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Ein Geist aus der Vergangenheit

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Ein Geist aus der Vergangenheit

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Ein Geist aus der Vergangenheit

Lucinda PoV

Das Brennen war längst verschwunden. Die Unruhe nicht.

Als ich an diesem Abend im Bett lag, hatte ich mein rechtes Handgelenk unter der Decke verborgen und starrte in die Dunkelheit des Slytherin-Schlafsaals. Die feinen Linien meines Fluchzeichens waren wieder vollkommen ruhig. Nichts deutete darauf hin, dass sie mich noch vor wenigen Stunden daran erinnert hatten, dass irgendwo dort draußen mein Bruder existierte.

Dass er stärker wurde. Dass unsere Verbindung noch immer bestand. Und ausgerechnet Hogwarts, der Ort, an dem ich mich früher sicherer gefühlt hatte als irgendwo sonst, schien plötzlich voller Schatten zu sein.

Ich drehte mich auf die Seite. Schließ die Augen, Lucinda. Nur schlafen. Morgen würde alles wieder anders aussehen. Das war zumindest der Plan. Mein Unterbewusstsein hatte offenbar andere Vorstellungen.

>> Habt ihr es gehört?<< Die S timme hallte durch den Korridor.

Ich blieb stehen. Irgendetwas stimmte nicht. Hogwarts sah anders aus. Nicht wirklich anders. Die Mauern waren dieselben. Die Fackeln brannten an denselben Stellen. Die Ritterrüstungen standen in ihren Nischen. Und trotzdem wusste ich sofort, wo ich war. Oder vielmehr: wann .

Nein. Mein Atem stockte. Nein, bitte nicht. Eine Gruppe Schüler hastete an mir vorbei. Jünger als die meisten, die heute Hogwarts besuchten. Ihre Kleidung altmodischer. Ihre Gesichter blass. >> Eine Schülerin ist tot!<<

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich kannte diesen Tag. Natürlich kannte ich ihn. Ich hatte ihn nur jahrzehntelang tief genug in meinem Gedächtnis vergraben, um mir einzureden, dass er mich nicht mehr heimsuchen konnte. Offenbar hatte ich mich geirrt. >> Wo?<< >> In einem Badezimmer!<< >> Was ist passiert?<< >> Niemand weiß es!<< >> Es war bestimmt das Monster!<<

Ich wollte mich bewegen. Konnte es nicht. Meine Beine fühlten sich an, als wären sie mit dem steinernen Boden verwachsen. Monster. Dieses eine Wort hatte damals gereicht, um Hogwarts in Angst zu versetzen. Seit Wochen waren Schüler angegriffen worden. Gerüchte über die Kammer des Schreckens hatten sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Überall wurde geflüstert. Über Salazar Slytherin. Über seinen Erben. Über ein Monster, das irgendwo tief unter dem Schloss verborgen sein sollte.

Niemand wusste, wo. Niemand wusste, was es war. Und niemand wusste, wer es kontrollierte. Bis zu diesem Tag hatte es keine Toten gegeben. Bis heute. >> Lucinda!<<

Ich fuhr herum. Tom kam auf mich zu. Fünfzehn Jahre alt. Schwarzes Haar. Blasses Gesicht. Die vertrauten dunklen Augen, die meinen eigenen so ähnlich und gleichzeitig so vollkommen anders waren. Mein Bruder. Mein Zwilling.

Noch nicht Lord Voldemort. Noch nicht das Monster, dessen Namen später kaum jemand auszusprechen wagte. Ein Schüler. Tom.

Ich starrte ihn an. Wie oft hatte ich mir gewünscht, ihn noch einmal so sehen zu können? Wie oft hatte ich mir vorgestellt, was ich anders machen würde, wenn ich nur einen einzigen Tag zurückkehren könnte? Jetzt stand er vor mir. Und alles in mir wollte davonlaufen. >> Wo warst du?<<, fragte ich. Die Worte kamen automatisch. Genau wie damals. Ich konnte nichts verändern. Das war keine Erinnerung, die ich beobachtete. Ich durchlebte sie. >> In der Bibliothek.<<

Zu schnell. Ich erinnerte mich daran. Damals hatte ich die Antwort akzeptiert. Heute hörte ich die Lüge. >> Hast du gehört, was passiert ist?<<

Sein Gesicht wurde ernst. Perfekt ernst. >> Natürlich. Das ganze Schloss spricht davon.<< >> Sie ist tot, Tom.<< >> Ich weiß.<< >> Eine Schülerin ist gestorben.<<

Seine Augen ruhten auf mir. Keine Regung. Kein Entsetzen. Keine Trauer. Damals hatte ich es für Selbstbeherrschung gehalten. Heute wusste ich es besser. >> Man wird Hogwarts schließen.<<

Zum ersten Mal veränderte sich etwas in seinem Gesicht. Angst. Nicht wegen des toten Mädchens. Wegen Hogwarts. >> Das werden sie nicht.<< >> Doch.<< Meine Stimme zitterte. >>Professor Dippet hat mit mehreren Lehrern gesprochen. Wenn noch etwas passiert, haben sie vielleicht keine andere Wahl. Die Eltern holen ihre Kinder bereits ab.<<

Toms Kiefer spannte sich an. Hogwarts war unser Zuhause. Nicht das Waisenhaus. Nicht London. Hier. Diese Mauern waren der erste Ort gewesen, an dem wir nicht wie zwei unerwünschte Kinder behandelt worden waren. Hier hatte Tom Macht entdeckt. Und ich Freiheit. Die Vorstellung, zurückkehren zu müssen, hatte uns beide gleichermaßen entsetzt. Zumindest hatte ich das damals geglaubt. >> Ich werde nicht zurückgehen<<, sagte Tom leise. >> Ich auch nicht.<<

Für einen Moment waren wir wieder nur wir beide. Die Zwillinge aus dem Waisenhaus. Zwei Kinder, die sich geschworen hatten, nie wieder dorthin zurückzumüssen. Ich trat näher. >> Dann müssen sie herausfinden, wer das tut.<<

Tom sah mich an. >> Das werden sie.<<

Etwas an seiner Stimme ließ mich frösteln. Schon damals. Ich hatte es gespürt. Dieses winzige Ziehen in meinem Bauch. Diesen Instinkt, der mir sagte, dass etwas nicht stimmte. >> Tom...<< >> Was?<<

Ich musterte ihn. Seine Uniform war tadellos. Seine Haare lagen ordentlich. Sein Gesicht verriet nichts. Und doch... >> Wo warst du wirklich?<<

Sein Blick wurde schlagartig kalt. Nur für einen Augenblick. So kurz, dass mein fünfzehnjähriges Ich glaubte, es sich eingebildet zu haben. >> Das habe ich dir gesagt.<< >> In der Bibliothek.<< >> Ja.<< >> Den ganzen Abend?<<

Stille. >> Warum fragst du?<< Da war es wieder. Nicht Ärger. Nicht Verwirrung. Vorsicht.

Ich öffnete den Mund. Doch plötzlich veränderte sich der Traum. Der Korridor verschwamm. Stimmen wurden lauter. Schritte. Ich stand an einem anderen Ort.

Nein. Nicht hier. Ich wusste, was jetzt kam. >> Tom!<< Meine eigene Stimme verhallte ungehört.

Ich lief. Um eine Ecke. Dann hörte ich Stimmen. >> Du kannst nicht einfach—!<< Hagrid.

Ich blieb wie angewurzelt stehen. Er war damals noch Schüler. Groß für sein Alter, unbeholfen, mit wirrem dunklem Haar und einem Ausdruck blanker Panik auf dem Gesicht. Vor ihm stand Tom. Sein Zauberstab war erhoben. Und hinter Hagrid bewegte sich etwas. Eine riesige Spinne. Aragog. >> Das ist es!<<, sagte Tom.

Hagrid schüttelte heftig den Kopf. >> Nein! Aragog hat niemanden getötet!<< >> Das Monster aus der Kammer.<< >> Er kommt nich' aus irgendeiner Kammer!<<

Mein Herz begann zu rasen. Damals hatte ich nur Bruchstücke gehört. War zu spät gekommen. Hatte nicht verstanden. Oder vielleicht hatte ich nicht verstehen wollen .

Tom sprach mit vollkommener Ruhe. >> Ein Mädchen ist tot, Hagrid. Hogwarts wird geschlossen, wenn niemand den Verantwortlichen findet.<< >> Aber Aragog war's nich'!<< >> Das kannst du nicht beweisen.<<

Ich starrte meinen Bruder an. Etwas in mir zerbrach. Nicht wegen seiner Worte. Wegen seiner Augen. Ich kannte Tom besser als jeder andere Mensch. Wir hatten denselben Geburtstag. Dasselbe Blut. Dieselbe Kindheit. Ich wusste, wann er log. Ich hatte es nur viel zu lange ignoriert. >> Tom...<<

Diesmal hörte er mich. Langsam drehte er den Kopf. Unsere Blicke trafen sich. Und plötzlich war da kein Bruder mehr. Keine vertraute Hälfte meines Lebens. Nur Dunkelheit.

Mein Blick wanderte zu Hagrid. Zu Aragog. Wieder zurück zu Tom.

Die Angriffe. Seine nächtlichen Ausflüge. Die verschlossenen Gespräche. Seine wachsende Besessenheit von Salazar Slytherin. Sein Stolz auf unsere Abstammung. Seine Fähigkeit, Parsel zu sprechen. Das Monster. Die Kammer. Das tote Mädchen. Nein. Mir wurde übel. >> Du...<<

Tom wurde vollkommen regungslos. >> Lucinda.<<

Nur mein Name. Aber ich hörte die Warnung darin. >> Du weißt, was es ist.<<

Stille. >> Was?<< >> Das Monster.<< Seine Augen verengten sich. >> Du weißt, was die Schüler angreift.<< >> Du redest Unsinn.<< >> Nein.<< Ich wich einen Schritt zurück. Plötzlich ergab alles Sinn. Viel zu viel Sinn. >> Du weißt, wo die Kammer ist.<< >> Lucinda.<< >> Du hast sie gefunden.<< Sein Gesicht veränderte sich. Die Maske fiel. Nur einen Sekundenbruchteil. Aber es genügte. Mir wurde eiskalt. >> Nein...<<

Hagrid sah verwirrt zwischen uns hin und her. >> Lucinda, was—?<<

Ich hörte ihn kaum. Mein Blick blieb auf meinem Bruder. >> Das Mädchen...<<

Meine Stimme brach. Tom sagte nichts. Und sein Schweigen war schlimmer als jedes Geständnis. >> Was hast du getan?<<

Plötzlich flackerten die Fackeln. Dunkelheit verschlang den Korridor. Tom stand noch immer vor mir. Doch er wurde älter. Seine Gesichtszüge veränderten sich. Seine Haut wurde blasser. Seine Augen rot. >> Du hättest es wissen müssen.<<

Nein. >> Hör auf.<< >> Du kanntest mich besser als jeder andere.<< >> Hör auf!<< >> Und trotzdem hast du nichts getan.<<

Hinter ihm erschien ein Mädchen. Reglos. Tot. Ich konnte ihr Gesicht nicht erkennen. >> Nein...<< >> Zu spät, Lucinda.<<

Dann öffneten sich hinter Tom zwei gewaltige gelbe Augen.

Ich fuhr hoch. Ein Schrei blieb mir im Hals stecken.

Für mehrere Sekunden wusste ich nicht, wo ich war. Mein Atem ging stoßweise. Mein Nachthemd klebte an meinem Rücken. Meine Finger hatten sich so fest in die Bettdecke gekrallt, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Dunkelheit. Grüne Vorhänge. Der Slytherin-Schlafsaal. 1994. Nicht 1943.

Ich presste eine Hand gegen meinen Mund. Nur ein Traum. Eine Erinnerung. Nur—

>> Du hättest es wissen müssen.<<

Ich schloss die Augen. Sofort sah ich Tom wieder. Nein. Ich stand auf. Meine Beine zitterten, weshalb ich mich kurz am Bettpfosten festhalten musste. Das war lächerlich. Ich war nicht mehr fünfzehn. Tom konnte mir hier nichts tun. Zumindest nicht unmittelbar. Mein Blick fiel auf mein Handgelenk. Ich zog den Ärmel hoch. Das Zeichen lag ruhig auf meiner Haut. Trotzdem hatte ich plötzlich das Gefühl, es würde brennen.

***

Am nächsten Morgen schmeckte der Tee nach nichts. Das Brot ebenfalls nicht. Eigentlich hätte man mir vermutlich einen Teller voller Steine vorsetzen können und ich hätte den Unterschied nicht bemerkt.

Ich saß am Slytherin-Tisch und stocherte in meinem Frühstück herum. Immer wieder sah ich das tote Mädchen vor mir. Oder vielmehr das, was mein Traum daraus gemacht hatte. Ich hatte ihr Gesicht damals kaum gesehen. Nur die Aufregung. Die Lehrer. Das Geflüster. Eine Schülerin ist tot.

Und später Tom. Hagrid. Die Anschuldigung. Ich hatte damals einen Verdacht gehabt. Einen schrecklichen, unmöglichen Verdacht. Und ich hatte ihn nicht weiterverfolgt. Vielleicht weil ich Angst vor der Antwort gehabt hatte. Vielleicht weil Tom mein Bruder gewesen war. Vielleicht weil ein Teil von mir bis zuletzt daran hatte glauben wollen, dass noch etwas Gutes in ihm steckte.

>>Lucinda.<<

Ich hob den Kopf. Ruby stand neben dem Slytherin-Tisch. Natürlich. Sie gehörte hier nicht hin und mehrere Schüler warfen ihr bereits neugierige Blicke zu.

>>Was?<<

Ihre Augen verengten sich. >>Du siehst schrecklich aus.<<

>>Guten Morgen auch dir.<<

>>Hast du geschlafen?<<

>>Natürlich.<<

Ruby verschränkte die Arme. Ich kannte diesen Blick. Er bedeutete: Versuch es noch einmal.

>>Schlecht<<, ergänzte ich.

>>Warum?<<

Ich griff nach meiner Tasse. >>Draco schnarcht vermutlich durch drei Steinwände.<<

Vom anderen Ende des Tisches kam sofort: >>Tue ich nicht!<<

Ich hob die Tasse in seine Richtung. >>Danke für die Bestätigung.<<

Einige Slytherins lachten. Ruby nicht. Natürlich nicht. >>Lucinda.<<

>>Ruby.<<

>>Was ist passiert?<<

Unsere Blicke trafen sich. Für einen kurzen Moment wollte ich es ihr sagen. Vom Traum. Von Tom. Von dem Mädchen. Von Hagrid. Davon, dass sich die Erinnerung plötzlich so real angefühlt hatte, als hätte jemand eine Tür geöffnet, die ich vor Jahrzehnten verriegelt hatte.

Doch ich konnte nicht. Nicht hier. Und vielleicht wollte ich es selbst noch nicht aussprechen. >>Nichts.<< Ruby schwieg. >>Wirklich. Ich habe schlecht geschlafen. Mehr nicht.<<

>>Du greifst seit zwei Minuten nach derselben Tasse, ohne daraus zu trinken.<<

Ich sah auf meine Hand. Verdammt. >>Vielleicht denke ich nach.<<

>>Das ist meistens gefährlich.<<

Ein schwaches Lächeln huschte über meine Lippen. >>Sehr charmant.<<

>>Ich gebe mir Mühe.<<

Sie musterte mich noch einen Moment. Dann seufzte sie. >>Zaubertränke in zehn Minuten.<<

>>Ich weiß.<<

>>Versuch bitte, dort nicht in einen Kessel zu fallen.<<

>>Das würde Professor Snape vermutlich persönlich nehmen.<<

Ruby grinste endlich. >>Bei seiner momentanen Stimmung würde ich nichts riskieren.<<

Mein Blick wanderte unwillkürlich zum Lehrertisch. Professor Snape saß dort mit einer Tasse Kaffee und einer Miene, die vermuten ließ, dass er die gesamte Menschheit für einen bedauerlichen evolutionären Irrtum hielt.

Castor Thornbloom saß einige Plätze von mir entfernt. Snape sah zu ihm. Castor bemerkte es. Und senkte augenblicklich den Blick. Ich musste trotz allem schmunzeln. Die Rosen-Affäre war offenbar noch lange nicht vergessen. Gut. Wenigstens hatte jemand heute größere Probleme als ich.

Der Kerker war kühl. Still. Und roch nach getrockneten Kräutern, Metall und jener undefinierbaren Mischung verschiedener Tränke, die vermutlich längst in die Steine eingezogen war. Normalerweise empfanden die meisten Schüler Snapes Unterricht als bedrückend. Heute war ich dankbar dafür.

Keine Vergangenheit. Keine Kammer. Kein totes Mädchen. Nur Zutaten. Mengenangaben. Temperaturen. Präzision. Dinge, die Regeln folgten. Dinge, die ich kontrollieren konnte.

>>Heute<<, begann Professor Snape und ließ seinen Blick durch den Raum gleiten, >>werden Sie einen Trank brauen, dessen Gelingen voraussetzt, dass Sie ausnahmsweise in der Lage sind, länger als drei Minuten aufmerksam zu bleiben.<<

Seamus Finnigan sah sofort beleidigt aus. Neville blass. Castor gelangweilt. Ein Fehler. Snapes Blick blieb an ihm hängen. >>Mr Thornbloom.<<

Castor richtete sich auf. >>Professor?<<

>>Langweile ich Sie?<<

>>Nein, Sir.<<

>>Dann wäre es ratsam, wenn Ihr Gesicht dies ebenfalls zum Ausdruck bringen würde.<< Ein leises Kichern ging durch den Raum. Castor schwieg. Snape wandte sich der Tafel zu. >>Sie brauen heute einen hochkonzentrierten Stärkungstrank. Die Rezeptur steht an der Tafel. Die Dosierung der Salamanderessenz entnehmen Sie allerdings nicht Ihrem Buch.<<

Mehrere Köpfe schnellten hoch. >>Warum nicht?<<, fragte ein Hufflepuff.

Snape drehte sich langsam um. >>Weil ich sehen möchte, ob wenigstens einige von Ihnen in der Lage sind, eine Rezeptur zu verstehen, anstatt sie lediglich abzuschreiben.<<

Mein Interesse war geweckt. Endlich. Ich zog meinen Kessel näher. Ruby saß auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes bei den Ravenclaws. Als ich kurz aufsah, begegnete ich ihrem Blick. Sie deutete unauffällig auf mich. Dann auf den Kessel. Konzentrier dich.

Ich verdrehte die Augen. Als hätte ich etwas anderes vor.

Die ersten Zutaten waren einfach. Getrocknete Brennnesseln. Gemahlene Greifenklauen. Ein exakt abgemessenes Maß Flubberwurmschleim. Ich arbeitete automatisch. Schneiden. Wiegen. Rühren. Die Welt wurde kleiner. Angenehm klein. Mein Kessel. Meine Hände. Der Trank. Mehr existierte nicht.

Die Flüssigkeit wechselte von einem trüben Grau in ein klares Bernstein. Gut. Jetzt die Salamanderessenz. Ich betrachtete die Konsistenz. Zu viel würde den Trank überladen. Zu wenig würde verhindern, dass die magische Verbindung stabil blieb. Drei Tropfen laut Standardrezept. Aber die Greifenklauen waren heute feiner gemahlen. Also...Zwei.

Ich ließ den ersten Tropfen hineinfallen. Zisch. Den zweiten. Die Oberfläche leuchtete kurz golden auf. Perfekt. Ich griff nach dem Löffel. >>Stonefield.<<

Meine Hand hielt inne. Professor Snape stand neben mir. Wann war er dort aufgetaucht? Dieser Mann bewegte sich wirklich wie ein verdammter Geist. >>Professor.<<

Sein Blick fiel auf meinen Kessel. Dann auf die Phiole in meiner Hand. >>Wie viele Tropfen?<<

>>Zwei.<<

>>Die Rezeptur verlangt drei.<<

Ein paar Schüler sahen bereits zu uns. Natürlich. Ich hätte es wissen müssen. >>Die Rezeptur geht von gröber gemahlenen Greifenklauen aus.<<

Snapes Augen wanderten zu der Zutat. Dann wieder zu mir. >>Und?<<

>>Durch die feinere Verarbeitung lösen sich die magischen Bestandteile schneller. Drei Tropfen Salamanderessenz würden die Wirkung überstimulieren.<<

Stille.

Ich fragte mich kurz, ob ich gerade einen Fehler gemacht hatte. Dann sah Snape erneut in meinen Kessel. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit war vollkommen klar. Kein Rauch. Keine Blasen. Keine instabile Reaktion. >>Fahren Sie fort.<<

Ich blinzelte. Das war alles? Nun gut. Ich rührte dreimal im Uhrzeigersinn. Einmal entgegen. Die Flüssigkeit nahm langsam einen satten Goldton an. Und zum ersten Mal seit meinem Erwachen waren Toms Augen aus meinen Gedanken verschwunden.

Ich bemerkte nicht einmal, dass Snape noch immer neben meinem Tisch stand. Erst als seine Stimme erklang. >>Bemerkenswert.<< Ich sah auf. Sein Gesicht blieb vollkommen neutral. Aber sein Blick lag auf dem Trank. >>Die Konsistenz ist exakt.<< Von Professor Snape war das vermutlich gleichbedeutend mit einer stehenden Ovation.

>>Danke, Professor.<<

Er nahm den Löffel, prüfte einen Tropfen und betrachtete dessen Farbe im Licht. >>Zehn Punkte für Slytherin.<<

Mehrere Köpfe schnellten herum. Ich ebenfalls. Zehn?

Castor ließ auf der anderen Seite des Raumes hörbar seine Feder fallen. Snape sah sofort zu ihm. >>Haben Sie ein Problem, Mr Thornbloom?<<

>>Nein, Professor.<<

>>Ausgezeichnet. Dann besteht möglicherweise noch Hoffnung, dass Slytherin irgendwann jene Punkte zurückerhält, die Sie mit bemerkenswerter Effizienz vernichten.<<

Ich presste die Lippen zusammen. Nicht lachen. Auf keinen Fall. Castor wurde rot. >>Das mit den Rosen war—<<

Snapes Blick wurde augenblicklich eisig. >>Ich rate Ihnen dringend davon ab, diesen Satz zu beenden.<<

Castor schloss den Mund. Ruby hustete verdächtig in ihre Hand. Snape wandte sich wieder meinem Kessel zu. >>Außergewöhnlich sauber gearbeitet, Stonefield.<< Dann ging er weiter.

Ich starrte ihm einen Moment hinterher. Zehn Punkte. Nun gut. Vielleicht war dieser Tag doch nicht vollkommen verloren.

***

>>Zehn Punkte.<<

Ich verstaute mein Buch in der Tasche. >>Ja, Ruby. Ich war dabei.<<

>>Von Snape.<<

>>Auch das habe ich bemerkt.<<

Wir verließen gemeinsam den Kerker und gingen den Korridor hinauf. Der Unterricht war vorbei und die Schüler verteilten sich langsam in alle Richtungen. Ruby grinste. Ich kannte dieses Grinsen. Es verhieß nichts Gutes. >>Was?<<

>>Nichts.<<

>>Ruby.<<

>>Ich denke nur nach.<<

>>Das ist meistens gefährlich.<<

Sie warf mir einen Seitenblick zu. >>Sehr witzig.<<

>>Danke.<<

>>Das war kein Kompliment.<<

>>Ich habe beschlossen, es trotzdem als eines zu betrachten.<<

Sie stieß mich leicht mit der Schulter an. Für einen kurzen Moment fühlte sich alles normal an. Dann sagte sie: >>Ist dir eigentlich etwas aufgefallen?<<

>>Dass Castor inzwischen vermutlich persönlich für den Niedergang des Slytherin-Punktekontos verantwortlich ist?<<

>>Nein.<<

>>Dass Professor Snape ihn irgendwann in einen Kessel werfen wird?<<

>>Auch nicht.<<

>>Dann erleuchte mich.<<

Ruby blieb stehen. Ich ebenfalls. Sie sah mich mit diesem unerträglich wissenden Ausdruck an. >>Professor Snape hat Castor bestraft.<<

Ich wartete. >>Ja.<<

>>Wegen der Rosen.<<

>>Das ist mir bekannt.<<

>>Fünfzig Punkte. Einen fünfzehnseitigen Aufsatz über persönliche Grenzen. Und seitdem behandelt er Thornbloom, als wäre dessen bloße Existenz eine persönliche Beleidigung.<<

Ich hob eine Augenbraue. >>Dein Punkt?<<

Rubys Grinsen wurde breiter. >>Du hast ihm die Rosen gegeben.<<

Ich blinzelte. >>Wie bitte?<<

>>Vor der gesamten Großen Halle.<<

>>Castor hat sie mir gegeben.<<

>>Und du hast sie Professor Snape in die Arme gedrückt.<<

>>Um Castor loszuwerden.<<

>>Natürlich.<< Da war es. Dieser Tonfall.

Ich verengte die Augen. >>Was soll das heißen?<<

>>Gar nichts.<<

>>Ruby.<<

Sie ging weiter. Ich folgte ihr. >>Du hast ihn vor hunderten Schülern mit einem gigantischen Rosenstrauß stehen lassen<<, fuhr sie vollkommen unschuldig fort. >>Rita Kimmkorn hat daraufhin einen Artikel über seine angebliche romantische Seite geschrieben. Die halbe Schule lacht seit Tagen darüber.<<

>>Danke für die Zusammenfassung meines gesellschaftlichen Untergangs.<<

>>Gern.<<

>>Komm zum Punkt.<<

Ruby sah mich an. >>Und trotzdem hat er nur Castor bestraft.<<

Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Das war... >>Weil Castor den Unsinn angefangen hat.<<

>>Mhm.<<

>>Er hat die Hauselfen benutzt.<<

>>Mhm.<<

>>Er hat das Frühstück gestört.<<

>>Natürlich.<<

>>Und die Harfe war wirklich geschmacklos.<<

Ruby blieb erneut stehen. >>Lucinda.<<

>>Was?<<

>>Du hast Professor Severus Snape vor der gesamten Schule einen Rosenstrauß in die Arme gelegt und ihm anschließend gesagt, die Blumen würden ihm ausgezeichnet stehen.<<

Ich schwieg. Wenn sie es so formulierte, klang es tatsächlich...Nein.

>>Und du lebst noch<<, ergänzte sie. Ich starrte sie an. Ruby grinste und verschränkte die Arme. >>Bemerkenswert, findest du nicht?<<

>>Er ist mein Hauslehrer.<<

>>Natürlich.<<

>>Und ich habe nichts getan, was eine Bestrafung rechtfertigt.<<

>>Selbstverständlich nicht.<<

>>Hör auf, so zu reden.<<, knurrte ich verbissen, woraufhin sie prüfend eine Augenbraue hob.

>>Wie rede ich denn?<<

>>Genau so!<<

Sie lachte. Ich schüttelte den Kopf und ging weiter. >>Du interpretierst da etwas hinein, das nicht existiert.<<

>>Habe ich behauptet, dass etwas existiert?<<

Ich blieb stehen. Verdammt. Ruby ging einfach weiter.

>>Du bist unerträglich!<<, rief ich ihr hinterher.

Sie hob nur eine Hand. >>Und trotzdem deine beste Freundin!<<

Leider. Ich setzte mich wieder in Bewegung. Doch obwohl ich ihre Bemerkung für vollkommen absurd hielt, erwischte ich mich dabei, wie ich über meine Schulter zurück zum Kerker sah. Unsinn.

Professor Snape war mein Lehrer. Mehr nicht. Seine Reaktion auf Castor hatte überhaupt nichts zu bedeuten. Gar nichts. Und wenn ich diesen Gedanken noch oft genug wiederholte, glaubte ich ihn vielleicht irgendwann selbst.

Später an diesem Nachmittag war Ruby beschäftigt. Und ich brauchte Ruhe. Zumindest redete ich mir das ein. Eigentlich wollte ich nur weg von Menschen. Weg von Castor. Weg von Rubys bedeutungsvollen Blicken. Und vor allem weg von meinen eigenen Gedanken.

Meine Füße trugen mich durch Hogwarts, ohne dass ich ihnen besondere Aufmerksamkeit schenkte. Ich kannte dieses Schloss. Selbst nach all den Jahrzehnten. Manche Wege vergaß man offenbar nie. Eine Treppe. Ein Korridor. Noch eine Abbiegung. Erst als ich Stimmen hörte, blieb ich stehen.

Mädchen. Jüngere Schülerinnen.

>>Ich gehe da nicht rein!<<

>>Jetzt stell dich nicht so an.<<

>>Sie heult schon wieder!<<

>>Sie heult immer.<<

Gelächter. Dann rannten drei Mädchen an mir vorbei. Eine von ihnen sah mich kurz an. >>Wenn du da rein willst, viel Spaß. Myrte hat heute besonders schlechte Laune.<<

Sie verschwanden um die Ecke. Ich rührte mich nicht. Myrte.

Mein Herz schlug plötzlich schneller. Langsam wandte ich den Kopf. Vor mir befand sich eine Tür. Ein gewöhnliches Mädchenbadezimmer. Zumindest für jeden anderen.

Ich starrte sie an. Fünfzig Jahre. Mehr als fünfzig Jahre waren vergangen. Und plötzlich hörte ich wieder die Stimme aus meinem Traum.

Eine Schülerin ist tot.

Nein. Nicht irgendeine Schülerin. Ich kannte ihren Namen inzwischen. Natürlich kannte ich ihn. Harrys Geschichte über die erneute Öffnung der Kammer hatte längst die letzten Lücken geschlossen. Myrte. Maulende Myrte.

Das Mädchen, das an jenem Tag gestorben war. Das erste Opfer, bei dem Tom endgültig eine Grenze überschritten hatte, die niemals hätte überschritten werden dürfen.

Meine Finger wurden kalt. Ich hätte weitergehen können. Sollte weitergehen. Vergangenheit war Vergangenheit. Daran ließ sich nichts ändern. Doch dann hörte ich es. Ein leises Schluchzen hinter der Tür. Mein Atem stockte. Sie war dort. Noch immer. Nach all dieser Zeit.

Während ich Jahrzehnte im Exil verbracht hatte. Während Tom zum mächtigsten dunklen Zauberer unserer Zeit geworden war. Während Kriege geführt worden waren. Während Menschen geboren wurden und starben. War Myrte hier geblieben. In Hogwarts. An dem Ort ihres Todes.

Meine Hand legte sich auf die Türklinke. Einen Moment lang brachte ich es nicht fertig, sie herunterzudrücken. Dann dachte ich an meinen Traum. An Hagrid. An Tom. An die Frage, die ich mir damals nicht zu stellen gewagt hatte.

Wo war die Kammer?

Harry hatte sie gefunden. Das wusste ich. Doch ich hatte sie nie gesehen. Nie betreten. Und wenn es einen Ort in Hogwarts gab, an dem Tom etwas zurückgelassen haben könnte...dann war es vielleicht nicht Slytherin. Vielleicht suchte ich seit Wochen schlicht am falschen Ort.

Mein Blick fiel auf die Tür. Hinter ihr schluchzte Myrte erneut. Ich atmete tief ein. Dann drückte ich die Klinke herunter. Die Tür öffnete sich knarrend. Und ich trat hinein.

Die Tür fiel hinter mir mit einem leisen Knarren ins Schloss. Sofort schlug mir feuchte, abgestandene Luft entgegen.

Das Badezimmer wirkte verlassen. Kaltes Licht fiel durch die hohen Fenster und spiegelte sich auf den weißen Fliesen. Mehrere Waschbecken reihten sich an der gegenüberliegenden Wand entlang, einige davon mit blinden Spiegeln darüber. Wasser tropfte irgendwo in regelmäßigen Abständen aus einem Hahn.

Tropf. Tropf. Tropf.

Und dann hörte ich wieder das Schluchzen. Es kam aus einer der Toilettenkabinen. Ich blieb stehen. Mein Herz schlug unangenehm schnell. Wie oft hatte ich in den vergangenen Jahrzehnten an diesen Ort gedacht?

Nicht bewusst. Zumindest hatte ich mir das eingeredet. Aber manche Erinnerungen verschwanden nicht, nur weil man sie tief genug vergrub. Sie warteten. Geduldig. Und irgendwann fanden sie einen Weg zurück an die Oberfläche. So wie heute.

>>Hallo?<<, fragte ich leise.

Das Schluchzen verstummte. Für einen Moment herrschte absolute Stille. Dann erklang eine hohe, beleidigte Stimme. >>Wenn du gekommen bist, um mich auszulachen, kannst du gleich wieder verschwinden!<<

Ich schluckte. Diese Stimme. Natürlich kannte ich sie nicht wirklich. Nicht aus Gesprächen. Damals hatte ich Myrte kaum gekannt. Aber ich hatte sie gehört. Auf den Korridoren. In der Bibliothek. Manchmal beim Unterricht. Eine unscheinbare Ravenclaw-Schülerin, die von vielen kaum wahrgenommen worden war. Bis zu dem Tag, an dem plötzlich ganz Hogwarts ihren Namen kannte.

>>Ich will dich nicht auslachen.<<

>>Das sagen sie alle!<<

Mit einem lauten Plätschern schoss plötzlich eine Gestalt aus einer der Toiletten. Ich zuckte zurück. Myrte schwebte mitten im Raum. Klein. Durchscheinend. Mit denselben runden Brillengläsern und dem glatten Haar, das ich aus meinen Erinnerungen kannte.

Mein Atem blieb mir weg. Fünfzig Jahre. Mehr als fünfzig Jahre. Und sie sah noch genauso aus. Natürlich tat sie das. Geister alterten nicht. Für Myrte war die Zeit einfach stehen geblieben. Für mich auf eine ganz andere Weise ebenfalls. Nur dass ich weitergelebt hatte. Wenn man das überhaupt so nennen konnte.

Myrte verschränkte die Arme. >>Du bist neu.<< Ich brachte kein Wort hervor. Sie legte den Kopf schief. >>Oder auch nicht?<<

Mein Herz setzte einen Schlag aus. >>Was meinst du?<<

Myrte schwebte näher. Sehr nah. Ihre durchscheinenden Augen musterten mein Gesicht. >>Du kommst mir bekannt vor.<<

Ich zwang mich, ruhig zu bleiben. >>Viele Menschen sehen sich ähnlich.<<

>>Nein.<< Sie schwebte einmal langsam um mich herum. >>Ich habe dich schon gesehen.<<

Meine Finger wurden kalt. >>Das bezweifle ich.<<

>>Doch.<< Plötzlich blieb sie direkt vor mir stehen. Ihre Stirn legte sich in Falten. Dann wurden ihre Augen groß. >>Du!<< Ich erstarrte. Myrte zeigte auf mich. >>Du warst damals hier!<<

Mein Mund wurde trocken. >>Myrte...<<

>>Ich wusste es!<< Ihre Stimme überschlug sich beinahe. >>Du bist dieses Mädchen gewesen! Das mit den dunklen Haaren!<<

Ich schwieg. Myrte sah mich an, als wäre ich selbst gerade aus einer Toilette aufgetaucht. >>Aber das ist unmöglich.<<

>>Vermutlich.<<

>>Du müsstest uralt sein!<<

Unter anderen Umständen hätte ich vermutlich gelacht. Heute nicht. >>Ich bin kompliziert.<<

>>Das ist keine Erklärung.<<

>>Mehr kann ich dir leider nicht geben.<<

Myrte öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Dann musterte sie mich erneut. Und plötzlich veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Ihre Augen wurden schmaler. >>Du warst mit ihm verwandt.<<

Mir wurde eiskalt. Ich wusste sofort, wen sie meinte. >>Ja.<<

Das Wort kam kaum hörbar über meine Lippen. Myrte wich ein kleines Stück zurück. >>Tom Riddle.<<

Sein Name hallte durch den Raum. Ich schloss kurz die Augen. Es war lächerlich, wie sehr zwei einfache Worte noch immer wehtun konnten. >>Mein Bruder.<<

Myrte starrte mich an. >>Der hat Hagrid beschuldigt.<<

>>Ich weiß.<<

>>Alle haben ihm geglaubt.<<

>>Bedauerlicherweise.<<

>>Und Hagrid wurde von der Schule geworfen.<<

>>Dessen bin ich mir bewusst.<< Meine Stimme brach beim letzten Wort. Myrte verstummte. Ich sah zu Boden. Die Fliesen verschwammen vor meinen Augen. >>Ich hätte ihn aufhalten müssen.<<

Stille. >>Was?<<

Ich hob langsam den Blick. >>Tom.<< Mein Hals schnürte sich zu. >>Ich hätte früher begreifen müssen, was er tat.<< Myrte sagte nichts. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem gesamten Dasein. >>Ich kannte ihn besser als jeder andere Mensch.<<, fuhr ich leise fort. >>Wir sind zusammen aufgewachsen. Wir waren Zwillinge. Ich wusste, wann er log. Ich wusste, wann er etwas verschwieg.<< Meine Hände begannen zu zittern. >>Und trotzdem habe ich mich immer wieder eingeredet, dass ich mich irre.<<

Myrtes Gesicht wurde ernster. >>Warum?<<

Ich lachte bitter. >>Weil er mein Bruder war.<<

Mehr musste ich eigentlich nicht sagen. Familie machte Menschen blind. Oder hoffnungsvoll. Vielleicht war das manchmal dasselbe. >>Als du gestorben bist...<< Meine Stimme versagte. Ich zwang mich weiterzureden. >>Da wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Ich habe ihn gesehen. Mit Hagrid. Ich habe gehört, wie er ihn beschuldigte. Und plötzlich ergaben all diese Dinge einen Sinn, die ich vorher nicht hatte sehen wollen.<< Myrte schwebte vollkommen still vor mir. >>Aber ich war zu spät.<< Meine Augen brannten. >>Für dich. Für Hagrid. Für viele andere Menschen danach.<< Eine Träne lief über meine Wange. Ich wischte sie nicht weg. >>Es tut mir leid.<<

Myrte blinzelte. >>Was?<<

>>Es tut mir leid, was mein Bruder dir angetan hat.<< Meine Stimme wurde leiser. >>Und dass ich es nicht verhindert habe.<<

Für einen Moment dachte ich, Myrte würde wütend werden. Dass sie mich anschreien würde. Mir sagen würde, dass meine Entschuldigung fünfzig Jahre zu spät kam. Vielleicht hätte ich das sogar verdient. Stattdessen sank sie langsam etwas tiefer. >>Du hast mich nicht getötet.<<

Ich sah sie überrascht an. >>Nein.<<

>>Dann kannst du dich auch nicht für meinen Tod entschuldigen.<<

Ich schluckte. >>Myrte—<<

>>Ich mochte ihn sowieso nie.<<

Ein klein wenig ihres typisch beleidigten Tons kehrte zurück. >>Tom?<<

>>Ja.<< Sie schnaubte. >>Alle fanden ihn immer so beeindruckend. So höflich. So klug.<< Ihr Mund verzog sich. >>Ich fand ihn unheimlich.<<

Trotz allem entwich mir ein kleines, heiseres Lachen. >>Damit warst du vermutlich klüger als viele Erwachsene.<<

Myrte richtete sich etwas auf. >>Ich war ziemlich klug.<<

>>Das glaube ich dir sofort.<<

Sie musterte mich. Dann wurde sie wieder nachdenklicher. >>Du bist wirklich seine Schwester?<<

>>Leider lässt sich das nicht ändern.<<

>>Du bist aber ganz anders.<<

Die Worte trafen mich unerwartet. Ich senkte den Blick. >>Das hoffe ich.<<

>>Er hätte sich niemals entschuldigt.<<

Nein. Das hätte Tom tatsächlich nicht. Schuld war für ihn immer etwas gewesen, das andere trugen. Nie er selbst. >>Danke.<<, murmelte ich.

Myrte blinzelte. >>Wofür?<<

>>Dafür, dass du mich nicht hasst.<<

Sie sah mich einen Moment lang fast betroffen an. Dann zuckte sie mit den Schultern. >>Ich hasse lieber Leute, die mich mit Büchern bewerfen.<<

Ich musste lachen. Ein echtes Lachen. Kurz. Aber es war da.

Myrte lächelte zufrieden. >>Du kannst übrigens froh sein, dass du jetzt hier bist.<<

>>Warum?<<

Ihre Augen begannen zu leuchten. >>Weil ich dir alles erzählen kann!<<

Oh nein. Ich kannte diesen Tonfall bereits. Myrte schoss nach oben und drehte begeistert eine Runde durch das Badezimmer. >>Es war nämlich unglaublich!<<

>>Was war unglaublich?<<

>>Harry Potter!<<

Ich wurde sofort aufmerksam. >>Harry?<<

>>Natürlich Harry Potter!<< Myrte schwebte aufgeregt zu einem der Waschbecken. >>Er war hier. In meinem Badezimmer!<< Sie sagte das, als hätte Harry dadurch eine besondere Auszeichnung erhalten. >>Gemeinsam mit Ron Weasley und diesem komischen Kautz, der sich Professor nannte. <<

Natürlich. Ich erinnerte mich an die Berichte aus Harrys zweitem Schuljahr. Damals waren erneut Schüler angegriffen worden. Die Kammer des Schreckens war erneut geöffnet worden. Und Harry hatte das Monster getötet. Was auch immer dieses Monster gewesen war.

Myrte deutete dramatisch auf die Waschbecken. >>Harry ist nämlich hinuntergegangen.<<

Ich erstarrte. >>Hinunter?<<

>>In die Kammer des Schreckens.<<

Mein Herz schlug schneller. >>Von hier aus?<<

Myrte nickte begeistert. >>Natürlich!<<

Ich sah mich um. Dann wieder zu ihr. >>Der Eingang zur Kammer befindet sich in diesem Badezimmer?<<

>>Schon immer.<<

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. All die Jahrzehnte. All die Gerüchte. All die Schüler, die nach der Kammer gesucht hatten. Und sie hatte sich hier befunden. Direkt unter Hogwarts. >>Wo?<<

Myrte deutete auf eines der Waschbecken. Ich trat näher. Es sah vollkommen gewöhnlich aus. Alt. Weiß. Ein wenig beschädigt. >>Dieses?<<

>>Das da.<< Myrte schwebte direkt daneben.

Ich strich mit den Fingern über den Rand. Zunächst entdeckte ich nichts. Dann fiel mir eine kleine Gravur am Wasserhahn auf. Eine Schlange. Mein Herz setzte einen Schlag aus. >>Natürlich.<<, flüsterte ich.

Wie hätte es auch anders sein sollen? Salazar Slytherin. Parsel. Schlangen. Tom. Myrte lehnte sich neugierig zu mir. >>Du siehst genauso aus wie Harry damals.<<

>>Wie sah er aus?<<

>>Als würde er gleich etwas ausgesprochen Dummes tun.<<

Ich hob eine Augenbraue. >>Das klingt tatsächlich nach Harry.<<

Myrte kicherte. Dann begann sie wieder mit Begeisterung zu erzählen. >>Er ist einfach hineingegangen! Und unten war dieses riesige Monster!<<

Mein Blick blieb auf der kleinen Schlange. >>Was für ein Monster?<<

Myrte sah mich an. >>Ein Basilisk.<<

Meine Finger erstarrten auf dem Porzellan. Basilisk. Natürlich. Plötzlich passte alles. Die tödlichen Augen. Die Versteinerungen. Salazar Slytherins Vorliebe für Schlangen. Parselsprache. Tom hatte einen Basilisken kontrolliert. Ein Wesen, dessen Blick töten konnte. Ein Wesen, das tief unter Hogwarts jahrhundertelang verborgen gewesen war. Und mein Bruder hatte es gefunden.

Mein Magen zog sich zusammen. >>Harry hat ihn getötet?<<

Myrte nickte so heftig, dass ihre Zöpfe durch ihre Schultern schwebten. >>Mit einem Schwert!<<

Ich drehte mich zu ihr. >>Mit einem... Schwert?<<

>>Ja!<< Myrte breitete dramatisch die Arme aus. >>Ein riesiges Schwert! Aus einem Hut!<<

Ich starrte sie an. >>Natürlich.<< Bei Harry Potter durfte man offenbar keine normalen Erklärungen erwarten.

>>Und dann hat der Basilisk ihn beinahe getötet, aber dieser Vogel hat ihm die Augen ausgekratzt und Ginny Weasley lag da und dieser Tom Riddle war auch da—<<

Ich fuhr herum. >>Tom?<<

Myrte verstummte. >>Ja.<<

Mein Herz begann zu rasen. >>Tom Riddle war in der Kammer?<<

>>So hat Harry es erzählt.<<

Ich trat vom Waschbecken zurück. Ein Gedanke raste durch meinen Kopf. Harry war meinem Bruder dort begegnet. Nicht Voldemort. Tom. Dem jungen Tom. Ich erinnerte mich plötzlich an die Geschichten rund um das vergangene Schuljahr.

Ginny Weasley. Das geheimnisvolle Tagebuch. Irgendwie hatte Tom es geschafft, einen Teil seiner selbst darin zu bewahren. Wie genau, wusste ich nicht. Welche Magie dazu notwendig gewesen war, ebenso wenig. Aber das allein genügte.

Tom hatte schon als Schüler Geheimnisse gehabt, von denen selbst ich nichts gewusst hatte. Und die Kammer war vermutlich sein größtes gewesen. Sein Reich. Sein Rückzugsort. Seine Verbindung zu Salazar Slytherin.

Mein Blick wanderte zurück zum Waschbecken. Was, wenn...

Nein. Der Gedanke war verrückt. Aber eigentlich nicht verrückter als alles andere, was Tom getan hatte. Ich hatte im Slytherin-Gemeinschaftsraum gesucht. In alten Büchern. In Archiven. In Aufzeichnungen. Vielleicht hatte ich schlicht am falschen Ort gesucht.

Wenn Tom etwas hatte verbergen wollen – etwas, von dem nicht einmal ich erfahren sollte –, wo wäre es sicherer gewesen als an einem Ort, dessen Existenz jahrzehntelang niemand hatte beweisen können?

Ein Ort, den nur der Erbe Slytherins betreten konnte. Die Kammer des Schreckens.

Mein Puls beschleunigte sich. >>Wie hat Harry sie geöffnet?<<

Myrte sah mich fragend an. >>Was?<<

>>Die Kammer.<< Ich deutete auf das Waschbecken. >>Wie hat er den Eingang geöffnet?<<

Sie überlegte. >>Er hat irgendwas gesagt.<<

>>Was?<<

>>Keine Ahnung.<<

Ich starrte sie an. >>Du warst dabei.<<

Myrte wirkte beleidigt. >>Ich spreche kein Schlangisch!<<

Parsel. Natürlich. Ich trat erneut an das Waschbecken heran. Meine Finger glitten über die eingeritzte Schlange. Tom hatte Parsel sprechen können. Und ich...

Ich presste die Lippen zusammen. Ich wusste nicht einmal, ob diese Fähigkeit bei mir ebenso ausgeprägt war. Unsere magischen Begabungen hatten sich in vielen Bereichen überschnitten. Aber nicht vollständig.

Außerdem konnte ich nicht riskieren, hier irgendwelche Laute auszuprobieren und möglicherweise versehentlich die halbe Installation in den Boden zu versenken. Nein. Ich brauchte Gewissheit. Und es gab genau einen Menschen in Hogwarts, von dem ich wusste, dass er diesen Eingang bereits geöffnet hatte.

Harry. Das Problem war nur: Ich konnte schlecht auf ihn zugehen und beiläufig fragen: Hallo Harry, kannst du mir erklären, wie man die Kammer des Schreckens öffnet? Ich würde dort gern nach geheimen Hinterlassenschaften meines psychopathischen Zwillingsbruders suchen.

Das könnte Fragen aufwerfen. Ein oder zwei. Myrte sah mich misstrauisch an. >>Du willst da runter.<< Ich schwieg. >>Du willst wirklich da runter!<<

>>Ich denke darüber nach.<<

>>Harry wäre beinahe gestorben.<<

>>Das Monster ist tot.<<

>>Da unten ist es trotzdem scheußlich.<<

>>Das glaube ich dir.<<

Sie schwebte näher. >>Warum willst du hinein?<<

Ich betrachtete die Schlange auf dem Wasserhahn. >>Weil ich glaube, dass Tom dort etwas zurückgelassen haben könnte.<<

Myrtes Gesicht wurde ernst. >>Etwas Gefährliches?<<

>>Bei meinem Bruder ist das grundsätzlich eine vernünftige Annahme.<<

Sie verzog das Gesicht. >>Dann solltest du nicht allein gehen.<<

Ich schwieg. Rubys Stimme hallte plötzlich in meinem Kopf wider.

Du unternimmst keine Alleingänge.

Verdammt. Technisch gesehen hatte ich noch gar keinen Alleingang unternommen. Ich plante lediglich einen. Das war vollkommen anders. Vermutlich.

>>Ich werde vorsichtig sein.<<

Myrte schnaubte. >>Das hat Harry bestimmt auch gedacht.<<

>>Harry und ich haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von Vorsicht.<< Ob das tatsächlich stimmte, wagte ich allerdings nicht zu beurteilen. Ich löste mich vom Waschbecken. >>Danke, Myrte.<<

Sie sah überrascht aus. >>Wofür?<<

>>Für alles.<<

Ich meinte nicht nur die Kammer. Sie verstand es offenbar. Ihr Gesicht wurde weicher. >>Kommst du wieder?<<

Die Frage traf mich unerwartet. Plötzlich wirkte sie nicht wie der Geist aus meinen Schuldgefühlen. Sondern wie das Mädchen, das hier seit Jahrzehnten allein war. Ich lächelte schwach. >>Wenn du möchtest.<<

Myrte strahlte. >>Die meisten kommen nur, wenn sie heimlich weinen wollen.<<

>>Dann werde ich versuchen, ausnahmsweise ohne Tränen vorbeizukommen.<<

>>Langweilig.<<

Ich musste lachen. Dann wandte ich mich zur Tür. Kurz davor blieb ich noch einmal stehen. >>Myrte?<<

>>Ja?<<

Ich sah über meine Schulter. >>Es tut mir trotzdem leid.<<

Sie betrachtete mich lange. Dann lächelte sie. >>Ich weiß.<< Mehr sagte sie nicht. Mehr brauchte sie auch nicht zu sagen.

***

Ruby fand ich eine halbe Stunde später in der Bibliothek. Natürlich. Wo sonst?

Sie saß zwischen einem Stapel Bücher, der groß genug war, um einen kleineren Erstklässler darunter verschwinden zu lassen, und schrieb konzentriert auf ein Pergament. Ich ließ mich ihr gegenüber auf den Stuhl fallen. Sie sah nicht auf.

>>Du hast etwas angestellt.<<

Ich blinzelte. >>Hallo auch dir.<<

>>Du setzt dich nur so hin, wenn du etwas angestellt hast oder etwas anstellen willst.<<

>>Das ist eine vollkommen haltlose Unterstellung.<<

Jetzt hob sie den Blick. >>Was hast du vor?<< Ich schwieg. Ruby legte langsam die Feder weg. >>Lucinda.<<

>>Ich brauche deine Hilfe.<<

>>Das klingt bereits bedenklich.<<

>>Du musst Harry etwas fragen.<<

Ihre Augen wurden schmal. >>Was?<<

Ich beugte mich etwas näher. >>Wie man die Kammer des Schreckens öffnet.<<

Stille. Ruby starrte mich an.

Ich lächelte höflich. >>Warum siehst du mich so an?<<

>>Ich überlege gerade, ob ich dich missverstanden habe.<<

>>Hast du nicht.<<

>>Du willst wissen, wie man die Kammer des Schreckens öffnet.<<

>>Korrekt.<<

>>Die Kammer, in der vor zwei Jahren ein Basilisk Schüler angegriffen hat.<<

>>Derselbe wie damals.<<

>>Die Kammer, in der Harry Potter beinahe gestorben wäre.<<

>>Ruby—<<

>>Und du möchtest dort hinein.<<

Ich seufzte. >>Vielleicht.<<

Sie starrte mich an. >>Nein.<<

>>Du weißt noch gar nicht warum.<<

>>Das brauche ich nicht.<<

>>Ruby.<<

>>Lucinda.<<

Wir sahen uns an. Niemand blinzelte. Ich verlor. Natürlich. >>Ich habe Myrte getroffen.<<

Rubys Gesicht veränderte sich. Der Widerstand verschwand nicht. Aber er wurde weicher. >>Myrte?<<

Ich nickte. >>Sie hat mich erkannt.<<

Ruby sagte nichts. Ich erzählte ihr von unserem Gespräch. Nicht alles. Den Albtraum verschwieg ich noch immer. Aber ich berichtete von Myrte. Von Tom. Von der Entschuldigung. Von Harry. Vom Basilisken. Und schließlich vom Eingang.

Ruby hörte schweigend zu. Als ich fertig war, lehnte sie sich zurück. >>Du glaubst, Tom könnte dort etwas versteckt haben.<<

>>Ja.<<

>>Warum?<<

>>Weil wir überall sonst nichts finden.<< Ich deutete auf unsere Aufzeichnungen. >>Wir suchen seit Wochen nach Hinweisen auf seinen Aufstieg, seine Pläne und seine Methoden. Und nichts davon führt irgendwohin.<< Ruby betrachtete mich.

>>Die Kammer war sein größtes Geheimnis.<<, sagte ich leise. >>Niemand wusste, dass er sie gefunden hatte. Niemand wusste, dass er den Basilisken kontrollierte. Wenn es irgendeinen Ort gibt, an dem Tom etwas verborgen haben könnte, dann dort.<<

Ruby schwieg lange. Leider bedeutete ihr Schweigen meistens, dass sie meine Argumentation nachvollziehen konnte. >>Und du willst, dass ich Harry frage.<<

>>Unauffällig.<<

>>Wie soll ich Harry unauffällig fragen, wie man den Eingang zur Kammer des Schreckens öffnet?<<

Ich dachte nach. >>Du bist klug.<<

>>Das ist keine Antwort.<<

>>Du bist Ravenclaw.<<

>>Auch keine Antwort.<<

>>Du bist mit Sirius zusammen. Improvisation müsste inzwischen abgefärbt haben.<<

Ruby funkelte mich an. >>Das war niedrig.<<

>>Aber wirkungsvoll.<<

Sie seufzte. >>Und was sage ich Harry?<<

Ich grinste. >>Das überlasse ich deiner berühmten Intelligenz.<<

>>Feige.<<

>>Pragmatisch.<<

Ruby schüttelte den Kopf. >>Ich werde ihn fragen.<<

Erleichterung durchströmte mich. >>Danke.<<

Sie hob warnend einen Finger. >>Aber du gehst nicht vorher dorthin.<<

>>Wie sollte ich? Ich weiß doch nicht, wie man die Kammer öffnet.<<

>>Lucinda.<<

>>Was?<<

>>Versprich es.<<

Ich verdrehte die Augen. >>Ich verspreche, nicht in die Kammer des Schreckens zu gehen, bevor wir genau wissen, wie man sie öffnet.<<

Ruby musterte mich. >>Das war bemerkenswert spezifisch formuliert.<<

>>Ich lerne von den Besten.<<

>>Ich hasse es, wenn du so wirst.<<

>>Nein, tust du nicht.<<

Sie griff wieder nach ihrer Feder. >>Manchmal schon.<<

Ich lehnte mich zurück. Zum ersten Mal seit Tagen hatte ich das Gefühl, tatsächlich einer Spur zu folgen. Nicht Moody. Nicht Karkaroff. Nicht irgendeinem Gerücht. Tom. Seiner Vergangenheit. Seinem Geheimnis.

Und tief unter meinen Füßen lag ein Ort, den mein Bruder einst für sich beansprucht hatte. Die Kammer des Schreckens. Ich wusste noch nicht, was mich dort erwartete. Vielleicht gar nichts. Vielleicht nur die Überreste eines Basilisken und fünfzig Jahre alte Steine.

Doch mein Instinkt sagte mir etwas anderes. Tom Riddle hatte niemals einen Ort verlassen, ohne Spuren zu hinterlassen. Ich musste sie nur finden. Und diesmal würde ich nicht zu spät kommen.