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Der Schlangenarmreif

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Der Schlangenarmreif

Hallo, meine Lieben :) Es geht wieder weiter. Danke an „Xio“ für die Feedbacks und es bleibt natürlich spannend in Hogwarts für unsere Hexen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Weiterlesen und habt einen schönen Sonntag :)

Liebe Grüße,

eure Melody

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Der Schlangenarmreif

Lucinda PoV

Zwei Tage nach meinem Geburtstag hatte Hogwarts beschlossen, wieder zur Normalität zurückzukehren. Zumindest offiziell.

Die Weihnachtsferien waren vorbei, die Korridore füllten sich wieder mit Schülern und bereits beim Frühstück hatte ich mehrfach jemanden darüber klagen hören, dass Unterricht unmittelbar nach Neujahr gegen irgendein grundlegendes Menschenrecht verstoßen musste.

Ich hingegen war beinahe froh darüber. Unterricht bedeutete Beschäftigung.

Beschäftigung bedeutete weniger Zeit zum Nachdenken. Und weniger Zeit zum Nachdenken bedeutete, dass ich nicht alle fünf Minuten auf mein Handgelenk starrte. Was ich selbstverständlich überhaupt nicht tat.

Ich zog den Ärmel meiner Robe ein wenig weiter nach unten. Die silberne Schlange verschwand darunter. Gut. >>Was versteckst du da?<<

Ich blieb mitten im Korridor stehen. Ruby ebenfalls. Langsam sah ich sie an.

>>Nichts.<<

Ihre Augen verengten sich. Verdammt. Es gab Menschen, die man belügen konnte. Ruby gehörte nicht dazu. >>Lucinda.<<

>>Ruby.<<

>>Du hast gerade etwas unter deinem Ärmel versteckt.<<

>>Mir war kalt.<<

Sie betrachtete den warmen Korridor. Dann mich. >>Natürlich.<<

Ich setzte meinen Weg fort. >>Wir kommen zu spät zu Zaubertränke.<<

>>Wir haben noch zehn Minuten.<<

>>Professor Snape schätzt Pünktlichkeit.<<

>>Professor Snape schätzt vor allem Ruhe, Kompetenz und die Abwesenheit von Castor Thornbloom.<<

>>Dann sollten wir ihm wenigstens einen dieser Wünsche erfüllen.<<

Ruby ließ sich nicht abschütteln. Natürlich nicht. Sie ging neben mir her und warf immer wieder einen Blick auf meinen linken Arm. >>Zeig her.<<

>>Nein.<<

>>Lucinda.<<

>>Ruby.<<

>>Jetzt mach es nicht so spannend.<<

>>Ich mache überhaupt nichts spannend.<<

>>Du versteckst etwas vor mir. Das macht es automatisch spannend.<<

Ich seufzte. Vielleicht hätte ich den Armreif heute Morgen einfach ablegen sollen. Der Gedanke war mir tatsächlich gekommen. Ungefähr drei Sekunden lang. Dann hatte ich ihn trotzdem wieder angelegt.

Seit meinem Geburtstag lag die schwarze Schatulle auf meinem Nachttisch. Ich hatte das Schmuckstück am Abend abgenommen, sorgfältig hineingelegt und mir fest vorgenommen, es dort zu lassen, bis ich wusste, wer es mir geschenkt hatte.

Am nächsten Morgen hatte ich es wieder angelegt. Aus Gründen. Welche Gründe das waren, wusste ich selbst nicht so genau. Ich mochte ihn einfach. Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Zumindest redete ich mir das ein.

Ruby blieb abrupt stehen. >>Wenn du ihn mir nicht zeigst, gehe ich davon aus, dass du heimlich verlobt bist.<<

Ich fuhr herum. >>Was?<<

>>Ah. Jetzt habe ich deine Aufmerksamkeit.<<

>>Ich bin nicht verlobt!<< Zwei vorbeilaufende Hufflepuffs sahen neugierig zu uns. Ich senkte sofort die Stimme. >>Bist du vollkommen wahnsinnig?<<

>>Möglich.<<

>>Und sprich leiser.<<

Ruby grinste. >>Dann zeig ihn mir.<<

Ich sah mich um. Niemand schien uns besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Widerwillig zog ich meinen Ärmel ein Stück zurück. Ruby verstummte. Das allein war bemerkenswert. Die silberne Schlange wand sich elegant um mein Handgelenk. Im Licht der Fackeln funkelten ihre smaragdgrünen Augen.

Ruby griff vorsichtig nach meinem Arm. >>Bei Merlin.<<

>>Nicht so laut.<<

>>Der ist wunderschön.<<

Ich konnte nicht verhindern, dass ich lächelte. >>Ich weiß.<<

Ruby hob den Blick. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich. Oh nein. >>Woher hast du den?<<

>>Geschenkt bekommen.<<

>>Das sehe ich. Von wem?<<

Ich zog meinen Arm zurück. >>Keine Ahnung.<<

Stille. Ruby blinzelte. >>Wie bitte?<<

>>Ich weiß nicht, von wem er ist.<<

>>Lucinda.<<

>>Was?<<

>>Jemand schenkt dir einen silbernen Schlangenarmreif mit Smaragden und du weißt nicht, wer?<<

>>Genau.<< Ihre Augen begannen zu leuchten. Das war gefährlich. Sehr gefährlich. >>Er lag am Abend meines Geburtstags auf meinem Bett.<<

>>Auf deinem Bett?<<

>>Ruby. Leiser.<<

Sie trat näher. >>Mit einer Karte?<<

>>Ja.<<

>>Handschrift?<<

>>Nein. Die Botschaft war aufgedruckt. Nur: Alles Gute zum Geburtstag.<<

Ruby starrte mich an. Ich starrte zurück. Dann sahen wir beide gleichzeitig auf den Armreif. >>Das ist interessant<<, sagte sie.

>>Das ist beunruhigend.<<

>>Das ist unglaublich interessant.<< Leider hatte sie recht.

Seit zwei Tagen zerbrach ich mir den Kopf darüber. Hagrid fiel aus. Dumbledore ebenfalls. Sirius hatte mir bereits etwas geschickt. Pansy und Daphne hätten niemals einen Grund gehabt, anonym zu bleiben. Anthony vielleicht?

Ich hatte den Gedanken bereits verworfen. Nach unserem Gespräch beim Weihnachtsball hätte es überhaupt nicht zu ihm gepasst, mir heimlich ein derart persönliches Geschenk zu machen. Und Castor—Nein. Castor konnte unmöglich etwas tun, ohne dafür mindestens fünfzig Zuschauer zu benötigen.

>>Wer weiß von deinem Geburtstag?<<, fragte Ruby.

>>Inzwischen vermutlich ganz Hogwarts. Danke dafür übrigens.<<, klagte ich sie an, doch sie zuckte nicht mal mit der Wimper.

>>Gern geschehen.<<

>>Das war kein Dank.<<

>>Ich nehme ihn trotzdem an.<<

Ich verdrehte die Augen. Ruby betrachtete den Armreif erneut. >>Vielleicht jemand aus Slytherin.<<

>>Das habe ich auch überlegt.<<

>>Ein Verehrer?<<, warf sie als nächstes aus, doch ich schüttelte den Kopf.

>>Nein.<<

>>Das weißt du doch gar nicht.<<

Bei Merlin. >>Ich möchte es nicht wissen.<<

>>Du möchtest unbedingt wissen, wer ihn dir geschenkt hat.<<

Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. >>Das ist etwas anderes.<<

>>Natürlich.<<

>>Ruby.<<

Sie grinste. >>Wir könnten Nachforschungen anstellen.<<

>>Nein.<<

>>Ganz unauffällig.<<

>>Bei deiner Vorstellung von unauffällig weiß am Abend die gesamte Schule davon.<<

>>Das ist beleidigend.<<

>>Das ist Erfahrung.<<

Sie verschränkte die Arme. >>Also möchtest du nicht wissen, wer es war?<<

Mein Blick fiel wieder auf die Schlange. Natürlich wollte ich es wissen. Unbedingt. Aber gleichzeitig—

Ich strich mit einem Finger über das kühle Silber. Seit ich das Geschenk gefunden hatte, hatte es etwas beinahe Eigenes bekommen. Etwas, das nur mir gehörte. Keine öffentliche Geste. Keine Zuschauer. Kein Applaus.

Jemand hatte mir etwas ausgesucht, es auf mein Bett gelegt und keinerlei Anerkennung dafür verlangt. Vielleicht bedeutete mir gerade das so viel.

>>Doch<<, sagte ich schließlich. >>Aber ich möchte nicht, dass daraus irgendein Gerücht entsteht.<<

Ruby wurde ernster. >>Verstehe ich.<<

>>Niemand muss davon erfahren.<<

>>Von mir erfährt niemand etwas.<<

Ich musterte sie. >>Versprochen?<<

>>Versprochen.<<

Ich nickte. Dann zog ich den Ärmel wieder über den Armreif. >>Und jetzt gehen wir.<<

Ruby setzte sich neben mir in Bewegung. Drei Schritte lang schwieg sie. >>Vielleicht war es ein Lehrer.<<

Ich stolperte beinahe. >>Ruby!<<

Ihr Lachen hallte durch den Korridor.

Als wir den Kerker erreichten, war meine gute Laune bereits wieder verschwunden. Nicht wegen Ruby. Zumindest nicht ausschließlich. Castor Thornbloom stand vor der Tür. Und grinste mich an. Dieses Grinsen kannte ich. Es bedeutete nie etwas Gutes. >>Geburtstagskind.<<

Ich blieb stehen. >>Nein.<<

Ruby neben mir prustete los. Castor blinzelte. >>Ich habe noch gar nichts gesagt.<<

>>Das hatten wir schon einmal. Das Ergebnis war eindeutig.<<

Sein Blick fiel auf meinen Ärmel. Dann zurück auf mein Gesicht. >>Ich habe gehört, du hattest Geburtstag.<<

>>Eine erschütternde Neuigkeit.<<

>>Warum hast du nichts gesagt?<<

>>Damit Menschen wie du nichts davon erfahren.<<

Ruby hustete auffällig. Castor grinste nur. Das gefiel mir überhaupt nicht.

>>Ich finde, ein Geburtstag muss gefeiert werden.<<

>>Meiner wurde bereits gefeiert.<<

>>Nicht von mir.<<

>>Genau das machte ihn so angenehm.<<

Er legte eine Hand aufs Herz. >>Du verletzt mich.<<

>>Du wirst darüber hinwegkommen.<<

Die Kerkertür öffnete sich. Professor Snape stand dahinter. Sein Blick glitt über uns. >>Wenn die drei von Ihnen ihre überaus wichtige gesellschaftliche Zusammenkunft beendet haben, wäre es vielleicht möglich, meinen Unterricht zu betreten.<<

Ruby und ich setzten uns sofort in Bewegung. Castor folgte. Als ich an Professor Snape vorbeiging, glitt mein Ärmel einen Moment zurück. Nur ein wenig. Das Silber blitzte hervor. Ich bemerkte, wie sein Blick darauf fiel. Nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann sah er mir ins Gesicht. Nichts. Keine Reaktion.

>>Miss Stonefield.<<

>>Professor?<<

>>Ihr Platz.<<

>>Natürlich.<< Ich ging weiter. Seltsam. Für einen Augenblick hatte ich beinahe das Gefühl gehabt—Unsinn.

Ich setzte mich neben Ruby. Sie beugte sich sofort zu mir. >>Er hat ihn gesehen.<<

>>Wer?<<

Mit einem Kopfnicken deutete sie auf unsere Fledermaus. >>Snape.<<

>Und?<<

>>Nichts. Nur eine Feststellung.<<, meinte sie und ich zischte leise.

>>Dann stell leiser fest.<<

Professor Snapes Stimme durchschnitt den Raum. >>Miss Chadwick.<<

Ruby richtete sich kerzengerade auf. >>Ja, Professor?<<

>>Sollten Ihre offensichtlich weltbewegenden Erkenntnisse auch nur entfernt etwas mit meinem Unterricht zu tun haben, dürfen Sie gerne den gesamten Kurs daran teilhaben lassen.<<

>>Nein, Professor.<<

>>Wie überraschend.<<

Ich biss mir auf die Innenseite der Wange. Ruby trat mir unter dem Tisch gegen den Fuß. Professor Snape wandte sich der Tafel zu. >>Heute werden Sie einen Trank brauen, der selbst für einige von Ihnen eine Herausforderung darstellen dürfte.<< Sein Blick wanderte durch den Raum. >>Für andere wiederum dürfte bereits die Aufgabe, einen Kessel nicht zu zerstören, ausreichend anspruchsvoll sein.<<

Sein Blick blieb an Castor hängen. Mehrere Schüler kicherten. Castor grinste. Offenbar hatte er seinen Selbsterhaltungstrieb über die Feiertage verloren. Ich hingegen betrachtete die Zutaten auf meinem Tisch. Augenblicklich war alles andere vergessen. Zaubertränke. Endlich etwas Vernünftiges.

Ich las die Anweisungen einmal vollständig durch. Dann ein zweites Mal. Interessant. Die Temperatur musste während der dritten Phase exakt gehalten werden, während die zerstoßenen Mondsteinspäne nur portionsweise hinzugefügt werden durften. Zu schnell, und die Mischung gerann. Neben mir erkannte Ruby es ebenfalls. >>Nicht schlecht<<, murmelte sie.

>>Schwierig.<<

>>Du klingst begeistert.<<

>>Bin ich auch.<<

Sie grinste. Ich begann zu arbeiten. Für die nächsten zwanzig Minuten existierte nichts außer meinem Kessel. Das gleichmäßige Schneiden der Wurzeln. Das Mahlen der Zutaten. Der Farbwechsel von tiefem Blau zu einem hellen Silber. Ich liebte diese Ruhe. Zaubertränke waren logisch. Präzise. Wenn man wusste, was man tat, bekam man ein Ergebnis. Menschen waren deutlich komplizierter.

Ich rührte gerade die Mischung gegen den Uhrzeigersinn, als plötzlich irgendwo Musik erklang. Meine Hand hielt inne. Nein. Bitte nicht. Nicht schon wieder.

Professor Snape hob langsam den Kopf. Die Musik wurde lauter. Eine fröhliche Melodie. Ich kannte sie. Jeder kannte sie. Happy Birthday.

Ich schloss die Augen. >>Castor.<<

Ruby neben mir flüsterte: >>Oh nein.<<

Als ich aufsah, stand Castor hinter seinem Kessel. Mit einem Zauberstab in der Hand. Über ihm schwebten kleine grüne und silberne Lichtfunken. >>Alles Gute nachträglich, Lucinda!<<

Absolute Stille. Ich starrte ihn an. >>Du hast nicht wirklich—<< Plopp.

Ein Hauself erschien. Mitten im Kerker. Professor Snape wurde vollkommen regungslos. Oh. Oh, das war schlecht. Der Hauself trug ein Tablett mit kleinen grünen Törtchen. >>Mr Thornbloom lässt Miss Lucinda zum Geburtstag gratulieren!<<

Ich ließ den Kopf auf meine Hände sinken. >>Warum?<<

Ruby zitterte neben mir bereits vor unterdrücktem Lachen. Castor strahlte. >>Weil Zaubertränke dein Lieblingsfach ist.<<

Langsam hob ich den Kopf. >>Deshalb überraschst du mich ausgerechnet während des Unterrichts?<<

>>Genau.<< Er klang stolz darauf.

Ich wusste nicht, was schlimmer war. Die Idee. Oder dass sie für ihn offenbar vollkommen logisch gewesen war.

>>Thornbloom.<< Professor Snapes Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Die Musik verstummte. Sofort. Der Hauself erstarrte. Castors Grinsen ebenfalls. Snape stand vorne am Pult. Sein Gesicht war vollkommen ausdruckslos.

Ich kannte diesen Ausdruck inzwischen. Er bedeutete Gefahr.

>>Professor.<<

>>Habe ich Ihnen den Eindruck vermittelt, mein Unterricht sei für private Feierlichkeiten vorgesehen?<<

>>Nein, Sir, aber—<<

>>Habe ich Ihnen erlaubt, einen Hauselfen in meinen Kerker zu bestellen?<<

>>Nein, Professor.<<

>>Habe ich Ihnen gestattet, meine Unterrichtsstunde mit diesem akustischen Angriff zu unterbrechen?<<

Ein paar Schüler lachten. Castor wurde rot. >>Es ist nur ein Geburtstagslied.<<

Snapes Augen wurden schmal. >>Ist das Ihre Verteidigung?<<

>>Ich wollte Lucinda überraschen.<<

Ich hob beide Hände. >>Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass ich damit nichts zu tun habe.<<

Snapes Blick schnellte zu mir. >>Das hatte ich bereits vermutet, Miss Stonefield.<<

Ruby gab ein verdächtiges Geräusch von sich. Castor sah zwischen uns hin und her. >>Aber Professor, Lucinda liebt Zaubertränke. Ich dachte, das wäre romantisch.<<

Stille. Professor Snape sah ihn an. Lange. Sehr lange. >>Sie hielten es für romantisch<<, wiederholte er schließlich mit erschreckender Ruhe, >>den Unterricht Ihrer Mitschülerin zu sabotieren, weil sie das Fach gerne besucht?<< Castor öffnete den Mund. >>Wenn Sie diese Logik weiterverfolgen, Thornbloom, nehme ich an, Sie würden einer begeisterten Quidditchspielerin während eines Spiels den Besen anzünden.<<

Diesmal lachte der halbe Kurs. Ich presste die Lippen zusammen. Nicht lachen.

Auf keinen Fall lachen. Castor sah gekränkt aus. >>Ich wollte doch nur—<<

Ein lautes Blubbern unterbrach ihn. Snape drehte den Kopf. Castors Kessel.

Der Trank darin hatte eine beunruhigende orange Farbe angenommen.

>>Oh<<, sagte Ruby.

>>Zurück!<<, rief ich.

Der Kessel explodierte. Ein Schwall orangefarbenen Schaums schoss bis zur Decke. Pansy kreischte. Draco sprang von seinem Platz. Ruby und ich duckten uns. Der Hauself verschwand mit einem erschrockenen Plopp . Als ich wieder aufsah, war Castor von Kopf bis Fuß mit orangefarbenem Schaum bedeckt.

Stille. Dann tropfte etwas von seiner Nase. Ich biss mir so fest auf die Lippe, dass es wehtat. Professor Snape stand vollkommen unversehrt vor seinem Pult. Langsam schloss er die Augen. >>Mr Thornbloom.<<

Castor wischte sich Schaum aus dem Gesicht. >>Ja, Professor?<<

>>Zwanzig Punkte Abzug für Slytherin.<<

Mein Kopf schnellte hoch. >>Zwanzig?!<< Snape sah mich an. Ich schloss sofort den Mund. Verdammt. Unsere Hauspunkte. Schon wieder.

Castor hob empört die Arme. >>Aber das ist doch—<<

>>Fünfundzwanzig.<<

>>Professor!<<

>>Dreißig.<<

Ich starrte Castor entsetzt an. >>Hör auf zu reden!<<

Snape hob eine Augenbraue. >>Miss Stonefield?<<

>>Verzeihung.<<

Ruby hatte inzwischen beide Hände vor dem Gesicht. Ihre Schultern bebten.

>>Mr Thornbloom<<, fuhr Snape fort, >>Sie haben meinen Unterricht unterbrochen, einen Hauselfen ohne Erlaubnis in diesen Kerker bestellt, Ihre Arbeit vernachlässigt und anschließend einen vollkommen vermeidbaren Kesselunfall verursacht.<< Er betrachtete den orangefarbenen Schaum. >>Eine bemerkenswerte Leistung für weniger als drei Minuten.<< Castor schwieg endlich.

>>Nachsitzen. Eine Woche.<<

Sein Gesicht fiel. >>Eine Woche?<<

Snape sah ihn an. Castor presste sofort die Lippen zusammen. Lernfähig. Zumindest gelegentlich. >>Und Sie werden diesen Kerker nach Unterrichtsende eigenhändig reinigen. Ohne Magie.<<

Castor starrte auf die orangefarbene Decke. >>Die Decke auch?<<

>>Besonders die Decke.<<

Ich konnte nicht mehr. Ein Lachen entkam mir. Nur ein winziges. Aber Snape hörte es. Natürlich. Sein Blick wanderte zu mir. Ich wurde sofort ernst. >>Entschuldigung, Professor.<<

Seine Augen blieben einen Moment auf mir liegen. Dann glitten sie zu meinem Handgelenk. Mein Ärmel war beim Ausweichen zurückgerutscht. Der Armreif lag vollkommen sichtbar auf meiner Haut. Für einen winzigen Moment veränderte sich etwas in seinem Gesicht. So wenig, dass ich nicht sagen konnte, was es gewesen war. Überraschung? Nein. Vielleicht bildete ich es mir nur ein.

Sein Blick kehrte zu meinem Gesicht zurück. >>Da Mr Thornbloom offenbar beschlossen hat, Slytherins Punktekonto systematisch zu vernichten, hoffe ich, dass wenigstens einige Mitglieder meines Hauses heute in der Lage sind, einen akzeptablen Trank herzustellen.<<

Ich sah auf meinen Kessel. Der Inhalt hatte inzwischen exakt den geforderten silbernen Schimmer erreicht. >>Ich arbeite daran, Sir.<<

>>Dann arbeiten Sie schneller.<< Er rauschte davon.

Ich starrte ihm hinterher. Ruby beugte sich zu mir. >>Lucinda.<<

>>Nein.<<

>>Ich wollte nur—<<

>>Nein.<<

>>Aber—<<

>>Ruby.<<

Sie schwieg. Drei Sekunden. >>Er hat den Armreif angesehen.<<

Ich drehte mich zu ihr. >>Die halbe Klasse kann den Armreif gerade sehen.<<

>>Ja.<< Sie legte den Kopf schief. >>Aber die halbe Klasse hat nicht so geguckt.<<

Ich zog meinen Ärmel herunter. >>Du interpretierst Dinge hinein.<<

>>Möglich.<<

>>Ganz sicher.<<

Ruby grinste nur. Ich wandte mich wieder meinem Kessel zu. Der Armreif lag kühl unter meinem Ärmel. Und aus irgendeinem vollkommen unerfindlichen Grund war meine Neugier auf seinen unbekannten Schenker gerade noch ein wenig größer geworden. Was ausgesprochen lästig war. Vor allem, weil ich nicht die geringste Ahnung hatte, wo ich mit der Suche beginnen sollte.

Nachdem Castors nachträgliche Geburtstagsüberraschung erfolgreich dreißig Hauspunkte, einen Kessel und den letzten Rest von Professor Snapes Geduld vernichtet hatte, kehrte endlich Ruhe im Kerker ein. Zumindest eine relative Form davon.

Castor stand noch immer neben seinem Arbeitsplatz und tropfte orangefarbenen Schaum auf den Boden, während Professor Snape mit einer einzigen Bewegung seines Zauberstabs die gröbsten Überreste der Explosion beseitigte.

>>Sie werden Ihre Aufmerksamkeit nun auf den Trank richten<<, sagte er gefährlich ruhig. >>Und sollte ich für den Rest dieser Stunde auch nur einen einzigen Ton hören, der nicht unmittelbar mit dessen Zubereitung zusammenhängt, wird Slytherin weitere Punkte verlieren.<<

Absolute Stille. Professor Snapes Blick wanderte durch die Reihen. Niemand bewegte sich. >>Erstaunlich. Offenbar sind Sie doch lernfähig.<<

Ich senkte den Blick auf meinen Kessel. Endlich. Zaubertränke. Etwas, das sich wenigstens an Regeln hielt. Ich zog die Zutaten näher zu mir und überflog noch einmal die Anweisungen. Der Trank war anspruchsvoll. Nicht unmöglich, aber empfindlich. Bereits ein paar Sekunden zu viel Hitze während der zweiten Phase würden genügen, um die Konsistenz zu ruinieren. Perfekt. Ich brauchte etwas, auf das ich mich konzentrieren konnte.

>>Stonefield.<<

Ich hob den Kopf. Draco saß schräg vor mir und sah mich an. Merkwürdig eindringlich. >>Was?<<

Er beugte sich etwas näher. >>Du musst den heute perfekt hinbekommen.<<

Ich blinzelte. >>Wie bitte?<<

>>Den Trank.<< Er deutete auf meinen Kessel. >>Perfekt. Tadellos. Außergewöhnlich. Was auch immer nötig ist.<<

Ich starrte ihn an. >>Draco, ich versuche grundsätzlich, meine Tränke richtig zu brauen.<<

>>Nein, diesmal musst du dich besonders anstrengen.<<

Pansy nickte von der anderen Seite. >>Er hat recht.<<

Jetzt sah ich zwischen beiden hin und her. >>Was ist denn mit euch los?<<

Draco warf einen finsteren Blick zu Castor. >>Wir haben gerade dreißig Punkte verloren.<<

>>Das ist mir nicht entgangen.<<

>>Dann hol sie zurück.<<

Mein Mund fiel auf. >>Ich soll was?<<

>>Du bekommst ständig Punkte für deine Tränke.<<

>>Nicht dreißig auf einmal!<<

>>Dann fang wenigstens irgendwo an.<<

Ich sah ihn fassungslos an. >>Malfoy, ich bin keine wandelnde Hauspunktproduktionsanlage.<<

>>Heute schon.<<

Ruby neben mir begann zu lachen. Ich drehte mich zu ihr. >>Hilf mir.<<

>>Wobei?<<

>>Bei der Erklärung, dass ich nicht persönlich für Slytherins Punktekonto verantwortlich bin.<<

Sie sah zu Draco. Dann zu Castor. Dann wieder zu mir. >>Also streng genommen bist du momentan unsere beste Hoffnung.<<

>>Du bist Ravenclaw!<<

>>Stimmt. Dann ist es sogar noch schlimmer.<<

Draco faltete beinahe flehend die Hände. Draco Malfoy. Flehend. Ich hätte diesen Augenblick konservieren sollen. >>Bitte, Stonefield.<<

Ich starrte ihn an. >>Hast du gerade bitte gesagt?<<

Sein Gesicht verzog sich. >>Gewöhn dich nicht daran.<<

>>Zu spät. Ich werde diesen Moment für immer in Erinnerung behalten.<<

>>Braue einfach den verdammten Trank.<<

Professor Snapes Stimme erklang vom anderen Ende des Kerkers. >>Mr Malfoy.<<

Draco erstarrte. >>Ja, Professor?<<

>>Sollte Miss Stonefield Ihre persönliche Verantwortung für den Hauspokal übernommen haben, wäre es ausgesprochen freundlich, wenn Sie sie wenigstens arbeiten ließen.<<

Ruby senkte sofort den Kopf. Ich sah sehr konzentriert in meinen Kessel. Draco murmelte etwas Unverständliches und wandte sich wieder seinem eigenen Trank zu. Ich griff nach meinem Messer. Na schön. Wenn sie unbedingt Punkte wollten—Dann sollten sie Punkte bekommen.

Schon nach den ersten Minuten vergaß ich alles um mich herum. Castor. Draco. Den Armreif. Sogar Professor Snape. Es gab nur noch die Zutaten vor mir.

Ich schnitt die Wurzel in möglichst gleichmäßige Stücke und gab sie einzeln in den Kessel. Das Silber der Flüssigkeit verdunkelte sich. Noch nicht. Ich wartete.

Ruby neben mir begann bereits zu rühren. Ich nicht. Irgendetwas sagte mir, dass die Anweisung an dieser Stelle zu früh kam. Ich betrachtete die Oberfläche. Eine kleine Blase stieg auf. Dann eine zweite. Jetzt.

Ich setzte den Löffel an und rührte. Einmal. Zweimal. Dreimal. Die Flüssigkeit wechselte von Silber zu einem tiefen Blau. Genau wie vorgesehen.

Ich arbeitete weiter. Mondstein. Zwei Prisen. Nein. Ich hielt inne. Die Anleitung verlangte drei. Mein Instinkt sagte zwei. Normalerweise hielt ich mich bei komplizierten Tränken genau an die Vorgaben. Doch Zaubertränke waren keine bloße Aneinanderreihung von Anweisungen. Man musste sie lesen können.

Nicht die Worte. Den Trank. Sehen, was er brauchte. Die Konsistenz war bereits beinahe richtig. Eine dritte Prise würde—

>>Was machst du?<<, flüsterte Ruby.

>>Vertrau mir.<<

>>Das tue ich. Ich frage trotzdem.<<

Ich ignorierte sie. Zwei Prisen. Dann reduzierte ich die Flamme etwas früher als angegeben. Die Flüssigkeit begann zu schimmern. Nicht silbern. Perlmuttfarben. Ich runzelte die Stirn. Das war nicht vorgesehen.

Ruby bemerkte es ebenfalls. >>Lucinda.<<

>>Ich sehe es.<<

>>Ist das gut?<<

>>Keine Ahnung.<<

Ausgezeichnet.

Draco drehte sich halb zu mir um. >>Was heißt, du hast keine Ahnung?<<

>>Malfoy!<<

>>Ich frage nur!<<

>>Dann hör auf!<<

Ich beugte mich näher über den Kessel. Der Trank war vollkommen klar geworden. Fast durchsichtig. Nur wenn das Licht darauf fiel, zogen sich silberne Schlieren durch die Flüssigkeit. Ich kannte dieses Ergebnis. Zumindest glaubte ich es. Sehr alte Rezepturen beschrieben manchmal eine solche Reaktion, wenn sämtliche Bestandteile in einem nahezu perfekten Verhältnis zueinanderstanden.

Aber bei diesem Trank? Ich hatte ihn früher gebraut. Vor langer Zeit. Er war gut gewesen. Sehr gut sogar. Aber nicht so. Ich nahm den Kessel von der Flamme. >>Fertig.<<

Ruby betrachtete ihn. >>Das sieht anders aus als meiner.<<

Ich blickte zu ihrem Kessel. Ihr Ergebnis entsprach exakt der Beschreibung. Silbern. Gleichmäßig. Meines sah aus wie flüssiges Mondlicht.

>>Vielleicht habe ich ihn ruiniert.<<

Draco wurde blass. >>Das ist nicht dein Ernst.<<

>>Würdest du bitte aufhören, dich in meinen Trank einzumischen?<<

>>Unsere Punkte!<<

>>Deine Sorge um meine schulische Leistung rührt mich zutiefst.<<

Ein schwarzer Schatten fiel über meinen Tisch. Wir verstummten. Professor Snape. Natürlich. Sein Blick fiel zuerst auf Ruby Kessel. >>Korrekt.<<

Ruby lächelte zufrieden. Dann sah er meinen an. Er schwieg. Das gefiel mir nicht.

Professor Snape schwieg ohnehin häufig. Aber dieses Schweigen war anders. Er beugte sich ein wenig vor. Sein Blick wurde schärfer. >>Miss Stonefield.<<

>>Ja, Professor?<<

>>Was haben Sie verändert?<<

Draco stöhnte leise. Ich ignorierte ihn. >>Ich habe die dritte Prise Mondstein weggelassen und die Temperatur ungefähr zwölf Sekunden früher reduziert.<<

Snapes Augen schnellten zu mir. >>Warum?<<

>>Die Konsistenz war bereits stabil. Eine weitere Zugabe hätte die Bindung vermutlich übersättigt.<<

>>Vermutlich?<<

Ich hob leicht das Kinn. >>Mein Instinkt.<<

Etwas in seinem Gesicht veränderte sich. Nicht viel. Bei Severus Snape veränderte sich nie viel. Er nahm eine kleine Probe. Hielt sie gegen das Licht. Die Flüssigkeit blieb vollkommen klar. Dann ließ er einen Tropfen auf ein Stück Prüfpergament fallen. Die Oberfläche färbte sich augenblicklich tiefblau. Seine Augenbraue hob sich.

Ruby sah mich an. Draco sah Snape an. Ich sah den Trank an. Und plötzlich war der gesamte Kerker still. Professor Snape stellte die Phiole ab. >>Bemerkenswert.<< Mein Herz machte einen kleinen Satz. Von ihm war das ungefähr eine stehende Ovation. >>Sie haben die vorgesehene Qualität deutlich überschritten.<<

Jetzt sah ich ihn wirklich überrascht an. >>Tatsächlich?<<

Sein Blick wurde sofort strenger. >>Nein, Miss Stonefield. Ich pflege meine Schüler aus reiner Langeweile anzulügen.<<

>>Natürlich nicht, Sir.<< Ruby biss sich auf die Lippe.

Snape betrachtete den Trank noch einmal. >>Zwanzig Punkte für Slytherin.<<

Hinter mir erklang ein erleichtertes Ausatmen. Von mehreren Personen gleichzeitig. Ich drehte langsam den Kopf. Draco grinste. Pansy hob triumphierend beide Daumen. Daphne strahlte. Ich schloss kurz die Augen. Bei Merlin.

Professor Snape bemerkte es ebenfalls. >>Ihre Mitschüler scheinen erleichtert.<<

>>Sie haben mich offenbar zum finanziellen Rettungspaket unseres Hauses erklärt.<<

Für den Bruchteil einer Sekunde zuckte sein Mundwinkel. >>Dann hoffe ich, dass Sie belastbarer sind als das derzeitige Punktekonto.<<

Ich starrte ihn an. Ruby gab ein ersticktes Geräusch von sich. Hatte Professor Snape gerade—Nein. Unmöglich.

Er wandte sich bereits ab. >>Füllen Sie eine Probe ab.<<

>>Ja, Professor.<< Ich griff nach einer Phiole.

Draco beugte sich sofort zu mir. >>Zwanzig!<<

>>Ich kann rechnen.<<

>>Nur noch zehn Verlust!<<

Ich drehte langsam den Kopf. Mein Blick fand Castor. Er bemerkte es. Und machte den Fehler zu lächeln. Oh nein.

Als Professor Snape die Stunde beendete, war ich bereits entschlossen.

>>Ihre Proben nach vorne. Hausaufgabe zwölf Zoll über die Wechselwirkungen der verwendeten Zutaten.<< Stühle rückten. Taschen wurden gepackt.

Ich verstaute meine Sachen und zog meinen Ärmel wieder über den Schlangenarmreif. Ruby wartete neben mir. >>Kommst du?<<

>>Gleich.<<

Sie folgte meinem Blick. Castor. Sofort verstand sie. >>Oh.<<

>>Was?<<

>>Nichts. Ich möchte nur nicht verpassen, was jetzt passiert.<<

>>Ruby.<<

>>Ich warte draußen.<<

>>Das wäre besser.<<

Sie grinste und verschwand. Draco ging an mir vorbei. >>Sag ihm, dass er uns noch zehn schuldet.<<

Ich sah ihm hinterher. >>Malfoy!<<

Aber er war bereits weg. Feigling. Castor packte gerade seine Tasche zusammen. Was vollkommen sinnlos war. Er musste ohnehin hierbleiben. Ich trat vor ihn.

>>Castor.<<

Er sah auf. >>Lucinda.<<

>>Wir müssen reden.<<

Sein Gesicht hellte sich auf. >>Endlich.<<

>>Freu dich nicht zu früh.<< Das Lächeln verschwand wieder. Gut. Ich verschränkte die Arme. >>Du musst damit aufhören.<<

>>Womit?<<

Ich starrte ihn an. >>Das ist nicht dein Ernst.<<

>>Mit den Geschenken?<<

>>Mit allem!<< Einige Schüler, die den Kerker noch nicht verlassen hatten, wurden auffällig langsamer. Ich senkte die Stimme. >>Die Rosen. Die Hauselfen. Deine Hogsmeade-Einladungen. Jetzt diese Geburtstagskatastrophe.<<

>>Ich wollte dir eine Freude machen.<<

>>Du hast einen Kessel explodieren lassen.<<

>>Das war nicht geplant.<<

>>Das beruhigt mich ungemein.<<

Er seufzte. >>Du bist wirklich schwer zu beeindrucken.<<

>>Castor, darum geht es nicht.<< Zum ersten Mal wurde ich ernst. Wirklich ernst. >>Ich möchte nicht beeindruckt werden.<< Sein Grinsen verschwand. >>Ich möchte auch nicht, dass du ständig versuchst, irgendeine große Geste daraus zu machen. Wenn du mit mir sprechen willst, sprich mit mir. Wenn ich Nein sage, akzeptierst du es. Und wenn ich Geburtstag habe, bedeutet das nicht, dass du meinen Lieblingsunterricht in eine Festhalle verwandeln musst.<<

Er sah mich einige Sekunden schweigend an. >>Du mochtest es wirklich nicht?<<

Ich atmete langsam aus. Vielleicht bestand doch noch Hoffnung. >>Nein.<<

>>Gar nicht?<<

>>Castor.<<

>>Schon gut.<< Er hob beide Hände. >>Ich wollte nur etwas Besonderes machen.<<

>>Dann versuch beim nächsten Mal etwas ganz Außergewöhnliches.<< Er hob fragend eine Augenbraue. >>Vernunft.<<

Hinter uns ertönte ein leises Schnauben. Ich drehte mich um. Professor Snape saß an seinem Pult. Er hatte offenbar jedes Wort gehört. Natürlich hatte er das.

Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Aber ich hätte schwören können, dass er sich gerade köstlich amüsierte. Castor bemerkte ihn ebenfalls. >>Professor.<<

>>Thornbloom.<< Ein einziges Wort.

Castors Schultern sackten nach unten. Ich wandte mich wieder ihm zu. >>Und noch etwas.<<

>>Was?<<

>>Du hast heute dreißig Punkte verloren.<<

>>Ich weiß.<<

>>Ich habe zwanzig zurückgeholt.<<

>>Ja.<<

>>Du schuldest mir zehn.<<

Er blinzelte. >>So funktionieren Hauspunkte nicht.<<

>>Ab heute schon.<<

>>Aber—<<

>>Nein.<<, unterbrach ich ihn harsch.

>>Lucinda—<<

>>Zehn Punkte.<<

>>Wie soll ich dir Hauspunkte zurückgeben?<<

>>Das ist dein Problem.<< Castor sah mich an, als wäre ich endgültig verrückt geworden. Vielleicht war ich das. Aber irgendwo musste ich anfangen. >>Und sollte deine nächste romantische Idee wieder Hauspunkte kosten, werde ich sie dir persönlich in Rechnung stellen.<<

Er grinste plötzlich. >>Du denkst also über meine nächste romantische Idee nach?<<

Ich schloss die Augen. Vernunft. Ich hatte tatsächlich auf Vernunft gehofft. Wie naiv. >>Professor Snape?<<

Severus blickte von seinen Unterlagen auf. >>Miss Stonefield?<<

Ich deutete auf Castor. >>Er gehört Ihnen.<<

Eine Pause. Snapes dunkle Augen wanderten zu Castor. Langsam. Bedrohlich. >>Wie überaus großzügig von Ihnen.<<

Castors Grinsen verschwand. Ich schulterte meine Tasche. >>Viel Spaß beim Putzen.<<

>>Lucinda!<<

Ich ging bereits zur Tür. >>Die Decke nicht vergessen!<<

>>Das ist nicht lustig!<<

Ich öffnete die Kerkertür. >>Doch.<<

Hinter mir erklang Snapes seidige Stimme. >>Mr Thornbloom. Da Miss Stonefield offenbar beschlossen hat, Sie meiner Obhut zu überlassen, würde ich vorschlagen, dass Sie Ihre verbleibende Energie nicht mit Beschwerden verschwenden.<< Ich blieb kurz stehen. >>Der Boden. Die Tische. Sämtliche Kessel. Und selbstverständlich die Decke. Ohne Magie.<<

>>Ja, Professor.<<

>>Und Thornbloom?<<

>>Ja?<<

Eine kleine Pause. >>Sollte ich während Ihrer Arbeit auch nur eine einzige Melodie hören, verbringen Sie den Rest der Woche ebenfalls hier.<<

Ich presste die Lippen zusammen. Dann trat ich hinaus. Ruby wartete tatsächlich vor der Tür. Sie sah mein Gesicht. >>Zwanzig Punkte?<<

>>Zwanzig Punkte.<<

>>Castor?<<

Ich deutete mit dem Daumen hinter mich. >>Der gehört jetzt Snape.<<

Ruby blickte zur geschlossenen Kerkertür. Dann zu mir. >>Das klingt bedrohlich.<<

Aus dem Inneren ertönte Professor Snapes Stimme. >>Gründlicher, Thornbloom! Ich sagte reinigen, nicht den Schmutz gleichmäßig verteilen!<<

Ruby grinste. Ich ebenfalls. >>Er wird es überleben.<<

>>Vermutlich.<<

Wir gingen los. Unter meinem Ärmel lag die silberne Schlange kühl an meinem Handgelenk. Und während wir die Treppen hinaufstiegen, hatte ich wenigstens für einige Minuten aufgehört, über ihren geheimnisvollen Schenker nachzudenken. Fast. Denn ganz verdrängen konnte ich ihn noch immer nicht.