fast schon beleidigend für das Auge.<<
Er lachte. Es war nur ein raues, kurzes Lachen. Aber es war ein echtes.
>>Charmant wie eh und je <<
>>Ich gebe mir Mühe.<<
Sirius musterte mich einen Augenblick. >>Wie lange ist es her? Zwölf Jahre?<<
>>Ungefähr.<<
>>Und du bist keinen Tag gealtert.<<
Ich verzog keine Miene. >>Das solltest du vielleicht lieber als Kompliment auffassen und nicht weiter hinterfragen.<<
Er nickte langsam. Das war typisch meine Wenigkeit. Ich beantwortete jede wichtige Frage...indem ich sie konsequent unbeantwortet ließ.
>>Und Ruby?<< fragte er schließlich leiser.
Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. Natürlich fragte er als Erstes nach ihr. >>Draußen. Beschäftigt gerade sämtliche Dementoren rund um Askaban. Falls sie sich also gleich von ihrer romantischen Seite zeigen und gefressen werden möchte, solltest du dich vielleicht etwas beeilen.<<
Sofort wich der Anflug von Humor aus seinem Gesicht. >>Sie ist wirklich hier<<
>>Nein. Ich dachte, ich erwähne sie nur, um dich emotional zu verwirren. Natürlich ist sie hier.<<
Er schloss für einen Moment die Augen. Ich konnte förmlich sehen, wie die Hoffnung in ihm zurückkehrte. >>Sie hätte das nicht tun dürfen...<<
>>Hat sie aber.<< Ich trat näher an die Gitter. >>Und jetzt hör auf, Schuldgefühle zu entwickeln. Dafür haben wir später noch genügend Zeit. Im Moment bevorzuge ich Flucht statt Therapie.<<
Ein weiteres leises Lachen entkam ihm. >>Du bist wirklich sonderbar, weißt du das?<<
>>Das behauptet Ruby ständig. Ich werte es inzwischen als Auszeichnung.<<
Ich hob den Zauberstab. Ein kurzer, präziser Fluch durchschnitt die Luft. Mit einem metallischen Krachen sprangen die magischen Verriegelungen auf. Sirius starrte ungläubig auf die geöffnete Tür. Er bewegte sich nicht. Zwölf Jahre lang hatte ihn keine offene Zellentür erwartet.
>>Falls du darauf wartest, dass sie sich wieder schließt, kann ich dich beruhigen. Das passiert frühestens, wenn wir längst verschwunden sind.<<
Er blinzelte. >>Ich versuche gerade zu begreifen, dass das kein Traum ist.<<
Ich sah ihn ruhig an. >>Nein. Träumen fühlt sich angenehmer an als Askaban. Also komm endlich.<<
Langsam trat Sirius über die Schwelle. Für einen winzigen Moment blieb er stehen. Seine Finger glitten über den kalten Stein der Tür. Zwölf Jahre Gefangenschaft lagen hinter ihm. Zwölf Jahre, die ihm niemand zurückgeben konnte. Er atmete tief durch. Dann begegnete er meinem Blick. >>Danke, Lucinda.<<
Ich winkte nur ab. >>Bedank dich später bei Ruby. Sie war die Einzige, die verrückt genug war, diesen Plan überhaupt ernst zu nehmen. Ich habe lediglich verhindert, dass sie ihn alleine durchzieht. Obwohl ich durchaus betonen möchte, dass dieser Plan von mir stammt.<<
Sirius schmunzelte. >>Das klingt tatsächlich nach euch beiden.<<
>>Ganz genau. Jetzt verwandle dich endlich in einen Hund. Als Mensch bist du momentan ungefähr so unauffällig wie ein Feuerwerk in der Großen Halle von Hogwarts.<<
Er hob gespielt beleidigt eine Augenbraue. >>Du hast wirklich für alles einen passenden Vergleich, oder<<
>>Berufskrankheit.<<
>>Welcher Beruf?<<
Ich sah ihn einen Moment vollkommen ernst an. >>Überleben.<<
Sein Lächeln verschwand. Stattdessen nickte er langsam. Er wusste genau, was ich meinte. Ohne ein weiteres Wort verwandelte sich sein Körper. Sekunden später stand der große schwarze Hund vor mir.
Ich nickte zufrieden. >>Na also. Deutlich hübscher. Los jetzt – deine Freundin wartet.<<
Ruby hielt sich erstaunlich gut. Ihr Patronus kämpfte unermüdlich gegen die Dementoren an. Doch ihre Kräfte schwanden sichtbar. Als sie uns bemerkte, fiel sämtliche Anspannung von ihr ab. >>Sirius!<<
Der schwarze Hund verwandelte sich noch während des Laufens zurück. Ruby warf sich ihm praktisch in die Arme. Und Sirius fing sie auf. Für einen Moment schien die Welt um sie herum zu verschwinden. Kein Askaban. Keine Dementoren. Kein Krieg. Nur sie beide.
Ich räusperte mich demonstrativ. >>Nicht, dass ich eure Wiedervereinigung stören möchte, aber wir sollten verschwinden, bevor uns jemand entdeckt.<<
Ruby warf mir einen vernichtenden Blick zu. Sirius hingegen grinste tatsächlich. Er wirkte trotz seines Zustandes plötzlich deutlich jünger. Lebendiger. Gemeinsam apparierte ich mit ihnen weit weg von Askaban. Erst mehrere Stunden später hielten wir schließlich in einem verlassenen Waldstück an. Dort konnten wir endlich durchatmen. Der Wald war still. Viel zu still. Nur das leise Rauschen der Baumkronen und das ferne Zirpen einiger Grillen durchbrachen die Stille der Nacht. Der Geruch von feuchter Erde und Moos lag in der Luft, während wir nach unserer geglückten Flucht schließlich zum ersten Mal innehielten.
Sirius lehnte schwer atmend an einer mächtigen Eiche. Askaban hatte deutliche Spuren hinterlassen. Seine Hände zitterten leicht, sein Gesicht war eingefallen und die dunklen Ringe unter seinen Augen ließen ihn um Jahre älter wirken. Trotzdem war da etwas zurückgekehrt. Ein Funken Leben. Freiheit.
Ruby trat vorsichtig auf ihn zu. Für einen langen Moment sagte keiner von ihnen ein Wort. Sie sahen sich einfach nur an. Als müssten sie sich erst vergewissern, dass der andere tatsächlich existierte. Schließlich hob Ruby zögernd die Hand. Ihre Finger strichen behutsam über seine eingefallene Wange. >>Du bist wirklich hier...<<, flüsterte sie.
Sirius legte seine Hand über ihre. >>Dank euch beiden.<<
Ruby schüttelte sofort den Kopf. >>Nein... dank dir. Du hast zwölf Jahre durchgehalten.<<
Ein trauriges Lächeln erschien auf seinen Lippen. >>Manchmal wusste ich selbst nicht, wie.<<
Ich wandte den Blick bewusst ab. Manche Augenblicke gehörten einfach nicht mir. Stattdessen überprüfte ich routiniert unsere Umgebung. Keine Dementoren. Keine Auroren. Keine Spur einer Verfolgung. Erst nachdem ich sicher war, dass wir allein waren, räusperte ich mich. >>So ungern ich eure Wiedervereinigung unterbreche...<< Beide sahen zu mir. >>...aber Askaban wird spätestens morgen früh bemerken, dass ihr Lieblingshäftling ausgezogen ist. Wir sollten also klären, wie es weitergeht.<<
Sirius nickte sofort. Der ernste Ausdruck kehrte in sein Gesicht zurück. >>Ich werde Peter finden.<<
Ich verschränkte die Arme. >>Das dachte ich mir bereits.<<
>>Er lebt.<< Seine Stimme war plötzlich fest. Unerschütterlich. >>Alle halten ihn für tot. Aber ich weiß, dass er lebt.<<
Ruby nickte langsam. >>Wir glauben dir.<<
Sirius sah überrascht zwischen uns hin und her. >>Ihr... glaubt mir einfach?<<
Ich hob eine Augenbraue. >>Du bist vieles, Sirius Black.<< Ich zählte an meinen Fingern ab. >>Impulsiv. Chaotisch. Manchmal erschreckend leichtsinnig.<<
Er verzog gespielt das Gesicht. >>Danke.<<
>>Bitte sehr.<< Ich fuhr trocken fort. >>Aber kein Verräter.<<
Für einen Moment herrschte Schweigen.
Sirius schluckte schwer. >>Das bedeutet mir mehr, als du ahnst.<<
Ich zuckte mit den Schultern. >>Ich habe nur ausgesprochen, was offensichtlich ist.<<
Ruby lächelte leicht. >>Lucinda glaubt grundsätzlich immer erst das Schlechte über Menschen.<<
>>Das stimmt überhaupt nicht.<<
Sie sah mich vielsagend an. >>Doch.<<
Ich seufzte. >>Na schön...meistens.<<
Zum ersten Mal seit unserer Flucht lachte Sirius wieder richtig. Das Lachen klang rau und ungewohnt. Aber ehrlich. Es tat gut, es zu hören. Schließlich wurde er wieder ernst. >>Peter wird versuchen, zu Voldemort zurückzukehren.<<
Bei diesen Worten lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Natürlich. Tom.
Wenn Peter tatsächlich noch lebte, würde er früher oder später seinen Weg zu meinem Bruder finden. Und genau das mussten wir verhindern
>>Ich finde ihn vorher<<, sagte Sirius entschlossen
>>Allein?<<
>>Allein.<<
Ich verzog missbilligend das Gesicht. >>Du hast zwölf Jahre in Askaban verbracht.<<
>>Gerade deshalb.<< Seine grauen Augen ruhten fest auf mir. >>Niemand außer mir kann ihn erkennen.<<
Ich wusste, dass er recht hatte. Trotzdem gefiel mir dieser Plan überhaupt nicht. Ruby trat einen Schritt näher an ihn heran. >>Wie lange?<<
Sirius lächelte traurig. >>Ich weiß es nicht.<<
Sie schluckte. >>Und wenn...<<
Sie brachte den Satz nicht zu Ende. Sirius verstand ihn trotzdem. Er nahm beide ihrer Hände. >>Ich komme zurück.<<
>>Versprich es.<<
>>Ich verspreche, alles dafür zu tun.<<
Ruby senkte den Blick. >>Das reicht mir nicht.<< Ihre Stimme zitterte. >>Ich habe dich schon einmal verloren.<<
Sirius hob sanft ihr Kinn an. >>Damals hattest du keine Möglichkeit, mich zurückzuholen.<< Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. >>Diesmal schon.<<
Ruby schnaubte leise. >>Du bist unmöglich.<<
>>Hat James auch immer gesagt.<<
Sie lachte unter Tränen. Dann zog sie ihn plötzlich fest an sich. Sirius erwiderte die Umarmung sofort. Ich hatte Ruby selten so verletzlich erlebt. Nicht einmal damals, nach Toms Angriff. Sie hielt Sirius fest, als könnte sie verhindern, dass die Welt ihn ihr ein zweites Mal nahm.
>>Ich liebe dich<<, flüsterte sie.
Sirius schloss die Augen. >>Ich weiß.<< Er lächelte. >>Und ich liebe dich.<<
Die Worte gingen ihr sichtlich durch Mark und Bein. Als sie sich schließlich voneinander lösten, blieb ihre Stirn noch einen Augenblick an seiner.
>>Wir holen uns unser Leben zurück<<, sagte Sirius leise. >>Ein richtiges. Mit einem Haus.<<
Ruby nickte unter Tränen. >>Und ohne Geheimverstecke. Ohne Krieg. Ohne Abschiede.<<
Er küsste sie sanft. Nicht leidenschaftlich. Sondern voller Sehnsucht. Als wollte er sich jeden einzelnen Augenblick einprägen. Erst danach wandte er sich mir zu.
Sein Blick wurde wieder ernst. >>Lucinda.<<
Ich ahnte nichts Gutes. >>Jetzt kommt der unangenehme Teil, oder?<<
>>Wahrscheinlich.<< Er trat vor mich. >>Falls ich Peter nicht finde...<<
Ich verschränkte die Arme. >>Das wirst du.<<
>>Falls nicht.<< Seine Stimme duldete keinen Widerspruch. >>Dann wird Voldemort zurückkehren.<< Ich schwieg. >>Und Harry wird in größerer Gefahr sein als je zuvor.<<
Natürlich wusste ich das. Jeden einzelnen Tag dachte ich daran.
>>Ich möchte, dass du ihm hilfst.<<
Ich sah ihn einen Moment schweigend an. >>Sirius...<<
>>Versprich es mir.<<
Ich atmete langsam aus. >>Du überschätzt mich.<<
>>Nein.<< Er schüttelte entschieden den Kopf. >>Ich kenne dich, Lucinda.<< Ein schwaches Lächeln erschien auf seinen Lippen. >>Du gibst dich gern zynisch und unnahbar.<<
Ich verzog das Gesicht. >>Dieses Image habe ich mir hart erarbeitet.<<
>>Mag sein.<< Er ließ sich davon nicht beirren. >>Aber hinter all dem steckt der loyalste Mensch, den ich kenne.<< Ich wollte widersprechen. Doch er hob bereits die Hand. >>Du hast Jahrzehnte geopfert, um Voldemort aufzuhalten.<< Seine grauen Augen trafen meine. >>Nicht aus Rache.<< Er schüttelte den Kopf. >>Sondern damit niemand mehr das durchmachen muss, was wir alle verloren haben.<< Unwillkürlich senkte ich den Blick. >>Harry braucht Menschen wie dich.<<
Ich schwieg lange. Sehr lange.
Schließlich streckte Sirius mir die Hand entgegen. >>Bitte.<<
Ich betrachtete seine ausgestreckte Hand. Ein Versprechen. Ich hasste Versprechen. Denn ich hielt sie. Immer.
Langsam schlug ich ein. >>Gut.<< Meine Stimme war ungewöhnlich leise. >>Solltest du Peter nicht finden...<< Ich schluckte. >>...dann werde ich auf Harry Potter aufpassen.<<
Sirius schloss kurz erleichtert die Augen. >>Danke.<<
Ich nickte nur. Insgeheim hoffte ich jedoch aus tiefstem Herzen, dass dieses Versprechen niemals eingelöst werden musste. Dass Sirius Peter Pettigrew fand. Seinen Namen reinwusch. Und endlich das Leben zurückbekam, das ihm vor zwölf Jahren gestohlen worden war.
Mit einem letzten Blick zu Ruby trat Sirius einige Schritte zurück. Sein Körper begann sich erneut zu verwandeln. Sekunden später stand der große schwarze Hund zwischen uns. Er blickte uns noch einmal an. Dann verschwand er lautlos zwischen den Bäumen.
Ruby sah ihm nach, bis selbst das Rascheln der Büsche verklungen war. Erst dann flüsterte sie kaum hörbar: >>Komm zurück... bitte.<<
Ich trat schweigend neben sie. Gemeinsam blickten wir in die Dunkelheit. In die ungewisse Zukunft. Und tief in meinem Inneren wusste ich bereits, dass dies erst der Anfang einer weitaus größeren Geschichte war.