LNCrawler

Albus Dumbledore

The Curse Of The Heirs - Every Darkness Has An Origin — www.fanfiktion.de · All chapters

Albus Dumbledore

Hallo, meine Lieben :) Ich hoffe, der Einstieg hat euch gefallen und jetzt geht es weiter. Immerhin haben unsere beiden Hexen eine Mission zu erfüllen. Aber zuerst einmal gibt es ein Wiedersehen mit dem verehrten Schulleiter ;) Viel Spaß beim Lesen und ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Freue mich auf eure Feedbacks.

Liebe Grüße,

eure Melody

~~~

4

Albus Dumbledore

Die Begegnung mit Hagrid wühlte mich emotional auf, doch durfte ich mich nicht zu sehr davon einnehmen lassen. Natürlich war der Halbriese mehr als erfreut, mich nach all der langen Zeit putzmunter zu sehen und obgleich ich mich ebenfalls freute, so würden wir dennoch Distanz wahren müssen. Distanz, damit niemand von meiner wahren Identität erfuhr und ich meine Rolle spielen konnte.

Lucinda Stonefield. So langsam gewöhnte ich mich an den neuen Nachnamen und war schon froh über die Entscheidung von Ruby, mir nicht auch noch einen neuen Vornamen zu verpassen. Es war schon schräg genug nach Hogwarts zurückzukehren, war es doch ein Teil meiner Vergangenheit, den ich am tiefsten im Geist verdrängt hatte. Doch nun kehrte alles mit einem Schlag an die Oberfläche zurück, als Ruby und ich gemeinsam das Schloss erreichten und aus der Kutsche stiegen. Der Thestral schnaubte zufrieden, woraufhin ich ihm leicht über den Hals strich und diese Wesen waren unglaublich sanft, was man bei ihrem Aussehen wohl gar nicht vermuten würde. Sie hatten schon früher Eindruck auf mich gemacht, so wie auch heute.

Ruby lächelte beim Anblick unserer alten Schule. >>Merkwürdig, nicht? Nach all der langen Zeit wieder hier zu sein.<<

>>Nun, Hogwarts  scheint sich kaum verändert zu haben. Zumindest vom äußeren Erscheinungsbild her.<<

>>Lass dich davon nicht täuschen, Luce. Ich bin sicher, hinter diesen Mauern gibt es noch einige Geheimnisse zu lüften und unsere Zeit hier wird bestimmt aufregend. Kaum zu glauben, dass wir nochmal die Schulbank drücken werden<<, brachte Ruby mit leuchtenden Augen hervor, doch konnte ich nur den Kopf darüber schütteln.

Sie schien in unserer Anwesenheit hier eine Art neues Abenteuer zu sehen, dabei war es eher eine geheime Mission und ich hoffte, wenigstens Glück im Bezug auf Harry zu haben. Aber wenn ich den Erzählungen von Sirius Glauben schenkte, würde es sicher nicht einfach werden seinen Patensohn zu beschützen, sondern echte Knochenarbeit. Irgendwie pure Ironie des Schicksals. Ich war ins Leben zurückgekehrt, um meinen wahnsinnigen Bruder aufzuhalten und die größte Hoffnung dafür, ruhte nun auf den Schultern eines 14-jährigen Teenagers. Ich war nicht mal volljährig gewesen, als Tom mich auf dem Anwesen unserer Familie ermordete und nun war es meine Aufgabe, Harry Potter zu beschützen, der vermutlich nicht einmal ahnte, was noch alles auf ihn zukommen würde. Deshalb betete ich, er würde schnell erwachsen werden und den Ernst der Lage begreifen. Auch wenn ich mir ein anderes Schicksal für den armen Jungen gewünscht hätte.

>>Wer zum Teufel seid ihr Zwei? Etwa Unruhestifter? Weshalb lungert ihr hier im Innenhof herum?<<, riss eine tiefe Stimme mich aus den Gedanken und ich entdeckte einen fremden Mann, der aus dem Schloss kam und direkt auf uns zusteuerte.

Ich hob eine Augenbraue, als ich seinen Aufzug betrachtete. Er wirkte ziemlich verwahrlost, da seine Kleidung eher Lumpen zu sein schienen, seine Haare waren lang und besaßen einen fettigen Ansatz, während der vordere Teil aus einer blanken Glatze bestand. Das Gesicht war zu einer grimmigen Fratze verzogen und in seinen Armen hielt er eine grau-getigerte Katze, welche uns mit ihren roten Augen intensiv zu mustern schien. Himmel, das Vieh war mir unheimlich und ich hatte das dringende Bedürfnis, die Umlaufbahn dieses Mannes zu meiden. Zum Glück hatte ich Ruby an meiner Seite, die mit ihrem Charme sofort zur Gegenwehr ansetzte und mich dadurch gekonnt abschirmte.

>>Entschuldigung, Sir. Nichts läge uns ferner, als für Ärger zu sorgen. Wir haben einen Termin bei Professor Dumbledore und werden sicher schon erwartet<<, schnurrte sie ihm zuckersüß entgegen, was mich ein wenig zum Schmunzeln brachte und der Griesgram gestand sich notgedrungen seine offensichtliche Niederlage ein.

Er brummte ungehalten. >>Na, wenn das so ist. Mitkommen!<<

Prompt machte er auf dem Absatz kehrt und trat den Rückweg an, in einem ziemlich flotten Marschschritt. Obwohl ich es überhaupt nicht mochte derart angefahren zu werden, hielt ich mich zurück. Ich musste mich wie eine künftige Schülerin von Hogwarts verhalten und je eher ich mir das einprägte, desto geringer war das Risiko für mich, später aus der Rolle zu fallen.

Ruby und ich folgten dem grimmigen Mann, der immer wieder etwas vor sich hin murmelte und ich konnte spüren, dass Verbitterung in ihm herrschte. Wie ein Zauberer wirkte er nicht auf mich, weshalb ich mir die Frage stellte, was für eine Position er in Hogwarts vertrat. Hoffentlich brachte Dumbledore ein wenig Licht ins Dunkel, auch wenn der Schulleiter selbst nicht weniger sonderbar war.

Ich verspürte ein kleines Maß an Nervosität, da ich ihm gleich begegnen würde. Schon früher hatte Dumbledore immer so eine Art an sich gehabt, die bei mir für Gänsehaut sorgte. Er war ein Mysterium in Person, bekannt für seine poetischen Ansprachen und man bekam schnell den Eindruck, er würde einem direkt in die Seele blicken, sobald er seine Augen auf jemanden fokussierte. Kein Wunder, dass er zu den größten Zauberern aller Zeiten zählte und sogar Gellert Grindelwald bezwingen konnte. Der vielleicht einzige dunkle Magier, der genauso viel Angst und Schrecken verbreiten konnte wie mein missratener Bruder.

Ich zwang mich, jetzt nicht an ihn zu denken. Stattdessen stellte ich fest, dass sich Hogwarts auch innen kaum verändert hatte. Noch immer verspürte ich die geheimnisvolle Atmosphäre, die in jeden Winkel der Mauern eindrang und es kam mir beinahe vor, als wäre ich nie weg gewesen. Als hätten die Jahre seit meinem offiziellen Tod nicht existiert und ich befände mich wieder in meiner ehemaligen Schulzeit, was einen Anflug von Nostalgie in mir weckte. Ruby hatte wohl doch recht. Es war eine Art Heimkehr für uns, nach Hogwarts zurückzukommen.

Ein wenig überraschend war es jedoch, nun vor dem Wasserspeier zu stehen, der zum Büro des Schulleiters führte. Damals war noch Armando Dippet Direktor gewesen und ich hatte so gut wie nie bei ihm Rede und Antwort stehen müssen, weil ich irgendwelchen Unfug angestellt hatte. Ohne eingebildet zu klingen, könnte man mich damals durchaus als Musterschülerin bezeichnen.

Der grimmige Mann murmelte ein Passwort, ehe wir zu dritt den Wasserspeier betraten und dieser sich nach oben drehte. Mit jedem weiteren Zentimeter wuchs meine Anspannung, weshalb Ruby mir beiläufig die Schulter tätschelte und mir versichern wollte, alles würde gut werden. Nur glaubte ich das erst, wenn wir diese Audienz hinter uns gebracht hatten.

Unser Tourguide wider Willen klopfte an die Tür, woraufhin ein flüchtiges „Herein“ erklang und die Tür aufschwang. Das Büro von Dumbledore wirkte einladend und freundlich, wenn man von den unzähligen Gemälden sämtlicher Schulleiter absah, die friedlich schlummerten und längst von uns gegangen waren. Dennoch blieben sie uns auf diese Weise erhalten, was etwas Faszinierendes an sich hatte.

Ruby schob mich unnachgiebig ins Büro, direkt hinter dem Griesgram her und ich entdeckte Dumbledore bereits, der an seinem Schreibtisch saß und nun den Blick auf uns richtete. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, nur musste ich feststellen, dass auch Dumbledore sich kaum verändert hatte. Gut, sein Bart und die Haare waren deutlich länger und inzwischen grau, aber dennoch wirkte er auf mich wie früher, wo er der Professor des Vertrauens gewesen war. Manche Dinge änderten sich wohl nie.

>>Ah, Mr Filch. Wie ich sehe, haben Sie meine ersten Ehrengäste bereits in Empfang genommen<<, sagte er und erhob sich vom Stuhl, als Filch auch schon halbherzig mit einem Kopfnicken in unsere Richtung deutete.

>>Hab sie draußen auf dem Innenhof aufgegabelt. Dachte schon, sie wären irgendwelche Verrückte, die auf dem Gelände herumlungern. Aber die Blondine meinte, sie hätten einen Termin bei Ihnen, Direktor.<<

Meiner besten Freundin klappte ein wenig die Kinnlade runter, aber ich warf ihr einen mahnenden Blick zu und der reichte aus, damit sie ihre Protestantwort runterschluckte. Dumbledore zeigte sich von der herablassenden Art, welche Filch an den Tag legte, unbeeindruckt und kam um den Schreibtisch herum. Die Hände hatte er dabei hinter seinem Rücken verschränkt.

>>In der Tat, Mr Filch. Deshalb bitte ich Sie, uns nun allein zu lassen und stattdessen die Ankunft der Schüler und anderen Ehrengäste vorzubereiten. Ich möchte, dass heute Abend alles reibungslos über die Bühne geht<<, meinte er und Filch nickte nur stumm, ehe er samt Katze davon rauschte und die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Kaum, dass er verschwunden war, klärte Dumbledore uns auf. >>Ihr müsst Mr Filch verzeihen. Er hat eine besondere Eigenart, an die man sich wohl erst gewöhnen muss. Für ihn ist es als Squib nicht leicht unter Hexen und Zauberern zu sein, aber als Hausmeister macht er einen guten Job.<<

>>Sympathisches Kerlchen<<, gab ich trocken sarkastisch zurück, was Dumbledore noch ein Lächeln entlockte.

>>Lucinda, es ist wahrlich eine Freude dich zu sehen. Wenn man die dramatischen Umstände bedenkt, die du dafür auf dich genommen hast.<<

Meine Miene blieb ausdruckslos. >>Vom eigenen Bruder ermordet zu werden ist kein leichtes Unterfangen. Aber ich habe gelernt damit zu leben.<<

>>Was Luce eigentlich sagen wollte<<, klinkte sich Ruby ein, ehe sie ebenfalls ein Lächeln aufsetzte. >>wir freuen uns ebenfalls, Sie wiederzusehen, Professor. Dippet hätte keinen besseren Nachfolger als Sie auswählen können.<<

>>Rubina Lightwood. Immer noch so charmant wie damals. Ich habe beinahe schon vergessen, für welch frischen Wind euer tolles Gespann in Hogwarts gesorgt hat. Umso schöner, dass wir das jetzt wieder aufleben lassen können.<<

Ohne Zweifel freute sich Dumbledore wirklich über unsere Rückkehr. Zugegeben, mich überforderte die Situation nach wie vor etwas, weshalb ich mich eher zurückhielt. Ruby war die aufgeschlossenere Persönlichkeit von uns, daher überließ ich ihr das Reden und bemühte mich um eine neutrale Haltung. Auch wenn ich wohl eher wie ein steifes Brett wirkte, das man im Büro des Schulleiters zur Präsentation aufgestellt hatte.

Ich musste mich erst noch an den Gedanken gewöhnen, wieder in Hogwarts und bald unter Menschen zu sein. Seit meinem Tod hatte ich eher in Isolation gelebt, um mein „Überleben“ vor Tom geheim halten zu können. Auch wenn er derzeit nicht auffindbar war, wusste ich genau, er hatte seine Augen und Ohren überall. Noch immer fragte ich mich, ob Dumbledore diesmal eine kluge Entscheidung im Bezug auf uns getroffen hatte. Aber der Schulleiter schien sich dessen zumindest sicher zu sein, war er doch tiefenentspannt und kehrte zu seinem Schreibtisch zurück – richtete aber dennoch das Wort erneut an uns.

>>Gut, dann sollten wir jetzt alle nötigen Einzelheiten besprechen. Das Wichtigste zuerst<<, begann er, ehe er sich auf seinem Stuhl niederließ und zusammen mit Ruby postierte ich mich direkt vor dem Schreibtisch. >>Ich kann euch versichern, eure Anwesenheit dürfte nicht allzu viel Aufsehen erregen. Viel eher steht ein wichtiges Ereignis dieses Schuljahr im Zentrum, weshalb der Zeitpunkt für eure Einschleusung überaus günstig ist<<, erklärte Dumbledore, was sofort die Neugier von meiner besten Freundin weckte.

>>Was für ein Ereignis?<<

Der Schulleiter winkte ab. >>Das erfahrt ihr heute Abend zusammen mit allen anderen. Wenn wir die Erstklässler eingeschult haben, werde ich euren Schulwechsel nach Hogwarts offiziell verkünden und ihr werdet vom Sprechenden Hut in eure Häuser verteilt.<<

>>Genau wie damals. Da kommt pure Nostalgie auf<<, meinte Ruby grinsend, doch dachte ich schon einen Schritt weiter.

>>Wir sollten vorher klären, in welches Haus wir gehen. Wenn wir uns auf die Entscheidung fokussieren, hat der Hut gar keine andere Wahl, als unseren Wünschen nachzukommen.<<

Ruby hob eine Augenbraue. >>Klingt, als hättest du schon eine genaue Vorstellung davon, welches Haus wir mit unserer Anwesenheit beehren sollten.<<

>>Nun, in deinem Fall würde ich wieder Ravenclaw vorschlagen<<, erwiderte ich mit entschlossenem Blick. >>Von dort aus wärst du nah genug an Harry Potter und seinen Freunden dran, um dich mit ihnen anzufreunden und gleichzeitig wahrst du eine gewisse Distanz, was dich nicht zu verdächtig wirken lässt.<<

Schon während der Zugfahrt hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Strategie die Beste für uns wäre und Ruby erneut in Ravenclaw einzuschleusen, konnte nur von Vorteil sein. Hufflepuff sagte mir nicht genug zu und sie direkt an die Front von Gryffindor zu platzieren, wäre zu auffällig. Allerdings verschränkte Ruby nun die Arme vor der Brust, während sie mich erwartungsvoll betrachtete.

>>Und was ist mit dir? Willst du dich etwa persönlich in die Höhle des Löwen begeben?<<

Ich schüttelte den Kopf. >>Keineswegs. Mein Posten wird eher die stille Beobachterin sein und der, heimlich Recherche zu betreiben. Daher werde ich - und ich kann kaum glauben, dass ich das jetzt sage – ins Haus der Schlangen gehen müssen. Wenn Tom irgendwelche Spuren hinterlassen hat, dann sicher im Haus, wo er sich damals überaus wohl gefühlt hat.<<

Slytherin wäre unter normalen Umständen keineswegs das Haus gewesen, welches ich überhaupt in Erwägung zog. Aber es ging diesmal nicht darum, den Alltag in Hogwarts möglichst angenehm zu gestalten und die Schulzeit zu genießen, sondern nach Antworten zu suchen und die Vernichtung meines Bruders zu garantieren. Wenn ich dafür in die Schlangengrube absteigen musste, würde ich mich dem fügen.

Dumbledore zeigte sich durchaus zufrieden. >>Ein kluger Schachzug, Lucinda. Dein Scharfsinn ist ohne Zweifel noch immer unangefochten. Ravenclaw war damals die ausgezeichnete Wahl für dich.<<

>>Meinst du denn, du kannst überzeugend genug sein, um den Hut zu bewegen, dich nach Slytherin schicken zu lassen?<<, räumte Ruby ihre Zweifel ein, woraufhin ich kaum merklich seufzte.

>>Ich werde wohl einfach besonders düstere Gedanken in dem Moment hegen müssen, um ihn von meinen hinterlistigen Absichten zu überzeugen. Ehrgeiz wird bei der Zeremonie großgeschrieben, Ruby.<<

Ein purer Widerspruch in sich selbst, wo ich dunkle Künste und dergleichen seit jeher verabscheute. Diese Abneigung war noch stärker geworden, als Tom sich immer mehr der falschen Seite zuwandte und zu jener Person entwickelte, welche er inzwischen verkörperte. Wobei ich mir nicht sicher war, ob man ihn noch als Person bezeichnen konnte. Viel eher war er zu einem Monster geworden, welches Kinder in ihren schlimmsten Albträumen heimsuchte.

>>Lucinda schafft das, daran habe ich keinen Zweifel<<, durchbrach Dumbledore meine Gedanken. >>Wie soll ich euch denn ankündigen? Eure richtigen Namen könnt ihr kaum verwenden, auch wenn nur sehr wenige Anwesende in Hogwarts um eure wahren Identitäten wissen<<, wollte er wissen, woraufhin Ruby ihn erleuchtete.

>>Also, ich bin für alle einfach Ruby Chadwick und Lucinda trägt offiziell den Nachnamen Stonefield. Ihre Familie ist, wie auch im wahren Leben, tot und sie kennt ihren Blutsstatus nicht, da sie im Waisenhaus aufgewachsen ist, bevor man sie zur Privatschule schickte. In meinem Fall, wuchs ich bei meiner Tante auf, die inzwischen verstorben ist und meine Eltern starben bei einem Autounfall. Sollte jemand fragen, so bin ich Halbblut.<<

Immer wieder war ich über die Kreativität meiner besten Freundin erstaunt. Sie hatte mal soeben eine glaubwürdige Hintergrundgeschichte für unsere jeweiligen Tarnidentitäten erfunden. Da Dumbledore nur zustimmend nickte, schien auch er nichts daran auszusetzen. Dann würde der schwierigste Part wohl in der Tat werden, den sprechenden Hut von meinem Plan zu überzeugen. Bei Ruby machte ich mir keine Gedanken, da sie damals ja schon in Ravenclaw gelandet war. Aber bei mir…konnte ich wirklich den Stolz, Ehrgeiz und die List bei der Zeremonie durchblicken lassen, was für Slytherin unverzichtbar war?

Tja, das würde ich wohl heute Abend herausfinden und hoffte, es ging alles glatt. Zu viel hing vom Erfolg unserer Mission ab, wo mir doch jetzt wieder die Ereignisse der Quidditch-Weltmeisterschaft in den Sinn kamen. Das Dunkle Mal prangte am Himmel, Todesser versetzten die Anwesenden in Angst und Schrecken, wovon der Tagesprophet ausgiebig berichtet hatte. Für mich war das ein klares Zeichen: Voldemort könnte unmittelbar vor seiner Rückkehr stehen.

>>Was geht dir durch den Kopf, Lucinda?<<, fragte Dumbledore, der mein nachdenkliches Gesicht wohl bemerkt hatte und ich fiel mit der Tür geradewegs ins Haus.

>>Die Quidditch-Weltmeisterschaft. Was dort geschehen ist, beunruhigt mich. Das alles könnte darauf hindeuten, dass uns dunkle Zeiten bevorstehen. Vor allem, wenn sich meine schlimmste Befürchtung bestätigen sollte.<<

Dumbledore verstand meine Andeutung. >>Du glaubst, Voldemort könnte wiederkehren.<<

>>Ich glaube es nicht nur, ich weiß es.<<

Durch die Verbindung zu Tom, konnte ich es deutlich spüren. Seine Macht war in den letzten Monaten stetig stärker geworden, wenn auch nur in kleinen Schritten. Doch genügte es mir, um davon ausgehen zu müssen, schon bald der Rückkehr von Lord Voldemort ins Gesicht zu sehen.

Ruby erwiderte nichts, da sie auf meinen Instinkt vertraute und diesen niemals infrage stellen würde. Auch Dumbledore hüllte sich in Schweigen. Scheinbar reichte meine Aussage, um einen Schockmoment auszulösen oder aber, Dumbledore wusste mal wieder mehr, als er der Außenwelt preisgab. Wäre zumindest nicht das erste Mal.

Der Schulleiter bemühte sich schließlich um Zuversichtlichkeit. >>Konzentrieren wir uns erstmal auf das Wesentliche. Für eure Anwesenheit ist jedenfalls alles geregelt. Außer mir weiß nur Hagrid, wer ihr wirklich seid und Minerva McGonagall habe ich ins Vertrauen gezogen. Dann habt ihr eine Ansprechpartnerin, falls es Probleme geben sollte. Niemand sonst kennt eure wahren Identitäten<<, versicherte er uns, woraufhin ich mich ein wenig entspannte.

>>Sehr gut. Hoffen wir, dass es auch so bleibt. Harry darf nicht wissen, wer ich bin. Das würde mir den Job nur erschweren, ein Auge auf ihn zu haben. Obwohl ich glaube, es wird mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen sein.<<

Ruby kicherte ein wenig. >>Laut Sirius hat er eine Menge von James geerbt, das dürfte wirklich interessant werden.<<

Wohl eher heiter, wenn man mich fragte. Zwar war ich James Potter niemals persönlich begegnet, aber ich hatte durch Sirius genug Geschichten von den Rumtreibern gehört und konnte mir äußerst gut vorstellen, wie viel Unfug die Jungs damals angestellt haben mussten. Aber an Mut konnte es ihnen ebenfalls nicht gemangelt haben, waren sie doch allesamt in Gryffindor gelandet. Wahrscheinlich hatte der Hut auf seine Weise schon erahnen können, welch schicksalhafter Pfad ihnen bevorstand.

Ein Klopfen an der Bürotür unterband jegliche weitere Konversation und Dumbledore gewährte Einlass, als auch schon eine Hexe mit Spitzhut und langem Umhang den Raum betrat. Ihr Blick war überaus streng und ernst, aber dennoch hatte sie etwas Sympathisches an sich und Dumbledore schenkte ihr ein freudiges Lächeln.

>>Ah, Minerva. Wie passend, dass Sie uns gerade einen Besuch abstatten. Das sind Ruby und Lucinda. Unsere Spezialschüler, wenn ich das so formulieren darf. Ich möchte euch beiden Minerva vorstellen. Hauslehrerin von Gryffindor und stellvertretende Direktorin.<<

Ich nickte der Hexe höflich zu und Ruby lächelte höflich, was McGonagall zur Kenntnis nahm. Sie musterte uns ausgiebig, vor allem mich und ich konnte nur erahnen, was möglicherweise gerade in ihrem Kopf vor sich ging. Der Schwester von Voldemort zu begegnen, konnte auf jeden schon mal besorgniserregend wirken, wenn man um meine wahre Identität wusste.

Allerdings zeigte sich McGonagall vertrauenswürdig. >>Dann hoffen wir mal, dass Ihre Anwesenheit in Hogwarts zum gewünschten Erfolg führt<<, sagte sie an uns gerichtet, ehe sie sich an Dumbledore wandte. >>Ich sollte Ihnen Bescheid sagen, sobald die Schüler eintreffen. Unsere Besucher erreichen Hogwarts gerade ebenfalls<<, teilte sie ihm mit, woraufhin der Zauberer nickte.

>>Danke, Minerva. Seien Sie so gut und geleiten unsere beiden Damen hier mit zur großen Halle. Wir lassen sie nach der Einschulung der neuen Erstklässler eintreten. Der sprechende Hut fällt dann die notwendigen Entscheidungen bezüglich der Hauswahl.<<

Die Hexe neigte gehorsam den Kopf, ehe sie eine große Pergamentrolle von Dumbledore gereicht bekam und darauf waren sicher alle Namen der Neuzugänge verzeichnet. Erschreckend, wie lange der Tag unserer richtigen Einschulung bereits zurücklag. Auch wenn ich das Erscheinungsbild einer 16-jährigen besaß, kam ich mir bei dieser Erkenntnis irgendwie erschreckend alt vor. Gut, im Grunde war ich das ja auch. Wie gut, dass man es mir nicht ansehen konnte.

>>Dann sehen wir uns bei der Einschulungsfeier<<, ließ Dumbledore noch verlauten und Ruby grinste verschlagen.

>>Wir können es kaum erwarten.<<

Mein Blick reichte aus, damit sie mir zuzwinkerte. Dumbledore zeigte sich amüsiert über meine Reaktion, aber schon früher war mein trockener Humor recht humorvoll angekommen. Damals war ich aber auch weitaus positiver gestimmt. Hatte ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht geahnt, welch dramatische Wendungen mein Leben nehmen würde.

McGonagall gab uns mit einem strengen Blick zu verstehen, ihr zu folgen und ich zog Ruby mit, die sonst mit Dumbledore bestimmt noch ein spontanes Kaffeekränzchen abgehalten hätte. Noch immer kam es für mich einem Wunder gleich, dass sich ihre optimistische Art trotz der Vergangenheit kaum verändert hatte. Wahrscheinlich hatte sich Sirius gerade deswegen auch Hals über Kopf in meine beste Freundin verliebt. Weil sie einem stets das Gefühl gab, alles erreichen zu können. Hoffentlich galt das auch für unsere bevorstehende Mission, die wir genau in diesem Augenblick nun antraten.

***

Einige Jahre zuvor...

Ruby PoV

Es gab Tage, an denen ich beinahe vergaß, wie sich ein normales Leben anfühlte. Unser Exil dauerte nun schon Jahre. Lucinda und ich hatten uns an das Versteck gewöhnt, an die endlosen Wälder, an das Knistern des Kamins und daran, stets mit einem Ohr auf jedes verdächtige Geräusch zu lauschen. Die Welt hielt uns für tot oder verschollen. So musste es auch bleiben. Nur Albus Dumbledore kannte die Wahrheit.

In unregelmäßigen Abständen erreichten uns seine Nachrichten. Mal brachte eine Eule einen Brief, mal erschien ein silberner Phönix-Patronus, der uns Neuigkeiten übermittelte. Er erzählte vom Erstarken Voldemorts, von den Familien, die Hilfe benötigten, und schließlich vom Orden des Phönix, den er gegründet hatte.

Wir konnten dem Orden nicht offiziell beitreten. Dafür war Lucindas Existenz ein viel zu großes Risiko. Also halfen wir aus dem Schatten. Ich stellte Tränke her, entwickelte Schutzzauber und alchemistische Gegenstände. Lucinda sammelte Informationen und entdeckte Dinge, die anderen verborgen blieben. Niemand wusste, wer hinter dieser Unterstützung steckte. Fast niemand.

Sirius Black wusste es.

Nachdem Dumbledore ihn eingeweiht hatte, hatte er schwören müssen, Lucindas Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Anfangs hatte ich ihm misstraut. Nicht weil er unfreundlich gewesen wäre – ganz im Gegenteil – sondern, weil Vertrauen in unserer Lage ein Luxus war. Doch Sirius war…anders.

Laut, ungestüm, manchmal geradezu unverschämt, aber mit einem Herzen, das größer war, als er je zugeben würde. Und heute stand er wieder vor unserer Tür. >>Ich hoffe,  ich störe nicht.<<

>>Du störst nur, wenn du den Tee austrinkst<<, erwiderte ich grinsend.

>>Na, wunderbar. Dann trinke ich eben alles.<<

Ich verdrehte lachend die Augen. Lucinda schüttelte nur schmunzelnd den Kopf. >>Ich gehe etwas Holz holen. Ihr zwei könnt euch ja weiter über seltsame Steine unterhalten, wie beim letzten Mal.<<

Sie verschwand nach draußen. Sirius sah ihr kurz nach, ehe sein Blick wieder zu mir wanderte. >>Also…woran arbeitest du diesmal?<<

Ich führte ihn zu meinem Arbeitstisch. Überall lagen Phiolen, Runen, Metalle und Kristalle. >>Ein Verstärkerkristall.<<

>>Natürlich.<<

>>Du hast keine Ahnung, was das ist.<<, sagte ich und er grinste.

>>Nicht die geringste.<<

Ich lachte. >>Dachte ich mir.<< Behutsam hob ich einen durchsichtigen Kristall an. >>Alchemie ist viel mehr als Gold herstellen. Das glauben immer alle. Tatsächlich geht es um die Natur der Magie selbst. Jeder Stoff besitzt eine Erinnerung. Man muss sie nur verstehen.<<

Sirius stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch. Er hörte tatsächlich zu. Nicht höflich und nicht aus Pflichtgefühl. Er war wirklich interessiert. >>Und dieser Kristall?<<

>>Er speichert magische Energie.<<

>>Wie ein Zauberstab?<< >>Nein.<< Ich schüttelte den Kopf. >>Ein Zauberstab leitet Magie. Dieser hier…bewahrt sie auf.<<

Seine Augen wurden größer. >>Das ist…unglaublich.<<

Ich musste lächeln. >>Die meisten Zauberer halten Alchemie für verstaubte Theorie.<<

>>Dann sind die meisten Zauberer Idioten.<<

Ich prustete los. >>Das hast du gesagt.<<

>>Und ich bleibe dabei.<< Er betrachtete die Werkzeuge auf meinem Tisch. >>Ich glaube, ich habe noch nie jemanden erlebt, der mit solcher Begeisterung über Kristalle spricht.<<

>>Sie sind faszinierend.<<

>>Das bist eher du.<<

Ich erstarrte. Langsam hob ich den Blick. Sirius sah mich an. Nicht spöttisch. Nicht neckisch. Einfach nur…ehrlich. Für einen Moment vergaß ich sogar zu atmen. >>Danke<<, brachte ich schließlich leise hervor.

Um die plötzlich entstandene Stille zu überspielen, griff ich nach einem kleinen Bergkristall.  Doch meine Finger glitten ab. >>Oh!<<

Der Kristall rutschte über den Tisch. Instinktiv griff Sirius danach. Ich ebenfalls. Unsere Hände berührten sich. Der Kristall fiel trotzdem zu Boden. Ein helles Klirren erfüllte den Raum. Wir sahen gleichzeitig nach unten. Dann wieder einander an. Seine Hand lag noch immer auf meiner. Warm und fest.

Mein Herz schlug plötzlich viel zu schnell. Ich wollte etwas sagen. Irgendetwas. Doch kein Wort kam über meine Lippen. Sirius‘ Blick glitt von meinen Augen zu meinen Lippen und wieder zurück.

Ich sah, wie er mit sich rang. Als wollte er vernünftig sein. Als würde er wissen, dass er eine Grenze überschritt. Und dann gab er diesen Kampf auf. Ganz vorsichtig hob er seine freie Hand an meine Wange. >>Ruby…<<

Mehr sagte er nicht. Er beugte sich langsam vor. Ich hätte zurückweichen können. Tat ich aber nicht. Stattdessen schloss ich die Augen. Seine Lippen berührten meine. Sanft. Zögerlich. Als wollte er mir jede Möglichkeit geben, ihn fortzuschicken. Doch ich tat das Gegenteil.

Ich erwiderte den Kuss. Zuerst vorsichtig. Dann immer sicherer. Es war, als würde die Welt um uns herum verschwimmen. Der Regen draußen, das Feuer im Kamin, die Gefahren des Krieges – für einen kostbaren Augenblick existierte nichts davon.

Als wir uns schließlich voneinander lösten, blieb unsere Stirn aneinander gelehnt. Ich konnte nicht verhindern, dass ich lächelte. >>Jetzt…<<, murmelte ich leise, >>…ist der Kristall wirklich kaputt.<<

Sirius sah mich mit diesem schelmischen Grinsen an, das ihm so unglaublich gut stand. >>Dann musst du wohl einen neuen herstellen.<<

>>Und warum?<<

>>Damit ich irgendwann wieder einen Grund habe, ihn aufzuheben.<<

Ich lachte, schüttelte den Kopf und gab ihm einen sanften Stoß gegen die Schulter. >>Du bist unmöglich.<<

>>Mag sein.<< Er lächelte. >>Aber offenbar genau unmöglich genug.<<

Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte sich unser Versteck nicht mehr wie ein Geheimnis an. Sondern wie ein Ort, an dem zwischen Schatten und Geheimnissen etwas Neues entstand. Etwas, das selbst Voldemort niemals würde zerstören können.