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Castors nächste Niederlage

The Curse Of The Heirs - Every Darkness Has An Origin — www.fanfiktion.de · All chapters

Castors nächste Niederlage

Hallo, zusammen :) Wieder ist eine Woche geschafft und wir starten ins Wochenende. Castor hingegen, mit seiner nächsten Niederlage ;) Ich wünsche euch viel Spaß beim Weiterlesen und ein schönes erholsames Wochenende.

Liebe Grüße,

eure Melody

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Castors nächste Niederlage

Lucinda PoV

Es gab Momente in meinem Leben, in denen ich glaubte, bereits jede nur denkbare Form von merkwürdiger Bitte gehört zu haben. Ich hatte mich geirrt.

>>Du willst, dass wir was tun?<<

Ruby blieb neben mir stehen und sah Hagrid mindestens genauso verständnislos an wie ich. Der Halbriese stand vor seiner Hütte und wirkte für seine Verhältnisse erstaunlich nervös. Seine Hände verschwanden immer wieder in den Taschen seines Mantels, nur um wenige Sekunden später wieder hervorzukommen. >>Na ja...<<, begann er und räusperte sich. >>Ich hab gedacht, ihr könntet mir vielleicht helfen.<<

>>Wobei?<<

Hagrid sah sich um. Als müsste er befürchten, jemand könnte uns belauschen. Dann beugte er sich etwas zu uns hinunter. >>Bei meinem Festumhang.<<

Ich blinzelte. Ruby blinzelte. Neben meinem Fuß blinzelte sogar einer der Bowtruckles.

Wir waren ursprünglich nur hergekommen, weil ich den kleinen Baumwächtern einen Besuch versprochen hatte. Inzwischen hatten sich fünf von ihnen um uns versammelt. Zwei saßen auf dem niedrigen Zaun vor Hagrids Hütte, einer hatte es sich auf meiner Schulter bequem gemacht und die anderen beiden stritten sich offenbar um einen Käfer. Nun schien selbst dieser Streit vergessen. Alle sahen Hagrid an. >>Deinem Festumhang?<<, wiederholte ich.

>>Für'n Weihnachtsball.<<

Ruby und ich wechselten einen Blick. Langsam begann ich zu verstehen. >>Und ausgerechnet wir sollen dir dabei helfen?<<

Hagrid zuckte mit den Schultern. >>Ihr seid Mädchen.<<

Ruby hob eine Augenbraue. >>Eine bemerkenswerte Qualifikation.<<

>>Und ihr habt Geschmack.<<, fügte Hagrid hastig hinzu.

Ich musste lachen. >>Schon besser.<<

>>Also?<<

Ich sah zu Ruby. Sie sah zu mir. Dann wanderten unsere Blicke gleichzeitig zu den fünf Bowtruckles. Einer von ihnen hatte inzwischen den Käfer vergessen und sah ausgesprochen interessiert aus. Ich seufzte. >>Na schön.<<

Hagrids Gesicht hellte sich auf. >>Wirklich?<<

>>Aber ich übernehme keine Verantwortung für das Ergebnis.<<

>>Ich auch nicht<<, ergänzte Ruby.

Hagrid winkte ab. >>Wird schon nich' so schlimm werden.<<

Eine halbe Stunde später wusste ich, dass dies vermutlich einer der gefährlichsten Sätze war, die jemals ausgesprochen worden waren. Ruby und ich saßen auf einer Bank vor Hagrids Hütte. Die Bowtruckles hatten sich neben uns auf dem Zaun aufgereiht. Fünf kleine Juroren. Hagrid war in seiner Hütte verschwunden.

>>Wie viele Festumhänge besitzt er eigentlich?<<, fragte ich.

Ruby betrachtete die geschlossene Tür. >>Nach den Geräuschen von eben? Zu viele.<<

Es rumpelte. Etwas fiel um. Hagrid fluchte. Ein Bowtruckle legte den Kopf schief. >>Ich möchte meine Entscheidung zurücknehmen.<<, sagte ich, doch Ruby schmunzelte.

>>Zu spät.<<

Die Tür öffnete sich. Hagrid trat heraus. Ich schwieg. Ruby schwieg. Die Bowtruckles schwiegen. Hagrid trug einen braunen Festumhang. Braun war möglicherweise eine zu freundliche Beschreibung. Er erinnerte mich eher an eine Mischung aus getrocknetem Schlamm und einem sehr unglücklichen Kartoffelsack. >>Na?<<

Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Ruby warf mir einen hilfesuchenden Blick zu. Verräterin. >>Er ist...<<, begann ich.

Ein Bowtruckle auf dem Zaun schüttelte energisch den Kopf. Hagrid bemerkte es. >>Was weiß der schon von Mode?<<

Der Bowtruckle stemmte empört seine winzigen Hände in die Hüften. Ruby biss sich auf die Unterlippe. >>Ich glaube, du hast ihn beleidigt.<<

>>Er hat angefangen.<<

Ich räusperte mich. >>Vielleicht probieren wir noch einen anderen.<<

Hagrid sah an sich hinunter. >>So schlimm?<<

Vier Bowtruckles nickten. Der fünfte war inzwischen mit dem Käfer beschäftigt. >>Offenbar ja<<, sagte ich.

Hagrid brummte etwas Unverständliches und verschwand wieder. Ruby wartete, bis die Tür geschlossen war. Dann beugte sie sich zu mir. >>Kartoffelsack.<<

>>Ich wollte es nicht sagen.<<

>>Aber du hast es gedacht.<<

>>Natürlich.<< Wir kicherten.

Wenig später erschien Hagrid erneut. Diesmal in einem dunkelvioletten Umhang. Ich legte den Kopf schief. Ruby tat dasselbe. Die Bowtruckles ebenfalls. Hagrid sah von einem zum anderen. >>Müsst ihr das alle gleichzeitig machen?<<

>>Wir beraten uns<<, erklärte Ruby.

>>Ihr sagt doch gar nix.<<

>>Wir sind sehr gut eingespielt.<<

Ich betrachtete den Umhang genauer. >>Die Farbe ist nicht schlecht.<<

Hagrid strahlte. >>Wirklich?<<

>>Ich sagte nicht schlecht.<< Sein Gesicht fiel wieder zusammen. >>Aber besser als der erste<<, fügte ich hinzu.

Zwei Bowtruckles klatschten. >>Seht ihr!<< Hagrid deutete triumphierend auf sie. >>Die finden den gut!<< Ein dritter schüttelte den Kopf. >>Dich hab ich nich' gefragt.<< Der Bowtruckle drehte ihm beleidigt den Rücken zu.

Ich musste lachen. >>Vielleicht noch einen?<<

Hagrid seufzte schwer. >>Ihr seid schlimmer als Madame Maxime.<<

Stille. Ruby sah mich an. Ich sah Ruby an. Sehr langsam drehten wir beide die Köpfe zu Hagrid. Er erstarrte. >>Madame Maxime?<<, fragte Ruby unschuldig.

>>Was?<<

>>Du hast gerade Madame Maxime erwähnt.<<

>>Hab ich nich'.<<

Ich hob eine Augenbraue. >>Doch.<<

>>Nein.<<

>>Hagrid.<<

Er wurde rot. Das war bei einem Mann seiner Größe ausgesprochen beeindruckend. >>Ich hab bloß gesagt... also... weil sie ja auch beim Ball sein wird.<<

>>Natürlich<<, sagte Ruby.

>>Als Schulleiterin von Beauxbatons<<, ergänzte ich.

>>Genau!<<

>>Und deshalb ist ihre Meinung über deinen Festumhang selbstverständlich von größter Bedeutung.<<, meinte ich.

>>Richtig.<<

Ruby sah mich an. Ich sah Ruby an. Hagrid wurde noch röter. >>Hört auf damit.<<

>>Womit?<<, fragte ich.

>>So zu gucken.<<

>>Wie gucken wir denn?<<, wollte Ruby wissen, als Hagrid anklagend auf uns deutete.

>>Genau so!<<

Ich konnte nicht mehr. Ein Lachen entwich mir. Ruby hielt immerhin zwei Sekunden länger durch. Dann brach auch sie in Gelächter aus. >>Da gibt's überhaupt nix zu lachen!<<, protestierte Hagrid.

>>Natürlich nicht<<, brachte Ruby hervor.

>>Madame Maxime hat damit überhaupt nix zu tun.<<

Ich hob abwehrend die Hände. >>Das haben wir auch nicht behauptet.<<

>>Aber ihr denkt es!<<

>>Dafür können wir nichts.<<

Hagrid brummte. Dann verschwand er wieder in seiner Hütte. Ruby beugte sich zu mir. >>Er hat ein Auge auf sie geworfen.<<

>>Offensichtlich.<<

>>Wie süß.<<

>>Sag ihm das bloß nicht.<<, ermahnte ich sie, woraufhin sie den Kopf schüttelte.

>>Ich hänge an meinem Leben.<<

Diesmal dauerte es länger. Schließlich öffnete sich die Tür erneut. Hagrid trat heraus. Und ich musste zugeben: Das war besser. Deutlich besser.

Der Festumhang war dunkelgrün, beinahe schwarz, und aus einem schweren Stoff gefertigt. Die Farbe passte zu seinem dunklen Haar und wirkte wesentlich eleganter als alles, was wir bisher gesehen hatten.

Ruby nickte langsam. Ich ebenfalls. Dann sahen wir zu unserer kleinen Jury. Der erste Bowtruckle klatschte. Der zweite folgte. Dann der dritte. Innerhalb weniger Sekunden klatschten alle fünf begeistert mit ihren winzigen Händen.

Hagrid strahlte. >>Der also?<<

>>Der<<, bestätigte ich.

Ruby stand auf und ging einmal um ihn herum. >>Definitiv.<<

Hagrid betrachtete sich in einem kleinen Spiegel, den er offenbar eigens nach draußen gestellt hatte. >>Meint ihr wirklich?<<

>>Ja.<<

Er zupfte nervös am Kragen. >>Vielleicht müsste man noch...<< Er verstummte.

>>Was?<<, fragte ich.

>>Nix.<<

Ruby verschränkte die Arme. >>Hagrid.<<

>>Ich hab nur gedacht...<< Er räusperte sich. >>Madame Maxime trägt vielleicht Rot.<<

Stille. Wieder sah ich Ruby an. Wieder sah Ruby mich an. Hagrid schloss die Augen. >>Verdammt.<<

Ich brach in Gelächter aus. Sogar die Bowtruckles schienen begeistert.

Hagrid hob drohend einen Zeigefinger. >>Ihr sagt kein Wort!<<

>>Natürlich nicht<<, versprach Ruby.

>>Zu niemandem.<<

>>Selbstverständlich.<<

>>Vor allem nich' zu ihr!<<

Ich legte eine Hand auf mein Herz. >>Hagrid, wir würden niemals deine streng geheimen modischen Überlegungen über Madame Maxime weitergeben.<<

Er musterte mich misstrauisch. >>Du klingst gerade wie Dumbledore.<<

Mein Lächeln verschwand. >>Das nehme ich persönlich.<<

Ruby lachte noch stärker.

***

Als wir uns wenig später auf den Rückweg zum Schloss machten, war meine Laune erheblich besser als zuvor. >>Dunkelgrün<<, sagte Ruby neben mir.

>>Mhm.<<

>>Passend zu Rot.<<, legte sie nach und meine Stimme überschlug sich fast vor Ironie.

>>Offensichtlich reiner Zufall.<<

>>Natürlich.<<

>>Madame Maxime hat damit überhaupt nichts zu tun.<<

>>Überhaupt nichts.<<

Wir sahen einander an. Und lachten wieder. >>Ich hoffe wirklich, dass er sie zum Tanzen auffordert<<, sagte Ruby.

>>Ich hoffe vor allem, dass wir nicht dafür verantwortlich gemacht werden, falls sie den Umhang hasst.<<

>>Die Bowtruckles haben ihn ausgewählt.<<

>>Ausgezeichnet. Dann schieben wir die Verantwortung auf sie.<<, meinte ich, doch Ruby schnitt eine Grimasse.

>>Feige.<<

>>Pragmatisch.<<

Wir erreichten den Innenhof. Die letzten Vorbereitungen für den Weihnachtsball waren inzwischen überall sichtbar. Verzauberte Girlanden schwebten unter den steinernen Bögen, einige Hauselfen transportierten Kisten durch die Korridore und mehrere Schüler diskutierten aufgeregt darüber, was sie am folgenden Abend tragen würden.

Ich hatte gerade beschlossen, dass wir es tatsächlich einmal bis zum Schloss schaffen könnten, ohne in irgendeine Katastrophe zu geraten. Ein Anfängerfehler. >>Stonefield!<<

Ich blieb stehen. Ruby schloss kurz die Augen. >>Nein.<<

>>Doch<<, murmelte ich.

Wir drehten uns um. Castor Thornbloom kam auf uns zu.

Sein rotblondes Haar saß wie immer tadellos. Sein Umhang fiel wie zufällig perfekt über seine Schultern, und sein Gesicht trug jenes selbstsichere Lächeln, das mich inzwischen instinktiv misstrauisch machte.

>>Was willst du, Castor?<<

>>Mit dir reden.<<

>>Das hatte ich befürchtet.<<

Ruby hustete verdächtig. Castor ignorierte sie. >>Es geht um morgen Abend.<<

>>Morgen Abend?<<

>>Den Weihnachtsball.<<

Ich legte gespielt überrascht eine Hand an meine Brust. >>Ach. Der Weihnachtsball. Natürlich. Ich hatte ihn beinahe vergessen.<<

Ruby wandte den Kopf ab. Ihre Schultern bebten. Castors Lächeln wurde angespannter. >>Du gehst mit Goldstein.<<

>>Ausgezeichnet beobachtet.<<

>>Ich halte das für einen Fehler.<<

>>Dann ist es beruhigend, dass du die Entscheidung nicht treffen musst.<<

Hinter Ruby erklangen Schritte. Ich schenkte ihnen zunächst keine Beachtung.

Castor trat näher. >>Sei doch vernünftig, Lucinda.<<

Mein Lächeln verschwand. >>Vorsicht.<<

Er hob beschwichtigend die Hände. >>Ich meine nur, dass du dir überlegen solltest, mit wem du dort auftauchst.<<

>>Das habe ich. Anthony.<<

>>Goldstein passt überhaupt nicht zu dir.<<

Ich blinzelte. >>Und du schon?<<

Castors Grinsen kehrte zurück. Oh nein. Ich hatte ihm eine Vorlage gegeben. >>Offensichtlich.<<

Ruby gab ein Geräusch von sich, das verdächtig nach einem erstickten Lachen klang. >>Offensichtlich<<, wiederholte ich.

>>Wir wären das Paar des Abends.<<

>>Nach wessen Einschätzung?<<

>>Nach der von jedem, der Augen besitzt.<<

Ich nickte langsam. >>Verstehe.<<

>>Ich kann tanzen.<<

>>Beeindruckend.<<, gab ich trocken zurück, als er sich durch sein rotblondes Haar fuhr.

>>Ich sehe gut aus.<<

>>Bescheidenheit ebenfalls.<<

>>Ich bin beliebt.<<

>>Das wird ja immer besser.<<

Castor schien meinen Tonfall entweder nicht zu bemerken oder bewusst zu ignorieren. >>Und außerdem würden uns alle ansehen.<<

Ich betrachtete ihn einige Sekunden. >>Das ist erstaunlicherweise kein Argument für dich.<<

Ruby prustete los. Castors Blick schoss zu ihr. >>Entschuldigung<<, brachte sie hervor. >>Mach weiter. Bitte.<<

Ich wollte mich gerade wieder Castor zuwenden, als mir auffiel, dass wir inzwischen Zuschauer hatten. Professor Dumbledore und Professor McGonagall waren unter einem der steinernen Bögen stehen geblieben. Und neben ihnen—

Oh nein. Professor Snape. Natürlich.

Warum sollte mir Merlin auch nur einmal die Gnade erweisen, eine peinliche Unterhaltung ohne Publikum führen zu dürfen? Dumbledores Augen funkelten bereits. McGonagalls Gesicht war bemerkenswert beherrscht. Professor Snape dagegen stand vollkommen regungslos da. Sein Blick ruhte auf Castor. Ich konnte nicht sagen, was er dachte. Aber nach allem, was Castor ihm in den vergangenen Wochen zugemutet hatte, bezweifelte ich, dass es besonders freundlich war.

Castor hatte die drei offenbar ebenfalls bemerkt. Er richtete sich ein wenig gerader auf. Merkwürdigerweise hielt ihn das nicht davon ab, weiterzureden.

>>Du hast einfach noch nicht verstanden, dass Goldstein die schlechtere Wahl ist.<<

>>Castor.<<

>>Was?<<

>>Ich gehe mit Anthony zum Ball.<<

>>Das kannst du ändern.<<, schlug er vor, doch ich dachte gar nicht daran.

>>Ich will es aber nicht ändern.<<

Zum ersten Mal verschwand sein Grinsen beinahe vollständig. >>Du meinst das ernst.<<

>>Dieser Moment muss für dich erschütternd sein.<<

Ruby presste beide Lippen zusammen. Dumbledore räusperte sich. Sehr verdächtig. Castor fuhr sich erneut durch die Haare. >>Du wirst noch erkennen, dass Goldstein ein Fehler war.<<

Ich betrachtete ihn. Eigentlich hätte ich einfach gehen können. Wahrscheinlich wäre das die vernünftigste Entscheidung gewesen. Aber Castor Thornbloom hatte eine seltene Begabung dafür, meine Vernunft herauszufordern.

>>Sollte das passieren<<, sagte ich ruhig, >>verspreche ich dir, dass du trotzdem nicht automatisch die richtige Entscheidung wirst.<<

Stille. Vollkommene Stille. Ruby starrte mich an. Dann drehte sie sich hastig weg. Professor McGonagalls Lippen waren plötzlich eine sehr schmale Linie. Dumbledore sah ausgesprochen interessiert zur Decke.

Und Professor Snape— Hatte sein Mundwinkel gerade gezuckt? Nein. Unmöglich.

Ich musste mich getäuscht haben.

Castor dagegen sah aus, als hätte ich ihm soeben eröffnet, dass Quidditch verboten worden war. >>Das war unnötig.<<

Ich hob eine Augenbraue. >>Du hast mich gerade vor Publikum darüber informiert, dass meine Wahl für den Weihnachtsball falsch ist und du aufgrund deines Aussehens, deiner Beliebtheit und deiner offenbar überwältigenden Tanzkünste besser für mich geeignet wärst.<<

>>Wenn du es so formulierst—<<

>>Wie hätte ich es denn formulieren sollen?<<

Ruby verlor den Kampf. Sie lachte laut auf. >>Tut mir leid.<< Sie hielt sich eine Hand vor den Mund. >>Wirklich.<<

Castor warf ihr einen finsteren Blick zu. Professor Snape trat nun näher. >>Mr. Thornbloom.<<

Castor erstarrte. >>Professor.<<

>>Falls Miss Stonefields mehrfach geäußerte Ablehnung für Sie weiterhin nicht verständlich genug gewesen sein sollte, empfehle ich Ihnen, den Abend mit der Lektüre eines Wörterbuches zu verbringen.<<

Rubys Augen wurden riesig. Ich biss mir auf die Innenseite der Wange.

>>Dort finden Sie unter dem Buchstaben N vermutlich eine ausreichend verständliche Definition des Wortes Nein .<<

Castor wurde rot. >>Ja, Professor.<<

>>Ausgezeichnet.<< Professor Snape sah ihn noch einen Moment an. >>Dann wäre dieses Problem ja endlich gelöst.<<

Sein Blick streifte mich. Nur kurz. Dann wandte er sich wieder Dumbledore und McGonagall zu. Dumbledores Bart bewegte sich verdächtig. >>Kommen Sie, Severus<<, sagte er ausgesprochen freundlich. >>Ich glaube, wir haben noch einige Vorbereitungen zu besprechen.<<

>>Zweifellos.<<

Die drei gingen weiter. Professor McGonagall schaffte es tatsächlich, vollkommen würdevoll zu bleiben. Bis sie glaubte, wir könnten sie nicht mehr sehen. Dann bemerkte ich, wie sie kurz den Kopf senkte.

Ruby packte meinen Arm. >>Sie lacht.<<

>>Nein.<<

>>Doch!<<

>>Professor McGonagall lacht nicht über Schüler.<<

>>Sie lacht über Castor.<<

>>Das ist etwas anderes.<<

Castor sah uns beide vernichtend an. >>Sehr lustig.<<

>>Ein bisschen<<, gab ich zu.

>>Wir sprechen uns noch.<<

>>Ich hatte gehofft, Professor Snapes Wörterbuchvorschlag würde das verhindern.<<

Er schnaubte. Dann drehte er sich um und stapfte davon. Ruby wartete. Fünf Sekunden. Dann brach sie endgültig zusammen. >>Bei Merlin!<< Sie lehnte sich gegen eine Säule. >>Ich kann nicht mehr.<<

>>Was?<<

>>Sein Gesicht!<<

>>Ruby.<<

>>Und Snape!<< Sie versuchte vergeblich, wieder Luft zu bekommen. >>Unter dem Buchstaben N!<<

Jetzt musste auch ich lachen. >>Ich glaube, Professor Snape hat langsam genug von Castor.<<

>>Langsam? Lucinda, der Mann ist höchstens noch zwei Rosensträuße davon entfernt, ihn persönlich aus einem Fenster zu werfen.<<

>>Ruby!<<

>>Was denn?<<

>>Er ist Lehrer.<<

>>Dann zieht er vorher Punkte ab.<<

Ich schüttelte lachend den Kopf. >>Komm. Bevor Castor zurückkommt.<<

Wir machten uns auf den Weg ins Schloss. Keine von uns bemerkte die blonde Frau, die wenige Meter entfernt auf einer steinernen Bank saß. Und noch weniger bemerkten wir die Feder, die mit erstaunlicher Geschwindigkeit über ihr Pergament kratzte.

***

Am nächsten Morgen wusste ganz Hogwarts davon. Ich hätte es ahnen müssen.

Eigentlich hätte ich nach den vergangenen Wochen wissen müssen, dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen einem peinlichen Zwischenfall und einer vollständigen Katastrophe gab. Rita Kimmkorn.

Als die morgendliche Post in die Große Halle flatterte, schenkte ich ihr zunächst keine Beachtung. Ein Fehler.

>>Oh nein.<< Daphne Greengrass saß mir gegenüber und starrte auf die Titelseite einer Zeitung.

Pansy Parkinson beugte sich zu ihr. >>Was?<<

Daphne sah mich an. Dann wieder auf die Zeitung. Dann wieder mich. >>Lucinda...<<

Ich legte meinen Löffel hin. >>Was hat sie geschrieben?<<

>>Woher weißt du—<<

>>Daphne.<<

Sie schob mir die Zeitung hin. Ich sah auf die Titelseite. Und schloss die Augen. Natürlich.

In großen, dramatischen Lettern prangte dort:

CASTOR THORNBLOOMS GEBROCHENES HERZ

Darunter:

Hogwarts' begehrtester Junggeselle öffentlich zurückgewiesen – wird er jemals wieder lieben können?

Ich starrte auf die Worte. >>Nein.<<

Pansy beugte sich näher. >>Oh, es wird noch besser.<<

>>Das bezweifle ich.<<

>>Lies weiter.<<

Ich wollte nicht. Ich tat es trotzdem. Rita Kimmkorn hatte sich selbst übertroffen. Offenbar hatte Castor nicht versucht, mich davon zu überzeugen, meine Begleitung für den Weihnachtsball zu wechseln. Nein.

Er hatte laut Rita „ein letztes mutiges Bekenntnis seines Herzens“ abgelegt.

Ich hatte ihm auch nicht schlicht erklärt, dass Anthony meine Begleitung blieb.

Ich hatte „seine aufrichtigen Gefühle vor den Augen einer schockierten Öffentlichkeit in Stücke gerissen“ .

>>Schockierte Öffentlichkeit?<<, murmelte ich.

Pansy deutete auf den Lehrertisch. >>Dumbledore, McGonagall und Snape zählen offenbar als Öffentlichkeit.<<

Ich las weiter. Es war ein Fehler. Anthony wurde als mein „geheimnisvoller Ravenclaw-Begleiter“ bezeichnet.

Castor hingegen war ein „junger Mann, dessen sonst so unerschütterliches Selbstvertrauen unter Stonefields eisiger Zurückweisung erstmals Risse zeigte“ .

Ich ließ die Zeitung sinken. >>Ich habe ihn nicht einmal beleidigt.<<

Daphne hob eine Augenbraue. >>Du hast ihm gesagt, dass er selbst dann nicht die richtige Entscheidung wäre, wenn Anthony sich als Fehler herausstellt.<<

>>Das war eine sachliche Feststellung.<<

Pansy begann zu lachen. >>Natürlich.<<

>>War es.<<

>>Lucinda.<<

>>Er hat gefragt.<<

>>Eigentlich hat er das nicht.<<, merkte Pansy an, doch ich zuckte nur mit den Schultern.

>>Dann hätte er es tun sollen, bevor er seine Vorzüge aufzählt.<<

Ein lautes Stöhnen vom anderen Ende des Slytherin-Tisches ließ uns aufblicken. Castor. Er hielt ebenfalls eine Ausgabe in den Händen. Sein Gesicht hatte inzwischen ungefähr die Farbe einer überreifen Tomate angenommen. >>GEBROCHENES HERZ?!<<

Mehrere Köpfe drehten sich zu ihm. Draco begann zu lachen. >>Thornbloom, wir wussten gar nicht, dass du eins hast.<<

Das war zu viel. Der halbe Slytherin-Tisch brach in Gelächter aus. Castor zerknüllte die Zeitung. >>Ich bringe diese Frau um.<<

>>Das würde den nächsten Artikel vermutlich nur interessanter machen<<, bemerkte ich.

Sein Blick schoss zu mir. >>Du bist schuld daran!<<

Ich zeigte auf mich. >>Ich?<<

>>Wenn du nicht—<<

>>Mr. Thornbloom.<<

Die Stimme kam vom Lehrertisch. Die Halle wurde merklich leiser. Professor Snape sah zu uns herüber. >>Sollten Sie tatsächlich vorhaben, Ihren ohnehin bereits bemerkenswerten Ruf durch eine öffentliche Morddrohung gegen eine Journalistin zu ergänzen, würde ich empfehlen, dies zumindest außerhalb der Großen Halle zu tun.<<

Stille. Dann erklang irgendwo am Gryffindor-Tisch ein ersticktes Prusten. Castor sank auf seinen Platz zurück. >>Nein, Professor.<<

>>Vernünftig.<< Professor Snape wandte sich wieder seinem Frühstück zu.

Ich bemerkte jedoch, wie Dumbledore neben ihm die Zeitung betrachtete. Seine Augen funkelten. McGonagall las ebenfalls. Ihre Lippen waren fest aufeinandergepresst. Ich hatte das deutliche Gefühl, dass sie denselben Kampf wie gestern führte.

Ruby saß am Ravenclaw-Tisch. Unsere Blicke trafen sich quer durch die Große Halle. Sie hob ihre Ausgabe hoch. Dann deutete sie auf die Überschrift. Ich sah sie warnend an. Sie grinste. Wage es nicht.

Ruby legte beide Hände an ihr Herz und zog ein tragisch leidendes Gesicht. Ich schloss die Augen. Als ich sie wieder öffnete, mimte sie bereits, wie sie sich dramatisch eine imaginäre Träne aus dem Augenwinkel wischte. Ich zeigte ihr unauffällig meinen Mittelfinger unterhalb der Tischkante. Ruby grinste nur noch breiter. Freundschaften waren etwas Wunderbares.

Den restlichen Tag verbrachte ich damit, den Artikel zu ignorieren. Was erstaunlich schwierig war, wenn praktisch jeder zweite Schüler, an dem ich vorbeikam, plötzlich etwas von einem gebrochenen Herzen murmelte.

Fred und George Weasley hatten Castor am Nachmittag sogar gefragt, ob sie für ihn einen Trauerkranz organisieren sollten. Er hatte abgelehnt. Lautstark.

Am Abend war ich froh, endlich den Slytherin-Gemeinschaftsraum hinter mir lassen zu können. Der Weihnachtsball war morgen. Mein Kleid hing bereits im Schlafsaal bereit. Dunkelgrün. Silberne Stickereien.

Ruby hatte darauf bestanden, dass ich es wenigstens einmal vollständig anprobierte, bevor ich mich am nächsten Abend darin vor halb Hogwarts zeigte. Ich hatte beschlossen, ihren Rat ausnahmsweise zu befolgen. Als ich die Tür zum Schlafsaal öffnete, blieb ich stehen. Fünf Paar schwarze Knopfaugen sahen mich an. >>Nein.<<

Die Bowtruckles saßen auf meinem Bett. >>Alle fünf.

Einer hatte sich in mein Kissen gekuschelt. Ein zweiter untersuchte ausgesprochen interessiert eine silberne Haarspange. Der dritte hielt etwas Glitzerndes in den Händen. Ich wusste nicht, was es war. Ich wollte es vermutlich auch nicht wissen. >>Was macht ihr hier?<<

Unschuldige Gesichter. Ich schloss die Tür hinter mir.

>>Ich frage besser nicht, wie ihr überhaupt hereingekommen seid.<< Einer der Bowtruckles pfiff leise. >>Und ich möchte ebenfalls nicht wissen, wem das gehört.<<

Ich deutete auf den glitzernden Gegenstand. Der kleine Baumwächter versteckte ihn hastig hinter seinem Rücken. Ich verschränkte die Arme.

>>Hört mir gut zu.<< Fünf Köpfe richteten sich auf mich. >>Heute ist der Weihnachtsball.<< Aufgeregtes Piepsen. >>Ja. Genau der.<< Ein Bowtruckle sprang begeistert auf meinem Bett herum. >>Und was auch immer ihr gerade denkt—nein.<< Er blieb stehen. >>Keine Pläne.<< Ein zweiter ließ langsam die Haarspange sinken. >>Keine Überraschungen.<< Der dritte sah zur Seite. >>Und ganz besonders keine Katastrophen.<<

Fünf Bowtruckles blickten mich mit einer Unschuld an, die selbst Dumbledore misstrauisch gemacht hätte. Ich seufzte.

Heute würde ich mit Anthony Goldstein zum Weihnachtsball gehen. Ruby würde vermutlich den gesamten Abend damit verbringen, meine Reaktionen auf Professor Snape zu analysieren. Castor Thornbloom hatte dank Rita Kimmkorn offiziell ein gebrochenes Herz. Hagrid würde versuchen, Madame Maxime in einem von fünf Bowtruckles abgesegneten Festumhang zu beeindrucken.

Und nun saßen diese kleinen Unruhestifter auf meinem Bett und sahen aus, als hätten sie bereits einen eigenen Plan für den Abend entwickelt.

Ich betrachtete sie. Sie betrachteten mich. Einer hob langsam beide Hände. Vollkommen unschuldig. >>Das kann ja heiter werden.<<